Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Aufbau, welcher mit S spitzigen Giebeln geschmückt ist, und die pyrami-denförmig zulaufende Dachspitze trägt. Das unmittelbar an die Vor-derseite stoßende ursprüngliche Langhaus mit seinen beiden niedern Seiten-schiffen zeichnet sich besonders durch die einwärts in letztern gebautenStrebepfeiler aus, welche oberhalb des Dachs der Abseiten mit Spitzsäu-len geschmückt sind und sich in leichten Bogen hinüber bis an den oberenTheil des Mittelschiffes wölben. Daran schließen sich sodann das verlän-gerte Langhaus und der Chor, beide zu gleicher Zeit miteinander und ingleicher Höhe ausgeführt, und mit Strebepfeilern versehen, welche erstin halber Höhe über den untern Fenstern hervortreten und von da an,zierlich geschmückt, die obere weiter zurückstehende Wand mit der oberenFensterrcihe halten. In der Ecke, wo das ältere und jüngere Langhauszusammenstoßen, befindet sich der mit eisernen Stäbe» eingefaßte Oclbcrg,welcher, 1822 wieder hergestellt, besonders durch die schönen Säulcnkapi-täler interessant ist. Eine noch anziehendere Partie des Ganzen, bildetgleich neben daran die Vorhalle zur Brautthüre durch die schön gehauenenVerzierungen über ihren 3 Bögen und durch die darunter befindlichen,wahrscheinlich erst kurz vor Anfang der Reformation gefertigten, steinernenBildsäulen der Jungfrau Maria mit dem Kinde und der drei Weisen ausdem Morgcnlande. Aehnliche Verzierungen hat die auf der entgegenge-setzten Seite befindliche Sacristei, an deren äußeren Wand das von Kon-rad Horn im Anfang des 1<>. Jahrhunderts gestiftete marmorne Hautre-lies, die heilige Dreifaltigkeit, von mittelmäßigem Kunstwerthe ist. Ei-nige Häuschen, die sonst an die Kirche angebaut waren, sind glücklicherWeise, zum Theil schon in früherer Zeit, abgebrochen worden; und sosteht die Kirche, frei und nicht mehr entwürdigt durch solche störende Au-ßcnwerke, als eine herrliche Zierde für die ganze Umgegend da. Nochist hier crwähncnswerth der schöne 1S83, zur Seite der Kirche, gebauteBrunnen mit seinen zierlichen Springwerken und seinen ehernen, im Ge-schmack der Schule des Golzius gezeichneten, vorzüglich gut gegossenenStatüen, welche 1Z8» von Bencdict Wurzclbauer verfertigt wurden. Auchbefindet sich noch am Fuße des älteren Thurms ein 1822 nach HeideloffsZeichnung von Capellcr zierlich in gothischem Styl aus Stein gehauenesBrünnchcn.

Ilro. z. ist der Heidenthlirm mit dem Eingang in den Schloß-hof, dessen Beschreibung wir bereits oben gaben.

?<rn, 4. ist der mit dem berühmten tchönen Erker versehenejlkarrhok;u St. Scdald, welcher, der Kirche gleiches Namens gegen-über, an einem freien Platze liegt, von welchem aus eine weiterhin ziemlichstark, sich erhöhende Straße nach dem Schlosse führt. Im fernen Hinter-gründe derselben erblickt man ein bronzenes Standbild, welches AlbrechtDürer vorstellen soll. Zwar ist dasselbe noch nicht wirklich dort aufgerich-tet, doch muß dieß ehestens geschehen, indem das Denkmal, zu welchemschon am 7. April 1828, als dem Todestage des berühmten Mannes, aufdem seitdem nach ihm genannten Albrecht-Dürcrs-Platze, dem ehemaligenMilchmarkt, feierlichst gelegt wurde, seiner Vollendung nahe ist. DieSt. Moritzkapelle, welche rechts dem Seb. Pfarrhofe gegenüber liegt, fielleider außer den Gränzen unseres kleinen Bildes. Diese 1313 gestiftete,in ihrem Aeußern nicht unansehnliche Kapelle diente in den letzten Zeitenlange zu einem städtischen Holzmagazin, bis in derselben ganz neuerdingseine Gallerte von Gemälden aus der altdeutschen Schule auf Veranlassungdes Königs von Bayern, welcher dazu sogar manche vorzügliche Gemäldeaus den reichen Gallerien Münchens und SchlcißheimS bestimmte, aufge-stellt wurde. Im Uebrigen stehen rings um diesen Platz viele meisthohe und massive Privatgcbäudc, welche alle in ziemlich gleicher Weiseden Character solider Einfachheit und Zierlichkeit tragen. An denselbenfindet man auch die in Nürnberg so häufigen Erkervorbäue, oft durchmehrere Stockwerke durchgehend, mehrmals angebracht. Die Kreuzzüge,sagt man, machten mit dem Anbau von Erkern an den Häusern bekannt.In der Türkei nämlich wurden früher die polizeilichen Maßregeln dadurchersetzt, daß jeder Unterthan für den andern, namentlich für seinen Nach-

bar verantwortlich gemacht wurde. In manchen Orten wurde eine ganzeStraße unter die Aufsicht des ältesten Bewohners derselben gestellt; manbaute daher über dem Erdgeschoß einen vorspringenden, ringsum mit Fen-ster versehenen Erker, in welchem man die Straße bequem übersehenkonnte. Bald wurde es nun in den älteren Städten Europas zu einerunvcrtilgbaren Gewohnheit, die man besonders in den süddeutschen Städ-ten und vor allen in Nürnberg am tiefsten eingewurzelt findet, Erker undAusschüsse zu bauen, welche aus die Straße hinausgingen und diese aller-dings häusig, zumal wenn sie enge waren, etwas verdunkelten. Doch hatdiese Einrichtung etwas so Angenehmes, daß sich in mancher Straße fastjeder Hausbesitzer einen solchen Erker errichten ließ, wo man, vor Wind-zug, Sonne und Regen geschützt, bequem nach allen Richtungen hin dieStraße und alles, was auf derselben vorsiel, überschauen konnte. EwigSchade, daß man von dieser guten alten Sitte so ganz abgekommen unddaß sie in vielen Städten sogar bauwidrig geworden ist. Freilich hat mandafür die italienischen Balköne eingeführt, welche im Grunde ursprünglichdasselbe in Italien waren, was unsere Erker in Deutschland; nur daßman sie dort dem heiße» Clima gemäß, welches stets freien Zugang derLuft wünschenswcrth machte, unbedeckt und uneingeschlossen ließ, wodurchsie sich aber gerade für unser rauhes Clima nicht wohl eignen. Und wennman den Maaßstab des Acsthetischschöncn anlegt, wo läßt sich eine herrli-chere Hauszierdc denken, als der hier in seiner ganzen Pracht dargestellte,mit vollem Recht sogenannte schöne Erker am Pfarrhosc zu St. Sebald?gibt es einen stärkeren Beweis als diesen, mit welcher Liebe man vor-dem diese freundliche Vorsitze kunst- und sinnreich auszuschmücken bedachtwar und verstand? Ein ziemlich starker Pfeiler, der schon in der Grund-form die Anlage zu dem Achteck hat, in welchem sich der darauf ruhendeErker ausbaut, gewinnt durch die Abtheilung in verschiedene zierlicheGlieder ein leichtes und gefälliges Ansehen- Darauf folgen die, in rundenund eckigen Formen abwechselnd neben einander hervortretenden, mitBlät-tcrwcrk gezierten Gesimse. Ueber denselben sind an den sechs Pfeilern desoberen Achtecks Engclsgestalten angebracht, welche mit ihren Flügeln den,einem kleinen Kirchcnchor ähnlichen, Ausbau emporzuheben scheinen. Dieeinzelcn, zwischen den Pfeilern befindlichen Feldcrabtheilungen stellen infünf Hautreliefs Scenen aus dem Leben der Maria, von der Verkündi-gung der Geburt des Heilands durch den Engel bis zur Krönung der Him-melskönigin, dar. Darüber befinden sich sodann die durch zierliche Spitz-säulen von einander abgetheilten Fenster, in welchen wcrthvolle Glas-malereien von Veit Hirschvogel dem ältern angebracht sind. Ein schönesmit Blättcrwcrk geschmücktes Gesims, über welches sich ein kleines,niederes mit Ziegeln belegtes Dach erhebt, macht oberhalb den Schluß.Der Pfarrhof selbst, dessen schönste Zierde der beschriebene Erker aus-macht, war ehedem die Wohnung des Probstes an der Scbalduskirche.Es hatten aber auch der Prediger, der Schaffner, die Kornschreiber, dieacht Kaplänc, der Schulmeister, die Chorschülcr und Herrgottsknabenihre Zeltern oder Kammern darin und speisten aus einer Stube; auchwurde sonst in dem Pfarrhofe Wein und Feuchter Bier geschenkt, undder Pfarrhofkellncr hatte die Bedienung des Kapitels zu besorgen undwurde von demselben besoldet. Das Innere des Psarrhofs, der gegen-wärtig zur Wohnung des ersten und zweiten Pfarrers der Scbalduskirchedient, hat wenig Anziehendes. Sonst war auch in demselben die ansehn-liche Dilherrische Bibliothek aufgestellt, welche vor einigen Jahren mitder Sradtbibliothek vereinigt wurde. Noch befindet sich aber gegenwärtigdarin das Münzkabinct, welches viele schöne und seltene hebräische, grie-chische, römische und andere goldene, silberne und kupferne Münzen ent-hält. Schon im Jahr 1318 hatte das Geschlecht der Pfinzinz auf die-sem Platz auf eigne Kosten einen Pfarrhof errichten lassen. Als derselbe13K1 bei Gelegenheit der Taufe des nachmaligen Kaisers Wenzeslaus, desSohnes Kaiser Karls IV., abgebrannt war, wurde derselbe nachher nurvon Holz wieder aufgebaut, bis ihn Melchior Pfinzing, der Verfasser desThcuerdanks, Kaiser Maximilians I., Rath und Probst zu St. Sebald