den Charakter eines alten Rittersaales, 3 hohe Bogenfenster und unter demmittlern einen kleinen Chor, mehrere Gemälde und Wappen von Veit Hirsch-vogel (1521), sinnreiche Sprüche und Bilder, allegorische Figuren nlfre.sco, die, gleich den Wandgemälden zwischen den übrigen Fenstern vonGabriel Weyer, im Jahr 1824 durch Pereira und Rohrig die Restaura-tion, die sie schon lange bedurft hatten, auf eine ihre ehemalige, beinaheschon verloren geglaubte Schönheit mit vielem Glück wiederherstellende Weiseerhielten. Au beiden Seiten des Chors sind einige Basreliefs und Inschrif-ten zum Andenken an erhaltene Aollfreiheiten zu München, Antwerpen undan andern Orten. Auf der nördlichen Seitenwand befindet sich der berühmteTriumphwagen, welchen Wilibald Pirkheimer zu Ehren Kaisers Maximi-lians I. 1518 erfunden und Albrecht Dürer in Oel gemalt hat. Awölf Pferde,von einzelnen Tugenden geleitet, ziehen den Wagen, worin der Kaiser sitzt.Dieses Gemälde trat ebenfalls erst 182/» aus seiner Beschädigung und Ver-dunkelung wieder in volles Licht; (o auch die übrigen, die Länge der ganzenWand einnehmenden, trefflichen Figuren des Angeklagten, der vom Neid,von der Bosheit zc. vor den Richter geführt wird; so ferner der herrlicheChor von Musikern zwischen den beiden Saalthüren, der Theil des Ge-mäldes, der beinahe noch mehr, als der Triumphwagen, Dürers hohesTalent beurkundet. In diesem Saale ward nach dem geschlossenen Ereku-tionsrezeß des westphälischen Friedens am 25. Sept. 1S49 das große Frie-denSmahl gehalten, von welchem man in der Gemäldegallerie auf demSchlosse ein, von Sandrart verfertigtes, sehr gelungenes, großes Gemäldesieht. Jetzt dient der Saal zu Versammlungen bei feierlichen Gelegenheiten,Preisrcrtheilungen ic>, besonders aber zu Musikaufführungen, welche, zumBesten der hiesigen Gesangschulc und unter ihrer Mitwirkung, mehrmals imJahre veranstaltet werden, weswegen auch im untern Theile des Saals eingroßes, schön dccorirtes Orchester errichtet wurde. — Die alte Rathsstube,in welcher sich der Magistrat seit 1340 versammelte, hat eine kleine Thüremit der Uebcrschrift: .Eins manns red ist eine halbe red, man muß dietcyl verhören bcd." Im Innern ist sie ganz schmucklos, und hat blos überdem Eingang eine allegorische Bildschnitzerarbeit. In dieser Stube befindetsich auch eine verborgene Thüre, welche in das ehemals gebrauchte unter-irdische Gefängniß, das Loch genannt, und in die Folterkammer führt.Von hier aus lausen zugleich eine Menge unterirdischer Gänge, welche mansonst sehr geheim hielt, in mehreren Richtungen aus. Einige davon dienenzu Wasserleitungen, die mehrestcn aber scheinen deswegen angelegt wordenzu seyn, um den Magistrat bei einem sich ereignenden Aufstande der Bür-gerschaft zu retten. Einige davon gehen unter dem Stadtgraben weg, undöffnen sich erst in einer ziemlichen Entfernung von der Stadt. Manche der-selben sind noch sehr gut erhalten, mit Fallthüren, Schlössern und scheinbarenThüren sehr sinnreich versehen; sehr viele sind aber verfallen und verschüttet, so daßsie bis zu ihrem Ausgang nicht mehr verfolgt werden können. — Noch sind indem eigentlichen Rathhause viele andere Zimmer befindlich, welche zu ver-schiedenen städtischen Zwecken verwendet werden. Den kleinen Rathhaussaalim zweiten Stock, sonst die Sternstube genannt, an dessen Decke zwischenden überaus zierlich vertäfelten Feldern, Rosetten und Vergoldungen3 größere und 10 kleinere Gemälde von Juvenell, einem Schüler Elshei-mers, angebracht sind, ließ 1825 der Magistrat zu einem Ehrentempel fürausgezeichnete Bürger Nürnbergs, welche sich durch reiche Stiftungen umdie Stadt verdient gemacht haben, einrichten; bei welcher Gelegenheit dieBilder von y der ausgezeichnetsten Stifter in eben so viel Feldern zwischenMastern von Gipsmarmor, in Oel von Funs gemalt, in Lebensgröße an-gebracht wurden. Eine Zierde des Zimmers bilden außerdem noch daslebensgroße Portrait König Maximilians und die in der polytechnischen An-stalt gegossene Büste König Ludwigs, so wie Tafeln mit Abschnitten ausder Constitution, der Gemeinde-Ordnung und mit den Namen von 71 Stif-tern. — In dem zum ehemaligen Ralhhause gehörigen Hintergebäude be-findet sich das seiner vielen seltenen Dokumente wegen schätzbare Archiv. —Im Hofe des Rathhauses steht ein von Pankratz Labenwolf 1S18 aus Bronzegegossener Brunnen, dessen Zeichnung und Ausführung von vielem Geschmackund Fleiße zeugt.
Von dem Rathhause und der Sebalduekirche aus setzt sich das Bild inden mannigfaltigsten Häuserreihen fort, die, durch verschiedene Straßenunterbrochen, in einzelnen Hauptmassen vor- und zurücktreten. Schön ge-baut liegt hier überall Nürnberg vor uns, mit geraden Hauptstraßen imGanzen, obgleich sie nicht nach der Schnur gezogen sind, wie in manchenStädten von neuer Anlage, wo immer eine Straße der andern ähnlichsieht, und der Beobachter des ewig wiederkehrenden Anblickes bald überdrüßigwird. Zwar wird der alterthümlichcn Stadt dunkles Ansehen zum Vorwurfgemacht; doch geht dies nicht, wie anderwärts, aus der Enge der Straßen,sondern hauptsächlich aus den hohen steinernen, durch den Fortgang der Zei-ten schwärzlich gewordenen, Gebäuden hervor. Bloßes Abreiben bringt indeßdiese schon zur ursprünglichen Schönheit zurück, und seit mehreren Jahrenerhielten viele auch einen geschmackvollen Anstrich. — Links von der Scbal-duskirche sieht man den Thiergärlnerl hurm und das nahe dabei, demAlbrecht Dürers Hause gegenüber liegende, sogenannte Pilalushaus mitseinen Erkcrthürmchen hervorragen. Hier wohnte einst der Ritter MartinKctzel, welcher 1477, in das heilige Land zog, um die Entfernung aller derOrte, wo sich bei der Hinausführung Christi zum Kreuzestode vom Hausedes Pilatus an bis zur Richtstätle Merkwürdiges ereignet hatte, nach Schrit-ten abzumessen und sodann in der Nähe seiner Vaterstadt Erinnerungsbilderan diese Vorfälle errichten zu lassen. Als er heimgekehrt war, hatte er denZettel, auf dem er sich die Entfernungen bemerkt hatte, verloren, und tratdaher, weder Beschwerden noch Kosten scheuend, 1433 nochmals jene weiteReise an. Wieder zurückgekehrt, übertrug er die Ausführung seines Vor-habens dem Steinhauer Adam Kraft, der nunmehr 7 in Stein gehaueneWandsäulen, mit Figuren und Unterschristen, verfertigte, und dieselben imI. 1490 von Ketzels Hause an, welches damals wohl den obigen Namenerhielt und noch jctzo mit einer Rittcrstatue an der Vorderseite geschmücktist, auf dem Wege nach dem Kirchhose zu St. Johannes nach Ketzels Ab-messung aufrichtete. Die Hautreliefs an diesen Stationen sind herrlich ge-zeichnet und trefflich gehauen; nur haben manche durch Uebertünchcn, manchedurch Verwitterung gelitten; sie werden daher gegenwärtig durch den ge-schickten Bildhauer Burgschmidt rcstaurirt. Den Endpunkt dieser frommenWcgbezeichnung bildet der Calvarienberg, von welchem weiter unten dieRede sein wird.
Den würdigsten Schluß und gleichsam die Krone der ganzen Ansicht Xr. 2.bildet das ehemalige Neichs schloss von Nürnberg mit seinen mancher-lei höchst verschiedenartigen größeren und kleineren Gebäuden, von welchenman hier einen ziemlich vollständigen llcberblick gewinnt- Dieses Schloß hat inseiner gegenwärtigen Beschaffenheit, von welcher Seite man es auch betrach-ten mag, ein überaus malerisches Ansehen, welchem gerade die, aus seineneinzelnen, nach Entstehung, Bedürfniß, Lage und andern vorwaltenden Um-ständen, verschiedenartig gebildeten, Theilen hervorgehende Unregelmäßigkeitden eigenthümlichsten Reiz verleiht. Nicht wenig tragen auch zum erhöhtenSchmuck des Ganzen die verschiedenen Baumgruppen bei, welche, besondersnach dem Stadttheile hin, zwischen dem altergrauen, ehrwürdigen Gemäuersreudiggrün hervorragen. Versuchen wir jetzo die einzelnen Theile des Schlos-ses näher zu bezeichnen. — Links liegt das eigentliche ehemalige Reichsschloß,welches sich auf der hier dargestellten, der Stadt zugewandten Seite mitdem alten einfachen viereckigen sogenannten Hcidcnthurme abschließt. GegenWesten stößt dieses vordere Gebäude, welches sich südwestlich in einem stum-pfen Winkel herumbiegt und in seinen Fenstern und ihrer in jeglicher Ge-staltung bunt wechselnden Reihe ein recht sprechendes Bild der Jahrhundertum Jahrhundert hier stattgefundenen Veränderungen darstellt, mit einemzweiten Schloßgebäude zusammen, an welchem ein schmaler Thurm mitschlanker Spitze emporsteigt; gegen Norden läuft eine an letzteres stoßendelange Mauer hin, welche zur Einfriedigung des innern Hofes dient; gegenOsten endlich schließen sich verschiedene kleinere Gebäude und der mit einemgroßen gemalten Reichsadler geschmückte Thorbau an, welcher unmittelbaran die östliche Seite des Heidenthurms stoßend, durch eine hölzerne Pfortein das Innere des Schlosses oder den eigentlichen Schloßhof führt und inseiner jetzigen Gestalt (nebst dem Glockenthürmchen) I5b2 erbaut wurde.