Pfarrkirche zu St. Paul, zu welcher man vom Neumarkte aus, einemneuern Theile der Stadt, auf einer hohen steinernen Treppe gelangt, die vordem Borplatze als Terrasse endigt. — Fast ganz auf der Spitze der Halbinselliegt das uralte Frauenstift Ni-d-rnburg, welches an den beiden kurzenSpitz-Thürmen kenntlich ist. Die Entstehung desselben ist folgende. DieAvaren, ein wildes Nomadenvolk, hatten nach wiederholten Einfällen das schonvön den Römern erbaute glänzende Lauriacum (Lorch) gänzlich zerstört. Derdortige Erzbischof Vivilo flüchtete nun im Jahre 7Z? mit der ganzen Geist-lichkeit und den Gott - geweihten Jungfrauen nach Paßau, wo sie unter demfrommen baierischen Herzoge Odilo Schutz und gütige Behandlung fanden.Letztere sollen zuerst das am linken Donauufer liegende, uralte Schloß Nieder-haus bewohnt haben, bis für sie bereits im Jahre 772 das FrauenklosterNiedernburg als eine königlich fränkische Abtei gegründet wurde, welche indeßschon im Laufe des tc>. Jahrhunderts von König Otto III. dem Bischof Pili-grin und dem Hochstifte mit allen dazu gehörigen Gütern als Eigenthum ge-schenkt wurde. Dieß hinderte gleichwol nicht, daß Niedernburg auch noch inder Folge großes Besitzthum und wichtige Vorrechte erwarb, auf den Paßaui-schen Landtagen abstimmte, und überhaupt mit Recht zu den ansehnlichstenStiftern gezählt ward. Unter der Aebtissin Kunigunde von Buchberg (chibyll)wurde das alte Kloster erweitert, und für die Kanzleien ein eignes Gebäudeaufgeführt. Aber der schreckliche Brand im Jahre lbbz zerstörte auch allediese Gebäulichkeiten gänzlich. DaS späterhin wieder aufgeführte geräumigeFrauenkloster dient gegenwärtig zum Lokal der weiblichen Werk- und Feier-tagsschulen so wie einer Industrieschule. Auch befindet sich die vor einigenJahren errichtete Correctionsanstalt daselbst. Die Kirche aber ist leider größ-tenteils zerstört, und ein Theil derselben ist schon in den letzten Kriegsjahrenvon den Franzosen, die eine große Bäckerei für das Militär hier errichteten,demolirt worden. Ein byzantinisches Portal nebst einem Kreuzgang, beidewol aus dem 10. Jahrhundert, find die einzigen Ueberreste des früheren Klo-stergebäudes»
Noch weitere bemerkenswcrthe Punkte in Bezug auf die eigentliche StadtPassau bietet uns vorzugsweise IVro, dar, welches zunächst ober- und unter-halb der Jnnbrücke eine dicht gedrängte Reihe schöner und geschmackvoller Häu-ser darstellt, die uns durch die eigenthümliche Form ihres Dachwerks (Stirn-mauern mit Schindeldächern) unwillkürlich an Italien erinnern. Die dicht be-laubten Bäume, welche sich links bis zur Brücke hinziehen, bezeichnen diesogenannte Promenade, es ist dies ein schöner, von hohen Kastanienbäumenbeschatteter Weg, welcher von dem Bischof Jos. Franz Graf von Auersberg(regierte von I7LZ— l7Y5) angelegt wurde, und in neuerer Zeit dadurch nochbesonders gewonnen hat, daß man von da im Jahre 1816 durch den sogenanntenfünfeckigen Thurm einen Durchgang nach den Lindenalleen in der BorstadtSt. Nikola eröffnete. Aber nicht bloß für eine angenehme Promenadesorgte jener liberale Fürst) er ließ auch gleich hinter demselben mit großemKostenaufwande ein artiges Schauspielhaus (in Gestalt eines länglichen Vierecks)aufführen, welches zwei Gallerten hat, und bequem Soo Menschen faßt. Derzunächst an die Jnnbrücke stoßende und auf unserm Bilde iXro.ll sichtbare Theildesselben enthält eine Lesegesellschaft nebst Traiteurie und Kaffeewirthschaft undeinen ziemlich geräumigen Redoutensaal. Es ist in unserem Bilde das nie-drigste von den die Promenade begränzenden Gebäuden. — Gleich daneben erhebtsich, mit der Fronte nach der Seite des Doms zugekehrt, das Nczic-rungszcböudc oder sogenannte Oi k astcri-I h au s. Diesem benachbart amResidenzplatze liegt die bischöfliche Residenz, welche von Bischof LeopoldErnst Graf v. Firmian Kardinal (regierte von 17SZ —17Y5) mit fürstlicherPracht aufgeführt wurde. Den Eingang derselben zieren vom Platze aus zweigroße marmorne Portale, und eine prächtige Marmortreppe führt in die freund-lichen und geschmackvoll verzierten Gemächer. — Die beiden großen Gebäude zu-nächst links der Domkirche bezeichnen die Wohnung des Ncgierungspriisi-deuten und das Nentamtsgebäude. Beide liegen mit der Fronte nach demParade- oder Domplatze zu, einem Vierecke, das von drei Seiten mit schönenGebäuden umgeben ist, und dessen östliche Seite die in einem grandiosen Styl
erbaute Fayade der Domkirche einnimmt. Der mit einer sanften Senkunggegen Westen versehene Platz, welcher gegenwärtig hauptsächlich zu militäri-schen Paraden dient (daher auch sein neuer Name: Paradeplatz), hat I7ä Schrittein der Länge und 72 in der Breite. Die Mitte desselben ziert die schönekolossale Bronze-Slawe Maximilian Josephs. Beinahe sämmtliche Gebäude,welche diesen Platz umschließen, waren ehemals von Domherren bewohnt; wo-her auch der ältere Name desselben: Domherrenplatz herrührt, der indeß nurselten noch gehört wird. Das könizl. Pastamtszebäude, welches geradeder Fronte des Doms gegenüber liegt, ist noch besonders dadurch merkwürdig,daß hier im Jahre 1552 der berühmte Paßauer Vertrag abgeschlossen wurde,wie noch jetzo eine Inschrift an der Vorderseite des Gebäudes bezeugt. — Vonden beiden sehr massiven Gebäuden am entgegengesetzten Ende unsers Bildesstellt das eine die Lra h nfcste, ein Stadtgefängniß, vor, das andere die Oo-naukascrne.
Aeltere Gebäude, ja auch nur Ueberreste derselben, finden sich außerden wenigen angegebenen fast keine mehr in Passau, was wir hauptsächlichden häufigen furchtbaren Bränden zu verdanken haben. Nur hier und da er-blickt man noch alte Thürme und Ueberreste der alten Stadtmauern, welcheindeß kein weiteres geschichtliches oder architektonisches Interesse darbieten.Einige Erwähnung verdient indeß in dieser Beziehung das (auf unserm Bildenirgends sichtbare) Rathhaus, welches, ungeachtet vieler und bedeutender Ver-änderungen, gleichwol besonders durch seine Fenster, seine Thüren und seinenzierlich gewölbten Eingang an den Baustyl des 15. Jahrhunderts erinnert.—Die Straßen der Stadt sind gut gepflastert, reinlich und zum Theil, wienamentlich die durch die ganze Länge der Stadt ziehende Hauptstraße, ziem-lich breit. Die Straßen, welche nach der Donauseite hinuntergehen, sindschmal, und da sie an den oben schon erwähnten Hügelrücken anlehnen, sehrabhängig; welches auch die Ursache ist, daß sowol auf der Donau- als derJnn-Ansicht (i>ro. I u. ?lro. n) selbst die Kirchen und höheren Gebäude aufder entgegengesetzten Seite nicht sichtbar sind.
Wir verlassen nun die innere Stadt, und wenden uns links der 2nn-drucke zu, um über dieselbe zur Jnnstadt (Mro. 2.) zu gelangen. DieseBrücke, welche des Eises und Hochwassers wegen in einer Krümmung erbautist, hat in der'Länge zao Schritte, und ist auf 12 Pfeiler oder Joche gestützt.Sie wurde im Jahr UM, mithin fast in demselben Zeitraume wie die Re-gensburger Brücke, errichtet, und wird, wenn auch nicht in dem nämlichenGrade wie diese, als ein merkwürdiges Bauwerk des Mittelalters bettachtet.Aus dieser Zeit rühren übrigens nur jene Pfeiler her, auf welchen vermittelsthölzerner Kammern die eigentliche Brücke ruht. Nahe an der Brücke befin-den sich Schiffmühlen, die schon viele Jahrhunderte an Ort und Stelle sind. —Ein Thurm mit einem Bogen, worin einst Gefängnisse waren, führt in dieJnnstadt, von der wir, da sie in unserm Bilde ganz in dunkler Ferneliegt, hier nur eine allgemeine Schilderung ohne bestimmte Beziehung aufdie bildliche Darstellung geben können. Rechts an jenem Thurme begeg-nen wir zunächst der neuen St. Gertraud-Kirche; die ältere wurde, bisauf ein schönes Altarblatt, die Geburt Christi vorstellend, mit dem größtenTheile der Jnnstadt, im Jahre iflttz, gleichfalls ein Raub der Flammen. DerKirche gegenüber fängt die Lederergasse an, welche ehedem von vielen Lederernbewohnt wurde, und daher noch heute diesen Namen führt. Durch diese, welch«sich von der Kirche an bis zum Ende der Jnnstadt gegen Westen erstreckt,kommt man zum Sevcrinthor, das einen Thurm, vordem der Bcichtigcrlhurmgenannt, hat, welcher im Jahre illill in it» Wochen aufgeführt wurde.Einige Schritte vor demselben liegt an dem Gestade des Jnn die altehrwür-dige Scvcrin-Kirche, von dem Kirchhofe der Einwohner der Jnnstadt um-geben. Hier ist die denkwürdige Stelle, wo im 5. Jahrhundert der h. S-»e-rin sich und seinen Schülern ein kleines Kloster erbaut habe» soll, an dessenStelle in der Folg- die ihm zu Ehren seinen Namen führende Severinskircheerbaut wurde. So alt dieselbe auch sein mag, so ist es doch mehr als zwei-felhaft, daß es, wie behauptet wird, dieselben Mauern seien, welche einst vondem Heiligen, seinen Freunden und Schülern bewohnt worden sind. Als