Druckschrift 
9 (1825)
Entstehung
Seite
62
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62 Versuch

viele Begriffe durch eben so viel Zeichen in einereinzigen Figur zu vereinigen/ wie die Gottheitensind/ die man Panthei nennet, welche die Attri-bute aller Götter beigeleget haben. Die Einfaltist in Allegorien wie Gold ohne Zufaz/ und derBeweis der Güte derselben/ weil sie alsdeu Vielmit Wenigem erklären; wo das Gegentheil geschie-het/ ist es mehrentheilS ein Zeichen undeutlicherund unreifer Begriffe. Die beste und vollkommensteAllegorie eines Begriffes oder mehrerer/ ist in einereinzigen Figur begriffen und vorzustellen: den als-den ist diese in allen möglichen Fällen anzuwenden.Es ist aber dieses schwer/ ja in den mchresten ver-längeren Bildern unmöglich. Die Sehnsucht nachdem Vaterlands ist ein edleS Bild in der Figur desUlysses/ welcher den inJthaka aufsteigenden Rauchvon ferne zu sehen wiinschete; dieser Held ist ausalten Werken kentlich zu machen/ aber dieser Begrifist nicht in dessen Figur allein zu bilden.

§. 62. Durch die Einfalt entstehet die Deut-lichkeit/ welche jedoch verhältnißweife zu nehmenist/ und man kan nicht fordern / daß einem ganz un-gelehreten Menschen ein Gemälde bei dem ersten An-dlike völlig verständlich werde. Deutlich aber wirddas allegorische Bild fein/ wen eS eine nahe Bezie-hung auf das Abzubildende hat/ wie ein Paar weisseRüben sind / die Guido in feiner schönen küssendenMagdalena im Palaste Barberini angebrachthat/ ihr strenges Leben zu bezeichnen.

§.63. Lieblich sollen die Bilder sein/ demEndzweke der Kunst gemäß/ welche zu ergözen undzu belustigen suchet. Die Lieblichkeit aber bestehetin der Wahl solcherBilder/ die nichts Unanständiges/Häßliches und Fürchterliches haben/ und es sollüberhaupt beobachtet werden^ was in der Geschichte