Klosters, in welchem er auch öfters verweilte, vergrößerte 44 30 nicht nurdie Gebäude desselben, sondern vereinigte auch mit dem Kloster die vonihm gestiftete nah gelegene Probstci St. Getreu, sowie die am Fuße desBerges 1120 von ihm erbaute Egidicn-Kapclle, deren Wohnzimmer zurAusnahme armer Reisender bestimmt waren. lins starb Bischof Otto undwurde, nach seinem Wunsche, in der Klosterkirche Michclsberg begraben.Noch verwahrt der sogenannte Otto-Altar in derselben mehrere Gebeinedieses Heiligen, während seine übrigen irdischen Ueberrcste in einem stei-nernen, mit Hautreliess gezierten Sarkophag aus dem 44. Jahrhundert,welcher hinter jenem Altar unter einem Gewölbe steht, aufbewahrt wer-den. Ferner zeigt man noch in der Sakristei das von ihm täglich ge-brauchte Meßgewand, welches jedoch nach neuerer Art zugeschnitten ist,seine Insel und seinen gewöhnlichen Spazierstock. — S» blühend das Klo-ster unter Bischof Otto war, so sehr nahm doch dessen Wohlstand bereitsim 43., noch mehr aber im 45. Jahrhundert ab, als dasselbe 1420 und4 435, bei Gelegenheit in der Stadt ausgcbrochener Bürgerunruhen, völligausgeplündert und zuletzt sogar in Brand gesteckt worden war. Erst447» sing der Abt Eberhard III. an, die Klostergebäude zweckmäßig wie-der herzustellen, sein Nachfolger Ulrich 411. (ff 4483 ) fuhr damit fort,und der nach diesem gewählte, sehr geehrte Abt Andreas Lang vollendetenicht nur die Kirche und die Klostergebäude, sondern befestigte sie auch4488, da vom Markgras Albrecht ein Einfall zu befürchten war. Ausdieser Zeit mag das Schiff der Kirche mit den beiden Abseiten und demChor herrühren, welche Theile sämmtlich, vorzüglich an den Fenstern, dendeutschen Baustyl an sich tragen. Nach den Verwüstungen des Bauern-kriegs (4525) stellte der Abt Georg Ziegler (reg. von 45Z»- 4549), dasKloster wieder in seiner vorigen Blüthe her, und vergrößerte es durchzweckdienliche Gebäude. Im Jahr 4 583 wurde auch die Kirche erneuert,wie die Wappen oben am Chor zeigen. Der 8. April 4 040 war der un-glückliche Tag, an welchem durch Vernachlässigung eines SchieferdeckersFeuer auskam, und die Kirche mit mehreren Gebäuden größtentheils ab-brannte. Die Wiederherstellung betrieb man indeß sehr schnell, dennschon 4«44 wölbte der Würzburger Baumeister Lazarus Augustinus dieKirche wieder zu. Die Herstellung der übrigen Gebäude, besonders derzwei spitzigen Tkürme, übernahm der aus München gebürtige BaumeisterGeorg Niedermaier. Doch da§ vollständige Ansehen, welches noch gegen-wärtig das Kloster MichclSberg hat, bekam es unter dem kunstsinnigenAbt Christoph Gutlenberg (reg. von 4<i89 — 4725). Auch der FürstbischofLothar Franz v. Schönborn mag viel dazu beigetragen haben, indem seinBaumeister Dinzenhofcr selbst die Leitung des Baues übernehmen mußte.Runmehr wurde nach desselben Angabe die Fayade auf eine freilich sehrunpassende Weise im neurömischen Styl errichtet, und mit jonischen undkorinthischen Säulen geziert. Diesem gemäß wurde auch das Innere derKirche, welches übrigens sehr hell und in ursprünglich schönen Verhält-nissen gehalten ist, in den neurömischen Styl umgeändert, und die Decke^wunderlich genug, mit verschiedenen Kräutern und Blumen bemalt. Andem Chor wurden, gleichfalls im neurömischen Styl, zwei Kapellen ange-baut, und die Treppe nebst der Gallerie mit schwerfällig gearbeitetenFiguren und Urnen geziert. Gänzlich ausgeführt wurde DinzenhofersPlan freilich erst in den Jahren 4743 — 99, wo das Kloster die schönenKanzlei- und Oekonomiegebäudc, die Anlage des Gartens mit seinenmassiven Mauern , zweckmäßigen Glashäusern und Pavillons erhielt.Diese späteren Bauten leitete meistens Konrad Fink, und nur wenigeJahre vor der 4803 erfolgten Sä'cularisation dieses Klosters war allesbeendigt. In diesen die Kirche umgebenden Gebäuden, deren Zimmer fastüberall eine schöne Aussicht auf die Stadt und die nahliegenden Bergedarbieten, befindet sich gegenwärtig das Bürgerspital und die öffentliche Leihan-stalt, die Verwaltungsbehörde über beide Institute und eine gute Braue-rei. Gegen Norden und Osten zu liegt der Garten, welcher in der letz-ten Hälfte des vorigen Jahrhunderts im französischen Geschmack angelegt
wurde, aus verschiedenen Terrassen besteht und eine überaus schöne Aus-sicht nach der Stadt und dem ganzen Main - und Regnitzgrund darbietet.
In einiger Entfernung von dem Michelsbcrg erhebt sich aus eineretwas niedrigeren Anhöhe in majestätischer Pracht und kolossaler Größedas vornehmste Gebäude der Sladt, die Äomkirrhe. Wie aus einemGusse geschaffen hat sich dieses überaus großartige Bauwerk, unstreitigeins der vorzüglichsten im byzantinischen Styl, welche Deutschland aufzu-weisen hat, fast ganz in seiner ursprünglichen Form erhalten. Wir habenihm deswegen auch außer dieser allgemeinen und der in diesem Hefte (5ir. 3.)enthaltenen kleineren Darstellung noch eine größere auf einem ganzenQuartblatte in einem der folgenden Hefte gewidmet, und wollen daherauch die Beschreibung und Geschichte dieses merkwürdigen Gebäudes bisdahin «ersparen.
Das in dem Bilde (Ilr. 3.) zunächst an die Domkirche gränzendeGebäude ist die alte (bischöfliche) Residenz, gewöhnlich die alte Hof-haltung genannt. Dieser gegenüber liegt die, auf den beiden Bildern(>r. 4 und 4.) jedoch nur zum Theile, sichtbare, neue llcsidriis.Mannigfach wechselten die Bischöfe von Bawberz ihre Wobnstätte. Nach-dem Kaijer Heinrich II. das Bisthum gegründet und die Domkirche er-baut Halle, wurde wahrscheinlich auch der erste Grund zur bischöflichenWohnung gelegt. Diese soll neben der Domkirche gestanden und sich ingerader Richtung bergabwärts gezogen haben, da wo sich jctzo die Woh-nung des Domprobstcs und ein Domhcrrnhos befindet. Diese mit demNamen „Burg" bezeichnete Wohnstätte soll zuerst 4197 der BischofThicmo mit Mauern umgeben haben, welche den ganzen Berg mit denWohnungen der Georgcnbrüder (Domherren) und mir der Calhedralkircheumfaßten und mit verschiedenen Thoren versehen waren, die jeden Abendgeschlossen wurden. Um das Jahr 4330 beschloß der Bischof und das Ka-pitel, die Burg in einen besseren Stand zu setzen und mehrere anstoßendeGebäude niederzureißen. Dadurch soll die jetzige alte Hoshaltung in ihrerältesten und ur prünglichcn Gestalt entstanden sein. Das Hauptgebäudeging auf den Domplatz hinaus und war vornen mkt zwei Kapellen ver-schen, die eine — die Andreaskapelle — stand unten am linken Eckegegen die Domkirche zu, die andere — zur heil. Catharina — steht nochoberhalb im Ecke an einem Thurme zwischen dem Haupt- und Rcbenein-gang, wird aber nicht mehr zur Andacht benutzt. Die erste förmlicheUmbauung dieser Burg wurde unter der Regierung der Fürstbischöse Phi-lipp v. Hcnneberg und Heinrich Groß v. Trockau vorgenommen. DerErstere ließ die Hinteren Gebäude mit Fachwerken erbauen; weshalb auchdaselbst sein sehr schön gehauenes Wappen mit der Jahrszahl 4479 ange-bracht ist. Unter dem Letzteren entstanden dagegen die oberen Gebäudenebst den übrigen, daher sich sein Wappen mit der Jahrszahl 4498 überdem Eingangsthor rechts neben dem Catharinenlhurm befindet. Schonim Jahr 4504 faßte indeß der kunstliebende Fürstbischof Voit von Würz-burg den Entschluß, statt des Hauptgebäudes der alten Hofhaltung einneues zu errichten, welches auch, von dem Jahr 4574 an durch denSteinmetzen Erasmus Braun ausgeführt, jetzo noch größtentheils stehtund den vorderen Theil der alten Hofhaltung ausmacht. An dem vor-springenden Erker find dle Wappen der damaligen Domherren sehr schönin Stein gehauen. Auch das Elngangsthor ist wegen seiner fleißigenBildhauerarbeit merkwürdig, wenn auch mir zu vielen Verzierungen über-laden. Noch ließ derselbe Fürstbischof 4575 die an diesen Bau stoßendeAndreaskapelle fast ganz durch E. Braun umbauen und manches Andereder Art aussühren. Und doch fand man nach so vielen Veränderungen,daß ein so unregelmäßiges und unbequemes Gebäude nicht für die Woh-nung eines geistlichen Fürsten passe. Ueber 400 Jahre lang verlegten da-her die folgenden Fürstbischöfe ihren gewöhnlichen Aufenthalt nach Geyers-wörth, welchen Namen noch jetzo ein Theil der kleinen, in der Mitte derStadt zwischen zwei Armen der Regnitz gelegenen, Insel führt, auf wel-chem sich ehedem ein in seiner Art ausgezeichneter Lustgarten nebst Schloß