Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

btochen; daher der Rame des Thurms, der, unstreitig das Ätcste GebäudeNürnbergs, wahrscheinlich aus dem 9ten oder ivlen Jahrhundert ist, undvielleicht einst zur Warte diente; daher die vergrößernd« Sage daraus einennach dem Bruder des Kaiser Tiberius, Nerv Claudius Drusus, genanntenNerothurm machte, und wohl auch den Namen der Stadt davon herleitete. AufFelsen gegründet, unten von fast unbehauenenlLerkstücken, oben in späteren Zeitenabgetragen und von Backsteinen ausgeführt, bildet derselbe eins der male-rischsten alten Gebäude Nürnbergs, Der andere, 1372 erbaute ThurmLuginsland hat /»kleine Eckthürmchen und außer seiner festen Bauart,durch welche er sich zu den darin befindlichen Gefängnissen eignet, nichts Aus-gezeichnetes. Beide Thürme standen ursprünglich einzeln, bis die Burggra-fen von Aollern sich im I- .... zwischen dieselben eine Wohnung bauenließen, welche ihnen im Jahr 1-124 von dem Pfälzischen Pfleger zu Lauf, Chri-stoph von Lciningen, den der Herzog Ludwig der Bärtige zu Jngolstadt dazuberedete, des Nachts unvermuthet abgebrannt wurde. Aus den 1127 an dieStadt verkauften Ruinen führte Hans Behaim der ältere 1191 in Jahres-frist ein großes Kornhaus auf, in dessen unterem Raume bei der Anwesen-heit der Kaiser deren Pferde untergebracht wurden; daher der Name: Kai-serstallung.

Xr. 3. stellt das sogenannte Hauslllassau dar, welches das linkeEck der Karolinenstraße, da wo dieselbe an die Königsstraße stößt, bildet,und der St. Lorenzkirche gegenüber liegt. Seiner schönen alterthümlichen Ar-chitektur wegen verdiente dieses Gebäude, welches ehemals den Pröbsten derSt. Lorenzkirche zur Wohnung dient«, seit löbl aber zurSchlüffelfelderschenStiftung gehört, eine besondere Berücksichtigung in unserm Werke. Ganzvon Steinen aufgeführt, gibt ihm sein thurmartig aussteigender Bau, wel-chen oben 3 Eckthürmchen mit dazwischen befindlichen Zinnen nebst Umgangund Spitzdach auf eine höchst anziehende Weise beschließen, das Aussehen eineswohlbefestigten Riltersitzes. Dasselbe wird noch erhöht durch die an demsteinernen Zinnenkränze angebrachte Wappen, welche die 3 Nürnberger Stadt-wappen , das zweiköpfige Adlerwappen, die Wappen der 7 Kurfürsten, dasGräflich Erbachische Wappen und noch einige andere v- rstellen. Zur beson-deren Zierde des Ganzen gereicht auch der ander Morgenseite befindliche zier-liche Erker, an welchem gleichfalls Sculpturen angebracht sind; ebenso die ander Ecke des Hauses angebrachte Bildsäule der Maria. Man erzählt gewöhn-lich , Kaiser Adolph habe noch als Graf von Nassau um das Jahr 1233 diesstattliche Haus bewohnt oder erbaut, und deshalb sei auch oben an dem stei-nernen Gange das Rassauische Wappen angefügt; allein nirgends ist diesletztere zu erblicken, und eben so ungegründet ist die erstere Behauptung.Dennoch hat man erst vor einigen Jahren einen zierlich in gothischem Stylunten an diesem Gebäude erbauten Brunnen mit der in Stein gehauenenFigur jenes Kaisers geschmückt. Links erblickt man noch im Hintergrundeein ziemlich hohes, hellangestrichenes Giebelhaus, an welchem die Karolinen-straße hinzieht.

Xr. 1. Das Wohnhaus Albrecht purer«. Nahe am Thiergärt-nerthore bildet es die Ecke der jetzt nach demselben genannten Dürersstraße,welche sich, hier in einen freien Platz endigt. Schon als Erinnerung an denberühmtesten Künstler Nürnbergs verdiente dieses Bild aufgenommen zu wer-den; doch ist es auch an sich nicht uninteressant, indem es uns in seiner al-te» wohlcrhaltenen Gestalt den eigenthümlichen Charakter der bürgerlichenWohngebäude des ibtcn Jahrhunderts getreu wiedergibt; nur ward leiderder auf dem noch am Eck des Hauses vorstehenden Pfeller ruhende Erker, inwelchem, der Ueberlieferung nach, der große Mann seine Arbeitsstube hatte,bereits vor längerer Zeit abgetragen. Um so erfreulicher ist es, daß es nun-mehr als städtisches Besitzthum allen weiteren Entstellungen entzogen ist.Tuch ließ es der Stadtmagistrat im Inneren dem Styl der früheren Zeit ge-mäß durch den Architekten Heideloff wiederherstellen, und räumte es demAlbrecht-Dürers-Verein zur Benutzung ein, welcher seine größeren Ver-sammlungen in einem von dem genannten Künstler antik dekorirtcn Zimmerzu halten pflegt.

Xr. ö., der Hauptmarktplat) von Nürnberg mit der Frauen-Kirche und dem schonen Brunnen, wurde oben schon Zugleich mit Xr. 2.

beschrieben.

Xr. 6. ist die Kt. Loren;kirche, die größte und schönste KircheNürnbergs, welche, in der Blüthezeit der deutschen Baukunst errichtet,und wennauch nicht nachdem großartigen Plane und in dem Umfange, wieandere zu derselben Zeit aufgeführte Kirchenbauten, so doch in seiner Artnicht minder kunst- und sinnvoll angelegt, und was vorzüglich bcmer-kenswcrth vollendet ist. Doch wie all« Bauwerke dieser Art, ist auchunsere Kirche theilwcise entstanden, und während das ursprüngliche Lang-haus den deutschen Styl in seiner Einfachheit darbietet, erscheint das Portalmit der darüber befindlichen Fensterrose und dem hohen Giebeldache in allemSchmucke der Kunst, und prangt endlich im verlängerten Langhause undChor der reiche Styl, ja fängt schon an, an das Uebcrladcne und Ge-künstelte zu gränzen, was sich hauptsächlich an der Halle der Brautthüre,an dem Eingange der Sacristci und am Gewölb« des Ehors zeigt. Ehewir die kunstreiche Structur dieser Kirche im Einzelnen weiter verfolgen,wollen wir die wichtigsten Momente aus der Geschichte derselben hervorheben.

Ungewiß, zum Theil fabelhast, wie di« frühere Geschichte von Nürnbergüberhaupt, ist die gewöhnliche Erzählung von der Gründung unserer Kirche;doch ist so viel gewiß, daß bereits vor der ersten Erweiterung Nürnbergs

s im Jahr 111«, als sich hier noch auf der linken Seite der Pegnitz außer->! halb der Ringmauern der ältesten Stadt nur verschiedene Häuser und Hof-

> anlagen nebst Gärten befanden, an der Stelle unserer jetzigen Kirche oder

> auch neben daran ungewiß, seit wie lange ein« Kapelle, zum heili-- gen Grab genannt, gestanden habe. Als nun aber in dem genannten Jahre

zur S«it Kaiser Konrads III. die Stadt erweitert und die ganze Gegendum St. Lorenz bis an den weißen Thurm in die Ringmauern aufgenommenwurde entstand wohl das Bedürfniß nach einer größern Kirche an dieserStelle; und die Nachrichten stimmen auch darin überein, daß um das Jahr111V eine größere Kirche mit einem Thurm erbaut worden sei. Mag nunhiezu die ehemalige Kapelle zum heiligen Grab benutzt und dieselbe erwei-tert, oder eine neue Kirche neben der alten Kapelle gegründet worden sein,

gewiß ist, daß die neue Kirche um das Jahr llt>2 bereits den Name»des heiligen Lorenz geführt hat. Offenbar unrichtig ist es aber, wenn dieChroniken erzählen, die Grasen von Nassau hätten ll-jv die Kirche erwei-tern oder bauen lassen. Ebenso ungcgründet ist auch die bis in unsere Tagefortgepflanzte Erzählung der meisten Chroniken, die Grasen von Nassau,namentlich Rudolph, hätten späterhin, im Jahre 1271 die kleinere Kircheabbrechen und eine größere bauen lasst», das Portal mit dem Stern sei1280 vollendet, und der ältere, gegen die Pegnitz stehende, Thurm vonAdolph von Nassau, dem nachherigen Kaiser, 1283 erbaut worden- Es istnämlich schon längst außer Zweifel gesetzt, daß vor dem Ende des l,!tcnJahrhunderts die Grafen von Nassau weder hier, noch in der Umgegendansäßig waren, und daß der nachherize Kaiser Adolph von Rassau eben sowenig hier seinen Wohnsitz hatte. Diese ganze Erzählung ist wohl auffolgende Weise entstanden: Vom Jahre 132S an wohnte ein Graf Emichvon Nassau, dessen Gemahlin Anna eine Tochter des Burggrasen von Nürn-berg, Friedrich IN., war, bei St. Lorenzen in dem jetzt von SchwarzischenHause. Wahrscheinlich hat dieser zum Bau der Kirche mitgewirkt. AIs mansich daher später von einem Grafen von Nassau erzählte, und in der Ge-schichte Adolph aus diesem Geschlechte vor allen andern bekannt war, soschrieb man ihm bald den ganzen Bau, dessen eigentlichen Urheber mannicht kannte, zu, und weil die Sage ging, dieser Graf von Nassau habebei St. Lorenzen gewohnt, so hielt man das, der Kirche gegenüber befind-liche , stattliche Haus für seinen Wohnsitz, wozu wohl auch die auf demsel-ben angebrachten Wappen der Kurfürsten nebst dem kaiserlichen WappenVeranlassung gaben. Uebrigens entdecken wir in unserer ganzen Kirche keineSpur von dem Geschlechte der Nassauer; weder finden wir hier ihre Wap-pen, noch daß sie Jahrtage gehabt. Sonach bleibt es unbestimmt, inwelchem Jahre unsere Kirche erbaut wurde. Doch geht es wohl aus demCharakter des Baus hinlänglich hervor, daß der vordere Theil desselbengegen Ende des I3ten oder zu Anfang des Uten Jahrhunderts erbaut wor-den sein müsse. Der Spitzbogen ist hier überall durchgeführt, mit Ausnahmeder beiden mittleren Thüren an dem Langhause und eines Fensters an deinälteren Thurme, welche den Halbkreisbogen haben, und wohl auch noch