Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Oer Oom von öamlicrg.

Ehrwürd'geS Denkmal rlescnkräfl'ger Zeiten,

Noch thronest du in hoher Majestät!

Jahrhunderte sahst du oorüdcr schreiten.

Und mancher Sturm hat deine Stirn' umweht.

Des Donners Macht bricht sich an deinen Tbürmcn,

Sie schauen ruhig aus den Wolken her:

Denn deines Meisters Geist will dich beschirmen.

Sein Riescnplan ist deiner Mauern Wehr;

Mit Felsen wußt' er Felsen zu verbinden.

Dem cw'gen Gott ein ew'gcs Haus »u gründen.

^?er vom von Samberg, unstreitig eins der vorzüglichsten und groß-artigsten Bauwerke im byzantinischen Styl, welche Deutschland aufzuweisenhat, prangt noch jetzo wie aus einem Gusse geschaffen fast ganz in seinerursprünglichen Gestalt. Wir haben ihm daher auch außer der Abbildung im6. Heft noch diese besondere Darstellung l>ro. Z gewidmet, und verbinden nun-mehr beide in der hier folgenden Beschreibung und Geschichte.

(Beschreibung.) (Das Aeußere.) Der Dom hat ein sehr langes Haupt-schiff und zwei Abseiten, welche viel niedriger und halb so breit sind als daserstere. Die Länge beträgt ZZ5 Schuh 10 Zoll, die Breite 97 Schuh 7 Zoll.Die äußern aus glattbehauenen gelblichgrünen Sandsteinquadern bestehendenMauern sind ganz einfach und massiv, haben kleine halbkreisrunde Fenster,keine Strebepfeiler und nur oben am Dachfriesen läuft die byzantinische Bo-genverzierung und das gothische Band herum. An den beide» Enden desHauptschiffes schließen sich zwei Chöre an, der Georgenchor gegen Morgenund der Peterschor gegen Abend. Jener zeigt sich bei dem ersten Zutritt zudem Dome. Sein unteres Drittel hat glatte Mauern, und nur die Eckenseines Schlusses haben Pfeiler mit vorspringenden Säulen. In der zweitenAbtheilung sieht man halbkreisrund bedeckte, nicht hohe Fenster, ihre Ge-^ wände sind mit vielen Gliedern verziert, und darüber zieht sich eine Gallerievon Säulen hin, welche mit halbkreisrunden Bögen bedeckt ist. Der Abend-chor hat im Ganzen dieselbe Einrichtung, nur trägt er hohe Spitzbogenfen-ster in der zweiten Abtheilung, und in der dritten anstatt jenes Säulengangskleinere Spitzbogenfenster. Diesen Chor umschließt zugleich auch noch dasQuerschiff der Kirche, welches gleiche Höhe mit dem Hauptschiff und zweigroße schöne Radfenster hat. Unter dem Morgsnchore liegt eine große un-terirdische auf herrlichen Säulen ruhende Kapelle (Krypta), in welcher nochim vorigen Jahrhundert am Charfreitaa und bei andern TrauerfeierlichkeitenGottesdienst gehalten wurde; jetzt dient sie zur Aufbewahrung alter Kir-chengeräthe. Dieser Chor ist außerdem noch auf der Außenseite mit einem,weit auf den Domplatz hinausreichenden, erhöhten Borbau oder Kranz um-geben, auf welchem man ehemals die Heiligthümer zeigte. Auf diesem, miteiner gothisch durchbrochenen Brustwehre umgebenen Vorbau, dicht an denAußenwänden des Chors stehen zwei große, unförmig in Stein gehauene Thiere,welche, wahrscheinlich in Bezug auf das Bamberger Landeswappen, Löwenvorstellen sollen. Die Hauptzierde des Doms sind dessen 4 Thürme, vondenen je 2 sich neben den Chören erheben. Sie sind von viereckiger Gestalt,in mehrere Stockwerke abgetheilt, und tragen ganz den soliden Baucharakterdes it. Jahrhunderts. Sie haben hohe, spitzige Dächer im gothischen Styl,welche früher mit Zinn belegt waren und I76K mit Kupfer gedeckt wor-den sind. Ihre Fensteröffnungen sind rundbdgig und nicht sehr hoch. Ineinem zierlicheren Styl sind die Hinteren Thürme am Peterschor gebaut,indem an ihren 4 Ecken Borlagen mit Säulen hervorspringen, welche Spitz-bögen tragen, wodurch die Thürme von allen Seiten durchbrochen erscheinen,und somit ein sehr leichtes Ansehen gewinnen. Die Kirche hat 4 Hauptein-

gänge, von welchen Z mit Bildhauerarbeit verziert sind. Am reichsten istdas Portal gegen Norden, die sogenannte Fürstenthüre, an der rechten Ab-seitd der Kirche, mit Stäben, Wandsäulen und Figuren ausgestattet; einvorzügliches Werk byzantinischer Kunst. Oben im Halbrundbogen ist dasjüngste Gericht als Füllung angebracht, und außenher an der Seite desPortals das Juden- und Christenthum dargestellt. Auf ersteres deutet eine,vom Volke gewöhnlich irrig die blinde Gerechtigkeit genannte Figur, mit ver-bundenen Augen, mit den Gesetztafeln und dem zerbrochenen Stäbe Mosis.Die beiden andern verzierten Eingänge ziehen sich unten durch die Thürmezu beiden Seiten des Georgenchors. Sie sind halbkreisrund bedeckt, und ha-ben in ihrem obersten Bogen die Aickzackfigur. An der Pforte zur Linkenstehen auf Säulen 6 in Stein gehauene lebensgroße Figuren, welche jedoch,den künstlichen Bedachungen nach zu urtheilen, aus späterer Zeit, als dieErbauung der Kirche zu seyn scheinen. Sie stelle» Kaiser Heinrich und Ku-nigunde, König Stephan, Adam und Eva, und St. Andreas oder Petrusvor. Die Pforte zur Rechten ist mit Säulen und oben mit einem Basre-relief, ganz im byzantinischen Style, verziert. (Das Innere.) Eben soausgezeichnet wie im Aeußern ist diese Kirche im Innern. 19 massive, vier-eckige Hauptpfeiler, S auf jeder Seite, tragen das majestätische Gewölbe desSchiffes, und zwischen jedem dieser Pfeiler stehen kleinere Pfeiler mit Spitz-bögen verbunden, in der Höhe der Abseiten. Eine Menge mit manchen gu-ten Gemälden gezierter Altäre und eine noch größere zum Theil vortrefflicherplastischer Arbeiten vom tl. bis zum 19. Jahrhundert erfüllen das Inneredieser Kirche nach allen Seiten und Richtungen. Besonders reich ist dieselbean älteren und neueren, zum Theil sehr merkwürdigen Grabmälern der ver-schiedenen Bischöfe und Domherren BambergS. Unter allen aber verdientdas Grabmal der Stifter dieser Kirche, Kaiser Heinrich U. und seiner Ge-mahlin Kunigunde, die größte Auszeichnung. Von dem ersten und zweitenGrabmal derselben, welche früher diese Kirche geziert, sind keine Spurenmehr übrig. Das zweite, welches der Bischof Eberhard um l l40 aus pari-schem Marmor hatte errichten lassen, schien dem Bischof Heinrich Groß vonTrockau nicht schön genug. Er ließ daher das noch jetzt vorhandene durch dendamals berühmten Würzburger Bildhauer Thielemann Ricmenschneider aus-arbeiten, und I51Z im Schiff der Kirche vor dem Georgenchor aufstellen, vonwo es der Fürstbischof Melchior Otto von Salzburg lk4l an den Eingangdes Georgenchors versetzte. Es ist mit vielem Fleiße schön und zierlich ausweißem salzburger Marmor gearbeitet, und hat die Gestalt eines Sarges,auf dessen Deckel in ganzer Figur Kaiser Heinrich und Kunigunde in ihremOrnate stark erhaben abgebildet sind. Die Basreliefs an den Seiten zeigenaußer einem allegorischen Bilde, auf welchem ein Engel, in Begleitung eineszweiten, auf den Kaiser hindeutend, in einer zerbrochene» Wagschale einenKelch und vier böse Geister wiegt, einzelne Scenen aus der Geschichte derbeiden Heiligen; nämlich: wie Kaiserin Kunigunde, um ihre Unschuld zu be-weisen, in Gegenwart ihres Gemahls und sechs anderer Personen auf glühen-den Pflugschaaren geht, wie dieselbe, von ihren Hofleuten umgeben, die Ar-