jetzige Pfarrkirche zu St. Marti», die schönste im neurömischcnStyl aufgeführte Kirche der Stadt. Auf dem Platze, wo jetzt die Kirchesteht, befanden sich früher bürgerliche Wohnungen, welcke die Jesuitenkauften und einreißen ließen, um dahin in den Jahren 7686 — 7720 nachder Angabe des geschickten Malers und Baumeisters, des Jesuiten An-dreas Pozzo, ihre Kirche zu bauen. Nachdem sie selbst 7775 aufgehobenwurden, bestimmte man diese Kirche für die Universität, und 7805 setzteman dahin die Pfarrei zum heiligen Martin, weil man um jene Zeit diealte auf dem jetzigen Moximiliansplatz gestandene MartinsVrchc einriß.Die jetzige St. Martinskirche hat im Ganzen ein grandioses Aeußere,besonders was die vordere Fayade betrifft, welche mir einem Hauptportaleund zwei Nebenthüren verschen und mit korinthischen und dorischen Säu-len, sowie mit Heiligen, die in Nischen stehen, in einem freilich etwasschwerfälligen Style verziert ist. Ziemlich imposant ist das Inneredieser Kirche, welches durch keine Säulen unterbrochen ist, und die Formeines länglichten Kreuzes hat. Das 7 56 Schuh lange und 55 Schuh breiteSchiff besteht aus einem großen Tonnengewölbe, und hat an den Sciten-nischcn sechs Altäre. Zwischen dem Schiff und dem 58 Schuh langenChor befindet sich die 77 Fuß hohe Kuppel, welche mit einem herrlichenvon Franz Marcolini nach Pozzo's Zeichnung 1716 verfertigten Alfresco-gcmälde geziert ist. Die zahlreichen Altarblätter sind von Oswald Ong-hcrs, Steudel und Reinhard. Am Chor dieser Kirche ist ein viereckiger,77b Schuh hoher Thurm angebaut, auf dessen Kranz man eine sehr schöneUebersicht der Stadt und Umgegend genießt. — Hinten an die Kirchestößt das sogenannte Zcsuitcn-Hcdäudc, auch das Collcgium oderder plarrhokzu St. Martin genannt, welches sich durch seine schöneeinfache und solide Bauart auszeichnet. Auf diesem Platze stand sonst,jedoch in einer andern Richtung, das Carmeliterkloster nebst Kirche. Die-ses Gebäude bestimmte der sehr gelehrte junge Fürstbischof Ernst vonMcngersdvrf, welcher die Carmeliten in das Nonnenkloster St. Theodorauf dem Kaulberg versetzt hatte, zu einem geistlichen Seminarium undGymnasium, welches letztere er zu einer Akademie erheben wollte. Bereitssein Nachfolger, Neidhard von Tüngcn, wollte ein neues passendes Collc-gicngcbäudc errichten lassen: allein er starb 7 598 vor der Ausführung,vermachte jedoch eine ansehnliche Summe zur Ausführung dieses Plans.Indeß erst seinem zweiten Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen,der 7609 zum Bischof erwählt wurde, gelang es mit Hilfe der Jesuiten,welche er 7670 nach Bamberg berufen hatte, ein neues Collcgien - oderGymnasialgcbäude zu errichten, an welchem sodann die Jesuiten sämmt-liche Lehrstühle übernahmen. Mit diesem Gebäude waren Letztere zwarbis zu Ende des 77. Jahrhunderts zufrieden, doch Hegren sie schon län-gere Zeit den Plan, das Ganze in einem schönern Styl umzubauen. Sieerkauften deswegen einige daran stoßende Häuser, und singen zuerst mitder Kirche an. Nachdem diese größtenthcils beendigt war, ließen sie dasehemalige Carmelitenkloster abbrechen, um von 7696— 771!» das ihrigein der ihren Gebäuden eigenthümlichen Großartigkeit und Solidität auf-zuführen. Nach der Auflösung des Jesuitenordens wurde das ganze Ge-bäude der, schon seit dem Jahre 7« 18 bestehenden, Universität eingeräumt.In den Jahren 7797 — 95 wurde daselbst die Bibliothek mit der Woh-nung des Bibliothekars, das Naturalienkabinet mit der Wohnung desInspektors eingerichtet. Diese beiden Anstalten blieben auch daselbst, als7805 zufolge der Säcularisation die Universität einging und deren Hör-säls nunmehr für das Lyceum, der übrige Raum aber zur Wohnung desLyceums - Directors, des Pfarrers bei St. Martin mit seinen Kaplä-nen ?c. bestimmt wurden. — Noch ist unter den am Markt liegenden Ge-bäuden das Königliche M a u» h z c l-a u d c zu bemerken , welches sichdurch seine schwerfällige alte Bauart auszeichnet. Es war ehemals das
Rathhaus,, und wurde vom 75. bis zum 76. Jahrhundert nur das alteRathhaus genannt. 7 695 verkaufte es der Magistrat an die fürstliche Regie-rung, welche es im nämlichen Jahre in seiner jetzigen Gestalt erneuernließ und zu einem Kauf- und Waghause bestimmte. 7870 wurde es derMauth angewiesen. Das Gebäude steht frei zwischen zwei Gäßchen, undin seinen beiden Ncbcnseite» sind Fleischbänke angebaut. — Zur linkenSeite ziert den Marktplatz besonders der Ncp t u n s br u »n c n, gewöhn-lich der Gabelmann genannt; sonst heißt er auck der Friedrichsbrunncnund in älteren Zeiten der steinerne Brunnen. Seine jetzige Gestalt er-hielt er 698. In einem steinernen Bassin steht die eben nicht schön ge-arbeitete Statue des Neptun, unter welcher auf der Säulcnschast an denvier Seiten Wasser herausspringt. Ehedem war statt des Neptuns einsteinener Ritter als Stadtwappen angebracht. — So wie sich übrigensBamberg auf diesem Bilde (»- 2) im Innern zeigt, so erscheint es imGanzen fast überall. Bon dem Charakter einer älteren Sladt hat es sehrwenig mehr; nur am Burgplatz findet man noch alterthümliche Gebäude.Die meisten Straßen sind gerad, breit und deßwegen auch hell; nur we-nige sind eng und winkelig. Die Bauart der meisten Häuser im Innernder Stadt trägt das Gepräge des 77. und 7 8. Jahrhunderts an sich; siesind bequeme, bürgerliche Wohnungen, und an gangbaren Straßen imuntersten Stockwerk meistens zu Kaufläden eingerichtet. Grö'ßtentheils be-stehen sie aus drei Stockwerken, und sind, dir älteren ausgenoinmen,welche fast durchgängig aus Fachwerken bestehen, von Steinen aufgeführt.In den äußern Theilen der Stadt wohnt größtenthcils die fcldarbeitendeClasse, deren Häuser gewöhnlich nur einen Stock hoch und zur Oekonomieeingerichtet sind. Mehrere derselben, welche meistens mit Hohlziegeln undschweren Kalkdächern versehen sind, rühren noch aus dem Anfang des 77.Jahrhunderts her. Derjenige Stadtdistrikt, welcher jenseits des altenFlußbettes der Regnitz liegt, heißt ganz eigentlich die Gärrnerei; in die-ser ist die Königsstraßc, der vormalige Steinweg, die größte und schönsteund zugleich auch die lebhafteste Straße, indem durch sie die Fahrwegevon Koburg, Baircuth und Nürnberg führen. Sie hat meistens stattlicheHäuser, und wird an beiden Enden mit steinernen Thoren begränzt.Eine ungemein schöne Kettenbrücke, welche 78^/zg innerhalb 78 Monatenmit einem Kostenaufwand von mehr als 58,000 fl. errichtet wurde unddem jetzigen König von Baicrn zu Ehren die Ludwigsbrücke genannt wird,verbindet die Gärtnerei mit der Stadt. Unter den sechs übrigen Brücken,welche über die Regnitz führen, ist die in der Mitte der Stadt liegendeobere Brücke, auch die hohe Brücke genannt, wegen ihrer haltbaren Bau-art besonders beachtenswert!», indem sie bereits in den Jahren 7452 — 56von dem Künstler Hans Forchheimer errichtet wurde und seitdem so vielestarke Wasserfluthcn unverwüstlich ausgehalten hat. Sie besteht aus dreihochgewölbten steinernen Bögen, welche zwei Hauptpfeiler zwischen sichhaben. Auf einem derselben erhebt sich ein schwerfälliges Crucifix mitmehreren Figuren, 7715 von dem Bildhauer Leonhard Goldwitzcr gefer-tigt; auf dem andern steht das zum Rathhaus gehörige thurmartige Ge-bäude mit einem Durchgangsbogen, unter welchem man über dieseBrücke gelangt.. Das Rathhaus selbst, welches auf einer künstlichen In-sel zwischen der obern und untern Brücke liegt, ist ein alles ziemlich mor-sches Gebäude in einem sehr gewöhnlichen Styl, dessen zweckmäßig einge-richtete Zimmer der Magistrat zu seinen Geschäften benutzt. Es entstandzwar schon fast zu gleicher Zeit mit der obern Brücke, in den Jahren1455 — 67, wurde jedoch 7 744 — 56 förmlich umgebaut. Damals wurdenauch die beiden langen Seiten dieses Gebäudes mit Frescogemäiden vonAnwander geziert; eben so auch jener dazu gehörige Thurm, welcher au-ßerdem mehrere, in einem höchst überladenen Styl ausgeführte Altaneerhielt, und überhaupt nur wenig noch von seiner ältern Bauart bewahrte.