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Tafel 5.
Verschiedene Arten Bandgesimse für Ausführung in Backsteinen.
Die Construction von Fig. 1 bis 13 geht aus den Zeichnungen her-vor. Am geeignetsten erscheint ein Bandgesims da, wo ein verzierter Friesdarunter angebracht ist, indem es dann, besonders wenn es stark unter-schnitten ist, eben zum Schutze dieses Frieses dient. Auf sehr verschiedeneWeise kann man im Ziegelbau diese Friesverzierungen bilden und bietenhierfür die alten Werke eine reiche Auswahl der schönsten und zierlichstenBeispiele. Die einfachste Art ist die in den Figuren 15 bis 26 gezeigte,wobei man beim Aufführen der Mauer nur eine Vertiefung Imno Fig. 17mauert. Dann wird der Grund der Vertiefung 2 bis 3 Zoll stark geputztund in diesen Putzgrund die eigens dazu geformten Steine, wovon dieFig. 15 bis 26 verschiedene Beispiele zeigen, hineingedrückt. Die inFig 15, 20 u. 22 mit c bezeichneten Stellen werden in den Steinen ver-tieft ausgeschnitten und dann gewöhnlich in einer Flucht mit der Ober-fläche weiss geputzt. Man hat hierbei natürlich darauf zu sehen, dass ausserdem Halt, welchen die Steine durch den Putzgrund erhalten, sie sich auchunter einander verstreben, so dass der Putz sie nur vor dem Herausfallensichert, sonst aber ohne Mörtel gegen einander gestellt, sie gleichfalls sichhalten könnten. An den alten Werken sind diese Steine fast immerschwarz glasirt und gewinnt das Mauerwerk so durch den Contrast derschwarzen Glasur gegen den weissen Putz und dann wieder gegen die rotlieFarbe der Ziegel eine prächtige Farbenwirkung. Es eignet sich diese Artauch zur Verzierung ganzer Flächen, wie Giebelfelder, Bogenfelder etc.,und braucht man keine grosse Rücksicht darauf zu nehmen, dass man mitder Grundform der Verzierung gerade auskommt, im Gegentheil gewinntdie Sache an Mannigfaltigkeit, wenn einzelne Figuren abgebrochen er-scheinen, wie die Felder ff in Fig. 22. Der Anblick älterer Ziegelbautenbeweist zur Genüge, welcher Reichthum der Formen, welche kräftigeWirkung sich auf diese so einfache Art erzielen lässt.
Fig. 24 zeigt ein reich verziertes Band. Das Motiv der inneren Ver-zierung ward der Burg in Lübeck entnommen. Dort ist der ganze Friesnoch weit reicher ausgeführt. Es sind nämlich daselbst statt der hier inden Mittelfeldern mit s gezeichneten gemauerten Kreuze die Figuren desThierkreises etwa in derselben Hauptform eingemauert und statt der in denoberen und unteren Feldern befindlichen halben Kreuze verschiedene Köpfe,welche an der Vorderseite mattrotlie Platten von gebranntem Ton verzieren,aber nur in den Putzgrund eingesetzt sind, und dann bei x auf den dieFelder abtheilenden Steinen t stehen, angebracht.
Statt der hier gezeichneten Nische, welche mit ihrer Krönung dieobere Linie des Gurtgesimses unterbricht, sind dort reiche Nischen mitHeiligenbildern und Fialen zu beiden Seiten mit Weinranken darüber vongebranntem Thon. In der vorliegenden Zeichnung ist der Gegenstand be-deutend vereinfacht und in dieser Gestalt sehr leicht und wohlfeil aus-zuführen. Der Grund der Nische kann hier entweder auch geputzt werden,wo alsdann der darin befindliche Bogen mit den Nasen aus freier Hand ge-putzt werden müsste, oder das ganze Feld kann von gebranntem Thon ge-macht werden, in welchem Falle man ihm jedoch eine reichere Gestaltunggeben könnte, wie es sich auch zur Bemalung sehr gut eignen würde.
In dem Felde v ist hier schon eine ganz einfache Art der Bemalungangegeben.
Fig. 25 zeigt den Durchschnitt nach a b durch die Nische.
Fig. 26 den Durchschnitt eile f. Die Construction des Ganzen, so wiedie Gestalt der zu verwendenden Formsteine geht aus der Zeichnung hervor.
Eine noch leichtere Art der Verzierung bietet sich durch die Malereiund kann man sowohl Friese, als ganze Flächen in dieser Weise behandeln.Es braucht nicht erst erwähnt zu werden, dass eine solche Bemalung alfresco geschehen müsste, da jede andere Art zu vergänglich ist. Wappen-schilder mit den Decken, Spruchbänder mit farbigem Grund und farbigerKehrseite, ganze Figuren, Laub- und Mooswerk bieten eben so mannigfaltige,als schöne Motive hierzu dar. Wenn man bedenkt, was für schöne herr-liche Sachen in dieser Weise noch gemacht werden könnten und leiderhauptsächlich deshalb nicht gemacht werden, weil es nicht Mode ist und dieHandwerker nicht darauf eingerichtet sind, wenn man überhaupt sieht, wiein jedem Bauwerk die alte schöne Weise verlassen worden ist, um modernemPlunder zu weichen, so kommt man leicht zu der Ueberzeugung, dass ent-weder die ganze jetzige Kunstrichtung verlassen, und wieder das Studiumdes Mittelalters begonnen werden muss, oder dass die Kunst überhaupt indie jetzige Zeitlichtung nicht mehr passt und als etwas dunklen Jahr-hunderten Angehöriges betrachtet werden muss.
Kehren wir zu unserem Gegenstande zurück, so bemerken wir, dassman auch durch grössere Platten von gebranntem Thon solche verzierteBänder bilden kann und zwar so reich, als irgend nur möglich. Man mussnur darauf sehen, dass die Platten nicht zu gross werden, indem sie sicheinestheils dann schwer brennen lassen, anderntheils auch durch den Frostleicht springen. Die Grössen, welche hier in Fig. 27 bis 37 angenommensind, sind ziemlich dieselben, wie dergleichen Verzierungen an dem schönenalten Holstenthor in Lübeck vorkommen, die den Vortheil einer langenErfahrung für sich haben. Es ist bei solchen Platten sowohl der längerenDauer als der gleichmässigen Farbe halber zweckmässig, sie zu glasiren.
Tafel 6.
Verschiedene Arten Hauptgesimse.
Die Hauptgesimse sind sehr wichtige Gebäudetheile, das hat man auchzu jeder Zeit gefühlt und daher auf die Formenbildung derselben zu allenZeiten und besonders in der jüngst vergangenen die grösste Sorgfalt ver-wendet. Man ist soweit gegangen in diesem künstlerischen Eifer, dass manan gewöhnliche, auf Speculation gebaute Privathäuser Gesimse gesetzt hat,die den berühmten florentinischen und römischen an beabsichtigtem Reich-thum und Mannigfaltigkeit nicht nachstehen. Wenn nun dieser Effect, derin Italien erreicht wurde, hier verloren ging, so liegt das wohl nicht ander minderen Schönheit des Nachgebildeten, als vielmehr daran, dass inItalien Alles mit der ganzen Constructionsweise übereinstimmt, hier inDeutschland aber, wie jeder praktische Baumeister sich wird gestehen
müssen, das nur mit grossen Schwierigkeiten und durch die verschieden-artigsten Künsteleien möglich wird. Zuerst richtet man sich in jetzigerZeit beim Entwurf eines Hauptgesimses durchaus nicht nach dem zu Gebotestehenden Materiale. Man hat seine Ideale vor Augen, die meistens denoben angeführten oder gar den griechischen Tempelgebäuden entnommensind, und diese sucht man um jeden Preis zu erreichen. Nun stehen demaber wesentliche Schwierigkeiten im Wege. Einestheils hat man in denoberen Stockwerken fast nie mehr eine genügende Mauerstärke, um miteiniger Sicherheit ein seiner ganzen Bildungsweise nach notliwendig weitausladendes Gesims hinaufzulegen, anderntheils aber sind die Baumeisternicht in allen Gegenden so beglückt, Sandsteinplatten von den erforder-lichen Dimensionen zu einem Preise, der ihre Verwendung ermöglicht, zuGebote stehen zu haben. Eine fernere Schwierigkeit bei Anbringung derHauptgesimse ist die, dass man selten über den obersten Fenstern eine aus-reichende Höhe zur Anbringung derselben hat. Da hat man sich denn ge-holfen, die Brüstungsmauer höher geführt und das Hauptgesims dann ineiner ganz willkürlichen Höhe angelegt; das mag in decorativer Hinsichtzuweilen wohltliätig sein, dass aber durch dergleichen willkürliches Ver-fahren jede Bedeutung der Arcliitectur verloren geht und es daher dochnatürlich wäre, wenigstens zu versuchen, ob man nicht auf anderem Wegeauch zum Ziele und dann zu einem höheren, weil in der Wahrheit be-gründeten, gelangen kann, ist einleuchtend. Den Uebelständen hat diemoderne Technik abzuhelfen gewusst. Man mauert auf die Gesimse hinaufeine Attika oder gar ein ganzes Stockwerk und ist die letztere Anordnungnoch die vorzüglichere, weil ein Stockwerk mehr doch etwas wirkliches ist,während es jedenfalls eine sonderbare Idee bleibt, nur um ein solches weitausladendes Gesims herzustellen, eine Mauer noch hinauf zu setzen. Aberda hat man auch noch ganz andere Auskunftsmittel. Man lässt die Balkendurch die Mauer gehen, nagelt vorn Latten an dieselben und putzt dasGesims daran, oder man fertigt das ganze Gesims von gehobelten Tannen-brettern, oder man beschlägt diese noch mit Kupfer- oder Zinkblech, unddas alles, um eine Sache herzustellen, die für uns gar keine Bedeutung hat.In Italien, wo der Regen fast immer senkrecht fällt, gewährt ein solchesGesims immer einigen Schutz für's Haus. Das ist aber in Deutschlanddurchaus nicht der Fall. Bei uns fallt er fast immer unter einem mehroder weniger spitzen Winkel und kann deshalb ein noch soweit ausladendesGesims nur einige Fuss unterwärts Schutz gewähren. Da nun derobere Theil eines Gebäudes durchaus keine grösseren Ansprüche auf einensolchen Schutz hat, als der untere, so entbehren die weit ausladendenGesimse für uns jeder Bedeutung. Dadurch aber, dass man in den meistenGegenden die Gesimse von Holz macht und dann wie Stein anstreicht, legtman schon das Geständniss ab, dass Holz sich eben am besten für solcheConstructionen eignet. Warum aber, wenn man es doch einmal anwendet,es nicht sehen lassen? Gerade die dem Holze angemessene, schon durchdas Dach bedingte Construction führt auf die verschiedenartigsten undreichsten Gestaltungen. Der Gegensatz der braunen Holzfarbe zu dem Ton derMauer ist dem Auge wohltliätig. Man hat Gelegenheit, es durch Malereizu verzieren, indem man nicht einmal Fresko braucht, sondern hier, wo dieFarben geschützt liegen, mit gewöhnlichen Leim- oder Oelfarben ausreicht.
Fig. 1 giebt ein Beispiel eines hölzernen Gesimses im Durchschnitt,
Fig. 2 die Ansicht, und Fig. 3 die Ansicht mit Hinweglassung vonDach und Rinne. Die Rinne ist vor die Köpfe der Aufschieblinge vor-gehängt, was unter allen Verhältnissen die bequemste Art, sie anzubringen,ist. Freilich hat man in neueren Zeiten einen solchen Abscheu vor denRinnen bekommen, dass man sie selbst um den Preis eines Leckes versteckt.Es wird sich dieser Abscheu wohl auch einmal wieder legen, denn wenndie Gesimse darnach eingerichtet sind, so kann eine solche vorgehängteRinne unter Umständen von sehr guter Wirkung sein. Die Mauer ist hiermit dem Sandsteinband a in Fig. 1 geschlossen, über dieses fassen dann dieBalken, deren Köpfe ausgeschnitten sind, wozu die alten Holzbauten dieverschiedenartigsten Motive gewähren. Der Raum zwischen den Balken istdurch Füllbretter b, die bemalt worden können, geschlossen. Eben sokönnen die Balkenköpfe gemalt werden und hat hier der Farbenüberzugeinen wirklichen Nutzen, da er das Hirnholz schützt, während beim Lang-holz kein solcher Schutz nöthig ist. Sämmtliche auf diesem Blatte gezeigtenProfile sind aus geraden Linien und Zirkelschlägen construirt und geht dieNormirung der Construction bei den meisten aus dem gezeichneten Schemahervor. Es ist hier nicht am Platz, diese Construction weitläufiger zuerörtern. Wir werden hier nur in einzelnen Fällen näher darauf eingehenund bemerken dabei, dass diese geometrische Construction für Den zu ent-behren ist, der ihrer so ganz Herr, dass er Alles von selbst in die geo-metrischen Maasse bringt.
Fig. 4 u. 5 zeigen ein einfaches Gesims mit vorgehängter Rinne. Eshat das Vorhängen der Rinne noch den Vortheil, dass es das Anbringender Rohre erleichtert.
In den Fig. 6 u. 7, dann 8 u. 9 sind noch verschiedene reichere Ge-simse mit anderen Anlagen der Rinne gezeigt.
In Fig. 10 ist ein Gesims dargestellt, dessen Hohlkehle mit einzelnstehenden Blumen verziert ist, eine Art der Verzierung, die sehr leicht aus-zuführen und oft von sehr guter Wirkung ist, nur müssen diese Blumenrecht weit vor dem Grund der Hohlkehle vorstehen, was sich auch durchdie zu diesem Behufe stehen bleibenden Posten von selbst ergiebt.
Fig. 11 zeigt den Durchschnitt, Fig. 12 eine Ansicht der Blumen.
Fig. 13. Ein Gesims, dessen Hohlkehle mit einzeln stehenden Blätternverziert ist.
Fig. 14. Das Profil; hier wurde der Durchschnitt des Blattes weg-gelassen, um die Constructionslinien zu zeigen.
Fig. 15. Die Ansicht des Blattes.
Fig. 16, 17, 18, 24 u. 25 zeigen verschiedene Arten von Gesimsen.Wo Verzierungen vorkommen, sind sie immer so vorgerichtet, dass sie sichsehr leicht ausführen lassen.
Fig. 19 zeigt ein weiter ausladendes Gesims, dessen Platte auf Krag-steinen ruht, deren Bildung aus dem Profil Fig. 20 hervorgeht. Der Krag-stein auf der Ecke ist hier stärker und anders gebildet, als die übrigen.Aus der Vergleichung von Fig. 22, dem Grundrisse des hier gezeigtenKragsteins, und Fig. 23, der gewöhnlichen Art, die Kragsteine um die Ecke
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