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1 (1837)
Entstehung
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abreißen und im Jahr ISIS, wie dies eine über einer Stube im zweitenStock angebrachte lateinische Marmortafel ausdrücklich besagt, in seinergegenwärtigen Gestalt wieder aufbauen ließ.

>r». 0. Die L». Sebiildus Kirche. Diese Kirche steht zwar inHin sich t ihrer harmonischen Bollendung und Schönheit, besonders was dasAeußere betrifft, der Lorenzkirche nach, doch gewährt sie dem kunstsinnigenFreund und Forscher des Alterthums ein sehr hohes Interesse, weil sieunter allen hiesigen Bauwerken das einzige ist, an welchem sich dcrStusen-gang der altdeutschen Baukunst von den früheren byzantinischen Ansängenan bis zu ihrer höchsten Blüthe am Schlüsse des II. Jahrh, verfolgen läßt.Dies zu versuchen, verbinden wir am besten die wenigen geschichtlichenDaten, welche uns über diese Kirche überliefert sind, mit der näheren Be-schreibung und Bezeichnung der einzelnen Bestandtheile derselben.

In der Nähe des Schlosses aufgeführt, liegt die Sebalduskirche soziemlich in der Mitte des ältesten Theils der Stadt, und mag wohl zu-gleich mit dem letztern im 10. Jahrhundert entstanden sein. Unbekannt,zum Theil fabelhaft, ist der Ursprung, sowie die frühesten Schicksale die-ser Kirche und ihres Schutzpatrons, des heiligen Scbaldus. Zwar lassendie geschriebenen nürnberger Chroniken im Jahr IIS den heiligen Boni-facius unten am Berg, darauf das Schloß stehet, an einem bequemen Orteine Kapelle, zu St. Peter genannt, erbauen, die Inwohner von der Ab-götterei abzuhalten und zum christlichen Glauben zu gewöhnen, zugleichaber auch damit anzuzeigen, daß diese Kirche und Gemeinde St. Peterund dem Stuhle zu Rom unterworfen sey. Als um die Mitte des S.Jahrhunderts der heilige Sebald sich diese Kapelle zur Ruhestätte erwählthatte unv bei seinem Grabe viele Wunder geschahen, soll dieselbe wegender Menge derer, welche dahin wallfahrtcten, abgebrochen und eine grö-ßere Kirche an deren Stelle erbaut worden sein, welche zur Ehre desheiligen Sebalds eingeweiht wurde. Dem sei nun wie ihm wolle, so istdoch so viel gewiß, daß der zwischen den beiden Thürmen gelegene vordereTheil der Kirche, welchen man die Peters- oder Löffelholzische Kapelleoder auch das Engelschörlein nennt, der älteste ist, und wie aus der by-zantinischen Bauart desselben fast mit Gewißheit geschlossen werden kann,aus dem 10. Jahrhundert stammt. Diesem mögen sich nicht lange darauf,vielleicht selbst schon zur nämlichen Zeit, die untersten zwei oder drei Stock-werke der beiden zur Seite stehenden Thürme als die Vorderseiten derbeiden niedern Nebenschiffe der Kirche angeschlossen haben. Wenigstens ge-ben die beiden, noch gegenwärtig zum Eingang dienenden Thur.n unterden Thürmen durch die byzantinischen Rundbögen und die schönen, ausLokosblättern zierlich gebildeten Capitälcr der sechs zur Seite stehendenSäulen, einen Beweis ihres hohen Alters. Ebenso finden wir aus denübrigen oben bezeichneten Theilen der Kirche noch manche auffallende Spu-ren von demselben Rundbogenstyl. Auf und neben dem schon vorhandenenGebäude wurde im Jahr 1300 der südlich stehende Thurm gebaut. Als1300 die eine (vielleicht nördliche) Seite dieser Kirche baufällig wurde,ließ man dieselbe wieder herstellen. Im Jahr 1343 wurde der nördlichstehende Thurm gebaut, und als 1301 die Gemeinde in der Stadt sehrzugenommen hatte, wurde der Chor der alten Kirche abgebrochen, undvon dem genannten Jahre bis 1377 das Langhaus vergrößert und in glei-cher Höhe mit demselben ein neuer Chor aufgeführt. Vierzig und hun-derttägiger Ablaß sollte die Kosten des Baues, welche mehr als 24voo sl.betrugen, bezahlen, aber diese Quelle scheint nicht sehr ergiebig geflossenzu sein (was wohl auch die vielen leeren Bilderstuhle an den Pfeiler»beweisen könnte»), da Cardinäle und Bischöse, Almosen zu diesem ehema-ligen Kirchcnbau zu geben, wiederholt ermuntern mußten, und der Bauauch zuweilen nicht fortgesetzt werden konnte. Dieser Chor wie mangewöhnlich diese eigentlich aus eimm vergrößerten Langhause und Chörebestehende Erweiterung der Kirche zu bezeichnen pflegt bietet in allenTheilen jene Zierlichkeit und Zartheit der Formen dar, welche der altdeut-schen Baukunst zur Zeit ihrer schönsten Blüthe am Schlüsse des 14. Jahr-hunderts eigenthümlich war. Nur Schade, daß isvi der schön durchbro-

chene Gang, welcher um das Dach des Chores lief und nicht wenig zurSchönheit desselben beigetragen haben mag, weil er baufällig gewordenwar, abgebrochen und das Dach, wie ein weiter plumper Deckmantel,darüber geführt wurde. Diese Veränderung ist um so mehr zu bedauern,als zu gleicher Zeit die reich mit zierlichen Knäufen besetzten Giebel derFenster abgebrochen wurden, und nunmehr neben den noch stehenden Spitz-säulen der Strebepfeiler, welche in verschiedenen Absätzen und Uebcrgän-gen von Formen auf das zierlichste emporsteigen, einen traurigen abge-stumpften Anblick gewähren. In den Jahren 1482 und 83 erhielten diebeiden einfachen schlanken Thürme ihre gegenwärtigen, in hohe Dachspitzenauslaufendcn, Aufsätze und damit eine Höhe von 204 Fuß. Im Jahr I4SNwurden die beiden zierlich durchbrochenen Gänge hinzugefügt, diese muß-ten aber bereits I5II wieder ausgebessert werden. Auf dem südlichenThurme, dessen Spitze früher, gleich wie die des andern noch jetzo,mit Zinn belegt war und erst 1047 mit Kupfer gedeckt ward, befindet sichdie Wohnung des Thürmers, über welcher in dem doppelt durchbrochenenDach die Stunden- und Viertelstundenglocke hängt. Sonst wurden dieStunden hier sowohl, als aus den andern Schlagthurmen, nämlich demeinen Thurm an der Lorenzkirche, dem Laufcrschlagcthurm und dem wei-ßen Thurm, wegen der vielen vordem in Nürnberg sich aufhaltenden ita-lienischen Kaufleute, nach der alten Uhr iyres Landes angeschlagen,welche die Zeit von Aufgang bis Untergang der Sonne rechneten; erst alsNürnberg an Baiern überging, wurde diese unbequeme und für Deutsch-land nur zu Nürnberg noch üblich gewesene Uhr abgeschafft. Wir gehennun zunächst zu der Betrachtung der vielen Merkwürdigkeiten über, wel-che sich ausserhalb an dieser Kirche befinden.

Zwischen den beiden Thürmen hoch an dem Mittelfcnster der altenLöffelholzischen Kapelle hängt ein kolossales, über 18 Zentner schweres Cru-cifix von Messing, welches von Johann und Georg Stark 1482 gestiftetund 102S sowie 1080 wieder erneuert worden. Dieses noch trefflich erhal-tene Crucifix, dessen Meister leider unbekannt ist, ist eines der ältestennoch vorhandenen Werke der Nürnberger Kunstgießer. Zeichnung undAusführung des Christusbildes sind gelungen zu nennen; nur möchte zutadeln sein, daß es etwas zu muskulös gehalten ist. Die beiden Füßesind besonders angenagelt, wie dies bei den Crucifixen der ältesten Zeitder Fall ist. An der Nordseite dieser Kapelle befinden sich noch dreiGrabdenkmäler alter Nürnberger Familien, der Maurer, Psinzing undKetzel, in Stein gehauen und zum Theil mir Basreliefs geziert. An demvordern Pfeiler des südlich stehenden Thurmes steht unter einer Bedachungein ziemlich mittelmäßiges, 1447 von Hans Decker gefertigtes Steinhild,St. Christoph vorstellend. Ueber der Thüre dieses Thurmes in der Wöl-bung des alten Bogens befindet sich die Kreuzprobe der Kaiserin Helena;unten knieen Personen beiderlei Geschlechts; rechts sind die Wappen derOertel und Groß. Daselbst ist auch ein Basrelief, den englischen Grußvorstellend, welches sehr schön und auch gut erhalten ist. Wenden wiruns nun nach der nördlichen Seite dieser Kirche, so erblicken wir hierüberall mancherlei Bildhaucrarbeiten, wovon wir aber die nächsten, alsminder bedeutend und zum Theil sehr beschädigt, übergehen. In demSpitzbogen der ersten Thüre, welche von dem dritten und vierten Pfeilerdes Schiffes der Kirche eingeschlossen ist, befindet sich ein Hautrelies, Sce-nen aus dem Leben der Maria darstellend, welches noch gut erhalten istund ganz deutliche Spuren einer ehemaligen Bcnialung an sich trägt.Am meisten Beachtung jedoch verdienen bei dieser Thüre die niedlichenweiblichen Figuren an den Capitälcrn. Die nächstfolgenden, meist sehrstark beschädigten Bildwerke wiederum übergehend, wenden wir uns derBraut- oder Ehcthüre zu, welche von dem ersten und zweiten Pfeiler desChors begränzt wird und ein wahres Meisterstück alldeutscher Baukunstist. Wie ein kunstlich von Stein geflochtenes Netz deckt der äussere Spitz-bogen ihrer Vorhalle den innern, an der eigentlichen Thüre befindlichen,welcher mit Blältcrgewindcn verziert ist und in der Mitte die Vermäh-lung Adams und Evas durch Gott Vater, welcher die Rechte zum Segen