Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

LU ü n e h e n.

Wie einst Athen im schönen GriechenlantcDie Kunst in höchster Blüthe prangen sah.So steht nun München an der Jsar StrandeDurch seiner Künstler Hand verherrlicht da;Was sie hier schuf in innigem Verbände,Wird lau» und hoch gepriesen fern und nah.Und jeder wiu die hcil'ge Statte schauen.Wo stch die Musen selbst den Sitz erbauen.

München die Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Baicrnliegt in einer großen und wenig fruchtbaren Ebene an der Jsar, gegen Ostenund Westen von zwei mäßigen Anhöhe» begränzt, welche, die eine, derGasteigberg, 8V Fuß hoch, die andere, der Galgenberg, weit über die Hälfteniedriger, in der Entfernung von ungefähr einer halben Stunde beinahe inparalleler Richtung hinlaufen, und die ehemalige» Ufer jenes wilden Gebirg-stromes gebildet zu haben scheinen. Der beßte Standpunct für die Ansichtvon München ist unstreitig der östliche Gränzrand der Jsar, der sogenannteGasteigberg. Rauschend strömt hier dieser Fluß zu des Beschauers Füßen,während sich jenseits desselben die Stadt mit ihren weitläuftigen Vorstädtenausbreitet; in weiter Ferne zieht sich westlich die Fläche des Dachauer Mooseshin; im Süden schaut die hohe Gebirgswand des baierischen Hochlands undTirols mit schneeigem Gipfel in feierlichem Ernste herüber, malerisch schön inder Vergoldung des frühen Morgenlichts, wie der späten Abendsonne; nachNorden zu endlich verliert sich das Auge in das freundliche Grün des großenenglischen Gartens, aus dem hier und da die durchfluthenden Jsararme Heraus-blicken. Auch unser Zeichner wählte seinen Standpunct für die Totalansicht vonMünchen (5lr. 2) auf dieser Seite, jedoch etwas tiefer, um über der land-schaftlichen Einfassung den eigentlichen Gegenstand des Bildes, die Stadt,nicht zu sehr aus dem Auge zu verlieren. Es ist ganz derselbe Standpunct,welchen auch der berühmte Prospectenmaler vcr»!>r<io li.stlvx <Ie llsnnletwfür sein Gemälde von München wählte.

Des landschaftlichen Reizes entkleidet, erscheint hier München mehr inseiner städtischen Eigenthümlichkeit. Da erheben sich keine kühnen Dome, keinealtergrauen Kapellen, keine halbzerfallenen Reichsschlösscr, gleichwie in somanchen andern seiner baierischen Schwesterstädte. Die Lrauenkirchc, dieHauptkirche der Stadt, ist fast das einzige Gebäude, welches in seiner an-sehnlichen Masse und mit seinen weithinschauenden, sonderbar geformten Kuppel-thürmen der Stadt ein feierlich, ernstes und alterthümliches Ansehen verleiht.Links von der Frauenkirche erblicken wir zunächst den alten UathHausthurm,(ehemals ein Stadtthor, das untere oder Thalbrückerthor genannt, aber bereitsseit dem 14. Jahrhundert als Raththurm bekannt), der nach beiden Seitenmit dem Rathhause und dessen verschiedenen Abtheilungen in Verbindung steht.Hierauf folgen in geringem Iwischenraume von einander: die alte Kirche z»St. Peter (1370 zum zweiten Male erbaut, mit 18 Altären, die zum Theilmit Gemälden geziert sind) und die Kirche zum heiligen Geiste (1731verschönert und neu eingeweiht); hinter beiden Kirchen aber zieht sich das hoheDach der Hofkirche zum heiligen Michael hin, (welche letztere, mitvieler Pracht und Majestät im italienischen Geschmack erbaut, 1507 eingeweihtwurde, und das berühmte Epitaphium des 1834 verstorbenen Herzogs von

Leuchtenberg von Thorwaldsens Meisterhand enthält). Nach einem größernZwischenraume steigt sodann hinter dem etwas plump hervortretenden Gebäudeim Vordergrunde, einem sogenannten lvasserthurm, der hagere viereckigeThurm der (erst im Jahre 1833 vollendeten und eingeweihten) neuen pro-testantischen Kirche empor, worauf die (1817 vollendete) neue Kasernedes Kürassierregiments durch ihre imposante Masse dem Bilde auf dieserSeite einen genügenden Schluß gewährt. Rechts dicht vor der Frauenkirchestellt der hohe viereckige Thurm mit dem dreithorigen Portale das restaurirteAsarthor dar; weiterhin erblickt man den Thurm der dem griechischen Cultusgewidmeten sehr alten St. Salvatorskirche, eine Ecke des Königsbau»,das Theaterzebauke, die Kuppel der ThcatinerKirche (auch Hofkirchezum heil. Kajetan genannt, 1875 im italienischen Styl aufgeführt, mit man-chen Sehenswürdigkeiten), die Pfarrkirche der St. Anna-Vorstadt undeinige andere Gebäude von minderer Bedeutung. Die äußere Peripherie,welche sich um diese innere (hier nur sichtbare) sogenannte Alt-Stadt zieht,ist fast ganz von den neuen Stadt-Anlagen eingenommen. Im Border-grunde unseres Bildes, von wo aus sich links die Vorstadt Au, die größteund merkwürdigste von allen Vorstädten Münchens, längs der Jsar hinzieht,sehen wir zwischen Häusern und Bäumen den einen Hauptarm der Jsar linksunter der schönen neuen steinernen Brücke hervortreten, während der anderemit der darüber führenden kleineren Brücke jenseits der Insel durch vorste-hende Gebäude verdeckt ist. . Den eigentlichen Vordergrund bildet ein kleinerfreier Platz, auf welchen mehrere Straßen, die Wiener-, Allee- und Rosen-Heimcr-Straße auslaufen. In feierlicher Haltung sehen wir in der Mitte einebis über die Brücke hin sich ausdehnende Procession nach der Stadt zurück-kehren; rechts außerhalb des Gesichtspunctes unsers Bildes befindet sich einStandbild, Christus mit Maria und Johannes darstellend, nebst einer Knie-bank vor demselben. Einzelne Gruppen von Spaziergängern, ein Wagen mitmehreren Bierfässern, welche aus einem benachbarten Keller nach der Stadtgebracht werden, tragen gleichfalls zur Belebung des Vordergrundes bei.

Haben wir somit einen topographischen Uebcrblick von München gewon-nen, so mögen folgende wenige Bemerkungen dazu dienen, eins ähnliche Ueber-sicht über die wichtigsten Momente aus der Geschichte dieser Stadt zu ge-währen. München, ursprünglich wohl eine mönchische Ansiedelung (an welchenoch heute ein im Stadtwappen befindlicher Mönch oder --Münch» erinnert),ward erst im 11. und 12. Jahrhundert als Wohnort von einigem Umfangbekannt. Damals hatten die Bischöse von Freising zu Vöhring, einemDörfchen auf der Anhöhe des rechten Ufers der Jsar, eine Stunde unterhalbMünchen, unter kaiserlichem Schutze eine Brücke über die Jsar geschlagen,und daselbst eine Münzstätte nebst Salzniederlage und ein Jollhaus errichtet,