steht eine kleine Kapelle, welche zwei Brüder, wovon der eine Pfarrer zuJlz und der andere Jlzrichter war, im Jahre lSI2 erbauten. Weiter obenliegt das Kloster- oder Frauengütchen, welches eine sehr schöne Aussicht aufPaßau und die drei Flüsse darbietet. — Wir steigen jetzo zum Schlosse Ober-haus empor. Auf dem kürzesten Weg dahin führt vom Anger aus eine stei-nerne Treppe durch eine enge Bergschlucht, welche ein von der Höhe stürzen-des Bächlein zum angenehmen Spaziergang macht. Doch kann man auch aufbreiter Straße über den Holzgarten und auf einem bei der Salvatorskirche undJlzbrücke vorbeiführenden Fahrwege dahin gelangen. Die Schicksale diesesBergschlosses, das in neuester Zeit zu einer bedeutenden Festung hergestellt wur-de, sind denkwürdig. B. Ulrich II., Graf von Diessen, war es, der auf demhoch über die ganze Gegend gebietenden Felsberge, wo schon aus früherer Zeitdem heil. Georg zu Ehren ein Kirchlein stand, das dem Frauenstifte Niedern-burg angehörte, in den I. 12IS — 1Y mehr zu seinem und seiner NachfolgerSchutz gegen die Bürger der Stadt, als um die letztere gegen äußere Feindezu schirmen, ein Schloß mit Mauern umgeben, und durch Thürme und festeThore gesichert, aufführen ließ. Ein Schloßhauptmann, der zugleich Landrich-ter auf dem Oberhaus war, wurde als Commandant bestellt. Bald nach Ul-richs Tode in Palästina lehrte die Erfahrung den großen Werth dieses Schlos-ses kennen. Denn als unter B. Bernhard im I. 12Y8 die bürgerlichen Unru-hen ausbrachen, und lang unterdrückter geheimer Groll gegen die fürstbischöf-liche Oberherrschaft zur offnen Fehde ward, da flüchtete sich der Bischofmit der Geistlichkeit hinter die festen Schutzwehren des Oberhauses; die Bür-ger der Jlzstadt und des Landes tapferste Ritter, sowie der Graf zu Hals, derdie Marschallwürde zu Passau trug, kamen ihm zu Hilfe. Großes Elend herrschteseitdem in den Straßen der inneren Stadt, wohin der Bischof Feuerbrände
und große steinerne Kugeln werfen ließ. Im I. IZ6? kam es zu noch hefti-geren Auftritten, und das Schloß Oberhaus, welches B. Gottfried von Weis-seneck im I. IZllZ mit dem Niederhause in Verbindung gesetzt hatte, mußteeine förmliche Belagerung aushalten, was sich in der Folge noch öfter ereig-nete. Der Bischof Christoph Schachner (reg. von laflo—1500), einbaulustigerHerr, verschönerte die Wohnzimmer des Schlosses und erweiterte den sogenann-ten Rittersaal. Die Bischöfe wohnten lieber in dieser Burg, als in der Resi-denz der Stadt. Späterhin wurden daselbst angenehme Gärten angelegt undnoch vieles Geld zur Aufführung neuer Gebäude verwendet. Die Schloßkapelleließ Bischof Urban von Trcnnbach i. I. 1586 in ihrer gegenwärtigen Form her-stellen. Am meisten aber verwendete der Kardinal Joh. Phil. Lamberg (reg.168Y—1712) auf die Vergrößerung der Festungsswerke, sowie er überhaupt diesesFort nach den neueren Grundsätzen in besseren Vertheidigungszustand setzen ließ.Er legte unter andern das sogenannte Philippswerk an, womit mehrere andereBauten in Verbindung standen. Das sogenannte neue Werk, wo die Feuer-lärm-Kanonen gelöset werden, wurde erst später errichtet. Seit dem I. I806hat das Schloß Oberhaus manche Erweiterung und Veränderung und über-haupt erst wahre militärische Bedeutung erhalten. In Friedenszeiten befindensich hier stets IZ0 Mann nebst dem commandirten Major, welcher ausser denFestungswerken auch die Militärarrestanten, etwa Z0 an der Zahl, sowie einigestets daselbst befindliche Staatsgefangene, zu überwachen hat. Der Fremdeversäume nicht, sich von demselben die Erlaubniß zum Besuch der äusserenj Werkezu verschaffen. Wie ein Panorama liegt von denselben, und zwar besondersvom Neuwerke aus Paßau, mit seinen Straßen, Kirchen und übrigen Gebäu-den, enge umschlungen von den beiden Strömen, der Donau und dem Jnn,ausgebreitet in der Tiefe des freundlichen Thales.