nebst Johannes um die in Schmerz gesunkene Mutter Gottes versammelt.Alle diese Figuren sind gegenwärtig bis auf zwei, welche man vor kurzemerst unter dem Kreuze in die Erde pflanzte, leider verschwunden. Nochsieht man auf unserem Bilde die siebente und letzte Station, welche we-nige Schritte von dem Haupteingange des Kirchhofs frei dasteht und denvom Kreuze abgenommenen Leichnam Jesu vor seiner Mutter und anderngottseligen Matronen und Männern auf einem Leintuche im Schooß sei-nes gcliebtesten Jüngers liegend darstellt. Links schließt das Bildchen mitder Hauptpfortc des Kirchhofs, welche zwei schöne Wandsäulcn schmücken.—Einen unvergleichlichen Reiz gewährt demselben endlich noch die Aussichtin die nächsten schönen Umgebungen des Kirchhofs, die sogenannten Jo-hanncöfclder, den Schießplatz, die angränzende Stadt und ganz beson-ders der bezaubernde Fernblick auf das im silbernen Morgenduft liegendeSchloß. — Doch wir sind unsern Lesern noch einige Bemerkungen überden Hauptgegenstand unseres Bildes, den Kirchhof zu St. Johannes,schuldig. Obgleich derselbe bereits im Jahr 1437 angelegt worden war,wurden dennoch fast ein ganzes Jahrhundert die meisten Todten in derStadt auf den bei den Kirchen befindlichen Friedhöfen beerdigt. Endlichaber im Jahr 1Z1V brachte es die Obrigkeit dahin, daß dieß forthinunter keiner Bedingung mehr geschehen dürfte. In dieser Absicht hatteman bereits ein Jahr zuvor einen neuen Kirchhof, den zu St. Rochus,welcher deßwegen auch gewöhnlich der neue genannt wird, vor demSpittlcrthore angelegt. Doch der Hauptkirchhof blieb vor wie nach derältere zu St. Johannes; man sah sich daher genöthigt, im Verlaufe derZeit vom Jahr 1437 bis zum Jahr 7714 denselben neunmal zu erweitern.Gleichwohl liegen, besonders zunächst dem Haupteingange, die Leichensteineso dicht bei einander, daß man aus Mangel an Raum beim Weitergehenoft von einem Stein auf den andern treten muß. „Es war, sagt einegemüthvolle Reisende, ein eignes Gefühl, das, als müßt' ich ihn um Ver-gebung bitten, in meinem Herzen aufquoll, als mein Fuß unwillkürlichAlbrecht Dürers mir geheiligte Ruhestätte berührte." Das Grab diesesunsterblichen Mannes ist mit kßuin. 04g bezeichnet. Auf dem Grabsteineliest man an den 4 Kanten unten folgende Worte cingehauen: ?Ietiun.
Soulpturn. lieno. A. AIIiDI.XXXI. Oben zu den Häupten istein aus Stein gehauener Pult, auf welchem eine messingene Tafel mitDürers gewöhnlichen Zeichen und mit folgender Aufschrift befestigt ist:
All) , VI., VI1, (AZuinoriue Vlborti Ilurcri)Hlictjl lN VI.UDIII'I 111111)111 4111111.41.1) k illt',
8VI1 lioc lxi .xmviii V14IV1.(1, i)4iiciii.4Vl'i'
Vlll, 1141)8 ,4I>IiII.I8 4I.V. XXVIII.
Die darunter liegende große messingene Tafel mit der lateinischen Inschriftzur rechten, und den deutschen Versen zur linken Seite ließ 1S8I Joachimvon Sandrart verfertigen. Nicht weit von Dürers Grab, fast mitten aufdem Kirchhof, ist dem Ritter Alexius Münzer, der sich durch eine mildeStiftung verdient gemacht hatte, ein schönes hohes Denkmal errichtet.Noch andere merkwürdige Gräber auf diesem Kirchhofe sind: >uin. 1414Wilibald Pirkhcimcr's Ruhestätte, IXum. KV4 Wenzel Jamnitzcrs, AI»iii. 334Johann Müllner's, lXum. iis Gottfried Thomasius', Kuiu. .... Sand-rarts Grab ic. Auch Hanns Sachs (ch 21. Januar IS7K), ist unfehlbarhier begraben; nur kennen wir seinen Grabstein nicht mehr; denn der mitAiuiii. soll bezeichnete, welcher neuerdings dafür ausgegeben wird, trägtdie messingene Aufschrift: „II. 8. des Ersamen Hannß Sachsen, Zuckcr-machers vnd Anna seiner liben Ehwirtin vnd Jrcr beidersceligen ErbenBegrcbtnus. Anno Domini I58S." Wahrscheinlich war dieser Zuckerbäcker
ein Anverwandter unsers Dichters, der keine Kinder hinterließ. — Sehrviele schöne messingene Epitaphien auf diesem Kirchhofe habe» SebastianDenner (st Ivoi), Hinterheusel und Ramsteck, berühmte Kunstgießer,verfertigt. — Ueber der Familiengruft der Holzschuherischen Familie be-findet sich eine 1374 errichtete Bezräbnißkapelle, in welcher auf demAltar eine Bildschnitzerarbeit, die eines Veit Stoß würdig ist, und ineiner Nische eine schöne Grablegung von Adam Kraft und seinen Schü-lern 1Z08 in Stein gehauen zu sehen ist, welche letztere viel Ausdruck,sowie eine edle Anordnung der Gruppirung und Stellungen hat. In derNische, worin sie steht, erblickt man als Hintergrund derselben, von derZeit verdüstert und von Feuchtigkeit theilweise verdorben, die AbbildungJerusalems von Michael Wohlgemuth auf Kalk gemalt. Außen zur linkenSeite des Eingangs in diese Kapelle ist in der Wand ein 7 Schuh langesund 22 Zoll breites Eisen eingemauert, nach dessen Länge die Gräber be-reitet und die Leichensteine gehauen werden müssen. — Auch die bereits1323 erbaute Kirche zu St. Johannes, von welcher der um dieselbe lie-gende Kirchhof seinen Namen erhielt, hat manches alte Gemälde, sowie aucheinige Glasmalereien, jedoch nichts von ausgezeichnetem Kunstwerth. AmAltare sind doppelte Flügel mit Gemälden unbekannter Meister von mittel-mäßiger Arbeit; ein Bild Luthers, Philipps von Mannsfeld, ein jüngstesGericht, Christus in den Feldern bei St. Johannes vor Nürnberg wan-delnd, von Wittich gemalt, und noch mehrere andere Gemälde hängenzerstreut umher; an einem Rebenaltar ist eine Arbeit Albrecht Altorfers,mit seinen Aeichen, sehr nett auf Holz gemalt. Die Kirche hat auchmehrere Grabmonumente von Stein.
I>'ro. 13. stellt den sogenannten He II li erlieg dar, welcher von demUnschlitthausc über einen Arm der Pcgnitz nach dem, auf einer von diesemFlusse gebildeten Insel liegenden, Trödelmarkt hinüberführt und an demeinen Ende mit einem alten runden Vorbau zusammenstößt, der durch 2über den andern Arm der Pegnitz gewölbte Bogen mit dem sogenanntenWasserthurmc zusammenhängt. Letzterer gehörte ehedem zur alten Stadt-mauer, welche bei der ersten Erweiterung der Stadt gegen die Mitte des12. Jahrhunderts aufgeführt wurde, und deren Lauf sich nach den nochvorhandenen Ueberrcsten von Mauern, Thürmen und Gräben mit ziem-licher Zuverlässigkeit bestimmen läßt. Die seltsame Benennung Henker-steg rührt von dem Umstände her, daß vormals der Henker auf dem zumWasserthurm führenden bedeckten Gange seine Wohnung hatte. Wir wähl-ten dieses höchst originelle Bild, um wenigstens eine der vielen überausmahlerischen Partien auszunehmen, welche die mit 7 größeren und kleine-ren Brücken und 6 Stegen versehene Pegnitz und die sie in ihrem Laufedurch die Stadt umgebenden alterthümlichen Häuscrgruppcn darbieten;Partien, die uns oft sehr lebhaft nach den Wasserstraßen Venedigs versetzen.
Und so sollen wir denn endlich im Ernste uns trennen von der liebendeutschen Stadt Nürnberg, die uns in diesen wenigen Blättern einen sol-chen Reichthum der herrlichsten Genüsse für Auge, Herz und Gemüth dar-bot und die in ihrem Schooße noch so viel Vorzügliches enthält, welchesuns leider die engen Gränzen unseres Werkes aufzunehmen nicht gestatten.Möge ein gütiges Schicksal über der altehrwürdigen Stadt wachen, undsie niemals ihres alterehümlichen Schmuckes entkleiden! Möchten auch ihrefreundlich biedern herzlichen Bewohner den sie so sehr zierenden Sinn fürdeutsche Art und Kunst in ewig jugendlicher Frische bewahren, und sonoch unsern spätesten Enkeln den hehre» Anblick jener bezauberndenSympathie gewähren, in der sie mit ihrer alterthümlichen Stadt, gleichsamein Abbild längst entschwundener Zeiten und Zustände, fortzuleben scheinen.