10 Buch, 2 Kap. 76
5. Z-i. Der bisher betrachtete Zeitpunkt dergriechischen Kunst unter den nächsten NachfolgernAlexanders des Großen endiget sich in derhundert und vier und zwanzigsten Olympias, inwelcher diese Könige/ nämlich/ PtolemäuS derErste von Ägypten/ SeleukuS von Syrien, Lnfi-machnS von Thracien/ und Ptolem äu s Cerau-nus von Makedonien/ mit Tode abgegangen wa-ren/ wie ich oben angezeiget habe. In der folgen-de» hundert und fünf und zwanzigstem Olympiasgeschah eS/ daß durch eine Verbindung/ die wenigeunbeträchtliche Städte in Griechenland machcten/entftrnterweise der Grund geleget wurde zu einerneuen und verschiedenen Gestalt von Griechenland/durch welche zulezt die eingeschläferte Kunst wieder-um crwekct wurde. Die Griechen erfuhren damals/was öfters in menschlichen Umständen zu geschehenpfleget/ daß das Übel, wen es auf das Äusserste ge-stiegen ist/ ein Keim deSHeils werden kan, so wie diezu stark gespannete und zersprungene Saite einerVioline einer anderen Saite Plaz machet/ die mitmehr Behutsamkeit angezogen und harmonisch ge-stimmet wird.
§.33. In Griechenland/ das von seinem ehe-maligen Flore sehr abgefallen/ war die alte Verfas-sung durch das Übergewicht der Macedonier derge-stalt verändert worden/ daß sogar Sparta/ wo dieölte Regirung bis zu dieser Zeit au vierhundertJahre unverändert geblieben war/ nach der Schlachtbei Leuktra eiue andere Gestalt bekommen hatte. Dennachdem der spartanische König Kleo inen es/ we-gen seiner despotischen Absichten/ aus seinem Va-tcrlandc nach Ägypten hatte flüchtig werden müßen/regireten die Ephori allein, die aber in einem Auf-stoiide nach dem andern mehr als einmal ermordet