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Gothische Holz-Architektur
Entstehung
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ganz anderes Handwerk zu erreichenden Wirkung geben will.Fig. 4. Ein reicheres Beispiel derselben Art. Die Stösse der Bretterwechseln der Breite nach. Der obere Theil ist abweichend von demunteren dargestellt. Oben sind die vorliegenden Dielen ausgekehltund die zurückliegenden bemalt, unten die vorliegenden schlicht unddie zurückliegenden ausgekehlt. Fig. 5 zeigt das Detail der Decke.Die Malerei könnte in der Art ausgeführt werden, dafs das Astwerkin Naturfarbe, die Blätter wechselnd in einem blaueren oder gelberenGrün, je nachdem sie die Vorder- oder Kehrseite zeigen, das Bandweifs mit blauer Kehrseite und der Grund dunkelroth gemalt würde.An dem unteren Brette a würde der Grund hinter der Kehlung rothgemalt werden. Fig. 6 zeigt den Durchschnitt durch die Decke.Fig. 7 den Durchschnitt nach c d in Fig. 5. Fig. 8 zeigt eine Decke,wobei die Fugen durch Deckleisten gesichert sind, welche gegen dasdie Stösse deckende Brett a anlaufen. Fig. 9 giebt das Detail hierzu.Will man die hier gezeigte Bildung des an der Wand herumlaufendenBrettes a in Fig. 9, wonach dasselbe ausgeschnitten ist, anwenden,so macht sich hinsichtlich der Verbindung mit den Deckleistenfolgendes Bedenken geltend. An den Deckleisten kann man, da sienur durchgehobelt werden, reichere Gliederung anwenden, als diesan den Ausschnitten des Brettes a thunlich ist. In der ersten Ab-theilung links ist dieselbe Gliederung auch an dem Brette a herum-geführt, es würde dies inzwischen, besonders bei reicherer mafswerk-artiger Bildung, viel Mühe kosten, sich auch den Linien des Mafs-werks übel anschliefsen. Man könnte daher entweder die in Fig. 10gezeigte, auf der ersten Abtheilung links von Fig. 8 vorkommendeAnordnung beibehalten und den etwaigen Rundstab der Deckleistenin der Kehle der Ausschnitte auflaufen lassen, oder aber die Aus-schnitte nach der in den beiden anderen Abtheilungen gezeigten Artbilden, wobei die Deckleisten nach der Gliederung der Ausschnitte,welche entweder Hohlkehle oder Fasen ist, gerade abgeschnittenwerden können. Die Verzierungen an den Enden der Bretter, welchehier verschieden gezeigt sind, können gemalt sein, desgleichen dasMafswerk des Mittelbrettes b, an welchem nur die Zinnelung ange-schnitten werden müfste, was geringe Arbeit verursacht. Fig. 11giebt den Durchschnitt nach cd in Fig. 9. Fig. 12 zeigt eine Decke,wobei die Stösse der Dielen nach der Länge wechseln und mit Deck-brettern a versehen sind, an welche die Deckleisten anlaufen. Fig. 13zeigt das Detail dazu. Fig. 14 den Durchschnitt nach a b in Fig. 13.

Fig. 15. Eine Decke, wobei die Stöfse nach der Breite wechseln.

Fig. 16 das Detail dazu. Es ist nur die geschweifte Form derDeckbretter geschnitten, der Grund hinter der Verschlingung daraufaber gemalt. Fig. 17. Eine Decke mit überortgenagelten Brettern.Fig. 18. Das Detail dazu. Die mittleren drei Bretter jeder Abtheilungsind in ihrer Mitte zusammengestofsen und die Stöfse durch dieBretter a gedeckt. Die Anordnung der Fugen wird aus der Zeichnunghervorgehen. Die Ausführung in der Farbe könnte in der Weisestattfinden, dafs die Stäbe der Deckleisten b vergoldet und die daranstofsenden kleinen Vasen mit Zinnober angestrichen würden, so wieauch die kleinen Fasen c an den Zacken der Mittelblätter. Die dasBrett a begrenzenden, um die Nasenbildung desselben herumlaufendenFasen würden gleichfalls zinnoberroth und das Laubwerk auf demBrette a in natürlichen Farben aufgemalt. Der Grund der in Fig. 17mit d bezeichneten Verzierung könnte dunkelroth, diese selbst abergolden werden, so wie auch die mittlere Rosette e vergoldet würde.Der Grund / an den mittleren Brettern könnte blau gemalt und dieKehlung darauf bei reicherer Ausführung vergoldet werden, bei ein-facherer in der Holzfarbe stehen bleiben und dann nur am Ende der-selben die Kehrseiten vielleicht roth oder schwarz gemalt werden.Die eigenthümliche Bildung solcher Kehlungen wird noch mehrfachnäher gezeigt werden.

Tafelll. Reichere Decken. Fig. 1. Eine bogenförmige geschalteDecke. Fig. 2. Das Detail der Schalung. Fig. 3. Das Detailbei a. Fig. 4. Der Durchschnitt hierzu. Fig. 5. Eine reicheDecke, wobei durch die aufgenagelten stärkeren Leisten a quadra-tische Felder gebildet sind, welche dann beliebig geschmückt oderauch glatt werden können. In letzterem Falle so wie auch dann,wenn die Verzierung darauf gemalt wird, ist es jedoch rathsam, dieFugen von oben durch Leisten gegen etwaiges Durchfallen des Lehmesder Zwischendecken zu sichern, wenn solche vorhanden sind. Nachder in den Feldern von a bis c gezeigten Weise würden noch sämmt-liche Fugen von unten gedeckt sein, vorausgesetzt, dafs das Mafs-werk in Holz geschnitten und aufgenagelt wäre. Die weiteren Artender Verzierung der Felder gewähren diesen Vortheil nur in demGrade, als die geschnittene Verzierung mehr oder weniger dicht ist.Fig. 6 zeigt den Durchschnitt nach m n. Es ist eine Anordnung vonUnterzügen unter den Balken angewandt, welche mit verschalt sind,so dafs die Decke an den Seiten niedriger als in der Mitte ist.Fig. 7 zeigt, wie die Leisten a sich kreuzen. Die in senkrechter Rich-tung gegen die Balken laufenden a können durchlaufen und die mitden Balken laufenden b daran geschnitten werden. Die Fugen werdendurch die Scheiben c, welche in Fig. 8 in der Seitenansicht, in Fig. 9in der Untersicht zu sehen sind, gedeckt. Fig. 10 giebt das Detailder Verschalung der Unterzüge und zwischen Wand und Decke.

Ungewitter, Gothische Holzarchitektur.

Fig. 11 das Detail der Verzierung des Feldes g. Fig. 12 des Feldes i.Fig. 13 zeigt eine reichere Decke, wobei die Leisten ohne Berück-sichtigung der Fugen nach Art von Gewölberippen aufgenagelt sind.Wenn auch die Fugen auf diese Weise nicht gedeckt sind, so wirddoch durch die häufig vorkommenden Leisten dem Werfen der Brettervorgebeugt. Fig. 14. Eine reichere Verbindung der Decke mitder Wand, wobei die Balken durch Kopfbänder a unterstützt sind,welche in den Laschenhölzern b stehen. An diese Kopfbänder sinddie Schalbreter c der Hohlkehlen, so wie die Leisten d und dashängende Mafswerk e an diese genagelt, und die kleinen Säulchen/können an den Laschenhölzern daran sitzen. Fig. 15 zeigt denGrundrifs dazu.

Tafel 12. Theil eines in Ständerwerk auszuführenden Gebäudes.

Ueber die Anwendung des Holzbaues im Allgemeinen, über seineZulässigkeit, die Vortheile, die er bietet, ist schon so viel gesprochenund geschrieben worden, dafs wir uns jedes nähern Eingehens daraufenthalten können und nur im Allgemeinen bemerken, wie jede Bau-weise gut ist, wenn sie nur gut und richtig ausgeführt wird. Ueber-dem hat die Ausführung von Holzhäusern mit ausgemauerten Fachennoch keineswegs dem massiven Baue überall weichen müssen, sondernfindet in vielen Gegenden Deutschlands, namentlich auf dem Lande,noch sehr häufig statt, nur in einer Weise, die auf die dem Charakterder Holzverbindungen eigenthümliche Ausbildung durchaus keineRücksicht nimmt, indem gewöhnlich die Ständer, Schwellen, Riegel etc.berohrt und dann die ganze Wand glatt geputzt wird, worauf mandann noch für gut findet, die also erzielte glatte Wand mit allerhandgekehlten Brettern, Leisten, ja ganzen Kästen zu benageln, und zumSchlufs als creme des guten Geschmackes in den Putz häufig Fugenzieht oder sie auch nur malt, wobei man in manchen Fällen mit demglücklichsten Erfolge durch richtige Benutzung von Schatten undLicht aus einer also gefertigten glatten Wand sogar sogenanntesbäurisches Werk hervorzuzaubern verstanden hat. Auf diese Weisegelingt es, ein Holzhaus dem äufseren Anscheine nach in ein steinernesumzuwandeln. Warum man ein solches Verfahren einschlägt, istschwer zu entscheiden. Praktische Gründe liegen nicht vor, da imGegentheil die aufgenagelten Simse durch ihre Traufen dem ohnehinauf dem Holze schlecht haftenden Putze gefährlich werden, sogar ofteine Neigung zeigen, sich von dem Putze, auf welchen sie genageltsind, zu trennen, was dann ein Durchlaufen des Regenwasserszwischen Putzgrund und Gesims zur Folge hat. Aber auch dasUeberputzen eines solchen Gebäudes im Ganzen, ohne solche Archi-tekturtheile rechtfertigt sich nicht, denn das Holz steht jedenfallsbesser an der Luft und der Witterung, als der darauf gestrichenePutz, und in den Fällen, wo man die Fache mit einem Materiale aus-setzt, welches eines Ueberzuges bedarf, wie z. B. Lehmkuchen, kannman doch wenigstens das Holzwerk freilassen. Es mufs also durchausein verfeinertes Schönheitsgefühl sein, welches diese raffinirte Aus-führungsweise hervorgerufen hat. Es wird diese Annahme bestätigtdurch die in kleineren Städten häufig vorkommende Verschönerungs-sucht, welche bewirkt, dafs Eigenthümer schöner alter Holzhäuser,die in ihrer früheren Gestallung Jahrhunderte lang gestanden haben,auf einmal dem Zeitgeist zu huldigen glauben, indem sie ihre gutenHäuser mit einem schlechten modernen Gewände versehen und dannWunder glauben, welche ästhetische Bildung sie beurkundet haben.Die Vorgänger in dieser Sucht sind gewöhnlich die Gasthäuser,deren Eigenthümer, sobald sie sich aus guten Wirthen in mittel-mäfsige Hotelbesitzer verwandeln, entweder aus eigenem Antriebe,oder auf Veranlassung irgend eines häufig einsprechenden ästhetischgebildeten Weinreisenden, diese Standeserhöhung auch durch eineentsprechende Umwandlung des Aeufseren ihrer Gebäude beurkundenzu müssen glauben. Hoffentlich aber wird eine Zeit kommen, inwelcher man von einem solchen Verfahren nur als von einer sonder-baren Grille der Vergangenheit sprechen und dem Holzbau da, woer sich, gleichviel durch welche Gründe, empfiehlt, auch in deräufseren Bildung sein Recht widerfahren lassen wird. Ein grofserSchritt in dieser Richtung ist geschehen durch die Ausführung derschönen Baulichkeiten an den königl. hannoverischen Eisenbahnen.Es gewährt eine wahre Erquickung, wenn man aus den angrenzendenLändern kommt und nach den dort ausgeführten pseudogriechischenBauten diese frischen zierlichen Arbeiten findet, welche nur bedauernlassen, dass man diese Bauweise nicht auch auf die Hauptgebäudeder Bahnhöfe angewandt hat, was indefs mehrfach in Harburg undHildesheim auch geschehen ist. Auch hierbei hat uns das Mittelalterdie besten Vorbilder hinterlassen, indem in vielen Gegenden desmittleren und nördlichen Deutschlands, vorzugsweise aber in denHarzgegenden, dergleichen Gebäude von einer überraschenden Zier-lichkeit vorkommen, welche durch Böttchers Holzarchitektur, so wieauch durch den Jahrgang 1845 der Wiener Bauzeitung hinlänglichbekannt sein dürften. Wir versuchten nur in den vorliegendenBlättern nach den daraus abgeleiteten Prinzipien mehrere Entwürfezu geben, welche, wie sich von selbst versteht, hinter den dort vor-kommenden älteren Sachen weit zurückstehen, hier aber einestheilsder Vollständigkeit der Blätter halber nicht fehlen durften, andern-theils aber eine Vermittelung mit den jetzigen Verhältnissen bilden

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