Druckschrift 
Gothische Holz-Architektur
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

sollten, da ohnehin an eine so kunstreiche Ausbildung des Holzbaues,wie sie in jener Zeit fast allgemein war, jetzt nicht gedacht werdendürfte. Ein grofser Vortheil der älteren Arbeiten liegt auch in derdurchgängigen Anwendung von Eichenholz; diesen Vortheil freilichmüssen wir jetzt entbehren, da man wenigstens zu Balken durch-gängig Föhrenholz verwendet, also das reiche Schnitzwerk an denBalkenköpfen schon mit Berücksichtigung des Materials vereinfachtwerden müfste. Das Charakteristische der älteren Holzbauten beruhtbesonders in der Auskragung der Stockwerke über einander unddarin gerade liegt einestheils die hohe Konsequenz der Ausführung,anderntheils die malerische Wirkung der Gebäude. Wie schon inder Förster'schen Bauzeitung erklärt wurde, hat diese Auskragungdreierlei Nutzen. Erstens Raumgewinnung in den oberen Stock-werken, dann die Möglichkeit, dem an den Balkenköpfen vorkommen-den Hirnholze eine nach unten profilirte, mithin der Witterung wenigerausgesetzte Gestalt zu geben, und drittens den Schutz des Hausesvor dem herabfallenden Regen. Aufserdem aber wird durch dasUeberkämmen der Balken über das Rähm der darunterstehendenWand zugleich eine Verankerung des ganzen Gebäudes erzielt,welche auf die moderne Art, wonach Alles glatt abgeschnitten wird,nicht stattfindet. In dieser Ueberkragung der Stockwerke ist auch,wie die älteren Bauten zeigen, die beste Gelegenheit zur Anbringungreicheren Schmuckes gegeben. In den kommenden Blättern wirddas weiter ausgeführt werden. Was nun die Anordnung der Fensterbetrifft, so müssen bei Holzbau auswärts schlagende Fenster umdeswillen den Vorzug erhalten, weil bei deren Anwendung an demganzen Gebäude nicht eine Stelle vorkommt, wo das Holz dem auf-fallenden Regen eine mehr oder weniger horizontale, mithin amstärksten ausgesetzte Fläche darbietet, und hierdurch verbietet sichjeder reichere Schmuck der Fenster nach aufsen von selbst. Indefskönnte man sich in vorkommenden Fällen hierin eine Abweichungerlauben und einwärts schlagende Fenster anordnen. An den Thüren,bei welchen der oben erwähnte Grund nicht stattfindet und welchedaher nach innen schlagen können, ist schon eher Gelegenheit zurAnwendung mehreren Schmuckes, da namentlich bei breiteren Oeff-nungen, wo über der Mitte der Thüre ein Balken zu liegen kommt,die Anwendung von Knaggen oder Kopfbändern zur Unterstützungdesselben, mithin eine andere als die viereckige Form, geboten ist.Ein sehr wirksamer Schmuck des Ganzen kann durch Ausmauernder Fache erzielt werden, indem man hier durch die Stellung derZiegel zu einander, durch Anwendung farbiger Ziegel oder durchUeberputzen einzelner Quartiere je nach der gewählten Zeichnungeine grofse Zierlichkeit erreichen kann. Sehr weit getrieben ist dieseVerzierungsart an den im sogenannten alten Lande, d. i. in derMarschgegend zwischen Harburg und Stade, vorkommenden älterenBauernhäusern. Man sieht so recht darin, wie jede Arbeit und selbsteine so einfache wie das Ausmauern der Fache, wenn sie mit Liebeund Eifer getrieben wird, einer künstlerischen Ausbildung fähig ist.Fig. 1 zeigt ein Stück einer Fagade eines in Ständerwerk ausgeführtenHauses. Es ist dabei natürlich auf die innere Einrichtung des Grund-risses keine Rücksicht genommen, indem es der alleinige Zweck war,die am häufigsten vorkommenden Theile in der Verbindung zu einemGanzen zu zeigen. Die Ausladung des zweiten Stockes ist nur durchUeberkämmen der Balken ohne Anwendung von Knaggen bewirkt.Nur unter den Stichbalken auf der Ecke ist wegen der durch seineLage bedingten gröfseren Länge ein Knaggen gesetzt. Fig. 2 zeigtden Durchschnitt nach ab. Fig. 3. Das Profil des Ständers, anwelchen die unteren, auswärts gehenden Fenster schlagen. Es isthierbei angenommen, dafs der Ständer auch nach innen zu ohne Be-kleidung ist, so dafs die sonst vorkommende Holzbekleidung durchdie glattgehobelte Fläche des gefaseten Ständers ersetzt ist; dasGleiche gilt hinsichtlich der Riegel. Fig. 4 zeigt das Profil derStänder an den oberen, einwärtsschlagenden Fenstern. Es ist hierbeidie Anordnung einer Zarge sowie der Bekleidung mit Holz nachinnen angenommen worden. Es könnte inzwischen ebensowohl derFlügel gleich an den Ständer schlagen, wie die Linie ab cd zeigt,und dann die Holzbekleidung nach innen wegfallen. Fig. 5 und 6zeigen das Detail der Thür im Auf- und Grundrifs. Fig. 7 ist dasProfil des Eckständers c in Fig. 1. Fig. 8 die Auskragung desStichbalkens auf der Ecke bei d. Fig. 9 die Ansicht der Verzierungdes Eckständers c. Fig. 10 das Profil des Eckständers e Fig. 1.Fig. 11 die Ansicht des ausgekragten Balkens und des Knaggen f vonvorn. Fig. 12 von der Seite. Fig. 13 zeigt die Auskragung desDaches. Fig. 14 den untern Theil der Knaggen in der Ansicht. Fig.15 zeigt die innere Ansicht einer solchen Fachwand und den Durch-schnitt derselben unter der Voraussetzung, dafs Ständer, Rähme undSchwellen etwa 1 Fufs stark, die Ausmauerung der Fache jedoch nurauf einen halben Stein Stärke vorgenommen und die Riegel, so wiesämmtliehes übrige Holzwerk nur um die Putzstärke gegen die Fachevorstehen würden, in welchem Falle die Ständer und Rähme nach innensichtbar glattgehobelt würden und gekehlt werden könnten, die Wand-fläche aber gegen diese zurückliegen und die Fuge zwischen dem Wand-putz und dem übrigen Holzwerk durch Deckleisten a gedeckt würde.Die Brüstung wäre in diesem Falle wohl am besten vollzumauern.

Tafel 13. Verschiedene Thüren zu Holzhäusern. Die Konstruktionderselben geht aus dem vorhergehenden Blatte hervor. Die Schwellenwerden in die Thürständer verzapft und diese stehen entweder inder steinernen Thürschwelle oder, was besser wäre, in einem be-sonderen, auf dieser Schwelle liegenden Sockelstücke. Fig. 1. Eineeinflügelige Thüre. Die Bildung der Ständer ist auf beiden Seitenverschieden gezeigt. Fig. 2. Ansicht von der Seite gegen denStänder bei a. Fig. 3. Profil des Thürriegels bei b. Fig. 4. DieProfile des Ständers a in gröfserem Mafsstabe. Fig. 5. Eine andereVerbindung des Riegels mit dem Ständer und danach gebildete Ver-zierung. Fig. 6. Eine reichere Thür. Fig. 7. Profilirung desStänders. Fig. 8. Detail der Schrift in dem Thürriegel, so wieder Verzierung des Ständers bei a. Fig. 9. Eine Thüre, bei welcherder Thürriegel nach unten ausgeschnitten und mit Mafswerk verziertist. Es erscheint eine solche Bildung, wodurch derselbe geschwächtwird, namentlich bei Anbringung von Fenstern über der Thür be-gründet. Fig. 10. Ansicht von der Seite gegen den Thürständer.Fig. 11. Profil desselben in gröfserem Mafsstabe. Fig. 12. Reicherverzierte Thür, wobei die Ständer auf beiden Seiten verschieden ge-bildet sind, was sich natürlich auf zwei verschiedene Fälle bezieht.

Fig. 13. Seitenansicht des links stehenden Ständers. Fig. 14.Seitenansicht des rechts stehenden Ständers. Fig. 15. Profil deslinks stehenden Ständers. Fig. 16. Profil des rechts stehendenStänders. Fig. 17. Eine reichere Thür mit Fenster darüber. Esist unter allen Bedingungen vortheilhaft, wenn unter jedem Balkensich ein Ständer befindet. Bei Anwendung einflügeliger Thürenkommt dann auch die Thürweite mit der Balkenweite aus, so dafsdie Thürständer unter den Balken stehen. Bei anderen Anordnungendagegen, wie später gezeigt wird, mufs man diese Unterstützung aufanderem Wege erzielen, was gerade zu reicheren Bildungen Anlafsgiebt. Fig. 18. Durchschnitt durch die Mitte von Fig. 17. Fig. 19.Profil des Thürständers bei a. Fig. 20. Profil des Thürständersbei b. Fig. 21. Profil des Thürriegels. Fig. 22. Thür mit zweikleinen Fenstern daneben. Da hier zur Breite der ganzen Anordnungzwei Balkenweiten genommen wurden, so mufste über die Mitte desThürriegels wieder ein Ständer zu stehen kommen, weshalb die An-ordnung der Kopfbänder a stattfand. Fig. 23. Profil bei b.Fig. 24. Profil bei c. Fig. 25. Profil des Thürriegels. Fig. 26.Durchschnitt durch die Mitte der Thür. Fig. 27. ZweiflügeligeThür mit Fenstern darüber. Fig. 28. Durchschnitt durch die Mitte.

Fig. 29. Profil bei a. Fig. 30. Profil bei b. Fig. 31. Profilbei £. Fig. 32. Profil nach d e, worin zugleich die Richtung deroberen Fläche des Thürriegels angegeben ist. Diese Fenster inFig. 17, 22 und 27 sind deshalb nicht mit der äufseren Fläche bündiggelegt, um noch eisernes Gitterwerk davor anbringen zu können.

Tafel 14. Verschiedene zweiflügelige Thüren. Fig. 1. Zwei-flügelige Thür mit Fenstern darüber. Die Anordnung von Kopf-bändern, welche durch den über der Mitte der Thüre befindlichenStänder veranlafst ward, führte auf die Annahme des Rundbogens.Die Ecken zwischen Kopfband, Ständer und Riegel sind durch Holzausgefüllt, hätten jedoch bei einfacherer Ausführung auch ausge-mauert sein können. In vorliegendem Falle sind sie durch ein überdie Fugen laufendes Ornament, welches in Fig. 7 gröfser gezeichnetist, verziert. Es könnte vielleicht naturgemäfser erscheinen, im Holz-bau jedes einzelne Balkenstück für sich zu verzieren und somit inder äufseren Erscheinung deutlicher auszusprechen, indefs lehrt unshier zunächst der Vorgang der Alten, dann aber auch eigenes Nach-denken, dafs nicht ein Hervorheben der Schwierigkeiten der Kon-struktion, sondern die Ueberwindung der Schwierigkeiten der Zweckist, daher denn gar wohl über ihrem Zweck nach ganz verschiedeneKonstruktionstheile, als Ständer und Riegel und Fetten, Knaggen undKopfbänder, ein Ornament ausgebreitet werden mag, wenn dasselbenur in einer Weise gebildet ist, dafs die Ausführung durch diezwischen den einzelnen Stücken befindlichen Fugen nicht allzusehrerschwert wird. Welch' schöne Verzierungen bieten nicht die altenHolzhäuser, die oft über die Ständer und die Fufsbügen geschnittensind, so wie ingleichen die hier angewandte Art der Verzierungrundbogiger Thüren häufig vorkommt. Durch die unter dem Anfangder Kopfbügen eingeschnittenen Achtecke a wird zugleich die Mafs-bestimmung für die verschiedenen Profilirungen an Ständer, Kopf-bügen und Riegel gegeben. Fig. 2 zeigt den Durchschnitt nach b c.

Fig. 3 die Profilirung des Ständers von d bis e. Fig. 4 dieProfilirung des Ständers von f bis g. Fig. 5 und 6 zeigen die ver-schiedenen Achtecke a. Fig. 7 zeigt die Verzierung in den Zwickelnder Bogen. Die Fugen sind angegeben. Fig. 8 und 9 zeigen dasDetail des Ständers bei h und i. Fig. 10 die Verzierung über derMitte der Thüre. Fig. 11 die Verzierung von Ständer und Riegelbei g. Das Profil des Mafswerkes sowie der Vertiefung im Riegel,in welcher die Zettel liegen, ist in Fig. 4 enthalten. In Beziehungauf diese sowie die übrigen Thüren müssen wir die Bemerkungvorausschicken, dass derlei reichere Bildungen sich doch am bestenfür eine Ausführung in Eichenholz eignen. Es ist dies freilich viel-leicht ein Vorurtheil, denn dafs das Tannenholz sehr wohl reichererVerzierung fähig ist, beweisen zur Genüge die reichen Schnitzereien,