Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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fünf Sechscheile daran neu gearbeitet sind, in jeder Hinsicht für das ursprüng-liche Werk Schonhofers und feiner Kunstgenosscn gelten könnte, und ebenfo sehr denen, welche diese Aufgabe lößten, als unserer Aeit und der Stadtzu Ehren gereicht. Das zierliche Eisengitter, welche« diesen Brunnen um-gibt, hat 1586 Paul Kön, ein Schlosser von Augsburg, gefertigt; dochwurden neuerdings die obern unpassenden Schnörkel an demselben weggenom-men und mit einem Aufsatze im Style des Brunnens vertauscht. Der Brun-nen selbst hat 2 reiche Zuflüsse vortrefflichen Wassers, mit dessen Abfallalle Pumpen und laufende Brunnen in der Nachbarschaft verschen werdenNoch sind auf unsern beiden Bildern (Sir. 2. und ?.) verschiedene alter-thümlichen Gebäude nicht zu übersehen. Das eine, ein Privatgebä lde, miteiner hohen Giebelwand und einem kleinen Erker geziert, steht auf der Ost-seite der Frauenkirche und ist nur durch eine Straße von derselben getrennt;da« andere, ein großes Eckhaus, welches sich links vom schönen Brunnenm beträchtlicher Länge und Höhe hinzieht, istdas Voschersche, jetzt Kam-merbachersche Hau». Leider ist es in neueren Zeiten vielfach verändert wor-den, wodurch eS außer so manchen andern alterthümlichen Reizen auch diegroßen ehemals auf seiner Außenseite befindlichen Gemälde von Turniereneinbüßte. Damit verschwand auch die letzte Erinnerung daran, daß derMarkt in alten Zeiten al« Stechbahn benutzt und gar manches Schars-rennen innerhalb der im Viereck auf demselben errichteten Schranken gehal-ten wurde. Das erste Gebäude rechts von der Frauenkirche auf dem BildeKr. 2. heißt der Ploben hok. Diese« bewohnte einst um 1331 der Reichs-schultheiß Konrad Hainz, genannt Groß; l/»28 aber kam es an die Ploben,von welchen es seine jetzige Benennung erhielt. Zwischen dem Plobenhofund der Frauenkirche liegt auf beiden Bildern, kaum sichtbar, das Kürsch-»erhau», ein 1499 errichtetes und mit vielen Gewölben und Buden ver-sehenes Gebäude, in welchem sonst die Rauch - (Pelz-) Händler ihre Waa-ren feil hatten, jetzt aber, in den oberen Gängen und Räumen, Handelsleuteandere Gegenstände, z. B. Leinentuch und Garn, verkaufen. Ferner sindrings um den Marktplatz her in den Erdgeschossen der Häuser viele Maga-zine und Läden, außerdem auch noch eine Reihe derselben an dem tauf un-sern Bildern nicht mehr sichtbaren) Holzschuherischen Hau^e hin festzebaut,die sogenannten langen Kräme. Ueberhaupt aber sind die, wie auf fast allenPunkten der Stadt, so ganz besonders auch hier vorhandenen, ohne Aus-nahme aus massivem Steine aufgeführten Häuser der Patrizischen Familienund der übrigen Kaufleute einer besonderen Beachtung werth. Bei wei-tem der größere Theil dieser Gebäude zeigt eine Höhe von 3 5 Stock-werken und eine beschränkte Breite gegen die Straße; aber tief reichen siein daS Innere; nach dem Hosraume folgt ein zweites Gebäude, dann einzweiter Hof und noch ein Gebäude, hinausreichend in eine andere Straße.Diese ganze Vereinigung bildet Ein Haus und bedeckt einen bedeutendenRaum. In diesen Häusern ist das Erdgeschoß einzig bestimmt zu Kauf-mannsgewölben und Magazinen. In den höheren Stockwerken begegnet mangeräumigen Sälen, die auf italienische Weise gepflastert sind; dann Trepp-chcn auf, Trcppchcn nieder erreicht man einige Zimmer, aber immer sinddie unhe-zbaren Kammern in größerer Zahl. Die Zimmer selbst sind meistgroß und dunkel, haben schwere gefirnißte Decken und Bertäfelungen vonantiker, mitunter sehr schöner Bildhauerarbcit. Große Hausfluren befindensich vor denselben, oft geräumiger, als diese selbst, weiterhin Treppen mitgothisch durchbrochenen Steingeländern und um den Hof herum lange Cor-ridors oder offene Gänge. Fast nirgends finden sich Abtheilungen für mehrereHaushaltungen; nur für eine Familie mit ihren vielen Hausgenossen warder große Raum zur Wohnung bestimmt; der Kaufmann gestattete keinerzweiten ihm fremden den Zugang zu seinen Magazinen. Die Menge sol-cher großen steinernen Privathäuser erregte schon frühe die Bewunderungdes Fremden; «inen solchen Anblick fand er in Deutschland so leicht nichtwieder, und nicht übertrieben ist wohl für die damalige Zeit die Versiche-rung des AeneaS Sylvius, nachherigen Papstes Pius II., daß NürnbergsBürger bessere Wohnungen besäßen, als die Könige von Schottland. Oef-tcrS war er in der Stadt, kannte sie genau, und nur über sie verbreitetsich in vielen Stellen sein Lob vor allen Städten Deutschlands. Bon den

noch jetzt vorhandenen Privatgebäuden dieser Art erwähnen wir vor Allennur: das Haus der Viatis von.... (dem Museum gegenüber), dasvon Pcllcrische HauS von 1605 (auf dem Egydienplatze), das TucherischeHauS von 1480 (in der Hirschgasse) zc.

Im Innern des Marktes selbst, wo sonst eine Menge ungleicher undzum Theil sehr schlechter Buden aller Art standen, wurden in der neuerenAeit 3 Reihen feststehender Buden, mit Arkaden versehen und von einem imGanzen nicht ungefälligen Aeußern, al« Z Seiten eines gegen Süden offenenVierecks, gebaut, und den Bürgern zu Feilschaften aller Art käuflich über-lassen. Nur Schade, daß sie den Ucberblick des Marktes und der denselbenumgebenden Gebäude ungemein hemmen und stören, so daß sich auch unserKünstler, um eine freiere Aussicht nach der Frauenkirche zu gewinnen, ge-nöthigt sah, sie auf dem Bilde Kr. 2. ganz weg zu lassen. Von demHauptmarkt aus führt die zwischen der Frauenkirche und dem gegenüberliegenden Eckhause befindliche Straße nach dem stets mit reichen Vorräthenversehenen Vbsimarkt, welchem die auf einem Röhrbrunncn befindliche,von Pet.r Bischer gegossene, niedliche Bronzcfigur eines Bauers, der Gänseunterm Arm trägt, das sogenannte Gänscmännchen, zur großen Zierde ge-reicht und gewissermaßen zum Symbol und Wahrzeichen dient.

Verfolgen wir nun aus dem Bilde Kr. 2. linker Hand die Straße,welche nach dem Schlosse führt, so erblicken wir zunächst auf der einen Seited'c Scbaldu-Kirche mit ihrem reichen Chor und schlanken Thürmen, aufder andern das Noth hau», wovon jedoch nur der obere Theil sichtbar ist.Im Styl der großen Paläste von Italien in den Jahren I6ikIS von demBaumeister Eucharius Karl Holzschuher aufgeführt, gehört es zu den an-sehnlichsten Gebäuden dieser Art in Deutschland. Es ist auf der Vorderseite275 Fuß lang und mit einer Reihe von 36 Fenstern und 2 Stockwerken ver-sehen. Drei hohe Thüren mit Figuren über den Portalen führen in dasInnere desselben, und eine Galleric nebst 3 kleinen Pavillons, aus welchenin der Mitte und an den beiden Enden Thürmchen stehen, zieren das Dach.Doch nur die Vorderseite, so wie die beiden Flüzelgcbäude sind in diesemStyle ausgeführt; dagegen blieb das noch von dem älteren Rathhausc ausdem 14. Jahrhundert stammende Hintergebäude, wegen des entstandenengnjährigen Kriegs, unverändert stehen; weshalb auch an diesem, welchesaus mehreren nach und nach zusammen gekauften Häusern bestand, ein sosehr verschiedener Baustyl bemerkbar ist. Der innere Hof bildet ein regel-mäßiges Viereck, welches, in Verbindung mit dem Hintergebäude, die3 neuerbauten Seiten des Rathhauscs mit ihren hohen offenen Bogenhallennach italienischer Weise umschließen. In der obern Gallerie ist an der Deckedas Gcsellenstcchen, welches 1456 auf dem hiesigen Marimillansplatz gehaltenwurde, in erhabener Arbeit abgebildet. Die Gestalte» sind alle in Lebens-größe, und führen in fortschreitender Handlung die Eigenthümlichkeiten einessolchen ritterlichen Spiels an uns vorüber. Das Ganze ist interessant, vollWahrheit und Leben. Die untere Gallerie ist an der Decke in halberhabenerStuccatur-Arbeit mit 12 mythologischen Vorstellungen geziert, welche Abra-ham Graß aus Schlesien 1619 verfertigte. Doch das Sehcnswürdigstc indem ganzen Gebäude ist unstreitig der große Saal, welcher, noch von demälteren Rathhause herstammcnd, durch 2 Stockwerke reicht, 80 Fuß langund 30 Fuß breit ist, zwei größere Thüren und eine kleinere hat, zuwelchen man auf der steinernen Haupttreppe gelangt. Oben über den beidenSeiteneingängcn ist außen der Streit der Centauren und Lapithen abgebil-det , und daran das Nackte vortrefflich ausgearbeitet. Ueber dem Haupt-eingang ist oben im Fronton Gott der Vater nebst Engelköpfen abgebildet.Inwendig werden die Stadlwappen von gutgezeichneten Figuren gehalten.Hier war vordem durch ein vortreffliches Bronzegittcr, von Peter Bischergegossen und von Pankratz Labenwolf mit Wappen und andern Zierrathenin halberhabener Arbeit geschmückt, der vordere Theil von dem eigentlichenSaale abgesondert. Leider hat man aber dies seltene Kunstwerk vor etwa2 Decennien weggenommen, verkauft und eingeschmolzen. Die rund-gewölbte Decke des Saals ist mit kunstreicher Schrcinerarbeit von HansWilh. Behaim 1613 ausgeschmückt, auch von demselben Künstler mit einemKronleuchter versehen. An der Morgenseite findet man noch vollkommen