W Ä m b e r g.
Aambe-rg — ehemals dir Hauptstadt des Fürstbisthums gleichenNamens, jetzt die Residenz des Herzogs Wilhelm von Bayern Kon. Höh.,der Sitz des Erzbisthums und verschiedener Stellen und Behörden — liegtan dem ziemlich reißenden Flusse Regnitz, welcher in zwei Hauptarmen dieStadt der Länge nach durchströmt und in drei besondere Abschnitte theilt,in einer der angenehmsten und schönsten Gegenden Deutschlands. Derweite Thalgrund, in dessen Mitte Bamberg, gleichwie im Schooße derFruchtbarkeit und der reichsten ergiebigsten Fülle, gelegen ist, wird vonder Regnitz und dem Main, welche beiden Flüsse sich eine Stunde unter-halb der Stadt bei Bischberg vereinigen, durchschnitten, und bildet eine»großen Halbkreis, der von malerischen Bergen begränzt wird. Die etwasentferntere Umgebung bietet alles dar, was eine schöne, liebliche Land-schaft nur immer gewähren kann. Die angenehmsten Berge und Wälderwechseln ab mit den fruchtrcichsten, bald engern, bald sich erweiterndenThälern, mit vielen Dörfern, einzelnen Höfen und Schlössern. Die Stadtselbst liegt zwar ihrem größcrn Theile nach in der Thalebcne, ein großerTheil derselben aber zieht sich in mehreren Armen über sanft ansteigendeBerge hinan/ was ihr von der Ferne eine überaus malerische Mannigfal-tigkeit und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem siebenhügclichten Rom ver-leiht. Was übrigens ganz besonders, zumal von der Nord- und Ostscite,der Stadt jenes schöne pittoreske Ansehen gewährt, ist der günstige Um-stand, daß gerade die vorzüglichsten und wichtigsten Gebäude, vor allendie Kirchen mit ihren stattlichen und zum Theil sehr schönen Thürmen,größtentheils auf den Anhöhen liegen, und sich somit die Stadt von selbst,auf eine für das Auge höchst angenehme Weise in verschiedenen Partie?»aufbaut. Und so bietet die herrlich gelegene Stadt fast von allen Seilenher, besonders aber von den vielen kegelförmigen Hügeln der Umgegend,die vorzüglichsten Ansichten dar; und man steht oft an, welcher man denVorzug geben soll. Doch sagte uns vor allen der für unsere Totalansicht(>r. i.) gewählte Standpunkt zu, der sich ganz in der Nähe der Stadt,rechts abwärts von der Würzburger Straße, bei einem Gartenhause ineinem Weinberge findet. Diese herrliche Ansicht vor Augen, machen wirnun auf die vorzüglichsten und wichtigsten Punkte der Stadt in ihrerLage und Stellung zu einander aufmerksam und mit deren Merkwürdig-keiten in kurzen Umrissen bekannt.
Ueberall, wohin wir hier blicken, zeigt sich Bamberg freundlich undheiter, und zum ländlichen Genuß, den die schöne Gegend so reichlichdarbietet, von allen Seiten offen. Nirgends sieht man große Thore,Mauern, Basteien, welche an den älteren Zwang des Städtischen erin-nern» Da die Bewohner von jeher Gärten und freie Plätze um ihreHäuser liebten, so erhielt die Stadt dadurch eine sehr weite Ausdehnung,so daß man dieselbe nicht leicht in I Stunde umgehen und noch weni-ger, wenn man nicht ein Panorama geben will, in Ein malerisch schönesBild zusammendrängen kann. Unser Zeichner sah sich daher genöthigt,
Wo ist die» Stadt in Fvantenlandes weiten Auen
Dir gleich an Schönheit/ Pracht und Würde zu erschauen?
auf der linken Seite seines Bildes die ohnedies weniger interessant«östliche Hälfte der Stadt wegzulassen. Aus demselben Grunde war esihm auch nicht möglich, auf der rechten Seite die Aussicht auf die, einekleine halbe Stunde von der Stadt westwärts gelegene, Schloßruinc Al-tenburg zu gewähren, so sehr auch dieser, seiner geschichtlichen Bedeutung,sowie seiner herrlichen Lage und vortrefflichen Aussicht wegen, weitbe-rühmtc Punkt verdient hätte, in unseren malerischen Darstellungen Bam-bergs und seiner Umgebung mit aufgenommen zu werden. Vielleicht daßes uns in der Folge vergönnt ist, diese für jetzt unvermeidliche Lücke nebstandern in einem besondern Ergänzungsheft« auszufüllen.
Den äußersten Punkt, mit welchem unsere Ansicht von Bamberg be-ginnt, bezeichnet die kleine Kirche St. Setrcu, welche nebst den an-stoßende» Gebäuden, dem ehemaligen Probsteibau, der jetzigen Irrenan-stalt, 1727 —I7Z0 wahrscheinlich nach Diezenhofers Angabe, im römischenStyl neu aufgeführt wurde. Im Innern ist sie in der französischenSchnörkclmanier sehr geschmacklos verziert, und besitzt außerdem von äl-teren Bildwerken nur sehr Weniges und Unbedeutendes. Bereits BischofOtto l, der Heilige, erbaute diese Kirche und schenkte sie 1124 dem Klo-ster Michclsbcrgdarauf ließ er neben derselben noch andere Gebäudeaufführen, gründete darin 112k die Probstei, stattete sie mit Güternaus, und übergab sie ZI27 dem Kloster Michelsberg zur Besetzungmit 7 Priestern und 2 Brüdern. Diese Stiftung wurde nachher völligmit dem Kloster vereinigt, und ging dadurch in spätern Zeiten ein. DerMichclsbcrger Abt Anselm Gcisscndorser wollte sie um I7so wieder her-stellen, und ein Priorat mit 12 Priestern und s Brüdern daraus bilden,allein sein Vorhaben wurde vom Kloster vereitelt, nachdem er bereits andie Stelle der sämmtlich niedergerissenen älteren Gebäude die jetzigen miteinem Aufwand von beinahe 40000 fl. aufgeführt hatte. In dem Ge-bäude wohnten bis zur Säkularisation im Jahr I80Z ein Probst undeinige Klostcrindividucn; nach derselben wurde es sehr zweckmäßig zueiner Irrenanstalt eingerichtet. Die Verehrung eines kleinen hölzernenGnadenbildes der Maria, welche schon um iZso statt fand, veranlaßt,daß bis aus die neuesten Zeiten diese Kirche sehr besucht und durch Opferreichlich beschenkt wird. ,
Den nächsten merkwürdigen Punkt bildet die aus einem Berge sehrschön gelegene ehemalige Bencdictiner - Abtei Michclsberg, eine Stif-tung des um Bamberg so hoch verdienten Kaisers Heinrich II. Im Jahrivo» ward der Grund zur Kirche gelegt, 1021 war sie vollendet und amZ. November desselben Jahres weihte sie Bischof Eberhard I. feierlich ein.Bereits 1107 beschädigte ein Erdbeben die Gebäude dergestalt, daß die Kircheeinzustürzen drohte; weßwegen Bischof Otto der Heilige, der berühmteApostel der Pommern, sie neu erbauen ließ und am I. September Il2leinweihte. Aus dieser Zeit mag das Querschiff, welches ganz den byzan-tinischen Styl trägt, herrühren. Otto, der größte Wohlthäter dieses