Die Ludwigstirücke )u Oamöerg.
I?r«. 2 stellt die neue jsudwizsbrllcke dar, welche über das ursprüng-Uche 2Z0 Fuß breite Hauptflußbett der Regnitz führt, und die Stadt mit derGärtnerei verbindet. Diese schöne Kettenbrücke, welche unter Bambergs vor-züglichste Bauwerke zu zählen ist, wurde nach dem Plan und unter der Lei-tung des königlich bayerischen Ingenieurs Franz Schierlinger 18'°/, inner-halb 18 Monaten errichtet, und kostete mehr als 58,000 fl. Ueber 2 massi-ven Stützmauern auf beiden Ufern erheben sich je 2 Pylonen (Pfeiler), nachder Zeichnung des Ritters Leo v. Klenze, jeder 24'/ Fuß hoch und miteinem dorischen Hauptgesims geschmückt, woran der Maurermeister Iahnleitervon Burgebrach die fleißige Steinhauerarbeit besorgte. Hinter den Pylonensind die Anhaltsmauern, durch welche die Spannketten der Brücke in dieTrefe gehen. 4 Ketten, welche die Brücke tragen, sind unten im Gewölbedieser Mauern befestigt, und gehen natürlicher Weise über die Pylonen.Die Ketten bestehen aus verschiedenen Gliedern, deren jedes aus 4 Eisen-schienen zusammengesetzt ist. Sie schweben frei und haben von dem einenBefestigungspunct bis zum andern die Länge von Z25 Fuß. Durch 246Hängeschienen von verschiedener Länge, wovon immer Z aus einem Kettenwir-belblatte herabgehen, ist die Kettenbahn an die 4 Tragketten gehängt. DieseHängschienen tragen auf den in Einschnitten an ihre untere Enden eingepaß-ten Sätteln wieder doppelte, 4 Zoll starke Eisenschienen, welche mit derBrückenbahn gleichlauftn und den 41 eichenen Tragschwellen zur Auflage die-nen. Ueber dieselbe sind 7 Reihen Straßenträger gestreckt, und die Deckhöl-zer darauf gelegt. Die Fahrbahn mißt 216'/ Fuß. Das dazu verwendeteEisen, welches der Hammcrbesitzer Georg Ludwig Rexroth auf dem Hellham-mer bei Aschaffenburg lieferte, beträgt an Gewicht 750 Ztr., das Holzwerk1956 Ztr. Das ganze Gewicht der frei hängenden Brücke beträgt 2706 Ztr.
Auf dem Platze der jetzigen Kettenbrücke, sowie auch etwas weiteroben, haben schon früher mehrere Brücken gestanden, deren Schicksal aber
wegen Mangel an Nachrichten nicht vollständig anzugeben ist. Das ersteEntstehen einer Brücke an diesem Orte ist wahrscheinlich in der Zeit zu suchen,in welcher die Gegend urbar gemacht wurde. Eine sehr haltbare und schöneBrücke von Holz soll unter dem Fürstbischof Friedrich v. Aufseß erbaut und nachihm Aufseß- abgekürzt Seesbrücke genannt worden seyn. Verschiedene bedeu-tende Wiederherstellungen dieser Brücke lassen sich in den Jahren 1464, 1492,1504, 1529 und 1SZZ nachweisen. 157Z wurde sie durch das große Was-ser weggerissen, und eine Floßbrücke kam an ihre Stelle; 1594, 1595 und1686 erbaute man sie wieder von Holz. Endlich wurde, da die hölzerneBrücke immer viel zu unterhalten kostete, 1752 unter der Regierung desFürstbischofs Anton v. Frankenstein eine steinerne erbaut, welche ausdrei Bogen bestand und mit Bildwerken, von Dietz in Stein gehauen, geziertwar. Obwohl man glaubte, keine Stürme der Zeit und der Fluthen könn-ten diese Zierde Bambergs, welche über 90,000 fl. kostete, zerstören, so über-wältigte sie doch das bekannte Hochwasser von 1784, und am 27. Febr. die-ses Jahrs stürzte sie in das Flußbett. Auf ihren Trümmern wurden nun-mehr steinerne Pfeiler und auf diesen eine hölzerne Hängbrücke aufgeführt;in einiger Entfernung aber flußaufwärts baute man eine zweite hölzern»Brücke. Beide verschwanden, als es 1809 Wiebeking unternahm, über die-ses breite Flußbett eine Brücke aus einem einzigen Bogen zu führen, dessenSenne 215 Schuh maß. Im Mai 1809 wurde mit der Arbeit angefangenund dieselbe schon am 8. Decembel beendigt. So großartig die Idee, so schöndie Ausführung war, so konnte doch das der Zerstörung so sehr unterworfen«Material keine lang» Dauer versprechen. Reibung und Fäulniß hoben nachwenigen Jahren die Spaunung auf, und stets waren kostspielige Reparatu-ren nothwendig, bis am Ende diese Brücke in einem so Übeln Zustande sichbefand, daß sie 1826 ganz eingelegt werden mußte, worauf dann schon 2Jahre nachher die jetzige Kettenbrücke vollendet da stand.