^frankkurt am Main.
^ ie Freie Stadt Frankfurt a. M. — die altehrwürdigeWechl-stadt der deutschen Könige und römischen Kaiser, an die sich soviel bedeutukigs-volle geschichtliche Erinnerungen knüpfen, schon frühe die blühende Wohnstättedes Handels und Reichthums, der Kunst und Wissenschaft, der Aufklärungund Freisinnigkeit, gleichsam im Herz des großen deutschen Vaterlandes,überhaupt aber in einer der gesegnetsten Gegenden desselben gelegen — warwohl unter allen Städten Deutschlands die würdigste, ihre glänzendeReihe in diesem deutschen Nationalwerke zu eröffnen. Wir hoffen vondieser herrlichen Stadt in den vorliegenden vier Ansichten — ohne Zweifelden schönsten und inhaltreichsten, die sich geben ließen — ein des Gegen-standes würdiges, getreues und vollständiges Bild gewährt zu haben. Möchtees mir auf ähnliche Weise gelingen, auf diesen wenigen Blättern in derErklärung dieser vier so Vieles enthaltenden Ansichten gewissermaßen dieSchilderung der ganzen Stadt in ihren hervorragendsten Glanzpunctenzusammenzudrängen.
Bon welcher Seite man sich auch der F. St. Frankfurt nähern mag,gewährt sie einen ihrer ehmaligen und jetzigen Bedeutung würdigen' Ge-sammtanblick, den würdigsten und umfassendsten jedoch, wenn man von derHöhe der Sachsenyäuser Warte in die herrliche, von dem Taunusgebirgeumkränzte Thalebene, worin Frankfurt sich weithin ausdehnt, hinabsteigt, oderwenn man sich auf dem sanften Mainstrome der in einer majestätischen Linieaufwärts steigenden Uferstadt nähert. Die Wahl schwebte lange zwischendiesen fast gleich schönen und inhaltreichen Gesichtspuncten, und man ent-schied sich zuletzt nur für den letzteren, weil sich hier die einzelnen Gegen-stände dem Auge deutlicher und vollständiger darbieten. In der That keinBild vermag in höherem Grade die ganze Bedeutung und Eigenthümlichkeitder F. St. Frankfurt zu enthüllen, als diese an Einzelnhciten unendlichreiche Main ansieht. (Mo. 4.) Kein Bild ist zugleich mehr geeignet, umdaran einen historisch-topographischen Ueberblick der ganzen Stadt anzu-schließen. Die Fülle des Gegenstandes erlaubt hier indeß natürlicherweisenur wenige und kurze Andeutungen.
Lassen wir zunächst den überraschten Blick, auf dem Bilde, gleich wiein der Wirklichkeit, über die sanften lichten Wellen des Mains durch dielebhafte Regsamkeit in den vielen Schiffen und Schiffchen im Fluß und amStrande, durch das Gewühl der thätigen Menge an dem Gestade und umdie beiden Krahnen, die lange und bunte Reihe stattlicher Wohnungen, vonden altehrwürdigen Häuptern der Kirchen und andern großen Gebäude übcr-
So freundlich an des Meines schönem Strand»,
So groß in Deines Alterthumes Glanz,
Im guten lieben deutschen Vaterlande,
Koch strahlst Du in der Städte edlem Kranz;
Die Freiheit schirmet Deines Handels Blüthe,
Der Handel hält des Reichthums alten Bau,
Die Religion, die Sittlichkeit, die Elite,
Sie wohnen noch in Frankfurts fteiß'gem Gau.
Und rings herum, ein Echooßkind der Natur,
Bcgränzl die freie Stadt die freie Flur!
ragt, — mit der Schnelligkeit des Blitzes hinauffliegen, um endlich in derernst und fest über den Strom gewölbten Brücke einen kleinen Ruhepunct,keineswegs eine Gränze zu finden; denn noch oberhalb der Brücke drängtsich ein schönes Gebäude an das andere, gleichsam begierig, auf gleiche Weiseder herrlichen Lage zu genießen und ihres Namens: die schöne Aussichtwürdig zu seyn. So endlich von seiner reichen und belohnenden Wanderungzurückkehrend, streift das Auge wie im Fluge über die weniger anziehendelinke Seite des Mains hin, wo ihm die ersten Gebäude von Sachsenhausen,Frankfurts kleinerer Hälfte, entgegentreten.
Es stellt sich hier Frankfurts älteste, ehrwürdigste Vorzeit und zugleichseine jüngste und glänzendste Gegenwart in zauberhafter Mischung dar.Denn in jenem Theile der Uferstadt, der, noch etwas weiter unten, als eshier aufzunehmen möglich war, beginnend, sich mit geringer Tiefe nach derLandseite hin längs des Mains bis auf wenige Schritte oberhalb der Brückehinzieht, war die erste Anlage der Stadt Frankfurt — die uralte Francono-ford — (allem Vermuthen nach, aus den Zeiten der ersten Karolinger stam-mend) enthalten, an die sich erst späterhin in verschiedenen Zeiten die bedeu-tendsten Erweiterungen anschlössen; die erste, nicht wie man früher glaubte,gleich unter dem ersten deutschen König Ludwig dem Deutschen (reg. von84o — 87g), sondern erst im II. Jahrhundert in den Zeiten des erstenAufblühens der deutschen Städte, die zweite und letzte Haupterweiterungaber im 74. Jahrhundert unter dem deutschen Kaiser Ludwig von Baicrn.Seitdem blieb, wenn auch die Stadt späterhin noch in verschiedenen Zeitenim Innern und an den äußern Grenzlinien die bedeutendsten Veränderungenerlitt, der damals mit Mauern, Thürmen, Wällen und Gräben bezeichneteUmkreis im Ganzen immer derselbe. Innerhalb dieses Umkreises war langeZeit der ältere Theil der Stadt, die sogenannte Altstadt, von der ziemlichweitläustig auseinander gebauten und öden Vor- oder Neustadt durchMauern und Thore geschieden, bis endlich diese Ueberreste der Zweitältestenbefestigten Umfangslinie der Stadt um die Mitte und gegen das Ende desvorigen Jahrhunderts vollkommen entfernt wurden; so daß jetzo die freienStraßen durch keine Spur mehr ihre ehmalige Bestimmung verrathen,wenn sie auch (wie die Bornheimer und die Katharinenpforte) noch bis aufden heutigen Tag den Namen Pforten führen.
Seitdem entstanden, besonders in der Neustadt, durch eine Menge neuaufgeführter Gebäude mehrere ausgezeichnet schöne Straßen, wie vor allendie Zeile <M-o. z.), von welcher allerdings einzelne Theile auf der älteren