Weihwasserkessel befindet sich übrigens in dieser Kirche ein römisches Denkmalmit einer Inschrift. — In der Mitte des ziemlich hohen Berges, an dessenFuße die Jnnstadt zum Theile sich hinzieht, liegt das nunmehr seit IMZaufgehobene Sapuzinerklostcr. Die Kirche, sowie der größte Theil desKlosters, welche im Jahre 1610 von einem Grafen von Sinzendorf erbautund gestiftet worden, sind bereits Ruinen, und nur den gegen Osten liegendenFlügel benutzt man seit löoy als Aufbewahrungsort für Wahnsinnige. —Ganz oben auf der Bergeshöhe, welche über die Stadt und ganze Umgegendeinen überaus schönen Anblick gewährt, steht die berühmte WallfahrtskircheMaria-Hilf, wohin von dem Kapuzinerthor an eine bedeckte Stiege mit26t! Stufen emporführt. Der Bischof Erzherzog Leopold von Oesterreich wares, der hier in Folge einer wunderbaren Erscheinung im Jahre 1622 eine kleineKapelle erbaute, und in dieselbe ein auf Holz gemaltes Marienbild mit demJesuskinde auf dem Arme, ein Geschenk des Kurfürsten Georg von Sachsen,stiftete. Einige Jahre später ließ er die Kirche nebst einem ansehnlichen Ne-bengebäude für die dieselbe besorgenden Kapuziner erbauen. Diese Kirche erhieltbald einen solchen Ruhm, selbst im fernsten Auslande, daß von allen Gegendenandächtige Waller herbeiströmten, welche das heil. Abendmahl dort empfin-gen und den Kirchenschatz durch unermeßliche Geschenke vergrößerten. Für dieGewerbe überhaupt, besonders in der Jnnstadt, entstand hieraus eine reich-liche Quelle des Gewinns, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Abnahmeder Wallfahrten nächst der Aufhebung der Klöster auf das Sinken der Ge-werbe in der Stadt Paßau sehr bedeutend eingewirkt hat. Gleichwol birgt dieKapelle noch immer einen unermeßlichen Reichthum. Man sieht hier silberneArme, Beine und dergl. in Masse, und ganz neuerdings wurde der Hochaltarmit großen stark übersilberten Säulen, vergoldeten Kapitalen und schwerensilbernen Leuchtern, wovon einer 6oo Gulden kostete, geschmückt. Von derKirche aus führt die Hauptstraße auf einem angenehmen Wege den Berg hin-unter in die Jnnstadt zurück.
Wir wandern jetzt der Oonaubriicke zu, um auch die jenseits diesesFlusses gelegenen Stadttheile Anger und Jlzstadt (5sr<>. 2 und Z) näher ken-nen zu lernen. Diese 677 Fuß lange Brücke, welche früher ganz von Holzaufgeführt war, und daher fast alljährlich von dem heftigen Eisgange wenig-stens theilweise zerstört ward, wurde deßhalb in den Jahren lölS—I82Zauf 7 Granitpfeilern errichtet, welche man neuerdings nochmals erhöhte, undmit einer solideren Holzüberdeckung versah. Von der Brücke aus gelangenwir unmittelbar rechts (s>ro. il.) zu einer Reihe von etwa Z7 meist kleinenund unansehnlichen Häusern, welche sich gegenwärtig ganz nahe am linkenDonauufer, dem Reumarkte gegenüber, befinden, und, weil sich ehedem vordenselben ein Anger zum Ufer hinabzog, der aber durch die Gewalt des Wassers,besonders bei starken Eisgängen, nach und nach sortgeschwemmt wurde, nochjetzo den Namen Anger führen.
Der größere Theil der Einwohner besteht aus Fischern und Schiffern.Der steile Berg, an dessem Fuße Anger liegt, ist mit Gärten angebaut, undin früheren Zeiten auch mit Reben bepflanzt gewesen. Besonders bemerkens-werth ist hier der sogenannte Park mit schönen schattigen Spaziergängen, dersich von Eggendobel an, einem dicht hinter den großen Bäumen links auf derAnhöhe (in l>ro. a) liegenden Schlößchen und sehr besuchtem Gasthofe, einehalbe Stunde weit den Berg hinaufzieht, und mit dem gegen die Stadt hinauf der Höhe liegenden stattlichen Schlosse Freudenheim schließt. Gegen Ostenneben dem breiten Fahrwege längs des Donaugestades, zieht sich der sogenannteHol? garten hin, längs welchem das Brennholz aufgeschichtet ist, welches imFrühlinge auf dem Jlzflusse, oft tScxzo Klafter an der Zahl, hieher geflößtwird. (Auch an dem untern Donaugestade, auf der Seite von Eggendobcl siehtman in unserm Bilde dergleichen Flößholz aufgestellt). — Am Ende desHolzgartens steht das alte Schloß Uiederhaus, welches gegenwärtig durchkünstliche Fortisicationswerke mit der auf der Spitze des Berges liegendenFestung in Verbindung steht. Zwar ist es ungewiß, wann das Schloß Rie-derhaus erbaut worden ist; daß es indeß schon in den ältesten Zeiten vorhan-handen war, läßt uns die bereits erwähnte Sage von den im Jahre 7Z7
hierher geflüchteten Kloster-Jungfrauen aus Lorch vermuthen. Späterhin dientees, sowie das Oberhaus, bei den sich ewig wiederholenden Fehden der Bischöfemit den Bürgern zur sichern Iufluchts- und Vertheidigungsstätte der ersteren.Aus der Beschreibung, welche der bekannte Geheimschreiber K. Friedrich 11.Aeneas Sylvius, nachmaliger Pabst Pius II., von der Lage und Einrichtungdieses Gebäudes im IS. Jahrhundert macht, ersieht man, wie stattlich dasselbedamals beschaffen gewesen sein muß. „Gewölbte Zimmer, mehrere Säle undBetten, zum Empfang eines Königs bereit, erregten meine ganze Bewunde-rung." Hier wurden auch in alter Zeit die paßauischen Landtage gehalten, aufwelchen die Bischöfe mit dem Kapitel bei wichtigen Angelegenheiten des Lan-des die Edelleute, die zu Paßau gehörigen Prälaten, die Aebtissin des Frauen-stiftes Niedernburg nebst einem Ausschusse der Bürgerschaft zu unbestimmtenZeiten um sich versammelten. Sie hörten auf, als am Ende des 17. Jahr-hunderts die vielen Güter der alten Familien an das Hochstift gekauft wurden.Seiner großen Feuchtigkeit wegen ist dieses ansehnliche Gebäude schon seitlängerer Zeit nicht mehr bewohnt. Die Felsen, auf denen das Niederhaussteht, und die mit dem Berge des Oberhauses zusammenhängen, ließen zweiFürstbischöfe neuerer Zeit (reg. in den Jahren I?6t—l?8Z) durchgraben, undzur ungehinderten Communication zu Lande zwischen der Stadt, dem Ober-hause und dem ganzen Jlzthale eine fahrbare Straße hier anlegen. Tretenwir nun durch diesen staunenswerthen Felsendurchbruch, so ändert sich plötzlichdie Scene (s>r<>. z.); die eigentliche Stadt Paßau verschwindet, die ruhigedunkelbraune Jlz fließt einige Schritte vor unsern Blicken in die Donau, undam jenseitigen Gestade derselben stehen die kleinen unansehnlichen Gebäude der Zlstobt, wohin weiter oberhalb eine (auf unserm Bilde nicht mehr sichtbare)solide Brücke führt. Noch liegt am diesseitigen Ufer der Jlz, dicht am Fußedes Oberhausberges, die nunmehr in ein Privatmagazin verwandelte KircheSt. Soloator mit dem daranstoßenden Prvbsteigebäude. Sie wurde imJahre ia?y von dem Bischof Ulrich von Nußdorf zu erbauen angefangen(voll, erst 1U8Z), nachdem er vorher die an derselben Stelle befindliche jüdischeSynagoge hatte abreißen und sämmtliche Juden aus Paßau vertreiben lassen,weil sich einige derselben zu Jlzstadt des Verbrechens der Hostienmißhandlungschuldig gemacht hatten, wie man denn noch heute in der Jlzstadt das Messer,den Stein und die Pfrieme zeigt, welche ihnen als Werkzeuge dazu dienten.Die gegenwärtige Verödung dieser Kirche ist für die Einwohner der ohnehingewerblosen Jlzstadt ein großer Verlust, indem früher jährlich um Michaelis-zeit viele Tausende von Menschen zur Andacht hierher wanderten, und denGeldumlauf bedeutend beförderten, während sich jetzo die Einwohner ziemlichkümmerlich vom Schiffbau nähren. Die Zeit der Entstehung der Jlzstadt istunbekannt, aber wahrscheinlich ist es, daß sich schon bei Erbauung des Nieder-hauses Leute hier ansiedelten, um unter dem Schutze desselben Fischerei undHandel zu treiben. Schon seit dem Anfange des 12. Jahrhunderts zog eseben dadurch auch die Aufmerksamkeit der Jude» auf sich, welche sich zu ver-schiedenen Malen anderwärts verfolgt, hier niederließen, von wo sie indeß beider eben erwähnten Veranlassung im Jahre 1»7ö gleichfalls vertrieben wur-den; worauf sich späterhin keine Spuren weiterer Ansässigmachung mehr finden.Die Jlzstadt zählt etwa l2Y meistens kleine Häuser, welche beinahe sämmt-lich in zwei Reihen an der Jlz und am AbHange eines Berges angebaut sind,und somit nur eine einzige Straße bilden, welche die Mittelstraße heißt, undso enge ist, daß an einigen Stellen das Ausweichen beladener Wagen sehrerschwert ist. Beinahe in der Mitte der Stadt führt eine steinerne Treppeziemlich hoch zu der (nicht mehr sichtbaren) Pfarrkirche St. L-irtholomäus,einem alten Gebäude, dessen Boden mit vielen Grabsteinen, zum Theil aus dem>Z. Jahrhundert, bedeckt ist. Sie ist von einem Kirchhofe umgeben, dessenMauer sich die Bürger in ihren Fehden mit den Bischöfen, besonders mitBischof Albrecht III. (reg. von 1Z62 —1ZS0) und Bischof Georg Hasler(reg. von 1»?9—IUS2) als eines Bollwerkes gegen das Schloß Oberhausbedienten. Die Bürger hatten hier unter dem letztgenannten Bischof mehreregroße Stücke aufgeführt, womit sie zentnerschwere steinerne Kugeln auf dasNiederhaus schössen, und dasselbe auch stark beschädigten. — Unweit der Kirche