Niederlage der Stadt dient und als solcher gleichfalls zum Hallamt geHort.26 Pfeiler tragen das massive Gewölbe desselben, auf welchem die ganze ge-waltige Last des vorderen Hallgebäudes ruht. Seine Länge, den Vorkcllereingeschlossen, beläuft sich auf 475 Fuß, seine Breite auf 57. In der Periode,in welcher die meisten öffentlichen Gebäude Nürnbergs entstanden sind , wurdeauch dieser Keller von Hans Bchaim dem ältern, in den Jahren 1493 — 99erbaut, und ein Theil des ehemaligen Stadtgrabens dazu angewendet. —Nicht weit davon zeigt sich links das kleine Claraklosler nebst Kirche,wovon ersteres gegenwärtig theilweise zu Wohnungen und zum Leihhauseeingerichtet ist, letztere aber, die bereits 1278 vollendet war, jctzo zurMauth-viedcrlage und zum Lokal des hiesigen Wollmarkts dient. — Noch erblickenwir auf unserm Bilde, außer verschiedenen Häuscrgruppen und mehrerenSpitzen kleinerer Stadtthürme, ein großes Gebäude, welches zu dem soge-nannten Peunt (Beint d. i. ein umschlossener Platz) oder dem ZZauhokegehört. Es ist dies ein weiter Hofraum, welcher eine Anzahl von Häusern,Magazinen, Böden zc. umschließt und in denselben reich mit allen zu demBauwesen erforderlichen Vorräthen versehen ist. Unter den verschiedenendazu gehörigen Gebäuden ist das aus unserm Bilde sichtbare, welches 1615massiv und solid aufgeführt wurde, das größte, diente vordem zur Wohnungdes jedesmaligen Stadtbaumeisters , späterhin zum Sitz des königlichen Rent-amts, gegenwärtig aber zum Lokal für die erweiterte polytechnische Schule.— Den Schluß unserer Ansicht bildet der Frauenthorthurm.
5ir. 2. stellt uns den interessantesten und zugleich den ältesten Theil derStadt in einem überraschenden Ueberblickc dar. Der zu diesem Zwecke sehrglücklich gewählte Standpunkt befindet sich auf dem geräumigen Umgangedes nördlichen Thurms der Lorcnzkirche, welcher mit seinem alterthümlichenGeländer den Vorgrund unserer Ansicht bildet. Von dieser beträchtlichenHöhe herab läßt uns der Künstler, welcher, den Anforderungen einer male-rischen Auffassung und Anordnung zu genügen, das in der Wirklichkeit innoch größerer Ausdehnung sich darbietende Bild der Stadt mehr in seineinteressanteste End - und Grcnzpunkte zusammendrängte, über die zunächstunten an die Kirche gränzenden Straßen und Häusergruppen hinweg, sogleichden Haupt Marktplatz der Stadt und die denselben umgebenden alter-thümlichen Gebäude erblicken. Ueberall, wohin wir die Augen wenden, trittuns eine Fülle von Erkern, Giebeln, Thürmen und Thürmchen mit jenemunvergleichlichen Reize der Alterthümlichkeit entgegen, welcher Nürnberg vorallen andern Städten Deutschlands so anziehend macht. Doch während unsdas vorliegende Bild diesen Theil der Stadt, in welchem sich mehr als inirgend einem andern die ganze Eigenthümlichkeit Nürnbergs, das innerste Le-ben, gleichsam die geistige Physiognomie dieser Stadt, vor unsern erstauntenBlicken aufschließt, nur aus ferner Höhe herab erschauen läßt, versetzt unsXr. 9- ganz eigentlich mitten in die Fülle der mannigfaltigen alterthümlichenSchönheiten, welche den interessantesten Theil des Hauptmarktplatzcs zieren,und gewährt uns zugleich durch die demselben, von allen Seiten, aus ver-schiedenen angrenzenden Straßen zuströmende Menschenmenge einen überra-schenden Blick in das lebhafte Menschengewühls, welches diesen Platz fast stetsanzufüllen pflegt. Verbinden wir daher in der Anschauung und Beschrei-bung beide sich einander innigst ergänzende Bilder.
Rechts beginnen beide mit der Frauenkirche. Diese mehr zierlicheals großartige, jedoch eben so schön gedachte als ausgeführte Kirche verdanktihre Entstehung Kaiser Karl IV., der 1349 dem Rath der Stadt erlaubte,die vordem hier befindliche Synagoge der Juden abzubrechen, und an derenStelle eine Kirche zu Ehren der heil. Maria zu erbauen. So wurde sie dennin den Jahren 1355 — 61, mithin in der Blüthezeit der gothischen Architektur,durch die Baumeister Georg und Fritz Rupprccht und den Bildhauer SebaldSchonhofer aufgeführt und noch in dem Vollendungsjahre 1361 unter demNamen: »Unserer lieben Frauen Saal' in Gegenwart des Kaisers eingeweiht,welcher bei dieser Gelegenheit die von Prag deßhalb hierher gebrachten Heilig-thümer von dem Gange der Vorhalle herab dem Volke zeigen ließ. DieseKirche führte auch den ihrer äußeren und inneren Gestalt angemesseneren Na-men : »Kaiserliche Kapelle.' Den ganzen Reichthum altdeutscher Formen fin-den wir aus ihrer Vorderseite in fast zu üppiger und bunter Fülle ausgegasten.
Stolz erhebt sich eine mit vielen nieschenförmigen Abtheilungen geschmückteGiebclwand mit einem zierlichen Thürmchcn in der Mitte; daran schließt sicheine niedlich kleine Kapelle, welche gleichfalls mit einem reich verzierten Gie-bel und einem Glockenthürmchen verschen ist, und auf der mit Kupfer ge-deckten Plattform einer Vorhalle ruht, die wiederum innen und außen ausdas reichste mit vielen kleinen Figuren geziert und oben mit einem kunstreichdurchbrochenen, wappengeschmückten Geländer versehen ist. Von da herabpflegten vordem die Kaiscrwahlen unter Trompetenschall verkündet zu wer-den. Diese Vorhalle wurde zugleich mit der Kirche, deren Hauptschmuck siebildet, von den oben genannten Künstlern aufgeführt; nicht so das Kapcll-chcn über derselben, welches erst 1462 unter Adam Krafts Leitung in einemschon etwas verschiedenen Styl übergebaut wurde. Die Hauptmerkwürdigkeitdes letzter» besteht in dem künstlichen Uhrwerk, welches 1509 in die vonKraft schön verzierte Nische hineingesetzt wurde. Noch ist von den 9, ausKupfer getriebenen und vergoldeten, 2-/z Fuß hohen Figuren, welche vor-dem zu dieser Uhr gehörten, Kaiser Karl IV. auf einem Throne sitzend undsein Reichsherold, geharnischt vor ihm stehend, vorhanden; die Figurender 7 Kurfürsten dagegen sind verschwunden, und neuerdings durch hölzerneFiguren ersetzt worden, welche sich, gleichwie die früheren von Metall, sobalddas wiederhergestellte Uhrwerk ausgezogen ist, um den Kaiser hcrumbewegen,während der Herold in die Posaune stößt. Daher führt auch das ganze Uhr-werk den Namen: »das Männleinlausen.' Leider sind aus dieser Kirche, ge-genwärtig der einzigen katholischen in Nürnberg, alle vordem darin befind-lich gewesenen alten Kunstwerke, Gemälde und übrigen Alterthümer ver-schwunden. Zum Ersatz dafür hat man zwar Manches dieser Art aus an-dern Kirchen dahin zusammengebracht, und überhaupt Vieles in derselbenim alten Style wiederhergestellt; allein zu gleicher Zeit wurde die ganzeKirche viel zu bunt übermalt, wodurch der frühere Reiz der Alterthümlich-keit im Innern fast gänzlich verschwand. Doch enthalten die Fenster imChor noch schöne Glasgcmälde.
Die zweite Hauptzierde des Marktplatzes bildet der mit vollem Rechtsogenannte schöne Krunnen, unstreitig eins der seltensten Denkmale die-ser Art, welches die deutsche Kunst auszuweisen hat, ein Denkmal, welchesdurch seine, von dem gediegensten Kunstsinn zeugende, schöne Anordnung undherrlich entwickelte Composition nicht weniger unsere hohe Bewunderung zuerregen fähig ist, als die Kirchcnbauten aus derselben Blüthezeit der deut-schen Baukunst, in der sie sich gleichsam in ihrer jungfräulichen Glorie zeigte;nur daß die letztem zugleich ein so sehr erhebendes Zeugniß für den kindlichreligiösen Sinn ihres Zeitalters ablegen. Die Idee dieses prachtvollen Brun-nengebäudes, welches dieselben Künstler, denen wir die Frauenkirche verdan-ken, und in denselben Jahren mit dieser erbaut haben, ist eben so einfachals sinnig. Das Ganze bildet eine etwa 60 bis 62 Schuh hohe, von untenbis oben kunstreich durchbrochene Pyramide, welche in drei verschiedenen Ab-theilungen aus dem Achteck emporsteigt, so daß jedesmal die Kanten desoberen Achtecks aus die flache Seite des untern zu stehen kommen. So bautsich das Ganze, die reichste Zierde und einen schönen Wechsel des Lichts ge-während, leicht und frei in die Höhe, wo es sich endlich in eine mit vie-len Blumenknospen geschmückte, überaus zierliche Spitze vereinigt, welche
2 Lilien krönen und eine Helmstange und Fahne beschließen. Dem herrlichenKunstgebäude gleichsam eine höhere Bedeutung zu geben, stehen an den
3 Pfeilern der untern Abtheilung 16 vier Fuß hohe Figuren, welche die 7Churfürsten, die 3 vornehmsten christlichen, jüdischen und heidnischen Helden(nämlich: Gottsr. v. Bouillon, Klodwig von Frankreich, Karl den Großen;Judas Makkabäus, Josua, David; Julius Cäsar, Alexander, Hcktor) dar-stellen; an denen der oberen Abtheilung dagegen nur 8 drei Fuß hohe Figu-ren, Moses und die 7 Propheten vorstellend. Untadelhast und rein ist dieZeichnung und Ausführung aller dieser in Stein gehauenen Bilder. Einstwar dieser Brunnen, welcher von 1447 — 1586 wenigstens fünfmal restau-rirt wurde, bemalt uud vergoldet, jetzo aber ist derselbe, nachdem er bereitsgänzlichem Einsturz gedroht, in den Jahren 1822 - 24 unter Reindels Lei-tung durch einheimische Künstler so vollkommen nach Geist, Zeichnung und Aus-führung dem alten gleich wiederhergestellt worden, daß er, obschon jetzt über