VORWORT.
||\ | lenn schon der massive Bau in unsern Zeiten im Allgemeinen an einerfj] bj grossen Vernachlässigung seines eigenen Wesens leidet, indem man seineLieblingsformen ohne alle Rücksicht auf das Charakteristische des Hand-
werks oder auf das nationale und religiöse Moment auszuführen trachtet, so ist dies innoch höherem Grade beim Holzbau der Fall. Der ist ohnehin den Meisten zu gemein,keiner monumentalen Wirkung, wie es heifst, fähig, und wird darum gar sehr über dieAchsel angesehen, wo möglich vermieden, und wo das nicht angeht, überkleistert undübertüncht, kurz zur Unkenntlichkeit entstellt. Und doch ist das Holz ein im Baueneben so wichtiges Material, als die Steine oder Ziegel, und sollte daher schon dieUeberzeugung seiner Unentbehrlichkeit einem jeden praktischen Baumeister es wünschens-werth machen, dem Holzbau sein Recht widerfahren zu lassen, das ihm Eigenthümlichezu berücksichtigen und ihn in einer künstlerischen Ausbildung zu zeigen.
Wohl stehen an vielen Orten aus Unkenntnifs der Sache entstandene polizeilicheVerordnungen und Baugesetze allen Ausführungen dieser Art im Wege. Da aberdurch eine w T eitere Ausführung der denselben zu Grunde liegenden Inkonsequenz in derSache selbst doch nichts geändert würde, so kann dieselbe hier füglich unterbleiben undnur der Wunsch seinen Platz finden, dafs hierin Vieles anders werden möge, dafs manalle diese unter dem Einflüsse der „Aufklärung" entstandenen Verordnungen allmäligbeseitigen und bei neuen Gesetzen der Art nur auf den Principien fufsen möge, welcheaus der christlichen Zeit und Kunst, der gothischen nämlich, abgeleitet werden können.
Wahrhaft beklagenswerth aber und selbst lächerlich sind die neuen Versuche,Holz in Stein zu verwandeln. Wo man auch die Resultate dieser modernen Alchymieanschaut, ob an Hauptgesimsen, Frontispicien, Säulen etc. und wie die Herrlichkeitenalle heifsen mögen, aus allen ist der Fluch der Lüge ersichtlich, Alles sieht nach kurzertrügerischer Glanzperiode unglaublich gemein und bettelhaft aus. Aber selbst in Fällen,wo man das Holz wenigstens als Holz stehen liefs, ohne es in Stein verwandeln zuwollen, nahm man auf die eigenthümliche Konstruktion, auf die jedem Theile eigeneFunktion, in seiner äussern Form wenig Bedacht, und das geschah, weil man die Motivevon ganz fremden, todten Werken hernahm, weil man doch nicht immer den antikenZopf überwinden mochte noch konnte. Der Holzbau aber, so wie wir ihn brauchenkönnen, gehört ausschliefslich dem Mittelalter an, und es ist daher bei einer jeden Aus-