Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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erhebt, darstellt. An den Säulen der Halle stehen rechts die fünf thö-richten und links die fünf klugen Jungfrauen, von denen aber eine fehlt.Aussen an den beiden Seiten der Halle befindet sich rechts der heilze Se-bald und links Maria; letzlere ist stark beschädigt. Zu bedauern ist, daßauf die Erhaltung dieses Meisterwerks nicht mehr Sorgfalt verwendet,sowie auch, daß nicht eine dem Ganzen mehr anpassende Thüre statt dergegenwärtigen hinzugefügt wird. Die nächsten Bildwerke übergehen wirwieder, aus demselben Grunde wie oben. Allein gegen dem Ralhhauseüber fesselt Plötzlich ein seltenes Kunstwerk unsere Blicke. An der Wundder Kirche und den beiden Pfeilern befindet sich hier ein Hautrelies,unter den Arbeiten des SteinhaucrS Adam Kraft unstreitig eins dergrößten und vollendetsten, zugleich auch vortrefflich erhalten, da es durchei» kupfernes Dach und ein eisernes Gitter vor der Witterung und jedermuthwilligen Beschädigung geschützt ist. Nach einem Theil der Darstel-lung nennt man dies Hautrelies in Nürnberg gewöhnlich die GrablegungChristi, obschon es ausser dieser ebenso meisterhaft gedachten, als ausge-führten Gruppe, auch die Krcuztragung, Kreuzigung und Auferstehungdes Heilandes darstellte. Unten sieht man viele knieende Personen bei-derlei Geschlechts, die Glieder der Familie Schreyer und Landauer undanderer mit diesen verwandten vorstellend, auch eine Menge dahin bezüg-licher Wappen. In der Mitte steht auf einem weit aus der Wand her-ausragenden Tragsteine ein viereckiges Thürchen, von zierlich durchbroche-ner Arbeit, welches sonst, wie eine Laterne, immer mit Gläsern versehenwar, und in dem einewig ymmerliechr tag und nacht prannte." Auder Stirnseite dieses Tragsteins steht die Jahrzahl 11S2 in deutlichen, ob-schon etwas ungewöhnlichen Zügen. Der Hintere Theil dieses Kunstwerksist der größte und mißt 18 Fuß in der Länge, die beiden Scitenwändean den Pfeilern, jede 8 Fuß; die Höhe des Ganzen beträgt !> Fuß. DieHauptfiguren des Hautreliess haben durchgehends eine Höhe von 3 4Fuß, und sind mit der größten Zartheit und Sorgfalt behandelt. Manglaubt einen Israel von Mecheln in Stein vor sich zu sehen. Die Köpfesind durchaus vorzüglich und voll Ausdruck, besonders die der Frauen amGrabe: an Bart und Haaren ist großer Fleiß in der Ausführung, dieHände sind richtig und wahr; etliche weibliche Körper aber, sowie beson-ders die in viele kleine Falten gebrochene Gewänder, tragen auch wiederdie Schwäche» und Eigenheiten jener Kunstepoche an sich. ScbaldSchreyer, der ehrwürdige Kirchenmeistcr zu St. Scbald, welcher als derletzte seines Geschlechts 1520 starb, ließ dieses Kunstwerk 11!>2 durch AdamKraft ausführen und mit seinem, seiner Vorfahren und VerwandtenWappen ausschmücken. Vor demselben befinden sich die Gräber der Fa-milien Schreyer und Landauer, auf welche unter dem Hautrelief, von demGitter eingeschlossen, zwei mit den bronzenen Wappen beider Familienversehene Wappen hindeuten. An den nächsten Pfeilern sind gleichfallsVorstellungen der letzten Begebenheiten aus dem Leben des Heilandes baldbesser, bald schlechter ausgeführt. Darauf folgt die kleine niedrige Schau-thüre, welche ihren Namen von dem Schauamre hat, das sonst in einemGebäude, auf dessen Stelle nun die Hauptwache steht, seinen Sitz hatteund in dem das Gold, Silber und Geld geschaut (probirt) und gewechseltwurde. Ueber dieser Thüre befindet sich ein von dem berühmten HartmannSchedcl, dem Verfasser der bekannten Nürnberger Chronik, gestiftetesHautrelies, das jüngste Gericht, angeblich von A. Kraft gefertigt. Es istreich an Figuren und überaus fleißig behandelt; an den Figuren, beson-ders an den Haaren, ist eine ehemalige Vergoldung zu bemerken. ImJahr 1SKS, als des Stifters Frau starb, wurde es wieder erneuert.Die zwei nächsten reich verzierten Strebepfeiler, die letzten des Chors,schließen eine Sacriikei ein, welche von außen, besorlkers an, neben undüber den in das Innere führenden Thüren, mit vielen Figuren undWappen versehen ist. Noch hat sich an diesem Chor in manchen Bild-werken auch der Witz und die Laune der Steinhaucr in der bekanntensatyrischen Weise gezeigt. So sieht man an einigen Bilderstühlen deut-liche Anspielungen auf die Sittenvcrderbthcit der Geistlichen, die sich in-

deß, da die Zeit uns zu fern liegt, nicht mehr enträthscln lassen. Dasgemeine Volk hielt solche Dinge für seltsame Einfälle der Steinmetzen,und zeigte sie den Fremden als ein Wahrzeichen der Stadt. Zunächstan der Wand des Schiffs der Kirche, am Fenster rechts, befindet sich eingut ausgeführtes und auch ziemlich gut erhaltenes Hautrelies, die Krönungder Maria vorstellend. An dem Pfeiler sind verschiedene, mehr oder min-der stark beschädigte HautreliefS. In dem Spitzbogen der Thüre, zunächstdem Thurme, befindet sich ein Hautrelief, welches noch Spuren einerehemaligen theilwcisen Vergoldung trägt, und das jüngste Gericht vor-stellt. Besonders aber möchten hier die Copitälcr der Säulen zu beidenSeiten der Thüre zu erwähnen sein, da sie wundersame Thiergestaltcnund schöne Laubgcwinde enthalten. Auch über denselben befinden sichThicrgestalten, welche einst zu Rinnsteinen dienten. Noch folgen weiterhin an der übrigen Außenseite des Kirchenschiffs mehrere kleinere undgrößere Figuren, Hautreliefs und viele Wappen.

>r«. io. stellt den vordersten Theil der flurg zu Nürnberg mitdem auf dieselbe führenden sogenannten Hinimclswcgc dar, wovon dieweitere Beschreibung bereits in dem Vorhergehenden gegeben wurde. Ne-ben letzterem am Fuße des Schloßberges liegt der Oclbcrg, welcher seinerEntstehung und seinem Gegenstande nach mit dem Pilatushause und denKetzelischen Stationen zusammenhängt und auch von demselben KunstlerAdam Kraft errichtet und mit Figuren ausgestattet wurde. Leider istnichts mehr davon vorhanden; denn die jetzt daselbst befindlichen Figurenwurden aus dem Carthäuscrkloster dorthin gebrecht, und können von einemGeyülfen Krafts herrühren. Die Straße, welche linker Hand nach demThiergärtnerthor führt, trägt davon den Namen auf dem Oelbcrg.

lVr». ii. stellt das F,auciitlsor mit dem runden Thurme gl. Ns.dar. Der oben nachzusehenden allgem. Beschreibung von der Beschaffenheitder Hauptthore Nürnbergs, wozu auch das hier dargestellte gehört, fügenwir nur noch die Bemerkung bei, daß bei einem jeden derselben zunächstan dem runden Thurm ein kleiner viereckiger Vorplatz stößt, über welchenman zu dem eigentlichen Stadtthore gelangt. Dieses selbst aber befindetsich, wie vorliegendes Bild zeigt, in einem viereckigen mit der äußc:,»Stadtmauer zusammenhängenden kleineren Thurme, und steht unmittelbarmit einer über dem Stadtgraben auf steinernen Pfeilern ruhenden hölzer-nen Brücke in Verbindung, welche in das Freie führt.

?tra. 12. stellt den Kirchhof zu St. Johannes in einer Morgen-beleuchtung dar, welche eine feierlich ernste Glorie über dieses durch seinenGegenstand und seine tiefgefühlte Auffassung und Ausführung innigst er-greifende Bild verbreitet. Stein drängt sich hier an Stein, die darunterruhenden Tobten zu bezeichnen, aber nicht ausrecht stehend, wie auf andernKirchhöfen, sondern alle liegend, und meist versehen mit einem messingenenWappen oder einem auf das Gewerbe oder auch die Todesart der Ver-storbenen deutenden Sinnbilde, in kunstreicher Arbeit. Diesen überraschen-den Anblick noch zu erhöhen, ihm gleichsam eine erhabenere Bedeutung,einen höheren Schwung zu geben, hat der Künstler den in geringer Ent-fernung von der Ringmauer des Kirchhofs etwas weiter links zurückstehendenCalvarienberg, welcher den Endpunct der Kraftischen Stationen Christibezeichnet, innerhalb desselben versetzt; eine Freiheit, für die ihm gewißjeder kunstsinnige und gefühlvolle Beschauer danken wird. Denn welch'unendlichen Reiz hat dadurch das Bildchen gewonnen! Wie überaus er-greifend ist der Contrast dargestellt, welchen die krampfhaften Bewegungender mit dem Tode ringenden Schächer im Vergleich zu der verklärtenRuhe bildet, mit welcher der Heiland dem Ende seiner irdischen Qualenentgegen harrt. Kraft hat hier seine ganze Meisterschaft bewährt. Auchsind an allen drei Figuren die Adern und Muskeln auf das lebhafteste aus-gedrückt; ja selbst die Stricke, mit welchen sie an den Kreuze» gefesselt,sind auf das täuschendste in Stein gehauen. Sonst standen noch unter demKreuze der römische Hauptman» nebst einigen Juden und Kriegskncchten,welche nach dem Gottessohne am Kreuze hinaufschauten; und dem Calva-rienberge gegenüber, neben der Kirchhosmauer, stand eine Gruppe Frauen