22
Versuch ^
nenner derselben mit den Worten verbunden ha-ben. Das Geschlecht zeuget von einer Betrachtungder wirkenden und leidenden Beschaffenheit/und zugleich des' Mittheilens und des Empfan-gen 6/ welches mau sich verhältnißweise in den Din-gen vorgestellet/ so daß das Wirkende in mäuli-cher Gestalt/ und das Leidende weiblich einge-kleidet worden. Die Sonne hat in den altenund in den mehresten neuen Sprachen eine man«liehe Benennung/ wie der Mond eine weibli-che/ weil dort Wirkung und Einfluß erkantworden/ hier aber Annehmen und Einpsängniß;und daher haben Ägrpter/ Phönicier/ Perser/ Herru-rier und Griechen die Sonne m änlich/ und denMond weiblich gebildet. In der deutschen Spra-che ist in beiden Worten daS Gegentheil/ wovon ichden Grund anzugeben Andern überlasse. So schei-net Gott/ der Tod/ die Zeit uud audere Be-griffe/ mit dieser Betrachtung des Wirkens und Ein-flusses in den alten Sprachen mänlich benennerznsein. Die Erde hat eine Benennung weiblichenGeschlechtS/ und ist in weiblicher Gestalt gebildet/weil dieselbe den Einfluß deS Himmels nnd dieWitterung empfängt/ und nur durch Mitthei-lung wirket. ES ist also hieraus zu schließen/ daßdie ältesten Zeichen der Gedanken muthmaßlich bildli-che Vorstellungen derselben gewesen.
Unter den Ägyptern/ welche/ wie die Grieche»sage»/ die Allegorie erfunden haben/ war dieselbe all-gemeiner als nnter andern uns bekanten Völkern/und sie hieß ihre heilige Sprache/ in welcher dieverständlichen Zeichen/ das ist: die Bilder der Din-ge/ die ältesten scheinen. Diese Zeichen aber habe»sich nur in Schriften späterer Zeiten angemerket er-halten/ und finden sich, so viel man einsehen kan/nicht auf ihren alten Denkmalen/ als welche/ wie