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Gothische Holz-Architektur
Entstehung
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welche an allen Seeschiffen am Spiegel (dem hinteren Theile desSchiffes) angebracht und der gröfseren Leichtigkeit halber fast immervon Föhrenholz gemacht werden. Man sieht oft sehr künstlich aus-geführte Arbeitender Art, und es wäre sehr zu wünschen, dafs dieseArt der Kunstfertigkeit, welche sich jetzt fast ganz auf den Schiff-bau beschränkt, wieder beim Häuserbau häufigere Anwendung fändeund die da übliche weit schlechtere Verzierungsweise verdrängenmöchte. Kunstfertigkeit darin besitzen die Bildhauer oder vielmehrHolzschneider in den Seestädten genug, und würden sie Gelegenheithaben auch für nähere Anschauung, als dies bei Schiffen nöthig, be-stimmte Arbeiten auszuführen, so läfst sich nicht zweifeln, dafs darindas beste Mittel liegen würde, die hohe Vollendung der mittelalter-lichen Holzarbeiten wieder mit einiger Hoffnung auf Erfolg anzu-streben. Nicht die glatte geraspelte Ausführung, welche heutigenTages an allem Holzwerk vorherrscht, ist beizubehalten, im Gegen-theil könnten alle derartigen Arbeiten mit einem weit geringerenMafse ängstlicher Sorgfalt ausgeführt sein, wenn man nur daran sähe,dass die Hand, welche sie ausführte, eine tüchtige, handwerksge-übte war, und die besitzen so viele Holzschneider, dafs es wirklichschade ist, dafs so viel Geschicklichkeit jetzt ganz brach liegt, oderwo sie einmal benutzt wird, dies öfters in einer Weise geschieht,welche keine Lust zur Nachfolge erregt. Wir werden in einigenspäteren Blättern ein paar ziemlich genaue Kopien alten in Holz ge-schnittenen Laubwerks geben und bemerken nur, dafs die sich darankundgebende flüchtigere Arbeit, abgesehen von ihrer gröfserenWirksamkeit, sich auch vom finanziellen Standpunkte aus empfiehlt,wie das die Erfahrung gelehrt hat. Man mufs auch ja nicht glauben,dafs zur Ausführung jedweder Verzierung allemal ein Holzschneideroder, wie man jetzt fälschlich sagt, ein Bildhauer nöthig wäre, wirhaben wenigstens schon viele Zimmerleute und Tischler kennen ge-lernt, die zur Ausführung ziemlich reicher Verzierungen gar wohlbefähigt waren und sie besser, wenigstens den alten ähnlicher, machenkonnten, als sie manche moderne Bildhauer gemacht hätten. Umnun wieder auf die vorliegenden Blätter zurückzukommen, so be-merken wir noch, wie viele der darin ziemlich reich dargestelltenArbeiten auch einfacher gemacht werden können, wie aus mehrerender gegebenen Blätter hervorgehen wird. Fig. 12. Thüre mitFenster darüber. Zu einer weiteren Auszeichnung der Thüre mages gereichen, wenn man, wie hier geschehen, die die Thüre um-schliefsenden Profilirungen gegen die Flucht des Hauses vortretenläfst. Es hat eine derartige Bildung freilich keinen bestimmten Zweck,da man aber möglicherweise auch einmal ein stärkeres Stück Holzzu verwenden haben kann, so würde es schade sein, die grössereStärke wegzuschlagen, und es liegt näher, selbe zu benutzen, um derganzen Thüre ein zierliches Ansehen zu geben. In vorliegendemFalle ist diese gröfsere Stärke auch über die Ständer zu beiden Seitendes Fensters fortgesetzt und fafst bis unter die Balken (siehe a inFig. 13), so dafs also für diese Ständer die etwa sonst angebrachtenKnaggen unter den Balken wegfielen. Die Fugen sind, wie die Figurerweist, in der Weise angeordnet, dafs die Profilirungen rechtwinkeligdurchschnitten werden. Indefs braucht man, wie vielfache alte Bei-spiele zeigen, bei Anwendung von Eichenholz hierin nicht so ge-wissenhaft zu sein, vorausgesetzt, dafs dasselbe so trocken ist, dafskein Auseinandergehen der Fugen zu befürchten ist. In letzteremFalle aber ist, wie schon bemerkt, immer die rechtwinkelige Durch-schneidung vorzuziehen. Fig. 13 zeigt den Durchschnitt durch dieMitte der Thüre. Fig. 14 den Grundrifs der Thürständer von a bis b. Fig. 15 von b bis c. Fig. 16 das Profil bei d. Fig. 17 dasProfil bei e. Fig. 18 das Profil bei /. Fig. 19 das Profil bei g.In Beziehung auf die Thüre bemerken wir noch, wie die Fortführungdes Vorsprungs des Gewändes über die Ständer bis unter die Balkenauch hätte vermieden werden können und dafs die wimpergenartigenGesimse bei g mit einem in einer Spitze auslaufenden Knaufe schlielsenkönnten.

Tafel 15. Thören. Fig. 1. Zweiflügelige Thüre mit Fenster dar-über. Der Thürriegel ist nach sich durchkreuzenden Kreisstückengebildet, wobei, um in den Ecken a nicht zu viel wegzuschneiden,hier die kleinen Kreise darangelassen sind. Die Anordnung derFugen wird aus der Zeichnung deutlich. Fig. 2 zeigt den Durch-schnitt hierzu. Fig. 3 den Grundrifs der Ständer und die Untersichtdes Thürriegels. Fig. 4 den Grundrifs der Ständer zu beiden Seitendes Fensters. Fig. 5 den Durchschnitt nach b c. Fig. 6 das Profilbei d. Fig. 7 den Grundriss bei e. Fig. 8 die Ansicht hierzu.Fig. 9 zeigt eine reichverzierte einflügelige Thüre. Es ist dabei diegothische Anordnung mit Fialen und Wimpergen zu Grunde gelegt,inzwischen von der bekannten Roriczerschen Bestimmung, welchederlei Bildungen zu Grunde gelegt werden soll, bedeutend abgewichen,zunächst in den Dimensionen, dann aber auch in der ganzen Anlage.Die Abweichung hinsichtlich der Dimensionen geschah besonders mitRücksicht auf die gewöhnliche Holzstärke und dadurch bedingt sichdenn auch eine Abweichung in der ganzen Anlage. Für beiderleiBildungen könnten indefs an mittelalterlichen Holz- und MetallarbeitenAutoritäten aufgeführt werden. Die Mafsbestimmung in vorliegen-dem Falle ist folgende. Die Breite des Fialensockels a b ward als

Einheit angenommen und beträgt dann die Distanz von einem Fialen-mittel bis zum anderen etwas über die sechsfache Breite a b. DieFiguren 10, 11 und 12 erweisen nun die weitere Bestimmung desGrundrisses der Thürgewände und deren Wimpergen, indem nämlichin Fig. 12 cde den Grundrifs der Wimpergen abgiebt, desgleichensind die Höhendimensionen aus dem Grundrifs bestimmt und wollenwir hier nur die Normirung der Fialenhöhen besonders angeben; denGrundrifs des in Fig. 9 mit f g bezeichneten Fialenleibes giebt inFig. 12 fg h in gröfserem Mafsstabe. Nun ist zur Höhe des Fialen-leibes von h bis i die dreifache Breite f h in Fig. 12 und zur Höheh k die sechsfache Breite f h genommen, m n in Fig. 12 giebt danndie Höhe k l in Fig. 14, wo l o die Hälfte von n o in Fig. 13 ausmacht;die Distanz von x bis y, von y bis z, von s bis z' beträgt die Breitef g in Fig. 12. Alles Uebrige wird aus der Zeichnung verständlichsein. Fig. 10, 11 und 12 zeigen die Grundrisse der Fialen und Fialen-säulen. Fig. 13 zeigt die diagonale Ansicht einer der Fialensäulen.

Fig. 14 die Ansicht einer Seite der Fiale. Fig. 15 die Mafswerk-verzierung oberhalb der Wimpergen. Fig. 16 den Grundrifs dazu.

Fig. 17. Ein sphärisches Dreieck mit Nasen verziert, in der Weise,wie solche an alten Arbeiten ausgeführt vorkommen. Fig. 18 zeigtdas Profil nach p q. Fig. 19 das Profil nach r s in Fig. 9. Fig. 20das Detail von t bis u in vierfacher Gröfse. Fig. 21 eine derBlumen x. Es mufs nun noch bemerkt werden, dafs die Anwendungsolcher reicheren Thüren keineswegs blofs auf den Fachwerksbaubeschränkt ist, sondern dafs sie sich auch sehr wohl in Verbindungmit Ziegel- oder selbst Bruchsteinmauerwerk, sowie zu inneren An-ordnungen eignen. Namentlich beim Ziegelbau, wo man in mancherHinsicht das Holz zu Hülfe nehmen mufs, würde bei beabsichtigtemgröfseren Reichthum eine solche Anlage gerechtfertigt erscheinen,da man ohnedem die Thürzargen von Holz macht und daher eine derhier gezeigten Thüren nur als eine reichere Zarge zu betrachten wäre.

Tafel 16. Einfahrtsthore. Es ist dabei im Grunde nichts zu be-merken, was nicht schon hinsichtlich der Thüren gesagt wäre, nurdafs durch die gröfsere Weite eine sorgfältigere Unterstützung derdarüber befindlichen Last bedingt wird. Fig. 1. Die Ansicht einessolchen Thors, wobei der Riegel durch Unterzug und Kopfbändergestützt ist. Fig. 2. Der Grundrifs der Ständer des Unterzugs undder Kopfbänder. Fig. 3. Der Grundrifs bei ab in Fig. 1. Fig. 4.Das Detail des Laubwerks in dem Riegel. Fig. 5. Ein Thor,welches durch die Kopfbänder einen halbzirkelförmigen Schluss zeigt.

Fig. 6. Grundrifs der Ständer. Fig. 7. Ansicht von der Seitedagegen. Fig. 8. Ein reicher verziertes Thor mit Fenster darüber.Die Konstruktion ist aus der Zeichnung ersichtlich. Am besten würdees sein, die Figur über der Mitte aus dem da befindlichen Ständerherauszuschneiden, inzwischen könnte sie auch vorgesetzt sein.Der Knaggen darunter ist angenagelt. Fig. 9. Der Grundrifs derStänder und der Kopfbügen Fig. 10. Die Mitte des Thorbogensin gröfserem Mafsstabe. Fig. 11. Das Profil ab. Fig. 12. DieVerzierung in dem Unterzug. Fig. 13. Das Profil des Knaggenunter der Figur. Fig. 14. Ein reichverziertes Thor. Die Kopf-bänder sind von geringerer Stärke als der Riegel und die Ständer.

Fig. 15. Der Grundrifs der Ständer und des Riegels. Fig. 16.Der Grundrifs der Kopfbänder. Fig. 17. Ansicht von der Seitegegen den Ständer.

Tafel 17. Ueberkragungen von Stockwerksgebälken. Schon obenist darauf hingewiesen, welch reicher Verzierung solche Anordnungenfähig sind und wie darin der hauptsächliche Schmuck des Holzbaueszu suchen sei. Sämmtliche daran vorkommende Theile sind derreichsten und durch ihren verschiedenen Zweck bedingten mannig-faltigsten Ausbildung fähig, inzwischen läfst sich schon bei ganz ein-facher Behandlung durch die leicht zu erzielende Bemalung des Füll-brettes ein lustiges Ansehen gewinnen. Es sind auf vorliegendemBlatte keine ganz einfachen Beispiele gegeben worden, besondersdeshalb, weil diese sich aus den reichern ohne Mühe ableiten lassen.So würde in Figur 1 und 2 durch einfache Profilirung der Knaggenund Balkenköpfe und Abfasung der Schwelle, wobei immerhin dasFüllbrett bemalt sein könnte, eine ganz einfache Bildung erzeugt.Die Füllbretter eignen sich schon deshalb zur Bemalung, weil sievermöge ihrer Lage der Witterung weniger ausgesetzt sind. Hierwie in allen angeführten Fällen sind jedoch vorzugsweise reine Farben,Kobalt, Zinnober, ein leuchtendes und ein tieferes Grün, Rothbraun,Schwarz, Weifs zu wählen. Sehr gut nimmt sich in der Ausführungeine derartige Behandlung aus, dafs die Zeichnung und der Grundnur in verschiedenen Tönen der gleichen Farbe, die jedoch, besonderswenn der Grund nicht vertieft ist, nicht zu wenig von einander ab-stechen dürfen, angelegt sind. Die Zimmerarbeit braucht schon wegender Entfernung solcher Theile vom Auge nicht mit der Aengstlich-keit und Glätte ausgeführt zu sein, welche die neuern Arbeiten cha-rakterisirt, und es liegt gerade eine Hauptursache des Reizes derältern Arbeiten in der kecken, gleichsam skizzirten Ausführung derältern Arbeiten. Es können die hier gegebenen Beispiele nur zurück-stehen gegen die ältern der Art, welche schon um deswillen besserwerden mufsten, weil sie gleichsam in Holz entworfen wurden, wasnatürlich noch auf viele die gröfste Zierlichkeit zeigende Einzel-