befand. Unterdessen wurden auf dem Domberge zu verschiedenen Malenneue Gebäude zu einer Hofhaltung ausgeführt und wegen ihres schlechtenAnsehens wieder niedergerissen, bis endlich der kunstliebcnde und baulustigeFürstbischof Lothar Franz v. Schönborn in den Jahren 1005-1708 imfranzösisch-italienischen Styl die jetzige neue Residenz unter der Leitungseines geschickten Baumeisters Johann Lconh. Dinzenhofer aufführen ließ;ein Gebäude, das sich übrigens, sa, imposant es auch an sich ist, doch we-der im Aeußern noch im Innern mit der fürstbischöflichen Residenz inWürzburz vergleichen läßt. Es ist indeß auch nur zur Hälfte vollendet:denn es sollte ursprünglich aus einem Hauplbau, zwei hervortretendenSeitenflügeln und mehreren Hintergebäuden bestehen. Davon ist indeßnur der eine Seitenflügel gegen die Stadt, die Hälfte des Hauptbaucsund ein großer Theil der Hintergebäude ausgeführt, zu welchen jedocheinige der alten schon vorhandenen Gebäude benutzt wurden. Der Haupt-bau mit dem Flügel ist drei Stockwerke hoch und die äußere Fayade istgeschmackvoll verziert; nur haben die Fenster zu stark hervorspringendeAusladungen. Der Seitenflügel hat wegen der ziemlich jäh bergab-wärts fallenden Fläche, auf welcher er ruht, am untern Theil mehrereGewölbe über einander. Uebrigens macht die sehr zweckmäßige innereEinrichtung dieses Gebäudes dem Baumeister ungemein viel Ehre, indemer die Aufgabe recht gut zu lösen verstand, eine Residenz herzustellen,welche zugleich die Bureaus von mehreren Behörden in sich aufnehmensollte. Das großartige Gebäude dient gegenwärtig zur Residenz desHerzogs Wilhelm von Bayern. Außerdem befindet sich in fünf Zimmerndes oberen Stockes im Seitenflügel die königl. Gemäldegalleric, und imuntersten Stocke desselben Baues das königl. Archiv zc. Aus einem Fen-ster im dritten Stocke stürzte sich im Jahre 1815 am 1. Juni Nachmit-tags, gerade als eine Colonnc russischer, gegen die französischen Grenzenziehender Truppen mit ihrer Fcldmusik in Bamberg einzog, der französischeMarschall Alexander Berthier, wie noch jetzo an der verhängnisvollen Stelleein stets aufgefrischtes schwarzes Kreuz bezeugt.
Gleich unter dem neueren Rcsidenzgebäude ragt in unserm Bildes>r. 1.) die obere Pfarrkirche, eigentlich Marienkirche oder zu Un-serer Lieben Frauen genannt, hervor. Wir widmen ihr, als dem schön-sten Ueberreste des sogenannten gothischen Baustyls in Bamberg, gleichwiedem Dom, eine zweite besondere Darstellung (Xr. 4.), auf die wir in derhier folgenden Beschreibung und Geschichte hauptsächlich Rücksicht nehmen.Diese Kirche, an deren Stelle schon im 12. Jahrhundert eine Kapelle zurheil. Maria gestanden haben soll, wurde in den Jahren 1520— 1587,mithin während der Blüthczeit der deutschen Baukunst, von der Bürger-schaft von Bamberg aus eigenen Mitteln erbaut. Sie bildet ein längli-ches Viereck, hat drei Eingangsthüren und nur einen Thurm mit fünfStockwerken, deren Abtheilungen mit Fenster und schönen Verzierungengeschmückt sind, in welchen meistens Weinlaub angebracht ist. Eine herr-liche Zierde dieser Kirche im Aeußern ist der schone Chor, welcher sichmit seinen schlanken Fenstern und seinen reichen und dennoch nicht überla-denen Zierathen, ganz in seiner ursprünglichen Gestalt erhielt und im In-nern auf zehn Pfeilern ruht. Eben so wohl erhalten ist die sogenannteEhethüre, welche gegen Norden gerichtet ist, und einen steinernen aufzwei Säulen ruhenden Baldachin hat. In der Nische sind die fünf thö-richten und die fünf weisen Jungfrauen, und oberhalb der Thür die Ver-mählung Christi mit der Kirche dargestellt. Es scheint, daß an dieserKirche bis zum Jahre 1007 keine wesentliche Veränderung vorgenommenworden ist, und sie also bis dahin den schönen reinen Baustyl, in welchem sieerbaut war, durchaus unversehrt behalten hatte. Allein bereits in dem ge-nannten Jahre ließ sie Bischof Johann von Gebsattel im Verein mit derBürgerschaft im Innern und Aeußern erneuern, jedoch die wesentlichsteund geschmackloseste Umänderung im Innern, besonders im Hauptschiffund den beiden Abseiten, erlitt die Kirche erst in den Jahren 1711—15,Damals geschah es nämlich, daß die zehn Pfeiler, welche das Langhaus
mit den beiden Ncbenschiffcn tragen und sonst rund waren, in viereckigeverwandelt wurden, während man an der Decke und an den Ncbenwän-dcn schwerfällige Stukkatur anbrachte. Nur die Nebenseiten des Chorsbehielten ihre ursprüngliche Decke, an deren Schlußsteinen Wappen vonAdeligen aus Bamberg sich befinden. Endlich wurde die Kirche in denJibren 1810 — >0 von innen und außen angestrichen und die Altäre her-gestellt. — Zu den Merkwürdigkeiten im Innern gehören: zwei sehr großeHolzschnitzarbeiten von Veit Stoß, von welchen die eine die Geburt Christi,die andere saus vier Tafeln) Scenen aus dem Leben Jesu und der Mariavorstellen, mit der Jahrezahl 1525; ein steinernes Sacrarium von 1502,welches aus drei, reich mit Figuren verzierten Hauptabteilungen, sowohlin der Höye, als in der Quer, besteht; ein altes, schön in Holz gear-beitetes Gnadcnbild, Maria mit dem Kinde vorstellend, die aber auf son-derbare Weise mit Kleidern aus verschiedenen Stoffen geschmückt ist; dieübrigens nicht lobenswerten Alsresco - Gemälde an der Decke von JakobGebhard. Auch sind in der Kirche, sowie außenher an derselben mehrereGrabmonumcnte, unter welchen nur das marmorenc Grabmal des JohannFuchs von Limbach vom Jahr 1582 besonders bemerkt zu werden verdient.— Diese Pfarrei war immer sehr begütert, und hatte viele Benesicicn,deren sie selbst jetzo noch 15 besitzt. Unter die merkwürdigsten in histori-scher Beziehung mag wohl jenes zu den zwölf Aposteln gehören, welches1508 die fränkische Ritterschaft, Fürspanger genannt, stiftete. Eine an-dere Abtheilung dieser Ritterschaft, die Einhörner genannt, hatte im 15.und 10. Jahrhundert in Kiefer Kirche ihre geistlichen Zusammenkünste.
Zunächst der Oberpfarr liegt auf dem obern Stcphansberg die ehema-lige Tollcgiatstikls-, jetzige protestantische Pfarrkirche su St. Stephan.Der Bau dieser Kirche wurde wahrscheinlich schon im Jahr 1008 auf An-ordnung Kaiser Heinrichs und Kunigundens, welche schon 1000 ein Col-legiatstifl dabei gründeten, angefangen, 1010 vollendet und 1020 bei An-wesenheit des Pabstes Benedict Vm und in Gegenwart von 75 Bischöfenund Prälaten feierlich eingeweiht. Allein aus dieser Zeit hat sich nur derThurm dieser Kirche mit seinen rundbogigen Verzierungen erhalten; dieganze übrige Kirche war bereits 1000 so baufällig geworden, daß mansie von Grund aus neu zu erbauen beschloß. Mit verschiedenen Unterbre-chungen geschah dieses auch in den Jahren 1028 — 1080, ja noch100» erhielt selbst der alte Thurm eine neue Bedachung. So wurde denndie Kirche im ncurömischen Styl in Form eines Kreuzes nach den Planenund unter der Leitung der Baumeister Bonalino und Pctrino ziemlichgeschmackvoll wieder aufgeführt, namentlich ist die äußere Architektur derKirche, in welcher man dorische Säulen anbrachte, nicht ohne Geschmackangeordnet und bietet, besonders von der Stadtscite, einen anziehendenAnblick dar. Uebrigens ist die Kirche inwendig sehr hoch, geräumig undhell, und die Decke wie die Scitenwände sind mit Stukkatur verziert.1805 wurde das Collegiatstift aufgehoben und die Kirche geschlossen, bissie 1807 der protestantischen Gemeinde übergeben und 1808 wieder zudem Gottesdienste eröffnet wurde.
Weiter unten ragen noch'auf unserm Bilde (» i) aus dem zwi-schen den beiden Armen der Regnitz gelegenen mittleren Theile der Stadtaußer mehreren kleineren Thurmspitzen, besonders die Martinskirche mitdem hintern Thurme hervor. Wir knüpfen unsere Bemerkungen überdiese Kirche vorzugsweise an das Bild (5ir. 2)5 weil uns dieses nichtnur ein sehr deutliches Nähebild derselben, sondern auch den sogenanntenMarkt von Bamberg nebst seinen Umgebungen darstellt. Markt oderauch der grüne Markt wird die Hauptstraße von der langen Gasse biszum Maximiliansplatz genannt, weil hier die Gärtner ihre Produkte ver-kaufen. Sie ist sehr breit und hat meistens schöne Häuser. In der Mittedieser Straße (am Ende unseres Bildes) liegt das Gasthaus zum Bam-bcrgerhof, welches sich eben so sehr durch seine schöne Bauart und Lage,als durch seine zweckmäßige und bequeme Einrichtung im Innern aus-zeichnet. In geringer Entfernung steht die ehemalige 2es»i>cn-