Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Unter den verschiedenen Gebäuden, welche den Römerberg umgeben,verdient vor allen der Kömer unsere Aufmerksamkeit. Ueber die ursprüng-liche Bedeutung und Benennung dieses Gebäudes gibt es verschiedeneMeinungen, deren Darlegung wir der Geschichte von Frankfurt vorbehalten.Soviel ist gewiß, daß der Rath von Frankfurt erst 44os das mittlereHauptgebäude von der Familie Kölner, genannt zum Römer, ankaufte undzum Rathhause einrichten ließ. Wie in der Folge das Bedürfniß einengrößeren Raum erheischte, wurden mehrere daran stoßende Nachbarhäuser,wie vor allen das zunächst rechts in der Fronte liegende Haus Löwenstein, dazuerkaust und mit geringen Veränderungen damit verbunden. So kam esdenn, daß das jetzige Rathhaus weder von außen eigentlich symmetrischeFormen und noch viel weniger im Innern die nöthige Bequemlichkeit dar-bietet, und daher auch in dieser Beziehung mit den Rathhäusern zu Nürn-berg, Augsburg zc. in keinen Vergleich zu setzen ist. Das Ganze mitseinen 2 Border - und seinen vielen Mittel - und Hintergebäuden nimmtfreilich einen großen Raum ein, allein im Innern dieses weitläuftigenGebäudes durchkreuzen sich, besonders nach dem Hinteren Theile zu, wo sichdie verschiedenen Aemter der Stadt befinden, Treppen, Vorplätze, Säleund Zimmer in ziemlich labyrinthischer Mischung, so daß man sich aus denvielen Gängen, wo man bald eine Treppe hinauf, bald eine anderehinuntersteigt, kaum wieder herausfinden kann. Der vordere Theildes Römers mit seinen 2 alterthümlichen Treppengiebeln enthält im Erd-geschoß gewölbte, auf Pfeilern ruhende, Hallen, welche zur Mcßzeit mitKaufläden besetzt werden, im obern Stockwerk aber den großen Kaisersaal.Es ist dies ein langer, ziemlich schmaler und dunkler Saal mit gewölbterhölzerner Decke, dessen Hauptmerkwürdigkeit jetzo darin besteht, daß an denWänden herum in zugespitzten Nischen die Bildnisse der deutschen Königeund römischen Kaiser von Konrad I. an gemalt sind, und zufälligerweisefür den letzten deutschen Kaiser keine ganze Nische mehr übrig blieb» Indiesem Saale pflegten vor Zeiten die neugckrönten Kaiser, von 3» Reichs-grafen bedient, auf Thronstufen erhöht, unter Baldachinen in ihren Ornatenzu speisen, während die Erzbeamten des Reichs ehrfurchtsvoll ihre Diensteverrichteten. Auch wurde hier jährlich in der Herbstmesse das uraltePfeiffergericht gehalten, das ist, eine öffentliche Sitzung des Schöffengerichts,während welcher plötzlich Abgeordnete aus mehreren vom Meßzoll befreitenStädten, welchen sogenannte Pfeiffer, das ist, Musikanten vorausgingen, infeierlich komischem Aufzug erschienen, und nach Ueberreichung seltsamer sym-bolischer Geschenke den Schultheißen um Erneuerung ihrer Zollfreiheit ersuch-!ten. Reben diesem Saale befindet sich das stattliche Wahlconferenzzimmer,das die Fürsten und ihre Botschafter aufnahm, wenn sie zur Kaiserwahlnach Frankfurt kamen. Die Decke ist von Colomba, demselben Künstler,von welchem auch die Malerei an der Haupttreppe, im Vorsaal vor demWahlzimmer und im Rondell herrührt, mit Göttern und Genien mit kaiser-lichen und kurfürstlichen Wappen künstlich geschmückt. Jetzt wird dieses reichverzierte Zimmer zu den Versammlungen des Senats gebraucht. Nochgehört zu den Merkwürdigkeiten des Römers, daß in dem darin befindlichen,durch Bau und Einrichtung musterhasten, Stadtarchive außer vielen andernKaiserurkunden die berühmte goldene Bulle aufbewahrt wird. Dieß istbekanntlich jenes erst mit der Auflösung des deutschen Reichs erloscheneReichsgrundgesetz, wodurch im I. 43SK, auf Veranlassung Kaisers Karl IV.,Frankfurt, zum großen Vortheil seiner Bürger, welche den Zwiespaltder Wahlen oft theuer genug zu bezahlen hatten, für die Wahlstadt desReichs erklärt, und zugleich vorgeschrieben wurde, wie es künftig bei streiti-gen Wahlen gehalten werden sollte» Es besteht diese merkwürdige Urkundeaus 43 Pergamentblättern, welche mit seidnen Fäden zusammengeheftetsind, an welchen in einer Kapsel das mit Goldblech überzogene Majestäts-siegel Kaisers Karl IV. oder die (vorzugsweise) so genannte goldene Bulle(bulln auron), wovon das Ganze seinen Namen führt, angehängt ist.Sie fängt mit den bedeutungsvollen Worten an: Oinnv ro^nuin !n sollivi5»i!i «losolnlütur, das ist: Jedes in sich zerfallene Reich wird zu

Grunde gehen. Zur Rechten und Linken des eigentlichen Römers, der, wiebemerkt, nach der Fronte zu, aus dem mittleren Hauptgebäude und ausdem ehmaligen Hause Löwenstein besteht, liegen die geschichtlich merkwürdigenHäuser L i md u rg (links) und Frauenstcin (rechts), worin die denselbenNamen führenden adeligen Stubengesellschasten theils zu politischen, theilszu geselligen Zwecken vor Zeiten ihre Zusammenkünfte zu halten pflegten.Roch jetzo gehört ersteres der Gesellschaft Limburg, während letzteres füröffentliche Zwecke von der Stadt angekauft wurde; zur Mcßzeit aber werdendie unteren gewölbten Räume beider zu Kaufläden verwendet.

Die am untern Ende des Platzes liegende Uicolaikirche mit ihremstattlichen Thurme verdient ihrer höchst originellen Bauart wegen alle Auf-merksamkeit. Was das aus dem >3. Jahrhundert stammende Hauptgebäudebesonders auszeichnet) ist die obere (wahrscheinlich einer späteren Zeit an-gehörende) gesimsartig hervorstehende Einfassung, hinter welcher sich aufden beiden Hauptseiten ein Umgang nebst 3 Thürmchen an den 3 verschiede-nen Ecken befindet. Die Einfassung, sowie das mittlere Eckthürmchen, sindvon rothem Sandstein in gothischem Style zierlich ausgearbeitet. DasGanze, wenn auch unsymmetrisch, ist doch nicht ungefällig fürs Auge,und hat viele Aehnlichkeit mit dem ehmaligen, nunmehr abgerissenen, Kauf-hause zu Mainz, so daß man selbst einen und denselben Baumeister fürbeide Gebäude glaubte annehmen zu müssen. Zunächst hinter der äußernEinfassung ist der nöthige Raum für den Umgang um die Kirche freigelassen.Gleich daran erhebt sich das spitze Dach der Kirche, dessen innerer Raumzur Wohnung des Thürmers eingerichtet ist. Der untere viereckige Theildes Thurms, sowie der untere Theil der Kirche überhaupt, scheint demStyle nach, von der älreren ehmals hier befindlichen Kapelle (aus dem 12.Jahrhundert) herzurühren. Dagegen wurde der obere achteckige Theil desThurms, welcher von einer Plattform mit durchbrochenem Geländer umgebenist, erst um das Jahr 13S0 gebaut, und trägt auch das Gepräge des da-mals herrschenden Kirchenbaustyls. Die hölzerne, von außen mit Bleibelegte, und aus einem kleinen Octogon ruhende, Aufsatzspitze des Thurmsrührt aus späterer Zeit her. Diese Kirche, die schon seit IS70 längere Zeitals Waarenlager gedient hatte, dann 4724 wieder ihrer ursprünglichenBestimmung zurück gegeben worden, wurde 4843 von neuem in ein Lager-haus verwandelt.

Ifiro. 4. stellt den größten und interessantesten Theil der Altstadt vor,so weit dieselbe nämlich von der östlichen Seite des Barfüßerkirchthumsdem Standpuncte unsers Bildes zu ersehen ist. Hier entfaltet sich inüberraschender Mannigfaltigkeit der ganze Reichthum der Stadt an jenenalterthümlichen Gebäuden, die zum Theil weit in die Vorzeit hinauf reichen,und ihren ursprünglichen Character noch unverwischt erhalten haben. Gleichlinks am Rande des Bildes erblickt man noch die oberen Spitzen mehrererHäuser am Römerberg. Unweit davon, ragt eine der ältesten Privatwoh-nungen Frankfurts, das sogenannte steinerne Haus, mit seinem gothischverzierten Gesimse, seinem auf der Seite liegenden Treppengiebel und seinenvielen rings umher befindlichen Mauerzinnen hervor. Daran reihen sich inbuntem Gemisch regellose wunderliche Massen, dicht auf einander gehäufteHäuser und enge Winkelgäßchen, in die sich selten ein Sonnenstrahl verirrt.Doch wird jetzt manche Straße, die vor einem Jahrzehend noch ein finste-res Ansehen hatte, durch freundlichere Gebäude erheitert. Und täglichsteigen aus den Trümmern der alten neue schönere Häuser empor. Weiter-hin fast am Ende der malerisch dunkeln Dächerpartie, der Domkirche gegen-über, ragt das alte Kaufhaus der Stadt, das sogenannte Lcinwand sha » s,mit seinem von 4 Eckthürmchen umgränzten Spitzdache, und neben demselbendie Stadtwazc mit ihrem Giebeldache hervor. Vor allen übrigen Gebäudenaber erhebt sich in kolossaler Form das Gebäude des Herrn, der Oom, undglbt mit den Aussichen zu beiden Seiten, besonders auf die glänzenden undbelebten Fluten des Mains mit der Brücke und auf seine mit der freund-lichen Stadt Offenbach und verschiedenen Dörfern reich geschmückten Uferhin, dem Bilde einen höchst großartigen und zugleich gefälligen Schluß.