Frankkurt am Ml a i »r.
Ergänzungsblatt.
I?ro. t. stellt einen Theil der Fahrzasse mit dem HausFilrftenek in Frankfurt dar.
Die F-Hrgasse entstand bereits, seitdem zum bequemeren Wasserüber-gang, d. i. Fahre, die erste Brücke hier angelegt wurde, indem sich die da-maligen Einwohner Frankfurts, leibeigene Banern und Handwerker, durchBefriedigung der Bedürfnisse der häufig über den Main hin und her wan-dernden Fremden ihren Lebensunterhalt zu verschaffen suchten, und daher fürihre häuslichen Niederlassungen keinen vortheilhafteren Platz wählen konnten,als den vor der Fahre, wo Alles bei ihren Wohnungen vorüberziehen mußte.Sie ist somit eine der ältesten Straßen Frankfurts, und wurde endlich dieHauptstraße der alten Stadt.
So lange sich noch Frankfurt in seinen ersten Mauern eingeschlossen sah,reichte sie übrigens nicht weiter, als von der Brücke bis in die Gegend desHauses zum Lindwurm (rit. H,. IV>-o. ISO), wo sich die erste Stadtpsortebefand. Bei der, wahrscheinlich in der Zeit Heinrichs IV. vorgenommenen,Erweiterung der Stadt aber wurde die Hufschmiedstraße (vicns kabrorum)damit verbunden und ihr somit eine größere Ausdehnung gegeben.
Bon ihren alterthümlichen Gebäuden hat sich allein das nicht weit vonder Brücke gelegene Haus Flirsteneck, jedoch leider nicht einmal mehrin seinem rein antiken Ansehen, erhalten. Es ist ein großes, hohes, ganzvon Stein aufgeführtes Gebäude, das sich durch seine Bauart vor allenübrigen in der Nachbarschaft auffallend unterscheidet und gegenwärtig derFamilie Zickwolf angehört. Erst in den neueren Zeiten erlitt es mehrereVeränderungen, wodurch es einen Theil seines antiken Ansehens einbüßte.Dahin gehört namentlich, daß die hohen Spitzbögen über den Thüren zuge-mauert und das Dach bis an die vier Eckthürmchen und die Zinnen vorge-baut wurde. Desto sorgfältiger wurde das alterthümliche Ansehen im In-nern des Hauses zu erhalten und selbst zu erhöhen gesucht. Der großeSaal behielt sein altes Getäfel von Holz mit seinen vielen bizarren Ver-zierungen, die Decken ihre veraltete Stukkaturarbeit, die Thüren ihre künst-lichen Schlösser; ja, um die Harmonie des Ganzen um so vollkommener zumachen, wurden selbst alle Möbel in antikem Geschmack verfertigt.
Ueber die Entstehung dieses Gebäudes wissen wir nichts Zuverläßiges zu
sagen. Eine frühere Volkssage eignet seine erste Gründung sogar einemheidnischen Fürsten zu, der es bewohnt und dadurch den Namen Fürsteneckveranlaßt habe. Wahrscheinlich sollte aber der Name Fürsteneck im Mundedes Volkes ursprünglich nichts anders bedeuten, als ein schönes, fürsten-mäßiges, am Eck gelegenes Haus. Urkundlich kommt es zuerst in demSchöffengerichtsprotocoll von 1424 vor.
i>ro. 2. stellt die Lachfenhäufer Warte bei Frankfurt a. M.dar, welche sich auf der Höhe des Sachsenhäuser Berges an der nach Südenführenden Straße befindet.
Die Stadt Frankfurt besitzt gegenwärtig noch vier solche Warten oderWartthürme, welche ursprünglich mit der etwa ^ Stunde, rings um dieganze Stadt führenden Landwehr, d. i. Wällen und Gräben, die möglichstdicht mit Hecken und Bäumen bepflanzt waren, in Verbindung standen, undauch zu gleicher Zeit mit derselben in den Jahren 1470—7K, nach langemStreite und deßhalb gepflogenen Unterhandlungen, insbesondere mit ihrenNachbarn von Falkenstein und Jsenburg, zu Stande gebracht wurde.
Als hohe und feste, mit Gräben umgebene Thürme, welche sämmtlichauf den nächsten Anhöhen standen, dienten sie nämlich als Thore der Land-wehr auf den sie durchschneidenden Landstraßen; ihre Hauptbestimmung je-doch war, von da eine bedeutende Strecke der Umgegend übersehen und dasetwaige Herannahen des Feindes bemerken zu können. Es befanden sichnämlich stets Wächter auf denselben, welche angewiesen waren, durch einenSchuß anzuzeigen', wann fremdes Kriegsvolk anrückte. Auf dieses Signalgab der Wächter des Pfarrthurms durch Trompetenstöße oder auch wol mitdem Sprachrohr zu erkennen, ob es Fußvolk oder Reiterei war, und hängteeine rothe Fahne nach der Seite aus, von welcher die Fremden kamen.
Die hier vorgestellte Sachfenhäufer Warte besteht aus einemgroßen runden Thurme, von dem man ringsum die weiteste Aussicht hat,und einem Gehöft, dessen UmgebungSmauern mit Schießscharten versehensind. Das hölzerne Dach auf dem Thurme ist neu; das ältere war wahr-scheinlich ringsum mit kleinen Thurmspitzen verziert; wie wir dasselbe inder Abbildung einer andern frankfurter Warte auf einem ältern Holzschnittedargestellt finden.