und mit einem schönen einfachen Portale geziert, so daß von ihremursprünglichen Zustande lediglich noch eine kleine Kapelle und der Chorbelassen wurden, dessen Decke von G. A. Urlaub meisterhaft schön al kresangemalt ist, und zu dem von I. G. Ermeltraut gefertigten bizarrenDeckengemälde des Langhauses einen auffallenden Kontrast bildet. DasKlostcrgcbä'ude ist theils zur Wohnung weniger Geistlichen, theils zu eiücrkönigl. Salzniederlage, vornehmlich aber zum Lokale des von einer zahlreichenGesellschaft unterhaltenen polytechnischen Institute verwendet, welches seitdem I. 4899 besteht, und, zu immer größerer Ausdehnung und Vollkom-menheit fortschreitend, bereits sehr vielfachen Nutzen bewährt hat. — Diezunächst bemerkliche Kirche mit einer großen Kuppel und einem byzantinischenThurme ist das Ne» Münster, und als die Wiege des ersten christlichenGlaubens und Bischofssitzes in Franken höchst merkwürdig. Auf ihrer Stättesielen um 988 die Häupter der aus Irland gekommenen Hcidenbekehrer,St. Kilian und seiner Gefährten, Kolonat und Totean, unter demvon der rachesüchtigen thüringisch-fränkijchen Herzogin Gailana gedunge-nen Mordbeile, und dort erbaute Würzburgs erster Bischof, St. Bur-kard, um 749 seine Kathedrale nebst einem Münster (Kloster), welchebeide, am St. Bonifaztage 844 vom Sturmblitz entzündet, ein Raub derFlammen geworden sind. Ueber der Brandstätte ließ Reinhard, Grafv. Rothenburg, gegen das Ende des 19. Jahrhunderts eine Kapelle errichten,.welche B. Heinrich I-, Graf von Rothenburg, im I. 4999 in eine großeneue Kirche nebst einem neuen Münster als geschickter Baumeister verwan-delte. Von dieser Kirche aber, deren Bauart genau den Ucbergang d'esbyzantinischen zum s. g. gothischen Styl bezeichnete, ist mit Ausnahme derAusscnseiten des Chors und des Kreuzes, sowie des Thurms ein anderesUeberbleibsel nicht mehr vorhanden, da zu Anfang des 48. Jahrhundertsgroße Veränderungen im nicht sehr glücklichen Geschmack damaliger Zeitdaran geschahen, und dadurch ein barokkes Gemisch von Altem und Neuementstand. — Die neben daran in düsterem Gewand stehende jetzige bischöf-liche Oom Kirche (>ro. 4) erlitt gleiches Schicksal, indem auch der ihrigevon B. Arno 8S2 errichtete Bau im Jahre 922 abbrannte, und nachhervon B. Dietho 923 wieder von Neuem im damals herrschenden byzan-tinischen Styl aufgeführt wurde. Im Laufe der Folgezeit erwuchs dieseHaupt- und Mutterkirche des Bisthums durch vielfältige Ansätze zu einemungeheuren Umfang. Das Aeußere trägt die unverdeckten Spuren vonnamhaften Veränderungen an sich, und das Innere ist ein wahrer Spiegelund Maßstab von der Kunst eines Jahrtausends. Die Bischöse Bruno, derHeilige, Gottfried I., Graf von Pisenbcrg, Hermann von Lobdenburg, JuliusEchter, Johann Gottfried v. Guttenberg, Johann Philipp v. Greisenklauund Johann Philipp Franz v. Schönborn bemühten sich vorzüglich um dieVergrößerung und Verschönerung des Tempels. Derselbe bildet die Kreuz-form, und ist mit vier Thürmen versehen, davon 2 oben neben dem Chorund 2 unten am Haupteingange angebracht sind. Der rechten Seite desKreuzes ist die gothische Begräbnißkapelle und darüber das ehemalige Kapi-telhaus, der Rathssaal der Domherren, der linken Seite aber die s. g.Schönborn'sche Todtenkapelle, ein Werk neurömischen Styls von I. B.Ncumann, angebaut. Durch zwei andere moderne Anhängsel (rechts undlinks der Tribune in den Winkeln des Kreuzes), welche zur Sakristei undOrnatkammer dienen, hat 4 749 der ebengenannte Baumeister das vorherfreigestanden? Alterthum verhöhnt. Dem Langhause wurden 1334 gelegen-heitlich seiner Erhöhung und Verlängerung zwei Abseilen angesetzt, wovonnur die nördliche mehrere Strebepfeiler, beide aber Spitzbogenfenster erhielten.An das südliche Nebenschiff stößt der gleichfalls 1334 erbaute Theil desKreuzganges, welcher erst 1424 durch M. Wolffram von Königsberg vollendsausgebaut wurde. Von da gelangt man unmittelbar in den Bruderhof,den in aller Zeit das St. Kiliansmünster mit den Wohnungen des Bischofsund seiner Geistlichkeit bildete. Das grandiose Mittelschiff des Tempelswird zu beiden Seiten von 41 Pfeilern getragen, und hat eine trefflicheErhellung. Au Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde das ganze Innerevon dem Stukkator I. P. Magno aus Mailand mit massiven Figuren
und Dekorationen bekleidet. Dem Kunstfreunde bieten 29 Altargemäldcvon guten Meistern (von Onghcrs, de Rül, Sandrart ?c.), die marmornenund erzenen Epitaphien von 27 Bischöfen, vielen Domprälaten :c., daserzene Baptisterium von 4279, sowie die Kanzel mit Reliefs und Figurenvon Alabaster einen interessanten Anblick dar. Nicht zu übersehen sind nebst-dem die unten in der rechten Abseite aufgestellten 2 alten Säulen, dereneine am Deckel des Kapitäls den Namen Jaqin und die andere Boozenthält, und welche in neuern Schriften als die ältesten deutschen Denk-mäler des Freimaurer-Ordens angegeben und abgebildet worden sind. —Der Domkirche zur Rechten erheben sich, in aufsteigender Linie und schein-bar gleichweit von einander entfernt, die noch übrigen bedeutenden Punkteauf der rechten Stadtseite: die pleichachcr Pfarrkirche (im Vorder-gründe), die Lie b tra uenk a p eIlc (in der Mitte) und die Universi-tätskirche (im Hintergrunde). Davon hat erstere außer einem hohenAltar wenig Bemerkenswerthes; dagegen gehört die zweite mit Recht unterdie sehenswürdigsten Denkmäler des schönsten altdeutschen Baustyls (lXr». z),und die dritte ist besonders wegen ihres hohen, prächtigen Thurms einevorzügliche Zierde der Stadt. Gleichzeitig mit dem weitschichrigen Univer-sitätsbaue 4584 begonnen und zehn Jahre darnach vom Baumeister A. Kalvollendet, ward diese herrliche Kirche 4591 vom Bischöfe Julius, im Bci-scyn Herzogs Wilhelm von Bayern und seiner Prinzen, mit größtemPomp eingeweiht, kam aber im Schwcdenkriege ganz in Verfall, und wurdeerst unter den Bischösen Joh Gottsried von Guttenberg und Joh.Philipp von Greifenklau von 459« bis 4704 prachtvoll wiederhergestelltund vergrößert. Der Thurm enthält eine gut eingerichtete Sternwarte,und das von Altären entblößte Langhaus dient nun mit seinen doppeltenGallerten zu einem Aktendepot der königl. Kreisregierung. — Der minderhohe, zunächst der Mainbrücke stehende, sogenannte Dhurm zum Hraten-Eckart gehört zum Rathhause (kWo. 4.) Indem wir die sonst noch etwaauf unserem Bilde sichtbaren kleineren Kirchen übergehen, bemerken wirim Allgemeinen nur, daß Würzburg gegenwärtig noch 29 Kirchen (darunter4 evangelische) besitzt, während es deren 7 seit der Säkularisation verloren hat.
Wir nähern uns jctzo den glänzenden Fluthen des Mains. Hier ver-dient unsere nähere Betrachtung vor Allem die Main brücke, wohl dieschönste dem ganzen Laufe des Flusses entlang. Sie ist 549 Schritte lang,angemessen breit und nach dem Muster der Brücke zu Frankfurt (im 45.Jahrhundert) massiv von Steinen auf Felsengrund gebaut. Von ihren 8Bögen, deren ein jeder von 4 starken Strebepfeilern gegen die Wuth desHochwassers und das Anprellen der Eismassen dauerhaft geschützt ist, sindauf unserem Bilde mehrere verdeckt. Die Pfeiler bilden auf der horizon-talen Oberfläche zu beiden Seiten 42 Nischen, in welchen ebensoviel kolossalesteinerne Staluen, die Schutzheiligen Frankens und Deutschlands vorstellend,und Sitze an der Brustmauer angebracht sind. Als Verbindungsweg zwischenbeiden Stadttheilen ist die Brücke stets von Menschen, Wagen, Pferden zc.ungemein belebt, und bildet wegen der dort zu genießenden reinen Luftund erheiternden Aussicht einen beliebten Spaziergang. Auf derselben wurdebis in das 47. Jahrhundert unter dem Namen Brückgericht öffentlicheGerichtsbarkeit mit merkwürdigen Formen ausgeübt.
Auf der linken Seite des Mains, dem kleinsten und ursprünglichenTheile der Stadt, sind die wichtigsten Punkte: die St. Burkardskirche(westwärts zunächst am Main), das Deutschordenhaus nebst Kirche (in derMitte), die ehemalige Schottenklostcr-Kirchc (links im Vordergründe) undendlich die Festung oder das Bergschloß Marienberg. — Die St. Surk-hardskirche gehört, ihrer ersten vom heiligen Burkard herrührendenEntstehung nach und unter dem älteren Namen: St. Andreaskloster, dem8. Jahrhundert an, ward 4933 unter ihrer jetzigen, schon 989 angenom-menen, Benennung von Neuem erbaut, und 4 492 in eine Nilterstiftskircheverwandelt. Sie hat noch manches Altcrthümliche, und namentlich ist einTheil des alten Langhauses mit kurzen starken Säulen, welche Würfel-knäufe tragen, und die Seitcnpforte bei späteren Veränderungen übriggeblieben. Hauptsächliche Erneuerungen erhielt diese jetzige Pfarrkirche 4584,