Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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von dem ältesten Gebäude herrühren. Einige Nachrichten lassen den Baudes Portals 1332 vollenden, und nach einer Chronik soll der ältere nörd-liche Thurm auf Kosten einer Wittwe, deren Namen nicht bekannt ist, ge-baut oder zu erbauen angefangen worden sein. Der andere, gegen dasFrauenthor zustehende, Thurm wurde 14<X) gebaut und mit Zinn bedeckt;vollendet ward er 1403. Noch in demselben Jahre sing man an, die Kirche zuvergrößern. Endlich in dem Jahre 1439 1477 ward auch der Chor odervielmehr das Langhaus nebst dem Chor größer gebaut, nach dem Planedes Werkmeisters Konrad Roritzcr von Regensburg, welchen anfangs Kon-rad Hcinzelmann und darnach des ersteren Vetter, Hans Bauer von Och-sensurt, ausführte. Ein Weihbischof von Bambcrg legte den ersten Grund-stein dazu. Wie man den Stein heben wollte, zerbrach der Zug; manschlug nun den Stein, um die Last zu erleichtern, entzwei; da fand sich inwen-dig ein Kreuz eingehauen. In dieses legte man nun Geld und Reliquien,und las viele Messen darüber. Wahrscheinlich war dieß Alles so veranstal-tet, um dadurch das Volk für den Bau zu begeistern, weil derselbe blosvon Beiträgen frommer Personen geführt wurde; daher man oft das Fort-bauen einstellen mußte. Sogar das Concilium in Basel erließ deshalb1440 eine Bulle, und der Rath erwählte zuweilen einige aus seiner Mitte,die bedenken sollten, wie man zu Geld kommen könne, damit man den Bauvollende, und doch den heiligen Lorenz nicht in Schulden stürze. Es wur-den nun zu diesem Bau, welcher bereits von 14391464 l3,31vGulden dama-liger Währung gekostet hatte, viele Beiträge, besonders von den Pirkhei-mern, gestiftet; und so gelang es endlich dem frommen Sinne und derBeharrlichkeit der Vorzeit, dieses Werk nach 3S Jahren zu Stande zubringen. Damit war unsere, in der Form eines Oblongums erbaute,3l2 Fuß lange und 195 Fuß breite Kirche vollendet. Doch brachte die Fol-gezeit im Innern und Aeußern derselben noch mancherlei, zum Theil höchstungünstige, Veränderungen. So wurden die Emporen, welche noch jetzodie Kirche im Innern verfinstern und verunstalten, mit Ausnahme der imChor befindlichen Bolkamcrischen Kapelle oder Emporkirche, die zu gleicherZeit mit dem Chor selbst aufgerichtet wurde, sämmtlich in spätern Zeitengebaut. Der ältere Thurm, auf dem der Thürmer wohnt und die Dchlag-glockcn hängen, wurde 149s gerüstet und mit einem Kostenauswande von>M) fl. mit vergoldetem Blech belegt. Herrlich strahlt noch immer das schoneDach mit den vergoldeten Rauten im Sonnenglanze, zum Beweise dienend,wie gut und solid man vordem arbeitete. Nach einigen Nachrichten wurdedamals zugleich das Dach erweitert, wahrscheinlich die Haube erhöht, umda, wo die obere Schallöffnung sichtbar ist, die in demselben Jahre aufge-richtete Viertelstundenglocke anbringen zu können. Die Stundenglocke warbereits 1447 gegossen und hinler der untern Schallöffnung des Daches auf-gehängt worden. Der jüngere Thurm wurde 163«? gerüstet und ausis Neuemit zinnernen Platten belegt. Uebrigens wurde unsere Kirche im Laufeder Zeit mehrere Male reparirt und gereinigt: 1514, 1568, 1659. ImJahre 169» wurde sie außen herum am Fuße, so wie auch der Stern, aus-gebessert und mit Eisensarbe angestrichen, dann oben mit Siegeln bedeckt,so vorhin nie gewesen," wie eine Chronik hinzufügt. Wahrscheinlich sinddamit die platten Ziegel gemeint, weil man ehedem Hohlziegel hatte. ImJahre 1727 wurde sie abermals außen angestrichen. Gegenwartig bedarf dieganze Kirche, vorzüglich was die Fenster betrifft, nichts so sehr, als desRcinigens vom Schmutze und Staube, der schon seit mehr als hundert Jah-ren sich wiederum darauf angesetzt hat. Wie ungcmcin würde dadurch dieKirche an äußerer Glorie gewinnen, wenn ihre kunstreich verzierte Strukturaus dieser Verunstaltung gleichsam in jungfräulicher Reinheit wieder hervor-träte. Wir wollen diese jetzo mehr im Einzelnen kennen lernen. Vor Al-lem zeichnet sich hier der Vorderbau der Kirche durch seine schöne, zierdevolleAnordnung aus. Zwei schlanke,in »Stockwerke abgetheilte, Thürme schließendie von dem Mittelschiff hervortretende Vorderseite ein, welche unten mit einemprachtvollen Portale prangt und sich oben durch eine reich verzierte Giebel-wand, in deren Mitte ein schmales Thürmchen emporsteigt, abschließt; da-zwischen befindet sich die 32 Fuß hohe und breite, zirkelrunde Fensterrose,gewöhnlich der Stern genannt. Am meisten aber fällt nicht nur wegen des

reichen Schmuckes und der künstlerischen Arbeit, sondern auch wegen der schonenVerhältnisse die Hauptpforte, mit der darüber befindlichen Rose in das Auge.Ein zierlicher Pfeiler, an welchem die Jungfrau Maria mit dem Kinde steht, trenntdie beiden Thüröffnungen. Die zwei großen, mit schönen Bildschnitzerarbei-ten im gothischen Styl verzierten, Thüren wurden erst 1824 statt der altenDielen, mit denen sonst der Haupteingang seit Jahrhunderten verschlossenwar, durch den geschickten Bildhauer Gottfried Rotermund (ff 1824) nachHeidcloffs Zeichnung gefertigt. Ueber den beiden Thüröffnungen befindetsich ein spitz zulaufendes Feld, in dessen einzelnen Abtheilungen als Basreliefsdargestellt ist: die Geburt des Weltheilandes, die Beschcnkung desselbendurch die »Weisen, der Bethlehemitische Kindermord, die Flucht nach Aegyp-ten, die verschiedenen Scenen der Leidensgeschichte bis zur AuferstehungChristi, die Auferweckung der Todten, das jüngste Gericht, zu oberst indes Bogens Spitze Christus, das Gericht haltend. Die ganze Thüre er-hält durch die beiden Reihen des Spitzbogens, die neben derselben hallenartighervortreten, und in vielen einzelnen Nischen bis in die Spitze des Bogensmit den Figuren der Apostel und anderer Heiligen geschmückt sind, einenwahrhaft prachtvollen Umschluß. Aus der Wand zu beiden Seiten der Thüresind noch verschiedene, theils auf Pfeilern, theils auf Tragsteinen ruhende,beinahe lebensgroße Figuren angebracht. Kleinere Figuren befanden sich undbefinden sich zum Theil noch an den vier Eckpfeilern der beiden Thürme.Links und rechts oberhalb des Portals sind zwei Wappen angebracht. Zu-nächst über dem Portal befindet sich ein schön durchbrochenes Geländer, wel-ches in seiner gegenwärtigen Gestalt von dem Steinhauermeister Capellerunter Heidcloffs Leitung verfertigt wurde. Daran schließt sich ein viereckigesFeld, welches fast ganz eine »2 Fuß im Durchmesser habende Fensterrose ein-nimmt. Die Rose selbst ist im Achteck construirt und besteht aus 8 sich stets inwechselnder Lage wiederholenden spitzbogenfensterartigen Durchbrechungen,welche zwischen sich an ihrem obern Ende acht kleinere Rosen nnd in derMitte eine größere, den eigentlichen Stern, bilden. Eine reiche und ziem-lich breite Randverzierung schließt wiederum die Rose ein. Noch ist oberhalbdes Feldes Sonne und Mond in ziemlicher Größe eingehauen. Gleich dar-auf, nur durch ein niederes Gesimse getrennt, erhebt sich der Giebel, in des-sen Mitte ein Thürmchen sich hcrvorbaut, mit einer kleinen Treppe, welchezu den in drei Abtheilungen gallerienartig über einander gebauten und imgothischen Styl reich geschmückten Logen führt. An der Stelle der aus spä-terer Zeit herrührenden, durchbrochenen Verzierung, welche die beiden schrä-gen Seiten des Giebels einschließt, befanden sich ursprünglich zwei Thürmchen,welche der ganzen Construction weit mehr entsprachen. Auch das Thürm-chen in der Mitte des Giebels, in dessen Spitze sich die sogenannte silberneGlocke, gestiftet von Konrad Jmhos (ff 1519), befindet, war ehedem ge-schmackvoller- Die beiden Thürme der Kirche steigen zwar nicht, gleich an-dern altdeutschen Kirchenthiirmcn, aus einer Menge von Pfeilern pyramiden-förmig zu einer schwindelnden Höhe empor; vielmehr stehen diese dünnenschlanken Thürme, gleichwie die sehr ähnlichen der Sebalduskirche, einfachund ziemlich schmucklos da, ohne jedoch darum im Verhältniß zum Ganzenweniger anzusprechen- Ihre Höhe beträgt bis zur obersten Spitze ... Fuß;sie haben vier Eckpfeiler, welche bis zur halben Höhe reichen und daselbst mitSpitzsäulen gekrönt sind. Beide sind bis zum Umgänge in sieben Stockwer-ken ausgebaut, welche durch eben so viele, zum Theil unten mit einer Reihevon Halbkreisbögen gezierte, Gesimse von einander abgetheilt sind. Bis zurhalben Höhe derselben steigen an den Ecken massive Pfeiler empor, welcheoben mit Spitzsäulen gekrönt sind. Das Erdgeschoß ausgenommen, befindetsich in allen übrigen Abtheilungen jedesmal ein Spitzbogenfenster; nur inder obersten zunächst unter der Schlußgallcrie sind in den großen und wei-ten Schallöffnungcn, hinter welchen die Glocken hängen, zwei solcher Fen-ster, nur etwas zurückgesetzt, vor und neben welchen neun schlanke Pfeilerchenangebracht sind, welcbe dem Ganzen eine eigenthümliche Zierlichkeit gewäh-ren, und dadurch, daß sie oben mit einer zusammenhängenden Reihe vonHalbkreisbögen schließen, mit den ähnlichen Verzierungen der untern Ab-theilungen übereinstimmen, und gewissermaßen nur eine reichere Fortbildungderselben sind. Den Schluß des Ganzen bildet ein achteckiger, zurückgesetzter