Druckschrift 
9 (1825)
Entstehung
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Versuch

dichtete Bilder haben, das ist/ sie soll die Ge-danken persönlich machen in Figuren. Die eigent-liche Bedeutung des WortS Allegorie, welches dieälteren Griechen noch nicht kanten, ist: etwas sa-gen, welches von dem, was man anzeigenwill, verschieden ist, das ist: anders wohinzielen, als wohin der AuSdruk zu gehenscheinet, auf eben die Art, wie weil ein Vkrs ei-nes alten Dichters in ganz verschiedenem Verständeangewendet wird, In folgenden Zeiten aber ist derGebrauch des Worts Allegorie erweitert, und manbegreifet unter Allegorie alles, was durch Bilderund Zeichen angedeutet und gemalet wird; in sol-chem Verstände hat HeraklideS PonticuS in derAufschrift seiner Abhandlung von den Alle-gorien des Homerus i) dieses Wort genommen,und dieser Bedeutung zufolge ist die Abhandlung ei-ner Allegorie eben daS/ was andere Jkonologienennen.2)

Z. 20. Ein jedes allegorisches Zeichen und Bildsoll die unterscheidenden Eigenschaften der bedeutetenSache in sich enthalten, und je einfacher dasselbe ist,desto begreiflicher wird es, so wie ein einfaches Ver-größerungsglas deutlicher als ein zusammengesezetes dieSachen vorstellet. Die Allegorie soll folglich durch sichselbst verständlich sein, und keiner Beischrift vonnötheirhaben; es verstehet sich jedoch diese Deutlichkeit ver«hältnißweise. Dieses ist der allgemeine Begrif von derAllegorie und von ihrer erforderten Eigenschaft, unddiese sowohl als jene werden in diesem Kapitel deut-licher erkläret/ so daß zuerst von der Allegorie

ahmung verschieden wüven:

(plutarck. gloria c. Z.) Lessing»

1) ^Denkmale, 8 Band/ S. 470.1

(Üvnt. 8cal!ß. xoet. l.Z. c. 5).