TN ü r 5 b u r g.
Auf BergeSböben tbront im alten FrankenlandeAus ferner Zeit so kiibn und stolz Dein festes Schloß;Du rudst so freundlich-milde an des Maines Strande,Ein edler Bischofssitz, in Deines Thales Schooß,Und anmuthsvoll umgibt in lieblichem VerbändeDer Schmuck der Fluren Deine Bauren, hehr und groß.Sey herzlich uns gegrüßt in deutscher Städte Reihe,Empfah' auch Du durch deutscher Künstler Hand die Weihe!
L»^iirzb»rg ehmals die Hauptstadt des Fürstbisthums gleichenNamens, jetzt die Hauptstadt des Untermainkreises und der Sitz eines unterdem Erzbischofe von Bamberg stehenden Bischofes, der königlich BayerischenKrcisregierung und verschiedener andern Stellen und Behörden, sowie einerberühmten Universität und zahlreichen Garnison — liegt am Mainflusse,der die Stadt in zwei ungleiche Hälften theilt, in einem angenehmen undfruchtbaren Thale, und ist auf beiden Seiten von hohen Weinbergen der-gestalt eingeschlossen, daß, mit Ausnahme der auf einem vorspringendenBerge am linken Mainufer liegenden Festung Marienberg, das ganzeBild der Stadt erst in einer Entfernung von einer halben oderBiertelstunde von den verschiedenen Landstraßen her sichtbar wird. Um sostärker und überraschender ist der Eindruck, welchen der plötzliche Anblickder vielen schönen Kirchthürme und großartigen Gebäude gewährt.
Man kann zwar von jedem der nächstumliegenden Berge Würzburgübersehen, und jeder gibt davon eine eigne interessante, den italienischenStädten ähnliche Physiognomie z die vollständigste und eigentlich malerischeAnsicht aber erhält man aus dem nördlich liegenden, seines köstlichen Weineswegen berühmten Stcinberge, den wir darum auch zum Standpunktunseres Bildes wählten Mo. i). Diese herrliche Totalansicht vor Augen,machen wir nun auf die vorzüglichsten und wichtigsten Punkte der Stadtin ihrer Lage und Stellung zu einander aufmerksam und mit deren Merk-würdigkeiten in kurzen Umrissen bekannt.
Ueber mannigfaltig abwechselnde malerische Partien von Wein-, Gemüse-und Obst-Gärten, größern und kleinern Lusthäusern, öffentlichen Vergnü-gungsorten, Getreidefeldern, Alleen und englischen Anlagen hin, sieht mandie durch ihr Alterthum ehrwürdige, von hohen baumbesetztcn Wällen um-schlossene Stadt mit ihren zahlreichen Kirchen und Hauptgebäuden dem Mainentlang vor sich liegen, wie ein plastisches Bild in einem Rahmen. Linksbeginnt die Ansicht der Stadt, von der sächsischen Landstraße her, mit derehemaligen Ztifis- jetzigen Pfarrkirche zu Haug, welche diesen Bei-namen daher führt, weil das Stift bis zu Ende des siebzehnten Jahrhun-derts außerhalb der Stadt unweit des Steinberges auf einer kleinen Anhöhe(alt! Houch, Haug, Hoch, in inonte) lag. Ihre frühere hohe Lage ersetztgegenwärtig in der Ebene ihre imposante Erhabenheit über fast alle andernKirchen der Stadt, vor welchen sie sich, in ihrer neurömischen Bauart,durch zwei schöne und große Thürme nächst dem Portal, eine ungeheureSteinmasse des Langhauses und eine kühne Kuppel ganz besonders auszeich-net und bcmerklich macht. — Das nächste Hauptgebäude im fernen Hinter-grunde, welches sich mit vielen Pavillons und Kuppeln stolz erhebt undausbreitet, ist die ehemalige fürs tb isch ökt i ch c Nesidcnz (Mo. s). -
Mit dieser, in fast scheinbar gleichlaufender Linie, prangt im Vordergrundedie zweite Hauptzierde der Stadt, das große Z ul in sh osp ital „fürArme, Preßhafte und Kranke.» Diese menschenfreundliche Bestimmungdes unvergeßlichen Bischofs Julius Echter bezeichnet die über demHaupteingang des Gebäudes unter einem kunst- und sinnreichen Haut-relief befindliche Inschrift, ohne welche es der fremde Beschauer wahrlicheher für den Palast eines ansehnlichen Fürsten, als für die Wohnung derleidenden Menschheit ansehen würde: so ausgezeichnet ist dasselbe sowohldurch Umfang und Größe, als durch prächtiges Aeußcre. Dieses ungemeinsehenswerthe und berühmte Gebäude liegt nahe an dem nördlichen Stadt-walle, und besteht aus zwei 300 Schritte langen Hauptflügeln, die durchniedrigere Seitengebäude zu einem länglichen Bierecke verbunden sind. Esist nicht mehr das ursprüngliche Bauwerk, wie es von seinem Stifter imJahre 1570 begonnen und 1579 vollendet worden, sondern der innere Haupt-bau ward im Jahre 1701, nach erlittener Zerstörung durch Feuersbrunst,der vordere aber gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, seiner Bau-fälligkeit wegen, jener stattlicher als dieser, von Neuem aufgeführt.Unter den mancherlei einzelnen Bestandtheilen des Hospitals, in welchendurchaus die größte Reinlichkeit und Freundlichkeit herrschet, verdient beson-ders die in dem imposanten Mittelgefchoß des innern Hauptflügels befind-liche Kapelle erwähnt und gesehen zu werden, welche durch ihre einfache! und denaoch ungcmein geschmackvolle und zweckmäßige Einrichtung sich aus-i zeichnet, und worin die eignen Seelsorger des Hauses, ein Pfarrer undzwei Kapläne, täglich den Gottesdienst verrichten. — Die S MillionenGulden reiche Dotation dieser allgemeinen Kranken - und Versorgungs-anstalt gestattet, daß jährlich eine große Anzahl armer Kranken zurVerpflegung und Kur, und gebrechlicher Alten beiderlei Geschlechts aufLebensdauer unentgeltlich dahin aufgenommen wird. Mit ihr sind, zumTheil in eigenen schönen Häusern mit Gärten, noch andere Institute ver-einigt, nämlich das eigentliche Krankenhaus, die Heilanstalt für Wahnsin-nige, Epileptiker, kranke Handlungsdiener, Handwerksgesellen und Dienst-i boten, das Entbindungshaus, der botanische Garten, und das anatomische! Gebäude. Für medizinische, chirurgische und geburtshülfliche Klinik bietet die^ Gcsammtanstalt die vortrefflichste Gelegenheit dar, und sie ist in dieser Hinsicht^ als eine der ersten in Deutschland dem In- und Auslande bekannt, auch^ darum stets von jungen Aerzten aus nahen und fernen Gegenden stark besucht.
Gleich gegen das untere Ende des Juliushospitals, in kleiner südlicher! Entfernung, zeigt sich auf unserm Bilde die ehemalige Ä o m i n i k a nc r-! jetzt Zl ug u s t i n e r-K l o s I c rk i r cl> c. Im 73. Jahrhundert nach alt-> deutschem Style mit Spitzbogen erbaut, ward deren Langhaus 1743 erneuert