Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Im Schloßhofe befindet sich eine uralte Linde, von der die Sage versichert,die heilige Kunigunde habe sie mit eigner Hand gepflanzt Unter den be-zeichneten Gebäuden des Schlosses ist das merkwürdigste und zugleich dasälteste der sogenannte Heitenthurm Xr.s., welcher zum wenigsten aus demUten Jahrhundert stammt und noch außerhalb in den auf Tragsteinenruhenden Thiergestalten und menschlichen Halbkörpcrn die rohen Spuren ur-alter Steinbildnerci trägt. Diese Figuren hielt man sonst für heidnischeGötzenbilder; daher der Name des Thurms, welchen man irrigerweise füreinen ehemaligen Dianentempcl hielt. Ehedem befanden sich an demselbennoch mehrere Bildwerke, Vögel und Thierköpfe, welche aber schon 1SS0abgebrochen wurden; der Thurm selbst ward 1566 niedriger gemacht undausgebessert; das Dach desselben wurde in seiner jetzigen Gestalt erst späteraufgeführt. Im Innern desselben, sowie in dem daran stoßenden Seitenge-bäude befinden sich 2 über einander liegende Kapellen. Die untere oder St.Margarethenka pelle, von welcher das Fenster des Chors durch dasGebüsche sichtbar ist, wurde im Uten Jahrhundert erbaut, nach und nachbis zum Jahr l37S erweitert und späterhin mehrmals erneuert. Sie istgleichwohl sehr finster, niedrig und klein; stumpfe Säulen mit verschieden-artigen, höchst phantastisch geformten schweren Capitälern stützen das kreis-förmige Gewölbe derselben, und legen ein unverkennbares Zeugniß von demsehr hohen Alter dieser Kirche ab. Einige Treppen führen vom Innerndes Schlosses aus in die darüber befind! che KaiserlichePrivatkapelle,welche man irrigerweise St. Johanneskapelle zu nennen pflegt. Sie ruhtauf4schlanken, fast dünnen Säulen, welche, im reinsten byzantinischen Styleleicht und zierlich gearbeitet, die hohen Gewölbe tragen und einen heiternAnblick gewähren. Zu dieler Kapelle gehören die andern im Thurm undin dem daran stoßenden Seitengebäude befindlichen Fenster. In den älte-sten Zeiten diente das bis dahin beschriebene eigentliche Reichsschloß, welches,in seiner ersten Anlage bereits im toten Jahrhundert wahrscheinlich unterKaiser Konrad I., in seiner gegenwärtigen, im Ganzen noch wohl erhalte-nen Gestalt aber erst unter Friedrich I. erbaut und unter den folgenden Kai-sern erweitert wurde, zur Wohnung der deutschen Kaiser, wenn sie auf ih-ren Wanderungen durch das Reich zu Nürnberg auf kürzere oder längereZeit Hoflager hielten. Albrecht l., Ludwig IV,, Karl IV., kamen auf dieseArt fast alljährlich hierher. Kaiser Friedrich III. weilte 1437 fast ein gan-zes Jahr darin und krönte in demselben den berühmten Dichter Konrad Cel-tes. Als es aber um diese Zeit ganz außer Gebrauch kam, daß die Kaiseran verschiedenen Orten ihr Hoflager ausschlugen, wurde das Schloß zurWohnung der ältesten Magistratsperson, welche den Titel Castellan führte,bestimmt, und demselben eine Reihe Zimmer zu ebener Erde, die, von der Stadtaus gesehen, das erste Stockwerk ausmachen, eingeräumt. Dieselben Zim-mer wurden in der letzten Zeit zum Lokal der Malerakademie eingerichtet,so wie zu Wohnungen und Ateliers für die Jn'pcctorcn der in dem zweitenStocke aufgestellten Gemäldegallerie, welche besonders aus der altdeutschenSchule viel Vorzügliches enthält. Ganz neuerdings wurden diese und an-dere Zimmer des Schlosses zur Wohnung des Königs und der Königin vonBaiern eingerichtet, die Malcrschule und Gemäldegallerie aber in die Burg-hut der Burggrafen, gegen das Land hinaus, verlegt. Mit einem Theilder Gemälde soll der große Kaisersaal, in Zukunft Speisesaal des Königs,geschmückt werden. Die bereits oben erwähnten auf der nordwestlichenSeite des Schlosses ehemals befindlichen Basteien, welche 153« erbaut und1631 erneuert worden, sind neuerdings in eine angenehme Gartenanlage,den sogenannten Schloßzwinger, umgewandelt worden, und bieten eine an-ziehende Aussicht in die weite und freundliche, wenn auch ziemlich flacheund einförmige Umgegend Nürnbergs auf dieser Seite dar.

Wir treten nun aus dem Bezirk des Reichcschlosscs auf den rings, theil-weise von Mauern und einzelnen Gebäuden, umschlossenen Lorhof desselbenoder in die eigentliche ZZurz. Hier berühren wir zunächst den vor der St.Walpurgiskirche gelegenen freien Platz, der gegenwärtig mit Linden besetztist und eine weite Aussicht in die Umgegend darbietet. Aus einem Steineder denselben nach dem Lande zu begränzendcn Brüstung zeigt man noch 2große Pferdehufe cingehauen, welche als Spuren von dem Rosse des Rit-

ters Eppo von Gailingen das Andenken an den kühnen Sprung erhaltensollen, durch welchen sich dieser Slegreifrittcr, der Sage nach, aus der Ge-fangenschaft der Nürnberger befreite, in welche er einst gerathen war.Die St. W alpurgiskirche, welche ehemals St. Othmarskapelle hieß,und unter diesem Namen wahrscheinlich schon von Kaiser Konrad I. imloten Jahrhundert erbaut wurde, erhielt erst seit ihrer Erweiterung imJahr 1,27 den Namen der heiligen Walpurgis. Gegenwärtig ist siezu einem städtischen Conservatorium bestimmt. Sie ist auf unserm Bildeleicht erkennbar durch das thurmähnlichc Haus, welches in Verbindung mitmehreren Anbauen mit zur äußern Umschließung des Burgraums dient.Den Vorhof des alten Kaiserschlosses beschützten ehemals einige, den NamenDurghuten führende, Gebäude, welche einzelnen adeligen Familien zumBesitze und zur Bewahrung von 4 besondern Thoren übergeben waren, bissie sämmtlich um das Jahr 1430 der Rath der Stadt durch Kauf an sichbrachte. Die eine dieser Burghuten, welche zwischen der Walpurgiskircheund dem Vestnerthurm gegen das Feld hinaus liegt, gehörte seit 1273 denBurggrafen von Aollern, über deren Verhältnisse zum Kaiserschloß, zurStadt und zur Umgegend die Geschichte von Nürnberg ausführlich berichtenwird; heutzutage dient sie zur Wohnung des Burgamtmanns. An sie stößtdas sonst den Burggrafen zur Hut anvertraute Vestncrthor (ouiloäia por-tse prope caslrum). Die zweite Burghut, welche gegen die Stadt zu, dawo man den Vestnerberg hinaufgeht, lag, war anfangs die Hofraith undBehausung der Familie von Brauneck aus dem Hause Hohenlohe, daraufkam sie nach Erlöschung derselben 13S0 durch die Belchnung Kaiser Wen-zels an die Burggrafen von Zollern, bis 1427 die Stadt dieselbe käuflichan sich brachte. D.e dritte Burghut, welche noch jctzo, ebenfalls gegen dieStadt zu, gerade abwärts oder doch nur wenig zur Seite vom Vestner-thurme liegt, gehörte zuerst der Familie von Lischbeck oder Vischbach. Weildiese Familie sich aber in die Empörung 1349 zu den aufrührerischen Bür-gern der Stadt hielt, so zog Kaiser Karl IV. ihr Lehen, das sie von dieserBurghut trugen, ein, und ertheilte es 1355 den Hasen von Hasenburg,von denen noch jetzo diese Burgwohnung den Namen der Hascnburg führt. ImJahr 142s verkauften diese ihre Burghut und deren Gerechtsame an die Wald-stromer, welche sie. wieder 1432 der Stadt käuflich überließen. Das tiefunter der Hasenburg befindliche Thor, welches mit dem ehemals reichsstäd-tischcn Wappen geziert ist, hat den eigenthümlichen Namen Himmelsthor, derWeg aber, welcher durch dasselbe hinaus zum Schlosse führt, den Namen Him-mclsweg, vermuthlich seiner Steilheit wegen, erhalten. Die vierte Burg-hut endlich lag zwischen der Margarethenkirche und dem Himmclsthor. Dieletzten und unbekannten Besitzer derselben , welchen die Aufsicht über den Thurman der Margarethenkirche und den an dem Himmclslhore anvertraut war,waren die von Colditz, welche sie 1430 an die Stadt verkauften. In spä-terer Zeit diente sie zum Aufenthalt für die ehemalige Schloßwache, jetzt aberist das Zimmer der untern Etage zu den für Künstler bestimmten anatomischenDemonstrationen eingerichtet. Die auf einem Geschiebe von Sandsteinfclsenruhende Mauer, welche sich von dieser Burghut aus im stumpfen Winkelherumzieht, bezeichnet den Umfang der sogenannten Freyung, welche infrüheren Zeiten flüchtig gewordenen Verbrechern ein sicheres Asyl darbot, ge-genwärtig aber eine reizende Umsicht über die ganze Stadt und bis auf eineweite Ferne hinaus gewährt. Von hier führt neben dem alten cylinderförmigrunden Bestnerthorthurm ein, auch auf unserm Bilde sichtbares, Thor eben-falls in den Vorhof der alten Kaiserburg. Auch diese Frcyung und der daranstoßende freie Platz ist wiederum theils von verschiedenen Gebäuden, theilsvon einer Mauer eingeschlossen, und hat auf der Ostseite nach der Stadt zueinen besondern Thorausgang.

Nach einem kleinen Iwischenraum, welchen längs dem hier steil abfal-lenden AbHange des Schloßberges dichte Baumgruppen mit lebhaftem Grünbeleben, folgt nun, in gleicher Höhe wiederum mit der Burg und demSchlosse, die sogenannte Kaiscrstallung, ein großes Gebäude, welchesan den beiden Enden 2 stattliche Thürme schützend zu hallen scheinen. Dereine davon, der sogenannte künkeckige Lhurm, hat an 3 Seiten eineregelmäßige Form, nur die vierte, an die Kaiserstallung anlehnende, ist ge-