Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Nordseitc scho» viel früher mit einer Reihe Häuser, die Zeile, das ist, dieReihe genannt, besetzt waren. Die Zeile ist zwar nichtwas auch ihr Nameeigentlich nicht andeuten sollte die geradeste, jedoch die längste, breitesteund ansehnlichste unter allen Straßen Frankfurts. Die stattlichen Gebäudeauf der Nordseite, namentlich das ehmalige Schweitzerische Haus mit seinemgroßen auf 4 Säulen ruhenden Altan (eines der ersten Gebäude, welcheshier im italiänischen Geschmacke aufgeführt wurde), gewähren die bedeu-tendste Vorstellung von der großstädtischen Pracht im Innern von Frankfurt.

Doch die wichtigsten und vortheilhaftesten Veränderungen gingen indem Innern, sowie an den äußern Grenzlinien der Stadt erst seit 1894vor sich, als man anfing, die Befestigungswerke nach und nach abzutragen.Wenn auch, wie bemerkt, die äußere Umfangslinie dabei nicht erweitertwurde, so entstanden doch auf allen Seiten der Stadt eine Menge derstattlichsten Wohnungen und Straßen, wie die Anlagen auf dem ehmaligenWollgraben und auf den Wällen rings um die Stadt. Vor Allem verdienthier Erwähnung die mit Recht so genannte schöne Aussicht, eine schnurgeradeStraße, die sich längs des schönen Kai's vom Obermainthor bis zur Brückehinzieht, und gegen die Flußseite hin durch ein vierthalb Schuh hohes eiser-nes, sehr dauerhaftes Geländer eingeschlossen ist. Hier ruht der Blick mitVergnügen bald auf den einfachen und geregelten Gebäuden, bald streifter über die Fluten des Mains in die weite Umgegend hinüber. Einenoch stattlichere und zugleich mit wesentlichem Nutzen für den täglichen Ver-kehr verbundene Verschönerung fand in der neuesten Zeit längs des Kai'sam Untermaine statt. Hier wurde der Kai nicht blos am Untermain vomLeonhardsthore an über den Weinmarkt bis an die äußerste Ecke der Stadtan jener Seite geführt, zum Theil gleichfalls mit einem eisernen Brustge-länder und mit wahren Prachtgebäuden versehen, und durch ein Untermain-thor geschlossen, sondern auch späterhin noch oberhalb des Fahrthors biszur Brücke auf gleiche Weise fortgesetzt, und dadurch die für den Handel undGewerbfleiß höchst bequeme Verbindung mit der Brücke und dem daran-grenzenden Theile der Stadt geschaffen. Zu gleicher Zeit geschahen auchlängs dieser letzteren Linie mit den anstoßenden Gebäuden eine Menge dervortheilhaftesten Veränderungen, welche nun da, wo man früher nur häß-liche Winkel, alte gebrechliche Häuser und finstere schmutzige Mauern zuerblicken gewohnt war, einen höchst wohlthuenden Anblick hervorbrachten.

Nimmt man nun noch dazu die meist in griechischem und italiänischemStyle ncugebauten Stadtthore, ferner die geschmackvollsten Gartenanlagenund Spaziergänge auf den ehmaligen Wällen und Vorwerken rings umdie Stadt, endlich die zahlreichen, mitunter sehr anmuthigen Lustgärtenund Landhäuser, welche, neben den Anlagen, sich nach mehreren Richtungenhin ausbreiten, so bietet sich der Phantasie ein so reizendes Gesammtbilddar, wie es nicht leicht eine der älteren und nur wenige der neueren Städtedarbieten mögen. .Unter so vieler Jahre Kriegsdruck und Dulden hat sich,wie Göthe von seiner Vaterstadt sagt, Frankfurt aus das prächtigste undheiterste herausgebaut. Ein Fremder, wenn er diese Stadt lange nicht be-sucht hat, erstaunt, und Einheimische bewundern täglich das längst Bekannte."

Die wichtigsten Puncte auf dem Bilde (Nra, i.), die mir jetzo nochzu berühren übrig bleiben, sind ohne Zweifel, um von unten zu beginnen,folgende: Die St. Leonhardskirche, der Saalhof, die Domkirche und die Main-brücke. Die Kirche des heil. Leonhard, an deren Stelle vor Zeitender Palast Karls des Großen stand, gehört in ihrer gegenwärtigen Gestaltund Ausdehnung thcilwcise dem 13., 14. und den folgenden Jahrhundertenan. In der ersten Zeit (aus welcher außer den beiden steinernen Thürmenwohl nur noch ein Theil der innern Verbindungsmauer mit dem merkwür-digen r,eich verzierten byzantinischen Portal gleich beim jenseits gelegenenHaupteingang herrühren mag) war sie eine, der heil. Jungfrau Maria unddem heil. Georg gewidmete, Kapelle, zu deren Errichtung Kaiser Friedrich II.1219 der Stadt den Platz geschenkt hatte; 131? erhielt sie mit der Bedeu-tung einer Stiftskirche zugleich ihre jetzige Ausdehnung, ihren gegenwärtigenNamen jedoch erst 1323, als aus Vicnne in Frankreich der Arm des heil.Leonhard hieher gebracht worden war. Man findet im Innern dieser Kirche,

welche 189? das letzte Mal geschmackvoll restaurirt wurde, in gothischemStyl schön gesprengte, mit Wappenschildern geschmückte, Wölbungen, einebesonders künstlich gewölbte Seitenkapelle, vier neue mit Mahagonyholzbelegte Altäre, und unter mehreren andern Gemälden ein sehenswerthesAltarblatt von Stieler. Hinter dem Hochaltar und demselben gegenüber,prangen zwei hohe Fenster mit schöngebrannten farbigen Glasscheiben, welchedie Geschichte des heil. Leonhard darstellen, und aus den Trümmern derübrigen Kirchfenstcr gesammelt und hier vereinigt sind. Eine höchst an-muthige Zierde gewährt dieser Kirche noch das herrliche Geläute von fünfGlocken, .welches das der andern Kirchen an reinen harmonischen Tönenweit übertrifft, und durch die Nähe der sanften Wasserfläche des Mainsnoch erhöht wird.

Der Aaalhok bekanntlich die Stätte der ehmaligen hiesigen Sala,das ist, Wohnung Ludwigs des Frommen und seiner Nachfolger auf demdeutschen Throne stößt mit seinem 1717 größtentheils neu aufgeführtenHauptgebäude, dicht neben dem stattlichen Thurme mit den vier kleinenEckthürmchen, auf die Ufer des Mains, während die Eingänge und Reben-häuser des übrigen weitläufigen Gebäudes in der Saalgasse liegen, diedavon noch jetzt den Namen führt. Kaum hat sich eine Spur von derersten Anlage erhalten, wiewohl man geneigt ist, die daselbst befindlichesogenannte Kaiserliche Hauskapelle dafür zu halten. Es besteht dieselbeaus zwei aneinander stoßenden 9 Schuh dicken Kreuzgewölben, die gegenMorgen liegen, und in ihrer höchst seltsamen Anlage und Bauart allerdingseiner frühen Zeit und zwar am wahrscheinlichsten der von Friedrich I. (Bar-barossa) anzugehören scheinen, wenigstens mit dem späteren sogenanntengothischen Style nichts gemein haben. Das vordere Gewölbe ist viereckig,das Hintere fünfeckig; in letzterem stehen noch unter andern zwei Säulenvon rothem Sandstein zu beiden Seiten des Fensters, von welchen eine jedeverschiedene seltsame Zierrathen enthält. Unter den beiden oberen Gewöl-ben zieht sich außerdem noch ein unterirdisches Gewölbe mit noch dickerenMauern hin, in welches man durch eine große Oeffnung von oben hinab-schauen kann. In dieser Gruft hat man vor längerer Zeit unter einemMaucrschrank in der 10 Schuh dicken Mauer ein gewölbtes Grab und Tod-lenbeine entdeckt, und daraus geschlossen, daß das Ganze eine Begräbniß-gruft gewesen sei, in welche man wahrscheinlich durch jene Oeffnung dieLeichname hinabzusenken pflegte. Die beiden oberen Gewölbe dienen jetzozu einem Tuchmagazinc, das unterirdische aber zu einem Küchenkeller. Schonseit vielen Jahrhunderten ist diese ehmalige Reichspfalz Privateigenthumgeworden, und der Eigenthümer derselben bezieht noch jetzt eine jährlicheKornrente von der Stadt» Die Bernusische Familie ist gegenwärtig imBesitz des ganzen weitläuftigen Gebäudes, welches dem alten Herkommennach immer noch der Saalhof genannt wird. Einer der Vorfahren dieserFamilie war es auch, der etwa zwei Drittheil davon 1717 neu aufbaute,und dadurch eine weite und reizende Aussicht auf den Strom gewann.

HieOoin- oder St. Aartholomäuskirche, an deren Stelleschon in einer sehr frühen Zeit eine dem Erlöser (Salvator) geweihte Kirchestand, erhielt ihren jetzigen Namen zwar schon 1238, als die Reliquien desheil. Bartholomäus hieher gebracht worden waren, ihre gegenwärtige Ge-stalt und Ausdehnung aber nicht eher, als um die Mitte des 14. Jahr-hunderts. Mit dieser Zeitperiode stimmt auch der edle gothische Styldieser in der Gestalt eines gleicharmigen Kreuzes gebauten Kirche. DieGewölbe der beiden Kreuzesflügel und des Chors haben eine majestä-tische Höhe, und ihre ansehnlich hohen, vormals mit farbigen Scheibengezierten, Fenster geben ihr ein schönes Licht. In ihrem Innern befin-den sich zahlreiche Altäre, die aus verschiedenen Jährhunderten von Für-sten und Privatpersonen herrühren. Sie sind theils von Marmor undanderm Stein, theils von Holz mit schönem Schnitzwerk verziert. Untenden Grabmälern ist das des deutschen Königs Günther, eines gebornenGrafen von Schwarzburg, der bekanntlich 1349 (wahrscheinlich an Gift)in Frankfurt starb, besonders merkwürdig. Diese Kirche war noch vonj den älteren Zeiten her (?) mit zwei unansehnlichen, baufällig gewordenen