Beilage i. zur Seite 89.
Die alte Kunst bat uns Faune von verschiedenem Cha»r akter überliefert, oder, weil man will, sie hat das Idealderselben auf verschiedene Weise in mehr und weniger edlenFormen dargestellt. Es ist vollkommen gegründet, was derAutor sagt, daß mehrere Statue» und Kopse junger Faune un-gemein schön, gleichsam göttlichen Geschlechts, und alsVerwandte des Bakchus gedacht und vorgestellt erscheinen, z.E. die vielen, einander ähnlichen, an einen Baumstaum sichanlehnenden Faune, welche sür Copien des sogenantenvon Prariteles gelte».
Von eben so gefälliger, jedoch noch höher zum Edlen undGöttlichen gesteigerter Idee ist auch der schöne junge Faun/welcher nebst noch drei antiken Wiederholungen im Muse-um zu Dresden steht. (Beckers Augustsuni, l B. 25 —26 Taf. sDer Kopf allein, im Profil, unter Numero Z5der Abbildungen. Z Eine fünfte, den gedachte» dresdnerStatuen ähnliche Figur, woran befonders der Kopf höchstlieblich und wohl erhalten ist, befindet sich in der Villa Lu-dovifi zu Rom. — Bezaubernd anmuthig, wen auch über»Haupt von etwas minder edlen Gestalt, ist der ebenfallsin zahlreichen Wiederholungen vorhandene junge auf derFlöte blasende Faun. Zwei deraleicken Figuren befin-den fich im Museo Capitolino, mehrere in der VillaVorghese, worunter eine von ausgezeichneter Kunst. Un-zulängliche Abbildungen der gedachten schönsten borghesi-fche n Figur haben Perrier (Statue, n, 4g.) und das Werk
wo auch die Vermutbung geäussert ist, der berühmte vomPrologen es gemalte Faun mit dem Beinamen
möchte das Original sür diese Monumente in Marmorgewesen sein. Zwar sezen es die vielen Wiederholungen,die Kunst und Weisheit, welche in der Anlage herschen, sowie die elegante Zartheit der Formen ausser Zweifel, daß einim Altertume hoch berühmtes Werk zum Vorbild gedieuet!nur möchten wir, wen nicht ganz besondere umstände dieWahrscheinlichkeit begründen, aus kein gemaletes Original 'rathen. Einzelne gemalte Figuren dürsten zwar zuweilenVon den Bildhauern nachgeahmt, auch plastische Werke inMalereien übergetragen worden sein; doch daß dergleichenoft begegnet, ja daß man sich es zur Angelegenheit gemachthabe, berühmte Gemälde häufig in Marmor zu wiederholen,