Iohan Winckelmans samtliche Werke. Einzige vollständige Ausgabe; dabei Porträt/ Facsimile und ausführliche Biographie des Autors; unter dem Terte di^e frühern und viele neuen Citate und Note»; die allerwärts gefammclten Briefe nach der Zeitordnung, Fragmente, Abbildungen und vierfacher Index. Von Joseph Eise lein. Vierter Band. Donauöschinge»/ in» Verlage deutscher C l a f f i k c r. 5 8 2 5. Geschichte d e r Kunst des Altertums. Viertes Buch. Von der Kunst unter den Griechen. Von den Gründen und Ursachen des Aufnehmens und des Vorzugs der griechischen Kunst vor andern Völkern. Erstes Kapitel. Von den Gründen und Ursachen des Auf- nchmeus und des Vorzugs der griechischen Kunst vor andern Völkern. §. i. Ä)?it Befrachtung der Kunst der Griec hen verhält es sich wie mit der griechischen Literatur! man kan nicht richtig urtheile»/ ohne in dieser alles und mehrmals gelesen zu baben, so wie man in jener alles, was übrig ist, wen es möglich wäre, sehen und untersuchen muß. Wie nun die griechische Gelehrsamkeit wegen der großen Men- 55 ge der Scribenten und derer, die über diese geschrieben haben, schwerer ist, als das Studium aller alten Sprachen zusammengenommen: eben so machet die unendliche Anzabl der Überbleibsel griechischer Kunst die Kentniß derselben weit mühsamer als eS die Kunst anderer Völker des Altertums ist, so daß ein einziger Mensch unmöglich alle^ selbst beobachten kan. §. 2. Die Kunst der Griechen ist die vornehmste Absicht dieser Geschichte, und es erfordert dieselbe, als der würdigste Vorwurs zur Betrachtung und Nachahmung, da sie sich in unzählig schönen Denkmalen erhalten hat, eine umständliche Untersuchung , die nicht in Anzeigen unvollkommener Eigenschaften und in Erklärungen des Eingebildeten, son- . dern im Unterricht des Wesentlichen bestände, und in welcher nicht blos Kentnisse zum Wissen, sondern auch Lehren zum Ausüben voraetrascn s Geschichte der Kunst. würden. Die Abhandlung von der Kunst der Ägypter/ der Hetrurier und anderer Völker/ kan unsere Begriffe erweitern / und zur Nichtigkeit im Urtheile führen: die von den Griechen aber soll suchen / dieselben auf Eins und auf das Wahre zu bestimme»/ zur Regel im Urtheilen und im Wirken. §. Z. Diese Abhandlung über die Kunst der Griechen bestehet ans vier Stüken: Das erste und vorläufige handelt von den Gründen und Ursachen d eS A ufnehmenS und d eS Vorzugs der griechischen Kunst vor andern Völkern; das zweite von dem Wesentlichen der Kunst; das dritte von dem Wachs tu nie und von dem Falle derselben; und das vierte von dem mechanischen Theile der Kunst. Den Beschluß dieses Kapitels machet eine Betrachtung über die Malereien aus dem Alter» t n in e. §. Die Ursache und der Grund von dem Vorzuge/ welchen die Kunst unter den Griechen erlanget hat/ ist theils dem Einflüsse des Himmels'/ theils der Verfassung und Regirnng und der dadurch gebildeten DenkungSart/ wie nicht weniger der Achtung der Künstler/ und dem Gebrauche und der A n w endun g der Kunst unter den Griechen zuzuschreiben. ß.6. Der Einfluß des Himmels muß den Samen beleben/ aus welchem die Kunst soll getrieben werden/ und zu diesem Samen war Griechenland der auSerwcihlere Boden; und das Talent zur Philosophie/ welches EpikuruS den Griechen allein beilegen wollen/ >) könte mit mehrerm Rechte von der Kunst gelten. Die Griechen erkanten und priesen den glüklichen Himmel/ unter welchem sie ») Llem. ström. I. i. n, lZ. x. Z65> 4 Buch/ i Kap. s lebeteii/^) welcher ihnen zwar nicht einen immerwährenden Frühling genießen ließ, (den in Theben schneiete es die Nacht/ da der Aufstand wider die spartanische Regirung ausbrach / so stark/ daß niemand aus dem Hause ging/^) sondern der vor- züaliche Himmel bestand in einer gemäßen Witterung/ welche als eine von den entfernteren Ursachen deö Vorzugs der Kunst unter den Griechen anzusehen ist. Dieser Himmel war der Quell der Fröhlichkeit in diesem Lande/ und diese erfand Feste und Spiele, und beide gaben der Kunst Nahrung / die den höchsten Gipfel bereits erreichet hatte/ da das/ was wir Gelehrsamkeit nennen/ den Griechen noch nicht bekant war, als welche annoch zu diesen Zeiten einen besonderen Begrif von dem Ehrenworte Scribent hatten. ES wurde derselbe einigermaßen für verächtlich gehalten/ und Plato lässet den Sokra- teS sagen/ daß angesehene Männer in griechischen Städten keine Schriften entworfen noch hinterlassen hätten/ damit ste nicht unter die Sophisten gezählet werden möchten. 3) §. 6. Vieles / was wir uns als ideali sch vorstellen möchte«/ war die Natur bei ihnen. Die Natur/ nachdem sie stufenweise durch Kälte und Hize gegangen, hat sich in Griechenland/ wo eine zwischen Winter und Sommer abgewogene Witterung ist/4) wie in ihrem Mittelpunkte gesezet/ und je mehr sie sich demselben nähert/ desto heiterer und >) plutarcl,. p, 5gg. lplat, !n liln-eo, x. I I.) 2) plutai-cli, 3) Nicht dem Sokrates, sondern dem Phädros legt Plato diese angeführt«! Worte in den Mund. p.25^,) Me»er. 4) tlerollot. 1. Z. c. !vö. in I'ÜNRO. ^>. 24. Geschichte der Kunst. fröhlicher wird sie/ und desto allgemeiner ist ihr Wnke.'l in geistreichen wiz.gen Bildungen , und in entschiedenen und vielversprechenden Zügen. Wo die Natur weniger in Nebeln und in schweren Dünsten eingehüllet ist/ sondern in einer heiteren und fr» liehen Luft wirket, wie Euripides die athe- niensische beschreibet,') gibt sie dem Körper zeitiger eine reifere Form; sie erhebet sich in mächtigen/ sonderlich weiblichen Gewächse»/ nno in Griechenland wird sie ihre Menschen auf das Feinste vollendet haben - den was die Scholiasten vorgeben von den la>'.eil Köpfen oder langen Gesichtern der Einwohner der Inlel Eubö a/ ^) sind ungereimte Träume/ und erdacht/ um eine Herleitung des Namens einer Nation daselbst/ die hießen,- zu finden. §. 7. Die Griechen waren sich dieseS/ und überhaupt/ wie PolvbiuS saget/ ihres Vorzugs vor andern Völkern bewußt/^') und unter keinem Volke ist die Schönheit so koch als bei ihnen geachtet worden;^) es war in einem bekanten uralten Liede/ 1) Md. v. gzg — 33g. 2) l.Hier stand in den frühern Ausgaben wieder Halbinsel.^ 3) Lcliol. ^p»IIou. I. i. v. io2.s. 4) I.. ?, p. ^3>. pUnc. 5) Der Priester eines jugendlichen Juviters zu Ägä, des i sm eui scheu Avollo, uud derjenige / welcher zu Tanagra die Procession deö Mercurius mit einem Lamme auf der Schulter führet?, waren allemal Jünglinge, denen der Preis iu der Schönheit war zuerkaut worden, l^si^nn. > 7. c, 24. I. g. c. >0 I 9 !» x-cxi? »Ich schwöre bei allen Eöt- >, tern, daß ich für den Preis der Schönheit alle Gc- >, walt des Perserkönigs hingeben würde. " Meyer. 1) Oo 1. » I. 2. x. 661. ^rluc. 2) Die Buhlerin Phryne wurde wegen ihrer Schönheit 12 Geschichte der Kunst. griechischen Geschichten die schönsten Leute angemerket:') gewisse Personen wurden von einem einzigen schönen Theile der Bildung/ wie Demetrius PH alere uS von seinen schönen Augenlidern / mit tinem besondern Namen bezeichnet: den er wurde genennet , das ist: auf dessen Augen liebern die Gratien wohneten.^) Ja/es scheinet/ man habe geglaubet/ die Zeichnung schöner Kinder durch verordnete Preise befördern zu können, welches die Wettspiele der Schönheit zu glauben veranlassen, die bereits in den allerälte- sten Zeiten vom Cypselus, Könige in Arkadien, zur Zeit der Herakliden bei dem Flusse Al- 1» Athen von der Todesstrafe losgesprochen. I. c> In. 5g,z F ea. 1) pausan, 1,6. c. Z. Pausanias gedenkt in diesem Kapitel wie?» den vor< liergehenden und nachfolgende» zwar vieler Jiingli»ge, welchen als Siegern i» den olynipische» Sviclen Statuen gesezt worden, aber nur eines einzigen, welcher unter seinen Zeitgenossen der Schönste und in der Kunst des Ringens sehr ausgezeichnet war. Fea. Er hieß Kratin os und war auH,Ägira. Meyer. 2) Oivß. I. 5. segln, 7?. il> ejus vita. Lilien. I. >3. c. 7. s». 65/1 sMag Demetrius sich selbst zuerst g enant haben, wie Diogenes Laertius erwähnt, und was wahrscheinlich ist; oder mag er sich willig den Namen seiner Schonen, Lampito, und F°x zugleich habe» beilege» lassen, wie Äthenäus meldet : die beiden Autoren widersvrechen sich wenigstens nicht, wie F e a meinte, und W i» ck elm a iis Behauptung verlöre nichts dabei.) 3) Lllstst>!, sil 7^. I. v, zgz, p, i i SZ, p.ilnie,'. IZxcrc. !n gut. 1. iZ. c. 9. lu- 9<> ?ea bemerke aus dem Athenäus , daß die Wettstreite der Schönheit auch noch zur Zeit dieses Autors fortgedauert haben. Meyer. 4 Buch, 1 Kap. iZ pheus in der Landschaft Elis/ angeordnet waren; und an dem Feste des philesischen Apollo war auf den gelehrtesten Kuß unter jungen Leuten ein Preis gesezet. l) Eben dieses geschah unter Entscheidung eines Richters, wie vermuthlich auch dort zu Megara bei dem Grabe des DiokleS. Zlt Sparta^) und zu Lesbus in dem Tempel der Juno^») und bei den Parrhasiern^) waren Wettstreite der Schönheit/6) unter dem weiblichen Geschlechte.?) Die allgemeine Achtung der Schönheit ging so weit/ daß die spartanischen Weiber einen Apollo oder Bakchus/ oder einen Nireus, NarcissuS/ HyacinthuS/ oder einen Kastor und Pollux in ihrem Schlafzimmer aufstelleten/ um schöne Kinder zu haben/ wie Oppianus bezeuget. Hat es Grund/ was Dio Chrysosto- mus von seinen und des TraianuS Zeiten saget/ 9) daß man nicht mehr auf Mnliche Schönheiten achtsam sei/ oder dieselben zu schäzen wisse. 1) I^utat. arl ^tat. I. 8. v. 196. 2) ?I,eocrit. IckvII. XII. 12. v. 2g— Z-s. z) IVlusscuz 60 tleron et l ^eanckri allior. V, 76. 4) ^lken. "l. »Z. c, g. I». gc>.^ 5) Ick. I> c. i?) gcnant. W i n ckel >n a ki. 7) Auch unter dem mänlicken Geschlechte waren solch« Wettstreite der Schönheit. t c.) Fea. L) I. 1. v. 35^. g) -1. D. 26g. Die ganze Rede verräth einen für die Schönheit Wahrhast begeisterten Sin/ und verdient / selbst abgesehen von ihrem historischen Werthe, schon >weg«n der edlen Svrache/ Wovin si? abgefaßt ist, eine besondere Sichtung. W e»e r. Geschichte der Kunst. so lieget auch in dieser Unachtsamkeit eine Ursache von dem damaliges, Abnehmen der Kunst. §. 9. So wie nun der Himmel und das Klima selbst in der Bildung wirtcte, die noch unter den heutigen Griechen, nach aller Reisenden Zeugniß/ vorzüglich ist/ und ihre alten Künstler begeistern konte: eben so und nicht weniger ist dieser Wir« kung das gütige Wesen/ das weiche Her; und der fröhliche Sin der Griechen zuzuschreiben, als Eigenschaften / die zur Entwerfnng schöner und lieblicher Bilder eben so viel/ als die Natur zur Zeugung der Gestalt beitragen. Von dieser Gemüthsart der Griechen überzenget uns die Geschichte/ und die Gütigkeit der Athenienser ist/ wie ihre Verdienste um die Kunst/ bekaiit. Daher saget ein Dichter: dafi die Stadt Athen allein Mitleiden zu tragen wisse; so wie sich/ um von den Zeiten der ältesten Kriege der Argiver und Theba- ner anzufangen / zeiget/ daß allezeit bedränget-und verfolgete Personen in Athen Zuflucht gefunden und Hülfe erhalten. Eben diese Heiterkeit des Gemüths gab bereits in den ältesten Zeiten Anlaß zu theatralischen und andern Spielen/ uni/ wie PerikleS I) Man vergleiche die Vorrede zu den An merk. üb. d. G- d. K. §. 20. S. 50.Z N Der Autor scheint hier den Sophokles oder Kolli m a ch u s im Sinne gehabt zu haben. Scliol, Sopli. OLclip. doi. V. 266. '525//.»"ryv «k- et" »vexev «-s- »IV« Auch ist Athen die einzige Stadt Griechenlands, wo dem Gott des Mitleids ei» Al< tar auf dem Markte errichtet war. (k>->usan. I. 1. c. >7.) Me» er. Den Kallimachus hatte Wi »ckelma n im Sinne/ wie aus diesem Scholion erhellet. Siebcliö. 4 Buch/ 1 Kap. saget, die Traurigkeit aus dem Leo:n zu verdrängen. ') §. 10. Begreiflicher wird dieses aus Verglei- chung der Griechen mit den Römern, bei welchen die unmenschlichen blutigen Spie'e, und mit dem Tode ringende und sterbende Fecl.ter, auch in ihren gesittetesten Zeiten, dem ganzen Lol>e die angenehmste Augenweide in ihren Schaupläzen waren: die Griechen hingegen verabscheueten diese Grausamkeit ; und da ein solches schreklichcs Spiel zu der Kaiserzeit in Korinth sollte angestellet werden, sagete jemand, man müße den Altar der Barmherzigkeit und des Mitleids umwerfen, bevor man sich entschließe, diese Grausamkeit anzuschauen; endlich aber siibretcn die Römer diese Spiele selbst zu Athen ein. 3) 1) l'liucz'iZ. I. 2. c, Zg. Bei den Arkadier» , welche vermöge ihres kälteren und rauheren Klimas die wildesten unter den Griechen waren , wurden die Spiele und die Musik mehr als anderswo geübt, um sich jene Sanftheit des Sinnes zu erwerben, welche ihnen von Natur fehlte. Man vergleiche hierüber die merkwürdige Stelle des Polobius. (1^. 4. x, -Sg. in Lne, et 2go,) Durch die öffentlichen Spiele suchte man auch die Eintracht unter den verschiedenen griechischen Stämmen zu bewirken (Sirab. I. 9. p, 642.) :>nd die körperlichen Übungen zu befördern, damit tapfere Krieger selbst in einem Klima gebildet würden, welches im Ganze» die Körper leicht verweichlichen kviite. Fea, 2) poliüc. 316. 3) I_.uc!an. Z. 5^. pliilosir. vlt. ^poll. I. 4. c. 22. Lucian erzählt hier, daß die Athenienser das Volk in Aorinth nachahmen, und auch bei sich jene grausamen Fech- terspiele einführen wollten ! das, aber sich der Philosoph Demo nax diesem Vorhaben mit de» erwähnten Worte» wi- 16 Geschichte der Kunst. Z. t l. Auch aus beider Völker Art zu kriegen ist die Menschlichkeit der Griechen und das wilde Herz der Römer offenbar: den bei diesen war eS gleichsam ein Gesez, in den eroberten Städten bei ' dem ersten Einfalle nicht allein, was menschlichen Othem hatte, niederzuhauen, sondern auch den Hunden den Bauch aufzuschneiden, und alle andere Thiere zu zerhakcn: und dieses ließ sogar Scipio AfrieanuS der Ältere geschehen, da Kartha- gena in Spanien erstiegen und eingenommen wurde. l) Das Gegentheil sehen wir an den Athenien- sern, die im öffentlichen Rathe beschlossen hatten, durch den Befehlshaber ihrer Flotte alle erwachsene Manschaft zuMitylene in der Insel Lesbus umbringen zu lassen, weil diese Stadt sich ihrer Untertänigkeit entzogen, und die Anführer der Empörung der ganzen Jnjel wider sie gewesen waren. Kaum aber war dieser Befehl abgegangen, da eS sie gereuete, und sie erkläreten selbst diesen Ent- » schluß fiix grausam.^) widerfezt. Nichts destoweniger wurden diese Spiele auch in Athen eingeführt, aber nicht lange nachher aufVeranlassung des mit einer kräftigen Rede dagegen eifernden Avollo- nius von Tuana wieder aufgehoben? wiePhilostra- tus (I> c.) erzählt, ohne die Römer weiter zu erwähnen. Hieraus geht hervor, daß die Griechen jenes grausame Schauspiel zwar aus eigener Erfahrung kanten, aber auch zugleich einen Beweis ihres beugfamcn menschlichen S'.nnes ablegten, indem sie sich durch einen einzigen Man zu einer gänzliche» Abschaffung dieser Spiele überreden ließen. Fea. 1) I. >» pr!nc. Dieses geschah oft bei der Einnahme einer Stadt, wie auch Polybius enählt, aber nicht immer und nach . keinem Gefeze. Fea. 2) I. Z. c. c. 47. 4 Buch/ 1 Kap. i? §. 12. Sonderlich wird die den Römern ent- gegengesezete Gemüthsart der Griechen offenbar, aus dieser ihren Kriegen: den die Achäer führeten dieselben so menschlich, daß sie unter sich ausmache- ten/ keine verborgenen Pfeile zu führen, noch mit denselben zu schießen, sondern in der Nähe und mit dem Degen in der Hand gegen einander zu fechten, i) Ja, in der größte» Erbitterung der Gemüther wurden alle Feindseligkeiten aufgehoben und auf einige Tage vergessen, wen die olympischen Spiele einfielen, wo alle Griechen einmüthig zu der allgemeinen Freude zusammenkamen. Sogar in den ältesten und wenig gesitteten Zeiten, in den hartnäkigen mcsscnischen Kriegen, machcten die Spartaner mit den Messeniern einen Stillstand auf vierzig Tage, weil bei ihnen das Fest, welches dem Hyacinth us gefeiert wurde/ einfiel. Dieses 1) I. iZ. p. — 672. Polvbius, nachdem er die alte» Achäer in dieser Hinsicht gerühmt, ertheilet anch den Römern das Loh, daß sie selbst zu seiner Zeit jene alte Sitte, den Krieg feierlich ainukundigen, die hinterlistigen Nachstellungen zu verabscheuen und sich in der Nähe mit den Feinden zu schlagen, noch nicht ganz vergessen hasten. Bei den neueren Achaeru aber ward jeder General sehr getadelt, welcher seine Entwürfe nicht sorgfältig zu verbergen wußte. F e a. 2) In der so Olympiade wollte man den Svartanern, weil sie eine schuldige Geldstrafe nicht bezahlt hatten, den. An, theil an diesen Spielen verweigern, wie Thucvdides sagt. (1^. ü e./,g.) Er führt auch an (>.g, c, 91^ >».), daß man beiden isthniische» Spielen einen Waffenstillstand und ein Biindniß unter den Völkern Griechenlands gemacht. Fea. Z) I./,. c. 19. Geschichte der Kunst. geschah in dem zweiten messenischen Kriege, dessen Ende in der acht und zwanzigsten Olympias war. §. l3. In Absicht der Verfassung und Re- » girung von Griechenland ist die Freiheit die vornehmste Ursache des Vorzugs der Kunst. Die Freiheit hat in Griechenland allezeit den Siz gehabt/ auch neben dem Throne der Königes) welche väterlich regireten/^) ehe die Aufklärung der Vernunft ihnen die Süßigkeit einer völligen Freiheit schmeken ließ/ und Homerus nennet den Aga- memnon einen Hirten der Völker/ dessen Liebe für dieselben und Sorge für ihr Bestes anzudeuten. 4) Ob sich gleich nachher Tyrannen auswarfen/ so waren sie es nur in ihrem Vaterland«/ nnd die ganze Nation hat niemals ein einziges Oberhaupt erkant/ und bevor die Insel Naxus von den Athenicnsern erobert wurde/ hatte kein freier Staat in Griechenland sich den andern unterwürfig , gemachet. 5) Daher ruhetc nicht auf einer Person allein das Recht/ groß in seinem Volke zu sein/ und sich mit Ausschließung Anderer verewigen zu können. ß. i-i. Die Kunst wurde schon sehr zeitig gebrauchet/ das Andenken einer Person auch durch seine Figur zu erhalte»/ und hierzu stand einem jeden Griechen der Weg offen: man konte sogar die Statuen seiner Kinder auch in den Tempeln ausstellen/ wie wir von der Mutter des berühmten Agat holt cS wissen/ welche die Figur desselben in seiner z) I. 4. c. 23. 2) polit. 1. 3. c. 14. 3) I. 1. c. 9. ^ 4) etkic. I. 3. c. i3. Halle, 1. 5. c. 74. 5) I. 1. c. 9g. 4 Buch, 1 Kap. 19 Kindheit einem Tempel weihete. Die Ehre einer Statue war zu Athen / was ein nakter unfruchtba- , rer Titel/ oder ein Kreuz auf der Brust/ die al- lerwohlfeilste Belohnung der Könige unserer Zeiten ist. Also erkanten die Athenienfer das Lob/ welches ihnen PindaruS nur wie im Vorbeigehen / in einer seiner Oden/ die sich erhalten hat/ nicht mit einer freundlichen Danksagung; sondern sie errichteten ihm eine Statne/ an einem öffentlichen Orte vor einem Tempel des MarS. Da nun die ältesten Griechen das Gelernete dem/ wo sich die Na- lur vornehmlich äusserte/ weit nachsezeten:^) so wurdeu auch die ersten Belohnungen auf Leibesübungen gefezet/ und wir finden von einer Statue Nachricht/ welche zu EliS einem spartanischen Ringer/ EutelideS/ schon in der acht und dreissigsten Olympias ausgerichtet worden, 4) vermuthlich ist dieselbe nicht die erste gewesen. In kleineren Spiele»/ wie zu Megara, wurde ein Stein mit dem Namen des Siegers aufgerichtet. 5) Daher su- cheten sich die größten Männer unter den Griechen in der Jugend in den Spielen hervorzuthun; Chry- sippus und Kleanthes wurden hier eher/ als durch ihre Wellweisheit/ bekant:<>) ja/ Plato selbst erschien unter den Ringern in den isthmischen Spie- i) 81c. I. 19. Z. 2. Pindars Ode, worin er Athens mit Ruhm gedachte und es nante, ist nicht ganz, sondern nur in einzelnen Bruch sinken aus uns gekommen. (Hcllneilll?!'. früAmenw. p. 5o.) Meyer. 3) IX. v. 162. Turlx. v. 79. j 4) I. 6. c. 16. 5) VII. v. 167. ^ 7. i63 — 2o Geschichte der Kunst. len zu Korinth, und in den pythischen zu Sicyon. y PythagoraS trug zu EliS den Preis davon/ und unterrichtete den Eurymenes/ daß er an eben dem Orte den Sieg erhielt. Auch unter den Römern waren die Leibesübungen der Weg/ einen Namen zu erhalten/ und Papirius/ welcher die Schande der Nömer »cl ?ui-cul»s L-nitlin-ls an den Samnitern rächete/ ist uns weniger durch diesen Sieg/ als durch seinen Beinamen: der Läufer/ bekaiit/^) welchen auch Achilles beim Homerus führet. ES wurden nicht allein die Statuen in der Ähnlichkeit der Sieger/ die sie vorstelleten/ gebildet/ sondern auch die Pferde/ die in den Wettlaufen den Sieg erhielten / wurden nach dem Leben gemachet/ wie dieses besonders von des atheniensischen CimonS Pferden berichtet wird. §. 16. Nächst diesen Ursachen kan die Verehrung der Statuen als eine der vornehmsten angesehen werden; den man behauptete/ daß die stetesten Bilder der Gottheiten/ da deren Künstler nicht bekant waren / vom Himmel gefallen wären/ und daß nicht allein diese Figuren/ sondern 1) O!oA. I^aert. I. Z. segm. 4. L)riII. contra ^uü.in. !. 6. z>. 203. krucker. iiist. crit. l. 2. c. 6. scct. >. Z- 4- Brucker hält dies für ein Volksmärchen/ aber ohne weitere Gründe anzugeben—Winckelman hat Si> c»on mit Delphi verwechselt; den bci Delphi wurden die pythischen Spiele gehalten; Sie»on aber hatte die Leitung und Anordnung der isthmi- schen Spiele zu besorgt«. (pausan. I. 2. c. 2. I. io> c. Z7. Stral). l. g. p. 6.^1.) F e a. 2) Lenllez-'s ) Meyer. 2) I. 6. c. Z. Z) I(I> i> 7. c. 27. ?IutarcI>> p. iLa. 4) klin. I c. 26. sccl, 27. Lruiiclvii ^naicct. l. 1, x, >Zg, n. 67. pol)!i.!> ist. rxci^t. Icgnt. 787. !>) p>i». I. 7. c. ^7. se^t. /^g. Nach dem Dionysius ließ AristodemuS die Bild- 4 Buch/ i Kap. der olympischen Spiele aus den ersten Zeiten, da die Künste noch nicht blüheten, wurden lange nach ihrem Tode, ihr Andenken zu erhalten, Statuen aufgerichtet, wie einem OibotaS, aus der sechsten Olympias, t) diese Ehre allererst in der achtzigsten widerfuhr. Es ist besonders, daß sich jemand seine Statue machen lassen, ehe er den Sieg erhielt; so gewiß war derselbe.^) Ja, zu Äginm, in Acha- ia, war einem Sieger eine besondere Halle, oder verdeketer Gang, von seiner Stadt gebauet, um sich daselbst im Ringen zu üben. Es scheinet mir hier nicht überflüssig anzumerken eine schöne aber verstümmelte unbekleidete Statue eines Schleuderers, wie die an dem rechten Schenkel liegende Schleuder mit dem Steine in derselben anzeiget. Es ist nicht leicht zu sagen, wie und auf was Weise einer solchen Person eine Statue errichtet worden: den von den Dichtern ist keinem Helden eine Schleuder gegeben, und unter den griechischen Kriegsvölkern waren die Schleuderer sehr selten, ">) Nisse der von ihm getödeten Bürger ans allen Tenlveli» wegnehmen, aus ung ew cih te Pläze bringen und die seinigen statt jener ansstellen. Me»er. Fea will hier die Bestimmung der Slymviade Verbessern. Allein Win ekel man hat Recht, wie der griechische Tert sowohl an der angeführten Stelle als auch anderswo (I. 7. c. >7.) bezeugt. Mever. Pausa nias erzählt dieses vom Eubotas aus Cyrelie, welchem das Orakel des Jupiter Ammon den Sieg vorhergesagt. Fea. Der Sieger hieii Strato. Me»e v. 4) Man findet nur hier und da der Schleuderer gedacht. sl'Imczd, I. 4. c, 32. Luiij>i1. 24 Geschichte der Kunst. und wo sie sich befanden/ waren es die Geringsten in einem Heere/ und unbewafnet wie die Bogenschüzen; und eben so bei den Römern/>) sv/ daß man jemand/ um ihn empfindlich zu züchtigen/ von der Reiterei oder von andern Fußvölkern unter die Gchleuderer heruntersezete. Da aber die Statue/ von welcher wir reden/ eine befiimte Person des Altertums/ und nicht blos einen Schleudere!/ vorstellen muß: könte man sagen/ es sei in derselben PyrttchmaS/ der Ätolier/ abgebildet / welcher in der Rükkunft der Herakliden in PeloponiiesuS den Zweikampf übernahm / über die Entscheidung des BesizeS der Landschaft Elis: den dessen Gefchiklich- keit bestand in der Schleuder: §. 18. Durch die Freiheit erhob sich/ wie ein edler Zweig aus einem gesunden Stamme/ das Denken des ganzen Volks; den so wie der Geist eines zum Denken gewöhneten Menschen sich höher zu erheben pfleget im weiten Felde/ oder auf einem offenen Gange und auf der Höhe eines "GebäudeS/ als in einer niedrigen Kammer/ und in jedem ein- gcschrcinketen Orte: eben so muß auch die Art zu denken unter den freien Griechen gegen die Begriffe beherfcheter Völker sehr verschieden gewesen sein. HerodotuS zeiget / daß die Freiheit allein der Grund gewesen von der Macht und Hoheit/ zu welcher Athen gelanget ist/ da diese Stadt vorher/ wen sie einen Herrn über sich erkennen müßen/ ibren Nachbarn nicht gewachsen sein können. Die Redekunst fing an aus eben dem Grunde allererst in dem Genusse der Völligen Freiheit unter den Griechen zu blühen; und 1) 1. 2. c. 7. n. 9 et >5. 2) I. 3. c. 4. Z) 1^. 5. 66. e. ?3. c. 9»/! 4 Buch / 1 Kap. 25 daher legeten die Sicilianer dem GorgiaS die Erfindung der Redekunst bei. Aus Münzen der Städte in Sicilien und Großgriechenland könte behauptet werde»/ daß die Künste in dieser Insel und in dem unteren Theile von Italien eher als selbst in Griechenland zu blühen angefangen/ wie den überhaupt andere Wissenschaften zeitiger in Sicilien als in Griechenland emporgekommen. Dies wissen wir von der Redekunst, in welcher sich zuerst GorgiaS von Leontium in Sicilien hervorthat/ und da er als Abgeordneter dieser Stadt nach Athen ge- schikct wurde/ zog er daselbst Augen und Ohren auf sich. 2) Die Weltweisheit selbst bekam in der cleatischen oder italischen Schule/ und in derjenigen/ welche PythagoraS stiftete/ eher als unter anderen Griechen eine methodische Form. §. 19. Eben die Freiheit/ die Mutter großer Begebenheiten/ Staatsveränderungen und der Eifersucht unter den Griechen/ pflanzete gleichfam in der Geburt selbst den Samen edler und erhabener Gesinnungen: und so wie der Anblik der unermeßlichen Fläche des Meeres und das Schlagen der stolzen Wellen an den Klipcn des Strandes unsern Blik ausdehnet/ und den Geist über niedrige Vorwürfe hin- wegsezet: so koiite im Angesichte so großer Dinge und Menschen nicht unedel gedacht werden. Die Griechen in ihrer besten Zeit waren denkende Wesen/ welche zwanzig und mehr Jahre schon gedacht i) IIi>r Hugs interessante Forschungen'in dem Bücke: Die Erfindung der Buchstabenschrift, ihr Zustand und frühester Gebrauch im Al< iertum, mit Hinsicht auf die neuesten Untersuchungen über den Homer. U!m 180t. 4-1 s) co^viv. c. Z> Z ö 4 Buch/ 1 Kap. 27 erwählet; i) Aratus hatte kaum zwanzig Jahre/ da er sein Vaterland Sicuon von den Tyrannen be« freiete / und bald nachher wurde cr das Haupt des ganzen achäifchen Bundes;^) Philopömen hatte als ein Knabe den größten Antheil an dem Siege/ welchen Antigonus, König in Macedonien/ nebst den Völkern des achäischcn Bundes wider die Lace- dämonier erfocht / welcher jene zu Herren von Sparta machete. §. 22. Eine Ähnliche Erziehung gab auch bei den Römern dem Verstände eine solche zeitige Reife/ wie sich untcr andern in Scipio dem Jüngeren und in dem Po m pej u s offenbaret: der erste wurde iu seinem vier und zwanzigsten Jahre nach Spanien an die Spize der römischen Legionen geschiket/ auch in der Absicht, die gefallene KriegSzucht wieder herzustellen/^) und vom PoinvejuS saget VellejnS/ er habe im drei und zwanzigsten Jahre aus eigenen Mitteln ein Heer aus die Beine gebracht/ und sich allein/ ohne öffentliche Berechtigung / zu Rathe gezogen. 5) In Zuversicht auf ein durch ähnliche Erziehung erweketes erhabenes Denken eines ganzen Volks und gereizcte Elirbegierde eines jeden untcr ihnen/ trat Perilles auf/ und sagete/ was man uns von uns selbst kaum zu denken erlaubet:') Ihr „ zürnet auf mich/ der ich glaube, keinem Menschen „zu weichen in Erkentniß dessen/ was man erfordern t) Justin us (I> 6. c, 5,) erzählt, das! cr im 20 Jahre zum Feldherrn erwählt worden. Mevcr. 2) 1. 2. i3c>. 3) Icl. p. i^2 — 16Z. !zt in dieser Stelle nur, daß Sokrates, um zu sehen, ob die Handarbeiter weiser wären, al§ ^r, zu ihnen gegangen sei und gefunden habe, daß l>e wirklich in ihrer Kunst mehr wüßten als er. F c a. Z) pliNarcli. co'lv.Vjl.Zupikiit p. i65 53g. Äso- vus sehe mehr, heißt es daselbst, aus dem B a u als aus die ükonomje der Hauser.Z ^ul. vlui AI. ^uloiiiui I?!iiioso^1i. c. Z. Me y e e. 6) poUlir. I. 4. c. 11. K) 1)iI. c. ^Z. 4 Buch, 5 Kap. 2<) des und ThemistokleS/ ja / neben den Götter» selbst gesezet sehen. Also stelleten XenophiluS und Strato ihre stzenden Figuren bei ihrer Statue des Zi sknka pi ns und derHygieazu Argns^) ChirisophuS/ der Meister des Apollo zu Te- gea/ stand iu Marmor neben seinem Werke/-) und Alkamenes war erhoben gearbeitet an dem Gipfel des eleusinischen Tempels;^) ParrhasiuS und Silanion wurden in ihrem Gemälde des These u 6 zugleich mit diesem verehret.^) Andere Künstler sezeten ihren Namen auf ihr Werk und Phl- diaS den seinigen zu den Füßen des olympische» Jupiters.^) ES stand auch an verschiedenen Sta^ tuen der Sieger zu EliS der Name der Künstlers) und an dem Wagen mit vier Pferden von Erzt, welchen der Sohn des Königs Hiero zu Syrakus/ DinomeneS/ seinem Vater sezen ließ/ war in zween Versen angezeiget/ daß OnataS der Mei- i ster dieses Werks sei. Dieser Gebrauch aber war dennoch nicht so allgemein, daß man aus dem Mangel des Namens des Künstlers an vorzüglichen Statuen schließen könte/ daß eS Werke aus spätern Zeiten sein. 8) Dieses war nur zu erwarten von Leu- r) pausan. I. 2. e. 23. 2) ?6. I. 3. e. 63. Z) Id. 1. 5. c. »0. 4) plutarck. in l'Iies. p. 2. sc. 4.^ 5) k'ausari. I. 6. c. 10. 6) Icl. l 6. c. Z. Es war nur eine Statue dieser Art vorbanden, Le« ne des Cl, areas, von Afterion, dem Sohne des Äsckiylus, verfertigt. F e a. ^ 7) 16.!. 3 c. 42. 8) GedvyN pkicZias. in8cr!pt. l. 9. x>. 19A. glaubet sich durch diese Meinung von dem Geschichte der Kunst. ten/ dic Rom im Traume, oder, wie junge Reisende/ in einem Monate/ gesehen. K. 2 i. Die Eyre und das Glük des Künstlers hingen nicht von dem Eigensinne eines unwissenden Stolzes' ab/ und ihre Werke waren nicht nach dem elenden Geschmake/ oder nach dem übel geschaffenen Auge eines durch die Schmeichelei und Knechtschaft aufgeworfenen Richters'/ gebildet-, sondern die Weisesten deS ganzen Volks urtyeileten und belohneten sie und ihre Werke in der Versamlung aller Griechen/ und zu DelphoS so wie zu Korinth waren Wettspiele der Malerei unter besondern dazu bestelle- ten Richtern/ welche zur Zeit des' PhidiaS angeordnet wurden. ) Hier wurde zuerst PananuS/ der Bruder/ oder wie Andere wollen/ der Schwe- stersobn des PhidiaS/ mit dem TimagoraS von CdaleiS gerichtet/ wo der lezte den Preis erhielt. Vor solchen Richtern erschien ?letion mit seiner Ver mä h lun g Alexanders und derRo- xane;^) derjenige Vorsizer/ welcher den AuSsvruch that/ hieß ProxenideS/ und er gab dem Künstler seine Tochter zur Ehe. Man siehet/ daß ein allge- gronen Haufen abzusondern, und ein seichter britischer welcher gleichwohl Rom gesehen, betet jenem nach. W i n ek el m a n. 1) plin. I. 35. c. c). scct. 35. 2) I. g. p. 543. ^irinc. In dieser Stelle ist von keinem Wettstreite mit dem Timagoras aus ChalciS die ?iede ; man findet die Bestätigung des Geeggten bei P l in i us. ' sl.. 35 g. sccl. 35.) Der Kunstler hieß nicht Panäus, wie W i n- ckelmaii und Fea geschrieben, sondern Panänus. (?lm. I 35. c. ü. üuct. 3j. t^uuüiin. 1.5. ti. II.) Meyer. Z) I^iiiei 11 ll i'Dilot. Z. 5. lSeiidschrc ib. üb. d. Gedanken ic. §. 4 Buch/ 1 Kap. Zi meiner Nuf auch an andern Orten die Nichter nicht geblendet/ dem Verdienste das Recht abzusprechen: den zu Samos wurde Par rh asi u 6/ in dem Gemälde des Urtheils über die Waffen de6 AchilleS/ dem T i man th e S nachgesezet. l) §. ^>5. Aber die Nichter waren nicht fremde in der Kunst: den es war eine Zeit in Griechenland/ wo die Lugend in den Schulen der Weisheit sowohl als der Kunst unterrichtet wurde/ und Plato er- lernete die Zeichnung zugleich mit den Iiöheren Wissenschaften. Dieses geschahe, damit die Zugend/ wie Aristoteles saget/ znr wahren Kentnist und zur Beurtheilung der Schönheit gelangen möchte. ß. Lü. Daher arbeiteten die Künstler für die Ewigkeit/ und die Belohnungen ihrer Werke sezeten stein den Stand/ ihre Kunst über alle S-bstchten des Gewiiis und der Vergeltung zu erheben / wie vom PolygnotuS bekant ist/ welcher ohne Entgeld das Pöcile zu Atheii/'i) und wie es scheinet/ auch ein öffentlich Gebäude zu DelphoS/ ansmalete/ wo er die Erob erung von Troja vorstellete. Die t) pliu. I. 35. c. io. sLct. 36. u. 3. t. 12. 11. 11.62,^ Mever. 2) Diog. liiert, plat. I. 3. segm. 2. 3) Oe I. 3. c. 3. in liiiL. 4) ia Liiuon. sc. 4.Z x. 4S1. pli». I.3Z. c. g. 5) Nämlich die Lesche. (?»»5on. I. io. c. 28.) Die Gemälde zu Delvbos stetteten die Eroberung von Troja vor, wie ich in einem alten geschriebenen Sckolio über den Gorgias des Plato finde, und ebendaselbst bat sich die überschritt dieses Werks erhalten, welche folgende ist: W i n ck e l m a >1. 32 Geschichte der Kunst. Erkentlichkcit gegen dicsc lezto Arbeit scheinet der Grund zu sein/ welcher die A mphikn?onc 6/ oder den allgemeinen Rath der Griechen/ bewöge»/ diesem großmüthigen Künstler eine freie Bewirti)ung durch ganz Griechenland auszumachen. §. 27. Überhaupt wurde alles' Vorzügliche in allerlei Kunst und Arbeit besonders geschäzet/ und der beste Arbeiter in der geringsten Sache konte zur Die Verse des Simonidks finden sich bereits beim Pausauias. (l^. >c>. c. 27.) Lessing. >) ?Iin I. Z5. c. ^ccl. Z5. Worin diese sreke öffentliche Bewirthung bestand / und wie diese freundliche Sitte aufgekommen und beobachtet worden/ lehren schon die gewöhnlichsten Handbücher über die griechischen und römischen Gebräuche und Si'ten. Aber Fea gedenkt in seiner Anmerkung zu dieser Stell« einer im Museo Borgiano ju Velletri befindlichen iesscra . welche nach Vartt> ele ttl II s ue« theil aus dem sünstcn oder sechsten Jahrhunderte vor un- serer Zeitrechnung ist, und also zu den ältesten griechischen Denkmalen gehört. Sie ward in den achtziger Jahren' des vorigen Säculums in Grokgriechenlgnd gesunde» und besteht in einer dünnen Platte von Er;t mir einer eingegrabenen Inschrift dorischen Dialekts. In dieser bemerkt man folgende drei neue Buchstaben I, -j-z welche aus mehreren Gründen den Buchstabe» 1°, T, x, eiitsvreche». Die vo» B a r t h el e in » gemachte lateinische übersezung lautet »ach Folge der Verse also: KVS. Man vergleiche Heereus Erklärung dieses Täseb che»s in der Götting. Niblioth. der alt. Lit. u- K n n st. (5 St. t S. ) M e >1 e r nach F e a. 4 Buch, 1 Kap. Verewigung seines' Namens gelangen; wie deil die Griechen von den Göttern auch die Unsterblichkeit ihres' Gedächtnisses zu erbitten pflegeten. >) Wir wissen noch izo den Namen des Baumeisters einer Wasserleitung auf der Insel SamoS / und desjenigen/ der daselbst das größte Schis ge- bauet hat;^) imglcichen den Namen eines berühmten Steinmezen, welcher in Arbeit an Säulen sich hervorthat: er hieß ArchiteleS, ) ES sind die Namen zweier Weber/ oder Stiker bckaM/ die einen Mantel der Pallas PoliaS zu Athen arbeiteten;^) wir wissen den Namen eines Arbeiters von sehr richtigen Waagen oder Waageschalen: er dieß Part he ni u,S;5) eS hat sich 1) Po>ii6!pp> ap, 8t»Iz> scrm, in, x. ?>^g. in Liis. 2) Nei'vZot. I. Z. c. 6u. 3) l'Iicolior. praclrom. exist. 2. p. 22^ 4) I. 2. c. 9. sn. Akesa und Helikon aus Khvros, Fe«. 5) ^»v?n. 4. v> 4?. Herr Winckel m a n mug die Worte des Iuvenals, auf die er sich desfalls beeilst: nur in dem Katalogs des Junius gelesen haben. Den hatte er den I n v e n a l selbst nachgesehen, so würde er sich nickt von der Zweideutigkeit des Wortes I.i»x haben Verführen lassen, sondern sogleich aus dem Zusammenhange erkaiit haben, daß der Dichter nicht Waagen oder Waageschalen, sondern Teller und Schüsseln meine, Juvenal rühmt nämlich den Catullus, daß er es bei einem gesährlichen Sturme ;ur See wie der Biber gemacht, welcher sich die Geilen abbeißt, um das Leben davon zu bringen: daß er seine kostbarsten Sachen in's Meer werfen lassen, um nicht mir samt dem Schiffe unterzugehen. Diese kostbaren Sachen beschreibt er, und sagt unter anderen: 1U« nec LrMnlun^ iililiNlchur mittere, /änc» ui'uie craK'ra eaxucen» SÄ Geschichte der Kunst. der Name des Sattlers'/ wie wir ihn nennen wiir- den, erhalte«/ der den Schild des Ajax von Leder mackete^) ja, ein gewisser PeroN/ welcher wohlriechende Salben verfertigte/ war in Schriften Lt «lignurn ü'uicnte pliolo v>ivt r>uo ci>IIii>! cnitur (1I)Nt>>l. die hier mitten unrer Bechern urd Schwenk« kes seln stehen/ was können es anders sein als Teller und Schusseln? Und was will Iuvenal anders sagen, als daß Catull sein ganzes silbernes Eßgeschirr, unter welchem sich auch Teller von getriebener Arbeit des Parthenius befanden, in'S Meer werfen lassen. Wen aber Grangäus in ftinen Annierkungen zn diesem Namen hinzusezt: Lculpl<»r, nuß er dieses wohl uur aus gutes Glük hingeschrieben haben, den Plinius gedenkt keines Künstlers dieses Namens. Lessing. >) llcroäot. viti> llonicri , 75,6. c6!t. ^Vcsscling sc. g et 26. Ix. ki.VI?. v. 2ig/> ?!uch dieses kan Winckelmail nicht daher genommen haben, wohin er seine Leser verweiset: aus dem Lebe» des Homers, vom Herodotus. Den hier werden zwar die Zeilen aus der Jliade ange- siihrt, iu welche» der Dichter diesem Lederarbeiter den Namen Thchius beilegt; es wird aber auch zugleich ausdrüklich gesagt, daß eigentlich ein L e d e r arb ei t e r von des H v m e r s B e k a ü t sch a s r so geheissen, dem er durch Einschaltung seines Namens seine Freuudschasr und Erkeütlichkeit bezeigen wollen. -s- i» -rii ll"'c^v-A-ev e/.I-s» , Es ist also gerad/das Gegentheil von dem^ was uns Herr Win ekel maii versichern will: der Name des ^ Buch, 1 Kap. 35 verschiedener berühmter Männer angeführet. P l a- to selbst hat den Thearion/ einen Beker, wegen der Geschiklichkeit in dessen Handwerke/ so wie den Saranibus/ einen geschikren Gastwirth/ in seinen Schriften verewiget. ) In dieser Absicht schei« nen die Griechen vieles/ was besonders war/ »ach dem Namen des Meisters/ der es gemachet hatte/ benennet zu haben / nnd unter dergleichen Namen blieben die Sachen immer bekant/ so wie die Gesäße/ die denen in der >5orm ähnl ch/ welche Theri- kles zu des PerikleS Zeiten aus gebrauter Erde machete/ von diesem Arbeiter den Namen behielten. ) Zu SamoS wurden hölzerne Leuchter gemachet/ die in großem Werthe gehalten wurden; Cicero arbeitete auf seines Bruders Landhause des Abends bei dergleichen Leuchter. Auf der Znsel NaxnS waren jemanden / welcher zuerst den penteli- des Sattlers, welcher das Schild des Ajar gemachet hatte, war schon zu des Homers Zeiten so vergessen, daß der Dichter die Freiheit hatte, einen ganz fremden Namen dasnr unterzuschieben. Lessing. >) Lilien, I. >!>. e, >2, In.Hu.) 2) p. 5'3. I'oupii en^enclot. in 8ui 1 ) von mehreren Künstlern, deren Name auf ihre Arbeiten übertrage» wurde. Fea. 4) Lic. all <), k'ratr. I. Z. K^>i5t. 7. in Lne, Geschichte der Kunst, schon Marmor in der Form von Ziegeln gearbeitet Hatte / um Gebäude damit zu deken, blos we.en dieser Enldekung Statuen gesezet;^) vorzügliche Künstler halten den Beinamen göttliche, wie Aleime don beim VirgrliuS,^) als welches das höchste Lob der Spartaner war. '1 K. Der Gebrauch und die Anwendung der Kunst erhielt dieselbe in ihrer Großheit: den da sie nur den Göttern geweihet, und für das Heiligste und Nüzlichste im Vaterlande bestimmet war, in den Häusern der Bürger aber Mäßigkeit und Einfalt wohnete: so wurde der Künstler nicht auf Kleinigkeiten oder auf Spielwerke durch Einschränkung des Orts oder durch die Lüsternheit des Eigentümers lieruntergesezet, sondern, was er machete, war den stolzen Begriffen des ganzen Volks gemäß. Wir wissen, daß MiltiadeS, THeini stokleS, Ari- stideS und Cimon, die Häupter und Erretter von Griechenland/ nicht besser als ihr Nachbar wohnete». Die Wohnungen begüterter Personen waren von den gemeinen Häusern unterschieden durch einen Hof, --vxi, genant, welcher von dem Gebäude eingeschlossen war, wo der Hausvater zu opfern pfle- gete. 5) Grabmale aber wurden als heilige Gebäude angesehen; daher es nicht befremden muß, wen sich Nicias, der berühmte Maler, gebrauchen lassen, ein Grabmal vor der Stadt Tritäa in Achaja auszumalen. 6) Man muß auch erwägen ^ wie sehr eS 1) ?. 6. c» ic>. 2) TclvA. Z. v. Z7. Z) ?Iat. m klenon. suk. im. 4) Oem08t.Ii. orat. repudl. ordm. p. 12^ 5) lle repuljl. !. 1. init. 6) ?LU8lM. I. 7. c. 22» 4 Buch, 1 Kap. 3? die Nacheiferung in der Kunst befördert habe / wen ganze Städte/ eine vor der andern/ eine vorzügliche Statue zu haben sucheten/ <) und wen ein ganzes Volk die Kosten zu einer Statue sowohl von Götter«/^) als von Siegern in den öffentlichen Spielen aufbrachte. Einige Städte waren auch im Altertume selbst blos durch eine schöne Statue be- ka.it/ wie Aliphera^') wegen einer Pallas von Erzt, vom HekatodoruS und SostratuS ge- inachet. K. 29. Die Bildhauerei und Malerei sind unter den Griechen eher als die Baukunst zu einer gewissen Vollkommenheit gelanget: den diese hat mehr JdcalischeS/als jene/ weil sie keine Nachahmung von etwas Wirklichem hat sein können/ und/ nach der Notvweiidigkeit/ auf allgemeine Regeln und Ge- seze der Verhältnisse gegründet worden. Hene beiden Künste/ welche mit der bloßen Nachahmung ihren Anfang genommen haben/ fanden alle nöthigen ,l) pliii, I. 3?. c. 10. scct. Z7. 2) Oiun)S. c. 2?. Fea tadelt hier den Autor mit unrecht/ indem er über eine gar nicht angeführte Stelle spricht, in welcher lich natürlich der Beweis für das Gesagte nicht finden konte. Me»er. Z) I. (>. c.7. c. >4. c. >3. c. liZ. > in Arkadien Kiebelis. Ä) l. /^. c. 78.. Polubius sagt nichts davon, And Winckclmaki hätte lieber T.hespiii, das wegen der Statue des Cupi- do berühmt war, anführen sollen Ke ssing. P 0 l » bius bestätigt indeß wirklich an der angeführt?» Stelle diese Aussage. Auch T,l>« s» iü, Sl»mpia/K»? Md Knidos waren nebst vielen andern Städten und Inseln durch ihre Statnxv besonders berühmt. M?«<>-'. L?u5> xayzs». V!II. 26. Oikb ejis.. Geschichte der Kunst. Regeln am Menschen bestimt/ da die Vauknnst die ihrigen durch viele Schlüsse finden, nnd durch den Beifall festsezen mußte. ß. 3v. Die Bildhauerei aber ist vor der Malerei vorausgegangen/ und hat/ als die ältere Schwester/ diese/ als die jüngere/ gefüyret! ja, PliniuS ist der Meinung / daß zur Zeit des troianischen Krieges die Malerei noch nicht gewesen sei/) Der Lu- piter des PhidiaS/ und die Juno des Poly- kletuS/ die vollkommensten Statuen/ welche das Altertum gekaut hat/ waren schon/ ehe Licht u«d Schatten in griechischen Gemälden erschien. Den Apollo doruS/'^) und sonderlich nach ihm Zeu« xiS/ derMeister und der Schüler/ welche in der neunzigsten Olympias berühmt waren/ find die ersten/ welche hierin sich zeigeten; ') da man sich die Gemälde vor ihrer Zeit als neben einander gesezete Statuen vorzustellen hat/ die ausser der .Handlung/ in welcher sie gegen einander standen, als einzelne Figuren kein Ganzes zu machen schienen / nach eben der Art/ 1) 1^, Z5 c. Z. sect. 6. Meyer. 2) Er wurde der Schattenmale r aenant / v. Man siehet also die Ursache solcher Veneniiuna, und Hesvchius, welcher nir das ist: der Z eltmaler, genommen, ist zu verbesser». BZ i n ck e l m a i>. ist ein Theatermaler.) Hier wird mchr des Avollodorus/ sondern nur des Zeuris gedacht, wie er zuerst das Verhältniß zwischen Licht undSchatten erfunden. !Dai; Avoh lodoruL zuerst Licht und SÄatten ein seinen Gemälden angewandt, erzählt Plutarchns. (v« gloi-iu inUIo.) Nach Plinins l!. 3'>. g- »cct, blühte Apollodorus »ni die uud Zeuris um die Olympiade. (8ui>!as v. Fra. 4 Buch/ 1 Kap. wie die Gemälde auf den sogenanten hetrurischen Gefäßen von gebrauter Erde sind. Enphrano r, welcher mit dem Praxiteles zu gleicher Zeit/ und also später noch als ZeuxiS/ lebete/ hat/ wie PliniuS saget/ die Symmetrie in die Malerei gebracht. >) §. cZi. Der Grund von dem späteren WachS- tume der Malerei lieget theils in der Kunst selbst/ theils in dem Gebrauche und in der Anwendung derselben; den da die Bildhauerei den Götterdienst erweitert hat/ so ist sie wiederum durch diesen gewachsen. Die Malerei aber hatte nicht gleichen Vortheil: sie war den Göttern und den Tempeln gewidmet/ und einige Tempel/ wie der Juno zu SamoS/ ) waren Pinakvthecä / oder Galerien vonGemälden; auch zu Rom waren in dem Tempel des Friedens/ nämlich in den oberen Zimmern oder Gewölbern desselben/ die Gemälde der besten Meister ausgehänget.^) Aber die Werke der Maler scheinen bei den Griechen kein Vorwurf heiliger zuversichtlicher Verehrung und Anbetung gewesen zu sein: wenigstens sinket sich unter allen vom PliniuS und PausauiaS ange- fw.retell Gemälden kein einziges/ welches diese Ehre erhalten hätte; wo nicht etwa jemand in unten ge- sezetcr Stelle des Philo ein solches Gemälde sinken wollte. 4) Pausanias gedenket schlechthin eines 1) 1^, 35, c> >i. sccl, 40. n> Mas Plinius unter verstanden / sehe man >nl ? B. 3 K. 23 §. erklärt.) 2) Slr-I>. I. 14. p, 3) p!in. I> 36, c. 5, sect, I I. 4) virk. cd Oujiim, 1013. «V n'Fc- Geschichte der Kunst. Gemäldes der Pallas in ihrem Tempel zu Tegea/5) welches ein Leetisternium derselben war. -) §. 32. Die Malerei insbesondere hat dem Ausmalen der Zimmer unter drn Allen sehr viel zu danken / so wie eben dieses zn unserer Voreltern Zeiten in Italien eine von den Ursachen des AufnehmenS der Kunst war, ehe weniger kostbare Bekleidungen der Wände mit gewttrketem Zeuge die Malerei aus den Zimmern verbannet haben. Die Alten ließen ihre Zimmer auch mit geographischen Karten ausmalen/ von welcher Auszierung man sich aus dem langen und prächtigen topographischen Saale der Länder von Italien in dem vaticanischen Palaste einen Begrif machen kau. §. 33. Die Malerei und Bildhauerei verhalten sich wie die Beredsamkeit und Dichtkunst: diese, weil sie mehr als jene heilig aehalteu, zu heiligen Handlungen gebrauchet und besonders belohnet wurde/ gelangete zeitiger zu ihrer Vollkommenheit; und dieses ist zum Theil die Ursache, daß, wie Cicero saget/ mehr gute Dichter, als R e d n e r/ gewesen. ') Wir finden aber/ daß Maler zugleich Bildhauer waren: wie unter anderen ein atheniensischer Maler< Mikon/ welcher die Statue des Kallias von Athen gemachet hattet) der berühmte Maler Euphranor/5) des Praxiteles Zeitgenosse; 1) I.. g, c, 47. 2) Sie Hauptstelle üb..- die Lectisternien der Römer ist hei LiViu §. (Ii. 40. ill liiie,) Me»e r. 3) Oe oral, I. 1. c. Z. 4) p!>u<ü>n. I. 6. c. 6. Die Ansülirmig dieser Stelle ist ganz richtig »»d das Übrige, was Heinrich Meuer beigebracht, gehört nicht hieher. Siebet is. Z) piin, I> Z4> c> g> sect, ig.xrinc^ I.ZZ.c. >>. sccl.4o.n. 4 Blich/ 1 Kap. Zeuxis/ dessen Werke von gebranter Erde zu Ambracia standenzi) und Pro tog e n es / welcher in Erzr arbeitete; 2) sogar vom Apelle 6 war die Statue der Tochter des spartanischen Königs Archida- inus'/ C »niska / gearbeitet. Nicht weniger sind Bildhauer zugleich als Baumeister berühmt geworden. PolykletuS hatte zu EpidauruS ein Theater gebanet/ welches dem Askulapius gewidmet und in dem Bezirke um dessen Tempel eingeschlossen war. §. Man kan mit Necht ganz Griechenland daS Land der Kunst nennen: den obgleich dieselbe vornehmlich zu Athen ihren Siz genommen hatte/ so wurde die Kunst demohnerachtet auch zu Sparta geübet/ und cö schikcle diese Stadt in den ältesten Zeiten und vor den persischen Kriegen nach Sarden, Gold zu der Statue eines Apollo zu kauft»/ das Gesicht desselben zu vergolden. 5) Solche Vortheile hatte die Kunst der Griechen vor andern Völkern/ und auf einem solchen Boden koilten so herliche Früchte wachsen. >) PI!n> I. Z5. c. 10. sect. 4. Meyer. 2) Iil> I. Z4. e. g. sect. 19. n. ZZ. Meyer, Z) l. 6. c. 1. cxccrpt» e plutarclio, x. Z4Z.Z 5) llei'iclot. I. c. 69. Noch genauer wird dieses erzählt Von Athenäu?, (I.. 6. r. 4. l-i. 2o.^> Meyer. Zweites Kapitel. Von dem Wesentlichen der Kunst. §. Von dem ersten Abschnitte gehe ich zu dem zweiten / das ist/ von den vorläufigen Nachrichten zu dem Wesen selbst der Kunst der Griechen: so wie ihre Jugend / nach den Tagen der Vorübungen zu den großen Spielen/ sich in dem Stadio selbst vor den Augen des ganzen Volks' / nicht ohne bangc Furcht vor dem AuSgange/ zeigete ; ja/ man köute dasjenige/ was in den vorhergehenden Büchern von den Ägyptern und Hetruriern vorgebracht wordeu/ gleichsam nur ein Vorspiel zu dem eigentlichen Stadio nennen. §. In der That bilde ich mir ein/ in dem olympischen Stadio aufzutreten/ wo ich glaube/ Statuen junger und maulicher Helden/ und zwei - und vierspännige Wagen von Erzt mit der Figur des Siegers auf denselben/ und so viel Wunderwerke der Kunst zu Tausenden zu sehen; ja/ in diesem Traume hat sich meine Einbildung mehrmal vertiefet/ weil ich mich mit jenen Ringern vergleiche / indem meine Unternehmung für nicht weniger mißlich als die ihrige zu achten ist. Den ich muß mich mir selbst also vorstellen/ da ich mich an die Bahn wage von so vielen Werken der Kunst/ die ich vor Augen sehe, und von den hohen Schönheiten derselben die Grünte und Ursachen zu erklären/ wo ich/ wie in den Wettspielen der Schönheit/ nicht einen/ sondern un z ä hli ge erleuchtete Richter vor mir sehe. §, Z. Diese eingebildete Versejung nach EliS will gleichwohl nicht als ein bloßes dichterisches Bild angesehen sein; eS wird hingegen diese Erschei- 4 Buch, 2 Kap. llling gleichsam zur Wirklichkeit gebracht/ wen ich mir alle Nachrichten von Statuen und Bilder»/ und zugleich alles/ was von diesen übrig sein kan / nebst der unendlichen Menge erhaltener Werke der Kunst auf einmal gegenwärtig vorstelle. Ohne diese Samlung und Vereinigung derselben wie unter e i- nen Blik ist kein richtiges Urtheil zu fällen: weil aber Verstand und Auge alle Werke samlet und in einen Raum zusammensezet/ so wie das Auserlesenste der Kunst in dem Stadio zu EliS in vielen Reihen geordnet stand/^) befindet sich der Geist wie mitten in denselben. §. ^>. So wie aber niemals ein vernünftiger Sterblicher in neuern Zeiten bis nach Elis durchge- drnngen ist/ um mich der Worte zu bedienen/ mit welchen ein erfahrener Gelehrter^) der Altertümer mich zu dieser Reise aufzumuntern gedachte: eben so wenig scheinen unsere Scribenten über die Kunst/ wie sie hätten thun solle»/ ) sich in den Zustand versezet zu habe»/ sich in dem Stadio an diesem Orte zu finde»/ und von allem vor einem ProxenideS gründliche Rechenschaft geben zn wollen; diesen Tadel kan ich vor denen/ die jene Schriften gelesen habe»/ behanvten. Z. L. Wie ist es aber geschehen/ da in allen Wissenschaften gründliche Abhandlungen erschienen sind/ daß die Gründe der Kunst und der Schönheit wenig untersuchet geblieben. Mein Leser! Die Schuld davon lieget in der uns angeborenen Trägheit/ ans uns selbst zu denken/ und in der Schulweisheit. Den anf der einen Seite sind die alten Werke der Kunst als Schönheiten angesehen j) Der Autor scheint an PainaniaS (I. L, «. 21.) gedacht zu habe». Meyer. sMan vergleiche 7 V. 2 K. Z2 §,ü Z) Miedesel.) Z) Man sehe oben i B> l K> 24 K.Z 44 Geschichte der Kunst. worden, zu deren Genuß man nicht zu gelangen verboffen kaii, und die deßwegen in einigen die Einbildung leichthin erwärmen, aber nicht bis zur Seele dringen: und die Altertümer haben nur Anlaß gegeben, Belesenheit auszuschütten/ der Vernunft aber wenige Nahrung s verschaff oder gar keine. Auf der andern Seite hingegen, da die Weltweisheit größtentheils geübet und gelehret worden von denen, die durch Lesung ihrer düstern Vorgänger in derselben, der Empfindung wenig Raum lassen können, und dieselbe gleichsam mit einer harten Haut überziehen lassen: hat man uns durch ein Labyrinth metaphysischer Svizfindigkeiten und Umschweife ge- führet, die am Ende vornehmlich gedienet haben, ungeheure Bücher auszuheke», und den Verstand durch Ekel zu ermüden. §. 6. Aus diese» Gründen ist die Kunst von philosophischen Betrachtungen ausgeschlossen geblieben, und die großen allgemeinen Wahrheiten, die auf Rosen zur Untersuchung der Schönheit und von diesen näher zu der Duelle derselben führen, da dieselben nicht auf das einzelne Schöne angewendet und gedeutet worden , haben sich in leere Betrachtungen verloren. Wie kan ich anders urtheilen auch von den Schriften, die den höchsten Vorwurf nach der Go tt- heit, ich meine die Schön hei t zum Endzweke gewählet haben? Lange, aber zu spät, habe ich derselben nachgedacht, und in dem schönsten und reifen Feuer der Jahre ist mir ihr Wesen dunkel geblieben, daher ich nur unkräftig und ohne Geist von derselben reden kaii; meine Bemühung kan indessen Andern der Antrieb zu gründlichern und von der Gratie begeisterten Lehren werden. ß. 7. Dieser zweite Abschnitt enthält zween Theile; der erste handelt von der Zeichnung des Nakenden, welcher auch die Thiere mitbe- 4 Buch/ 2 Kap. greifet; der zweite von der Zeichnung bekleideter Figuren und insbesondere von der weiblichen Kleidung. Die Zeichnung des Nakenden gründet sich auf die Kentniß und auf Begriffe der Schönheit/ und diese Begriffe bestehen theils in Maßen und Verhältnissen, theils in Formen/ deren Schönheir der ersten griechischen Künstler Absicht war/ wie Cicero saget! diese bilden die Gestal t/ und jene bestimmen die Proportion. K. L. Von der Schönheit ist zuerst überhaupt zu reden/ sowohl was die Formen als die Stellung und Gebärden betrift/ nebst der Proportion/ und alsdan von der Schönheit einzelner Theile des menschlichen Körpers. In der allgemeinen Betrachtung über die Schönheit aber ist vorläufig der verschiedene Vegrif des Schönen zu berühren/ welches der verneinende Begrif derselben ist; und alsdan ist einiger bestickter Begrif der Schönheit zu geben; es kau jedoch leichter/ wie Cot ta beim Cicero von G o tt meinet/von der Schönheit gesaget werden/ was sie nicht ist/ als was sie ist; nnd es verhält sich einigermaßen mit der Schönheit und ihrem Gegentheile/ wie mit der Gesundheit und Krankheit! diese fühle» wir und jene nicht. S. Die Schönheit/ als der h ö chste End- zwek/ und als der Mittelpunkt der Kunst/ erfordert vorläufig eine allgemeine Abhandlung/ in welcher ich mir und dem Leser ein Genüge zu thun wünschcte; aber dieses ist auf beiden Seiten ein schwer zu erfüllender Wunsch. — Nach einigen allgemeinen Anmerkungen über die Kunst der Zeichnung unter den Griechen/ da ich weiter in Betrachtung dersel- i) Di? ii». I. 2. c. Z4. in iino. ?) Uc N!>t. Ocoi'. I. 1. c 21. !n Geschichte der Kunst. ben zu gehen suchete/ schien mir die Schönheit zu winken/ vielleicht eben die Schönheit/ die den großen Künstlern erschien/ und sich fühlen/ begreifen und bilden ließ: den in ihren Werken habe ich dieselbe zu erkennen gesuchet und gewiinschet. Ich aber schlug mein Auge nieder vor dieser Einbildung/ wie diejenigen/ denen der Höchste gegenwärtig erschienen war/ weil ich diesen in jener zu erbliken glan- bete. Ich erröthete zugleich über meine Zuversicht/ die mich »erdreistet hatte/ in die Geheimnisse derselben hineinzuschauen/ und von dem höchsten Begriffe der Menschlichkeit zu reden / indem ich mir die Furcht zu Gemüthe führete/ die mir ehedem dieses Unternehmen verursachete. Aber die gütige Aufnahme/ die meine Betrachtung gefunden/ machet mir Muth/ jenem Winke zu folgen, und der Schönheit weiter nachzudenken. Mit erwärmeter Einbildung von dem Verlangen/ alle einzelne Schönheiten/ die ich bemerket/ in Eins und in einem Bilde zu vereinigen/ suchete ich mir eine dichterische Schönheit zu erwe- ken/ und mir gegenwärtig hervorzubringen. Ich bin aber von neuem in diesem zweiten Versuche und Anstrengung meiner Kräfte überzeuget worden, daß dieses noch schwerer ist/ als in vermenschlichen Natur das vollkommene Schöne, wen es vorhanden sein kaii/ zu finden. Den die Schönheit ist eines von den grofien Geheimnissen der Natur/ deren Wirkung wir seke»/ und alle empfinden/ von deren Wesen aber ein allgemeiner deutlicher Begrif unter die »«erfundenen Wahrheiten gehöret. Wäre dieser Begrif geometrisch deutlich/ so würde das Urtheil der Menschen über das Schöne nicht ver-- schieden sein/ und es würde die vberzeugung von der wahren Schönheit leicht werden; noch weniger würde es Menschen entweder von so unglük- licher Empfindung oder von so widersprechendem TM' 4 Buch/ 2 Kap. kcl geben könnet! / daß sie auf der einen Seite sich eine falsche Schönheit bilden/ auf der andern hingegen keinen richtigen Begrif von derselben annehmen/ und mit dem EnniuS sagen würden: niiiii ueuti^uaiu cor consentit c»in ocuko- ruir, Diese leztern sind schwerer zu überzeugen/ als jene zn belehren; ihre Zweifel aber sind mehr, ihren Wiz zu offenbaren/ erdacht/ als zur Verneinung des wirklich Schönen behauptet! es haben auch dieselben in der Kunst keinen Einflufi. Jene sollte der Augenschein sonderlich im Angesichte von tausend und mehr erhaltenen Werken des Altertums erleuchten: aber wider die Unempsindlichkeit ist kein Mittel und es fehlet uns die Negel und der Kanon des Schönen/ nach welchem/ wie Eurividcs saget/ das Garstige beurtheilet wird: und auS dieser Ursache sind wir/ so wie über das/ was wahrhaftig gut ist/ also auch über das'/ was schön ist/ verschieden. K. I», Man muß sich nicht wundern / wie ich bereits gedacht habe/ daß die Begriffe der Schönheit unter uns sehr verschieden sind von den Begriffen der Sinesen und der indischen Völker / wen wir bedenken/ daß wir selbst selten uns in einen Punkt über ein schönes Gesicht vereinigen. Die blauen Augen werden insgemein von braunen gezogen/ und die braunen von blaneu gereizet/^) und es verhält Nicht EnniuS/ sondern A l k »I ä v ». F e a. 3) In den Anmerkungen zur Geschichte der ^ Kunst heißt es: „ die blauen Augen werden insgc- » mein von blauen gezogen " Der Zusammenhang rechtfertiget unsere Veränderung. Meyer. Geschichte der Kunst. sich mit dem verschiedenen Urtheile über eine schöne Person/ wie mit der verschiedenen Neigung gegen weisse und braune Schönen. Derjenige/ welcher eine bräunliche Schönheit einer schönen weissen vorziehet/ ist deßwegen nicht zu tadeln/ ja/ man könte ihm beipflichten / wen derselbe weniger durch das Gesicht als durch das Gefühl gereizet wird. Den eine bräunliche Schönheit kan vielleicht eine sanftere Haut als eine weisse schöne Person zu haben scheine»/ da die weisse Haut mehr Lichtstrahlen als eine bräunliche zurükschikct/ und also enger/ dichter und folglich stärker als diese sein muß. ES würde daher eine bräunliche Haut durchsichtiger zu achten sein/ weil diese Farbe/ wen sie natürlich ist/ von dem Durchscheinen des Bluts verursachet wird/ und aus eben diesem Grunde färbet sich eine bräunliche Haut in der Sonne eher als eine weisse; ja/ eben daher ist die Haut der Mohren weit sanfter anzufühlen als die unsrige. Die bräunliche Farbe in schönen Knaben war den Griechen eine Deutung auf ihre Tapferkeit/ und die von weisser Farbe hießen Kinder der Götter.^) §. i l. Diese Verschiedenheit der Meinungen zeiget sich noch mehr in dem Urtheile über abgebil-> dete Schönheiten in der Kunst/ als in der Natur selbst; den weil jene weniger als diese reizen: s» werden auch jene/ wen sie nach Begriffen hoher Schön- i) ?Iat> poll!> I. ?. s>. 474. in 6ne. <üc>ns. plutarcli. P. 44. l. 6. p. 16,?. Daselbst wird kein so allgemeiner ausgesprochen/ sondern nur bemerkt, daß Freunde schomr Knaben von ihnen sagten: die braunen sähe» nniii, licli aus, die weissen wären Kinder der Götter, die st u m ps» asige n hätten etwas A n m u thi ge s, die mit einer Adl ersna se etwas K ö n ig l i ch e s , die blas- ,'cii nut der Honig färbe werden geliebt, Siebelii. 4 Buch, 2 Kap. -w heit gebildet und mehr ernsthaft als leichtfertig sind/ dem unerleuchteten Sinne weniger gefallen, als eine gemeine hübsche Bildung/ die reden und handeln kau. Die Nrfache lieget in unseren Lüsten/ welche bei den mehrcsten Menschen durch den ersten Blik erreget werden, und die Sittlichkeit ist schon angefüllet/ wen der Verstand suchen wollte, das Schöne zu genießen; alsdan ist es' nicht die Schönheit/ die uns einnimt/ sondern die Wohliust. Dieser Erfahrung zufolge werden jungen Leuten/ bei welchen die Lüste in Wallung und Währung sind, mit schmachtenden und brünstigen Reizungen bezeichnete Gesichter/ wen sie auch nicht wahrhaftig schön sind/ Göt- tinen erscheine»/ und sie werden welliger gerühret werden über eine solche schöne Frau/ die Zucht und Wohlstand in Gebärden und Handlungen zeiget/ welche die Bildung nlid die Majestät der Juno hätte. §. 12. Die Begriffe der Schönheit bilden sich bei den mehrcsten Künstlern aus solchen unreifen ersten Eindrüken/ welche selten durch höhere Schönheiten geschwächet oder vertilget werde»/ zumal wcii sie/ entfernet von den Schönheiten der Alten/ ihre Sinne nicht verbessern können. Den es ist mit dem Zeichne»/ wie mir dem Schreibe»: wenige Knabe», welche schreiben lernen, werden mit Gründen von der Beschaffenheit der Züge/ und des Lichts und Schattens an denselben/ worin die Schönheit der Buchstaben bestehet, angeführer; sondern ma» gibt ihnen die Vorschrift ohne weiteren Unterricht " nachzuahme», und die Hand bildet sich im Schreiben/ ehe der Knabe auf die Gründe von der Schönheit der Buchstaben achtet. Eben so lernen die meh- resien jungen Leute zeichnen; und so wie die Züge im Schreiben in vernünftige» Zähren bleibe»/ wie sie sich jn der Jugend geformet haben: so malen sich mSgemcin die Begriffe der Zeichner von der Schön- Winckelniaii. 4. 3 60 Geschichte der Kunst. hci't in ihrem Verstand-/ wie das Auge gewöhnet worden/ dieselbe zu betrachten und nachzuahmen; welche unrichtig werden/ da die mehresten nach unvollkommenen Mustern zeichnen. K. 16. Es' ist auch sehr wahrscheinlich/ daß bei Künstlern/ so wie bei allen Mensche»/ der Begrif der Schönheit dem Gewebe und der Wirkung der Gesichtsnerven gemäß sei/ so wie man aus dem unvollkommenen und vielmals unrichtigen Colorit der Maler zum Theil auf eine solche Vorstellung und Abbildung der Farben in ihrem Auge schließen muß; den was dieses' betrist/ ist der Schluß/ welchen die Secte der Zweifler in der Philosophie von der verschiedenen Farbe der Augen sowohl bei Thieren als bei Menschen/ auf die Ungewißheit unserer Keiitniß der wahren Beschaffenheit der Farbe dieser oder jener Vorwürfe machete/ nicht ohne Grunds) S» wie hier nun die Farbe der Feuchtigkeiten des Auges als die Ursache könte angesehen werden: eben so wird vielleicht in der Beschaffenheit der Nerven der verschiedene Begrif der Formen liegen/ die die Schönheit bilden. Dieses wird begreiflich auS den unendlichen Geschlechtern der Früchte und aus den unend- chen Arten ebenderselben Frucht/ deren verschiedene Form und Geschmak sich bildet und erwachset durch die mancherlei Fäferchen / aus welchen die Nöhreir gewebet und verschränket sind/ worin der Saft hinaufsteiget/ geläutert und reif wird. Da nun ein Grund von den mancherlei Eindrükcn auch bei denen, Sie schloße» aus dcr verschiedene» Farbe der Augen, daß auch das Auffasse» dcr Farbe» verschiede» sei» müke, F?a. sMan vergleiche die Abhandlung von der Fähigkeit der E >» v find» n gdes Schone»/ h.! Z.Z 4 Buch,, 3 Kap. st die sich mit Abbildung derselben beschäftigen/ vorhanden sein muß/ wird gedachte Muthmaßung nicht schlechterdings können verworfen werden, l) K. t i. In andern hat der Himmel das sanfte Gefühl der reinen Schönheit nicht zur Neife kommen lassen/ und es ist ihnen entweder durch die Kunst/ das ist- durch die Bemühung/ ihr Wissen allenthalben anzuwenden/ in Bildung jugendlicher Schönheiten erhärtet worden/ wie im Michael Angel»/ oder es hat sich dieses Gefühl durch eine pöbelhaft« Schmeichelei des groben SinneS/ um demselben al- ses greiflicher vor Augen zu legen/ mit der Zeit gänzlich verderbet/ wie im Bernini geschehen ist. Jener hat sich mit Betrachtung der hohen Schönheit beschäftiget / wie man auS feinen theils gedrukten/ theils ungedrukten Gedichten siehet/ wo er in würdigen und erhabenen Ausdrillen über dieselbe den- t) Bei diesen und ähnliche» Untersuchungen wird des Autors oft ausgesprochene Sehnsucht nach innigerer Erkentniß der Natur offenbar. Man vergleiche in dieser Nükstcht Schellings Urtheil über Winekel- inan in dessen treslicher Rede, worin er das Ver- haltn iß der bildenden Künste zur Natur aus- einandersezt. (Philosoph. Schriften IB. S.) Me » e r. 2) Was der Autor über Michel Angelo und Ver- nini sagt, dürste h art, vielleicht unge r e ch t scheinen; wen man nicht bedächte, aus welchem Standpunkte der Geschmak dieser Meister betrachtet ist. Winekel- man urtheilt durchaus nicht nach Maßgabe der neuern Kunst, sondern er schäzt, was sie geleistet haben, nach der höchsten von den antiken Meisterstnken abgeleiteten Jdea schöner Form; und in dieser Hinsicht hat er unstreitig Recht. Gau, iu demselben Sinne ist auch das zu verstehen, was Nikolaus Poussiu über Naphael soll gesagt haben: »Gegen die Neuern gehalten ist er »ein Engel, in Vergleichung mit den Alten aber ein i, Esel. " M e»e r, 52 Geschichte der Kunst. ket/1) und er ist wunderbar i» starken Leibern; aber aus angeführetem Grunde hat derselbe aus seinen weiblichen und jugendlichen Fignren Geschöpfe einer andern Welt/ im Gebäude/ in der Handlung und in den Gebärden gcmachet: Michael Angelo ist gegen den Raphael/ was Thucydides gegen den Xenophon ist. Bernini ergrif eben den Weg/ welcher jenen wie in unwegsame Orte und zu steilen Klipen brachte/ und diesen hingegen in Sumpfe und Lachen verführete: den er suchete Forme»/ aus der niedrigsten Natur genommen/ gleichsam durch das Übertriebene zu veredlen/ und seine Figuren sind wie der zu plözlichem Glükgelangete Pöbel; sein Ausdruk ist oft der Handlung widersprechend/ so wie Hannibal im äussersten Kummer lache- te. Demohngeachtet hat dieser Künstler lange auf dem Throne gesessen/ uud ihm wird noch izo gehuldiget. ES ist auch daS Auge in vielen Künstlern eben so nig/ wie in Ungelehreten/ richtig/ und sie sind nicht verschiedener in Nachahmnng der wahren Farbe der Vorwürfe/ als in Bildung des Schönen. Barocci/ einer der berühmtesten Maler/ welcher nach dem N a- phael studiret hat / ist an seinen Gewändern / noch mehr aber an seinen Profilen / kcntlich/ an welchen die Nase insgemein sehr eingedrükt ist. Pietro von Cortona ist es durch das kleinliche und unterwärts platte Kin seiner Köpfe / und dieses sind gleichwohl Maler der römischen Schule: in andern Schulen von Italien finden sich noch unpollkoinmencrc Begriffe. 1) Tiinio H-Iiclicl Luonarrot'i ll Veccluo cn» un» «li DenedeNo V.ii'cli'l o «lue e5Le (cli Oennarc» in 17^6. ??! cne r. 2) I^iv. I. Zo. c, 44, 'Me»er. Z) v. d. Fähigk. der Empf. i>cS Schöne», §, tZ — 4 Buch/ 2 Kap. tz. 16. Die von der zwoten Art/ nämlich die Zweifler wider die Nichtigkeit der Begriffe der Schönheit/ gründen sich vornehmlich ans die Begriffe des Schönen unter entlegenen Völkern/ die/ ihrer verschiedenen Gesichtsbildung zufolge/ auch verschieden von den unsrigen sein müßen. Den so wie viele Völker die Farbe ihrer Schönen mit Ebenholz (welche so/ wie dieses'/ glänzender als' anderes Holz und als eine weisse Haut ist/) vergleichen würden/ da wir dieselbe mit Elfenbein vergleichen: ebenso/ sagen sie/ werden vielleicht bei jenen die Vergleichungen der Formen des Gesichts mit Thieren gemachet werden/ an welchen uns eben die Theile »»gestalt und häßlich scheinen. Ich gestehe/ daß man auch in den europäischen Bildungen ähnliche Formen mit der Bildung der Thiere sinden kaü/ und Otto van Veeil/ >) der Meister des Rubens/ hat nach dem Porta dieses in einer besondern Schrift gezei- get: man wird aber auch zugeben müßen/ daß/ je siärker diese Ähnlichkeit an einigen Theilen ist/ desto mehr weichet die Form von den Eigenschaften unseres Geschlechts ab/ und eS wird dieselbe theils ausschweifend/ theils übertrieben / wodurch die Harmonie unterbrochen/ und die Einheit und Einfalt ge- störet wird/ als worinen die Schönheit bestehet/ wie ich unten zeige. §. 16. He schräger z. E. die Augen stehen: wie an Kazen/ desto mehr fällt diese Richtung von der Base und der Grundlage des Gesichts ab/ welche das Kreuz ist/ wodurch dasselbe von dem Wirbel an in die Länge und in die Breite getbeilet gleich wird / indem die senkrechte Linie die Nase durchschneidet/ die horizontale Linie aber den Augenknochen. Lieget das Ange schräg/ so durchschneidet es eine Linie/ >) lStto Venitts.) Z4 Geschichte der Kunst. welche mit jener parallel/ durch den Mittelpunkt des Auges gezogen/ zu ftzen ist. Wenigstens muß hier eben die Ursache sein/ die den Übelstand eines schief gezogenen Mundes machet; den wen mtter ' zwo Linie» die eine von der andern ohne Grund abweichet/ thut eS dem Auge wehe. Also sind dergleichen Augen/ wo sie sich unter uns finden/ und an Sinesen und Japonesen sowohl als an einigen ägyptischen Köpfen im Profil / eine Abweichung. Die gepletschete Nase der Kalmukeu/ der Sinesen/ und anderer entlegenen Völker/ ist ebenfalls eine Abweichung; den sie unterbricht die Einheit der Forme« / nach welcher der übrige Bau des Körpers gebildet worden/ und eS ist kein Grund/ warum die Nase so tief gesenkct lieget/ und nicht vielmehr der Richtung der Stirne folgen soll; so wie hingegen die Stirn und Nase aus einem geraden Knochen/ wie an Thieren/ wider die Mannigfaltigkeit in unserer Natur sein würde. Der ausgeworfene schwül- > stige Mund/ welchen die Mohren mit den Affe» in ihrem Lande gemein haben/ ist ein überflüssiges Gewächs und eine Schwulst/ welchen die Hize ihres Klimas verursachet/ so wie uns die Lipen von Hize/ oder von scharfen salzigen Feuchtigkeiten/ auch einigen Menschen im heftigen Zorne/ aufschwellen. Die kleine» Augen der entlegenen nördlichen und östlichen Länder/ sind in der U»vollkomme»heit ihres Gewächses mitbegriffen / welches kurz und klein ist. K. 17. Solche Bildungen wirket die Natur allgemeiner/ je mehr sie sich ihren äusserste» Enden nähert/ und entweder mit der Hize oder mit der Kälte streitet / wo sie dort übertriebene und zu frühzeitige/ hier aber unreife Gewächse vo» aller Art hervorbringet. Den eine Blume verwelket in un- , leidlicher Hize/ und in einem Gewölbe ohne Sonne bleibet sie ohne Farbe: ja/ die Pflanzen arten aus -4 Bttch, 2 Kap. in eincm verschlossenen finstern Orte. Regelmäßiger aber bildet die Natur/ je näher sie nach und nach wie zu ihrem Mittelpunkt gehet/ unter eincm gemäßigten Himmei/ wie im ersten Kapitel l) angezeiget worden. Folglich find unsere und der Griechen Begriffe von der Schönheit/ als welche von der regelmäßigsten Bildung genommen find/ richtiger/ als diejenige»/ die fich Völker bilden können/ die/ nm mich eines' Gedankens eines neuern Dichters zu bedienen / von dem Ebenbilde ihr es Schöpfe rs halb verstellet sind: den was nicht schön ist/ kan nirgends schön scin/ wie Euripidcs saget.^) §. ">8. In diesen Begriffen aber find wir selbst verschieden/ und vielleicht verschiedener als selbst im Geschmake nnd Gerüche/ wo es nnS an deutlichen Begriffen fehlet/ nnd es werden nicht leicht hundert Menschen über alle Theile der Schönheit eines Gefichts einstimmig sein; ich rede von denen/ die nicht gründlich über dieselbe gedacht haben. Der schönste Mensch/ welchen ich in Italien gesehen/^) war es nicht in Aller Augen / auch derjenigen nicht/ die fich riihmeten/ auch auf die Schönheit unseres Geschlechts aufnierksam zu sein. Diejenigen aber/ welche die Schönheit als einen würdigen Vorwurf ihrer Betrachtungen angesehen und gewäh- let haben; können über das wahre Schöne/ da es nur eins nnd nicht mancherlei ist/ nicht zwifilg t) tZ Band, S.1 2) ?I>o?n!s5. V. 821. Euripidcs spricht von dem, was schändlich isi. Fea. Z) sNieolo Castellani/ aus einem der besten Häuser in Florenz. Man sehe die Biographie, vordem ersten Aandc.) Geschichte der Kunst. sein; und diese/ wen sie die Schönheit in den vollkommenen Bildern der Alten untersuchet haben, finden in den weiblichen Schönheiten einer stolzen und klugen Nation/ l) die insgemein so sehr gepriesenen Vorzüge nicht/ weil sie nicht von der weissen Haut geblendet werden. Die Schönheit wird durch den Gin empfunden; aber durch den Verstand erkaiit und begriffen/ wodurch jener nichrentheils weniger empfindlich auf alleS/ aber richtiger gemachet wird und werden soll. In der allgemeinen Form aber sind beständig die mehresten und gesittetesten Völker in Europa sowohl, als in Asien und Afrika/ übereingekommen; daher die Begriffe derselben nicht für willkürlich angenommen zu halten sind/ ob wir gleich nicht von allen Grund angeben können. §. 19. Die Farbe trägt zur Schönheit bei/ abrr sie ist nicht die Schönheit selbst/ sondern sie erhebet dieselbe überhaupt und ihre Formen; so wie der Geschmak des Weins lieblicher wird durch dessen » Farbe in einem durchsichtigen Glase/ als in der kostbarsten goldenen Schale getrunken. Die Farbe aber sollte wenig Antheil an der Betrachtung der Schönheit haben/ weil nicht sie/ sondern die Bildung das Wesen derselben ausmachet/ und über dieses werden sich Sinne/ die erleuchtet sind/ ohne Widerspruch leicht vereinigen. Da nun die weisse Farbe diejenige ist/ welche die mehresten Lichtstrahlen zurük- schiket/ folglich sich empfindlicher machet: so wird auch ein schöner Körper desto schöner sein, je weisser er ist / ja/ er wird nakend dadurch größer/ als er in der That ist/ erscheinen/ so wie wir sehe»/ daß alle neu in GypS geformete Figuren größer/ als die Statue»/ von welchen jene genommen sind/ sich vorstellen. Ein Mohr könte schön heissen / wen seine Gesichtsbildung schön ist/ und ein Reisender i) l Der Engl -, Z 4 Buch/ 2 Kap. 57 versichert/ daß der tägliche Umgang mit Mohren das Widrige der Farbe benimt/ und was schön an ihnen ist/ offenbaret) so wie die Farbe des Metalls und des schwarzen oder grünlichen Basalts der Schönheit alter Köpfe nicht nachtheilig ist. Der schöne weibliche Kopf in der lezten Art Stein/ in der Villa Albani/^) würde in weissem Marmor nicht schöner erscheinen; der Kopf des ältern Scipio im Palaffe Rospigliosi/ in einem dunkleren grünlichen Basalte/ ist schöner als drei andere Köpfe desselben in Marmor. Diesen Beifall werden besagete Köpfe/ nebst anderen Statuen in schwarzem Steine/ auch bei ttngelebreten erlange»/ welche dieselben als Statuen ansehen. Es offenbaret sich also in uns eine Kentnifi des Schönen auch in einer ungewöhnlichen Einkleidung desselben/ und in einer der Natur unangenehmen Farbe. ES ist aber auch die Schönheit >) LailcllI, r.ißlon, i> 7. 2) Es gab sonst zwei wohlgearbeitete weibliche Kopse aus Basalt in der Villa Albani; der schönere, von wel-, chem der Autor spricht, wurde ehemals Kleopatra und später Berenice genant. Er hat edle, sehr regek mäßige Zuge und ist in dieser Hinsicht ein vortrefliches Kunstwerk. Die Nase ist neue Restauration. Der zweite Kops, welcher jenem ersten weder an Schönheit der Zn.ie noch an Kunst der Ausführung gleichkömt, hieß srü»er Berenice nnd später Lucilla. Die Nase und das Kin sind ergänzt. Me»er. Z) Nicht eben schöner von Gestalt, meint Vermuthlich der 'Autor, als mehrere (nicht nur drei) demselben ähnliche Kopse pon Marmor, sondern geistreicher und das Werk eines bessern Künstlers. Wir möchten es indessen keineswegs als ausgemacht annehmen, daß er ein wirklich besseres Kunstwerk sei als der ähnliche von weissem Marmor im Museo Capitolino. Meyer. LZ Geschichte der Kunst. verschieden von der Gefälligkeit oder von der Lieb lichke i t. Den lieblich und angenehm ist eine Person zn nennen/ die durch ihr Wesen/ durch ihre Reden und durch ihren Verstand/ auch durch ' ihre Jugend/ Haut und Farbe reizen kan/ ohne schön zu sein: und solche Personen nennet Aristoteles «V5V und Plato saget! §. 20. Dieses ist also/ wie gesaget/ verneinend von der Schönheit gehandelt/ das ist- eS sind die Eigenschaften/ welche sie nicht hat/ von derselben abgesondert/ durch Anzeige unrichtiger Begriffe von derselben? ein bejahender Begrif aber erfordert die Kentniß des Wesens selbst/ in welches wir bei wenig Dingen hineinzuschauen vermögend sind. Den wir können hier/ wie in den mehresten philosophischen Betrachtungen/ nicht nach Art der Geometrie verfahren / welche vom Allgemeinen auf das Besondere und Einzelne / und von dem t Wesen der Dinge auf ihre Eigenschaften gehet und schließet/ sondern wir müßen uns begnügen, aus lauter einzelnen Gtüken wahrscheinliche Schlüsse zu ziehen. Was aber in folgenden Betrachtungen über die Schönheit mißgedeutet werden köiite/ muß denjenigen/ welcher unterrichten will/ nicht bekümmern: den so wie Plato und Aristoteles/ der Lehrer und der Schüler/ über den Endzwek der Tragödie völlig das Gegentheil behaupteten/ welche dieser als eine Reinigung der Leidenschaften anpries / jener hingegen als einen Zunder derselben beschrieben hat: so kaii von der unschuldigsten Ab- >) I Z, c, 2) I. Iv. 601. k Ovxuv , xa>.!,v , '/s /0L/V1 i-v -t,i3-c.c ; Mever. 4 Buch/ 2 Kap. ficht/ auch von denen die richtig denke»/ ein unge- neigtes Urtheil gefallet werde». Ich erinnere dieses vornehmlich über meine Schrift von der Fähigkeit der Empfindung des Schönen in der Kunst/ die bei einigen ein Urtheil crwckct/ welches' von meiner Absicht gänzlich entfernet gewesen ist. ß. 21. Die Weise»/ welche den Ursachen des allgemeinen Schönen nachgedacht haben/ da sie dasselbe in erschaffenen Dingen erforschet / und bis zur Quelle des höchste» Schöne» zu gelangen gesuchet/ habe» dasselbe i» der vollkommene» Übereinstimmung des Geschöpfes mit dessen Absichten/ und der Theile unter sich/ und mit dem Ganzen desselben/ gesezet. Da dieses aber gleichbedeutend ist mit der Vollkommenheit/ für welche die Mciifchheit kein fähiges Gefäß sein kan: so bleibet unser Begrif von der allgemeinen Schönheit nnbestimt/ uud bildet sich in uns durch einzelne Kcntnisse/ die/ wen sie richtig sind/ gesamlet und verbunden uns die höchste Zdea menschlicher Schönheit gebe», welche wir erhöhe»/ je mehr wir uns über die Materie erhebe» können. Da ferner diese Vollkommenheit durch den Schöpfer allen Creature» in dem ihnen zukommenden Grade gegeben worden, und ei» jeder Begrif auf einer Ursache bestehet/ die ausser diesem Beariffe in etwas anderem gesuchet werden muß: so kau die Ursache der Schönheit nicht ausser ihr/ da sie in allen erschaffenen Dinge» ist/ gefunden werden. Eben daher/ und weil unsere Kcntnisse Vergleichungs- begriffc sind/ die Schönheit aber mit nichts Höherem tMan sehe die V iv gra p l> i e, Z 2) Man vevgleiche Cice ro c'l'uic, I V. i Z,) und die von D a v i- finS t.^u angeführte Stelle aus dein StebauS S i e h e! i s. 6v Geschichte der Kunst. kan verglichen werde»/ rühret die Schwierigkeit einer allgemeinen und deutlichen Erklärung derselben. §.22. Die höchste Schönheit ist in Gott! und der Begrif der menschlichen Schönheit wird vollkommen/ je gemäßer und übereinstimmender derselbe mit dem höchsten Wesen kaii gedacht werden/ welches uns der Begrif der Einheit und der Unteilbarkeit von der Materie unterscheidet. Dieser Begrif der Schönheit ist wie ein aus der Materie durch'S Feuer gezogener Geist/ welcher sich suchet ein Geschöpf zu zeugen nach dem Ebenbilds der in dem Verstände der Gottheit entworfenen ersten vernünftigen Creatnr. Die Formen eines solchen Bildes stud einfach nnd ununterbrochen/ und in dieser Einheit mannigfaltig/ eben dadurch aber sind sie harmonisch; so wie ein süßer und angenehmer Ton durch Körper hervorgebracht wird/ deren Theile gleichförmig sind. Durch die Einheit nnd Einfalt wird alle Schönheit erhaben/ so wie es durch dieselbe alles wird/ was wir wirken und reden: den was in sich groß ist/ wird/ mit Einfalt ausgeführet und vorgebracht/ erhaben. ES wird nicht enger eingeschränket/ oder verlieret von seiner Größe/ wen es unser Geist wie mit ei nein Blike übersehen und messen/ und in einem einzigen Begriffe einschließen und fassen kan: sondern eben durch diese Be- greiflichkeit stellet eS uns sich in seiner völligen Größe vor/ und unser Geist wird durch die Fassung desselben erweitert und zugleich mit erhoben. Den alleS/ was wir getheilet betrachten müßen/ oder dnrch die Menge der zusammengesezeten Theile nicht mit einmal übersehen können/ verlieret dadurch von seiner Größe/ so wie uns ein langer Weg kurz wird durch mancherlei Vorwürfe/ welche sich uns auf demselben darbiete»/ oder durch viele Herberge»/ in -5 Buch/ 2 Kap. welchen wir anhalten können, i) Diejenige Harmonie/ die unsern Geist entzüket/ bestehet nicht in unendlich gebrochenen/ gekettelten und geschleifete» Töne» / sondern in einfachen/ lang anhaltenden Zügen. Aus' diesem Grunde erscheinet ein großer Palast klein/ wen derselbe mit Zieraten überladen ist/ und ein Haus groß/ wen cS schön und einfältig aufgeführet worden. K. 23. Aus der Einheit folget eine andere Eigenschaft der hohen Schönheit/ die Unbezeichnung derselben/ das ist: deren Formen weder durch Punkte noch durch Linien beschrieben werden/ als die allein die Schönheit bilden; folglich eine Gestalt/ die weder dieser oder jener bestimten Person eigen sei/ noch irgend einen Zustand des Gemüths oder eine Emvfindnng der Leidenschaft auSdrüke/ als welche fremde Züge in die Schönheit mischen/ und die Einheit unterbrechen. Nach diesem Begriffe soll die Schönheit sein wie das vollkommenste Wasser/ aus dem Schooße der Quelle geschöpfet/ welcheS/ je weniger Gefchmak es hat/ desto gesunder geachtet wird/ weil es von allen fremden Theilen geläutert ist. So wie mm der Znstand der Glükscligkcit/ das ist: die Entfernung vom Schmerze/ und der Genuß, der Zufriedenheit in der Natur der allerleichteste ist/ und der Weg zu derselben der geradeste und ohne Mühe und Kosten kan erhalten werden: so scheinet auch die Zdea der höchsten Schönheit am einfältigsten und am leichtesten/ und es ist zu derselben keine vlnlosophische Keiltniß des Menschen / keine Untersuchung der Leidenschaften der Seele/ und deren Ausdnik nöthig. DicscS scheint dem zu wideesvrcche» / was der Auter in der vorläufige» Abhandlung/ 4K. ZK. sagt. T e a. 62 Geschichte der Kunst. §. 2^. Da aber in der menschlichen Natur zwischen dem Schmerze und dem Vergnügen/ auch nach dem EpikuruS, kein mittlerer Stand ist/ und die Leidenschaften die Winde sind/ die in dem Meere des Lebens unser Schif treiben/ mit welchen der Dichter segelt/ und der Künstler sich erhebet.-2) so kau die reine Schönheit allein nicht der einzige Vorwurf unserer Betrachtung sein/ sondern wir müßen dieselbe auch in den Stand der Handlung und der Leidenschaft sezeii/ welches wir in der Kuiist in dem Worte NuSdruk begreifen. ES ist also zum ersten von der Bildung der Schönheit- und zum zweiten von dem Ansdruke zu handeln. §. 25. Die Bildung der Schönheit ist entw eder individuel/ das ist: auf das Einzelne gerichtet/ oder sie ist eine Wahl schöner Theile aus vielen Einzelnen uud Verbindung in Eins, welche wir idealisch nennen/ jedoch mit dieser Erinnerung/ daß etwas idealisch heissen kail/ ohne schön zu sein. Den die Gestalt der ägyptischen Figuren/ in welchen weder Muskeln noch Nerven und Adern angedeutet sind/ ist idealisch/ bildet aber dennoch in derselben keine Schönheit/ so wenig als die Bekleidung ihrer weiblichen Figuren/ da dieselbe nur gedacht werden muß und also idealisch ist/ schön genennet werden kau. §. 26. Die Bildung der Schönheit hat angefangen mit dem einzelnen Schönen - in Nachahmung einer schönen menschlichen Gestalt/ auch in Vorstellung der Götter/ und es wurde» auch noch in der Blüthe der Kunst Göttinen nach dem Ebenbilde schöner Weiber/ sogar die ihre Gunst gemein und i) DivA. I. ic». Lcct. Z4. krucker! Inst. erit. ?k!los. 1. ». j). 1279. in /ine. M e y e r. 4 Buch/ 2Kap. 65 feil hatten/ gemachet z t) und eine solch»! war Theo- Vota/ von welcher Xenophon redet. Den die Alten dachten hierüber verschieden von uns'/ so daß Strabo sogar diejenigen / die sich dem Dienste der Venus auf dem Gebirge Ernx gewidmet hatten/ heilge Leiber nennet;^) und der Anfang einer Ode des erhabenen PindarnS zum Lobe des Xe- nopho n aus Korinth / eines dreimal gekroneten olympischen Siegers'/ welche für Mädchen zum öffentlichen Dienst der VenuS geweihet war/ war folgender: „Ihr vielvergnügende MädchenS/ und Die- „ nennen der Überredung in dem reichen Korinth !" j) Möge bei dieser Stelle ja niemand an Porträtähn- lichkeit denken, den das hieße den Genius der alte» Kunst gänzlich verkennen. Wen alte Autoren von der Phr»ne, Lais und andern melden, daß große Künstler ihre Meisterwerke »ach denselben gebildet haben, so besteht die Wahrheit der Sache einzig darin, daß die genanten schönen Personen den großen Künstlern zur Auffassung ihrer Jdealbildung, z. V- der Venus, eine äussere Veranlassung gegeben und ihnen vielleicht bei der Ausführung zum Modell dienten, keineswegs aber, daß iie wirklich vorträtirt worden. Dem Arellius, welcher kurz vor Augustus lebte (PU„. I. Z5. c. 10, 5«l,t. z?.), wurde es^ als eine Schande vorgeworfen, daß feine Gemälde von Göttiuen stets den Buhlerinen glichen, mit denen er gerade umging. Me» er. fMan vergleiche den §. ZZ. dieses Kavitels, und vor- ziiglich dieGedanken n b. d. Nachah m n » g -e. §. 3S^ lGedanken >il>. d. Nachahninng §. 2S. ». ZL.Z Z) I.. 6. x. 41g. Er nent solche Weiber Meyer. ^4) ^lken. I. iZ. c. 4. fn. 3Z.^ Der Autor scheint die Stelle im Athcnäus 6! Geschichte der Kunst. §, 27. Dic Gymnasia und die Orte, wo sich die Jugend im Ringen und in anderen Spielen nakcnd übete/ und wohin man ging/ die schöne Zugend zu sehen / l) waren die Schule«/ wo dic Künstler dic Schönheit des GcbäudeS sahen / und durch die tägliche Gelegenheit/ das schönste Nakcndc zu sehen/ wurde ihre Einbildung erhizct/ und die Schönheit der Formen machete sich ihnen eigen und gegenwärtig. In Sparta übcten sich sogar junge Mädchen entkleidet/oder fast entblößet/ im Ringen.^) §. 28. Die Schönheit ist jedem Alter eigen, aber/ wie den Göttinen der Jahreszeiten, in verschiedenem Grade; mit der Jugend aber gesellet sie sich vornehmlich; daher ist der Kunst großes Werk, dieselbe zu bilden. In derselben fanden die Künstler/ mehr als in dem mäiilichen Alter/ die Ursache der Schönheit: in der Einheit/ in der Mannigfaltigkeit und in der Übereinstimmung/^) indem nicht genau gelesen zu habe»/ da er das Lobgedicht auf den Xenophon mit dem Skolion venvcchsclt/ welches/ebenfalls pomPindarus gedichtet/ dazu besinnt war/ durch die Hetären/ dic xenophon der Aphrodite wegen seines Siegs geweiht hatte, bei dem üvfer zu Ehren dieser Gottin gesungen zu werden. Den nicht dic Ode, sondern dieses Skolion hatte den von dem Autor gedachten Anfang. Die Undeutlich- keit des Textes in der wiener Ausgabe wird dadurch gehoben/ daß wir „welcher für Mädchen" i» »welche für Mädchen/" verwandelt haben. Meper, i) /Vrislopl,. v. 561. Ic^I. v. 82. 3) OnomAZt. I. 4. . idü. cil!l> SicbcliS. 4 Buch/ 2 Kap. 66 die Formen der schonen Jugend der Einheit der Fläche des MeereF gleichen / welches in einiger Entfernung eben und stille/ wie ein Spiegel erscheinet/ ob es' gleich allezeit in Bewegung ist und Wogen wälzet. So wie aber die Seele als ein einfaches Wesen/ viele verschiedene Begriffe auf einmal und in einem Augenblike hervorbringet: eben so ist eS auch mir dem schonen jugendlichen Umrisse/ welcher einfach scheinet/ und unendlich verschiedene Abweichungen auf einmal hat/ und die sanfte Verjüngung / die in einer Sänke schwer ist/ ist es noch mehr in den mancherlei Formen eines jugendlichen Körpers. Wie nun unter so unendlichen Arten Säulen in Nom einige durch eben diese Verjüngung vorzüglich zierlich erscheinen: (von welchen ich mir besonders zwo von Granit gemerket habe/ die ich jedesmal von neuem betrachte/) eben so selten ist eine vollkommene Form auch in der schönsten Jugend/ die in unserem Geschlechte noch weniger als im weiblichen einen festen Punkt hat. §. 29. Die Formen eines schönen Körpers sind durch Linien bestimt/ welche beständig ihren Mittelpunkt verändern/ und fortgeführet niemals einen Zirkel beschreiben; folglich einfacher/ aber anch mannigfaltiger/ als ein Zirkel/ welcher/ so groß und klein derselbe immer ist/ eben den Mittelpunkt hat/ und andere in sich schließet/ oder eingeschlossen wird. Diese Mannigfaltigkeit wurde von den Griechen in Werken von aller Art gesuchet/, und dieses Systema ihrer Einsicht zeiget sich auch in der Form ihrer Gesäße und Vasen/ deren svelter und zierlicher Conturn nach eben der Negel/ das ist: durch eine Linie gezogen ist / die durch mehr Zirkel muß gefunden werden: >) den diese Werke haben alle eine elliptische r) Kicomacli. Lci-Äsini !, 2. p> 2g. 3 ' 66 Geschichte der Kunst. Figur/ und hierin bestehet die Schönheit derselben. Je mehr Einheit aber in der Verbindung der Forme»/ und in der AuSfließung einer aus der andern ist/ desto großer ist das Schöne des Ganzen. §. 30. Da aber in dieser großen Einheit der jugendlichen Formen die Gränzen derselben unmerk- lich eine in die andere fließe»/ und von vielen der eigentliche Punkt der Höhe/ und die Linie / welche dieselbe umschreibet/ nicht genau kan bestimmet werden: so ist aus diesem Grunde die Zeichnung eines jugendlichen Körpers/ in welchem alles ist und sei»/ und nicht erscheinet und erscheinen soll/ schwerer/ als einer mäulichen und betageten Figur/ weil in jener die Natur die Ausführung ihre Bildung geendiget/ folglich bestimmet hat/ in dieser aber anfängt/ ihr Gebäude wiederum aufzulösen/ und also in beiden die Verbindung der Tlieile deutlicher vor Augen lieget; in jener hingegen ist die Bildung zwischen dem Wachstum und der Vollendung gleichsam unbestimt gelassen. ES ist auch kein so großer Fehler/ in stark musklilirten Körpern aus dem Umrisse herauszugehen/ oder die Andeutung der Muskeln und anderer Theile zu verstärken/ oder zu übertreiben/ als es die geringste Abweichung in einem jugendlichen Gewächse ist/ wo auch der geringste Schatten/ wie man zu reden pfleget/ zum Körper wird; so wie ein Lineal, wen es kürzer oder schmäler als das verlängere Maß ist/ dennoch die Eigenschaften eines Lineals hat/ aber nicht also heissen kan/ wen es von der geraden Linie abweichet; den wer nur im geringsten vor der Scheibe vorbeischießet/ ist eben so gut/ als wen er nicht hinangetroffen hätte. ß. 3>. Diese Betrachtung kan unser Urtheil richtig und gründlich machen/ und die Ungelehreren,- welche nur insgemein in einer Figur/ wo alle Mus- 4 Blich/ 2 Kap. 67 keln und Knochen angedeutet sind, die Kunst mehr als in der Einfalt der Hugend bewundern/ besser unterrichten. Einen augenscheinlichen Beweis von dem/ was ich sage/ kaii man in geschnittenen Steigen und deren Abdrüken geben / in welchen sich zeiget/ daß alte Köpfe viel genauer uud besser als -junge schöne Köpfe von neuern Künstlern nachgemachet sind: ein Kenner tönte vielleicht bei dem ersten Blike anstehe»/ über das Altertum eines be- tageten Kopfs in geschnittenen Steinen zu urtheilen; über einen nachgemacheten jugendlichen ideal ischen Kopf wird er sicherer entscheiden können. Obgleich die berühmte Medusa in dem Mu- seo Strozzi zu Rom/ welche dennoch kein Bild der I'öchsten Schönheit ist/ von den besten neuern Künstlern/ auch in eben der Größe auszudrillen ge- suchet worden: so wird dennoch das Original allezeit kentlich sein; und eben dieses gilt von den Copicn der Pallas des Aspasius/ welche Natter in gleicher Größe mit dem Originale/ und Andere geschnitten haben. K. Z2. Man merke aber/ daß ich hier blos von Empfindung und Bildung der Schönheit in engerem Verstände rede/ nicht von der Wissenschaft im Zeichnen und im Ausarbeiten: den in Absicht des leztern kan mehr Wissenschaft liegen/ und angebracht werden in starken als in zcirtlichen Figuren/ und Laokoon ist ein viel gelehrteres Werk/ als' Apollo. Ag efand er/ der Meister derHanplsigur des Laokooii 6/ mußte auch ein weit erfahrnerer und gründlicherer Künstler sei»/ als es derMcistcr des Apollo nöthig hatte, l) Aber dieser mußte mit einem erhall Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln liefen »war am Laokoon, weil es sein Charakter also erfordert, rffenbarer vor Augen als am Apollo; allein der Mei- 63 Geschichte der Kunst. benern Geiste/ und mit einer zärtlichern Seele begabt sein: Apollo hat das Erhabene/ welches im Laokoon nicht statt fand. / §. 33. Die Natur aber und das Gebäude der schönsten Körper ist selten ohne Mängel/ und hat Formen oder Theile/ die sich in andern Körpern vollkommener finden oder denken lassen; und dieser Erfahrung gemäß verfuhren diese weisen Künstler wie ein geschikter Gärtner/ welcher verschiedene Absenker von edlen Arten auf einen Stam pfropfet; und wie eine Biene aus vielen Blumen samlet: so blieben die Begriffe der Schönheit nicht auf das individuelle einzelne Schöne eingeschränket/ wie eS zuweilen die Begriffe der alten und neuern Dichter/ und der nichresten heutigen Künstler find: sondern sie sucheten das Schöne ans vielen schönen Körpern zu vereinigen/^) wie auch die Unterredung desSo- krateS mit dem berühmten Maler Parrhasius > lehret.^) Sie reinigten ihre Bilder von aller persönlichen Neigung/ welche unsern Geist von dem ster dieses leztern mußte darum nicht minder gründliche Keiitnisse vom Bau des menschliche» Körpers bestzen, Deii darin ist eben die alte Kunst groß/ das, auch an den zartesten Bildungen jedesmal alle Theile angedeutet , erscheinen in sast unmerklichen Nuancen von Erhöhung und Bertiesung/ also/ daß des Künstlers Wissen nur einem forschenden Beobachter kund wird. Wäre an einer »arten ingendlichen Figur / wie der Apollo ist/ nicht mit vollkonmer/ obfchon halb verstekter Einsicht die ganze Structur des menschlichen Körpers wirklich richtig «mgegebe»/ so würden ihre Glieder wohl rund und voll, aber auch zugleich schlaf/ ohne Ausdruk und Mannig saltigkeit erscheinen/ so daß das Ganze schwerlich gesal> len könte. Meuer. , <) Bristol, ziolit, I. Z. c, >>, z) Xelloxii, I. Z. c- >o, n> 2. -4 Buch/ 2 Kap. 6!) wahren Schöne» abziehet. So sind die Augenbrau« ,ien der Liebste des AnakreonS/ welche unmerk-- lich von einander getheilet sein sollten/^) eine eingebildete Schönheit persönlicher Neigung/ so wie diejenige/ welche DaphniS beim Theokri- tuS liebete/ mit zusammenlaufenden Augen- braunen. Ein spaterer griechischer Dichter hat in dem Urtheile des Paris diese Form der Augen- braune»/ welche er der schönsten unter den drei Göt- tinen gibt/ vermutblich au» angeführeten Stellen gezogen. Die Begriffe unserer Bildhauer/ und zwar derjenigen/ die das Alte nachzuahmen vorgeben/ sind im Schönen einzeln und eingeschränket/ wen sie zum Muster einer großen Schönheit den Kopf des AntinouS wähle»/ welcher die Augenbraunen gesenket hat/ die ihm etwas Herbes u»d Melancholisches geben. §. 36. ES sällete Vernini ein sehr unaegrün- deteS Urtheil/ wen er die Mahl der schönsten Theile/ welche ZeuxiS an fünf Schönheiten zu i) Lario, 2ö> Lrmic^I! ^nalect. t> i. x. g.j. 6. v. 72. Die Ilbersezer geben das Wort super- eilUü^ wie es die Zusammenstund desselben erfordert; man köiite es aber / nach der Auslegung des H e s» ch i us, Stolz iidersezen. Unterdessen sagt man (!.-> ^Irrurs Lt tles drillt, 217.)/ daß die Araber solche Augenbraunen, welche zusammenlaufen, schön finden. Winckelman, lN!an vergleiche 5 V. S K. 2Z K.Z Z) Lolulil. v. 7Z. Dieses ist vermnthlich die einzige Stelle im ganzen Gedickte, die init der Anführung des Autors Ähnlichkeit hat. Meyer. 4) L^IiZinucci, Vil. <1i Lcrniiii, p. 70^ 70 Geschichtt der Kunst. Aroton machetC/5) da cr cinc .Juno daselbst zu malen hatte, für ungereimt und für erdichtet ansah/ weil cr sich einbildete/ ein bestiiiitcS Theil oder Glied reime sich zu keinem andern Körper/ als dem es eigen ist. Andere haben keine als individuelle Schönheiten denken können, und ihr Lehrsaz ist: Die alten Statuen sind schön/ weil sie der schönen Natur ähnlich sind: und die Natur wird allezeit schön sein/ wen sie den schönen Statuen ähnlich ist. ?) Der vordere Saz ist wahr/ aber nicht einzeln/ sondern gesamlet (cnllecuve)/ der zweite Saz hingegen ist falsch: den es ist schwer/ ja, fast unmöglich/ ein Gewächs zu finden/ wie der va titanische Apollo ist. §. 36. Diese Wahl der schönsten Theile / und deren harmonische Verbindung in einer Figur/ brachte die idea lische Schönheit hervor/ welche also kein metaphysischer Begris ist/ so daß das Ideal nicht in allen Theilen der menschlichen Figur besonders statt findet/ sondern nur allein von dem Ganzen der Gestalt kan gesaget werden. Den stükweise finden sich eben so hohe Schönheiten in der Natur/ als irgend die Kunst mag hervorgebracht haben, aber im Ganzen muß die Natur der Kunst weichen. Der Begrif der hohen oder identischen Schönheit ist, wie ich bemerket habe/ nicht allen und jeden gleich deutlich/ und man könte glauben/ daß/ wen vom Ideal die Rede ist, dasselbe nur allein im Verstände könne gebildet werden. Das Ideal >st blos zu verstehen von der höchsten, möglichen Schönheit einer ganzen Figur, welche 1) ?Iin I. Z5. c. 9. sect. Z6. n. 2. 2) De ?I1esA Keiu. sur xLiQi. äe üu. , x. 207. 4 Buch/ 2 Kap. 7i schwer in der Ratur in eben dem hohen Grade sein kan, in welchem einige Statuen erscheine»/ nnd es ist irrig/ das Ideal ans einzelne Theile deuten zu wollen/ wen von der schönen Zugend die Rede ist. In diesem Mißverstände scheinen selbst Naphael und Guido gewesen zu sei»/ wen wir aus dem/ waS beide schriftlich bezeuge»/ urtheile,; können. Der erste schreibet an seinen Freund/ den berühmten Grav Balthasar Castiglione/ da er die Galathea/ in der Farnesina/ malen sollte: „ Um eine Schöne zu wähle»/ müßte man Schönere „sehen: weil aber schöne Weiber selte» sind/ be- „ diene ich mich einer gewissen Hdea/ die mir meine „ Einbildung gibt. " Die Zdea des Kopfs seiner Galathea aber ist gemei»/ und eS finden sich an allen Orten schönere Weiber, und über dieses bat er seine Figur so gestellct/ daß die Brust/ das schönste Theil des weiblichen NakeiideN/ durch den einen Arm völlig verdeket wird / und das eine sichtbare Knie ist viel zu knorpelicht für ein jugendliches Alter/ geschweige für eine göttliche Nymphe. Gnido schrieb an einen römischen Prälaten/ da er seinen Erzengel M i ch a el zu malen hatte: „Ich „hätte eine Schönheit aus dem Paradiese gc- „ wünschet für meine Figur/ und dieselbe im Him- „ mel zu sehen/ aber ich habe mich nicht so hoch 1) I'iaccolta lottere pillura, öcullurJ <-(? ^ N . gerillt.' cla ^>1 u prvfl.88ori 1754. t> i. x. ö4- 2) Der Autor verweiset bei dieser Stelle aus Bcllo, r i (Vii. pul ,ri, 1,, 6.), wo es uns aber nicht geglttkt ist, etwas hierüber zu finden. Meyer. 3) Eines der alleraeschäzteste» Werke des Guido Neni, Es stand sonst aus dem ersten Altar rechter Hand in der Capuzincrkirche zu Noni Meyer. 72 Geschichte der Kunst. „erheben könne»/ und vergebens habe ich dieselbe „auf der Erde gesuchet," Gleichwohl ist sein Erzengel weniger schön/ als einige Jünglinge/ die ich gekant habe und noch kenne. Wen aber Naphael und Guido / jener im weiblichen und dieser im m änlichen Geschlechte keine Schönheiten fanden/ die sie derGalathea und des Erzengels würdig geachtet/ wie aus dieser Künstler eigenhändigen Schreiben erhellet: so scheue ich mich nicht / zu sagen/ daß Beider Urtheil aus Mangel der Aufmerksamkeit auf das'/ was in der Natur Schönes ist/ herrühre/ ja/ ich »erdreiste mich zu behaupte»/ daß ich Bildungen des' Gesichts gefunden/ die eben so vollkommen sind/ als diejenige»/ die unseren Künstlern Muster der hohe» Schönheit sein müßen. K. 36. Diese Aufmerksamkeit griechischer Künst- ler auf die Wahl der schönsten Theile unzählbar schöner Menschen blieb nicht auf die mänliche und weibliche Jugend allein eingeschränket/ sondern ihre Betrachtung war auch gerichtet auf das Gewächs der Verschnittenen/ zu welchen man wohlgebildete Knaben wählete. Diese zweideutigen Schönheiten/ in welchen die Mäiilichkcit/ durch Benehmung der Eamengefäßc, sich der Weichlichkeit des weiblichen Geschlechts in zärtlichen Glieder»/ und in einem fleischiger» und rundlichern Gewächse näherte/ wurden zuerst unter den asiatische» Völkern hervorgebracht, um dadurch den schnellen Lanf der flüchtige» Jugend/ wie PetroniuS saget/ einzuhalten; ja/ unter den Griechen in Kleinasien wurde» dergleichen Knaben und Jünglinge dem Dienste der Cvbele und derDiana zu EphesnS gewidmet. Ja/ mänliche» Knaben suchete ma»/ auch unter den Römern/ 0, i ig. x. L56. 2) I. 1^. j). ^50. 4 Buch, 2 Kap. 7^ die Bekleidung der Mänlichkeit zunikzuhalteii/ durch den Saft von Hyacinthenwurzeln/ die in süßem Weine abgekochet wurde»/ um das Kin und andere Theile damit zu bestrcichen. Dieses idealische Gewächs der Jugend werden die alten Künstler stükweiS in Verschnittenen bemerket habe»/ deren Bildung verschieden sein kaii/ nachdem dieselben früher oder später in den Stand zweideutiger Natur gesezet worden; eS unterscheidet sich jedoch dieselbe allezeit sowohl von mänlichen als von weiblichen Gewächse«/ und ist eine mittlere Gestalt zwischen beiden. Dieses zeiget sich offenbar an den .Händen dieser Personen, die/ wen sie von Natnr schön gebildet sind/ ein- Form habe»/ welche die Aufmerksamkeit desjenigen verdienet/ der die Schönheit in allen Theilen betrachtet/ dieser Unterschied aber würde nicht anders als sehr unvollkommen schriftlich angedeutet werden können. Deutlicher ist derselbe hingegen an Verschnittenen in den Hüften und an5 dem Nüken: den dieser sowohl als jene sind weiblich/ das ist: die Hüften sind völliger und haben eine stärkere Ausschweifung als in mänlichen Körpern/ und der Nükrad lieget nicht so tief als bei unS/ so daß sich wenigere Muskeln zeigen/ wodurch der Ruken mehr Einheit im Gewächse./ wie bei Weibern/ zeiget; sie haben auch ebenfalls wie diese über dem heiligen Beine daS/ was wir den Spiegel nennen/ groß/ breit und flach. §. Das Gewächs der Verschnittenen ist an bisher unbemerketen Figuren von Priestern der Cybele durch gedachte weibliche Hüften derselben von den alten Künstlern angezeiget/ und eS ist diese Völligkeit der Hüften auch unter der Kleidung keilt- lich an einer solchen Statue in Lebensgröße/ die z) I. 21. c. 26. scct. 97. Wmckelman. 74 Geschichte der Kunst. nach Engeland gegangen ist. Diese stellet einen Knaben etwa von zwölf Jahren vor / mit einer kurzen Weste, und man bat in derselben an der phry- gischen Müze einen Paris zn erkennen geglaubet, und in der Ergänzung / zu dessen Bezeichnung / der Statue einen Apfel in dir rechte Hand gegeben. Eine umgekehrete Fakel/ und zwar von derjenigen Art/ die bei Opfern und bei heiligen Gebräuchen üblich war/ und die an einem Baume zu den Füßen dieser Figur stehet/ scheinet die wahre Bedeutung derselben anznzeigen. 2) An einem andere» Priester der Cybele/ auf einem verstümmelten erhobenen Werke/ ist die Hüfte dermaßen weiblich ge- formet/ daß öaher diese Figur von dem erfahrensten Bildhauer in Rom/ von weiblichem Geschlecht! zu sei»/ gehalten wurde. ES offenbaret aber die Peitsche in der Hand einen Priester der Cybele/ weil diese Verschnittenen sich geiselten; und diese Figur stehet vor einem Dreifüße. Diese Figuren und eine erhobene Arbeit zu Capua/ welche einen Archigallum/ das ist- den Obersten solcher verschnittenen Priester vorstellet/ kan uns einigen Begrif machen von dem berühmten Gemälde des Parrhasins/ welches seines eben solche Person bil- 1) und sind oft s»N0N»M. Siebelis. 2) Zwei ähnliche Statuen wurden I7S5 bei Nom in einer Grube v, 21.) abgebildet und (S- ZS.> erklärt. Der gelehrte Ausleger glaubt, daß die eine den Phosphorus, die andere den Hes« verus vorstelle. Meyer. 4 Buch/ 2 Kap. 75 dete und Zlrchigalluö hieß. ')— Es warm auch die Priester der Diana zu EphesuS verschnitten,^) von welchem sich aber keiner/ so viel man weiß/ auf alten Werken vorgestellet findet. ß. Z-Z. Hn dieser Betrachtung haben sich die alten Künstler/ wie in der Bildung des Gesichts-, also auch in dem jugendlichen Gewächse einiger Gottheiten- als des Apollo und des BakchuS bis zum Ideal erhoben. Dieses Ideal bestehet darin, daß sie die Formen einer Zugend von längerer Dauer im weiblichen Geschlechte der Mänlichkeit eines schönen Jünglings einverleibeten / und diese dadurch völliger/ runder und zarter bildeten, welches den Begriffen von ihren Gottheiten gemäß und würdig war. Den die Alten gaben einigen derselben in mystischer Bedeutung beide Geschlechter in einem vermischet, wie sich sogar an einer kleinen VenuS von Erzte in dem Museo des Collegii Romani zeiget, und diese Vermischung ist vornehmlich dem Apollo und dem BakchuS eigen. Z. 39. Die Kunst ging noch weiter, und vereinigte die Schönheiten und Eigenschaften beiderlei 1) !^iu. I. Z6. e. lo. sect. 36. n. 5. Wie bat eS der Autor nicht bemerken können, i>ai> die Figuren ans dem Basrelief im Museo Cavi> tolino, welche er in den Denkmalen, Numero 8, für eine Cnbele gehalten, einen Archigallus Vorstelle ? Dieses Basrelief war schon im Jahre <7Z7 durch den Abate Giorgi bekaüt gemacht und iene Figur für einen Archi g a llus erklart worden. iVulpi, Dik-ü-rt^ione inlv^n» ->U.i villü 'Nliui-i!,,-! cli ?-luiiU<> Vv^iscv. . Interessant ist eine hieher gehörige Stelle des Tertullianus. (Lurui. acl Lelintor. v. g. p. i2vo.) F e a. 2) lLtriil,. I. 1/5. j>. g5o.) Geschichte der Kunst. Geschlechter in den Bildern der Herin a p hro di ten. Die vielen Hermaphroditen in verschiedener Größe und Stellung zeigen/ daß die Künstler in der aus beiden Geschlechtern vermischeten Natur ein Bild hoher Schönheit auSzudrüken gesuchet habe»/ und dieses Bild war idealisch. Den wen cS auch Geschöpfe gibt/ die man Hermaphroditen nennet/ wie der Philosoph FavorinuS von A r- les in Gallien/ nach dem PhilostratuS/soll gewesen sein: kan (ohne zu untersuchen/ wie diese gestaltet sein) nicht ein jeder Künstler Gelegenheit haben eine so seltene Abweichung der Natur zu sehen/ und Hermaphroditen/ dergleichen die Kunst hervorgebracht hat/ sind vermuthlich niemals erzeuget. Alle Figuren dieser Art haben eine jungfräuliche Brust/ nebst den ZeugungSgliedern unseres Geschlechts'/ und im Übrigen das Gewächs in weiblicher Gestalt/ so wie die Züge des Gesichts. Von Hermaphroditen befindet sich/ ausser den zwo liegenden Statuen in der großherzoglichen Galerie zu Florenz / und der noch berühmter» und schönern Statue in der Villa Borg h esc/ eine kleine nicht wichiger schöne stehende Figur in der Villa Albani/ die den rechten Arm ans dem Haupte ruhen lässet.—> 1) 8oi>1>!5l> vit. I. l. n. g. c, >. 2) Nicht blos zwei, sondern vier solche liegenden Hermaphroditen sind vorhanden, oder wenigstens bekant. Einer zu Paris, der sich schon seit langer Zeit in Frankreich befunden (Nonunicnz !>inir>u-.>s clu IV->i>nIeoii, t, 2, xl, 4g.); der zweite ist der von dem Autor erwähnte in der florentinischen Galerie (AIus. k'Inri'nt, t. Z. tal>. XI^, der dritte und berühmteste jener in der Villa Borghese bei Nom (üculiui'«! >l^l 6, >>!< Villa korzliezo, 6. n. 7.); der vierte endlich, und, wie »ns dünkt, auch der am beste» gearbeitete, im Palaste N or> 4 Buch/ 2 Kap. 77 Zn der Wahl der schönsten Tbeilc aus alten Statnen würde man einen weiblichen Nüken von dem schönen ghese zu Rom. Ob nach der Meinung Viscontis die berühmte Bronze des Poluklerus (?!!». 1,34, c, g. «cct. 19. n. 20.) das Urbild gewesen/ nach welchem die vier genanten Hermaphroditen vor Alters covirt worden / lassen wir als möglich/ aber nicht als erwiesen dahingestellt sein/ wagen hingegen auch nicht/ zu be> Häupten / daß einer der angeführten Marmore ein wirkliches Originalwerk sei, obschon die beiden borghesi- schen unstreitig sehr viele vortresliche Eigenschaften haben. Von Seiten der Erfindung und durchherschen- den Jdea betrachtet/ gibt es unter allen Antike» kaum eine / die vollendeter zu nennen wäre. Wunderbar zart und wie auf der Goldwaage gewogen ist das Zweifelhafte/ Schwebende/ Unentschiedene zwischen in änlichen uud weltlichen Forme»/ Knabe und Mädche». Zwar schlafend/ aber u »ruhig und g e> regt von wohllüstige» Träume»/ hat sich der Künstler den Zustand dieses H er m ap b r 0 d i te» gedacht ; er ist fast um und um gewendet und die geschwungene Linie des Körpers/ die aus dieser Lage entsteht/ verleiht ihm ungcmein viel Reiz u»d verräth den das Gefällige suchende»/ bis zur äusserste» Feinheit gesteigerte»/ ja/ schon in's ÜVige hinüber schweifenden Kunstgeschmak. In so serne man stch anmaße» kaii/ aus diesen Merkmalen auf die Zeit zu schließen/ in welchcr die Kunst gedachtes Werk hervorbrachte: fo dürfte solches wohl erst »ach Alerander dem Großen geschehen sei»/ als griechische Reiche/ Sitten und Kunst in Asten blühten. Unter den »och vorhandenen vier Wiederholungen dieses liegenden Herniaph roditen wird wohl die zuerst erwähnte/ die schon seit längerer Zeit in Frankreich ist/ bei Velletri ausgegraben und vo» einer neuer» Hand überarbeitet fein soll / den geringsten Kunstwerth haben. Am fl 0 r e»t i n ifch e n st»d die Forme» zierlich; der Co»tur faiift und fließend; das Fleisch weich. Es zeige» stch i»desse» einige kleine Unrichtigkeiten ; auch läßt die Behandlung / besonders die der Haare/ in ihm eine unter den römischen Kaisern 7« Geschichte der Kunst. Hermaphroditen in dcr Villa Borg Hefe zu nehmen haben. verfertigte Coxie vermuthen. Er liegt auf dem ausgebreiteten Fell eines Löwe» oder Tigers, dessen Ende aucl> um den linken Arm geschlagen ist/ und unterscheidet sich hiedurch in etwas von den drei andern Wiederholungen. Die Nase ist neu, vermuthlich auch beide Beine und Schenkel/ der rechte ganz; der linke zur Halste/ samt dem Sokel und den, untergebreiteten Felle. Beobachter werden vielleicht finde»/ das, die Zeichen des man- liche» Geschlechts an dieser Figur etwas bescheidener/ kurzer und ruhiger angegeben find/ als an den beiden t o rg h e si sche n; es ist aber keine ursprünglich antike Variation / sondern bloße Wirkung dcr zarten Gewissen« haftigkeit desse»/ dcr die neue» Ergänzungen verfertigt hat Die berühmte Figur in dcr Villa Borg lief» verdient vor der beschriebenen florentinische» den Vorzug, theils wegen besserer Erhaltung/ indem nur die Svize der Nase, vier Fiuger der linken Hand/ der linke Fuß bis über dc» Knöchel/ nebst einigen! von derDraverie nc» ist; theils wcil ihre Formen überhaupt »och mehr Fließendes u»d Zierliches haben Ungeachtet dieser Vortresliche» Eigcnfchaftcn dcr Arbeit bcmerkt man doch um den Mund/ um die Auge» und an ander» bedeutende» Stelle» einen gewissen Mangel von Geist/ von lebendigem AuSdruk/ der keinem eigentliche» Sriginalwcrkc, mn wenigsten einem so Vollendet ausgedachten fehlen kan. Obschon dcr florcntinische Hcrmavhrodit von griechischem/ dieser hicr aber von italiänischen» Marmor sei» soll/ wäre» wir doch geneigt/ ihn vermöge der Merkmale der Behandlung für älter als jene» z» halte». Die Matrazc/ worauf cr liegt/ gilt i» ihrer Art fiir ein Meisterst»? und rührt samt den vorbin angemerkten Restaurationen von dem berühmten Lorenzo Bernint her. Dcr vierte H cr ma vl> r od it, i» dcr Galcrie des Palastcs Borghesc zu ?iö»>/ schien unS nach wiederholtem Anschauen allcmal wcichcr »»d flcifchi- ger/ fci»e Formcn lieblicher und sanfter in einander verschmolzen/ als es bei dem in der Villa dcr Fall ist. Ausscr diese» Monumente»/ in denen die Jdca vom 4 Buch/ 2 Kap. §. -jo. Nach der Wahl und der harmonischen Vereinigung und Einverleibung vorzüglicher einzelner schönen Theile der Bildung verschiedener Menschen/ ging die Betrachtung der Künstler zu Hervorbringung Hermaphrodit eil mit dem feinste» poetische» Sinne gefaßt u»d mit nnübcrtrcslichem Kuustgeschmake zur An- schaumig gebracht ist, gibt es noch mehr andere in Stellung und Handlung verschiedene eben diesen Gegenstand darstellende Figuren, von denen Winckelman selbst eine kleine stehende aus der Villa Albani anführt. Einer einzigen wollen wir noch gedenken, von ausneh» mend schöner Arbeit, welche, weil die Stellung etwas frech ist, in der Villa Borghese in einem Wandschrank? verschlossen gehalten wurde; sie hat ungefähr natürliche Größe, steht rükwärts ein wenig übergebogen, und ist mit einem weiblichen, von beiden Händen vorn aufgehobenen Cewande angethan. Lieblicher, geschmeidiger, runder und vornehmlich we«cher kan man nichts sehen als diese Züge, diese Glieder. Zwar hat das Gestcht keinen hohen Charakter, der auch zum Ganzen nicht passen würde, allein es ist sehr anmuthig, rund, lieblich, voll Lust und Behagen; um die Wangen und den Mund wußte der Künstler etwas nicht eben Niedriges aber doch gemein Menschliches, einen Zug von Sittlichkeit anzubringen, und selbst dadurch die Reizungen seines Werks zu erhöhen. Die Nasenspize, wie auch der größte Theil des Haupts und der Haare, das rechte Nein, der linke Fuß und die Zeichen des mänlichen Geschlechts sind neu. Ursprünglich schon war diese Figur sür eine Nische besinnt , indem ihre Rükseite sehr flüchtig behandelt oder vielmehr nur entworfen ist. Sie foll unweit Monte Porzio gefunden worden fein, an dem Qrte, wo vermuthlich eines der Landhäuser des Lucius Verus gelegen war, welches wir indessen keineswegs deßhalb anmerken, als glaubten wir, das Denkmal fei zu dieses Kaisers Zeit verfertigt. Im Gegentheile hat es alle Keii- zeichen einer ächt griechischen Arbeit des weichlichen spätern St»ls, wie den auch der Marmor griechisch ist. Meyer. Geschichte der Kunst. idealischer Schönheiten hinüber zu der Natur tdler Thiere/ so daß sie nicht allein die Formen der menschlichen GesichtSbildung mit der Gestalt des Hauptes einiger Thiere in Vergleichnng stelleten: sondern sie unternahmen sogar ihre Bilder auch durch Thiere zu veredlen und zu erhöhen. Diese Bemerkung/ welche dem ersten Ansehen nach als ungereimt angesehen werden köiite, wird gründlichen Beobachtern unstreitig in die Augen fallen/ vornehmlich in den Köpfen des JupiterS und des Herkules. Den, betrachtet man die Bildung des'Vaters und des Königs der Götter/ so erscheinet in dessen Köpfen die ganze Gestalt des Löwen, des Königs der Thiere/ nicht allein in den großen und rnnden Augen/ >) i» der Völligkeit der anwachsenden und gleichsam geschwollenen Stirne und in der Nase/ sondern auch in den Haaren/ die gleich den Mahnen der Löwen von dessen Haupte herabfallen/ von der Stirne aber sich erheben und getheilet in einem Bogen sich wiederum beruntersenken/ welches kein Haarschlag am Menschen/ sondern gedachtem Thiere eigen ist. 2) 1) An Juvitersköpsen sind die Augen zwar groß und geösnet, aber nicht rund, so daß sie sich in diesem Betracht der Bildung bei Löwe» weniger nähern als man aus des Autors Worten vielleicht schließen möchte. Me»er. sStirn und Hagre zweier vorzuglichen Kövse Jupiters sind unter Numero ZZ und Z4 der A b b i ld u ng en.Z 2) Fea bemerkt, der Autor habe bei dieser Erklärung vornehmlich einen aus Agathonur bochgeschnittenen Jupiter skovf im Auge gehabt, welche» der Cardinal Alexander Albaili eben damals aus Frankreich erhalten und später wieder dahin zurnkgesendet. Wen Winckelman aus gedachten Cameo, als aus eine Vortres- liche Arbeit Niikficht »ahm, und die Abbildung, welche Fea (t. i> x, Z^?>) von demselben in natürlicher Größe gegeben, richtig ist: so kai: vielleicht die im Allgemci- ^ Buch, 2 Kap. si Am Herkules' aberzeiget sich die Form eines gewaltigen Stiers in dem Verhältnisse des Kopfs zum Halse/ indem jener kleiner und dieser stärker als gewöhnlich in der menschlichen Proportion ist, und so wie sich der Kopf zum Halse des Stiers verhält/ um in diesem Helden eine Stärke und Macht zu bilden/ welche die menschlichen Kräfte überstiege. Ja/ man könte sagen, daß auch die kurzen Haare auf der Stirne des Herkules als ein allegorisches Bild von den kurzen Haaren auf der Stirne jenes Thiers genommen sein. nen irrige Angabe von den runden Augen datier ent- sprungen sein. Allein diese Abweichung weggerechnct, ftimr jener Cameo milden besten Iupilersköpsen übercin. Meyer. Geschichte der Kunst des Altertums. Fünftes Buch. Fortsezung der Kunst unter den Griechen. Erstes Kapitel. §. i. Dieser Auszug der schönsten Formen wurde gleichsam zusammengeschmolzen/ und aus diesem Inbegriffe erstand wie durch eine neue geistige Zeugung eine edlere Geburt/ deren höchster Begris eine immerwährende Zug end war, zu welcher nothwendig die Betrachtung des Schönen führen mußte. Den der Geist vernünftig denkender Wesen hat eine eingepflanzete Neigung und Begierde/ sich über die Materie in die geistige Sphäre der Begriffe zu erheben, und dessen wabre Zufriedenheit ist die Her- vorbringung neuer und verfeinerter Hdeen. Die großen Künstler der Griechen/ die sich gleichsam als neue Schöpfer anzusehen hatten/ ob sie gleich weniger für den Verstand/ als für die Sinne arbeiteten/ sucheten den harten Gegenstand der Materie zu überwinden/ und/ weil es möglich gewesen wäre/ dieselbe zu begeistern: dieses edle Bestreben derselben auch in früheren Zeiten der Kunst gab Gelegenheit zu der Fabel von Pygmalions Statue. Den durch ihre Hände wurden die Gegenstände heiliger Verehrung hervorgebracht/ welche/ um Ehrfurcht zu crwekcn/ Bilder von höheren Natnren genommen zu sein scheinen mußten. Zu diesen Bildern gaben die erflen Stifter der Religion / welches' Dichter waren / die hohen Begriffe/ und diese gaben der Einbildung Flügel/ ihr Werk über sich selbst und über das Siüliche zu erheben. Was konte Ovicki l. lv. v. 247. Geschichte der Kunst. menschlichen Begriffen von Änlichen Gottheiten würdiger/ und für die Einbildung reizender sein, » als der Zustand einer ewigen Jugend und des Frühlings deS Lebens, wovon uns selbst das Andenken in späteren Jahren fröhlich machen kan? Dieser war dem Begriffe von der Unveränderlichkeic deS göttlichen Wesens gemäß, und ein schönes jugendliches Gewächs der Gottheit erwekete Zärtlichkeit und Liebe, welche die Seele in einen süße» Traum der Entzükung versezen können, worin die menschliche Seligkeit bestehet, die in allen Religionen, gut oder übel verstanden, gesuchet worden. §. 2. Unter den weiblichen Gottheiten wurde der Diana und der Pallas eine beständige Jungferschaft beigeleget, und die anderen Göttinen sollten, dieselbe eingebüßet, wiederum erlangen können: Juno, so oft sie sich in dem Brunnen KanathuS badete. Daher sind die Brüste der Göttinen und der Amazonen, wie an jungen Mädchen, denen Lucina den Gürtel noch nicht aufgelöset hat, und welche die Frucht der Liebe noch nicht empfangen haben; ich will sagen, die Warze ist auf den Brüsten nicht sichtbar. -) ES sei den/ daß Göttinen >) P-M5NN. I. 2. c. Zg> M e» er. 2) All weiblichen Figuren mit entblößter Brust würde es ein Fehler sein, wen die Warzen als ein wesentlicher Tlieil der Nildung der Brüste nicht sichtbar, da? heisit, gar nickt angedeutet waren, auck ist dies bei keiner antiken, wen gleick jungfräulich dargestellten Figur der Fall, sondern die Warzen an den Brüsten sind allemal angedeutet, und sogar durch das Kewand sichtbar. Aber so wie in der schonen Natur, sind sie auch bei schönen jugendlichen Statnen weder groß noch vorstehend, sondern gleichsam noch nicht reis, M ut t e rp slich te» zu erfüllen. Me»er. Man vergleiche 5 B. 6 K. S§.Z 5 Blich/ 1 Kap. «7 wirklich im Säugen vorgestellet wurden, wie Isis, welche dem Apis die Brust gibt: die Fabel aber saget/ sie habe dem Orus/ anstatt der Brust/ den Finger in den Mund geleget / ^) wie dieses auch auf einem geschnittenen Steine des stoschischen Mu- sei vorgestellet ist/und vermuthlich dem oben gegebenen Begriffe zufolge. ES würden auch vielleicht an der sizenden Statue der Juno/ im päbst- lichen Garten/ die den Herkules sänget/ die Warzen der Brüste sichtbar sein/ wen dieselben nicht durch den Kopf des Kindes und durch die Haud der Göttin bedeket wärein Diese Statne ist in meinen Denkmalen des Altertums bekant gema- chet worden. 5) Auf einem alten Gemälde in dem Palaste Barberini/ welches eine VenuS in Lebensgröße vorstellen soll/ sind Warzen auf ihre» Brüsten / und aus eben diesem Grunde könte es keine Venus sein. 4) tBeschreib. d. geschnitt. Steine, t Kl. 70 Num.1 Eben so siebt man sie auf einem Basrelief aus Elfenbein bei Buonarroti (Oss^i-vu?. sopra uleun. nioliagi, wovon Fea (t. 1, p. 45«.) eine Abbil« dnng gegeben. Mever nach Fea. 2) wen der Göttin entweder den Mars vorstelle, oder daß dieses Denkmal überhaupt ein S>>mbol der Juno Lucina sei. Fea. 5) l Numero I,j. 1 Der Autor selbst c 7 B. ZK. 6 §.) gestellt/ es sei an diesem antiken Gemälde manches restaurirt. Nach unsern» Ermessen möclite wohl so ziemlich das ganze Stüe von modernen Händen übermalt sein, so das; es nlcht rathsam wäre? den Beweis für oder wider einen streili- sz Geschichte der Kunst. §. 3. Die geistige Natur ist zugleich in ihrem leichten Gange abgebildet/ und HvmcrnS vergleichet die Geschwindigkeit der Juno im Gehen mit dem Gedanken eines Menschen/ mit welchem er durch viele entlegene Länder/ die er bereiset hat/ durchfäbret/ und in einem Augenblike saget: „Hier „ bin ich gewesen/ und dort war ich. " Ein Bild hiervon ist das Laufen der Atalanta/ die so schnell über den Sand hinflog/ daß sie keinen Ein- druk der Füße zurükließ; und eben so leicht scheinet die Atalanta auf einem Amethyste des stoschi- schen Musei. Der Schritt des v a tie a ni sch en Apollo schwebet gleichsam / ohne die Erde mit den Fußsohlen zu berühren. Dieses unmerkliche Schreiten und Wandeln der Götter scheinet PherecydeS/2) einer der ältesten griechischen Dichter/'») in der Schlangengestalt/ die er den Gottheiten gab/ auS- zudrüken vermeinet zu haben/ um figürlich einen Gang zu beschreiben/ dessen Spur man nicht leicht wabrnimt. 5) Z. Die Jugend der Götter hat in beiderlei Geschlecht ihre verschiedene Stufen und Alter/ in deren Vorstellung die Kunst alle ihre Schönheiten zu zeigen gesuchet hat. ES ist dieselbe ein Ideal theils von mänlichen schönen Körpern/ theils von gen Punkt in der Altertumskunde von einem so zweideutigen Denkmale herzuleiten. A!e»er. 1) 15. o. XV. V. Lo. Meyer. 2) ^Beschreib. d. geschnitt. Steine, Z Kl. 1Z2N.1 Z) Er ward geboren um die 45 Olympiade, über die Schlangengestalt, welche er den Gottheiten gab, sehe man die Beweisstellen bei Brück er, (llizt. cr>!. pluivz. t. i. p. ggZ et gLL.) M e »e r. 41 ^Bielmehr Philosophen.!! S, Wenkmale 1 Th. 5 K. 3 §.? Z Buch/ 1 Kap. der Natur schöner Verschnittenen genommen/ und durch ein über die Menschheit erhabenes Gewächs erhöhet: daher saget Platv/ daß göttlichen Bildern nicht die wirklichen Verhältnisse/ sondern welche der Einbildung die schönsten schienen, gegeben worden. Z> DaS erstere mänliche Ideal bat seine verschiedenen Stufe»/ und fängt an bei den jungen SatyrS oder Faune»/ als niedrigen Begriffen von Göttern. Die schönsten Statuen der Faune zeigen uns ein Bild reifer schöner Jugend/ in vollkommener Proportion/ und eS unterscheidet sich ihre Hngend von jungen Helden durch ein gemeines Profil/ oder durch eine etwas gesenkete Nase/ so daß man sie daher Simi nennen könte/ wie nicht weniger durch eine gewisse Unschuld und Einfalt / die mit einer besonderen Gratie verbunden war/ von welcher ich unten in der Abhandlung von der Gratie reden werde; dieses war der gemeine Begrif der Griechen von diesen Gottheiten. §. 6. Da sich nun in Rom über dreissig Statuen junger Satyre oder Fa n n e befinden/ die sich ähnlich im Stande und in Gebärden sind: so ist glaublich/ daß das Original dieser Figuren der berühmte Satyr deS Praxiteles gewesen sei/ welcher in Athen war/ und von dem Künstler selbst für sein bestes Werk gehalten wurde. Nächstdem wall Loplüzl. x. 2Z6. princ. ^«5 SN'Ä/ c/cldi'Xo/? LV^c^-t^V'7'«/. (1'. 2. p. 2Z9. edit. Liplink.) Siebelis. 2) Man sehe die Beilage I. am Ende dieses Vandes.Ü 3) I. 1. c. 20. I. iZ. c. 6. ^u. 69.ü Man nante diesen Satyr oder Faun des Prari telesvrcv den Gepriesenen. Nach dem 't ^ W Geschichte der Kunst. ren die berühmtesten Künstler in dieser Art Figuren Pratinas und AristiaS aus PhtiuS/ unweit Si« cyon/ nebst einem Aschy lus. i) Zuweilen gaben sie diesen Satyrs eine in's Lachen gekehrete Mine/ mit hängenden Warzen unter den Kinbaken/ wie an Ziegen:^) und von dieser Art ist einer der schönsten Pausanias war er von Bronze und stand noch zu dessen Zeit in der Dreisußstraße zu Athen. Unter den Figuren, welche für wahrscheinliche Covien dieses im Altertume so berühmten Meisterstüks gelte»/ wird gewöhnlich die im Museo Clementino ti>In»un>, ^ suliljuez 6u Mus. 2. p>. >Z Mu». ?ra»9»i-! >ivr->is. la.) in Rüksicht der Arbeit am meisten geschäzt. Wie schön dieses Werk auch sein mag/ so bemerkt man dennoch an demselben wie an den meisteu antiken Covien einige Eilfertigkeit und nachläßige Behandlung. Der Bohrer ist viel gebraucht und bei genauerer Betrachtung entdeken sich Fehler; z. B, der zurükgesezte rechte Fuß ist um vieles kurzer als er sein sollte. Die Nase, das Hinter- " Haupt/ die beiden Vorderarme nebst den Händen sind neu. Meyer. I. 2. c. iZ.'' ' So viel Worte/ so viel Schnizer. Pratinas und Aristias waren keine Künstler, sondern dramatische Dichter, welche auch sa lyrische Dramen, worin der Chor aus Satyris bestand, geschrieben haben, eben sowie Äsch»lus der Dichter. Hevne. 2) a cervice !)inse I. 3. c. 5o. sect. 76. Coluniellg (>. 7. c.6.' nent sie Barro fUnter den Abbildungen Numero Z6.I Man sieht sie an einem schönen jugendlichen auf einem Steine schlafenden Faun unter den her culani fcben , Bronzen si. 2. >,.v. ^n.>, und an einer andern Bronze, ' (tav. 42.), welche einen älteren Faun oderSilen auf einer Thierhaut ausgesivekt vorstellt. Noch sichtbarer sind 6 Buch, 1 Kap. si Kopfe aus dem Altertume/ in Absicht der Ausarbeitung/ welchen der berühmte Grav Marsigly besaß; izo stehet derselbe in der Villa Albani. Der schöne ba r b er in i sch e schlafende Faun ist kein Ideal/ sondern ein Bild der sich selbst gelassenen einfältigen Natur. Ein neuer Scribent/ welcher gebunden und ungebunden über die Malerei singet und spricht/muß niemals eine alte Figur eines Fauns' gesehen haben/ und von Andern übel berichtet sein/ wen er als etwas BekaiitcS angibt/ daß der griechische Künstler die Natur der Faune gewählet zur Abbildung eincr schweren und unbehenden Proportion/ und daß man sie kenne an den diese hängende» Warze» a» dem schöne» Faun ans rothe», Marmor im Museo Pio - C l e m e»t i n o, (?. i. i!»', 47.) Fea. j) Es wurde derselbe nahe bei dem berühmten Grabmale der Cäelia Metella eittdekct, nnd befand sich i» dem Institute zu Bologna, wo ihn Breval und Ke»ßler sahen, die dessen Meldung thu». Winekelman. Inder That dür,te das erwähnte Brustbild tnicht blos Kops) rittes Fauus, i» der Villa Albani, (Ao- Hittsicht ans den Fleiß der Arbeit kaum sciucsgleichc» finde», Me Theile sind mit der größten Genauigkeit ausgeführt; da das Ganze sehr glatt volirt ist> so entsteht durch das Sviel der Neflere ei» gewisser Schein von Härte, welcher dem wirklich vortreslichen Monument nicht günstig ist. übrigens ist dasselbe vollkommen erhalten, und nur aus der rechte» Seite des Gesichts etwas grü» angelaufen , weil vermuthlich diefe Stelle in der Erde von Erzt berührt war.. Daher nennen die Franzose» das Werk Ic k'öuize 2 la laclie. Meyer. 2) Wir habe» mlfere Meinung von diesem Fgnn bereits dadurch au Tag gelegt, daß wir ihm den erste» Rang in seiner Klasse augewiesen. Me»er. P- IVatelct, rliilex. sur la xcint. x. c>g. Geschichte der Kunst. großen Köpft»/ an den kurzen Hälsen/ an den ho- hen Schultern/ an der kleinen und engen Brust/ und an den dikcn Schenkeln und Knieen/ und ungestaltet, Füßen. Ist es möglich/ sich so niedrige und falsche Begriffe von den Künstlern des Altertums zu machen! Dieses ist eine Kezerei in der Kunst/ die sich zuerst in dem Gehirne des Verfassers' erzeuget hat. „Ich weiß nicht/" hätte er mit dem Cotta beim Cicero sagen sollen/ „was ein Faun „ 'st." y §. 7. Die ältern Satyrs oder Sileni/ und derjenige Sile nuS insbesondere/ welcher denBak- chus erzogen/ haben in ernsthaften Bildern keine in das Lächerliche gekehretc Gestalt/ sondern sie sind schöne Leiber in völliger Reift des AlterS/ so wie sie uns die Statue des SileuuS/ der den jungen BakchuS in den Armen hält/ in der Villa Bor- ghese/ bildet/^) welcher Figur zwo andere Statue»/ 1) Oe NJl. Ooor. I. 3. c. 6. in link?. 2) Dieser borghesische Silen us ist ohne Widerrede das edelste aller auf uns gekommenen Bilder vom Erzie> her des Bakchus, und eine von den herzlichen, rein menschlichen Darstellungen / welche Auge, Verstand und Gemüth vollkommen befriedigen. Erfindung, Anordnung, Reinheit der Umrisse und vollendete Zierlichkeit der For> men find gleich bewuttdernswerth. Aus der Arbeit überhaupt und besonders aus den Haaren läßt sich schließen, daß dieses Werk der schönsten Zeit angehöre. Es darfauch !» den vorzüglich wohlerhaltenen gezählt werden. Eine ziemlich gute Abbildung davon findet man uuter den von Pira, n e fi herausgegebenen Statuen. In dem Werke 8c»llureclcl sichert, es fei nichts daran ergänzt; allein unserer Beobachtung zufolge ist die linke Hand am Silen moderne Arbeit, wie auch die Finger an der rechten, und verschiedene Theile von der Figur des Kindes. Aus ebengedach' ttm Werk ersährt man auch, daß dieser Silen zugleich 5 Buch, i Kap. in dem Palaste Ruspoli/ völlig ähnlich sind/ unter welchen jedoch nnr die eine dieser Scatuen einen alten Kopf hat. Das Gesicht des Silenus ist entweder fröhlich/ nnd mit einem krausen Barte/ wie an gedachten Statuen; in anderen Figuren aber erscheinet derselbe als ein Lehrer des Bakchus/ in philosophischer Gestalt/ mit einem langen ehrwürdigen Barte/ dessen Haare sanft geschlangelt bis auf die Brust herunterfallen, so wie wir ihn sehen anf den oft wiederholten erhobenen Werken/ die unter der höchst irrigen Benennung der Mahlzeit des Trimalchions bekant sind, Ich habe diesen Begrif von dem SilenuS mit der Einschränkung auf ernsthafte Bilder gegeben/ um dem Einwürfe zuvorzukommen/ den man mir in dem Silenus machen könte/ welcher ungewöhnlich dik und taumelnd auf seinem Esel reitet/ nnd in verschiedenen erhobenen Arbeiten also vsrgestell-t ist. ß. 8. Die jungen Satyrs oder Faune sind alle ohne Ausnahme schön/ und dergestalt gebildet/ mit der großen borghcsischen Vase in den Nnittei»^ der sallnstisch en Garte» gesunden worden. M c»er. t) Die würdigen Figuren mit Gewand bis aus die Fnße/ mit langem Navt und Haare», wie man aus dcn vielen Wiederholungen des irrig sogenaiiten Gastmals des Triinalchion (Lartoli I^unisn. n 7^.) uud auf mehreren andern Denkmalen steht, werden von den neuern Altertumsforschern für Bilder des bärtigen oder indischen Bakchns gehalten. (Viscontis HIus. pio - LIon. t. 4. p. — 5Z. l. 2. lav. ^>. x. ä>.) M e» e r. 2) Die Beschreibung eines solchen Silenus geben Lueian (Laccli. Z. 2.) nnd Seneea. V. 42(1) Eine dieser Beschreibung entsprechende Figur des Silenus findet man abgebildet im Mnseo Pio -Eleine ntin». (?. 1. wv. p. SZ.) F e a. 94 Geschichte der Kunst. daß eine jede Figur derselben/ den Kopf auegenon^ inen/ mit einem Apollo köiite verwechselt werden/ sonderlich mit demjenigen/ welcher SauroktonuS heisset/ und einerlei Stand der Beine mit den Faunen hat.!) Unter den vielen Statuen derselben sind zwo im Palaste Nnspoli ohne alle Verlezung geblieben/ und wer weiß/ ob nicht einer von so vielen schönen Faunen der berühmte Sa tyr des Praxiteles ist/ welcher der Beschriee- ne/ zubenamet wurde.?) In einem Kopse eines t) Der Autor spricht hier, wie der Zusammenhang zeigt, besonders von den jungen Faune»/ die wahrscheinlich Covien nach dem berühmten Original des P r a- teles sind. Visconti machr bei der Beschreibung eines solchen Werks t. 2. tuv. Zo. x, 60.) die Benierkung, man nehme in den Figuren dieser Art denselben Geschmak und St»l wahr/ wie am Apollo woraus sich also ein neuer Grund herleiten lasse für die Wahrscheinlichkeit, daii das ursprüngliche Original zu jenem Avollo, wie zu diesem F a u n, von eine m Meister herrühre. M e»e r. 2) Zu den zwei Statuen juuger Fau » e im Palaste Nus- xoli zu Rom mag seit Winckelmans Zeit noch die dritte gekommen sein. Alle drei befinden sich ans der Galerie vor den Zimmern dieses Palastes. Der Faun, welcher der Treve gegenüber steht/ streitet um den Vorzug mit dem andern, welcher eine komische Maske zur Seite liegen hat. Vielleicht möchte aber doch jenein ersten der Vorrang gebnren. Merkwürdige Figuren sind auch diejenigen beiden, die von Gapin Hamil- ton im Jahre t775 in den Rninen der Villa des Auto ninus Pius bei Lanuvium gesunden, und laut der daraus befindlichen griechischen Inschrift von Marcus Cossutius Cerdo, einem Freigelassenen, Verfertigt sind. Sie wurden späterhin der Samlung des Charles Townlev einverleibt, welche jezo einen Theil des britischen Museums ausmacht, wie Dallawa» berichtet. I,e-lux orts >?» ^nglcteri'L, t, 2. p.^5 — 47.) Mever. Sie sind aber dem jungen, an einen Baum- 5 Buch/ 1 Kap. jungen Fauns hat sich der Künstler desselben über die gewöhnliche Jdea erhoben und ein Bild einer hohen Schönheit gegeben, über welches sich eine unaussprechliche SüAgkeir ergießet; es scheinet derselbe in einer sanften Etttzükung zu sein, die sich sonderlich in dem halb geschlossenen Munde äussert. Das -Obertheil der Ohre»/ welche spiz sein sollte»/ ist durch die Haare bedckct, die auch nicht die gewöhnliche Störrigkcit haben/ sondern sich in lieblichen Krümmungen lege«/ und in diesem Kopfe würde nimmermehr ein Faun erkennet werde»/ ohne den Ansaz zum Gewächse kleiner Hörner/ die auf beiden Seiten der Stirn hervorzukeimen anfangen. We» es die Haare erlaubeten/ könte in diesem Bilde ein junger Bakchus mit Hörnern abgebildet sein. ?) Dieser Kopf/ dessen in de» Nachrichten vo» den neuesten he re u la n ische» Entdekungen Erwähnung geschehen/^) befindet sich izo in dem Belize des Verfassers. st a n> s i ch l el>»e» d e n F a u n c nicht ähnlich, und somit keine Kopien mich dem Periboetos des P r a r i t e l e s, den sie unterscheide» sich wesentlich durch ihre Stellung von jenem Meisterstüke. Siebelis. t) In dieser aus den Anmerkungen zur Kunstgeschichte entlehnten Stelle sährt der Antor also fort: Und wer weiss, ob nicht einer von so vielen schv- » nen Faunen der berühmte Sal»r des Praxiteles »ist, welcher , der Beschrieene, zubcna- „ met wurde. " — Da dieses dem im §. 6 dieses Kapitels Geausserten »u widersprechen scheinen könte, so habe» wir diese spätere Vermuthung des Autors nicht in den Tert aufzunehmen gewagt. Mever. 2) lle et usu nuniism. t. 1. x. ZÜ7. Z) l 2 Band t 04 S. ^ Ä sEr kam mit dem übrigen Nachlasse Winckelmans sodaii in die Villa Albani.^I 96 Geschichte der Kunst. §. 9. So wie der gemeine Begnf Von den Satyren oder Faunen irrig zu sein pfleget/ eben so ist es mit dem GilenuS ergangen; ich sollte sagen, mit den Eilen en; den die Alten sa- I geten in der mehrern Zahl Da man sich nun den GilenuS allgemein vorgestellet/ wie derselbe insgemein gebildet ist, als einen alten überaus diken/ unbequemen und immer betrunkenen Menschen/ welcher immer taumelt/ zuweilen von seinem Esel sinket und füllt/ und sich pfleget auf Satyre zu lehnen: so hat man mit einer solchen Figur den Pflegevater und Lehrmeister des Bakchus/ welcher auch SilenuS war/ nicht zu reimen gewußt. Dieser Mißverstand ist Ursache/ daß man in der Statue dieses SilcnuS/ mit dem jungen BakchuS in den Armen/ wie er in der Villa Borghese stehet/ einen Saturn uS finden wollen/ weil diese Figur einem alten Helden ähnlich ist/ da man jedoch an , den spizigen Ohren/ uud an dem Epheu um dessen " Haupt die wahre Vorstellung erkennen sollen. ">) §. tv. Das Haupt dieser Gottheiten von unterem Range ist Pan/ welchen PindaruS den vollkommensten der Götter nennet/^) dessen Bildung im Gesichte/ wovon man bisher entweder keinen oder einen irrigen Begrif gehabt hat/ ich auf einer schönen Münze Königs AntigonuS des Ersten^) entdeket zu haben glaube/ iu einem mit Epheu t) Die Paragravhe 6 tis S enthalten kleine Wiederhol»»-- gen, welche unvermeidlich waren, wen nian nicht des Autors Tcrt eigenmächtig verändern, oder viele neue, diese» Wiederholungen eingewobne Bemerkungen gänzlich aus dem Texte verbannen und in die Anmerkungen verweisen wollte. Me» er. 2) ornt. Laccli. p. 6^. ellit. 160^. Z) Fea läugnet (t. p. daß der Kovf auf der Münze Königs Antig 0 nus I. den P a n vorstelle / weil 5 Buch/ 1 Kap. bekränzetcn Kopfe/ dessen Mine ernsthaft ist/ und der volle Bart gleichet in dem zottichten Wüchse den Haaren der Ziegen; daherPan der straub- haa richte/ heisset. Von dieser Münze werde ich im zweiten Theile einige andere Anzeigen geben. demselben die Kcnzeiche» dieser Gottheit, der Kranz von Fichte » reis, die spize» Shre», die H ör»cr und Satvrszüge mangeln; e>' findet es vielmehr wahrscheinlich, daß dieser Kopf des Antigonus eignes Bildniß sei, welcher nach den, Bericht des Hcrodia- »us (I. i> c. Z.) oft als Bakchus erschien, und, statt des Diadems und Zepters, einen Epheukränz und Thvrsusstab trug. Ferner, sagt er, köiite man vielleicht auch annehmcn, Antigonns habe den Kops des bärtige», sogenante» indischen Na kchus auf seine Münzen sezen lassen. Visconti si>Ius. ?io-LIeni. t. 6. x. >6^ not. 1>.) sucht darzuthun, der Kops auf gedachter Münze sei der des Silenus, indem Antigo- » us sich gerne mit diesem vergleichen lasse». Nnch führt cr als Grund gegen Feas Meinung an, daß die Nachfolger von Nlerander dem Großen sich zu rasi- ren pflegten und also keiner von ihnen mit einem Barte könne gebildet sein. Hiedurch wäre also Fea, in so fern rr in dem Kopf auf der Münze das Porträt des Antigo- nus zu finde» glaubte, widerlegt, auch feine Vermuthung, daß iener Kopf das Bild des bärtigen oder indischen Bakchus sei, durch den völlig verschiedene» Charakter desselben nicht begünstigt. Dieses ist aber auch mit der Meinung Bisco »tis, welcher den Kopf auf der Münze für einen Silenus hält, der Fall. Da wir also weder von dem einen noch von dem ander» einen befriedigenden Aufschluß i» dieser Sache erhalte», so köiite man stch wohl versucht sichle» , wieder zu Win- ekelmaüs Meinung znrükzukehren, weil sie wenigstens dem I d e a l ch a r a kt e r des Monuments noch am beste» zu entsprechen scheint. Mei>er. l Abgebildet unter Numero der Denkmale. 1 j) U0 V. 2 K. S—S §.Z Minckelmaii. 4. 93 Geschichte der Kunst. Ein anderer nicht mehr bekanter »nd mit großer Kunst ausgearbeiteter Kopf dieser Gottheit befindet sich in dem Museo Eapitolino/und ist an den Da der Autor diesen Panskovs nicht näher be> stinit, sondern ihn im dritten nicht erschienenen «Lande der Denkmale mitzutheilen und zu erklären Verspro> chen hat: so ist es zweifelhaft, ob er eine Herme im Miscellaneen Zimmer meint (Inclice Lupitolm» 1ii.i, I!.onia i^öZ. V.), welche sonst den Namen eines Jupiter Ammon gefuhrt/ oder die S a t i> r in a sk e, das heißt: blos daS Gesicht ohne Hinterhaupt, die im Zimmer der großen Vase sieht und ungemein schon, mit vortreslich ansgedrüktem Charakter gearbeitet, aber sehr beschädigt ist. Den der ganze Bart, und auf der lim ken Seite die Wange, das Ohr und die Haare sind moderne Ergänzungen. Jener sogenante Juviter A»u m on ist zwar auch gut, jedoch bei weitem nicht so vor, züglich gearbeitet; er hat einen edlen, selbst dem Großen sich annähernden Charakter, Widderhörner und spize Oh- reu. Vielleicht ist der Autor besonders durch die Haare veranlaßt worden, dieses Monument sür das Bild des Pans zu halten, weil diese über der Stirne ganz anders als an Jupitersköpsen gelokt sind. Die Nase ist er- gänzt. Eine Statue des Pans in Lebensgröße, sizend und von ziemlich guter Arbeit, stndet sich in der Villa Vor- ghese. (Sculture ilell» viNü >!urzliesc:, poilico, II. I.) Der vortreflichste Panskopf aber ist im Hause N ondi- nini, welcher sogar der erwähnten c ap i t o l i n i sch en Maske den Vorzug streitig machen kan. Nase und Mund, nebst einigen Loken des BartS und der Haare, sind an demselben neu. Ferner steht ei» wenig beobachteter Panskovs in der Villa Medici auf einer Her nie im Garten vor dem Pavillon, auf welcher die nach Florenz gegangene sogenante Kleopatra, eigentlich Ariadne, sonst gestanden. Der Jdealcharakter, das heißt: die Mischling von menschlichen und Bokszügen ist hier vorzüglich gut und deutlich ausgedrükl. Meyer. 6 Buch/ i Kap. spizigen Ohren kentlicher in diesem als i» jenem Bilde; der Bart hingegen ist weniger straubicht/ sondern gleichet dem Barte einiger Köpfe der Philosophen/ deren tiesdenkende Mine sonderlich in den nach homerischer Art vertiefeten Augen geleget ist; dieser Kopf'wird in dem dritten Bande meiner alten Denkmale in Kupfer gestochen erscheinen. Der Gott Pan war nicht allezeit mit Kiegen- füßen: den eine griechische Inschrift redet von einer Figur desselben/ deren Kopf einem gewöhnlichen Pan mit Ziegenhörnern ähnlich war/ der Leib aber und die Brust war wie Herkules' gestaltet; die Füße waren wie des MercuriuS seine geflügelt.^) ß. Der höchste Begrif idealischer man- lich er Jugend ist sonderlich im Apollo gebildet/ in welchem sich die Stärke vollkommener Jahre mit den sanften Formen des schönsten Frühlings der Jugend vereiniget findet. Diese Formen sind in ihrer jugendlichen Einheit groß/ und nicht wie an einem in kühlen Schatten gehenden Lieblinge/ welchen die VenuS/ wie JbykuS saget/?) auf Nosen erzogen, sondern einem edlen/ und zu großen Absichten geborenen Jünglinge gemäß: daher war Apollo der Schönste unter den Göttern. Auf dieser Jugend blühet die Gesundheit/ und die Stärke meldet sich/ wie die Morgenröthe zu einem schönen Tage. Ich behaupte jedoch nicht/ daß alle Statuen des Apollo diese hohe Schönheit haben: den selbst der von unsern Künstlern so hoch geschäzete und vielmals auch in Marmor copirte Apollo in der Villa MediciS ist, wen ich es ohne Verbrechen sagen darf/ schön i) Lrunc^Ii t, 2. zi. 90. n. 26.-- s) !. »Z. c. 2. »7.^ Geschichte der Kunst. von Gewächs/ aber in einzelnen Theile»/ als an Knieen und Beinen / unter dem Vorzüglichsten.^) t) Am sogenanten Apollino, sonst in derVilla Medici, jezo i» der Tribune zu Floren;, werden gewöhnlich die Kniee wie auch die Beine gegen das Fußgelenke hin für minder schön gehalten, und vielleicht mag etwas davon wahr sein, wen man die Figur theilweise betrachtet, und nicht nach ihrer Wirkung im Ganzen. Wir urtheilen jedoch 'überhaupt sehr günstig von diesen« Werk und haben bei einem wiederholten aufmerksamen Beschauen niemals ausfallend Vernachläßigte, die Harmonie des Ganzen störende Theile entdeken können. Erscheinen auch die Beine um das Gelenk der Füße her »u ausgebildet und zu wenig jugendlich, so rührt dieses daher, daß die Figur gerade dort gebrochen uud vielleicht ergänzt ist, wie der ungleii che Contur an dieser Stelle vermuthen läßt. Beim Urtheile über diefes Werk muß man erwägen, daß es höchst wahrscheinlich unter Alexanders Nachfolgern verfertigt ist, alfo in den spätern Zeiten der griechischen Kunst, wo die Künstler mehr die allgemeine gefällige Wirkung als die bestimte Gestalt und vollkommene Ausführung jedes einzelnen Theils zu erzie- lln anfingen. Deßhalb ist die Jdea des Kopfs an dieser Figur zwar sehr schön, ja, erhaben im Allgemeinen; allein man darf hier nicht wie etwa bei der Niobe und ihren zwei schönsten Töchtern die Zeichnung der Formen bis in's Einzelne stets genau Verfolgen wollen. Es war weder des Künstlers Abficht, noch Vertrug sich jene strenge und pünktliche Behandlung mit der fließenden Weichlichkeit dieses spätern Styls. Beachtet man solches, so wird man immer neue Schönheiten am Apollino finden. Der Fluß und das fanfre Wallen der Umrisse ist bewundernswürdig, die Haupt- oder Mittellinie der Figur kau unmöglich mehr Schwung und Eleganz, mehr Edles und Reizendes haben. Die angelehnte Stellung, der über das Haupt gelegte eine Arm, so wie daS Aus« stüzen des andern, bedeutet Ruhe; aber der Geist des göttlichen Jünglings ist in Thätigkeit, hohe Gefühle schwellen die zarte Brust, und beleben das fchöne Geficht; er scheint auf den Gesang der Musen zu höre». Neu find 5 Buch/ i Kap. Z. >2. Hier wiinschete ich eine Schönheit beschreiben zu können/ dergleichen schwerlich aus menschlichem Geblüte erzeuget worden: es ist ein geflügelter Genius in der Villa Borghese/ in der Große eines wohlgemacheten Junglings. Wen beide Hände/ die Nase/ und die aus dem Scheitel nr eine Schleife zusammengebundenen Haare. Die Arbeit ist/ wen schon äusserst zart/ doch meisterhaft; an den Füßen steht man die Spuren eines kühn geführten Meißels. urfprüglich war das Werk lilank polirt und hat noch iezo etwas Glanz. Erträglich ist die Abbildung/ welche sich unter des Piranesi Statue» befindet., M e >> e r. ä) Wirklich ist die Jdea dieses Genius/ besonders des Kopses/ wie aus dem Himmel. Nichts destoweniger trägt eben dieser Kopf/ weii er gleich der gelungenste Theil der Figur ist/ dennoch sehr deutliche Spuren einer antiken Copie an sich. Bei aller Schönheit und reinen Proportion der Theile zeigen fich um den Ansaz der Haare einige gerade steife Abschnitte; am Munde ist der Gebrauch des Volirers sichtbar. Die Er atie der Wendung/ der zierliche Schwung der Mittellinie/ die Hoheit und Würde der ganzen Gestalt/ die Weichheit und das Fließende in den Formen deuten freilich auf ein Urbild aus den schönsten Zeiten der griechischen Kunst. Daß aber die Figur selbst kein Urbild / sondern nachgeahmt sei/ ist klar/ theils aus dem/ was über den Kopf bereits angemerkt worden/ theils daraus/ daß auch die übrigen Glieder kein recht solides pom Innern ausgehendes Wisse» verkünden/ sonder»/ we» wir nns eine» harte» Ausdruk erlaube» dürfe»/ mit oberflächlicher/ für das hohe Erfor- derniß unzureichender Techuik gearbeitet sind. Eine flüchtige Abbildung dieses Denkmals findet sich im zweite» 5t o, n,i>. wo zugleich i» der Erklärung aeaussert wird/ die Benennung eines G il02 Geschichte der Kunst. die Einbildung/ mit dem einzelnen Schönen in der Natur angefüllet/ und mit Betrachtung der von Gott ansfließenden und zu Gott führenden Schönheit beschäftiget/ sich im Schlafe die Erscheinung eines Engels bildete/ dessen Angesicht von göttlichem Lichte erleuchtet wäre/ mit einer Bildung/ die eiu Ausfluß der O.uelle der höchsten Übereinstimmung schien: in solcher Gestalt stelle sich der Leser dieses schöne Bild vor. Man könte sagen/ die Natur habe diese Schön-" heit/ mit Genehmhaltui.g Gottes/ nach der Schönheit der Engel gebildet. ß. 13. Der schönste Kopf des Apollo, nach dem in Belvedere/ scheinet mir der auf einer wenig bemcrkcten sizenden Statue desselben über Lebensgröße/ in der Villa Ludovisi/ und es ist derselbe eben so unversehrt als jener/ und einem güti- g e ii und stillen Apollo noch gemäßer. 2) Diese der Bogen »och Köckev getragen. Nach unserer Wahr, nehmung sind an dieser Figur das linke Bein bis an den Fuß, beide Vorderarme, die Nasensvize, das größte Theil der Flügel, wie auch das obere Stük des über einen Stam oder Basament, woran die Figur sich lehnt, geworfenen Gewandes neue Zusäze. Das untere antiie Stük desselben schlägt ganz vortresliche Falten. Mever. t) Dieses ist diejenige Figur, von welcher Flamin!» Vacca (!VIonlki>uo. ital, p, igZ>) redet: er glaubt, es sei ein Apollo, aber mit Flügel n. Mont sa u- con hat denselben nach einer abscheulichen Zeichnung stecken lassen. cxxl. t, 1. xl. I l5. ll.6.) W nick elma n. 2) Der sehr wohl erhaltene Ko»s deS sizenden Avollo im Gartenpalaste unweit des Eingangs in der Villa L n> dovisi hat einen edlen Charakter; nur erregt er, wie die ganze Figur, die Ahnung vom Schwerfälligen. Nach derzeit, wo der Autor schrieb, wurde eiu Avollo- kops im Palaste Giustiniani berühmt, den vor kurzem ein Kunstliebhaber in der Schweiz erstanden habe» 5 Buch/ 1 Kap. 103 Statue ist/ in Absicht cincs dcm Apollo beigelegete» Zeichens/ als die einzige, die bckant ist/ zu merken/ und dieses ist ein krummer Schn ferst ab/ welcher an dem Steine lieget/ worauf die Figur sizet/ wodurch Apollo der Schäfer abgebildet wird / >) vornehmlich auf dessen Hirtenstand bei dem König AdmctuS in Thessalien zu deuten. " ß. An dcm Kopfe einer Statue des Apollv/ in der Villa Bclvcdere zu Frascati/ imgleichen an der Brust nebst dem unverlezetcn Köpft/ in den Zimmern der Confervatori des Campidogliv/ 2) wie nicht weniger an zween anderen Köpfen eben dieser Gottheit/ von welchen der eine in dem Museo Capito- lino/ der andere in der Farnesina stehet/ kan man sich einen Begrif machen von dcm Haarschmuke/ den dic Griechen nennen/ und wovon in Schriften keine deutliche Anzeige gegeben ist. Dic- ,'oll. (Almanach aus Rom, von Sickler und Reinhart, Leipz. jSlo. S. 296.) Derselbe ist wahrscheinlich das wohl erhaltene Bruchstük einer Statue von wahrhast oroszer Idee: Di« Arbeit an den Haaren hat einen etwas harten Charakter; auch ist am Munde so wie an den Shren der Bohrer und zwar an den leztern mit wenig Sorgfalt gebraucht,, woraus man den gegründeten Verdacht schöpfen kau, daß das Werk, obwohl an sich selbst sehr schäzbar/ doch nur antike Copie eines bessern Originals vom hohen Style sei» dürste. Meyer. 1) Lallim. ll vnii'.. v. 47. l XXV. v. 21. TzliÄN. orat. contra c. 21. /Vtlieullg. IcAZt. c. 2>. ^u>. ( etllv. x. 24. Feg.. 2) Der Apollo in den Zimmern der Confervatori ist eine schön gearbeitete Halbstgur ohne Arme, die den Gott im Knabenalter vorzustellen scheint, nicht über Lebensgröke. Die Haare stnd auf dem Sclieitel sehr zierlich ansge- bunden, und die Augensterne vertieft angegeben. Meyer. Z) Was der Autor hier über die Bedeutung des Worts seS Wort bedeutet bei Jünglingen/ was an Jungfrauen hieß/ das ist: Haare/ die an dem Hintertheile des KopfeS zusammengebunden sind. , Bei Jünglingen waren es Haare/ die rund herum ! am Haupte hinauf gestrichen und auf dem Wirbel zusammengenommen sind/ ohne sichtbaren Band/ der sie halten koüte. In völlig gleicher Weise sind die Haare aufgenommen an einer weiblichen Figur eines der schönsten herculanischen Gemälde/ die neben einer tragischen Person auf einem Knie sizet/ und an einer Tafel etwas schreibet. ß. 16. Dieser ähnliche Haarpuz in beiden Geschlechtern könte diejenigen entschuldigen, die ein schönes Brustbild des Apollo/ von Erzt/ in dem herculanischen Musev/?) welches die Haare also binausgestrichen hat/ und jenen vier Köpfen völlig in der Hdea ähnlich ist/ eine Verenice getaufet haben: sonderlich da ihnen die vorher angeführeten Köpfe deS Apollo nicht bekant gewesen sein kön- i nen. Aber zu dieser Benennung ist der Grund nicht hinreichend/ den eine Münze gedachter Königin von Ägypten gegeben/ auf welcher ein weiblicher Kopf mit eben solchen Haaren nebst dem Namen der B e- renice gepräget ist: den alle Köpfe und Statuen der Amazonen/ alle Bilder der Diana/ ja/ alle X/W/ZVXL5 und seinen Unterschied von gesagt, war schon vor ihm durch die Scholiaften und Lerikogra- phen in den philologischen Schriften hinlänglich bekant. Der Scholiast zum Thucydid es (I.i. c. 6.) erklärt daS Wort fast ganz auf dieselbe Art: ez/c? var. lüst. I. 4. c. 22. öt.ui-^11 I^exieoi» v. Meyer. t) pittui'L t. tliv. 41. 2) Lron?! «1'LrcvI. t» 1, tav. 62 < 5 Buch/ 1 Kap. 10? jungfräuliche Figuren haben die Haare hinanf- gcstrichen; und da der Kopf der Münze der Bere- nice die Flechten der Haare auf dem Hintertheile i des Haupts in einem Knäufe gewunden hat/ nach dem beständigen Gebrauche der Jungfrauen: so ?an hier keine verheirathete Königin vorgestellet sein. Ich bin daher der Meinung/ daß der Kopf der Münze eine Diana fei/ ohnerachtet des Namens Berenice/ welcher umher gepräget stehet. §. 16. Die schöne Jugend im Apollo gehet nachdem in andern jugendlichen Göttern zu ausgeführtem Jahren/ und ist mänlicher im MereurinsV und im MarS. MercuriuS unterscheidet sich durch eine besondere Feinheit im Gesichte/ welche Ari-- stophaneS würde genennet haben/ und seine Haare sind kurz und kraus. Von dessen Figuren mit einem Barte auf hetturischen Werken und bei den ältesten Griechen ist oben gedacht. 2) ß. 17. Einem anderen MercuriuS in Lebensgröße/ der ein junges Mädchen umfasset, in dem Garten hinter dem farnefischen Palastes) hat der neue Künstler/ welcher den Kovf nebst einem Theile der Brust ergänzet hat, einen starken Bart gegeben/ und dieses hat mich eine Zeit lang befremdet/ weil ich nicht begreifen koiite/ woher ihm dieser Einfall gekommen: den man darf nicht vermuthen/ daß derselbe bei einem verliebeten MercuriuS, wen ihm auch die hetrurische Bildung bekant gewesen wäre/ diese alte Gelehrsamkeit habe anbringen wollen. Ich glaube vielmehr/ daß dem Ergänzer der 1) Quizes, v. i 2) lZ V, 2 K. §.1 f Z) Dieses Gnwo des Mercurius und der Her,'?/ die ehemals in der Favnesi'na stand/ sol! nebst andern Denkmalen nach Neapel geksmmen sein. Mcyev. 106 Geschichte der Kunst. Statue zu diesem bärtigen Mercurius von einem Gelehrten Gelegenheit gegeben worden/ welcher hier das von ihm übel verstandene Wort beim Homerus/ mit einem starken Barte ausgedrillet haben wollen. Der Dichter saget: Mercu- rius/i) da er den PriamnS z» dem Achilles begleiten wollen/ habe die Gestalt eines jungen Menschen angenommen welches ein Alter bedeutet/ wen sich die erste Bekleidung des Kinnes meldet/ und von einem Jünglinge in der schönsten Blüthe kan gesaget werden/ das ist: weil die wollichten Haare auf den Wangen erscheinen/ die Philostratus an dem Amphion n«--- 5» L? nennet;^) eben so ist auch MercuriuS beim Lucianns gebildet. Das junge Mädchen/ mit welcher Mercurius spielend vorgestellet ist/ scheinet nicht Venns zu sein / die/ »ach dem Plutar- chns/ neben diesem Gotte pffegete gestellet zn wer» den/ um anzuzeigen/ daß der Genuß des Vergnügens in der Liebe von einer sanften Nede müße begleitet sein. ^') Man könte vielmehr in Absicht des zarten Alters dieser Figur sagen/ cS sei entweder Proserpina/ die vom Mercurius drei Töchter hatte/5) oder die Nymphe Lara^ Mutter von zween Lares; 6) oder vielleicht AkalliS/ des Miuos Tochter/ oder Herse/ eine von des' Ce- krops Töchtern/ mit welcher MercuriuS ebenfalls ») O.. Q. XXIV. v. 3^8. tOsvs-?. X. X, v. 279.^- 2) 1^. l. Icon. 10. x. 77Z. Z) Oe ZAci-lf. 11. 4) p. iZA. 5) 12.012. ad I.vcvxki'. v. 63o. ^ Ovil). tustoi'. 1.2. v. 699 ci. 616. 5 Buch/ i Kap. Kinder zengete. Ich würde mich für die lezte Meinung erklären/ weil ich vermuthe/ daß dieses Grupo nebst den berühmten Säulen/ die an dem Grabmale der Regilla/ der Frau des Her ödes Atticus/ auf der appischen Straße standen/ die ehemals' in dem Palaste Farnese waren/ an eben dem Orte cntdeket worden. Den Grund zu dieser Muthmaßung gibt mir die Grabschrift gedachter Re- gilla/ die in der Villa Borghese stehet/ in welcher vorgegeben wird/ daß Hero d es AttienS sein Geschlecht herleite von Ceryx/ des MercuriuS und der Herse Sohn; und daher glaube ich/ daß dieses Grupo in gedachtem Grabmale gestanden. Ich merke hier bei dieser Gelegenheit an, daß die einzige Statue des MercuriuS/ an welcher sich in der linken Hand der gewöhnliche alte Beutel erhalten hat/ in dem Keller des Palastes der Villa Borghese lieget. 5) l) ^z-vllo-l, l. 3. c. 14. n. I. z) Laiiuzs. not. i» Iriscripl. Herock. ^u!c> ZI. >10. Z) Der Mcrcurius mit dem wohlerhaltenen antiken Beutel in der Hand , nach Winekelinans Zeit im Palaste der Villa Borghese aufgestellt (Scullure viUz Lorgllcse, t. 1. ». N.2.), ist eine große wohl- gearl'eitete und vorzüglich gut erhaltene Statue, welche indessen noch nicht unter die allerbesten Bilder des Mercurius gehört. Den, wollte man jauch den sogenanten belvederi scheu Antinous sür keinen Merc n r ansehen, obgleich Visconti (IVIu?. pio. Lleni. «.i. p> g—»>.) es wahrscheinlich zu machen gewußt: so behauptet doch sowohl der herculanische si;en> de Mercur von Bronze (Lr<>»2> «I'Lrcol. 1.2. tav. 2g — Z->) den Vorrang vor der erwähnten b 0 rghesischen Statue, als auch ein stehender in Lebensgroße aus Mar» mor in der sl vr en tin i sch e n Galerie. t. Z. llll,. Z?. /!>).) Dieser leztere hat das rechte Bein über daj linke geschlagen, die eine Hand i» die Seite Geschichte der Kunst. §. 18. MarS findet fich inSgcmciik als' ein junger Held und ohne Bart gebildet/ welches auch ein alter Scribent bezeuget; !) aber nimmermehr ist eS einem Künstler des Altertums eingefallen/ den MarS/wie ihn der vorher getadelte Scribent haben wollte/^) vorzustellen/ das ist: an welchem das geringste Fäserchen die Stärke/ die Kühnheit/ und das Feuer/ welches ihn erreget/ ausdrüke: ein solcher MarS findet fich nicht im ganzen Altertume. gesezt, und der andere Arm ruht aus einem Baumstämme, Obgleich das Werk in viele Stüke zerbrochen ist/ so schein ncn doch nur die Hände und Vorderarme nebst einem Stük des rechten Fußes modern zu sein. Der Kops hat gesälligc, seine Inge, und die llmrisse sind an der ganzen Figur sehr fließend gehalten. Hier verdient auch noch die schone kleine Statue im Museo P i o-C le m en t i u o (t. >. t»v. 5 ) angeführt zu werde», welche den Mercur als Kiud vorstellt, den Finger an den Mund gelegt/ schlau, als hätte er irgend eine kleine Tnke begangen und wollte den Beschauer zum Schweigen ersuche». Es sind mehrere antike Wiederho> lungen dieses reizenden Monuments vorhanden, z. D. eine in der Villa Borghese (L^ultui-e iretem Gewände, steht im Palaste Chiai zu Rom. M e»er. 5 Buch/ 1 Kap. 10S Die drei bekantesten Figuren desselben sind eine sizende Statue nebst der Liebe zu dessen Füßen, in der Villa Ludovisi. An derselben ist/ wie in allen göttlichen Figuren/ keine Nerve noch Ader sichtbar. Ein kleiner Mars auf einer der Basen der -zween schönen Leuchter von Marmor/ die in dem Palaste Barberini waren/ und aus dem beschriebenen runden Werke im Campidoglio ist stehend. Alle drei aber sind im Jünglingsalter/ und im ruhigen Stande und Handlung vorgestellet: als ein solcher junger Held ist MarS auf Münzen und auf geschnittenen Steinen gebildet. Wen sich aber ein bärtiger MarS auf andern Münzen/4) und auf t) Dieser Mars, wovon unter den Statuen des Pira- nesi die beste, wiewohl etwas zu athletische Abbildung, ist aus griechischem Marmor weich und gesällig gearbeitet. Die Stellung verkündet gelassene Ruhe; die Formen der Glieder sind schön, ohne daß darüber der Aus- druk der Heldenstärke etwas eingebüßt hätte. Der Kops hat einen herlichen, edlen, angemessenen Charakter. Auf der linken Schulter bemerkt man Svuren von einem Bruch, welches vermuthen läßt, daß vielleicht nebenan ursprünglich »och eine Figur gestanden. Die Nase, die rechte Hand uud der Fuß sind moderne Ergänzung; an dem uuren zu den Füße» stzenden Liebesgorte stnd nebst dem Kopse auch noch die Arme und der rechte Fuß neu. Me» e r. 2) Nachher kamen sie in's Museum P i o - Cle m enti- n u ni, wo sie abgebildet sind. (?. 4, tav. 1—3.) Me>>er. Z) lZ B. 2 K. 16 §.Z 4) Ein Bild vom bärtigen Mars glaube» verschiedene neuere Altertumsforscher iu der vortreflich gearbeiteten, unter dem Namen P »rrh u s bekanten K 0l0 ssa lsig ur im Muse 0 Capit 0 liu 0 erkant zu haben. W > nekel- maii will slll B. 2 K. lS §.) vermuthen, daß sie den Agamem n on vorstelle, auch läugnet er, daß dem Mars 110 Geschichte der Kunst. geschnittene» Steinen findet: ') so wäre ich fast der Meinung/ daß dieser denjenigen Mars vorstelle/ I welchen die Griechen nennend) der von jenem/ dem obern Mars/ verschieden/ und dessen > Gehülfe war. §. iS. Herkules findet sich ebenfalls in der schönsten Jugend vorgestellet/^) mit Züge»/ welche irgendwo in Werke» der antiken Kunst ein Bart sei gegeben worden. In der Villa Borghese steht (stonan Z. n. i>>) ei»! der capitolinischen ungefähr ähnliche, aber kleinere Figur, deren maugdlnder Kopf nach jener ergänzt worden. Hin- gegen haben sich an dieser die alten Beine mit ihrer Rüstung erhalten, welche am capitolinischen Monumente fehlten und schlecht ergänzt sind. Aus Münzen der Brnttier und Mamertiner bemerkt man bärtig e Köpfe, welche auch für Bilder des Mars gelten. Meyer. 1) ^Beschreib. d. geschnitt. Steine, tZ Abth. Nu- ! inero SVS.Z 2) Lopliocl. v. 17g. >1) Kerker! not. in ^ristvpli. pllc, V. 4Z6. Die Verschiedenheit zwischen dein ober n M a r § und dem -vv-xii? scheint aus dieser Stelle des Aristo- phanes und der des Sophokles im Ajar (v. 17g.) hervorzugehen. Allein es ist aus Vielen Stellen der Alten klar, daß in den besten Zeiten der griechischen Spra- > che gleichbedeutend mit ^«1, oder vielmehr ein ' Beiname desselben war, und daß also jener Unterschied nicht allgemein angenommen war. Auch Eustathius in seinen Schotten zum H 0 m e r wagt es nicht, diesen Unterschied als eine gewisse und ausgemachte Sache zu bestimmen. (Ltui -aü V. LVl,Ä?./c5.) M e per. 62.) die Statue in der Villa Panfili, welche nnter dem ? ?>amen des Clodius bekaut ist. Wir glauben indessen, > dieses schöne und seltene Monument stelle den junge» 5 Buch, 1 Kap. t li den Unterschied des Geschlechts fast zweideutig lassen/ wie nach der Meinung der mit ihrer Gunst willfäh- TheseuS, oder den Achilles vor. sl l V. 2 K. Z5 Jezo wolle» wir vornehmlich einiger ausgezeichneter Werke gedenke»/ die wirkliche Bilder des jungen Herkules sind. Eine Statue von Marmor steht in der slorent i nischen Galerie, wo der Held noch als Kind die Schlangen erwürgt, die ihn umschnüren sollten. Dieses Werk hat etwas mehr als natürliche Große, und in keinem andern zeigt sich nach unserm Eesühle die wunderbare Kunst der Alte» in Nildung idealer Gestalten aussallender und herücher. Wir sehen in diesem Kinde, das aus den Knieen liegend mir den Schlangen nur zu spielen scheint, schon den künftigen Helden. Die ganze Figur ist so vortreflich,- daß alles an ihr Lob Verdient, uud kein Theil an Zwckmäßigkcit oder Wohlgestalt über die andcru weit hervorragt oder zurüksteht. Indessen scheinen doch die herkulische Stirn, Brust, Nibben, die gewaltigen Hüsten, wie auch das linke Knie ganz vorzüglich gelungen. Das rechte Bein samt der Halste des Schenkels, die Svize der Nase und das rechte Ohr sind moderne Ergänzungen. ' Ein anderer schlangenwürgender kleiner Herkules, aber in der Stellung von dem vorigen verschieden, und zuverlässig Von späterer Arbeit, befindet sich unter den Altertümern der Nilla Borghese n, 5,). Eine sür den jungen Herkules (Licolu lanciullo) ausgegebene Figur eben dieser Samlung (xortico, n. n.) wären wir geneigt >ür einen restaurirten Amor mit der Beute des Herkules zu halten. Im Jüng- Ungsalter vorgestellt, erscheint der Held aus dem berühmten Von Cneius vertieft geschnittcuen Ber»ll, in der Samlung Strozzi. (Die Abbildung da- Ltoscli, I'ierres ^r»v6cs, tal>. ?.z.) Aus Mormor schö» gearbeitet befand sich in der Villa Aldobrandini zu Rom der Kovf eines jungen Herkules in Lebensgröße, mir Weiulaub bekränzt. Augen und Mund haben den Ausdruk von Fröhlichkeit; die Wange» mäßige Fülle, die Shreu nähern sich in ihrer Gestalt denen, die man für L is Geschichte der Kunst. rigen Glyeera die Schönheit eines jungen Menschen sein sollte/^) und also ist er auf einem Car- niole des stoschischen Musei geschnitten.^) Meh- rentheils aber wächset dessen Stirn an mit einer rundlichen feisten Völligkeit/ welche den Augen- knochen wölbet und gleichsam aufblähet/ zu Andeutung seiner Stärke und beständigen Arbeit in Un- muth, welche/ wie der Dichter saget/ das Herz a ufsch wellet. §. 20. Herkules ist sonderlich an seinen Haaren kentlich/ welche kurz und kraus und über der Stirne in die Höhe gestrichen sind/ und dieses Kenzeichen komt sonderlich bei einem jungen Herkules zu statten. Den ich habe bemerket/ wen man Köpfe zunger Helden für einen Herkules nehmen können/ daß sie bemeldete Haare alSden unterschiede» haben / und eben diese Bemerkung sowohl von den Haaren des Herkules überhaupt/ als sonderlich der Haare der Stirne lässet die Benennung eines Herkules nicht zu an dem Rumpfe einer kleinen Kenzeichen der Pankrati asten hält; doch haben sie diesen Charakter noch nicht ganz, sondern man sieht nur die Neigung oder den Ansang dazu. Derjenige, welcher an diesem Monumente, die Nase plumv ergänzt, mag auch von dem beschädigt gewesenen Kinne, und von der Unterlive abgearbeitet haben, daher diese Theile, obschon sie nicht eigentlich neu sind, doch gegen das übrige abstechen. Einer sehr schönen Herme des jungen Herkules im Museo P i o-C l e m en ti n o wird weiterhin lZ B. S K. Z5 §^! Meldung geschehen. Me»er. 1) Lilien. I. iZ. c. s. sr>. S4. Man sehe den t Band 27S S>z 2) s2 Kl. 16 Abth. 167? Num.ü Z) Ix. I. IX. >. 849 — ei 642. Diese Stellen scheint d«r Autor im Sinne gehabt zu haben. Me » e v. 5 Buch, i Kap. 113 Figur, die man izo als einen Herkules ergänzet/ vermöge einiger Ähnlichkeit mit den Köpfen desselben. Da nun der einzige Kopf dieses Rumpfs keine Ausnahme machen kau/ wäre ich geneigt/ da derselbe Pankrati asten ohren hat, diese Figur auf einen Philosophen zu deuten/ welcher in der Lugend ein Ringer gewesen ist/ wie Lykon war. >) Dieses vorzügliche Stük/ welches bereits vor einigen Jahren nach Engeland gegangen war/ und wiederum zurük nach Rom gekommen/ wird für den Herrn General von Wallm öden zu Hanover ergänzet. Die zwote Art identischer Jugend/ von verschnittenen Naturen genommen, ist mit der män- lichen Jugend vermischet im Bakchus gebildet/ nnd in dieser Gestalt erscheinet derselbe in verschiedenem Alter bis zu einem vollkommenen Gewächse/ und in den schönsten Figuren allezeit mit feinen und rundlichen Gliedern, und mit völligen und ausschweifenden Lüften d.S weiblichen GeschlechtS/ so wie derselbe nach der Fabel als ein Mädchen erzogen wurde. -) Ja/ Plinius gedenket der Statue eines Satyrs/ welcher eine Figur des Bakchus hielt/ die als eine Venus gekleidet war;^) daher ihn Seneea auch als eine verkleidete Jungfrau im Gewächse/ Gange und im Anzüge beschreibet. ">) Die Formen seiner Glieder sind sanft niid flüssig/ irie mit einem gelinden Hauche geblasen / fast ohne Andeutung der Knöchel und der Knorpel an den Knieen / so wie diese in der schönsten Natur eines KnabenS und in Verschnittenen gebildet sind. Das 1) I. sccl. 2) ^xolloil, I. Z> c, 4. n> 3, 3) 1^. Zg. c. 6. u. 8. 4) ORckp, -v, 41g — 4?Z. 5" ii/j Geschichte der Kunst. Bild des BakchuS ist ein schöner Knabe / welcher die Gränzen des Frühlings des Lebens und der Züng- lingschaft betritt/ bei welchem die Negung der Wohllust wie die zarte Spize einer Pflanze zu keimen anfängt/ und welcher wie zwischen Schlummer und Wachen/ in einem entzükenden Traume halb versenket/ die Bilder desselben zu sammeln und sich wahr zu machen anfängt: seine Zuge sind voller Süßigkeit/ aber die fröhliche Seele tritt nicht ganz in'S Gesicht, t) t) Unter den Denkmalen der alten Kunst habe» sich nicht allein viele Bilder des Bakchus, sondern auch einige von hoher Vollkommenheit erhalten, nnd unserm urtheile nach ist die stehende Figur desselben im Gartengebande am Eingänge der Villa Ludovisi zu Rom eines der allerschönsten. Die edlen Formen des Körpers stießen un- gemein weich und anmuthig wie linde Wellen sanften Sls in einander/ und das Auge des Beschauers gleitet mit nnersättlichem Vergnügen an ihnen aus und nieder. Der Kovi, der wohl nicht ursprünglich der Statue angehören mag, hat eine häßliche neue Nase, und ist auch sonst nicht vorzüglich; das linke Knie ist modern und init beiden Arme» scheint es gleiche Beschaffenheit zu haben. Von den geflügelten Kövschen , welche als Schnalle «der Hest die Schuhriemen an den Füßen dieser Statue zieren, glaubt V i sc on ti I^i,>-Lli>»i, l. 4 p. 99- tav. »M. liA, 4.), daß sie den Akrarus bedeuten. Diesem Monumente zur Seite geht der lierliche Sturz ciuer andern Statue des Gottes. Im Museo Pio- Clementino st. 2- 2g. p, I>5 — 5>g.) findet man ihn abgebildet und erklärt, mir der beiläufigen Bemerkung, Mengs habe denselben überaus hochgeschäzt. Der gelehrte Ausleger sucht auch wahrscheinlich zu machen , daß der vor Alters zu dem besagten Sturz gehörige Kovi noch vorhanden, und in der Galerie zu Florenz einer nicht vorzüglich gearbeiteten von einem Fau» unterstutte» Bakchusfigur ausgesezt >ei. Die kaiserliche Antike»>amlung zu Paris cuthielt eine mit den! eben erwähnte» Sturz übereinkommende, und. 6 Buch/ 1 Kap. Z. 2S. Diese ruhige Fröhlichkeit haben die alten Künstler auch sogar beobachtet im BakchuS als einem Held oder Krieger/ auf dessen indischen Feldzuge/ gebildet/ wie sich offenbaret in seiner bewafneten Figur auf einem Altare in der Villa Alb ani/ vnd auf einem verstümmelten erhobenen Werke/ welches ich besize; und vermuthlich dieser Betrachtung zufolge findet sich diese Gottheit niemals in Gesellschaft des MarS vorgestellet (den BakchuS ist keiner von den zwölf oberen Göttern) und Euri- pideS saget daher/ MarS sei den Musen und den Fröhlichkeiten der Feste des BakchuS zuwider. Man merke bei dieser Gelegenheit/ daß ValeriuS FlaceuS sogar dem Apollo/ als der Sonne/ einen Panzer gibt. Ln einigen Statuen des Apollo ist die Bildung desselben einem Bakchns sehr ähnlich/ und von dieser Art ist der Apollo/ welcher sich nachläßig wie an einen Baum lehnet/ mit einem Schwane unter sich/ im Campidogliv/ und wie gemeldet wird/ vortreslich gearbeitete, auch sehr Wohl erhaltene Statue. (Nonum. ciu IV.-^io- Ip-in, i. ii. 7k!) Um nicht weitläufig zu werden, übergehen wir hier noch einige andere schöne Bakchus- k'ilder, die verschiedene Museen schmüken und gedenken nur noch des Sturzes einer siz enden Fiaur desselben über Lebensgröße von ausnelimender Schönheit und Kunst, welche sonst unter den sarnesi scheu Altertümern be- wnndert wurde, und jezo in Neapel wird zu finden sein. M c >> e r. l) ?>iceiii5s. V. 7g2. 2? Dieser, und nicht Avollonius, wie in den früher» Ausgaben steht, gibt dem Sonnengott?, nicht aber dem Apollo, einen Panzer. sIVgo.l Siebelis. Z) An diesem Apollo find in neuerer Zeit bedeutende Veränderungen geschehen. Eine Abbildung desselben im Awriss» 116 Geschichte der Kunst. in drei ähnlichen noch schöneren Figuren in der Villa MediciS: den in einer von diesen Gottheiten wurden zuweilen beide verehret, und einer wurde anstatt des andern genommen. §. 23. Ich kaii hier fast nicht ohne Thränen nach dem gegenwärtigen Zustande sinket sich in Scullmc clel Nlisco Lupitvlinu, eli inci^e «Zu HIori, con Kl /Ieü^ioni nnül^uoi'il' «lu l^e. »Lok. t. I. tav. 2n, Das große Gewand, welches von der linken Schulter herabfließend ihr zum Halt diente, ist nebst dem Scinva ne, der nicht gut gearbeitet war, weggenommen, und durch eine Le»er ersezt worden, die auf einem Postament ruht, worüber der Mantel geschlagen ist. Ausser diesen neu angefügten Stüken sind auch noch die beiden Arme, die Fuße und die Nase modern; sämtliche antike Theile haben schöne Formen und besonders der Kopf eine» gelungenen Ausdruk von Begeisterung. Die drei erwähnten äinliche» Figuren in der Villa ' Medici wurden von da nach Florenz geschaft, wo nun eine im großen Saalt des Palazzo Vecchio und zwei i» der Galerie stehen. Jene scheint, so viel man aus einiger Ferne wahrnehmen tan, ein Werk von Verdienst; nur ist der Schwan als bloßes Attribut sehr wenig ausgeführt und sogar plump. Die eine von den beiden in der Galerie stehenden Figuren unterscheidet sich durch das bekramte Hauvr und die kurzen lokigen Haare. Daher läßt sich zweifeln, ob ihr der Kops auch urfprünglich angehöre, am Körper sind die Formen fließend und zier« lic>>, und man bemerkt ausser dem rechten Arm keine moderne Nestaurarion. Die zweite Figur halten wir für das schönste Denkmal dieser Art. Ihre schlichten Haare sin^', so wie an erwähnter eapitolinischen Statue und wie ) bestritten worden; das Denknial galt sodan bei den Altertumsforschern fast allgemein für den schönsten der Bakchuskövfe. In wenig andern Denk malen der Kuust ist die zur äussersten Feinheit gesteigerte Jdea von >o vollkommener >Aussührung begleitet. Die Formen sind, wiewohl ungeinei» zart, nichts desto weniger groß; die Ansfilhrnng bei gusscrordeutlicker Weich- lieit doch sehr besinnt; und wir wiikten kein Überbleibsel grieckischer Bildhauerei gnzusühren, das iu sich selbst vollendeter und ihrer allerschönsten Zeit, ja, ei- lies der Vorzüglichsten Meister aus derselben würdiger wäre, als eben dieses. Im Museo Capitoliuo befand sick noch ein Bakchuskovf, welcher in Hinsicht aus vortreflicke Arbeit dem vorerwäbnteu wenig nachgab, und gleich demselben eine Binde um die Stirne hat; seine Nase ist neu; AZangc uud Hals beschädigt; die Augen ausgehöhlt, welche ehemals von anderer Materie mögen cingesezt gewe>cn sein. sDie sogcnaiite Ariadne in den Denkmalen, Numero 5Z, abgebildetZ Ein zweiter Bakchuskops ebendaselbst bat einen hohen Charakter; Nascnsvize, Kin und Hals sind ergänzt. Ein dritter kleinerer am gleichen Orte, auch mit einer Stirnbinde, wurde von jeher als Bakchus er- kant, und lciner gesälligen Züge wegen !ebr geschäzt, obgleich die Arbeit nicht eben auf die beste Zeit deutet; den die Haare sind stark mit dem Bohrer ausgehöhlt, die Obren stehen viel zu tief, das linke Auge ein wenig schief auswärts und ist auch etwas kleiner als das andere, da sie übrigens von angenehmer Form stnd und hinsichtlich guf das Bakchusideal ,'iir charakteristisch gelten können, so erscheinen sie darum unter den Abbil- 6 Buch/ 1 Kap. itS §.23. BakchuS aber wurde nicht allein in jugendlicher Gestalt verehret, sondern mich in der Figur eine» mänlichen Alters, welches aber nur allein durch einen langen Bart angezeiget wird/ so, daß das Gesicht in dem Heldenblike und in der Zärtlichkeit der Zuge ein Bild der Fröhlichkeit der Jugend gibt. In dieser Gestalt sollte BakchuS wie auf dessen Feldzuge in Indien vorgestellet werden, wo er sich den Bart wachsen ließ: und ein solches Bild gab den alten Künstlern Anlaß, theils zu einein besonderen Ideal, der mit der Jugend vev- mischctcn Mänlichkeit, theils ihre Kunst und Geschik- lichkeit in ZluSarbettuiig der Haare zu zeigen. Von Köpfen und Brustbildern dieses indischen B a k- chiis sind die bckantesten mit Evheu bekränzet, und zwar auf Münzen von der Insel NaxuS, in Silber, deren Rukscite den SilenuS mit einem Becher in der Hand vorstellet; in Marmor aber ein d u n g en Numero Z8 c. und ZS I>. Einvierrer Bakchus- kovf aus niehraedachter cavitolinischen Samlnng steht in der Galerie vor den Zimmern hoch au,' einer Säule, und wird eben darum selten beachtet. Er ist mehr als k'bens;roß, mit Evheu bekränzt; seine Haarloke» fallen etwas über die Stirn herein, die an sich von einem selir erhabenen Charakter ist/ und unS den Sohn Jupiters zu erkennen gibt; aus den länalichten, nicht sehr offenen Augen blikt Liebe und Fröhlichkeit; der Mund scheint sich zum Vergnügen, zum Genusse zu ösnen; die Wanqen sind von heiterer Behaglichkeit gefüllt und zart gerundet. Ausgeführt ist dieses Denkmal mit ganz besonderem Fleisse, und die Behandlung an demfelle» von eigner Art: den die Haare, die Augeulieder u. s. >v. sind tief unterarbeitet, um kräftigere Schatten, und durch dieselben mehr Deutlichkeit für die Anficht in einiger Entfernung zu erhglten. Die Ergänzungen bestehen in verschiedenen Loken der Haare und dem größte» Theile der Nase; auch habe» die Lipe» viel gelitten. Meyer, 120 Geschichte der Kunst. Kopf in dem farne fische II Palaste, welcher ganz und gar irrig unter dem Namen MithridateZ gehet! der schönste dieser Kövfe aber ist ein Herme bei dem Bildhauer Cavaceppi, dessen Haare und Bart mit unendlicher Kunst ausgearbeitet worden. >) §, 26. Die ganzen Figuren dieses' BakchuS, wen dieselben stehen, sind allezeit bis auf die Füße bekleidet, und auf allerlei Art Werken vorgestellet worden;^) unter anderen auf zwei schönen Gefäßen von Marmor mit erhobener Arbeit, von welchen das kleinere sich in dem farn es'schen Palaste besindct, das größere und schönere in dein iierculanifche» Mu- feo. Noch öfter aber sieget man diese Figuren wic- derdolet auf gcichnittenen Steinen, und auf Gefäßen von gebrauter Erde, unter welchen ich hier ein Gefäß aus der vo rein ari fch en Samlung zu Neareh welches in dem ersten Bande des h am i l to n i fch cn Werks stehet, anführe, wo ein bärtiger Bak- t) Diese H er m e ist nick t mehr in Rom; allein es fehlt nicht an schonen Kövfe» ähnlicher Art in verschiedenen Museen, Die ftbonste der ganzen Finiren dieses bärtigen Bat- chus ist olme Zweifel der sogenaiite Sardanavalus. (Uu-!. >. 2. ui» > Eine Hallstaur, die sich aber nicht durch große Kunst auszeichnet, benndct sich im vaticanilchen Mw'eo, p>» - n- i, Z. ti>v -> 1 Ferner ist lner des wurNge» Hauvts eines sol- chen bärtigen Bakckius auf Münzen von Tba os zu gedenken , und weil sich das Ideal destellcn sehr deutlich darin auSspricht, schien es uns zwekmaßig, einen «er- großerte» Umriß davon funter Numera ZS der Abbildungen? beizubringen. Meyer. 2) Vielleicht dachte Clemens A l erand rinns an dieft Figuren, wen er tvunoi^i.-»> ()o ) fagt/. daß man den Vakchus erkenne L e a. 5 Buch/ 1 Kap. chus mit Lorbeeren, als ein Sieger, bekränzet/ in einem zierlich gestiketen Kleide sizet. §. 27. Die idealische Schönheit aber findet nicht allein statt in dem Frühlinge der Jahre und in jugendlichen oder weiblichen Gewächsen/ sondern auch im mänlichen Alter/ welches die alten Künstler in den Bildern ihrer Gottheiten durch die Jugend fröhlich macheten und verjüngeten. Im Jupiter, NeptunuS und in einem indischen Bak- chus sind der Bart, das ehrwürdige Haupthaar, allein die Zeichen des Alters/ und es ist dasselbe weder in Runzeln, noch in hervorstehenden Bakenknochen oder in tiefen eingefallenen Schläfen angedeutet. Die Wangen sind weniger völlig als an jugendlichen Gottheiten, und die Stirn pfleget sich dort gewölbeter zu erheben. -) Diese Bildung ist der Würdigkeit des BegrisS von der Gottheit gemäß, als welche keinen Wechsel der Zeit, noch Stufen des Alters annimt, sondern wir müßen ein Wesen ohne alle Folge denken. Eben so würdige Begriffe 1) I» der wiener Ausgabe ist dem Paragraph 27 Folgendes vorangefezt : „ Dieses sind in Figuren jugend« „ licher Gottheiten, die Verschiedenen Stufen, Alter nnd „ Formen ihrer Jugend, die auch in dem gemäßen Grade „auf dem Gesichte der Gottheiten von »läiilichem Alter „ wohnet. " Weil es den Zusammenhang in etwas störr, und besonders das Wort dieses keine» genauen Bezug auk das Vorhergehende hat, schien es uns zwekmäßiger, diese Stelle in die A n m erkungen zu verweisen. Meyer. 2) Den Worten „zu erheben " hat der Autor in den Anmerkungen zur Kunstgeschichte, aus welchen diese Stelle genommen ist, Folgendes beigefügt: „wodurch die fauste Linie des Profils junger Schönhei- „ten mehr gcfcnket und der Blik dadurch größer und »denkender wird." Es fchien den Sin undeutlich zu mache», und darum ward eS nicht in den Text aufgenommen. Meyer. Wiiickelnigii, 4» 6 122 Geschichte der Kunst. von der Gottheit hätten unseren Künstlern mehr noch als den Alten eigen sein sollen/ und wir sehen gleichwohl in den mehresten ihrer Bilder des ewigen Vaters (nach der Svrache der wälschen Künstler von der Gottheit zu reden) einen betageten Greis mit einem kahlen Schädel. Ja/ Jupiter selbst ist von des NaphaelS Schülern/ in dem Gastmahle der Götter in der Farnesina/ mit schnecweissen Haaren des HanptS sowohl als des Barts vorgestellet/ und Alb ano hat eben so gedacht bei seinem Jupiter an der von ihm gemaleten bekanten Deke im Palaste Verospi. §. 28. Dic Schönheit der Gottheiten im mäii- lichen Alter bestehet in einem Inbegriffe der Stärke gesezeter Jahre/ und der Fröhlichkeit der Jugend; und diese zeiget sich/ so wie an jenen Bildern in dem Mangel der Nerven und Sehnen/ welche sich in der Blüthe der Jahre wenig äussern. Hierin aber lieget zugleich ein AuSdruk der göttlichen Genügsamkeit/ welche die zur Nahrung unseres Körpers bcstimmercn Theile nicht von Nöthen hat; und dieses erläutert des EvikuruS Meinung von der Gestalt der Götter/ denen er einen Körper/ aber gleichsam einen Körper/ und Blut/ aber gleichsam Blut/ gibt/ welches Cicero dunkel und unbegreiflich gesaget findet. >) Das Dasein und der Mangel dieser Theile unterscheiden einen Herkules/ welcher wider Ungeheuer und gewaltsame Menschen zu streiten hatte/ und noch nicht an das Ziel seiner Arbeiten gelanget war/ von dem mit Filier gereinigten / und zu dem Genuß der Seligkeit des DlympuS erhobenen Körper desselben; jener ist in dem fa russischen HerkuleS/ und dieser in dem verstümmelten Sturze desselben im Bclvc- <) vc N lt- veor. I. l. c, 'S et 2?. 6 Buch/ 1 Kap. d e r e vorgestellet. Hieraus' offenbaret sich an Statuen / die durch den Verlust des Kopfs und anderer t) Auf diese» Von dem Autor treffend bemerkten Unterschied in den Bildern des Herkules habe ma» besonders Acht. Den schönsten der noch erhaltenen Herkulesköpfe von der edler» Art, mehr als lebensgroß und den Helden im manlichen Alter vorstellend, kennen wir nur au? Gyvsabgüffen, die in Rom häufig wie auch sonst in den Samlungen angetroffen werden; der Marmor soll nach England gegangen sein. Das Fragment eines andern noch größer» Herkuleskopfs, vortreflich gearbeitet, steht im kleinern Gartenvalaste dvr Villa Ludovisi zu Rom. Mund, Bart, Shreu und Hinterhaupt haben sich erhalten, die Stirn hingegen, die Nase und Augen find moderne Ergänzungen- Noch ei» anderes ebensalls vortreslich gearbeitetes Fragment eines ungesäbr ähnliche» große» Herkules- ko pss steht »eben dem oben Seite NS gedachten Bak- ch u s in der Galerie des Mu sei Cavitolini, und gleich jenem auf einer Säule. An diesem Werk ist daS Meiste von der Stirn, die Nase, das rechte Ohr und der Hals »eu> Die Auge» hgben gelitten; aber das linke Ohr, die Haare, Wangen, Mund und Bart sind sehr gut erhalten. Es kaii aufmerksamen Beobachtern nicht entgehen, daß Viele H erk u l e s bi l d er, selbst vou der edler» Art, die aufgefchwollenen Pankratiasienohre» habe», welches der Vergöttert gedachte Zustand des Helden eigentlich nicht zu erlauben scheint. Dergleichen Ohren sind ilun aber als dem Schuzgotte der Niug- und Kamvsvläze ohne allen Zweifel blos in allegorischer Bedeutung gegeben worden. Um die Jdealbilduug des Herkules anschaulich zu »lache», so werden uuter Numcro 40 der Abbildungen die Stin, nebst dem Ansaz der Haare vo» jenem herli- cben, nach Engelgnd gekommenen Herkulesko vs, unter Numcro 4t das Profil eines solchen edel» Herkules nach einer schönen griechischen Mnnze, und uuter Numero 42 der Kops des fgriie fischen Herkules mitgetheilt. Me»rr. 124 Geschichte der Kunst. Zeichen zweideutig sein köntc»/ ob dieselbe eine» Gott/ oder einen Menschen vorstellen/ und diese Betrachtung hätte lehren können/ daß man eine hereula Nische sizende Statue über Lebensgröße, durch einen neuen Kopf und durch beigelegete Zeichen nicht hätte in einen Jupiter verwandeln sollen. Mir solchen Begriffen wurde die Natur vom Sinlichen zum Uncrschaffenen erhoben/ und die Hand der Künstler brachte Geschöpfe hervor/ die von der menschlichen Nothdurft gereiniget waren; Figuren, welche die Menschheit in einer höheren Würdigkeit vorstelle»/ die Hüllen nnd Einkleidungen blos' deutender Geister und himli- scher Kräfte zu sein scheinen. Z. 29. Die Bildung aller Gottheiten ist wie nach einer von der Natur selbst angedeuteten Jdca bestimmet/ und an den Bildungen der Götter in diesem Alter ist noch deutlicher als an den jugendlichen Gottheiten offenbar/ daß sie allenthalben in ' unzähligen Bildern ähnlich lind/ so, daß die Köpft derselben vom Jupiter an bis auf den Vulea- >:us nicht .weniger kentlich sind als die Bildnisse berühmter Personen des Altertums; und so wie! AnrinouS blos' aus dem Untertheile seines Ge-^ sichts,^) und MarcuS AureliuS aus den Augen und Haaren eines zerstümmeltcn Cameo in dem Muses Strozzi zu Rom, erkant wird: so würde cS Apollo sein durch dessen Stirne / oder Jupiter durch die Haare seiner Stirne oder durch seinen Bart/ wen sich Köpfe desselben fände»/ von denen weiter nichts vorhanden wäre. 4) Nlltinous ist sogar in einer schön gearbeiteten e>w kleideten Brust, welche sich im Vorsagle des GartenlM > ses am Eingange zur Villa Ludovisi findet, »Im« Mühe zu erkennen. Der diesem schä;l>gren VrmbM aufgescjte Kovs ist neu und häßlich. Meyer. s Blich/ 1 Kap. §.30. Jupiter wurde mit einem immer heitern Blike gebildet; und es irren diejeni- l) , I. i. p. »6. Hier, wo der Autor den Bildern des Jupiters als charakteristisches Merkmal einen immer heiter» Blik zuschreibt/ scheint er hauptsächlich nur au ein paar der unten anzusiihrenden und andere ihnen ähnli- liche Kopse gedacht zu haben/ welche vielleicht dem große» MeisterstUke des Phidias zu Sliimpia/ wen schon nicht unmittelbar und pünktlich/ nachgeahmt/ uns doch »um wenigsten in. Allgemeinen mit der Jdea/ dem Geist und den Zügen desselben bekant machen. Unterdessen ist mehr als wahrscheinlich/ daß es Abweichungen gegeben habe; nicht Abweichungen von der einmal angenom, mrne» und gleichsam ges? zliche» Gestalt/ sondern Abweichungen des Ausdruks/ und Viscontis Erinnerung (Au?. ?iu- t. 6. x z. not, d.)/ es lasse steh aus den dem Jupiter gegebenen Beinamen: «Uor, >vnan5, wie nicht weniger auch aus einer Stelle beim Pausn nias <1,6. c. 24.) schließe»/ daß eine Verschiedenheit des Aussehens in den verschiedene»/ aus jene Beiname» stch beziehenden Bilder» des Gottes statt gehabt/, scheint sehr richtig zu sein/ in so serne man sie nicht über die Schranken der oben angegebenen Bedingungen ausdehnen will. Unter den »och vorha»de»en Statuen Jupiters ma g wohl die große fizeiide/ ehemals im Hause Beros- pi/ jezo im vaticanischen Museo befindliche/ eine der vorzüglichsten sein. I'i» - Lll-m. t. 1. tsv. 1.) Unter den Brustbildern und einzelnen Kopsen wird der kolossale auS gedachtem Musev/ der i» den Ernsten Von Strieoli gesunden morde»/ am ineiste» geschäzt. Bistouri behauptet Von diesen, Denkmale Mus. pio-LIem. t. 8. p, 1. — wo es t->v. 1. abgebildet ist/ und zwar besser als neuerlich im ^>Ius«e ronville, Iivr!>i5. 4z,)/ es sei der größte der^ noch vorhandenen I up iter S kö pfe, Er irret aber zuver- läßig; den in der florentinische» Galerie befindet sich ein eben so großer ähnlicher/ auch eben so gut/ vielleicht Zar noch besser gearbeiteter Kopf; ei» gütiges/ 426 Geschichte der Kunst. gen, die in einem ko l o ssa li sch en Kopfe von schwarzem Basalt in der Villa Mattei, welcher eine große Ähnlichkeit mit dem Vater der Götter, aber eine gestrenge Mine hat, einen Jupiter mir dem Beinamen des Schreklichen (t <-riil>ilis) finden wollen. ?) Diese haben weder beobachtet. erhabenes, herliches Wesen, und besonders Vom Prostl angesehen über alle Vorstellung edel, ruhig und groß. Die sanfte Neigung des Hauvts nach der Rechten gibt ihm eine ungemeine stille Anmuth und würdige Milde; Haare und Bart sind sehr zierlich angesezt, mit dichte» Loken das göttliche Antliz umkränzend. Die Nase ist Neu, uebst einigen geringen Theile» des Haares samt der Brust. Noch ein beträchtlich größerer aber stark be- schädigtet' Juviterskovs stand elicmalS aussen am Pa- laste in der Villa Medici, von wo er nach Florenz ge- bracht wurde und gegenwärtig den Garten Boboli ziert. Stirne, Augen und ein Ansaz der Haare findet man unter Numero 33 der Abbildungen. Derselbe hat Vielleicht in dem, was höhe Würdigkeit und Majestät betritt, noch Vorzüge vor den früher genanten. Auch das Museum Cavitolinu >» befizt einen zwar kleinern aber vortreflichen Juviterskovs, welcher ehemals im Hause della Valle gestanden und selir geachtet war. Seine Nase ist neu und die Haare haben ein wenig gelitten ; serner scheint der Kovf nicht gur aus die Brust ausgesezt zu sein, ja, nicht cinmal zur Brust z» gehö- ren. Meyer, j) Aus der Villa Mattei ist dieser Pluto fvärerhin in's Museum Pio-Clementinum gekommen. Visconti, der solchen unter dem Namen Seravis (t. 6. tzv. >4- sZ.) erklärt und abgebildet, sagt, er sei aus ctsensarbigem Basalt gearbeitet; er billigt im dessen (not. C.1 Winckelinans Benennung des Monuments, weil sich mehrere.Bilder des Seravis fänden, denen Plutos Attribut, der Cerberus, beigegeben worden. Dergleichen gehöre aber nur zum sinvviscb' a l era n d r i n i sch e n Gözcndienste, womit die absolut griechischen Plutone nichts zu schaffen halten, wie man 5 Buch, 1 Kap. Ü27 daß gedachter Kopf sowohl als alle solche vermeintliche Köpfe deö Jupiters, die keinen gnädigen und gütigen Blik haben/ den sogenanten Scheffel (mc»lium) tragen/ oder doch getragen haben; noch haben sie sich erinnert/ daß Pluto nach dem Eeneca die Ähnlichkeit des Jupiters/ aber lu1- ininsnus, hat/und wie Serapis den Scheffel trägt/ unter andern an der sizenden Statue/ die in dessen Tempel zu Pozzuoli stand/ und sich izo zu Portici befindet/ ungleichen auf einem erhobenen Werke in dem bischöflichen Hause zu Ostia. an de» Vielen Basreliefe» mit der Darstellung des Prose r vi n a ra u b e s seben könne/ wo Pluto niemals aus diefe Weise bekleidet sei. Anderswo (t, 2. p. Z> not. v.) bemerkt er, alle noch vorhandenen Statuen des Pluto seien von mittelmäßiger Arbeit und vom Sera> pis nicht bestickt unterschieden. Den einzigen Pln- tonskops vline Schessel und ohne die dem Sera« pis angeeignete Physiognomie bestze der Fürst Chigi; ei» Werk von bennmderiiswürdigcr Kunst; die strenge Mine, die verwirrt »»gelegten Haare kündige» sogleich de» Beherscher der Unterwelt an. Dieser Kops scheine gemacht, um einer Fignr cmgefezt zu werden, welche daher vermuthlich bekleidet gewesen. Das Monument findet man auf der Hülfstafel ^ zum 2 Band des Muse« Pi 0 - Clementini unter Numero S abgebildet. Me >> e r. 2) Das Basrelief, das zu des Autors Zeit im bischöflichen Palaste zu Ostia sich befunden, ist nachher in's Museum Pio-Clementinum gekommen, und a» dem Fußgestell einer Statue des Pluto oder I u p i t e r S er a pis eingesezt worden. ( N»s. pio-LI^iu. t. 2. tav. I.) Es stellt den Pluto und die Pr 0serpi»a aus dem Throne stzend vor; Amor und Psyche stehe» ihnen zur Seite. Visconti bemerkt beiläufig, Pluto habe in diesem Basrelief keine» Scheffel auf dem Haupte, und der Autor habe sich in feiner Angabe über denfelbe» geirrt. Meye r. Geschichte der Kunst. Eben so wenig ist bei dem irrig vorgegebenen schrcklichen Jupiter beobachtet worden/ daß Pluto und SerapiS / als welcher sich durch den Scheffel auf dem Haupte unterscheidet, eine und dieselbe Gottheit war. Ausserdem unterscheiden sich diese Köpfe von denen des' Jupiters auch durch die Haare/ als welche über der Stirne herunterhängen/ da die Haare des Jupiters sich von der Stirne erheben. Folglich stellen solche Köpfe keinen Jupiter/ sondern einen Pluto vor, und da von dieser Gottheit bisher weder Statuen noch Köpfe in Lebensgröße bekaiit waren/ werden durch gedachte Anzeigen die Bilder der Götter vermehret. Dieser gegründeten Bemerkung zufolge stellet ein großer Kopf mit einem Scheffel/ von weissem Marmor in der Villa Panfili/ ebenfalls einen Pluto vor. j) Dieser Kops steht i» den untern nach dem Garten bin- ' schauenden Sälen, und ist von treflicher Arbeit und wohl erkalten. Aber dem, was der Autor von der strengen Mine der Bilder des Pluto gesagt, ist dieser Kops wenig gemäß, indem er vielmehr ei» gutiges Aus-'elM bat. Ein gleiches ist der Fall bei der kolossalen, im Pio- Clcmentino befindlichen Büste des Seravis mit Strahlen um das Haupt. (Uuü, Pia-Llcn,. t, 6. tav, ,5.) hinter Numero 4Z der Abbildungen ist dieser Seravis, und unter Numero 44 eine kleiner« Büste desselben mitgetheilt.) Man müßte also, wen des Autors Meinung von der strengen Mine des Plut» gelten soll, wie fie in der Natur der Sache selbst gegründet scheint, zwischen den Bildern des Pluto und ! Seravis einen Unterschied sezen, und die strenge» ! zu jenem, die mildern zu diesem rechnen. Wen aber auch auf diese Weise keine reine Sonderung > stakt finden sollte, und die Bildungen des Pluto und Seravis in einander fließen, und diese wiederum in den Charakter des Jupiters übergehen: so muß man s Buch/ 1 Kap. Auf diese Eigenschaft der Bildung ist niemand bisher aufmerksam gewesen/ daher die neueren Künstler den Pluto nicht anders als durch einen zwei- zakichten Zepter/ oder vielmehr durch eine Gabel/ kentlich zu machen geglaubet haben. Zu dieser Gabel scheinen Feuergabeln/ womit man die Teufel in der Hölle zu malen pfleget/ die erste Jdea gegeben >u haben. Auf alten Werken hält Pluto einen erwägen, daß alle solche irre macheirden Monumente entweder aus der spätern griechischen Zeit herrühren/ wo in die griechische Denkweise schon viel Fremdes gekommen war, und selbst die Kunst sich nicht mehr streng «n die ursprünglichen kanonisch geachteten Charakterbilder hielt/ oder daß es gar Arbeite» aus den Zeiten der Römer sind/ wo vielerlei sremde Gözendienste sich vermischten; von welcher Verwirrung auch die Kunst und ihre Werke einigen Einfluß erfahren mußten. Ausser Pluto oder Seravis tragen noch andere Gottheiten den Scheffel aus dem Haupte, wie die Isis, Fortuna und ein Priapus bei de la Chausse. (IVIu». IVviu. sect. I. l!>I>. 2, sccl, 2. tllb 2), t, 2. 5rct. 7. ti,d. Z.) Eine Fortuna mit dem Scheffel fand dev Autor im stofchischen Museo ?>um. ISl7. einen Priavus, Nun,. lü20. einen indischenvo» den Äg»p-> tiern als Serapis verehrten Bakchus, Rum. und Rum, 223. muthmaßt er, daß auch eine Ceres dieses Attribut habe. Im Museo Odesealeo (t> 2. tat,. 22.) ist ein Soldat, welcher eine kleine Victoria in der Hand hält, mit dem selb eil Zeichen; der Scheffel bat die Gestalt eines Korbes von Rohr oder Binsen. Ei» schöner Kovf von weissem Marmor im Kloster des S. Ambro- gio zu Mailand, welcher den gegebenen Kenzeichen infolge ein Pluto fein muß, ist merkwürdig, weil man an dem ihm aufgefezren Scheffel oder Modius einen öl. zweig nebst einigen Kornähren wahrninic. Fea. Die Abbildung dieses lezte» Denkmals liefert Fea. (1°. 1. x. 422.) Meyer. ISO Geschichte der Kunst. langen Zepter/ wie andere Götter/ welches man unter andern ans dem angeführeten Stuke zu Ostia/ und auf einem runden Altare bei dem Marchese Rondinini siehet/ wo Pluto den Cerberus auf einer Seite und die Proferpina auf der andern hat. §. 3>. Nicht weniger als durch die Heiterkeit des BlikS unterscheidet sich Juviter von andern Gottheiten im betagetem Alter und mit einem Barte: von dem Neptunus / Pluto/ Äsk n- lapius durch feine Stirn/ durch den Bart und durch die Haare, i) Auf der Stirne erheben sich Gegen diese Stelle erinnert Visconti (Mu-. ?!». (!>» >. 6. p. > — 2.) : „ Es ist zu bemerken, daß die „ Münzen, sowohl die im eigentlichen Griechenland? als „ auch die in ?ls>en, Italien, Sicilien und Äg»vten geschla- gen stnd, sehr häufig ausserordentlich schone Juviters- köpfe enthalten, welche sich nicht ganz den von dem Autor angegebenen Kenzeichen der eigentümlichen und ^unterscheidenden Phvstognomie des Sotimus Mari> „ mus ansiigen lassen. " In einer Note werden hiezu Belege angeführt: „Jupiter auf syrakufi« „ scheu vortreflich gearbeiteten Münzen hat einen la»> „ gen, in der Form durchaus von den gewöhnliche» „des Gottes verschiedenen Bart. Der schöne Juvt> „ ter auf größer» Münzen (niecio^Iioni) der Ptolemä- „ er hat so verwirrte Haare, daß nia» ihn »ach Wiw „ekelniaiis Charakteristik für eine» Pluto halte» i, müßte; allein der ZldIer und der Blij auf der ,, Kehrseite erlauben über die wahre Bedeutung des Bil> „des keinen Zweifel. Der helle nifche Juviter ist v durchaus bartlos vorgestellt. " Hiedurch veranlaßt, scheint Visconti einigen Unglauben zu verrathen, daß die alten Künstler wirklich nach allgemein angenommenen Regeln gearbeitet hätte», u»d ist der Meinung, es sei sehr schwierig, in Hinsicht auf die charakteristische Bildung der Gottheiten das Ge> sez nachzuweisen, dem jene Künstler gefolgt wären, jumal 5 Buch/ 1 Kap. die Haare aufwärts/ und deren verschiedene Abtheilungen fallen in einem engen Bogen gekrümmet seitwärts wiederum herunter/ wie ein in Kupfer gestochener Kopf desselben/ welcher erhoben in Agath geschnitten ist/ zeiget. ') Dieser Wurf der Haare ist als ein so wesentliches Kenzeichen des Jupiters geachtet worden/ daß dadurch in den Söhnen desselben die Ähnlichkeit mit ihrem Vater angezeiget worden/ wie man deutlich siehet an den Köpfen des Kastors und des Pollux/ sonderlich an demjenigen/ welcher alt ist ans den zwo kolassalifchen Statuen derselben auf dem Campidoglio; den der Kopf der einen von beiden Statuen ist neu. §. 32. In ähnlicher/ jedoch in etwas verschiedener Gestalt pflegen sich die Haare auf der Stirne des Äfkulapius zu erheben und gebogen von der Seite wiederum hcrunterzusinken / so daß in diesem einzelnen Theile kein besonderer Unterschied ist zwischen dem Vater der Götter und dessen Enkel/ welches der schönste Kopf dieser Gottheit/ auf dessen Statue über Lebengröße in der Villa Albani/?) da ste unrer sich so verschieden i» Zeiten und Schulen gewesen. M e » e r. j) sDieser Kovs scheint derselbe zu sein, dessen oben 4B. 2 K. 40 §. gedacht worden.Z 2) Diese Statue des Äskulavius und besonders der Kops derselben (Älu5. ,?S.) ist das Miönste bekante Bild dieser Gottheit, und übertrist selbst eine Kolossalfigur/ welche in dem snr sie eigens erbaute» Temvel im Garten der Villa Bor- ghese zu Rom stellt, wen gleich diese, tlieils wegen der guten Arbeit, tlieils wegen ihrer seltenen Größe höchst merkwürdig ist. Die Stellung ist die den Statuen dieser Gottheit gewöhnlichste, in der Rechten den Stab mit der Schlange umwunden; die Linke samt dem Arm v»m Gewände umhüllet und in die Seite gesezt. Der is2 Geschichte der Kunst. nebst vielen anderen dessen Bilder»/ und unter denselben die Statue von gebrauter Erde in dem hercu- lanischen Museo beweise» kan. Äskulapius aber unterscheidet sich durch kleinere Augen / durch ältere Züge, und an den übrigen Haupthaaren uud an dem Barte, sonderlich auf der Oberlipe, welcher Kopf, für sich betrachtet/ hat einen gütigen, wohlthä, tigen, weisen Charakter; sanfter und minder groß und gewaltig als am Jupiter, dem er, Winckc Im ans Bemerkung bestätigend, im Wurfe der Haarloken beinahe ähnlich ist. Der rechte Arm samt Stab und Schlange, wie auch die Zehen des Fußes auf dieser Seite sind moderne Ergänzung. Nach Vifconti ist das liebliche Grupo des Äfk»- lavius und der Hvgiea im Mufeo Piv-Clcmci» tino tl. 2 l.iv.Z.) das einzige runde Werk in Marmor, welches diese Gottheiten vereint vorstellt. Die antike» Köpfe beider Figuren gehören ihnen nicht Ursprung« lich an. Eine merkwürdige, den Name» des Äskulapius f ührende Statue stand sonst im Palaste Pitti zn Florenz. lDie A b b i l d u n g im 1>Iu5. I-'Ittri'nt. t. z, 97- ist in Hinsicht aus den Charakter mißrathen.) Der Kopf gleicht den sogenanten Köpfen Platos oder des indischen Bakchus, und wird vermuthlich das Biidniß eines im Altertume berühmten Arztes sein, welchem der Künstlers in der ganzen Figur einige Amraherung a» den Charakter des Äskulapins zudachte. Das Nakende der Brust, Schultern u. s. w. ist schön, weich und nach der Natur gearbeitet; die Falten des Gewandes sind vortreslich gelegt, einfach und zierlich. Nur Schade, daß dieses edle Kunstwerk in viele Stüke zerbrochen und zweimal restanrirt worden. Die älteren Ergänzungen bestehen aus der Nase, einem Stüke der rechten Wange, der linken Hand, dem rechten Arm und den beiden Füßen; die neuern aus einem Stüke des Stirnknochens über dem rechten Auge, dem Zeigefinger der linkcn moderne» Hand, und den Fingerfpizen der rechte», welche an die Hüfte gelegt ist. Mever. s Buch, 1 Kap. 155 mehr bogenweis geleget ist, anstatt daß dieser obere Bart am Jupiter sich mit einmal um die Winkel des MundeS herumdrehet/ und sich mit dem Barte auf dem Kinne vermischet. Diese große Ähnlichkeit des Enkels mit dem Großvater könte auch die Bemerkung zum Grunde haben/ daß vielmals der Sohn weniger dem Vater als dem Großvater ähnlich ist, welchen Sprung der Natur in Bildung ihrer Geschöpfe die Erfahrung auch in Thieren/ sonderlich in PferdeN/ bewiesen hat. Obiger Bemerkung zufolge mußte man glauben/ daß wen in einer griechischen Sinschrift gesaget wird von der Statue des Carpedon/ dessen Vater Jupiter war/ es habe sich in dessen Gesichteder Same des Vaters der Götter offenbaret: cv daß/ sage ich, dieses nicht in den Augen habe angezeiget werden könne«/ wie eben dort gesaget wird/ sondern daß die Haare auf der Stirn die Anzeige seiner Abkunft gewesen. >) krunckii. ^Vnclect», t. 2. p. 466. «ss^e«x, Ä//,' ep/ Aus dem Zusammenhange der ganzen Stelle scheint hen hervorzugehen, der Autor habe die Worte ^«^?>>in einem ju beschrankten Sinne genommen, indcm er sie blos auf die Gesichtsbiidung bezogen. Das kurz vorhergehende /uep lehrt deutlich, daß der Dichter unter die ganze edle Haltung des Körpers verstanden; und in diesem Sinne wird häufig vo» den Zllten gebraucht. (Xe»opl>. niemxrui,. I. 4. c Z. i>. iZ.) Erst in den folgenden Worten dcS Dichters: wird gesagt/ daß Sarpedon den Adel seiner Abkunft in feinen Zingen geoffenbart. Meyer. Geschichte der Kunst. Z. 33. Das Gegentheil der Haare auf der Stirne des Jupiters bemerket man an den Köpfen des Serapis oder des Pluto, an welchem diese Haare auf der Stirne herunterfallen / um dessen Gestalt und Blik trüber und strenger zu machen/ wie ein prachtiger aber mangelhafter Kopf des Serapis von dem schönsten grünlichen ägyptischen Basalte in der Villa Albani, ein kolossalischer Kopf von Marmor in der Villa Panfili, und ein anderer von schwarzem Basalt in dem Palaste Giustiniani zeigen. i) Ausser dieser Eigenschaft siehet man an einem in Agath sehr hoch geschnittenen Kopfe des Serapis/ in dem königlichen fa r n e si sch e n Mnseo zu Neapel sowohl als an einem Kopfe von Marmor in dem Mufeo Capitolino, den Bart auf dem Kinne getheiler, welches als etwas Besonderes kan bemerket werden. Ich erinnere hier/ daß alle und jede Figuren und Köpfe dieser Gottheit nicht vor Alexander dem Großen gemachet sein können: den Ptolemäns PhiladelpbuS war derjenige/ welcher diese Gottheit aus PontuS zuerst nach Ägypten brachte und daselbst einsührete. ß. 3-i. Zu eben dieser Bemerkung gehören die Centauren/ in Absicht ihrer Haare auf der Stirne / als welche beinahe eben so wie die Haare des Jupiters geworfen sind/ um vermuthlich ihre Verwandtschaft mit dem Jupiter anzudeuten/ da sie nach der Fabel vom Jxion und einer Wolke/ die t) Wiewohl i» diesem Paragravbe mehveres aus dem Z» wiederholt wird, haben wir dennoch Anstand genommcn, es ganz aus dem Terte zu verbannen, theils weil hier manches noch genauer bestimt wird, theils weil die Bemerkung über das Alter der Sera vis köpfe andersw» keine passende Stelle fand. Meyer. ^ Lcaliger. snlu>a6vcrs. in Lusclii! cliron. n, i^Zo. p> >Z>< 5 Buch/ 1 Kap. die Gestalt der Juno hatte, gczeuget worden, i) Ich weiß zwar wohl, daß der Centaur Chiron in dem herculanischen Museo, an dessen Figur, vermöge der Größe, diese Eigenschaft hätte ausgedrüket werden können, die Haare der Stirne nicht also geworfen hat: da aber meine Bemerkung an dem Centaur in der Villa Borghcsc, und an dem älteren von den zween Centauren in dem Museo Ca- pitolino gemachet ist, so bilde ich mir ein, daß gedachte Verwandtschaft der Grund davon sein könne. ß. 35. Von den Gottheiten, die eine Ähnlichkeit in den Haaren auf der Stirne mit dem Jupiter haben, unterscheidet sich dieser durch die Haare, die von den Schläfen herunterhängen, und die Okren völlig bcdeken, den diese sind länger als an andern Göttern, und ohne gerollete Loten, in sanft ge- schlängelte Züge geworfen, und gleichen, wie ich >) II. 85.) 2> Es ist richtig, daß der ältere Centaur im Muse» Cavitolino, und jener in der Villa Borghese die Haare über der Stirne so geworfen haben: allein der Klarheit wegen »inßen wir anmerken, daß diese beiden Centauren nur darin unterschieden sind, daß der ea- vitolinische von sch wa rz g r au e m, der borghesi- s-he von weissem Marmor ist. Entweder sind beide einem gemeinschaftlichen Originale, oder einer ist dein andern nachgeahmt. Zwei andere sich ähnliche Centauren, wovon der eine aus schwarzgrauem Marmor im Museo Cavitolino, der andere aus weissem Marmor im Pi o-Cle in e n t in o (t 2. l.iv. 52.) gesunden wird, sind jünger vorgestellt, und der eavitolinische, an dem sich der Kovferhalten hat, zeigt eine von jenen beiden etwas unterschiedene, mehr nnt dem gemeinen Faun ver- ivgndte Eesichtsbildung. Die beiden capitolinischen C e n> tauren sind abgebildet bei Cavaccxpi. (V»I. 1. u,v. -«Ä — 2.7.) Meyer. iZ6 Geschichte der Kunst. oben angezeiget habe/ den Mähnen der Löwe»; diese Vergleichung, und das Schütteln der Mähnen des Löwen sowohl als die Bewegung seiner Augen- braunen/ wen er erzürnt ist, l) scheinet der Dichter vor Augen gehabt zu haben in seinem berühmten Wilde des ZupiterS/ welcher durch das Schütteln seiner Haare und durch die Bewegung seiner Augenbraunen den Olympus beweg e t. 2) ß. 36. Der schöne Kopf der einzigen Statue des Neptun uS zu Rom in der Villa MediciS scheinet nur allein im Barte und in den Haaren sich von den Köpfen des Jupiters etwas zu unterscheiden. Der Bart ist nicht länger aber krauser, und über der Oberlipe ist derselbe diker. Die Haare sind lokichter/ und erheben sich auf der Stirne verschieden von dem gewöhnlichen Wurfe dieser Haare am Jupiter. ES kan also ein fast kolossalischer > Kopf mit einem Kranze von Schilfe/ in der Far- . iiesina/ keinen NeptunuS abbilden; den die Haare des Barts sowohl als des Haupts gehen ^ >) Lullon, Ilist. Nllt. t,g. x. ö. in l!ne. 2) 1^. I. v. 5-3 — 5Zo. sUvr-it, III. cni-m. 1. v. 7. I Z) Ist aus der Villa Mcdici »ach Florenz gebracht. IDer K?ps dieses Neptunus unter Numcro der Abbildungen-^! Eine andere nicht vollkommen zuperlä- . stige, sondern nach Muthmaßungen zum Neptun re- staurirte Statue findet man im Museo Pio-Cle- mentino. (?. >. tüv.ZZ) überhaupt scheinen die Bilder dieser Gottheit sehr selten zu sei», da ausscr den gedachte» beiden großen Statuen und einer gut gearbeiteten kleine» uttter den Altertümern zu Dresden sin Beckeri Slugusteum, Tas. 40.) uns nur »och einige Figuren Neptuns auf erhobene» Arbeiten, aber keine merkwürdige» Köpfe und Brustbilder bekant sind. Meyer. s Buch, 1 Kap. 137 schlänglicht gerade/ und die Mine ist nicht heiter/ wie dieselbe an jener Statue ist/ folglich muß hier «in Meer- oder Flußgott vorgestellet sein. §. 37. Hier fallt mir eine mißverstandene Stelle deS Philostratus bei/ wo derselbe in Beschreibung eines Gemäldes des Neptu nuS und der Amy- mona saget! i; 1-ov , cr'i ^ ° l) Olearius m seinen Anmerkungen über diesen Seribenten hat das lezte Komma der angeführeten Stelle aufeinen goldenen Schein/ welcher das Haupt des Neptunns umgeben/ gedeutet/ und tadelt bei dieser Gelegenheit den Scholiasten i >eS Homerus/ der das Wort mit »Kscu- IUS erkläret. In einem sowohl als in dem andern ist dieser Ausleger unrichtig. Philostratus saget: „Das Meer fange an kraus zu werden und Neptunus male es mit Purpur; " dieses aber gründet sich auf die Bemerkung der ersten Bewegung des mittelländischen Meeres nach einer Stille/ welches/ wen es anfängt unruhig zu werden/ in der Ferne einen rothen Schein gibt/ so daß die Wellen purpurfärbig scheinen. §. 38. Völlig verschieden von der Bildung des Heptunus sind die übrigen unteren Meergötter; es ist jedoch hier der füglichste Ort/ deren Bildung anzuzeigen. Diese ist/ ausser einem Brustbilde in demMuseo Capitolinvv am deutlichsten ausge- drüketan zween kolossalischenKöpfen von Tritone»/ die sich in der Villa Albani befinden/ und von welchen der eine in meinen alten Denkmalen gestochen ist. ?) Es sind diese Köpfe mit einer Art >) Icon I. i. n. 7, p. 776. 2) lNumcro Z5.) Die beiden kolossalen Tritons köpf» in der Villa 6 ' jZ-j Geschichte der Kunst. von Floßfedern bezeichnet/ welche die Augenbrau- nen bilden/ und den Aligenbrauue» des Meergottes GlankuS beim Philostratus ähnlich sind: A l b a n i stehen, wen sie gleich gut gearbeitet sind / dennoch in der Kunst weit nach einem andern kolossalen Triton S k o ? s oder viemclir einer H e r »i e, welche nach des Autors Zeit bei Pnzzuolo gesunden und in das vatikanische Museum gebracht worden. Des edle»/ würdige» Charakters wegen hielt man an>a»gs dieses Denkmal für ein Bild des Okeanos. Visconti bat aber mit erheblichen Gründen wenigstens wahrscheinlich gemacht/ daß es ein Triton sei. (Au«, pio-Lle>». t, «z, x, S — ?> wo auch wv, 5. eine gute Abbildung ist.) Eben Vieles Museum besizt noch zwei andere dieser Klasse angehörige und in Hinsicht der Arbeit sehr schäz- bare Monumente. Das erste besteht aus einem Tr i ton oder eigentlich Seeeentauren , der eine Nvmphe > raubt/ nebst einem Paar scherzender A m orinen ; eS ist ei» ^ Grupo von nicht völlig lebensgroßen Figuren/ die ur- ' sprnnglich eine Fontaine verziert hat / und bei Rom ausserhalb der Porta Latina aus eiuer Puzzolangrnbt hw vorgezogen worden. Das andere ist die zu S- Angele bei Tivoli gesundene Halbsignr eines etwas größern und noch vortreslicher gearbeiteten T rit o n s. Abbildungen ! von beiden Denkmalen im Mu se v P i o-C le m entino. (r. >. ISV. Z4—Z5.) Das Brustbild im Museo Capitolino ist eine sehr gut gearbeitete und wohl erhaltene Dovel Herme, I wo besonders die Floßsed er» um die Augen deutlicher als an keinem andern Tritonsbilde angegeben sind. sEi» solches Auge unter Numero Sa der Abbildung en.1 Man findet ebendaselbst noch ein Brustbild, welckcS ! sonst fiir einen Fann gegolten/ ohne Hörner mit s?i> ! >en Ohren und i» Hinsicht aus die Gesichtsziige der ge- ! dachte» Halbfigur in, Museo Pio > Clementino «hnlich/ so daß man glauben darf/ es stelle ebenfalls ei> ! nen Triton vor. Der Kovr ist wohl erlialten und vor- trcslich gearbeitet; die Brust scheint modern. Meyer- ! 5 Buch, t Kap. ?'vV5«7i'?'L!!-c« n-x-5 «^»Xse?; ^) solche Floßfedern geben von neuem über die Baken; und über die Nase/ auch um das Kin herum. Eben so finden sich die Tritonen auf verschiedenen Begräbnißurnen gestal-.^ tet/ von welchen eine in dem Museo Capitoli- no siehet. §. 3S. So wie nun die Alten siufenweise von der menschlichen Schönheit bis an die göttliche hinaufgestiegen waren: so blieb diese Staffel der Schönheit. Neben den Göttern stehen die Helden und Heldinen aus der Fabel/ und diese sowohl als jene waren den Künstlern Vorwürfe der Schönheit. In ihren Helden/ das ist: in Menschen/ denen das Altertum die höchste Würdigkeit unserer Natur gab/ näherten sie sich bis an die Gränzen der Gottheit/ ohne dieselben zu überschreiten/ und den sehr feinen Unterschied zu vermischen. Battus auf Münzen von Cyrene würde durch einen einzigen Blik zärtlicher Lust einen BakchuS/ und durch einen Zug von göttlicher Großheit einen Apollo abbilden können. MinoS auf Münzen von GnossuS würde ohne einen stolzen königlichen Blik einem Jupiter voll Huld und Gnade ähnlich sehen. §. Die Formen bildeten sie an Helden heldenmäßig/ und gaben gewissen Theilen eine mehr große als natürliche Erhobenheit/ in die Muskeln legeten sie eine schnelle Wirkung lind Regung / nnd in heftigen Handlungen sezeren sie alle Triebfedern der Natur in Bewegung. Die Absicht hiervon war die mögliche Mannigfaltigkeit/ welche sie suchcten; und in derselben soll Myron alle seine Vorgänger übertroffen haben. -) Dieses zeiget sich auch sogar >) Icon. I. 2. n. i5. p> 8ZZ. 2) ?>ir>. I, Z4, c,g, üect. >g. U .Z.) ^ Man sehe darüber SB. 2 K. 40 §.z 4-w Geschichte der Kunst. an dem irrig sogenanten Fechter des Agasias von Ephesus/ in der Villa Borghese, dessen Gesicht offenbar nach der Ähnlichkeit einer bestickte» Person gebildet worden: die sttgesörmigen Muskeln in den Seiten sind unter andern erhabener, rührender/ und elastischer als in der Natur. Noch deutlicher lasset sich dieses' zeigen an eben diesen Muskeln am Laokoon/ welcher eine durch das Ideal erhö- hete Natur ist/ verglichen mit diesem Theile des Körpers an vergötterten und göttlichen Figuren/ wie der Herkules und Apollo im Belvedere sind. Die Regung«dieser Muskeln ist am Laokoon über die Wahrheit bis zur Möglichkeit getrieben/ und sie liegen wie Hügel/ welche sich in einander schließen, um die höchste Anstrengung der Kräfte im Leiden und Widerstreben auSzudrüken. In dem Rumpfe des vergötterten Herkules ist in eben diese» Muskeln eine hohe idealische Form und Schönheit; aber sie sind wie das Wallen des ruhigen Meeres, fließend erhaben / und in einer sanften abwechselnden Schwebung. Im Apollo/ dem Bilde der schönsten Gottheit/ sind diese Muskeln gelinde/ und wie ein geschmolzen GlaS in kaum sichtbare Wellen geblasen/ und werden mehr dem Gefühle als dem Gesichte offenbar. §. 4t. In allen diesen Betrachtungen war die Schönheit allezeit die vornehmste Absicht der Künstler/ und die Fabel nebst den Dichtern berechtigte sie / in Bildung auch der jungen Helden bis zur Zweideutigkeit des Geschlechts zu gehen/ wie ich vom Herkules angezeiget habe/ und wie in der Figur öeS Achilles geschehen konte/ welcher vermöge der Reizungen seiner Gestalt/ und in weiblicher Kleidung unter den Töchtern des LykomedeS/ als ihre Gespielin/ unerkant blieb; t) u,?d also erscheinet ?) ötaül I. ». v. 600. 5 Buch, 1 Kap. 1^1 derselbe in dieser Vorstellung auf einem erhobenem Werke in der Villa Belvedere zu Frascati, welches über die Vorrede meiner alten Denkmale gesezet ist/ so wie in einem anderen erhobenen Werke der Villa Panfili. Ich war bei dem ersten Anblike hierüber zweifelhaft an der Figur des Te- lephus, welcher von dessen Mutter Auge erkant wird, da sie diesen ihren Sohn ermorden wollte. Das Gesicht dieses jungen Helden ist völlig weiblich/ wen man es von unten herauf betrachtet/ und es scheinet sich etwas Mänliches in dasselbe zu mische»/ wen man es von oben herunter ansiehet. Dieses bisher unerkante erhobene Werk im Palaste Nnspoli/ welches unter die schönsten ,jn der Welt kaii gezählter werden/ erscheinet unter meinen Denkmalen des Altertums.^) Auch im ThesenS würde diese zweideutige Schönheit statt sinken / wen derselbe sollte abgebildet werden wie er, mit einem langen Nokc bis auf die Füße bekleidet/ von Trözene nach Athen kam/ und von den Arbeitern an dem Tempel des Apollo für eine schöne Zungfrau angesehen wurde/ so daß sie sich verwunderten / diese vermeincte weibliche Schönheit/ wider die Gewohnheit/ allein und unbekleidet in die Stadt gehen zu sehen. Z. 42. Weder diesen Begris der Schönheit noch die Betrachtung des Alters hat der alte Maler vor Augen gehabt/ der eben diesen Held auf einem Gemälde des herculanischen Mnfei gebildet hat/ wie ihm nach dessen Rükkunst von Kreta und nach Erlegung des Minotanrs die atheniensischen Knaben und Mäd-- 1) lUnter den Vignetten oder V erzi ertt »gsbi lder» zu den Denkmalen Numero 7.Z 2) tNuniero 72.Z ü) ?2U5!NI> I. I. c. lg. 142 Geschichte der Kunst. chen die Hände küssen. Noch weiter aber von der Wahrheit und von der Schönheit des jugendlichen Alters hat sich Nikolaus Poussin entfernet in einem Gemälde des Herrn Ludwig Vanvitelli, königlichen Baumeisters zu Neapel, wo TheseuS den von dessen Vater unter einem Steine verborgenen Degen und den Schuh in Gegenwart seiner Mutter Atbra entdeket, welches im scchzehentcn Jahre seines Alters geschahe. Den hier erscheinet derselbe bereits mit einem Barte und in einem mcin- lichen Alter, welches aller jugendlichen Nundlichkeir beraubet ist. Ich will der Gebäude und eines Triumphbogens nicht gedenken, die sich nicht im geringsten mit den Zeiten des TheseuS reimen.2) §. ^3. Der Leser verzeihe mir, wen ich wiederum jenem Dichter von der Malerei sein ftl- ! scheS Vorurtheil zeigen muß. ES sezet derselbe > unter vielen ungegründeten Eigenschaften der Natur der von ihm sogenanten Halbgötter und Helden, in Werken der alten Kunst, von Fleische abgefallene Glieder, dürre Beine, einen kleinen Kopf, kleine ») Oallimück! sraßmcnt. a Li>ntl, cvllcct. n. 66. p. 322. I^cupliron. V. IÄ22. Feg. tDenkmale, Nnmero Sü. ü 2) Dieses Gemälde P o u ssin s, oder cm durchaus ähnliches, befindet sich in der floreutiuischen Galerie. Die Vor> würfe, welche der ?lutor demselben macht, sind W der That gegründet, den Thcseus bat eine» ziemlich starken Bart, und der Grund des Bildes ist mit ansehw lichen Ruinen geziert, wo äusserst unvassend ein Bogen mit korinthischen Pilastern vorkomt, Indessen ist dieser landschaftliche Grund gerade der schäzlmrsteTheil des M des, deil die Figuren stnd weder gut gedacht und ge> ordnet, noch mit Sorgfalt gezeichnet. Mever. Z) ^ Vatclet, I srl xciridre, rvüellons sur 1- 5 tions. 5 Buch, 1 Kap. Hüften, einen kleinen Bauch, kleinliche Füße und eine hoble Fußsohle. Woher in der Welt sind demselben diese Erscheinungen kommen? Hätte er doch schreiben mögen, was er besser verstanden! ß. Jenen Begriffen der alten Künstler von der Schönheit der Helden gemäß hätten die neueren Künstler die Figuren des Heilandes bilden, und denselben also der prophetischen Weissagung ähnlich machen sollen, die ihn als den Schönsten der Menschenkinder ankündiget.^) Z» den mehre- ßcn Bildern aber, um vom Michael Angelo anzufangen, scheinet man die Zdea von den barbari- sehen Arbeiten der mittleren Zeit genommen zu haben, und man kan nichts Unedleres von Gesichts- bildung als solche Köpfe des Christus sehen. Wie weit edler Raphael gedacht hat, siehet man in einer kleinen Originalzeichnung desselben, die sich in dem königlichen farne fischen Museo zu Neapel befindet, und die Beerdigung des Heilandes vorstellet, wo das Haupt desselben die Schönheit eines jungen Helden ohne Bart zeiget. Hannibal Caracci ist der Einzige, so viel ich weiß, der ihm gefolget ist, 2) in drei ähnlichen Gemälden von eben der Vorstellung, wovon sich das eine in izo gedachtem Museo, das andere zu S. Francesco a Ri- pa zu Rom, und das dritte in der Hauscapelle des Palastes Pansili befindet. Sollte aber eine solche Bildung des Heilandes, wegen d-'r angenommenen bärtigen Gestalt desselben, eine anstößige Neuerung scheinen können: so betrachte der Künstler den Heiland des Leonardo da Vinci, und sonderlich einen wunderbar schönen Kopf von der Hand dieses Künstlers, welcher sich in dem Kabi- 44. V. z. F e a. 2) l,Man vergleiche 5 B, 3 K- 2S §,Z Geschichte der Kunst. nett des Durchlauchtigen Fürsten Wenzel von Lichte nstein z» Wien befindet; den in diesem Bilde ist/ ohngeachtet des Barts/ die höchste tnänliche Schönheit abgebildet/ und man kan diesen Kopf als das vollkommenste Muster anpreisen. §. ^5. Will man nuu die Staffel/ die wir von den Göttern bis zu den Helden herabgestiegen sind/ von diesen bis zu jenen wiederum hinaufsteigen auf eben die Art/ wie aus Helden Götter entstanden sind: so geschiehet dieses mehr durch Abnehmen als durch Zusezen/ das ist: durch stufenweise Absonderung desjenigen/ was ekicht und von der Natur selbst stark angedeutet worden, bis die Form dergestalt verfeinert wird/ daß nur allein der Geiß in derselben gewirket zu haben scheinet. Zweites Kapitel. Z. i. Unter den weiblichen Gottheiten sind, wie an den mänlichen/ verschiedene Alter, und auch verschiedene Begriffe der Schönheit, wenigstens' in den Köpfen, zu bemerken, weil nur allein die VenuS ganz unbekleidet ist. Eben so viel Stufen verschiedener Formen und Gewächse sind hingegen in den Figuren weiblicher Schönheiten nicht, als' deren Gewächs nur allein nach ihrem Alter verschieden ist: den, ob sich gleich nebst den Göttinen auch Heldinen abgeb ldet sinden, sind dennoch an den einen sowohl als an den andere» die Glieder auf gleiche Art rundlich und völlig, und die Künstler würden durch eine stärkere Andeutung einiger Theile an Heldinen aus der Eigenschaft ihres Geschlechts gegangen sein. Eben daher, so wie ich weniger bei der Schönheit des weiblichen Geschlechts anzumerken finde, ist auch hier das Studium des Künstlers viel eingeschränketer und leichter: so wie die Natur selbst leichter in Bildung des weibliche» als des mänlichen Geschlechts zu wirken scheinet, indem weniger Kinder von unserem als von jenem Geschlechte geboren werden. Daher saget Aristotele S, die Wirkungen der Natur, da sie auf das Vollkommene auch in der menschlichen Bildung gehen, weil dieser Endzwek, welcher das mänliche') Geschlecht I) Wie wiener Ausgabe liat lner offenbar srhlerhast das m e» schliche, anstatt das >n ä n > i cl> e Geschlecht, über- ham 't aber ist der gan^e Saz, wie er sonst im Terte stand, ohne alle Haltung, den er lautet: „Daher saget Winckelmaii. 4> iZ>6 Geschichte der Kunst. sei/ durch den Widerstand der Materie nicht habe können erreichet werde»/ bilden das weibliche Geschlecht. ES ist auch noch ein anderer Grund, woraus sich eben so leicht begreifen lässet/ daß die Betrachtung sowohl als die Nachahmung der Schönheit der Natur weiblicher Statuen wenigere Mühe erfordere) und dieser ist/ weil die niehresten Göttinen nicht weniger als alle Heldinen bekleidet sind/ wie ich auch unten in der Abhandlung von der Bekleidung von neuem anmerke; da hingegen die meh«- sten Statuen unseres Geschlechts unbekleidet vorgestellet worden. §. 2. Man merke jedoch / wen ich von der Ähnlichkeit des Nakcnden weiblicher Figuren rede/ daß dieses von dem Gewächse zu verstehen sei/ und ich schließe dadurch den verschiedenen Charakter in den Köpfen nicht anS/ als welcher in einer jeden Göttin sowohl als an den Heldinen besonders ausgedrillet worden/ so daß die oberen Göttinen nicht weniger als die subalternen/ wen sie auch der ihnen gewöhnlich beigelegeten Zeichen beraubet worden, kentlich sein können. An Göttinen ist so wie an Göttern die Gestalt bestimmet und beständig beobachtet. Mit diesem einer jeden eigenen Charakter in dem Gesichte haben die alten Künstler die Schönheit in ihrem höchsten Grade zu verbinden gesuchet, bis auf die weiblichen Larven/ denen sie dieselbe ebenfalls eingedrüket haben. §.3. Unter den Göttinen stehet Venus billig obenan / als die Göttin der Schönheit/ und „Aristoteles, daß die Wirkungen, da sie auf das » Vollkommene auch in der menschlichen Bildung gehen, i, weil dieser Endzwek, welches das mäiiliche Geschlecht „sei, nicht habe können erreichet werden, bilde dieselbe das weibliche Geschlecht. "Z 6 Buch, 2 Kap. weil mir diese allein nebst den Gratien und den Göttinen der IahrSzeiteii/ oder den Hör 6, unbekleidet ist; i) auch deßwegen/ weil sie sich häufiger als andere Göttinen und in verschiedenem Alter vorgestellet findet. Die mediceische Venus zu Florenz ist einer Rose gleich/ die nach einer schönen Morgenröthe beim Aufgang der Sonne aufbricht/ und die aus dem Alter / welches/ wie Früchte vor der völligen Reift/ hart und herblich ist/ in ein Alter tritt/ in welchem sich die Gefäße zu erweitern und der Busen sich auszubreiten ansängt/ wie selbst ihr Busen meldet/ welcher schon ausgebreiteter ist/ als an zarten Mädchens. Bei dem Stande derselben stelle ich mir diejenige LaiS vor, die Apelles im Lieben unterrichtete/ und ich bilde mir ei»/ dieselbe so zu sehen / wie sie sich das erstemal vor den Augen dieses Künstlers entkleiden müßen. 2) Eben diesen Stand hat eine Venus in dem Museo Capitolino/ welche besser/ als «S andere dieser Figuren sind/ erhalten ist/ den es fehlen nur einige Finger/ und es ist nichts an derselben zerbrochen^) eine andere in der Villa Al- t) Auch Diana/ wie Visconti beweist. (Aus. ?Io- LIcni. t. >, tsv. I», p. >7. not, >>.) Fea. 2) Stilen. I. lZ. 6. . 64.) 6. AIu5. Ltatue, tah. 26. F e a. He»ne (Lomnieat. Oaztting, t. 10, p. i vö,) sucht aus mehreren in der griechischen Anthologie befindlichen Gedichten darzuthuu, daß die mediceische Venus als vor dem Paris stehend muße gedacht werden, und Böttiger (Andeutungen ic. S-t72.) billigt He »nes Muthmaßung. Meyer. Etwas großer als die mediceische, und in Hinsicht aus den Charakter ihrer Gestalt mehr eiitwikelt, steht sie an Kunstverdienste nur wenig hinter derselben zurük, 143 Geschichte der Kunst. bani; imgleichen eine andere/ die nach einer Ve- nuS/ welche zu TroaS stand, coviret ist von einem Menophantus; diese mit dem Unrerschiede, und hat auch, wie der Autor bemerkt, eine» gailj leichten Stand, aber keinen Delphin i»r Seite, so», der» ei» hohes Salbengefäß, über welches ein mit Fransten versehenes Tuch gelegt ist. Übel restaurirt war sonst die Nase, wodurch das schöne Gesicht entstellt wurde; an der linken Hand der Danm und der Zeigefinger; an der rechten der Daum und der Mittelfinger! die Lipen sind etwas beschädigt, vornehmlich die obere. (I^Iu5, L.ipiwI. i> Z t-v. ig.) Meuer. t) Dieses saget folgende Inschrift aus einem Würfel zu den Füßen der Venus, aufweichen das Gewand, weh ches sie vor dem unterleibe hält, herunterfällt: ^ri xnoIki Von diesem Künstler aber haben wir so wenig, al< von feinem Originale, Nachricht. Troas lag in der trojanischen Landschaft, fönst auch Alerandria und Antiaone genant, und wir finden einen Sieger angeführet, weicher in den großen Svielen in Griechenland (Lculi^er. po-5t. I. I. c 2/,.) den ersten Preis erhalteil. Über die Form der Buchstaben sehe man, was ich bei der unlängst gefundenen Statue mit dem Namen Sar- danavalus erinnert habe. Venk m ale, Z Th. t K.I W i n cke lm a n. Die Venusdes Menovhantus wurde am AbHange des Monte Celio zu Rom gefunden und kam fväterhin in Best; des Prinzen Chigi, Ihre Stellung ist wenig von der mediceifchen Venus ihrer verschieden; nur hält ste vor den Schooß mit der linken Hand das Ende einer Draverie, welche mit Franken befezt ist, und auf den die Inschrift enthaltenden Würfel tnach Viscontis Meinung (!>lu-!, Pio-L><>ni. t, l. p. ig—9?.) ein Schmuk- kästchen) niederfällt, und der Figur zum Halte dient. Der K»pf hat viel Liebliches und ist, in Rükstcht !>ei 5 Buch, 2 Kap. 5^9 daß die rechte Hand dem Busen näher ist/ von welcher der mittlere Finger das Mittel der Brüste berühret/ und die linke Hand halt ein Gewand. Beide Statuen aber sind in einem reiferen Alter gebildet/ auch größer als die mediceische Venus. Ein Gewächs schöner jungfräulicher Jahre/ wie diese hat/ siehet man in Lebensgröße an der halb bekleideten Thetis/ in der Villa Albani/ die hier i» dem Alter/ da sie mit dem Peleus vermählet wurde/ erscheinet/ und von mir im zweiten Theile beschrieben wird. §.4. Die him lische Venus/ das ist: die vom Jupiter und der Harmonia erzeuget war/ und von der anderen Venus/ der Dione Tochter/ verschieden ist/ wurde durch ein erhabenes Diadem»/ «ach Art desjenigen/ welches der Ju- darin vorgestellte»' Ideals, wie auch des Aussazes der Haare / den Köpfen der in ed i c ei sch e n, der ca »> toli- nischen/ der dresdner und andern vorzüglichen V e- nusstatuen ähnlich. Die Formen sind überhaupt zierlich, svelt; die Verhältnisse untadelhast, woraus sich mit Grunde vermuthen läßt/ das Original / nach welchem Menovhantus gearbeitet/ sei vortreffich gewesen. Die Behandlung am Fleische wie an den Haaren Verräth zwar einen geübten tüchtigen ^Künstler; allein sie erreicht bei weitem nicht jene reizende, zarte Weichheit, die wir an der ea v it ol i n i sch e n Venus und ander» Werk,'» aus der schönen Zeit wahrnehmen. Nach den Merkmalen der Technik scheint das Monument nicht einmal den früheren Zeiten des römischen Kaisertums anzugehören. Die Nase nebst den beiden Auge» sind neu; auch au der Draverie ist einiges ergänzt, und an den Lipen zeigen sich geringe Beschädigungen. Eine Abbildung davon im Museo Capitolino. (^.4- lav, 6S, x>. Z^2>) Meven 0 U2 B- 2 K. 4 — S H.7 Geschichte der Kunst. »o eigen ist/ bezeichnet. Eben dieses' Diadema rr^gt auch die siegreiche VenuS (victrix)^ deren t) Mehrere Altertumsforscher wolle» das Dasei» solcher antiken höhererVenusideale oder V ilder der Venus Urania bezweifeln; allein schon Paufania s(I. >, c. >9.) gedenkt einer zu Athen befindlichen Her m e als Venus Urania, wie auch (I. Z. <7. 2,?.) eines die Göttin als bewafnet vorstellenden Bildes aus Holz, und (1.6, c. 2S.) einer Statue des Phidias aus Elfenbein und Gold, in welcher Venus Urania so gebildet war, daß sie mit einem Fuße aus der Schildkröte stand. Von ei- nem Künstler, wie Phidias war, läßt es fich nicht erwarten, daß er feinem Bilde keinen bestimten, der auszudrukenden Idee angemessenen Charakter follte gegeben haben. Diefes ist auch um ss weniger wahrscheinlich, da in der Nähe der Venus Urania vom Phidias eine auf einem B o k e fizende Venus Vulgivaga aus Bronze, ein Werk des Skopas, stand. — Ohne ausfallende Verschiedenheit in beiden Statuen wurde Pau- fanias sie nicht aus die Weise, als er es gethan, einander entgegengefezt haben. — Wir glauben daher mit dem Autor, daß solche Bilder der Venus Ura- 11 i a wirklich vorhanden waren und noch sind; und stch theils durch höhere Majestät und Ernst, theils durch das in der Mitte hohe und nach dem Ende hin absinkende Diadema vo» andern Venusbildern unterscheiden. Winckelma n hat stch begnügt an einer andern Stelle ein Brustbild dieser Venus, oder vielmehr einen Kopf, dessen Brust modern ist, aus der Villa Borg Hefe (t. stan?ii V. n. 17.) als Beispiel anzuführen, allein die Arbeit des Denkmals hat nur wenig Verdienst. Die schönsten Köpfe der himlischen Venus find: Einer von vortreflichem griechischen Marmor smzr- mo sulin») im Muse» zu Mantua. Er ist mit dem Diadema geschmükt, wie eine Juno; die Züge aber sind die der Venus; nur geht durch's Ganze ein weit höherer, ernsterer Sin als gewöhnlich. An den Augen hat dieses Denkmal etwas gelitten, auch an einigen andern Stellen. 2. In der slorentin ifchen Galerie befindet M 6 Buch, 2 Kap. 161 schönst.' Statue/ ohne Arme/ in dem Theater der alten Stadt Capua entdeket worden/ und den lin- l.'N Fuß auf einen Helm gesezet hat! es stehet dieselbe in dem königlichen Palaste zu Caserta. Man siehet es auch an einigen erhobenen Werken/ welche die Entführung der Proserpina vorstellen/ auf dem Haupte einer bekleideten VenuS/ die in Gesellschaft der Pallas und der Diana/ mit der Proserpina/ in den Wiesen bei Enna in SicilieN/ Blumen lasen/ welches am deutlichsten eine den Namen Venus Urania führende, bekante und verdienstliche Statue 1>Iii5. k'Inrent. t. Z. tnk. Zvwelche etwas vorwärts gebükt das Gewand vor den Schooß zusan>nie»!?ält. Beide Arme nebst dem rechten Fuße sind neu, »nd das Gewand ist überarbeitet. Der Kops, welcher an Schönheit und edlem Reiz ein Meister- stiik ist/ iibertrift die Figur und scheint ihr nicht anzugehören, wen ihm gleich die Statue mit Recht ihren Namen dankt. Nur Schade, daß derselbe so sehr beschädigt ist; die Nase, die Unterlipe, das Kin, der größte Theil des Halses, und die beiden auf dem Scheitel geknüpfte» Haarlosen sind moderne Ergänzungen; das Diadem aber ist wirklich antik. Die Zuge überhaupt zeigen ungefähr denselben Charakter wie an dem gedachten Denkmal zu Mantua. Z. Ein mit dem Diadema versehener Kopf, dessen Formen nicht weniger schön als würdig die Venus ankündigen, war ehemals im Museo zu Cassel. 4. Auch die A nti k e n sa m l u n g zu Dresden be< fizt ein schönes Fragment eines solchen Kovss, welches einer nicht dazn gehörigen, znr Ceres restaurirten Figur aufiesezt ist. tA,irI>r>?5 >!<> pl. > ?,5.) Unter Numero 48. I>. und ^iS. c. der Abbildungen theilen wir ein Auge nach dem dresdner Fragment und rines »ach dem ehemals zu Cassel befindlichen Kopse mit, und hoffen anschaulich darzutlmn, wie sehr irrig wegen des Diadem« die meisten dergleichen Bilder Juno! nen genaiit werden. Meper. Geschichte der Kunst. auf zwo Begräbnißurnen des bavbcrini sche n Palastes kau bemerket werden. Anderen Göttinen ist dieser Hauptschmuk nicht gegeben worden, wen ich die Tbetis auSiiebme, auf deren Haupte sich derselbe eryebet in dem Gemälde eines schönen Gefäßes von gebranter Erde der vatikanischen Bibliothek, welches ich in meinen alten Denkmalen bekant gemachet kabe. i) Z. L. Diese aber nicht weniger als jene Venus hat in den sanft geöfneten Augen das Schmachtende und daS Li eb ä u g el nd e, welches die Griechen 55 nennen, gebildet, welches sonderlich das untere in etwas erhobene Augenlied verursachet, wie ich unten in den Bemerkungen über die Schönheit der Augen anzeigen werde. Dieser Blik ist jedoch entfernet von allen geilen Gebärden, dnrch welchen einige neuere Bildhauer ihre Venu S haben keiitlich machen wollen: den die Liebe ist von den alten Künstlern, eben so wie von ihren vernünftigen Welt- weisen, als der Beisizer der Weisheit, wie sich EuripideS ansdrüket, angesehen worden. §. 6. Wen ich vorder gesaget habe, daß sich nur allein die VenuS nebst denGratien und Hören unter den Göttinen unbekleidet finden, ist meine Meinung nicht, daß Venus beständig unbekleidet vorgestellet worden: den wir wissen das Gegentheil von der VenuS des Praxiteles zu Kos. ES Z) Wumero jZt>Z 2) M,>6, v. S4Z. Merkwürdig ist hier eine Stelle des Athenäus tl, iZ. c, 2.), wo er aus mehreren Gedichten der Griechen, wie aus den Schriften der Philosvvhen zu beweisen sucht/ welche würdige Idee die Griechen von der Venus und dem Amor gehabt. Fea. ?) ?Iin> >, Z6> c> A, secl, 4et Z. Inder wiener Ausgabe heißt es hier: „des Pro- Z Buch, 2 Kap. ist auch eine schöne Statue dieser Göttin/ die ehemals in dem Palaste Spada war/ und nach En- gcland gegangen ist/') bekleidet/ so w'e sie erhoben gearbeitet ist an einem der zween schönen Leuchter, die sich ehemals' in dem Palaste Barberini befanden/ und izo dem Bildhauer Cavaceppi gehörein 2) §.7. Juno zeiget sich als Krau und Göttin über andere erhaben/ im Gewächse sowohl als königlichem Stolze. Juno ist ausser ihrem gipflichten Diadema kentlich an den großen Augen, und an dem gebieterischen Munde/ dessen Zug dieser Göttin so eigen ist/ daß man ein bloßes Profil/ welches von einem weiblichen Kovfe eines erhoben gearbeiteten nnd zerstiimmelten SteinS in dem Museo Stroz- zi übrig geblieben ist/ durch einen solchen Mund sicher auf eine Juno deuten kan. Die Schönheit in dem Blike der großen rundgewölbeten Augen der Luno ist gebieterisch/ wie in einer Königin/ die herschen will/ verehret sein und Liebe erweken muß. Der schönste Kopf der Juno in Marmor ist und bleibet der kolossalische Kopf dieser Göttin in der xitelcs zu Gnidns. " Der Zusammenhang und die von Plinius angeführte Stelle lehren, daß, anstatt Knidus, gelesen werden müße Kos. Meyer. t) Dieses ist die Statue, welche Dallawa» (les desux 21'ts eil ^n^Ieterre, t, 2. p. 14. n, 6.) unter den antiken Statuen des Graven Egremont zu Petworth in Su ssex anführt und dabei anmerkt, Wineke lman habe dieselbe für eine Venus gehalten. Es geschieht ihrer auch künftig s6 N. 1 K. 22 wieder Erwähnung. C a- vaccvvi hat fvlche ergänzt und (vol. 1. tav. 5.) abbilden lassen. Meuer. 21 ^Denkmale, Numero Zll. Mai: Vergleiche Z B. 2 A. 6 §. Nvte.1 liää Geschichte der Kunst. Villa Ludovisi/5) wo sich noch ein kleinerer Kops derselben befindet/ welcher den zweiten Rang verdienet; 2) die schönste Statue derselben siehet man in l) Unter dem Namen der ludo Visischen Juno hinrci. chend bekaiit, unvergleichlich groß, erhaben und doch lieb- lich und über alle Maße» schön. Nur die Nasenspize ist ergänzt; sonst ist dieses herliche Werk, mit Ausnahme einiger Spuren von empfangenen Stößen auf der rechten Wange, nickt merklich beschädigt. Wen indessen das linke Auge gegen das rechte gehalten etwas flacher aussteht, fo scheint solcher Unterschied nicht ursprunglich, fondern Zeit und Zufälle mögen an der Stelle einige Abreibung verursacht haben. fUnter Numero 48. der Abbildungen ist das Gesicht dieser Juno im Profile zu sehen.I Meyer. Z) Ausser dem kolossalisclien befinden sich noch zwei bemer» kenswerthe In »»köpfe in der Villa Lodovisi. Ei- »er derselben etwas über Lebensgröße steht ireben jenem in der Bibliothek. Die Züge sind lieblich, doch ohne dem großen und «'-Ebenen Charakter Abbruch zu thun^ hinter dem hoben Diadema fließt ein Gewand oder Schleier vom Haupte. Dieses schöne Monument ist bis auf die moderne Nasenspize und einige Beschädigungen «m Halse, da wo stch derselbe an die Bruff anschließt, ganz erhalten. — Den andern wohl noch einmal so großen, und unter die kolossalen zu rechnenden Junokovf trift man im kleinern Garreu palaste der gedachten Villa auf der in die obern Zimmer führenden Trepe an: die Züge sind groß und edel; die Behandlung des Fleisches aber, so wie die tiesen Einschnitte der Haarlokcn, scheinen eine Arbeit aus den Zeiten der Nömerherschait anzudeuten. Wir bemerke» noch, daß auch das Museum zu Pari? einen dem kleinern ludo visischen ähnlichen Junokopf besizt, ebenfalls über Lebensgröße und mit dem Schleier hinter dem Diadema. tivion«»,?»-! ck> Aus««' l. i. s,1 5.) Ein kolossaler Kovs der Juno von vorzüglicher Arbeit, aber olme Diadema, soll sich zu Sarsko-Selo bei Petersburg befinden. Meye r. 5 Buch, 2 Kap. dem Palaste Barberini. Ein gleichfalls kolos- salischer Kopf derselben in eben diesem Palaste komt dem erstgedachten Kopfe an Schönheit nicht bei. i> Jezo im Mnseo Pi o-C lem c ntin v. Visconti (l. tav. 2.) sucht zu beweisen, daß der Kovspuz der Juno von der Art sei, wie ihn Eustathius s->cl Oio- H)'S> ?erieg. V. 7.) beschrieben und genant bat. Fea. Z) Der angesührte barberinische kolossale Iun 0 k 0 ps ist eigentlich nur ein Fragment von guter Arbeit, vermittelst vieler modernen Ergänzungen zu einer Büste gestaltet. Ein herlicher Kopf der Juno, etwa in dopelter Na- turgröße, steht neben ander» antiken Denkmalen in einem Zimmer an der florentinischen Galerie. Derselbe trägt eine Art von Krone oder hohem Diadema, oben mit flachen Ausschnitten, die in Spizen endigen mit kleinen Knöpfen geziert; auf der Fläche des Diadems sind Rosen. Es ist eine schrekbare Größe, Hoheit und Ernst in diesem Gesichte; der Styl überhaupt strenger als in irgend einer andern uns bekante» Juuo. Die Augenlieder liegen weit über die Augäpfel vor, und ha» ben eine beinahe schneidende Schärfe; um die Lipen läuft ein Rändchen, wie man auch an einigen M i n e r, ven des hohen St«ls, der Amazonen u.s. w. gewahv wird; hier aber ist solches vorzüglich stark angedeutet, und so sind auch alle andern Theile des Gesichts groß geformt, sehr entschieden, mehr znm Bedeutenden, Eki- gen als zum Runden und Fließenden geneigt. Die Haare sind gleich von der Stirne an sehr tief ausgehöhlt, und wiewohl die Arbeit von etwas anderer Art ist, als an den drathartigen Haaren der sichersten Denkmale des hohen Stnls der griechischen Kunst, so verberge»» sich doch wenigstens die Svuren der Nachahmung derselben nicht, und es mag uns aleo in diesem Werke die würdige Covie eines großen, vielleicht bronzenen Meister- stüks erhalten sein. Da, wie gedacht, die Haare sehr tief ausgetrieben sind, so hat der Künstler hin und wieder zwischen den Loken zum Halt ein wenig Marmor stehe» lassen. Aus de» durchbohrten Shrlapche» läßt sich schließen, daß dieser Kopf mit Ohrgehängen geziert war. Geschichte der Kunst. tz. !-. Pallas hingegen ist allezeit Zungfrau, von vollendetem Wachstume und in reifem Alter; PallaS und Diana sind allezeit ernsthaft: 11,15 et .is^oioi' plivebi snior, uirnczue Vtl'NHne l.0ivi> ^enis, jlavoc^uc vcrlice noclv. Und die erstere insbesondere ist ein Bild jungfräulicher Zuchtigkeit, welche alle weibliche Schwache ausgezogen, ja, die Liebe selbst besieget zu haben scheinet/ so daß die Augen der Pallas vornehmlich die Benennung erklaren, die bei den Griechen sowo. l als bei den Römern die Augäpfel hatten: den diese nennetcn dieselben pu^ill-is, das ist: junge Mädchen, und jene «sx«?, womit sie eben dieses bedeuteten. -) Sie hat die Augen mäßiger ge- wölbet und weniger offen/ als die Juno: ihr Haupt erhebet sich nicht stolz, und ikr Vlik ist etwas gesenket/ wie in stiller Betrachtung/ wovon das Gegentheil in den Köpfen der Roma erscheinet/^) Die Nase ist neu, wie auch etwas von den Haaren der linken Seite; am Diadema gibt es einige Beschädigungen; ferner bemerkt man am Halse neu eingesezte Stüke, und die Brust ist überall moderne Arbeit. Meyer, i) Ltat. 1. 2. v. 23^. z,. ZZ. n. 21 — 22. Plutarchns (lle vitioso pucloi-e, princ.) bestätigt des Autors Bemerkung über das Wort indem er sagt, ein Redner habe von einem unverschämtc» behauptet, daß er nicht sondern in de» Auge» habe. Me»er. Z) Die Stelle: „ wovon das Gegentheil in den Kövstir „ der Roma erscheinet, " ist von ?ea (t. >. x unrichtig alio überseht: l'.ile non ö I.« paUacle posto sinidvlo 61 Visconti t. 2. p. Zo. n. t>sni, 5 Buch, 2 Kap. die als eine Gebieterin so vieler Reiche eine königliche Freiheit in ihren Gebärden zeiget, da im übrigen ihr Haupt wie an der Pallas mit einem Helme bewafnet ist. Ich muß aber hier erinnern/ indem er sagt: nn pare, clie W'incI->. Mail kan aus dem Zufammellhattge des wahren Textes erkenne», daß weder Fea noch Visconti de? Autors Worte richtig verstanden. Mener. j) Zuweilen wurde die Roma mit aufgeschürztem kurze» Gewinde, ungefähr wie eine Amazone, vorgestellt, und 0 ist sie aus verschiedenen erbobenen Arbeiten zu sehen; ^ lit >iti>,. n, g. ,z. lg. zz ) zuweilen aber lang bekleidet und bewafnet und in so sern der PallaS ähnlich. Von dieser Art sind besonders einige sizende Figuren, unter denen die aus Porrl »r gearbeitete, über der Fontaine am P.uaste des Senators aus dem öavitolio, wohl das nieiste Kuustverdienst hat. Vei Perrier ist sie unter Numero ZZ mirtelmästig abgebildet. Ihre reizende Gestalt ist leicht gewendet; das Gewand schmiegt sich dem Korver zwar mit häufigen aber ungemei» hübsch gelegten Falten an. Ihr steht eine etwas größere ebenfalls sizende N 0> m a aus Marmor im Hofe des Palastes der Conscrvatoren weit nach. Die Falten an dieser sind mager und tief, und bilden keine Masse». Kvvs und Schultern bis auf die Vruste sind neu; auch die Hände und der vorge>'ezte linke Fuß. Lang bekleidet und sizend stellt auch das alte Gemälde im Palaste Barberini die Roma vor, wovon sich eine leidlich gelungene colorirte Abbildung sinket im Almanach aus Rom, vom Jahre ISlll, heransgegeben von F. Si ekler und C. Rein hart. Nicht Übergängen werden darf hier der fast kolossale Kovf der Roma aus Marmor in der Villa V orghefe (5t,»>?!> 5. n. 27 1; hinsichtlich ans die Kunst der Arbeit ist derselbe ohne Bedenken hoher zu achten als irgend ein anderes von den bekanten auf diefen Gegenstand sich beziehende» Monumenten. Am Helme sieht man R pln u- «58 Geschichte der Kunst. daß die Bildung der Pallas auf silbernen griechischen Münzen der Stadt Velia in Lueanien/ wo dieselbe auf beiden Seiten ihres Helms Fliigcl hat/ das Gegentheil zeiget von dem / was ich aus Statuen und Brustbildern bemerket habe: den dort sind ihre Augen groß uud ihr Blik gehet vorwärts oder in die Höhe. Die Haare in Knoten gebunden, welches der Dichter von der Pallas uni> Diana saget/^) kaii nur allein auf die Diana gehen; den Pallas hat insgemein die Haare lang von dem Haupte ab gebunden/ welche hernach unter dem Bande/ länger oder kürzer/ in langen Loken rei- henweis herunterhängen. Von diesem ihr eigenen Haarschmnke scheinet Pallas den wenig bekanten Namen bekommen zu haben. Dieses Wort erkläret Pollux mit wodurch er den Begrif nicht deutlicher machet. 2) Vermuthlich deutet jenes Beiwort auf so gebundene Haare/ deren Art zu binden also gedachten Scri- benten erklären würde. Da nun diese Göttin die Haare länger als andere zu tragen pfleget/ kan dieses der Grund gewesen sein/ bei ihren Haaren zu schwören.2) ES ist nicht gewöhnlich/ der Pallas lus und Nemns erhoben gebildet. Die Brust ist neu, die Nase zur Hälfte, und die etwas beschädigten Lipen sind mit Stucco ausgebessert. Endlich bemerken wir, daß die Noma gewöhnlich keinen vorspringenden Helm hat, wie die meisten und schönsten P a ll a s b i l d e r, sondern einen über der Stirn flach anliegende», wie ihn die römischen Soldaten zu tragen pflegten. Meyer. >) 8tat. 2. 2^7. 2) cZnomast, I. 2. x. Z. segm. ZZ. z) Tikull, I. I. eleg. 4. V. 26. He»ne bestreiket, in seiner Anmerkung zu dieser stelle des Tibullns, unseres 5 Buch, 2 Kap. rechte Hand auf ihrem gehelmten .Haupte gcleget zu sehen^ wie dieselbe neben dem Jupiter sizend an dem Gipfel des Tempels des Jupiters auf dem erhobenen Werke des Opfers des M. Aurelius im Campidoglio und auf einem Medaglione desHa- drianus in der vaticanischen Bibliothek abgebildet worden, i) Die schönste Figur derselben ist in der Villa Albani. 2) Autors Meinung über die Bedeutung des Beiwort» Me >> e r. I) Vcnnti nuniism. niax. nioZuI. vol. l. tali. 11. Z) Der Autor meint liier die vollkommen erhaltene Statue der Pallas in der Villa Albani/ die sicherlich eines der vortreflichsicn Denkmale des hohen St>>ls ist. Eine ziemlich gute Abbildung findet man bei Cava- cep pi (liaccolta cl'anüche 5tatue etc. vol. i. tav. i.) luud den Profilumriß des Gesichts unter Numero 45. .1. der Abbildunge n.^ Ihre Formen sind nicht zärtlich/ den das wäre gegen den Begris von Macht; nicht weich/ den dadurch würde der sirenge Ernst/ die Hoheit geschwächt worden sein; sie sind sogar nicht zierlich zu nennen; den das hätte sich mit dem Hohen und Großen nicht vertragen/ was hier ein Hauvtzwek des Künstlers war: aber göttlich rein/ schon und erhaben. Die Falten ihres Ge< wandes sind Meistersiüke der Zeichnung und von der schönsten Wahl/ wiewohl nicht in so breiten ungestörten Massen gehalten/ daß Schatten und Licht viel und vorzuglich gesättigen Effect dadurch hervorbringen könren; den-das Monument mag Verfertigt sein/ ehe noch Licht und Schatten genau beobachtet worden und :!>re Regeln in der Plastik Anwendung gesunden haben. Man sieht hieraus/ daß wir im Betracht des hohen Werthes dieses edlen Denkmals mit dem Autor ziemlich einerlei Meinung sind. Indessen soll darum andern berühmten Mn nervabildern keineswegs etwas abgedungen werden. Die ehemals ginstinianische Statue (Malier. Qiu- sti». t. I. t»I>. z.) ist »icht »linder schäzbar/ und wie- wahl sie aus eben derselbe» Zeit des strengen Sthls her- Geschichte der Kunst. Z. 9. Diana hat mehr als alle andere ober« Göttinen die Gestalt und das Wesen einer Jungfrau/ und ist mit allen Neizungen ihres Geschlechts begäbet, ohne sich derselben bewußt zu scheinen ; aber ihr Blik ist nicht niedergeschlagen/ wie das Auge der PallaS/ sondern frei/ munter und fröhlich/ und aus den Gegenstand ihres Vergnügens/ die Jagd/ gerichtet/ sonderlich da diese Göttin meh- rentheilS im Laufen oder im Gehen vorgestellet ist/ so daß ihr Blik gerade vorwärts' / und in die Weite über alle nahe Vorwürfe hinweggehet. Ihre Haare sind von allen Seiten um ihr Haupt hinaufgestri- chen/ und hinterwärts über den Naken/ nach Art der Jungfrauen/ auf dem Wirbel in einen Knauf gebunden/ oder auch lang vom Kopfe/ ovne Dia- dema oder anderen Schmuk zu tragen/ wie ihr in neueren Zeiten gegeben worden. Ihr Gewächs ist daher leichter und geschlanter als der Juno und auch als der PallaS; eS würde eine verstümmelte zurnhren scheint/ hat sie doch sür den jezigen Geschmak mehr Zusprechendes und Anziehendes. Neuerlich ist der in Paris befindlich«! beinahe kolossalen Pallas Von Velletri sast der größte Ruhm zu Theil worden, obwohl sie in der Kunst tie beiden srüher genanten nicht jibertrist. Ein Umrisj dieses ?e»kmals steht in Millin'S Nli/inim. nnt. niLtlii. t. 2. p! 23. und eine lchon ausge- fiihrte Abbildung iiu u^l^-^ill.ii-t.1 26. (Der Umri» des Gesichts unter Numero 45c, der Abbildungen,^ Ihr ähnlich oder gar mit ihr dem gleichen urbilde vortreslich nachgeahmt, ist die Büste derselben in der Villa Albani, von ungefähr gleich großen Prororrioucn wie die genante Statue/ und nur in so sern weniger liochzuschäzen/ alS sie sich weniger wohl erhalten har; deii ein beträchtliches Theil der Nase ist neu/ auch an der Unterlipe/ so wie an dem einen untern Augenliede sind ergänzte Beschädigungen anzutreffen. Me»er. 6 Buch/ 2 Kap. Diana unter andern Göttinen eben so kentlich sein, als sie es ist beim Homerus/ unter allen ihren schönen Oreaden. 2) Mehrentheils hat dieselbe nur ein aufgeschürzetes Kleid/ welches ihr bis an die Kniee gebet; sie ist aber auch im langen Kleide gebildet/ ?) und ist die einzige Göttin/ welche in einigen ihrer Figuren die rechte Brust entblößet hat.^) t) VI, V. >02, sVeschreib- d. ge schnitt. Steine Numero 285.) 2) So ist die Statue im Museo P i o - C l em e nti n o (t. i. t.iv, Zo.), welche einst in der Villa Pansili stand. Eine andere mit aufgefchürztem Kleide steht man ebenfalls im Museo Pio > Element in». C?- >. lav. Zi.) Meyer. Z) Inder Galerie des Palastes Colonnaist eine herlichs lang bekleidete Diana, deren bewundernswürdiger Koxf vielleicht der schönste sei» mag unter allen von dieser Göttin erhaltenen. Zarte, überaus schöne Züge; göttlich erhaben, ohne Theilnahme, gerade vor sich über alle nähere Gegenstände weg in die Ferne hinschauend und strebend. Eine leise Andeutung von Stolz und Srrö- digkeit hebt oder vielmehr erhebt das Gleichgültige ihres Charakters. Das Gewand dieser edlen, schlanken Figur hat zierliche Falten; die Arbeit überhaupt ist sehr gut und das Monument im Ganzen so wohl erhalte», daß selbst die Hände größtentheils alt sind. Am Kopse bedürfte blos die Nase der Restauration. Den schönsten Bildern der Dianaist auch der unter dem Namen la Angsrella bekaiite Sturz einer lang bekleideten schlanken Figur in der Villa Vorghese S. !>. 4.) beizuzählen, von welchem schon in derVorrede des Autors zur Geschichte der Kunst §. 5. gehandelt worden. Berühmt und ohne Zweifel mit Recht, wen wir gleich nicht aus eigner Ansicht urtheilen können, ist ser> »er die schon seit Heinrich IV. Zeit in Frankreich 7," 462 Geschichte der Kunst. §. Ceres ist nirgend schöner gebildet/ als auf einer silbernen Münze der Stadt Metapontum in Großgriechenland/ die sich in dem Museo des Duea Caraffa Noja zu Neapel besindet, und auf der Rükseite/ wie gewöhnlich/ eine Kornähre gepräget hat/ auf deren Blatte eine Maus sizet. ES kat dieselbe/ wie in anderen ihren Bildern auf Münzen den Schleier oder das Gewand bis auf das Hintertheil des Hauptes gezogen / und nebst den Ähren und derselben Blättern ein erhabenes Diadc- besindliche Statue der Diana mit kurzem Gewände, welche lausend vorbestellt ist/ mit einer Hindin a» ihrer Seite, Abbildungen von diesem geschäzten Denkmale finden sich im f'runc. kudillurii per>/nv>IIt^ >iv- rsis. >!>. und » wußte. Die einzige Marmorfigur in Lebensgröße, welche mau mit Sicherheit für dgs Bild der Ceres halten kau, steht in der Villa Borghese (sinnig >«.), welche auch bei Perrier unter Numero 70 abgebildet ist. Ihr Kov,' ist von erhabener Schönheit und tragt das givslige Diadema/ um welches der Ährenkranz liegt. Das Gewand ist vorrreflich gearbeitet; nur sind die Falten desselben zu häusig. Die Nase ist restaurirt; die Hberlipe etwas beschädigt; auch mag wohl ein großer Theil des Ährenkranzes aus dem Hauvte moderne Arbeit sein. Nicht weniger halten wir den Blumenkranz in t>er Linke»/ und das Büschel Ähren in der erhobenen Reckren für neu Eine andere größere/ ebenfalls schön gearbeitete Figur an gleichem Orte » 5 ist eines von den gedachte» unächre» Ceresbildern/ die es blos durÄ die modernen Attribute geworden sind, Meyer, 6 Buch, 2 Kap. ma/ nach Art derJnn o, hinter den vorderen Haaren/ die sich auf der Stirne in einer lieblichen Verwirrung zerstreut erheben; so dafi dadurch vielleicht ihre Betrübniß über den Raub ihrer Tochter Proserpina angedeutet werden soll. tz. t i. In den Köpfen dieser Göttin sowohl als in denen ihrer Tochter haben die Städte in Groß- griechenland und Sicilien auf ihren Münzen die höchste Schönheit zu bilden gesuchet; und man wird schwerlich schönere Münzen auch vom Gepräge finden/ als einige von SyrakuS sind/ die auf der vorder» Seite den Kopf der Proserp ina/ und auf der Nükseite einen Sieger auf einem vierspännigen Wagen haben. Eben diese Münze / in der Sam- lung des KabinetS von PelleriN/ hätte verdienet besser lezeichnet und gestochen zu werden. >) Diese Göttin ist hier mit langen spizigen Blättern bekränzet/ die den Blättern ähnlich sind/ welche nebst den ÄVren das Haupt der CereS/ ihrer Mutter/ umgeben; und ich glaube daher/ daß jene Blätter der Proserpina Blätter von Kornstengel sind/ und keine Schilfblätter/ wofür sie von Anderen angeseocn werden/ die daher in dem Kopfe gedachter Münze das Bild der Nvmpbc Arethnsa finden wollen. K. 12. Unter allen Bildern der Göttinen sind die von der Hebe am seltensten. Auf zwei erhobenen Werken siehet man nur das Obertheil ihrer Figur/ und auf dem einen/ welches die Aussöhnung des Herkules in der Villa des Herrn Car- dinals Alexander Albani vorstellet/^) stehet ne- i) ,><-miiii / 2) nnd derer/ die bei Tische aufwarteten/ welches sie also von andern Göttinen unterscheidet.^) K. tS. Von den unteren und subalternen Göttinen führe ich insbesondere an die Gratiei!/ die Horä/ die Nymphen/ die Musen/ die Parte»/ die Furien und die Gorgonen. K. 1-4. Die Gratien waren in den ältesten Zeiten/ so wie die VenuS/ deren Nymphen und Gespielinen jene sind/ völlig bekleidet abgebildet; eS hat sich aber/ so viel mir wissend ist/ nur ein einziges Denkmal erhalte»/ wo dieselben also erscheine»/ nämlich der mehrmal angeführete dreiseitige hetrnrische Altar in der Villa Borghese.^) Von unbekleideten Gratien sind die Fi- t) sDer dritte Band derselben ist nie erschienene lliwi, t> I. tab. 66. x> 63. Fea. 3) Wenkmale, Numero t6.ü 4) s Diesen nicht hetrnrische»/ sondern altgriechi- schen Altar in der Villa Norghese/ worauf die bekleideten Gratien flach erhoben gearbeitet sind, sieht man unter Numero 3t der Abbildungen.? 5 Buch/ 2 Kap. gnren derselben in dem Palaste Ruspoli/ die beinahe halb so groß als die Natur sind/ die größten, die schönsten und am besten erhaltenen; l) und da die Köpfe den Figuren eigen sind/ die an den Gra- tien in der Villa Borghese hingegen neu und häßlich: so können jene unser Urtheil bestimmen. Diese Köpfe sind ohne allen Schmnk/ und die Haare t) Mit dem Autor erklärt auch Visconti (H7u5. p!o- <ÜI--i». t> 4> p. 22, not. I>.) die drei Gratis» im Palaste Ruspoli zu Rom sowohl sür das schönste als am besten erhaltene Grupo dieser Art. Das leztere mag wohl überhaupt gelten; das erstere aber sich mir auf die in Rom bcstndlichen Denkmale beziehen. Den ein ähnliches Werk, welches in der Bibliothek an der Domkirche zu Siena steht, durste wenigstens eben so gut oder noch besser gearbeitet sein, und Visconti/ da er am angcfnhrten Orte eine geringe Mei> iinng von diesem Denkmal äussert und solches für eine mittelmäßige Arbeit hält/ muß demselben olme Zweifel nur einen flüchtigen Blik geschenkt haben. Wir glauben vielmehr/ es sei ein Werk aus guter Zeit und von einem guten Meister, wegen der schönen Formen und der wallenden, im hohen Grade lieblichen Conturen. Die beiden zur Rechten und zur Linken stehenden Figuren haben ihre wohlerhaltenen Kopse; an der zur Rechten war der Kopf sogar nie abgebrochen und dieser besonders hat den Ansdruk von stiller Lust, fröhlicher Ruhe, Zufriedenheit und Freundlichkeit. Man kan nichts durch jugendliche Unschuld Anmuthigeres und Liebenswürdigeres denken nnd sehen. Die gedachte Figur, deren Kopf nie abgebrochen war, hat den linken Arm und Fuß verloren. Der in der Mitte stehenden Figur f-hlcn beide Arme samt dem Kopfe, und der zur Linke» stehenden fehlt der rechte Arm, Auch war ihr Kopf abgebrochen, so daß ein Stük vom Halse mangelt; das Gesicht aber ist völlig unbeschädigt geblieben. Diese leztere hat die Haaresast auf die Art, wie die Venus, aufgebunden, und die zuerst angeführte auf etwas einfachere ÄLeise. Meyer. i66 Geschichte der Kunst. mit einer dünnen Schnüre lim den Kopf herumge- bunden, und an zwo Figuren derselben hinten gegen den Naken zusammengenommen. Die Mine derselben deutet weder auf Fröhlichkeit noch auf Ernst/ sondern b-ldet e-ne stille Zufriedenheit/ die der Unschuld der Jahre eigen ist. §.15. Gesell'nen und Begleiterin?» der Gra- tien sind die Horä ('Nx--«), das ist: die Göttinen der Jahreszeiten und der Schönheiten, ^) und Töchter der THeinis vom Jupiter gezeuget/ und nach anderen Dichtern Töchter der Sonne. Diese waren in den ältesten Zeiten der Kunst nur in zwo Figuren vorgestellet;^) nachher aber wurden drei derselben angenommen/'!) weil das Jahr in drei Zeiten, den Frühling, den Herbst, und den Winter eingetheilet war,5) und hießen Ennomia/ Dice und Irene. Insgemein sind dieselben von den Dichtern sowohl als von den Künstlern ranzend vorgestellet, und von diesen auf den mehre- sien Werken in gleichem Alter. Ihre Kleidung pfleget alsden nach Art der Tänzerinen kurz zu fein, und reichet nur bis an das Knie, und ii>r Haupt ist mit emporstehenden Palmblättern bekränzet, so wie dieselben auf einer dreiseitigen Base der Villa Albaniin meinen Denkmalen erscheinen;'-) nach A) ?2U8.',N.!. 2. c. II. Fea. 2) Ilt'kiivlj. I'kt-VA. V. 90t. P!n6. XIII. V. 6. Oiud. Lic. l. 5. Z. »2. Aea. Z) I 3. c. tg I.g. 0. Z». F e a. v. F e a. ö) ^v. v. Izo. 6) Numero ä7.Z Eine ul)nliaie etwas arökere Basis mit solchen Fiaurcn steht in der Villa Bovghese (öculwre <1^1 5 Buch / 2 Kap. 167 der Zeit aber/ da vier Jahrszeiten festgesezet wurden, wurden auch in der Kunst vier Horä aufge- ,i führet, wie man auf einer Begräbnißurne gedachter Villa in meinen angeführeten Denkmalen stehet.^ Hier aber sind dieselben in verschiedenem Alter, und in langer Kleidung, jedoch ohne Palmkranze vorgestellet, so daß der Frühling einem unschuldigen Mädchen gleicher, in demjenigen Alter, welches eine Siuschrift das Gewächs der FrühlingS- hora nennet,^) und die anderen drei Geschwister steigen stufeuweis im Alter. Wen aber, wie in dem betauten erhobenen Werke in der Villa Borghese,^) «Zella villa t. 2. stanü-l 4. n. 21— 2Z ), wo > 26.) auch eines wenig verschiedenen Altars im Vorsaale der Bibliothek St. Marcus zu Venedig (2»- piiii. 2. 11. Z4 und noch eines in der Villa A l> bani befindlichen Fragments gedacht wird, über die eigentliche Bedeutung der auf allen vier angeführten Monumenten vorkommenden, in kurzer Kleidung ranzen» den Figuren, deren Haupt mit emvorstehenden Palm, blättern geziert ist, (au, dem borghesischen Monument bar die eine Figur ein langes Gewand) find die neuer» Altertumsforscher mit dem Autor nicht einverstanden Visconti (Aus. ?io-LI»in. !. Z. p. 49. oou 1!.) macht sie zu ,vartanischen Mädchen, die am Feste der Diana tanzten. Im angeführten Werke von der Villa Borghese bleiben sie zwar Svarta» nerinen; allein sie werden siir Bakcha »tinen erklart. Zoega sö.i^ii-ilii vi, ii, 20.) macht aus ihnen ranze >1 d e T e m p el d i e n er i n e n Me»er. s Man vergleiche Allegorie lc. §. 72. Note.) j) l Numero ttt.Z ?) Abbildungen dieses unter dem Namen tanzende , Stunden bernhmten Basreliefs findet man in den >iliiiirantl>5 kvm. Kai l»Ii, II. ^4. und in den ture «lel ävllu villa kor^Ii stnn?» 1. ri. 14. wo (x. 26.) behanvret wird, die siins tanzende» F>- i68 Geschichte Ver Kunst. mehr Figuren im Tanze erscheinen/ sind es die Horä in Gesellschaft der Gratien. Suren seien die Fortsezung von einem ander» Basrelief mit drei vor einem Tempel stellenden Figuren >. ». i i.)/ deren zwei stch beschäftigen einen Kandelaber mit Kränzen zu schmüke», während die dritte Fruchte bringt, und das Ganze stelle ein bakchisches Opfer vor. Wahrscheinlich ist es allerdings, daß das Vasrelief der soge> »anten Stunden ursprünglich mehrere Figuren enthalten habe, weil man bemerkt, daß es an beiden Enden abgebrochen ist; auch muß in Betracht des zweiten Basreliefs zugegeben werden, daß St>>> und Arbeit an dem, selbe» fast eben so vortreslich sind, wie nicht weniger, daß die Figuren mir jenen im Maße übereinkommen, nur scheine» ihre Gewänder etwas reicher und nicht ganz von so edler Einsalt wie die Stunde». Wen daher Winckelmaii die Nermuthung hegt, diese möchten die Hören in Gesellschaft der Gratien sei», so ist er oline Zweifel auf dem Wege zu irre». De» theils ist die angeführte Auslegung, das Werk stelle im Zusani- metthange des Ganzen bakchische S p ferg e b r änche vor, angemcssctter, theils scheint der Autor nicht gehörig überlegt zu habe», daß a» einem Monument aus de» Zeiten der gebildeten griechische» Kunst Gratie» und Hören, wen auch nicht durch Attribute, doch sicherlich durch den Charakter sich wesentlich von einander unterscheiden müßte», selbst de» Fall angenommen, daß jene ersten gleich den Hören bekleidet vorgestellt wären. Am Palaste der Villa Pansili bei Rom, aussen aus der Seite nach dem innern Garten hin, befindet sich das Bruchstük einer Wiederholung des erwähnten bor- ghesische» erhobene» Werks mit zwei tanzende» Figuren. Wirkliche aus die Jahreszeiten a n spi el e» d e, oder wen man will, die Jahreszeiten bedentcnde Figuren, enthalten Vier hübsche flach erhobene Werke in der Villa Borghese. 5. n. >o. >i. 12. >Z.) Noch ein anderes ungefähr ähnliches Denkmal befindet sich an eben dem Orte, (»>,»»2.1 6. n. 12.) und einige im Paläste Matt ei. Meyer. 5 Buch/ 2 Kap. K. 16. Was zweitens die Nymphen betrift/> kan man sagen/ daß eine jede obere Gottheit/ sowohl mänlichen als weiblichen GeschlechtS/ ihre eigene Nymphe hatte/ zu welchen anch die Musen, als Nymphen des Apollo/ gezählet werden; die bekantesten aber sind zum ersten die Nymphen der Diana/ oder die Oreade»/ und die Nymphen der Bäume, Hain adrya den genant/ und zum zweiten die Nymphen des Meeres oder die Nereiden, und nebst denselben die Sirene n.!) §. 17. Mit weit mehr Verschiedenheit in Gebärden sowohl als was den Stand und die Handlung betritt/ sind die Musen auf verschiedenen Denkmalen vorgestellet zu selien: den die tragische Muse Melpomene unterscheidet sich auch ohne die ihr beigelegeten Zeichen von der komischen Muse Thalia, und diese/ ohne die übrigen M u- sen namentlich anzuführen/ von der Erato und von der Tcrpsichorc/ denen die Tänze eigen waren. An diese Eigenschaft der zwo zulczt genanten Musen haben diejenigen nicht gedacht/ die aus der berühmten leicht bekleideten Statue in dem Hofe des fa rn e sisch e n Palastes/ welche ihr Unterkleid nach Art tanzender Mädchen mit der rechten Hand in die Höhe kält/ durch den neuen Zusaz eines Kranzes in der linken Hand eine Flora zu machen vermeinet haben/ unter welchem Namen allein dieselbe bekant ist. Diese Benennung 1) Nvnum. Hkaltkwi. t 3> cl. 10. tav. 2Z> ÜA> I' x, 9Z, Fea. 2) Abbildungen derselben ficht man bei Perrier unter ?!umero 62/ und nocki bessere bei Piranesi/ wo sie, wie Niscvnti vorgeschlagen/ Hofnung genant worden. Die ehemals an derselben bemidlichcn Restaurationen der Winckelmali. 4. 8 > Geschichte der Kunst. hat nachher/ ohne weitere Überlegung allen weiblichen Figuren/ deren Haupt mit Blumen bekränzet ist/ eben den Namen beigeleget. Ich weiß wohl/ daß die Römer eine Göttin Flora hatten;>) den Griechen aber/ deren Kunst wir in solchen Statuen bewundern/ war dergleichen Göttin nicht bekant. Da sich nun verschiedene Statuen der Musen weit über Lebensgröße finden/ unter welchen die eine/ die in eine Urania verwandelt worden/^) in eben dem Palaste stehet: so bin ich versichert/ daß die irrig sogenante Flora entweder Erato odcrTer- vsichere sei. WaS aber die Flora in dem M u- seo Capitolino betrift/^) deren Haupt mir äusser» Theile von Guglielmo della Porta sind abgenommen, Vom Bildhanev Carlo ?llbacci»i neue in einem den antiken Theile» besser angemessene» Style gemacht/ und ei» Lassender antiker Kops ausgesezt wor- den. Dies geschah im Jahre l7?6. Seit der-Zeit wird dieses herliche Monument? so wie andere »och in Rom gebliebene ehemals farnesische Antiken, nach Neapel gebracht sein. Meyer. j) Bottari beweiset es hinrcichettd. l^Ius. Ln^itol. t. Z, t!>?, 4?, i'. gz.) F e a. 2) Sie hatte imi»er die Symbole der Urania und wird von Visconti für solche anerkaiit. (Aus. ?>>>-LIe»l, t, i. tav. 25. p. 4>).) Fea. Z) Sie hat viel Neiz und Zierlichkeit , gute Nerhältnisse und elegante Forme» im eigentliche» Si»»e des Worts. Der Behandlung fehlt es an dem hohe» Grade vo» lieblicher Weichheit, die in manche» ander» vorzüglichen Monumenten dem Beschauer so ersreulich ist. Verglichen mit jenen, hat diese Flora etwas Steifes, Hartes, Mar> inornes, welches sich besonders im Gewände äussert, dessen Falten zwar im Ganze» wohl gelegt u»d gezeichnet sind, aber dabei allerlei überflüssiges, der Natur zu ängstlich »achgebildetes Detail enthalte». Das Unterkleid kräuselt sich über den Füiieil in gezwungenen Brüchen 5 Buch/ 2 Kap. 171 Blumen bekränzet ist: so finde ich in derselben gleichwohl keine idealische Schönheit/ und bin daher der Meinung, es sei diese Figur das Bild einer schönen Person, die als eine von den Göttin en der Jahreszeiten/ nämlich in Gestalt des F rüh- lings/ durch gedachten Kranz vorgestellet worden. Man hätte wenigstens in der Beschreibung der Statuen des gedachten Musei bei dieser Figur nicht anzeigen sollen/ daß dieselbe einen Blumenstrauß in der Hand hält/ da die Hand sowohl als die Blumen ein neuer Zusaz sind. §.18. Die Parecn/ welche CatülluS mit bebenden und zitternden Gliedern/ im betageren Alter/ mit runzelichtem Angesichts/ mit gebeugetem Nükcn und mit einem strengen Blike bildet/sind und am rechte» vorgesezten Beine, dem das Gewand sich näher anlegt, sind hohle Falten d'er Länge nach gezogen, welche die Form unterbrechen und verunstalten. Im Gesichte können wir keine individuellen Inge sin« den, und uns daher des Autors Meinung, sie sei das Vildniß einer schönen Person, nicht anschließen. Wir glaube» vielmehr, der Künstler habe eine ideali- sche Schönheit nach Regel» bilde» wolle». Allem da das Werk aller Wahrscheinlichkeit »ach nicht sriiber als znHadrians Zeit verfertigt worden, so koiite die Ab' sichr eitter Darstellung von reiner Schönheit und innern« Veben nicht mehr in dem Mas,c erreicht werden, als cs in griechische» Arbeiten aus der besten Zeit geschehe» ist. Wenden wir uni'ere Betrachtung vom Einzelne» auf das Ganze, so scheint cs, Visconti köutc wohl Recht habc», wclcher in dicscr Figur die Muse Polu- l) >> n> n i a vermuthet, (»lus. pio-tüoni. t, i p 4?-) Sie ist in> Museo Cavitolino st. Z. i.iv./,Z>) unter den von Piranesi herausgegebene» Statue» und Vielleicht am beste» im ÄIu5«i> f>!>n<)> x.ir Ilvliil- laril PLI-Mivillc, livr.ü'., 53. in Kupfer gestochen. Mc»cr. >) 6.j. v. Zoö. Fea, Geschichte der Klinst. das Gegentheil/ von dieser Beschreibung auf mehr als auf einem alten Denkmale. ES finden fich dieselben insgemein bei dem Tode des Melca- gerS/2) und find schöne Jungfrauen/ mit oder ohne Flügel auf dem Haupte/ und unterscheiden fich durch die ihnen beigelegeten Zeichen; die eine schreibet allezeit mit einer Feder auf einen gerollcren Zeddel. Zuweilen finden sich nur zwo 1) Auf dem Kasten des Cvvselns war der Tod mit langen-Zähnen abgebildet, und m,t Klauen, die größer waren als die irgend eines wilden Thiers. (l>an- san, l. ?. c. >0.) Fea. 2) Aus dem sehr wohl erhaltenen großen Sarkophage mit dem in Hohrclief gearbeiteten Tode Melea- gers in der Villa Bvrghese ». i 2,) schreibt eine weiblich? Figur, den linken Fuß auf ein Nad ge< sezt, mit dem Griffel in ein Buch und bedeutet das Fatnni, wie selbst diese Benennung unter einer ahn- lichen aber in eine Rolle schreibenden Figur im Palaste Albani eingegraben steht. Die andere, ohne Zweifel eine Furie, hat Flügel am Hauvte, und eine Fakel in der Hand, -womit ste der Althäa droht, welche eben den Brand in's Feuer legen will, von welchem M e- leagers Leben abhing. ^Allegorie ic. §. lüS.Nvte^ Drei diesen überhaupt ähnliche Figuren, die aber viel' leicht unrichtig nachgezeichnet oder in Marmor falsch re> staurirt sind, finden sich in dem von Bartoli radirte» Tode Meleagers (^clniiranä. kun>, ».77.) und solches ist vermuthlich noch mit mehreren andern eben diesen Gegenstand vorstellenden Monumenten der Fall, indem sie alle einem vor Alters berühmten Urbilde nachgeahmt scheinen. Wirkliche Parcen sind vorgestellt auf zwei Monumenten im Mufeo Pi 0 - C i e m e nt i no, Von denen Visconti Abbildung und Anslegung mitgetheilt hat. iav, Z4 — Z5, p. 65 — 70,) Meyer, 5 Buch/ 2 Kap. 173 derselbe«/ so wie sie nur in zwo Statuen in der Vorhalle deS Tempels des Apollo zu Delphos standen, §. ^S. Es sind sogar die Furien als schone Zungfrauen (Sophokles nennet sie immer jungfräulich: «5, mit oder olme Schlangen an dem Haupte vorgestellet. Mit Schlangen und mit brennenden Fakcln in den entblößeten Armen, wider den Orestes bewasnet/ sind dieselben auf einem Gefäße von gebranter Erde gemalet/ welches sich in der p o rc i nari schen Samluug zu Neapel befindet/ und in dem zweiten Bande der Hainil tonischen Gesäße an das Licht gestellet worden. Eben so jung und schön erscheinen diese rächenden Göttinen auf verschiedenen erhobenen Arbeiten zu Noni/ die eben diese Begebenheit des Orestes abbilden.^) 2) Sophokles nent die Furie» n--i^H-i'ücim Aiar. (V. SZ?,) Man sehe Suidas i» ---/ ^»/-Z-Zvü? j(t. i. 64. cciit. Z^üstcr. et ^l.icren>lzulitiss!o I-.V/Ä, I>, >52,) Der Tragiker Äsch»lus war der erste/ wie Pausanias (l, 1, c> 2ä,) erzählt, welcher die Kurie» mit Schlaugen in den Haaren vor> stellte. Aber die Statuen dieser Gottheiten in einen, Tempel deS Areopagus zu Athen hatten »ach dem Pausauias i. c,^ eben so wenig als die übrigen dort ausgestellten Bildnisse der unterirdischen Götter einen schreienden Charakter. Meyer, 3) Auf dem in den Rom, unter Numero 52 der spätern Ausgabe abgebildeten, »och nicht befriedigend erklärten Basrelief im Palaste Eiustiniani, wo Orestes die Ermordung seines Vaters am Ägisthus und an der Klvtemuästra rächet, drohen ihm zwei Furien mit Fakcln in den Händen. Aus der Seite, wo er zum Dreifuß des Apollo geflüchtet erscheint, üzt ebettsalls eine Furie mit der Fakel auf der Erde, und scheint zu schlafe». Auf der andern Seite sizen und lie> Geschichte der Kunst. §. 20. Die von mir zulezt genanten unteren Göttinen/ die Gorgonen/ sind zwar/ die Köpfe der Medusa ausgenommen/ auf keinem alten Werke gebildet; ihre Gestalt aber würde der Beschreibung der ältesten Dichter nicht ähnlich sein/ als welche ihnen lange Zähne/ wie SchweinShauer gaben-i) den Medusa/ eine von diesen drei Schwestern/ ist den Künstlern ein Bild hoher Schönheit geworden, so wie uns auch die Fabel dieselbe vorstellet. Es war dieselbe/ wie einige berichteten/ deren Erzählung PausaniaS anführet/des Phor- kuS Tochter/ und regirere nach ihres Vaters Tode in den Gegenden des tritonischen SeeS/ so daß sie die Lybier selbst im Kriege anführete. Sie blieb aber in einem Überfall in dem Zuge des PerseuS/ dem sie entgegengezogeu war; und dieser Held/ der ihre Schönheit auch in dem erblasseten Körper bewunderte/ sonderte ihr Haupt von dem Körper ab/ um es den Griechen zu zeigen. Der schönste Kopf einer erblasseten Medusa i» Marmor ist einer sehr ergänzeren Statue des Perseus im Palaste Lan- ti in die Hand gegeben,^) und einer der schönsten gen drei Furie», aber ohne Fakeln. Ei» ähnliches Werk ist im Museo Pio-Clementi»o (t. 5. wv. 22.) abgebildet und erklärt. Meuer. tMan vergleiche 5 B. Z K. t6 §. Note.Z 1) Grausen erregend ist die Beschreibung des Äschvlus, welche er in seinem Prometheus (v. 792,) von de» Gorgonen gibt. Me»er. 2) 1^, 2, c. 21. Z) Visconti (Hlus. t. 2. 64. not. a.) hält den Arm des von dem Autor angeführten Perseus im Palaste Lanti zu Rom, nebst dem Medusen- kopse siir eine moderne Arbeit; auch äussert er zugleich gegen die Benennung dieser Statue mehrere Zweifel, indem die Ägide über der Schulter nicht dem Perseus, sondern vielmehr einem Jupiter oder einem vergöl- 5 Buch/ 2 Kap. «uf geschnittene» Steinen ist ein Cameo in dem königlichen farnesischen Museo zu Neapel/ imglei terten Augustus zukomme. Die Entscheidung dieses lezten Punktes wollen wir andern nnd Gelehrtere» überlassen. Allein wegen des MedusenkovsS, welche» der Autor sür den schönsten in Marmor erklärt, hatten wir gern von Visconti die Grunde gehört, warum er ihn für eiue moderne Arbeit halte. Wir habe» dieses »ach unserer Meinung vorrresüche alte Denkmal oft mit Anfmerksainkeit und »ie ohne Bewunderung betrachtet: es ist ein herlich gemischtes Ideal Vo» Anmuth und Schreknlß, von sanften Forme» und Wildheit des Charakters. Die garstige restaurirte Nase und die beschädigten, ungeschikt ansgeflikte» Live» stören oder schwächen wenistens die gute Wirkung. Das Kin ist sehr klein aber weit vorstellend; der Mund groß; die Mundwinkel tief. Die Linie der Stirn und der Anfang der Nase, so weit daS Antike reicht, schwingt und biegt sich sanft und angenehm; die Augen sind geschlvsse»; die Wangen von hübscher Form, nicht sehr ruud, aber mir weicher Aiideutung der Muskeln und Knocken gebildet. Eine wiewohl nur mittelmäßig gerathene Abbildung der erwähnten Statue des fogeuaiiten Perfeus mit diesem M ed n se n h a u v t e im Palaste Lanti steht bei B r a c> Sehr wahrscheinlich kaute der Autor das berühmte M e d u senh a u pt, eigentlich das Gesicht oder die Maske der Medusa, nicht, das über Lebensgröße aus weissem Marmor in Hohrelies gearbeitet im Palaste Nondinini stand. Dieses vortrefliche Werk ist mit seltnem Fleisse ausgeführt, aber in einem vul strengern Sinne, und minder lieblich gedacht als der vorhin erwähnte Kopf im Palaste Lanti, oder das fchöne kleine in Hohrelief gearbeitete Medusenhauvt auf der Rüstung eines Brustbildes des Kaifers Hadrianns im Mnfeo Cavitolino. Indessen sind die Formen groß und sogar schön, obschon sie sich nach des Künstlers Ab sicht zum Wilden und Schrekende» »eigen. Zu solchem Zweke sind auch i» den, geösnetc» gifthanchcnden Munde die Zähne angegeben. Meisterhaft und absichtlich erscheint 176 Geschichte der Kunst. chctl ein anderer Kopf der Mediisa in Carniol geschnitten/ im Museo Strozzi/ welche beide von höherer Zdea sind/ als der berühmtere in eben diesem Museo mit dem Namen des' Solons bezeichnetes) Diese so berühmte Medusa/ die in einem Chalcedon geschnitten ist/ wurde zu Nom in einem Weinberge bei der Kirche zu St. Johan und Paul/ auf dem Berge Cöliv/ gefunden von einem ferner eine gewisse Härte und Schärfe i» den Züge» als Ausdruk der Erstarrung. Das eine Naseuläpchen und die äusserste Svize der Nase, sind, nebst unbedeutenden Ergänzungen an den Schlangen, die einzige» neue» Theile. Uns ist von diesem merkwürdigen Monumente mir eine und zwar mittelmäßig gelungene Abbildung in Kupferstich bckanr, in ^Ikcrtoli Mscollan. ^arteZ. tav. et >ö. Me»er. Ein wenig beachtetes Meduseuhauvt von weissei» Marmor, über Lebensgröße, steht man über einem Portal eingesezt in der Strada Pavale zu Nom, nahe bei der Kirche St. Thomas in Parione; es ist gut gearbeitet uud hat einen lächelnden jedoch etwas übertriebene» Ausdruk. Fea. t) Uns ist von den angeführten Medufakövfen weder der eine hochgeschnittene aus dem königlichen farnesi- schen Mnseo, noch der andere in Carniol aearbeitete aus dem Museo Strozzi bekaiit; unterdessen läßt sich vermuthen, sie werden dein bei Stosch (?iei 65.) uudbeiBraeci »Icnior, , >og.) abgebildeten Meduseuhauvt des S o si k l e s ähnlich sein, von welchent sehr Viele hoch und vertieft gefchuitteue autike Wiederholungen sich in den Samlungen finden. Die Gemme des Sofikles ist ein vertieft gearbeiteter Chalcedon, den vormals ein Cardinal Sttoboni befaß, fväterhin soll er »ach England in die Samlung des Graven Ear- lisle gekommen seii^. Nach Vraccis Bericht urtheilte der berühmte Steinschneider Pichle r von dieser M edusa, sie sei mit »och größerer Kuust gearbeitet, als die vom Solo» geschnittene im Museo Strozzi. Me >> e r. 5 Buch/ 2 Kap. 17? Weingärtner/ welcher diesen Stein auf dem Plaze Montanara, bei dem Theater des Marcel luS/ einem Aufkäufer von dergleichen Sachen anbot/ die man Anticagliari nennet. Dieser/ welcher sich auf dergleichen Waare nicht sonderlich verstehen mochte/ wollte den Stein in Wachs abdruken; da eS aber im Winter und des Morgens früh geschahe/ folglich das Wachs nicht weich genug war/ zer- plazte der Stein in zwei Stüke/ und der Verkäufer bekam zween Zecchini für denselben. Von dem Aufkäufer bekam ihn Sabattini/ ein nicht un- bekantcr praktischer Antiquarius/ für drei Zecchini. Dieser ließ den Stein in Gold einfassen/ und verkaufet«: denselben dem Herrn Cardinal AlexanderAl- bani (welcher damals den geistlichen Stand noch nicht erwählet hatte) für fünf Zecchini/ und dieser überließ ihn wiederum gedachtem Sabattini gegen andere Altertümer/ rechnete ihm aber den Stein ^ auf fünfzig Scudi an. Ohne diese beglaubete Nachricht würde bei mir der Verdacht geblieben sein/ daß diese Arbeit des Steins von neuerer Hand sein könne/ wie ich einige Zeit diesen Zweifel ge- heget. ') Unterdessen hat diese Medusa in dem l) Wie es gekommen, daß der Autor a» der Ächtheit eines so mir Reckt bewunderten Denkmals der alten Kunst/ als der vom Solo» geschnittene Medusakovs ist, einige Zeit zweiselu konte, ist sehr aussalleud. Fea begeht in Hinsicht aus dieses Werk Solonj (i. i. p, Z24. iiol.c.) den Mißgris, von demselben ali von einem Camco zu rede»/ da es dock bekaiitlich ei» Jntaglio ist. Er behauptet auch/ der Stein sei noch ganz, und des Autors Erzählung vom Zerbrechen in zwei Sticke müße von einem andern Cameo gelte». I» Kuvser gestochene leidliche Abbildungen von dieser berühmten Gemme findet man bei Stosch (?icrre, gr!>v(-e?, lull. 6 !.) bei Vracci (i >l «.'»>oi'ic, 107)/ und im Museo Floren tino. (1°, 7, >,) Mever. Geschichte der Kunst. Rufe den Preis erhalte»/ und ist von unseren Künstlern zur Nachahmung gewählet/ und vielfältig geschnitten worden/ da es vorgedachter Kopf im Car- niole viel mehr verdienet hätte. K. 21. Zu den Göttinen geselle ich als idealische Bilder die Held inen oder Amazonen/ die alle von ähnlicher Bildung/ auch sogar in den Haaren find/i) und im Gesichte nach einem und eben demselben Modelle gearbeitet scheinen. Unter den Heldi- nen sind die Amazonen die berühmtesten/ und in vielen Statuen und auf erhobenen Arbeiten vorgestellet. 2) ES zeigen dieselben eine ernsthafte und t) Die aus der Vorderseite des im Museo Capitolino (t. 4. uiv. ZZ.) befindlichen Sarkophags vorgestellten A n> a- j zonen, haben die Haare ausgebunden; an den aus dem Dekel sizenden hänge» die Haare aus die Schul- ! tern herab. Fea. 2) Die bedeutendsten der noch übrig gebliebenen Statue» , von Amazonen scheinen vornehmlich zweien im Al> tertume berühmten Urbildern nachgeahmt zu sein/ welche zwar in Gestalt und Zügen sich ungefähr ähnlich/ aber in der Handlung verschieden waren; ein Umstand/ den der Autor übersehen / und daher irriger Weise vermeint/ alle Amazonen seien mit einer Wunde in oder Vielmehr unter der Brust gebildet. Den meisten Kunstwerth hat unläugbar die Statue einer Amazone/ welche ehemals in der Villa Matt ei gestände» / und von da in'- Museum P i 0 - C l e »1 e n ti» u m gekommen ist. Abbildungen dieses Denkmals sind häufig; die beste» im Muse 0 P i 0 - C l e m en ti no (t, 2, t->v, Zä.) im IVIusoi- b'i'gnh. psr l>ul>illarll pervnville, liviai«. 57. und i» den vo»Pira»esi herausgegebene» Statuen. Man dars die gedachte Figur oh»e Bedenken den Werken des hohe» Stvls der griechischen Knnst beizählen aus der Zeit/ als derselbe allmählig milder ward/ und anfing/ sich nach dem Zarte»/ Schönen und Gefälligen hinüber zu neigen. Wir erbliken in ihr, Hinsicht- ' lich auf die Ausführung/ unverbesserlich gelungen eine 5 Buch/ 2 Kap. mit Betrübniß oder mit Schmer; vcrmischete Mine: den ihre Statuen sind alle mit einer Wunde in der Brust gebildet; und eben so werden es auch dieje- edle, kräftige/ durch stäte nbung in allen Gliedern vollkommen entwikelte weibliche Gestalt, die ruhig stehend mit über das Haupt gebogener rechten, und gesenkter linken Hand den Bogen hält. Neue Restaurationen lind: das rechte Bein mit einem Theile des Kniees bis an den Knöchel, die beiden Arme, die Nase, das Kiii und die Unterlipe; der Hals ist zweifelhaft. Eine von denen im Museo Capitolino befindlichen Statuen der Amazone», deren der Tert im folgenden Paragraph? gedenkt, ist der eben beschriebenen völlig ähnlich, zuniHl da sie neu restaurirt, und ihr, wie der Autor es gewünscht, einer von denen sonst im Miscel- lanecnzimmer aufbewahrten, wohlerhaltcnen Köpfen aus- gefezt worden. Auch diese Figur hat außerordentlich viel Verdienst, und weil sie der erwähnten an hoher, reiner Schönheit den Vorzug lassen muß, so scheint sie > ihr solchen doch in Hinsicht auf Gratis streitig machen zu können. Die Hälfte der Nase, der aufgehobene rechte Arm, und die linke Hand sind modern; der linke Fuß und die Zehen des rechten! das Bein unter dem Knie bis an den Knöchel ist entweder häßlich angesezt, oder gleichfalls modern. Eine andere Amazone im Museo Capitolino ist merkwürdig, theils weil auf dem Stamme, der ihr zum Halte dient, der Name . . . cingegraben steht, theils weil sie sich von den vorgcnante» Figuren in der Gebärde unterscheidet, auch iu Falten, und sogar im Ausdruke von jenen abweicht. Diese hat eine Wunde unter der rechte» Brust; Arm und Hand rechts in die Höhe über das Haupt gehalten, während die Linke beschäftigt ist, das Gewand von der Wunde wegzuheben; im Gesichte zeigt sich daher ei» schmerzhafter Zug, da hittgegen die znerst aufgeführten beiden Amazonen ohne Wunde blos ernsthaft u»d gleichgültig erscheinen. Das Werk des Sosikles, (wen angenommen wird, daß der eingegrabene Name den Künstler bedeute, der die Statue verfertigt,) ist übn, t80 Geschichte der Kunst. tilgen sciN/ von welchen sich nur die Köpfe erhalten haben. Die Augenbraunen sind mit einer nach« drüklichen Schürfe angedeutet; und da dieses in dem zenS nickt ganz vo» so svelte» Provortionen, auch mag dasselbe an der ursprüngliche» Scharfe und gelehrten Vollendung durch neueres Abreiben etwas eingebüßt haben. Der Kops war niemals vom Rumpfe abgebrochen; auch hat er ausser der Nasenspize und einem geringen Theile der unterlive keine Ergänzungen. Dagegen ^ ist der ganze erhobene rechte Arm und der linke Vorderarm samt dem Stük Gewand, welches die Hand von der Wunde weghebt, neue 'Arbeit; überdem noch am linken Fuße ein paar Zehen. Die Beine sind vermuthlich die wirklich alten; aber um die Hnöchel, wo ste von den Füße» abgebrochen waren, überarbeitet, weßwegen diese nun etwas schwer, jene zu dünne aussehen. Plinius redet (l.Z,. c.6. «cct. »g.ittN.) von fünf Amazonen berühmter Meister, welche im Tempel der Diana zu Evhefus aufbewahrt wurden. Die geschäz- teste hatte Polnklet gearbeitet, die zweite war vom Phidias, die dritte vom Ktesilaus, die vierte war ei» Werk des Cvdon, die sünste des Phradmon. Die Amazone des Ktesilaus zeigte ihre Wunde; also ist kaum zu zweifeln, daß wir in der oben erwähnten capitolinischen Statue mit dem Namen Sofikl es uud andern ähnliche» Werken mehr oder weniger genaue Copie» derselben bestzen. Von der Amazone des Polyklet ist zwar die Handlung, die ihr beigelegt war, nicht bekaiit, inzwischen möge» die den Bogen haltenden Figuren »ach ihr covirt sein; den wahrscheinlich bat man das geschäzteste Stnk auch am öftesten uud mit der größten Ausmerksamkeit vervielfältigt, ja wen nicht die Schwierigkeit vorhanden wäre, daß Plinin^ alle die erwähnten fünf Amazonen im Tempel der Diana zu Ephefus unter den in Erzt gegossenen Bildern aufführte, so mochte jene herliche Statue aus der Villa Mattei für das pom Polyklet selbst gearbeitete Original gelten. Die Amazone des Phidias stand, wie Lucianns < n 4.) berichtet, auf die Lanie Lestüzt; eS ist aber bis zezo 5 Buch/ 2 Kap. älteren Style der Kunst gewöhnlich war, wie ich unten anzeigen werde, so könte man muthmaßen, daß des' KtesilauS Amazone, die über des PolykletuS und des PhidiaS Amazonen den Preis erhielt- den nachfolgenden Künstlern zum Muster gedienet habe. Der Blik der Amazonen ist nicht kriegerisch noch wild/ sondern ernst- noch keine Covie derselben bekaüt. Von den Werken des Cudon und Phradmon fehlen uns umständliche Nachrichten, und so können wir die etwa noch vorhan> denen Nachbildungen nicht erkennen. In gleichem Falle befinden wir uns auch in Hinficht auf eine sechste berühmte Amazon e aus Erzt von Stro » g »lion gearbei« tet, welche wegen der fchone» Beine den Beinamen Euknemos erhalten hatte, (pliu. I. g. i<). 11.21.) Beiläufig verdient noch angemerkt zu werden, daß auch Ülniazonen zu Pferde in verschiedenen Stellungen vorkommen, wie z.B. hcrculanische B ro n z e (Nus. Lrcol. l, 6. tliv. «iZ — 64.) und in Marmor die im harten der Villa Borghese, welche auf einen Krieger «»sprengt, der aus seinem einen Kniee liegend mit Schild und Schwert sich gegen sie vertheidigt; unter dem Pferde sizt ganz zufammengekrümt noch ein anderer Krieger und dient der Amazone zum Halt. Im Palaste Far nefe befanden sich sonst ein vaar einzelne Figuren vou A u> a- iouen zu Pferde. Von denicnigen Amazonen, welche häufig auf erhobenen Arbeiten, gefchnittcnen Steinen und Vafengemälden fich erhalten habe», ist nach unserm ge> genwärtigeu Zwek nicht erforderlich zu reden. Meyer. ») plin. I. c. 3. 5ect. 19. init. In dieser wahrscheinlich von dem Autor btrüksichtig- ten Stelle erzählt Plinius, daß die Künstler, in Aufehung der Bildung der A mazone », dem P 0 l»klct den erstell, dem Plndias den zweiten, dem Kte- silans den dritten, dem C»don den vierten und dem Phradmo» den fünften Plaz nach den Verdiensten ihrer Arbeit eingeräumt. — Der Autor hat also hier dem Plinius, wen er diesen anders im Sittne hatte, ei»en unrichtigen Sin unterlegt. Meyer, Geschichte der Kunst. haft/ und noch mehr als es Pallas zu sein pfleget. §. 22. Von ganzen Statuen sind- in Rom be- kant: eine in der Villa M attei, welche die einzige ist, die einen Helm zu den Füßen liegen hat; die zwote ist im Palaste Barberini;^) die dritte stehet in dem Museo Capitolino, mit dem Namen des Künstlers Sosikles;^) die vierte befindet sich in dem Hofe des Palastes Verospi;^) die fünfte und sechste Amazone stehet ebenfalls im Campidvglio, haben aber fremde Köpfe, von welchen der eine neu ist, mit einem Helme. 5) Diejenigen., s Man seh- S, 178.Z 2) A» ihr ist Vieles restaurirt, auch gehört ste nicht zu den besten Figuren dieser Art. Ale»er. Z) lMan sehe S. >7?.Z Eine von dem Autor übersehene steht in der Villa Borghesc. Nur der Sturz bis an das Kuie ist alt, aber von keiner vorzügliche» Arbeit. Eine Amazone, die von sehr guter Kunst sein soll, wurde von Gaviu Hainil ton in den durch ihn t"l unternommene» Nachgrabungen zu Torre Co- lumbaro bei Rom gesunden, und ist gegenwärtig in England im Vesize des Lord Lansdowne. Der Kops gehört nicht zur Figur. Meyer. S) Der schöner n, welche neu restaurirt worden? ist oben S>t7?. gedacht, die andere ist eine Wiederholung der ost erwähl» «en verwunderen Amazone des Sosikles, oder wahrscheinlich mit derselben nach eine»! Urbilde gearbeitet. In Hinsicht ans die Arbeit zeichnet sie sich nicht vorzuglich aus. Beiläufig erinnern wir, daß sich auch zu Paris ein Sturz, (eigentlich das obere Theil der Figur ohne Arme) einer solchen verwundeten Amazone befindet. Dieses Denkmal kam nebst andern Antike» aus dem Schlosse von Richelieu in dai 5 Buch, 2 Kap. welche die zwo lezteren Statuen ergänzen lassen, haben nicht verstanden/ daß die Köpfe der Ama- zonen eine bestimte Jdea haben, und zwar dergestalt, daß dieselben in den vier ersteren Statuen Sä)western, und wie aus ebenderselben Forme gezogen scheinen. ES ist sogar in den Haaren kein Unterschied, weder in der Lage noch in der Arbeit; ihr Gesteht zeiget in allen dasjenige, was das Wort vi>-^o auSdrükct. Weder der eine alte Kopf, noch der andere von einem neueren Bildhauer verfertigte, schiken sich zu ihren Statuen. Zween diesen vollkommen ähnliche und sehr wohl erhaltene Köpfe stehen unerkant in dem Museo Capi tolino,>) und hätten auf die Statuen der Amazonen daselbst, die fremde Köpfe haben, gefezet werden können. Keine Köpfe wären unsern Künstlern bessere Modelle zu Figuren geheiligter Jungfrauen gewesen, und dennoch ist es niemanden eingefallen. -) In Museum. Eine Abbildung desselben in den ^lonumcnz t) Einer dieser Köpfe ist, wie schon gesagt, der schönern Amazone aufgesezt worden. Meyer. Z) Sb unsere Künstler wohl thun würden, die Köpse der Amazonen unbedingt zu Modelten sür geheiligte Jnngsrancn zu gebrauchen, dürste noch einiger Vedenklichkeit unterworsen sein. Den der religiöse Begris der Neuern von geheiligten Iung,'ranen ist bei weitem ein anderer, als sich die alten Künstler von den Amazonen gemacht haben; also wäre billig zu besorgen, daß aus der vorgeschlagene» Nachahmung oder Übertragung nur ein verfehlter Charakter entstehen würde. Mever. sAber der Autor sagt ja nicht unbedingt, und wir wissen, was er bei einer solchen Übertragung fordert: ein initeigene m Denk e n verbundenes ?! achahmen, k^ine knechtiiche Folge, wie er im 5 §. über die Betrachtung der Werke der Kunst sagt.) Geschichte der Kunst. dcr Villa Pansili stehet eine Amazone in mehr als Lebensgröße / >) so wie jene Figuren sind/ ans welcher man in der Ergänzung eine Diana gema- chet hat/ ohnerachtet die Kleidung und dcr Kopf dieselbe hätte bezeichnen sollen. Es hätte auch ein einziger Kopf einer Amazone einen Scribenten belehren können/ welcher sich nicht unterstehet zu entscheiden/ ob ein mit Loorbeeren bekränzeter Kopf auf Münzen dcr Stadt Myrina in Kleinasien/ die von den Amazonen erbauet worden/ einen Apollo oder eine von diesen Heldinen vorstelle. Ich will hier nicht wicdcrholc«/ was ich bereits an mehr als einem Orte angezeiget habe/ daß an keiner Amazone die linke Brust fehlet. ^) K, 23. Dem Ideal näherten sich die alten Künstler in Köpfen bestickter Personen/ so weit eS ohne Nachtheil dcr Ähnlichkeit geschehen koiite/ und man siehet an solchen Köpfen/ mit wie großer Weisheit gewisse Kleinigkeiten Übergängen sind/ die nichts zur Ähnlichkeit beitragen. Viele Runzeln sind nicht Die sogenante Diana Venatrix, wovon eine mittelmäßige Abbildung in Vilw ?!>nix>üli!> 5o. 5acol-i io>. ist ungefähr nach Art der Amazonen kurz bekleidet/ so daß des Autors Vermuthung Grund zu haben scheint. Für künftige Forscher ist e» dcr Untersuchung werth, ob der znm Theil antike Hund neben ihr ursprünglich zur Hauptfigur gehörte, oder ein ihr in neuerer Zeit willkürlich beigefügtes antikes Bruch- stük sei. Im erste» Falle würde sie sich oon den andcri« Amazonen auf eine merkwürdige Weise unterscheiden. Die Arbeit an diesen! Denkmale ist gut; ein Theil deZ Kovss nebst Armen und Beinen sind neu. Nie »er. Z) lDcnkmale/ 2 Th, tSK.1 Lvltari , Allls. LlipiwI. t. z. tav. 4ß> z>. g5. k'ogAlui, t. 4. lav. ZZ. ji, i iZ. Fea. 6 Buch/ 2 Kap. isL angedeutet/ die nach den Jahren Hütten da sein müßen/ und die da/ wo sie der Jdea der Schönheit nichts nehmen/ anSgedrüket sind/ wie unter dem Kinne und am Halse an eben den Köpfen. Man beobachtete hier die Lehre der alten Weisen: das Gute so groß als möglich zu machen/ und das Schlechte zu verfielen und zu verringern.") Man kaii aus der andern Seite in Bildung befiim- ter Personen diejenigen Theile/ welche schön sind/ und der Ähnlichkeit nichts geben noch nehme»/ besonders hervorspielen lassen/ wie dieses weislich an Köpfen Lndewigs XIV, auf dessen Münzen beobachtet ifi/ als welches aus Vergleichung derselben mit denen von Nanteuil schön gestochenen Köpfen eben dieses Königs erhellet. §. Die Thiere können von den Bemerkungen über die Schönheit nicht ausgeschlossen werden/ und ich will einige wenige Anzeigen mit beifügen. Bei den Pferden bemerken diejenigen/ die hier schulmäßig sprechen können/ daß diejenigen/ die in Marmor und in Erzte übrig geblieben/ Nachahmungen eines schweren Schlages von Pferden sind/ und sie beweisen dieses sonderlich ans der vermeineten un« behenden Forme des Gemachtes zwischen dem Halse und dein Rükrade/ da wo bei Menschen die Schulterblätter sind/ welches bei Pferden der Widerroß heisset. 2) An diesem Theile sollen die arabi- ») consolat. ^.xollon. x. ii». t?. 426. eäit. T'-cn-e/vL!'. Siebelis. 2) Der Streit über das Schöne und Unschöne an den 186 Geschichte der Kunst. scheu/ spanische»/ neapolitanische» und englische» Pferde seiner gebauet sein nnd mehr Gelenksamkeit und Leichtigkeit zeigen. Einige andere Thiere, sonderlich Löwen/ haben die alten Künstler idealisch gebildet/ welches zum Unterrichte dienet für diejenige»/ denen die Löwe» in Marmor von dem Geschöpft wahrer Löwe» verschieden scheinen. >) antiken Bildern der Pferde, der zwischen den Kunstlieb- habern und P serd ekenner n obwaltet, wird schwerlich zu schlichten sein. Den anders urtheilt der an den schönsten und edelsten Formen der Kunstwerke gebildete Geschmak, und anders derjenige/ welcher das Seltene, Nüzliche oder vielleicht blos das Herkömliche vorzuziehen gewohnt ist. Ein englisches Pferd ohne gestuzten Schweif wurde diesem mißfallen, da hingegen jener das Abschneiden des Schweifs für ein a» der Natur begangenes Verbrechen ansteht. Man könte sagen, daß dieselbe Verfchio denheit der Meinungen auch iu Rüksicht der Wohlgestalt der Menschen hersche. Die von der ganzen Stadt für die schönste gehaltene Frau dürste selten auch vom Künstler dafür erkaüt werde». In der Armee wird ohne Zweifel ein Flügel »tan für einen sehr schönen Mail gelten, weil er der hervorragendste ist; Maler und Bildhauer möchten aber in demselben nur selten auch das wohlgestaltetste Modell finden, und sie werden es mit bessern« Erfolge unter den mittlern Gestalten suchen. Es wäre nicht schwer, noch eine Menge Beispiele dieser Art vorzubringen, ohne darum die Streitfrage der Entscheidung näher zu rüken. Genug! das Pferd des Marcns Aurelius auf den, Cavitolio ist v o rtr eflich er, als alle die von neuern Künstlern verfertigten; doch nicht von so seinem, zierlichem und behendem Aussehen, als die Pferde der beiden Valbus zu Portici, und diese müßen wieder den vier Pferden weichen,, die das Portal der St. MarcuS- kirche zu Venedig zieren. M e»er. t) Der Autor hat Recht, wen er sagt, die Löwen der Alten leien idealisch gebildet. Sie sind es in der That, in so fern die alte Kunst schaffend ein jedes ihrer 5 Buch / 2 Kap. 187 Eben dieses kan noch mehr von den Delphinen gesaget werden/ welche/ so wie dieselben auf alten Werken vorgestellet werden/ sich in der Natur nicht finden: unterdessen/ ist die Gestalt der erdichteten Delphine als wirklich von allen neueren Künstlern angenommen worden. §. 25. Bei Gelegenheit der weiblichen ideali- sche» Schönheiten/ kan ich nicht unterlasse»/ der Larven dieses Geschlechts zu gedenken/ von welchen sich Bildungen der höchsten Schönheit/ auch Gebilde über die blöke Natnrwahrheit poetisch erhob. Diejenigen aber irren sehr, welche meine»/ die Knnst habe/ statt der Löwe»/ ein anderes selbst erdachtes Geschöpf untergeschoben. Sie hat an den Löwen weder mehr noch weniger gethan als an andern Thieren/ und an den Thieren überhaupt nicht mehr als an den Mensche»/ den es läßt sich mit eben so große»! Scheine von Wahrheit sagen/ die antiken Statuen seien von den wirklichen Mensche» verschiede»/ als man behaupten kaii/ die Bilder von Löwen aus dem Altertume seien wahren Löwen unähnlich. Der Koloß des Phidias auf Monte Cavallo zu Rom wird einem erbärmliche»/ gedrillte»/ hungrigen Spießbürger wahrhaftig »icht mehr ähnlich sehe»/ als der große liegende Löwe vor dem Arsenale zu Venedig/ oder der stehende/ erhoben gearbeitete auf der Tr epe im Palaste Barberini zu Rom / einem arme»/ abgeguältc» Löwen in einer Menagerie ähnlich sieht. Mever. 1) Durch die aus den Anmerkungen zur Kunstge- fchichte entlehnte»/ hier ki»gcschobc»cn §. 2Z und 24, ist der Zufammenhgttg zwischen §. 22 und 25 in etwas unterbrochen. Weil aber des Autors Bemerkungen über die P o r tr ä t fi g u r e n der Alten und über ihre idealische Bildung der Thiere nirgends einen passendere» Plaz finde» konte», als gerade hier: so schien es uns rathsamer/ den Zusammenhang in etwas zu stören/ als jene Bemerkungen ganz aus dem Terre zu verbannen und in die Not en zu verweisen. Meyer. tss Geschichte der Kunst. auf mittelmäßig gearbeiteten Werken finden/ wie ein Aufzug des Bakchus ist/ in einem Saale des Palastes Albani/ wo ich zwo weibliche Larven niemals genug betrachten kan; und dieses dienet zur ! Belehrung derjenigen/ die sich alle Larven der Alten scheußlich vorgestellet haben. §> 26. Ich endige diese allgemeine Abhandlung von der Schönheit der Bildung und der Formen mit der Schönheit der Larv en/ deren Benennung uns' den Begris von etwas Vcrstclletem zu geben scheinet/ damit der Schluß ans die allgemeine Kent- niß und Bildung des Schönen bei den Alten von dem/ was kaum derselben würdig scheinen köüte/ bis auf höhere Vorwürfe desto begreiflicher werde; und dieser Schluß kau um so viel gültiger sei»/ da das angeführete Werk der Larven von einer Be- gräbnißurne/ dem geringsten alter Werke/ genommen worden. ES kau' auch keine von allen Betrachtungen dieser Geschichte allgemeiner werde»/ als eS diese ist, weil dieselbe auch entfernet von den Schä- zen des Altertums geprüfet werden kan / da hingegen die Untersuchungen/ die den AuSdruk/ die Action/ die Bekleidung und den Styl insbesondere betreffen/ allein im Angesichte der alten Werke selbst anzustellen sind. Den von den hohen Begriffen in Köpfen der Gottheiten kan alle Welt sich einen Begrif machen aus Münzen und geschnittenen Steinen / oder deren Abdrüken/ welche auch iu Ländern zu haben sind/ womn niemals ein vorzügliches Werk eines griechischen Meißels gekommen ist. Ein Jupiter auf Münzen Königs PhilippnS von Macedonien/ der ersten Ptolemäer/ imgleichen des PyrrhuS/ sind nicht nnter der Majestät seiner Bildung in Mirmor: d'r Kopf der Ceres auf silbernen Münzen der Stadt Mtapontum in Großgriechenland / und der Kopf der Proserpina auf zwo verschie- 5 Buch/ 2 Kap. denen silbernen Münzen von SyrakuS im königlichen sarnesischen Museo zu Neapel/ übersteigen alle Einbildung; und eben dieses köilte von anderen Schönheiten auf unzähligen Münzen und geschnitte- gen Steinen angezeiget werden. §. 27. In Bildern der Gottheiten konte auch nichts Niedriges noch Gemeines entworfen werden/ weil ihre Bildung unter allen griechischen Künstlern dergestalt allgemein bestimmet war/ daß dieselbe scheinet durch ein Gesez vorgeschrieben gewesen zu sein. Den ein Kopf eines Jupiters auf Münzen in Jonien/ oder von dorischen Griechen gepräget/ ist einem Jupiter auf sicilia nischen/ oder Münzen anderer Städte vollkommen äbnlich; der Kopf des A p o l l 0/ des Mercurius/ des Bak- chuS/ eines Liber Pater/ und eines jugendlichen und älteren Herkules sind auf Münzen und Steinen sowohl als an Statuen nach einer und ebenderselben Jdea entworfen. Das Gcsez waren die schönsten Bilder der Götter/ die von den größten Künstlern hervorgebracht waren/ und diesen durch besondere Erscheinungen geoffenbaret zu sein geglaubet wurden/ so wie sich Parrhasius rnhmete/ daß ihm Herkules erschienen sei/ in der Gestalt/ in welcher er ihn gemalet;') und in eben dieser i) I. 12. c. i i. so. 62.)— ?Iiii. I. Z5. c. 10. sect. Z6. n. 5. Es war Herkules, und nicht Bakchus / tder Autor hatte diesen genant,) von welchem sich Parrhasius rühmte/ daß er ihm in der Gestalt erschienen sei, in welcher er ihn geinalt. Lessing. sDieser Herkules des Parrhasiu s stand in dem alten M i n e r va te mv el zu Lind 0 saus der Insel Rhodos, und sein Urheber soll solgende Verse, die Athen aus (I. c.) anfuhrt, darunter gesezt haben: tso Geschichte der Kunst. Absteht scheinet O. nintilianuS zu sage»/ daß zu Erwekung größerer Ehrfurcht gegen den Jupiter dessen Statue von der Hand des Phidias viel beigetragen habe, i) Der Jupiter des PhidiaS, die Juno des Polykletus, eine VenuS deS AlkameneS/ und nachher des P ra x i t e le s/ werden allen ihren Nachfolgern die würdigsten Urbilder gewesen/ und in dieser Gestalt von allen Griechen angenommen und verehret worden sein. Unterdessen kaii die höchste Schönheit/ wie Cotta beim Cicero saget/ auch den Göttern nicht in gleichem Grade gegeben werden/-) so wenig als in dem schönsten Gemälde von vielen Figuren alle die höchste Schönheit haben können/ welches nicht mehr statt findet/ als in einem Trauerspiele nichts als Helden aufgeführet zu verlangen. Leonidas Tarentinus sagt ^nzlecia xinet, t, i> p. 2Z0, ».40,) vom Prariteles, daß er seinen berühmten thesvischen Amor so gebildet habe, als er ihn bei der Phryue gesehen. Parmenio riihmet tll-ill. t. 2. p, 202. ». 5.) in einem Evigrani auf die Juno des Polyklet/ dan dieser Künstler allein die Göttin geschaut und das ihm geoffenbarte Nr, bild den Menschen enthüllt habe, so weites sterblichen Augen zu schauen erlaubt sei. Feg u. Meyer, z) Oe nat. Ollvr. I. >. c. 2g, Drittes Kapitel. §. 1. Nächst der Kentniß der Schönheit ist bei dem Künstler der Ausdruk und die Action zu lichten / wie DemostheneS die Action bei einem Redner fand das erste/ das zwei te und das dritte Theil desselben:^) den es kan eine Figur durch die Action schon erscheinen, aber fehlerhaft in derselben niemals für schön gehalten werden. Es soll also im Unterrichte mit der Lehre von den schönen Formen die Beobachtung des Wohlstandes in Gebärden und im Handeln verbunden werden/ weil hierin ein Theil der Gratie bestehet; und deßwegen sind die Gratien/ als Begleiterinnen der Venus/ der Göttin der Schönheit/ vorgestellet. Bei Künstlern heisset folglich/ den Gratien opfern/ auf die Gebärden und auf die Action in ihren Figuren aufmerksam sein. §.2. DaS Wort Ansdruk/ welches in der Kunst die- Nachahmung des wirkenden und leidenden Zustandes unserer Seele und unseres Körpers'/ und der Leidenschaften sowohl als der Handlungen ist/ begreifet im w ei tlä u ft ig en Verstände die Action mit in sich/ im engeren Verstände aber scheinet die Bedeutung desselben auf dasjenige / was durch Minen und Gebärden des Gesichts bezeichnet wird/ eingeschränket/ und die Action oder Handlung/ wodurch der Ausdruk erhalten wird/ beziehet sich mehr auf dasjenige/ was durch Bewegung der Glieder und des ganzen Kör- i) Li-Ut. c. zg, (alias c> .1?.) ve Orawi'L, III. Z7. vrator, c. 17. XI. c> Z. n. 6.^ 592 Geschichte der Kunst. perS geschiehet. Auf das eine sowohl als auf das andere kan gedeutet werden / was Aristoteles an des Z eu x i s Gemälden auSgesezet hat/ nämlich: daß . sie ohne „Z-s?, ohne AuSdruk gewesen/^) worüber ich mich i» der Folge erklären werde. §.>?. Der AuSdruk im engeren sowolil als weiteren Verstände verändert die Züge des Gesichts'/ und die Haltung des Körpers / folglich die Formen, welche die Schönheit bilden/ und je größer diese Veränderung ist/ desto nachtheiliger ist dieselbe der Schönheit. In dieser Betrachtung war die Stille einer von den Grundsäzen/ die hier beobachtet wurden/ weil dieselbe nach dem P lato als der Zustand betrachtet wurde/ welcher das Mittel ist zwischen dem Schmerze und der Fröhlichkeit; und eben deßwegen ist die Stille derjenige Zustand / welcher der Schönheit/ so wie dem Meere/ der eigentlichste ist/ und die Erfahrung zeiget/ daß die schönsten Menschen von stillem gesitteten Wesen sind. Eben die Fassung wird ^ in dieser Absicht in dem Bilde sowohl als m dem/ der es entwirft/ erfordert: den es kan der Begrif einer hohen Schönheit auch nicht anders erzeuget werden/ als in einer stillen und von allen einzelnen Bildungen abgerufenen Betrachtung der Seele. Ausserdem ist die Stille und die Ruhe im Menschen ,) ?vet. c. 6. In, z>. 7. init. Die Alten unterschieden in dem Ausdruke den Charak« ter: »Z-i?, oder den habituellen Grund ton der Seele/ und ihre Veränderungen oder Leidenschaften: A-ÄZ-I,?. (Lic, 2. n. 3 —9.) Meyer. 2) lMan vergleiche die vorläus, Slbliandi. 4 K. 23§, ^ G 0. K. Z B- 3 K. 14 §. S B. ZK. 25 — 2Üs ) 3) Oe !. 9. x>! 333. 6 Buch/ 3 Kap. 196 und bei Thieren der Zustand/ welcher uns fähig machet/ die wahre Beschaffenheit und Eigenschaften derselben zu untersuchen und zu erkennen / so wie man den Grund der Flüsse und des Meeres nur entdeket/ wen das Wasser still und unbeweget ist; und folglich kail auch die Kunst nur in der Stille das eigentliche Wesen derselben ausbrüten. ß. Da aber im Handel» und Wirken die höchste Ruhe und Gleichgültigkeit nicht statt findet/ und göttliche Figuren menschlich vorzustellen sind: so koiite auch in diesen der erhabenste Begrif der Schönheit nicht beständig gesuchet noch erhalten werden. Aber der Ausdruk wurde der Schönheit gleichsam zugewäget/ und diese nzar bei den alten Künst« lern die Zunge an der Waage des Ausdruks/ und also die vornehmste Absicht derselben/ wie das Cin:- bal in einer Musik/ welches alle andere Instrumente/ die jenes zu übertäuben scheinen/ regiret; und so wie wir das Getränk/ welches größtentheils mit Wasser vermischet ist/ Wein nennen- eben so soll auch die Gestalt/ wen gleich der Ausdruk die Schönheit überwiegen würde/ schön heissen können. Auch hier offenbaret sich die große Lehre des Empedo- kleS von dem Streite und der Freundschaft/ durch deren gegenseitige Wirkung die Dinge in der Welt in den gegenwärtigen Zustand gesezet sind: l) die Schönheit würde ohne Ausdruk unbedeutend heissen können/ und dieser ohne Schönheit unangenehm/ aber durch die Wirkung der einen in den andere»/ und durch die Vermählung zwoer widrigen Eigenschaften erwächset das rührende/ das beredte/ und das überzeugende Schöne. §.6. Die Ruhe und Stille ist zugleich als eine Folge der Sittsamkeit anzusehcn / welche die Grie- i) Lruckori ci'it. jiliilus. r, I p, i i i/>, Meyer. Winckelman. 4. 3 Geschichte der Kunst. chen in Gebärden / und im Handeln allezeit z» beobachten sucheten/ dergestalt/ daß sogar ein geschwinder Gang in gewisser Maße wider die Begriffe des Wohlstandes gehalten wurde/ indem man in demselben eine Art Frechheit fand. Einen solchen Gang wirft Demo st hen es dem NikobuluS vor/ und er verbindet» frech sprechen und geschwinde gehen mit einander.') Dieser Denknngsarr zufolge hielten die Alten eine langsame Bewegung des Körpers für eine Eigenschaft großmüthiger Seelen.^) Hch finde kaum nötliig zu erinnern / daß von dem wirklich sittsamen Stande derjenige, der einen knechtischen Zwang anzeiget/ verschieden ist/ in welchem einige Statuen gefangener Könige abgebildet sind/ die mit über einander geschlagenen Händen stehe»/so wie Tigranes/ König von Armenien, sich aufwarten ließ von vier Königen/ die seine Vasallen waren, welches die niedrigste Unterwerfung anzcigete. §. 6. Diese Sittsamkeit haben die alten Künstler bis in ihren tanzenden Figuren/ die Bakchanten ausgenommen/ beobachtet; und man war der Meinung/ daß die Action in den Figuren nach der Maße der älteren Tänze abgewogen und gestellet sei/ und daß in den folgenden Tänzen der alten Griechen ihre Figuren wiederum den Tänzerinen zum Muster gedienet/ um sich in den Gränzen eines züchtigen Wohlstandes zu erhalten. 4) Hiervon kan man sich überzeugen an vielen weiblichen leicht beklei- 1) ^.dv. 996. pi'inc. Lasaukon. I'jieoplii'. Lkai-act. e. 5. igL. Soxliocl. v. L?i. (7>c. Oss. I. 33. Siebell'5. 2) Bristol» I. c. 3. p. 66. 4) 1. »4. c. 6. 26.1 6 Buch, Z Kap. 195 beten Statuen, von welchen die mehresten keinen Gürtel habe»/ die ohne alle beigelegete Zeichen/ wie in einem sehr züchtigen Tanze vorgestellet sind/ so daß wen auch die Arme fehle»/ man stehet/ daß sie mit der einen Hand von oben über der Achsel/ und mit der andern von unten ihr Gewand sanft >n die Höhe gezogen, lz In diesen Figuren muß diese Action dieselben bedeutend machen und erklären; und da verschiedene einen idealischen Kopf habe«/ kaii in ihnen eine von den beiden Musen/ denen der Tan; vor andern eigen war/ nämlich Erato und Ter- psichore abgebildet sein.-) Statuen in dieser Stellung finden sich in der Villa MediciS/ Alba« ni/ und anderwärts; zwo diesen ähnliche Figuren in Lebensgröße in der Villa Ludovisi und einige unter den herculanischen Statnen haben keinen idea- lischen Kopf; eine der Figuren in der Villa Lndo- visi hat einen Kopf von einer hoben Schönheit, aber die Haare haben nicht die Einfalt/ die an idea- lifchen Köpfen gewöhnlich ist/ sondern es sind dieselben künstlich in einander geschränkct und geflochten/ nnd gleichen einer Mode unserer Zeiten; eine an« dere aber/ die über dem Eingange des Palastes Ca- raffa Colubrano zu Neapel stehet/ hat einen Kopf von hoher Schönheit/ welcher mit Blumen gekrönet ist. ES kan also scheinen / daß diese Statuen wirklich schönen Tänzerinen errichtet worden 1) propc'i't. I. 2. eleA. i3. V. A/o/// e^?ic//c/tt 2) 8c>>ol. ^rgon. I. 3. v. 1. in Hcsioö. p 7- ZI Diese Tänzerin ist nachher in das Museum P i o- C l e m e n ti n u m aekommen. Visconti sr. 3, tsv. 3c>.^>. 3g. 4c>.) bemerkt, dan der Kran;/ womit der schöne Kors dieser Figur geschmiikt ist/ nicht aus Vlu 1» cn bestehe, sondern 196 Geschichte der Kunst. fein/ welche unverdiente Ehre diese Personen bei den Griechen erhielten/ so daß sich verschiedene griechische Sinschriften auf Statuen derselben finden. Die eine entblößete Brust an solchen Statuen ist ein sicheres Kcilzeichen/ dieselbe nicht auf gedachte zwo Musen zu deute»/ weil solche Entblößung an Musen wider den Wohlstand sein würde. K. 7. Der höchste Begrif dieser Grundsäze/ sonderlich der Nuhe und Stille / findet sich in den Figuren der Gottheiten auSgedrüket/ so daß die Bilder des Vaters der Götter bis auf die subalternen Götter ungerühret von Empfindungen sind. Also bildet uns der große Dichter seinen Jupiter/ welcher allein durch das Winken seiner Augenbraunen und durch das Schütteln seiner Haare den Olympus bewegete;?) und s» ungerühret von Empfindungen sind die mehresten Bilder der Götter; daher die hohe Schönheit dem angeführeten Genius in der Villa Borghese nur in diesem Zustande zu geben war. aus Evheublüthen, und sagt sodan weiter von ihr: » Sbschon iie in den Formen das Edle und Schlanke nicht „hat, welches man in andern noch vortreflichern Scnl»- „ turen wahrnimt, so ist ste doch unter die Meisterstüke zu zählen, wegen der Wahrheit, Anmuth und Weichheit, womit die Gestalt und Züge einer schönen Frau „nachgeahmt sind, welche vielleicht in den campauischen „Lustörtern, der Gegend, >vo das Monument entdekt „ worden, einst mit ihren Reizen die wohttiistigc Menge „ bezaubert hatte. " Meye r. Lrnnclvii t. 2. zi, 207. n. Z. p. 277. n. 7. t. Z. z>. 104. n. 5. 6. 7. x. io5. n. g— 10. Meyer. 2) I. v. 28 — 3c>. Horst. III. 1. v. L. <7ll»c/a ^u- Z) tüber diese» Genius sehe man 5V. t K. 12 §. N 0 te. ^ 5 Buch/ Z Kap. 197 Ein heiterer ruhiger Blik ist nicht allein Figuren der oberen Kräfte/ sondern auch den subalternen Meergöttern gegeben worden; und da wir uns aus einigen Beiworten der Dichter von den Tritonen einen verschiedenen Begrif manchen würden: erscheinen dieselben von den griechischen Künstlern gleichsam als Bilder der Meeresstille/ wen es einem grünlichblauen Himmel gleichet, vorgestellet; wie wir dieses bewundern können an zween bereits gedachten kolossalischen Köpfen von Tritonen in der Villa Albani/ deren einen ich in Kupfer beigebracht habe in meinen alten Denkmalen^) §. 8. Jupiter selbst ist nicht in allen dessen Bilder» auf gleiche Weise heiter gebildet/ sondern er hat einen trüben Blik auf einer erhobenen Arbeit deS Marchese Rontnn ini/ wo diese Gottheit gebildet ist, nachdem ihr Vulcanus mit einem hölzernen Hammer einen Schlag auf's Haupt gegeben hat/ und voller Erwartung stehet/ die Pallas aus dessen Gehirne hervorspringen zu sehen. Jupiter stzet wie betäubet (intronaw) von dem Schlage/ und gleichsam in Schmerzen der Geburt begriffen/ um die ganze siiiliche und himlische Weisheit in Gebarung der Pallas an das Licht treten zu lassen. Dieses Werk befindet sich in Kupfer gestochen auf dem Ti- telblatte des zweiten Bandes meiner Denkmale. H t) lNimiero ZS.1 Es ist schon oben t K. ZS§.) gesagt worden, daß der schönste Kopf eines Tritons im Museo P i o - C l e m e n t i n o sei. (1'. 6. lav. 8.) Die zweite Stelle behauptet eine ebensalls angesübrte/ schön gearbeitete Dopelherme im Museo Capitolino. Meyer. 2) Mnter den Vignetten oder V e rzi eru ngsb»ld er>» »u den Denk »igle» Numero Geschichte der Kunst. §.9. Der vatieanische Apollo sollte diese Gottheit vorstellen in Unmuth über den Drachen Python/ den er mit seinen Pfeilen erlegete, und zugleich in Verachtung dieses für einen Gott geringen Sieges. Der weise Künstler/ welcher den schönsten der Götter bilden wollte/ sezete nur den Zorn in die Nase/ wo nach den alten Dichtern i) der Siz desselben ist/ und die Verachtung auf die Lipen; diese hat er auSgedrüket durch die hinaufgezogene Unterlipe/ wodurch sie zugleich das Kin erhebet/ und jener äussert sich in den aufgeblüheten Nüstern der Nase. §. i». Da nun dem AuSdruke der Leidenschaften im Gesichte der Stand und die Handlung gleichförmig zu sein pflegen: ist beides der Würdigkeit der Götter in ihren Statuen und Figuren gemäß/ und kan der Wohlstand genennet werden. Man findet keine Gottheit von gesezetem mänlichen Alter mit über einander geschlagenen Beinen stehen. Eine Statue eines Helden mit über einander geschlagenen Beinen würde bei den Griechen getadelt worden sein/ den es wurde dergleichen Stand auch an einem Redner für unanständig gehalten / so wie es bei den Pythagoräern war/ den rechten Schenkelüber 1) ?Iieocr. I. lg. c. not. Vslckca. Siebelis. 2) ?Iuwrc!i. cun8vl. oll z?. 194. Diese Stolle ist nach der stepHanischen Ausgabe Von 1572 citirt; aber vergebens haben ivir die ganze Schrift des Plutarchus durchgelesen, um das Citat zu finden. Me» e r. sJch habe die Schrift ebenfalls gelesen und keine Stelle gefunden/ die solches bestätigte. O. uintilian tadelt das Ausspreiten der Füße (I. >>. c. Z. n. 125,), aber von dem über einander sch l agen derselben sagt er kei» Wort.1 5 Buch / 3 Kap. den linken zn lege», i) Ich glaube also nicht/ daß diejenige Statue zu Elis/ welche mit über einander geschlagenen Beinen stand / und sich mit beiden Händen an einen Spieß lehnete/ einen NeptunuS vorgestellet/ wie man dem Pausanias glauben ma- chete. Von Gottheiten stnd allein Apollo und BakchuS in einigen Figuren also gestellet/ in dem einen die s pi el e n d e Hu g en d / und in dem andern die Weichlichkeit abzubilden. Apollo stehet also im Museo C a pit o li n 0/H und in einigen ähnlichen Statuen der Villa Medieis, nebst einer andern im Palaste Farnese/ welches sowohl im Gewächse als im Kopfe die schönste unter allen ist.^) >) 4?> st. 6. p- >68. e>I>t, keisli.? Diese Stelle paßt keineswegs hieher ; Plntarchns spricht i» derselben weder von dem unschiklichen Stande der Redner, noch von der Sitte der Pnthagoräer, sondern er tadelt an dem sizenden Zuhörer das öftere Ubereiiwnderwersen der Schenkel , wodurch sich die Unachtsamkeit att den Tag lege. Daß die Puthagoräer es für unanständig gehalten, den linken Schenkel über den rechten zu legen, erwähnt PlntarchuS anderswo, so« vitios. xuilor. x. st. ö. I>. >c>L. L>Iit. kcislv.^ Meyer. 2) I. 6. c, -5. Die übersezer habe» hier die Redensart : nicht recht verstanden, indem sie es mit xe6ciu peäe xrcniere, einen Fuß ans den andern sezen, gegeben haben, da es mit äecuss-nis xe>iil>us, welches im Italiänische» ßzmbe incrvcicciliats Heisset, hätte iibersezet werden sollen. Winckelmaii. Pausanias selbst »e»t das Bild die Volkssage aber, deren er gedcakt, welcher Unterschied zu beachten ist. Sieb elis. 3) Aus. (Üüpitol. t. 3. iav. i5. las. Z-'lop. Ltatue, talz. 33— 3g. sMan sche oben SB. 1 K. §. Note.1 3) Wen es gleich bei einigen Alten für eine unschikliche Stellung gehalten ward, ei» Knie im Sizen über daS andere kreuzweis zu legen; so pflegten dennoch die Künstler nicht gar sehr darauf zu achten, und man findet selbst Figuren von Gottheiten in dieser Stellung. Jupiter z. B. ist so vorgestellt in einem Vasrelief bei Vartoli (^(Iiniranä. anti^uit. livmau. ta!>. 46,) und bei Montsauco». s^nii,,. czxl. t, pl> -S.) Auf der Urne im Museo Capitolino, wo man die Mufen steht, ist ein alter Man von ernstem Ansehen in solcher Stellung, welchen Montfaucon (I. c. 8upfll. t. z. I. I. c!>. g. p. 33. xl. 9.) für eine» Diogenes, undF 0 ggini für einen Home r hält. (Aus. Lapitol. t. 4. t!>v. 27. p. >54.) Eben soParthenovä n s, einer der sieben thebanischeu Helden, auf einer bekanten hetrnrischen Gemme sin den Denkmalen Numero ivZ.Z; eine Frau aus einem dem Konige von Frankreich angehörigen, von Montfaucon bekaiit gemachten Amethyst cl. c. Suppleni, t. z. pl. >3 ) und eine andere mänliche, betrübt scheinende Figur auf einem Basrelief litt de» Denkmalen Numero 123.1. Eine weibliche Figur in einem Basrelief der Villa Albani sin den Denkmalen Numero SS.^I scheint in gleicher Stellung zu fein: eben so eine andere auf der Nükfeite einer Münze des Kaisers Alerander Severus (NuzcUii nuiiiisni. imcr -»iilencl. 2. lal-. 9. 11. 4.) und 6 Buch/ 3 Kap. 201 die Statue desselben stehet also in dem Palaste L a n- celotti.') Die jungen Satyrs oder Faune/ unter welchen zween der schönsten im Palaste Rus- poli sind/^) haben den einen Fuß ungelehrt und gleichsam bäurisch hinter dem andern gesezet, zu Andeutung ihrer Natur: und eben so stehet der junge Apollo SauroktonoS zweimal von Marmor in der Villa Borghese,^) und von Erzt in der Villa Albani: dieser stellet ihn vermuthlich vor/ wie er bei dem Könige Ad nie tu 6 als Hirt dienete. Unter den weiblichen Gottheiten ist mir keine einzige also gestellet bekant, und es wurde diesen weniger als mänlichen Gottheiten anstehen; ich lasse also dahin gestellet sein, ob eine Münze Kaisers A u- reoluS, auf welcher die Vorsicht mit über einander geschlagenen Beinen stehet/ alt ist. Nym- eine m änliche Figur auf einer Münze. j) Visconti behauvtet von dem hier angeführte», im Eingange des Palastes Lancelotti stehenden Paris, es sei eine Wiederholung des schönen kleinen Ganyme- des mit dem Adler 5» den Füßen, im Mnseo Pio- Clementino. C?. 2 . tav. ZZ. ^,.68.) Übrigens ist die Statue im Palaste La ncel 0 tti etwa? großer als die im Mufeo Pio-Clementino, und hat, obschon sie dieser den Vorzug lassen muß, wegen besserer Arbeit und Erhaltung dennoch viele Verdienste, und besonders weiche, fließende Umrisse, nebst zarten hübschen Formen. Mevev. 2) cMa» sehe o5en SV- i K. SS, Note.1 Z) Man vergleiche S V. Z K. 15 §.Z 4) IVistan, Lonii». >>i-!t. t. Z. n. igZ. Wen dieser Zweifel anginge, wie viele andere Münzen würde man als unächt verwerfen müßen! Die Provi- dentia, stehend und an eine Säule gelehnt, wird in dieser Stellung auf einer Münze des -AI erander Se> 202 Geschichte der Kunst. phen aber kan dieser Stand zukommen: und eine in Lebensgröße/ die ehemals dem Hause Giustinia- n i gehörete/ stehet also/ wie auch eine von den drei Nymphen/ die den HvlaS entsuhreten/ im Palaste ?llbani.') Vermöge dieser Bemerkungen glaube ich berechtiget zu sein, an dem Alter eines geschnittenen Steines zu zweifeln/ auf welchem die sogenante Mi nerva Me die«/ die einen Stab mit einer Schlange umwunden HAll/ mit dem einen Beine über das andere geleget stehet/ sonderlich da diese Figur die rechte Brust entblößet zeiget/ welches sich an keiner einzigen P al las findet. Diese verus gesehen (Nuüc'Iiil nuniism !>nti<>. pürt. 2. ti>b. 7S. n 7.); eine andere weibliche Figur (n> g.) in gleicher Stellung (lad 22Z. »> 6 ). Auf einer Münze des KalliennS die und ebenso aus einer Münze des Kaiserz Tacirus stali. 2Z4. n. 4.); die i>»iciia>! siulilic.1 aus der Rükseite von zwei Münzen der Julia Mammäa 12g. n. 2. Z.); die par ^ugu^li aus der Müuze des Ämilianus. (Lundurii nu- iniper, I^vm. t. I. p. g2.) F c a. Wir bemerken, daß diese Stellung gewöhnlich nur den Figuren gegeben ist, welche Festigkeit und Ruhe ausdrüken solle»; daher sie stch auch alle an den Sturz einer Säule lehnen. Me»er. An dem Sarkophag dcsMusei Capitolini (t. 4. tav> 26.) steht man drei Musen in solcher Stellung, wie auch an andern Denkmalen; die erste hält Visconti (HIuü. pio-LIcni. t, I. l!>v> ,7. p. 35.) snr , die Klio; die zweite für die P0 l» h »m n i a stov.24. 1,-47.) und die dritte für die Urania. Anch Jupiter wird fo gesehen (IVlvntsauc. e?lpl. t. 1. pl. lo. ».1—2. Luppl. t. I. »prös la pl. 20.) und Herkules. (Aontlauc. eupl. t. 2, pl. 64. I>. Ig4-) Fea. 2) Äontssuc. Oiai'. Itol. <>. 6. p. 122. M 0 utsaue 0 n spricht von einem Bilde (Statue), und nicht von einer G e m m e. Fea. 5 Buch, Z Kap. 203 Erinnerung siel mir ein, da mir eine Ähnliche Figur auf einem geschnittenen Steine/ als eine alte Arbeit gezeiget wurde, wovon ich aus angefü reten Gründen das Gegentheil erkaiite. Betrübeten Personen wurde dieser Stand eigen geachtet: den also standen in einem Gemälde/ welches Philostra- tus beschreibet/ die klagenden Krieger um den Körper des AntilochuS/ Sohns des N estors : c»-<- und beweineten dessen Tod;^) und in eben dieser Stellung bringet AnrilochuS dem Achilles die Nachricht von dem Tode des P a- trokluS auf einem erhobenen Werke des Palastes Mattei:^) ungleichen auf einem Cameo, die beide in meinen alten Denkmalen bekant gemachet worden/^) und auf einem herculanischen Gemülde.5) 1) l.u <ÜI>!IU55<>, t. I. sect. I. tal). >v. 2) !>. 2. Icvn. 7. p. S21. pi-inc. Der Charakter in den Gestalten der einzelne» Personen »nd besonders in dem Bilde des ?lntilochusist von P h i l 0 st r a t u s so klar und treffend angezeigt, daß man sich das ganze Gemälde lebendig vor die Seele stellen kan. Meyer. Z) I>lo»uni> Hluttk«!. t. 8. ti>v. Z4. fNumero 12S und lZV.Z 5) Mit einem Bein über das andere gelegt steht auch ein« Figur auf der niedieeischen Vase bei Bartol i. kom. t k. lg.) Meyer. Ich alaube nicht, daß die alten Künstler jemals a» diesen Unterschied gedacht haben, weil steh sehr viele Figuren, die nicht in dem Zustande der Trauer stnd, mit über einander geschlagenen Beine» finden. Im Mu> seoCapitolino (t. 4. t»v. Z.) steht man einen Heros, in welchem Foggini (p. 6.) den Aiar vermu- thet; ferner vier weibliche Figuren (27. 2S. 41 >?l^2.), wo- Vo» die leztere, der H » giea opfernd, auch unter den V e r- zieru n gs b i ld e r n der Denkmale erscheint Noch andere weibliche Figuren in gleicher Stellung finde» sich i» den Denkmalen Numero lü. IS. 20. 4Z. 7l. 20,j Geschichte der Kunst. §. Mit eben dieser Weisheit verfuhren die alten Künstler in Vorstellung der Figuren aus der Heldenzeit, und blos menschlicher Leidenschaften/ die allezeit der Fassung eines weisen Mannes gemäß sind/ welcher die Aufwallung der Leidenschaften un- terdruket/ und von dem Feuer nur die Funken sehen lässet. Eben dieser Fassung ist auch dessen Rede gemäß; daher HomeruS die Worte des Ulysse 6 mir Schneefloken vergleichet, welche häufig/ aber sanft auf die Erde fallen. Ausserdem waren die griechischen Künstler überzeuget/ daß/ wieThu- cydtdeS saget/ die Großmuth insgemein mit einer edlen Einfalt gesellet zu sein pfleget; so wie auch Achilles erscheinet/ dessen Eigenschaft mitten im jähen Zorne und in der Unerbittlichkeit eine offenherzige Seele ohne alle Verstellung und Falschheit ist/ und dieser Erfahrung zufolge zeiget sich auf 'dem Gesichte ihrer Helden kein spizsindiger/ leichtfertiger oder listiger/ noch weniger höhnischer Blik/ sondern die Unschuld schwebet mit einer zuversichtlichen Stille auf demselben. Z. 12. In Vorstellung der Helden ist dem Künstler weniger als dem Dichter erlaubet: dieser kan sie malen nach ihren Zeiten/ wo die Leidenschaften nicht durch die Negirung/ oder durch den gekünstelten Wohlstand des LebenS/ geschwächet waren/ weil die angedichteten Eigenschaften zum Alter und zum Stande des Menschen/ zur Figur desselben aber keine nothwendige Verhältniß haben. Jener aber/ d'a er das Schönste in den schönsten Bildungen wählen 137. und mänliche Figuren Numero SZ. 92. 102. 189. Fea. 1) l'. m. v. 222. Me») e r. 2) 1^. 3. e. 63. X-t, i-o ev>i'9-k5 ( L 70 A Buch, Z Kap. 205 muß/ ist auf einen gewissen Grad des AusdrukS der Leidenschaften eingeschränket/ die der Bildung nicht nachtheilig werden soll. Z. 13. Von dieser Betrachtung kan man sich in zweien der schönsten Werke des Altertums überzeugen/ von welchen das eine ein Bild der Tod eSfurch t/ Has andere des höchsten Leidens und Schmerze n S ist. Die Töchter der Niobe / ^) auf welche D ia na ihre tödlichen Pfeile gerichtet / sind in dieser unbeschreiblichen Angst mit übertäubeter und erstarreter Empfindung vorgestellet, wen der gegenwärtige Tod der Seele alles Vermögen zu denken ninit; und von solcher cntseclcten Angst gibt die Fabel ein Bild durch die Verwandlung der Niobe in einen Felsen: daher fuhrete ÄfchyluS die Niobe stillschweigend auf in seinem Trauerspiele.^) Ein solcher Zustand / wo Empfindung und Überlegung aufhöret / und welcher der Gleichgültigkeit ähnlich ist/ verändert keine Züge der Gestalt und der Bildung; und der große Künstler konte Hier die höchste Schönheit bilden/ so wie er sie gebildet hat/ den Niobe und ihre Töchter sind und bleiben die höchsten Ideen derselben. K. 14. Laokoon ist ein Bild des empfindlichsten SchmerzenS/ welcher hier in allen Muskeln, Nerven und Adern wirket; das Geblüt ist in höchster Wallung durch den tödlichen Biß der Schlangen, und alle Theile des Körpers sind leidend und angestrengt auSgedrüket/ wodurch der Künstler alle Trieb- 1) Fea fezt hier „Niobe und ihre Töchter," anstatt: „die Tvckiter der Niobe/" welche Verbesserung sowohl dem Si»ne des Autors als auch dem, was" er in der vor lausigen Abhandlung (4 K. Z4 §>) sagt, angemessen ist. Me»e r. 2) Sckol. ad /Lscli)'!, prooietll, v. 4Z6. oos Geschichte der Kunst. federn der Natur sichtbar gemachet/ und seine hohe Wissenschaft und Kunst gezeiget hat. In Vorstellung dieses äussersten Leidens aber erscheinet der geprüfete Geist eines großen Mannes', der mit der Noth ringet/ und den AuSbruch der Empfindung einhalten und unterdrüken will/ wie ich in Beschreibung dieser Statue im zweiten Theile dem Leser habe suchen vor Augen zu stellen.^) Z. Zlnch den Philoktetes/ l)nocl ejnlül,», hiiestn, Aemitu, kremililius kcsonsi>clc> multrnn, tlebiles voces rckei-t, 2) haben die weisen Künstler mehr nach den Grundsäten der Weisheit/ als »ach dem Bilde der Dichter vorgestellet/ wie die Figuren dieses Helden in Marmor und geschnittenen Steinen/ welche ich in meinen nlten Denkmalen bekant gemachet habe/ «weisen. 2) Der rasende Ajax des berühmten Malers TimomachuS war nicht im Scl, lachten der Widder vorgestellet/ die er für Heerführer der Griechen ansah/ sondern nach geschehener That/ und da er zu sich selbst kam, und voller Verzweifelung und niedergeschlagen in äusserster Betrübniß sizend/ sein Vergehen überdachte. So ist derselbe t) cto B. l K. §.z 2) Vilnius <^ie. 60 k'in. I. 2. c. 29. Statt re5nnnn(Io wird hier besser resorlZllä» Mull,»! gelesen. Meyer. Z) lNumero jt». il?. 120.— Wege» t20 sehe man den §. 24 dieses Kapitels.) H) pliilostrot. vilz I. 2. c. zz. p, ^g. Daß die alte Kunst den Ajar auch in dem Zustand der Raserei vvraestellt, sehen wir aus einem Evigram in der gri ech i sch en A nth vlogie. t. Z. x. 21Z ». 29S.) Mever. 5 Buch, 3 Kap. 207 auf der sogenanten trojanischen Tafel imMu- seo Ca p i t o l i ii o i) und auf verschiedenen geschnittenen Steinen gebildet. Es findet sich aber dennoch eine alte Glaspaste/ die von einem Cameo genommen ist/ welche den Inhalt der Tragödie des Ajax vom Sophokles vorstellet/ nämlich den Ajax/ der einen grosien Widder tödet/ nebst zween Hirten und dem UlysseS/ welchem Pallas diese Wuth jenes seines Feindes zeiget. Dieses seltene Stük wird künftig in dem dritten Bande meiner Denkmale des Altertums erscheinen.^) Z. 16. Im weiblichen Geschlechte insbesondere befolgeten die Künstler den in allen bekanten Trauerspielen der Alten beobachteten und vom Aristoteles gelehreten Grundsaz: Weiber nicht so vorzustellen/ daß sie aus der Eigenschaft ihres Geschlechts gehen/ oder dieselben über die Maße herzhaft und grausam auszufü ren.^) In dieser Absicht/ wo der Mord des AgamemnonS abgebildet worden, erscheinet Klytemn ä stra bei dieser That wie von ferne, und in einem anderen Zimmer/ und hält nur die Fakel/ dem Mörder zu leuchten/ ohne Hand an ihren Gemahl zu legen. 5) Ein ähnliches Ver- >) HIus. Opitol. t> 4- tilv, 63. n. go. Man ließt darauf Fco. 2) ^Beschreib. d. ge schnitt. Steine/ 3 Kl. 3 ?lbth. 2S4 Num.1 Z) lDer dritte Vand, wie schon gesagt, ist nie erschienen.? 4) ?oet. c. i!i> p. 17. 5) sDenkmale, 2 Th. 27 K. <48 Num.Z Das erhobene Werk ist jenes im Palaste Giustinia- » i, dessen oben s5 B- 2 K. t? §.Z gedacht worden. Allein der Autor hat sich in der Bedeutung desselben geirrt, indem nicht die Ermordung Zlgamem- nons, sondern die vom Orestes am Ägisthus und an der Kl »temnästra genommene Rache vorgestellt ist, so» Geschichte der Kunst. httltniß hat es mit den Kindern der Medea/ in einem Gemälde des vorgcdachten TimomachuS, die unter dem Dolche ihrer Mutter lächelten, so daß ihre Wuth mit Mitleiden über die Unschuld ihrer Kinder vermischet war:^) und in Abbildungen eben und die Figur mit der Fakel kau keineswegs die Kl»temnästra sein, welche dem Mörder ihres Gemahls leuchtet, sondern es ist eine dem Orestes drohein de Furie. Me»er. t) Das von dem Autor angeführte Epigraui aus der griechischen Anthologie sagt keineswegs, daß die Kinder der Medea unter M den, Dolche ihrer Mutter lächelte».— In der ganzen Anthologie ist kein rinziges Gedicht über diesen Gegenstand/ worin jener schone Gedanke des Autors ausgesprochen wäre. Eben so wenig erinnern wir uns, in irgend einein andern griechischen Schriftsteller etwas gelesen zu haben, was des Autors Aussage bestätigen konte. — Medeas zwischen Nachsucht und Mutterliebe schwankenden Sin hatte Timomachus in seinem Gemälde unnachahmlich ausgedrükt, und dies wird von vielen Alten gerühmt; Vielleicht hat sich nur des Autors rege Phantasie jenen lächelnden Ausdruk in dem Gesichte der Kinder gedacht. Meyev. sEs ist eine sehr mißliche Sache, dem in den alten Auroren so belesenen Winckelmaii eine aus denselben angeführte Stelle streitig machen zu wollen. Freilich sindet sich der schöne Gedanke, daß Medeas Kinder vor dem Dolche gelächelt haben, nicht in der griechische Anthologie; aber doch in einem viel gelesenen griechischen Autor, und er ist kein Erzeugniß vonWin- ckclmaüs reger Phantasie. Lucian « ci-lU, zive >!e 6vn>o, n. Zi.) sagt: 'ii — Hätten die Herausgeber den Inhalt der früher» Bände wohl im Gedächtnisse gehabt, so würde ihnen ein- gefallen fein, daß dieser Gedanke in einer Note von Fea 5 Buch/ 3 Kap. 20!) dieser That in Marmor ist Medea noch wie in Zweifel über die Ausführung dieser Nache. i) §.17. Nach ähnliche» Grundsäzen suchetett die weisesten unter den alten Künstlern das Ungestaltete zu vermeiden/ und entferneten sich viel eher von der Wahrheit der Bilder/ als von der Schönheit/ wie dieses unter anderen an der Hekuba auf einem erhobenen Werke meiner Denkmale des Altertums zu bemerken ist. 2) Den da diese betagete Königin von Troja insgemein / und insbesondere in ihrer Statue im Museo Capitolinv/ und auf einer zerstümmelten erhobenen Arbeit in der Abtei Grotta Ferrata/ voll von Runzeln im Gesichte/ und auf einem anderen Marmor/ in der Villa Panfi- li/ welcher gleichfalls in dem dritten Bandes gedachter Denkmale erscheinen wird/ mit langen, schlaffen und hängenden Brüsten gebildet ist: so siehet man dieselbe auf dem zuerst gemeldeten Werke als eine Frau, die kaum an dieRükkehr ihrer Blüthe gelanget ist. Mit eben dieser Betrachtung will auf dem angeführeten schönsten irdenen Gefäße der hamilto nischen Samluug die Figur der Medea beurtheilt werde»/ indem dieselbe nicht älter als ihre Tochter gebildet ist. ß. 18. Berühmte Männer und regirende Personen sind in einer würdigen Fassung vorgestellet/ und wie dieselben vor den Augen aller Welt erscheinen würden. Die Statuen römischer Kaiserine-n gleichen vorgekommen/ in den Anmerkungen über die Baukunst der Alten, im 2 K. 25 §.I 1) lDenk male/ Numero 2) sNumero 1^5>) S) dieser Band nie erschiene»/ist mehnnal erwähnt Z 9,* 2lo Geschichte der Kunst. Heldinen, entfernet von aller gekünstelten Artigkeit in Gebärden, Stande lind Handlungen: wir sehen in ihnen gleichsam die sittliche Weisheit / welche Plato für keinen Vorwurf der Sinne hält. So wie die zwo berühmten Schulen der alten Weltweisen in einem der Natur gemäßen Leben, die Stoiker in dem Wohlstände, das höchste Gut sezeten: so war auch hier ihrer Künstler Beobachtung auf die Wirkungen der sich selbst gelassenen Natur, und auf die Wohlanständigkeit gerichtet. §. 19. Die römischen Kaiser erscheinen allezeit auf ihren öffentlichen Denkmalen als die ersten unter ihren Bürgern, ohne monarchischen Stolz, wie mit gleich ausgetheileten Vorrechten begäbet den die umstehenden Figuren scheinen ihrem Herrn gleich zu sein, als welchen man nur durch die vornehmste Handlung, die ihm gegeben ist, von anderen unterscheidet. Niemand, der dem Kaiser etwas überreichet, verrichtet es fußfällig, die gefangenen Könige ausgenommen, und niemand redet sie an mit gebeugetem Leibe oder Haupte; und obgleich die Schmeichelei sehr weit ging, wie wir vom Tibe- ri u S wissen, dem der römische Senat zu Füßen siel:') erhob dennoch die Kunst ihr Haupt, wie sie es gethan hatte, da dieselbe in Athen zu ihrer Höhe stiegt) 1) 8uet. !a l'ider. c. 24. 2) Daß die Alten, selbst die Von hohem Stande, sich auf die Kniee warfen, besonders nm eine Gnade von einem andern zu erflehen, zeigt sich an mehreren erhaltenen Denkmalen. In dem Bruchstuke eines alte» Denkmals, welches früher Bianchini besaß und daS jezo in das Museum von Verona gekommen (vloiilk>uc.^ntis,.cxpl. Luppl. t. 4. ZL. p. 64. k'oAAttü AIus. t. 4. tav. 66. il> sine, p. 356.), ist Chr»ses, was der darunter geschriebene Name anzeigt, vorgestellt, wie er vor dem Agamemnon und den andern griechischen Anführern 6 Buch/ 3 Kap. 2ti Ich habe gesaget/ daß ich hier die Gefangenen ausnehme/ weil ich von übrig gebliebenen Denkmalen rede: den ausserdem wissen wir/ daß auch unbe- zwungene Könige römischen Heerführern diese Unter- Mnigkeit bezeuget haben/ wie PlutarchuS vom Tigranes/ Könige in Armenien, berichtet. Da dieser freiwillig zum Pompejus kam/ stieg er vor dem römischen Lager von seinem Pferde/ nahm seinen Degen von der Achsel/ und übergab denselben den beiden Äietvren/ die ihm entgegenkamen; ja/ da er vor dem Pompejus erschien/ legete er seine Müze zu dessen Füßen/ und warf sich selbst nieder. K. 20. Wie sehr man wider die eben angezeigete Betrachtung in neueren Zeiten gehandelt habe, zeiget unter anderen Beispielen/ die ich anführen kön- te/ ein großes erhobenes Werk an der Fontana Tre- vi zu Rom/ welches vor wenigen Jahren gemachct ist/ und den Baumeister dieses Gewässers vorstellet/ wie er den Plan dieser Wasserleitung dem MarcuS Agrippa überreichet/ und zwar mit einem gebogenen Knie; ich will nicht anführen/ daß dieser be- auf den Knieen liegt; flehend/ ihm seine Tochter für das angebotene Lösegeld wiederzugeben. Priamus (Denkmale, Numero liegt auf den Knieen vor dcm Achilles, im Begriffe ihm die Hand zu küssen, damit . er die Leiche des Hektars ausliefere. Eden fo ist Priamus vorgestellt auf andern Denkmalen. iEben- daf.Num.tZ5. Aus. Lupito!. t. 4. tuv. 4,) Auf einem Hohrelief i»l Camvidoglio lönrtuU ^I>. Z2.) liegen die Abgesandten fremder Provinzen uud Völker zu den Fußen des M. Aurelius. (0>v Lass. I. 71. c. 11.) F e a. Durch diese Anmerkung ist der Autor keineswegs widerlegt, indem er nur von Griechen und Römern redet, und die Besiegten und Gefangenen auönimt. M e » e r. >) In?onixc>. L'7 i«. 23^ 212 Geschichte der Kunst. rühmte Nömer einen langen Bart hat/ dessen Bild- nissen zuwider, die sich sowohl auf Münzen als in Marmor von ihm finden, l) §.21. Den Grundsäzen der alten Künstler von dem Wohlstande zufolge/ kan ich mich nicht überreden/ daß unter den Figuren an dem Fronton des Tempels der Pal las zu Athen Kaiser Hadrianus vorgestellet sei/ wie er eine weibliche Figur umfasset/ welches uns Pococke versichert.-) Dieses würde wider die Würdigkeit eines Kaisers und des OrtS gedacht sein/ und ich glaube nicht/ daß weder HadrianuS noch dessen Gemahlin Gabi na hier abgebildet worden/ welches Svon zuerst will ent- deket Habens) den in Kentniß dieser Art getraue ich mich nicht/ diesem Seribenten nachzusprechen. §.22. Hier ist auch zu erwägen/ daß überhaupt alle ausgelassene Leidenschaften sonderlich ans öffentlichen Werken der Kunst verbannet waren/ und daß in öffentlichen Denkmalen derjenige AuS- druk der Leidenschaften nicht statt finde/ welcher ausser demselben in anderen nicht öffentlichen Werken sehr anständig sein kan. Und dieses als bewiesen angenommen / kan zugleich als eine Negel diene»/ untergeschobene Betrügereien von dem wahren Altertume zu unterscheiden / wie man dieses anwenden kan bei einer Münze beim Occo und Mez- zabarba/4) auf welcher ein Assyrier und eine Assyrien»/ an einem Palmbaume gebunden / erscheine»/ 1) M. Agrivpa hat aus diesem Werke keinen Bart; wohl aber der Baumeister und ein Soldat. Fea. 2) Oescrip!. of tlie Las!, vol. 2. xsrt. 2. z>. i6Z> Z) t. 2. 112. 4) Valois, Okserv. 8ur 1e8 mvtZ. cle »5». les Nein. 6s t. 16. 6 Buch, 3 Kap. 213 die beide sich die Haare ausraufen wollen, mit der Umschrift: ^ssr^, xr. i», ?^L. s. c, Ein Münzverständiger hat die Betrügerei dieser Münze suchen zu erweisen durch das Wort p»l!>-sull!>, welches nach dessen Angeben auf keiner einzigen lateinischen römischen Münze gefun- den wird; es hätte aber auch diese gelehrte Untersuchung durch jene Bemerkung geschehen können. Den ich lasse dahin gestellet sein, ob eine Person, ich will nicht sagen mänlichen, sondern weiblichen Geschlechts, auf einem Gemälde, in großer Betrübniß und Verzweifelung sich die Haare ausraufend köiite vorgestellet werden: aber einer symbolischen Figur auf einer Münze würde dieses so wenig als an einem öffentlichen Denkmale, einem Triumphbogen und in Gesellschaft der Hauptfiguren eines solchen Werks wohlanständig gedacht heissen können, und würde, wie die Griechen sagen, nicht t) Dock, ist das Basrelief im Mnseo Cavitolino (t. 4. wv.40.) keine modern?/ sondern eine wirklich alte Arbeit, wen es gleichwohl der ausfeilende» Hand des Künstlers entbehrte. Aus demselben ist das Verbrenne» eines Leichnams vorgestellt; und Foggini meinet, des Meleagers. Hier zeigen einige Frauen in verschiedenen Stellungen den äussersten Schmerz; eine steht mit aufgehobenen Händen und mit einem höchst schmerz- lichen Blik^ eine andere, in der Nähe des Scheiterhaufens, reißt sich mit beiden Händen die Haare aus; eine andere durchbohrt stch mit einem Dolche die Brust: — — 6iri sidi conzcia kacli ürcgit xosnas aoto per viscera tei -ro. Ovi. 2.) eben so die Eroberung von Germanien (t. >21. n> 6.)/ von Sarmatie» 12S. ». 10.); »nd Von Dacie» auf eittei» schönen Basrelief unter der Statue der koniü iriu»>pl>an« im Palaste der Conser- vatori im Campidoglio. Dennocli wage ich es nicht, die Ächtheit der von dem Autor angefüllten Münze in Zweifel zu stellen, weil täglich alte Münzen von bisher un- bekantem Gepräge gesunden werden. Fea. 2) 'l'ro!»!. v. /jog — /j>o. Man Verglkiche iie vorläufige Abhandlung, >> K. ZZ §.^I 5 Buch/ 3 Kap. 213 nigcm/ sondern Wenig mit Viel angedeutet haben, welches die Alten ------.oci/H-v?---»? nennen würden/ , und von ihren Auslegern würde erklarer worden sein ?-s oder : der unzeitig den Thyrsus gebraucht/ oder mit demselben erscheinet/ nämlich auf der Schaubühne/ weil nur allein die tragischen Personen den Thyrsus zu führen pflegeten; folglich bedeutet dieses Wort jemand/ der in Sachen soceo Iiis coUiurao inceclit, und Sachen über ihr Gebür aufblähet. Ich schiebe diese Erklärung hier ei»/ weil ich glaube/ daß die eigentliche Bedeutung des Worts von den Auslegern des Longi- ' nus nicht gegeben worden sei;') unterdessen könte dieses Wort das Tadelhafte in dem AuSdruke der mehresten neueren Künstler bezeichnen. Den ihre Figuren sind in ihren Handlungen wie die Comici auf den Schaupläzen der Alten / welche / um sich bei Hellem Tage auch dem Geringsten vom Pöbel an dem äussersten Ende verständlich zu mache»/ die Wahrheit über ihre Gränzen aufblähen'müßen / und der Aus- druk des Gesichts gleichet den Masken der Alten/ die aus eben dem Grunde ungestaltet waren. Dieser übertriebene Ausdruk wird selbst in einer Schrift/ die in den Händen junger Anfänger in der Kunst ist/ gelehret/ nämlich in Karls le Brün Abhandlung von den Leidenschaften. In den Zeichnungen zu denselben ist nicht allein der äusserste Grad der Leidenschaften in die Gesichter geleget/ sondern in etlichen sind dieselben bis zur Raserei vorgestellet. Man glaubet den AuSdruk zu lehren auf die Art/ wie Diogenes lebete: -) „ ich mache es> sagetc >) Iilinx'in Lttlzlim. üect, z. p, I2> lMnn vergleiche im t B^uidc Z2 S>Z 2) Oinx, I.aerl, I. 6cct. j>. ZZ2. 216 Geschichte der Kunst. „ er/ wie die Musici/ welche/ um in den rechten Ton „ zu kommen / im Anstimmen hoch angeben. " Aber da die feurige Jugend geneigter ist/ die äussersten Enden/ als das Mittel zu ergreifen/ so wird sie auf diesem Wege schwerlich in den wahren Ton kommen/ da es schwer ist/ dieselbe darin zu erhalten. Den hier verhält es sich wie mit den Leidenschaften selbst/ die/ wie Cbrysipvus der Stoiker lehrete- dem Lause von jähen/ steilen Orten ähnlich sind/ welcher/ wen man einmal in'S Lausen gekommen/ sich weder aushalten lässet/ noch zurükzukehren verstattet;') den da/ wie H or a tiuS saget/ die Seelen selbst in den elysischen Feldern weniger auf die zärtlichen Gedichte der Sappho als des AleäuS aufmerksam sind/ weil dieser von Schlachten und von verjagten Tyrannen singet: -^) sind wir von Jugend auf mehr vom wilden Getümmel und vom tobenden Geräusche/ als von friedlichen Begebenheiten und vom stillen Wandel der Weisheit eingenommen; daher der zunge Zeichner williger vvm MarS in das Schlachtfeld als von der Pallas zu einer stillen Gesellschaft der Weisen gesühret wird. Die Lehre der Ruhe und Stille in Entwerfung der Bilder ist diesem / wie aller Jugend die Lehre der Tugend/ widersinnig/ aber nothwendig; und so wie nach dem HippokrateS die Genesung des Fußes die Ruhe ist:^) muß dieselbe auch bei solchen Künstlern bei der Ruhe anfangen. Z. 2/i. Eben so wenig findet sich in einem ruhigen Stande alter Figuren die bei den neuerm 1) Oell. I. 6. c. 2. n. n. Melier 2) 1^.2. carm. i3. v. Fea. 3) dem Buche cie (t. 3. p. II.?. p!ers?)) wird die Nuhe und bequeme Lage für alle kranken Glie» der als ersoderlich angegeben.! 5 Buch/o Kap. 217 Michc tanzmeistermäßige Gratie angebracht/ die den rükstehenden Fuß vielmals auf den Zehen allein ruhen lässet / als welcher bei den Alten nur im Schreiten oder Laufen/ niemals aber in der Ruhe/ also stehet. Wen aber Philoktetes auf einer erhobenen Arbeit/ die ich besize, und in den alten Denkmalen beigebracht habe/i) den rechten Fuß also hält / ist dadurch dessen Schmer; von dem Bisse der Schlange ausgedrillet/ welcher ihm nicht erlaubet/ auf denselben zu treten. §. 26. Diese Kentnisse und Betrachtungen über die Action sind bei denen/ welche anfangen/ Werke der Kunst zu untersuchen / in gewisser Maße nöthiger zu achten/ als selbst die Begriffe der Schönheit/ weil jene begreiflicher/ auch für diejenigen faßlicher sind/ die die Empfindung des Schönen nicht im hohen Grade haben. Hier ist in Vergleichung alter und neuer Werke der Unterschied so deutlich/ daß diese das Gegentheil von jenen zu sein scheinen/ und ein jeder wird gewahr/ daß die mehresten neueren Künstler/ sonderlich Bildhauer/ nach entgegen- gesezeten selbst entworfenen Regeln gearbeitet haben. Diese haben mit solchen Grundsäzen die Kunst zu verbessern in guter Zuversicht geglaubet/ und haben sich eingebildet/ daß dieselbe/ wie verschiedene andere Künste/ in der Action nicht zu ihrer völligen Feinheit gelanget sei. Eben daher sind die Nachfolger des RaphaelS von demselben abgegangen/ und die .Einfalt/ in welcher er die Alten nachgeahmet/ ist t) INnmero Sie kam »ach des Autors Ableben in die Villa Albani. Eine richtigere Abbildung findet man in den Nonuniens >Iu HIu5>:e , l. 4. pl. i>. wo aber Wiuckelnians Auslegung mir Gründen bestritten «und.das Werk <ür die Vorstellung eines Opfers andie Miner v a ausgegeben wird. M e>> e r« Winckelma». Ie l^cacl, «les Inscrixt. t. 5. p. iZZ. Z) Zlus dem Zusammenhange geht hervor, baß es, anstatt „den bcriihmte» Kopf der Klugheit/ heissen muß: „den berühmten Kovs der Gerechtigkeit/" den jene ist bejahrt vorgestellet/ und obwohl gut gearbeitet/ doch eben nicht in großem ?lnsehen; diese aber ist ei» berühmtes Werk/ jung/ schö»/ von verbuhlten Minen mid noch dazu ein wenig nakter als billig ist; weswegen man ihr aus christlicher Ehrbarkeit/ und weil einst ein Spanier sich in sie verliebt haben soll/ ein Gewand von Bronze gegeben / welches aber für Liebhaber von Nu- ditäten gegen eine Erkentlichkeit abgeschraubt werden kai>, Meuer. sMan vcrxleichc die Briefe an Biancvni/ §. 40.Z S2S Geschichte der Kunst. lcr, ferner den Kopf der bcschriccncn h. Susan na von Fiammingv/ und den von der h. Bibi- ana des' Bcrnini/^) als welche Statue allezeit angeführet wird vo» denen/ die diesen Künstler erheben wollen. Derjenige/ dem eS zu hart fcheinct, wen ich an einem andern Orte mich merken lassen, !) Die l>. Susanna des Fravz Quesnoy, genailt Fiammingo/ steht in der Kirche Madonna di Lo- rctto zu Rom, und ist eine marmorne Statue etwa in Lebensgröße oder wenig darüber; Kroue und Zepter liegen zu ihren Füßen, in der Rechten hält sie einen Palnizweig, und mit der Linken soll sie vermuthlich auf Kroue und Zepter zeige», sie weist aber eigentlich darüber hinaus. Die Arbeit an diesem Werke ist sehr sorgfältig ; der Styl der Formen neigt sich zum Zarten, Schönen, Edlen; die Zeichnung ist wohl verstanden, die Verhältnisse uutade- lich, der Kops von reizenden Zügen, die Wendung der Figur sehr angenehm. Das Gewand hat im Ganzen eine hübsche Anlage, nur sind die Massen nicht rein und rnhig genug. M«»er. S) Die Statue der h. Bibiana steht zu Rom in der Kir, che dieses Namcns, und wird sur das Meisierstük des Lorenzo BerniAi gehalten. Es ist eine ungefähr lebensgroße Figur aus weissem Marmor, äusserst fleissig gearbeitet, geglättet, unterhöhlt; die Fleischparthicn uuge- inein weich und zart behandelt. Nimt man Rücksicht aus die Erfindung an diesem Werke, so ist solche im Grunde poetisch und gut: der Künstler wollte seine Heilige vorstellen, gen Himmel sehend mit Entzüken und Freude in» Genusse der Seligkeit; aber dieser Gedanke ist nicht mit der erfoderlickien Würde ausgeführt; es erscheint in der h. Bibiana nichts weiter als eine reizende jugendliche Figur, mit hübschem Gesichte und zierlichen Händen, die aber durch ihre Wendung und Züge mehr irdisches Wohlsein und Vergnügen, als die fromme Freude einer Heiligen ausdrükr, DaZ Gewand ist artig angegeben, hat aber nach des MMcrZ gewohnter Weise sehr unordentliche/ tiefe Falten. N!e»er> s Buch/ Z Kap. 22 t daß Michael Angelo die Brüke zu dem verderbten Geschmake auch in der Bildhauerei angeleget und gebauet/ betrachte unter anderen dessen erhobene Arbeit in Marmor/ bei dem Bildhauer Herr» Bartholomä Cavacepvi/ welche den Apollo vorstellet/ wie er den Marsyas schindet. Dieses Werk ist das Gegentheil von allem guten Geschmake/ und mein Urtheil kau ich besonders rechtfertigen im Angesichte der Modelle dieses großen Künstlers, von denen eben dieser Bildhauer eine seltene Samlung gemachet hat: den diese offenbaren dessen Geist am deutlichsten/ und eS zeiget sich überall dessen Wildheit. Wie unvollkommene Begriffe der berühmt« Algardi von der jugendlichen Schönheit gehabt habe/ beweiset dessen bekaüteS erhobenes Werk der h. Agiiesc/ in der Kirche gleiches Namens, am 4) Aus der Kirche leitet eine Treve hinunter in die Gewölber, nio das Wunder sich sott ereignet haben, daß der h, Aguese die Haare augeubliklich in solcher Fülle und Länge gewachsen, als nöthig war, um ihre Naktheit zu bedeken. Es sind kleine Kammern, welche wie ein altes Bad aussehen; im Fußboden der einen Kammer befinden sich noch Sinke von antik scheinender grober Mnsaik nebft Resten von Inschriften, welche von Grabmalen herrühren. Hier steht auf dem Altare zunächst an der Trepe das erhobene Werk von Algardi, dessen der Autor.gedenkt, und stellt das erwähnte Wunder der schnell gewachsenen Haare vor. Die Heilige geht zwischen Soldaten gebükt einher, die Hände kreuzweise über die Brust geschlagen, welche sie damit verbergen will. Rüken und Sckooß sind mit den lang Vom Haupte herabfließenden Haaren bedekt; der vor ihr her gehende Soldat wendet sich gegen sie um mit er- grimten Bliken; zwei andere Soldaten, welche nachfolgen, sehen gleichgültiger aus. Im Betracht der Erfindung und Anordnung hat .Algardi an diesem Werk eben keinen großen Auswand gemacht, aber die sämtlichen Figuren sind gut gezeichnet und weich behandelt; die Hei- 222 Geschichte der Kunst. Plaze Navona; den die Figur der Heiligen ist vielmehr häßlich als' schön/ ja/ der Kopf ist schief gezeichnet/ und dennoch ist die Gypssorm dieses Stiiks ,n der französischen Akademie zu Rom zum Studio ausgehänget. §. 28. Mit der Malerei der neueren Zeit verhält es sich verschieden von der Bildhauerei/ und jener ist die Vergleichung mit den Bildern der Alten nicht in gleichem Grade nachtheilig. Die Ursache ist vermuthlich/ weil die Malerei seit ihrer Wiederherstellung mehr als die Bildhauerei geiibet worden/ und folglich weniger in dieser als in jener Kunst sich große Meister zu bilden Gelegenheit gehabt haben. Leonardo da Vinci und Andrea del Sartv/ welche wenige Werke der Alten zu sehen Gelegenheit hatten/ dachten und arbeiteten/ wie wir uns die griechischen Maler vorstellen müßen/ und Christus mit den Pharisäern/ von der Hand des ersteren/^) ist wie die Madonna del i Saceo von dem lezteren/ zu Florenz/ des Altertums würdigt) Ja/ in des Andrea Köpfen ist soviel lige hat ein liebliches Profil aber etwas derbe Glieder und ist gegen die Soldaten vielleicht ein wenig zu klein gerathen; diese sind gute Figuren, im Gefchmake derer, die auf römischen Denkmalen vorkommen. Me»er. t) Dieses berühmte Bild mit Halbfignren befand sich sonst in der Galerie Borg Hefe A l d o b r a n d i n i zu Rom, und soll nun in England sei». Die reine Form und der Ausdruk am jungen Christus ist gauz vortreflich; die Kopfe der Pharisäer voll Charakter und wie belebt; auch das Colorit erscheint hier muntcrer und blühender als in andern Werken von da Vinci, Me»er. 2) Die fogenailte Madonna del Sacco ist im Kreuz- gange des Klosters della S, Annnnziata in einer s Lunette über der Thüre/ welche in die Kirche fuhrt, al frcfco gemalt. Andrea del Sarto hat, wie es 5 Buch/ Z Kap. Unschuld und wahre anerschaffene Gratie/ daß ein Pythagoräer sagen wurde/ es habe die Seele des Proto genes oder des Apelles in dessen Körper ihre Wohnung genommen. Man kan überhaupt sagen/ daß in der goldenen Zeit der Kunst/ zu Anfange des sechzehenten Jahrhunderts die Gra- tie den Malern sich mehr als ihren Nachfolgern geoffenbaret habe. Im Annibal Caracci wurde scheint, <» derselben eine ruhende heilige Familie ans der Flucht nach Ägypten vorstellen wollen, Sanet Joseph sizt darum an einen Sak gelehnt hinter der Madonna, und liest aus einem großen Buche, in welches er mit ausgestrektem Zeigefinger der rechten Hand aus die nun fast erloschenen Worte: In «lieku« llcrocles i-egi-i elc> deutet, der Madonna vor; diese horcht ans, saßt und zeigt mit ihrer Rechten ans das Cristus- kind: das sei der Heiland; das Christuskind selbst schreiiet über der Mutter Knie dem h. Joseph entgegen, und segnet ihn. Die Anordnung dieser drei mehr als lebensgroßen Figuren zur Grupe ist zwar gut, wiewohl keines der vollkommensten Muster, indem sich Hände und Arme zu sehr ans einen Flek Hausen: die Zeichnung von mächtigem Sti>l, der Ausdruk edel, mehr würdig und groß als zärtlich. Die meisterhaste Behandlung hält das rechte Mittel zwischen übermäßigem Fleiß und Nachlässigkeit; die Beleuchtung geschieht in großen Massen; das Colorit muß ursprünglich unge- mein lebbast gewesen sein, und ist noch i'ezo heiter und srenndlich genug; die zierlichen Falten sind nach der spätern Weise des Meisters etwas zu scbars gebrochen. Dieses Gemälde ist laut der aus demselben stehenden Jahrzahl l520 gemalt; ein Umstand, welcher verdient ange- sührt zu werden, weil Andrea del Sarto, durch Michel Angelos Werke veranlaßt, iiber die zarte Anmuth, die i» seinen frühern Arbeiten herscbt, hinausgegangen, einen größer» Stnl angenommen, und von diesem zuweilen gar in's Manirirte verfalle», wovon man selbst in der Madonna del Sacco einige Spuren gewahr wird, Meper. 524 Geschichte der Kunst. dieser Geist nach langer Zeit von neuem erweket, und von der Würdigkeit seines' Denkens zeuget unter andern unsterblichen Werken desselben der Leichnam des erblasseten Christus in der königlichen farnesischen Galerie zu Neapel/ von welchem das Altarblatt in der Hauscapelle des Palastes Panfili al Corso, zu Rom/ eine Wiederholung des Meisters selbst zu sein scheinet. Caracci l>at den Heiland als einen jungen Helden ohne Vart gebildet/ und demselben eine hohe Jdea gegeben/ die er von den schönsten Köpfen der Alten genommen hat/ um den Schönsten der Menschenkinder vorzustellen. Ein ähnliches heidenmäßiges Gesicht/ ohne Vart/ hatGuerei no seinem verstorbenen Ch ri- stusin einem schönen Gemälde des Palastes Panfili/ auf dem Plaze Navona gegeben/ zu Beschämung der niedrigen und pöbelhaften Gestalt des Heilandes jn dessen Köpfen von Michael Angelo. t? Die fogenante Pieta des Annibal Caracci ist ii» der That eines der schönsten Bilder dieses Meisters; es stellt die Maria mit dem Leichname Cliristi im S-booße, und zwei kleine weinende Enqel Vor. Gru- Virung, Zeichnung und Ausdruk sind herlich, groß, kräftig, rein, und das starke etwas düstere Colorit, dessen sich der Meister in seinen srübern Jahren bediente, vaßt zu dem tragischen Gegenstand. Ausser dem Gemälde zu Capo di Monte in Neavel, welches für das ursprüngliche gilt, und der Wiederholung im Palaste Panfili zu Nom, gibt es »och mehrere andere dergleichen Bilder, welche ebenfalls für Wiederholungen des Meisters selbst wol» len gehalten sei» ; ei»e berühmte und zuverläßig ächte, wo aber auf beiden Seiten der Hauptgruve Maria Mag- dalena und der heilige Francifcus hinzugefugt st»d, befindet sich in der Kirche S. Francesco a Niva zu Rom; eine nur die Hauptgrupe enthaltende, im Palaste Nospigliosi; »och andere, ausser Italien. M e»e r. 5 Buch/ 3 Kap. 225 ß. 29. Zur Ehre unserer Zeiten aber muß ich bekennen/ daß die Kentniß des Schönen sich nicht weniger als die Vernunft ausgebreitet hat/ und dieses ist vornehmlich von der Bildhauerei zu behaupten. Unsere römischen Künstler werden aus Bescheidenheit in der Wissenschaft sich nicht neben einen Buonarroti zu stellen getrauen; den dieses Ziel ist schwer/ aber nicht unmöglich zu erreichen. Hingegen in schönen Bildungen/ Formen und Ideen sind einige unter uns weit über alle ihre Vorgänger in neueren Zeiten. Die Ursache ist eine strengere Befolgung der alten Werke/ die seit wenigen Jahren das Augenmerk unserer Bildhauer geworden sind/ nachdem ihnen die Deke vor den Augen weggefallen. Hierzu bat der gute Geschmak und die Kiebe zur Kunst/ die in Engeland ein Trieb der Ehrbegierdc geworden ist/ und auch in unserem Vaterlande sich auf den Thron erhebet/ das mehreste beigetragen. Den da von unseren Künstlern Copien alter Werke verlanget worden/ sind dieselben dadurch auf die Nachahmung der Alten mehr eingeschränket worden> anstatt daß vor dieser Zeit die Kunst in Rom fast allein den Kirchen und den Mönchen gewidmet war, wo der alg ardische und der berni nische Styl ihnen das Evangelium predigte. V i e v t e s Kapitel. §. Nach der allgemeinen Betrachtung der Schönheit ist zum ersten von der Proportion, und zum zweiten von der Schönheit einzelner Theile des menschlichen Körpers zu reden. Die Schönheit kan zwar ohne Proportion nicht gedacht werden, und diese ist der Grund von jener; da aber einzelne Theile des menschlichen Körpers schön gebildet sein können ohne schönes Verhältniß der ganzen Figur: so kan man füglich über die Proportion/ als über einen abgesonderten Begrif und ausser dem Geistigen der Schönheit/ besondere Bemerkun« gen machen/ die ich nebst einigen Gedanke» von der i Gratie an die Zusäze von der Schönheit überhaupt >> hier anhänge. §. 2. So wie nun die Gesundheit ohne anderes Vergnügen kein großes Glük scheinet- so ist/ eine Figur schön zu zeichnen/ nicht hinlänglich/ daß dieselbe in der Proportion richtig sei; und so wie die Wissenschaft von gutem Geschmake und von Empfindung gänzlich entfernet sein kan / eben so kan die Proportion/ welche auf dem Wissen bestehet/ in einer Figur ohne Tadel sein/ ohne daß dieselbe dadurch schön ist. Viele Künstler find gelehret in der Proportion/ aber wenige haben Schönheiten hervorgebracht/ weil hier der Geist und das Gefühl mehr als der Kopf arbeitet. Da nun das Hdealische der Schönheit von den alten Künstlern als das höhere ^ Theil derselben betrachtet worden/ so haben sie dieser die bestimten Verhältnisse unterworfen/ und diese s Buch/ 4 Kap. 227 jener gleichsam zugewäget mit einiger Freiheit, die zu entschuldigen ist/ weii es mit Grunde geschehen. Z. E. die Brust von der Halsgrube bis an die Herzgrube/ die nur eine Gesichtslänge halten sollte, ist mehrentheilS/ um der Brust eine prächtige Erhoben- beit zu geben/ einen Zoll, und vielmals noch länger. Eben so verhält eS sich mit dem Theile von der Herzgrube bis an den Nabel/ welcher/ um die Figur geschlank zu machen/ mehr als ihre gewöhnliche Gesichtslänge hat/ so wie es sich auch in der Natur schöner wohlgewachsener Menschen findet. §. 3. Der Bau des menschlichen Körpers bestehet aus der dritten/ als der ersten ungleiche» Zahl/ welches die erste Verhältnißzahl ist: den sie enthält die erste gerade Zahl/ und eine andere in sich/ welche beide mit einander verbindet. Zwei Dinge können/ wie Plato saget/l) ohne ein drittes nicht bestehen; das beste Band ist dasjenige / welches sich selbst und das Verbundene auf das beste zu Eins machet/ so daß sich das erste zu dem zweiten verhält/ wie dieses zu dem mittlern. Daher ist in dieser Zahl Ansang/ Mittel und Ende/ und durch die Zahl Drei/ welche für die vollkommenste gehalten wurdet) sind, wie die Pythagoräer lehren, alle Dinge bestimmet; ja/ es hat unsere Statur selbst mit derselben ein Verhältniß; den man bat bemerket, daß im dritten Jahre der Mensch die Hälfte seiner Größe erreichet hat. 4) Z. 4. Der Körper sowohl als die vornehmsten Glieder haben drei Theile: an jenem sind es der Leib, die Schenkel/ und die Beine; das Untertheil >) In sx. 477. e>1!t. Laz.Z p. Zl. 2) pluturcli, i>> k'ali. Ni>,. p. 176. 1^-4- cxli-,) Z) ^,'iswt. I. c. l> x. 6>o. 4) l>Iin, I, 7, e. ist. sect. >5. snnc. 228 Geschichte der Kunst. sind die Schenkel/ die Beine lind Füße; und so verhält es sich mit den Armen, Händen und Fußen. Eben dieses ließe sich von einigen andern Theilen/ welche nicht so deutlich aus dreien zusammengesezet sind/ zeigen. Das Verhältniß unter diesen drei Theilen ist im Ganzen wie in dessen Theilen, und es wird sich an wohlgebaueten Menschen der Leib/ nebst dem Kopse/ zn den Schenkeln und Beinen mit den Füßen verhalte»/ wie sich die Schenkel zu den Beinen und Füßen/ und wie sich der obere Arm zu dem Ellenbogen und zn der Hand verhält. Eben so hat das Gesicht drei Theile/ nämlich dreimal die Länge der Nase; aber der Kopf hat nicht vier Nase»/ wie einige sehr irrig lehren wollen. ">) Der obere Theil des KopsS/ nämlich die Höhe von dem Haarwachse an bis auf den Wirbel/ senkrecht genommen/ hat nur drei Viertheile von der Länge der Nase/ das ist: eS verhält sich dieses Theil zu der Nase wie neun zu zwölf. ß. 5. Wen wir mit dem VitrnviuS annehmen/ daß in der Baukunst die Proportion der Säulen von dem Verhältnisse des menschlichen Körpers genommen worden/ und daß sich der Durchmesser des unteren Schafts der Säulen zu ihrer Höhe verhalte wie der Fuß zu dem ganzen Körper: so könte dieses nicht von der Natur selbst/ sondern von abgebildeten Figuren gelten. Dcii an den ältesten Säulen sowohl in Großgriechenland und Sicilieii/ als auch in Griechenland selbst/ findet sich dieses Verhältniß nicht/ und die mehresten sind kaum fünf Durchmesser ihres unteren Schafts hoch. Da nu» 1) Watelet, NMex. sur la xeint. x. 65. 2) I.. 3. c. 1. §. 4. Z) lMan vergleiche die An merk. üb. d. Vcrukunsi d. Alten. §. 31. u. f.) 5 Buch/ ä Kap. 259 ,„if einigen uralten hctrurifchen Werken der Kopf ün der Figur ein geringeres' Verhältniß hat/ als eS der Natur gemäß ist/ wie ich im vorigen Kapitel bei dem geschnittenen Steine der fünf Helden wider Theben angezeiget habe: ^) so muß man entweder sagen/ daß die Proportion der Säulen mcht nach der Natur bestimmet worden/ oder es findet nicht statt/ waSVitruviuS vorgibt; und dieses ist meine Meinung. ES würde auch dieser römische Baumeister/ wen er an das Verhältniß der ältesten dorischen Säulen gedacht hätte/ als welche ren der sogenanten hetrurischen oder eigentlich nltgri e chi sch e n Denkmale isi beständig der Kovf im Verbältniß zur Figur größer, wie im ^ Buche be- jn?rkt und durch Beispiele bewies«, wsrden. Meyer. Geschichte der Kunst. re/ welches sich deutlich an den Köpfen der Niobe zeiget / i) und noch deutlicher an einigen fast kolos« salischen Köpfen / wie dergleichen von einer bestickten Person bei dem Bildhauer Cavaceppi ist. Eine Bemerkung aber/ die der unsterbliche Grav CayluS von den Köpfen alter Figuren machet/^) nämlich daß dieselben insgemein sehr groß und stark sind/ hat/ so viel ich urtheilen kan/ keinen Grund. ES saget derselbe dieses bei Gelegenheit des Urtheils des Plinius über den ZeuxiS und über den En- phranor/ deren Köpfe und Gelenke stark gewesen sein sollen. Dieses Urtheil hätte von jenem berühmten Manne ohne Erläuterung als wenig bedeutend Übergängen werden sollen / sonderlich da einem jeden/ der die Werke des Altertums mit Aufmerksamkeit betrachtet/ das Gegentheil deutlich erscheinet. Den woher ist die ungereimte Sage entstanden/ daß der Kopf des farne fischen Herkules einige Meilen weit von dem Körper gefunden worden? Eben daher/ weil dieser Kopf dem pöbelhaften Begriffe von einem Herkules ziemlich klein geschienen/ welches jedoch eben diese Kunstrichter an mehr als an einem Herkules auszusehen gefunden hätten/ sonderlich wen man dessen Figuren und Köpfe auf geschnittenen Steinen betrachten wollen. I) Wcii die Figuren, wie solches bei der Familie der Niobc mag der Fall gewesen sein, an einer Wand oder in Nischen gestanden, so ist die vom Beschauer abgewandte Seite gewöhnlich weniger sorgsältig ausgearbeitet; auch sehen wir häufig, daß die Niilseite sol- cher Figuren, die in Nische» stehen sollten, blos roh entworfen geblieben ist, weil diese Theile nicht zum Vorscheine kamen. Me»er. s) Du L.iract. Onccs, ns !cs 5 Buch/ ^ Kap. ES ließe sich vielmehr das Gegentheil darthun von dem/ was CayluS vorgibt/ nnd man begreift der alten Künstler Verhältniß aus der Proportion des ionischen KapitälS/ welches als das Haupt von der Säule dieser Ordnung angesehen worden, und hieraus kan man schließe»/ daß vielmehr die neueren Künstler die Köpfe ihrer Figuren groß halten müßen/ da dieselben in dem Kapital eben dieser Ordnung weit über das alte Verhältniß gegangen sind. Ich kan also dem Urtheile des neueren Scribenten nicht mehr als des alten beipflichten: den es war den Alten und sonderlich den Künstlern wie Z euxiS das Verhältniß deö HauvtS zum Halse und zu dem übrigen Körper mehr als uns bekant/ welches sich unter andern aus einer Stelle des Catullus in dem VermählungSgedichte des PeleuS und der ThetiS zeiget. „Die Amme (saget dieser Dichter) n wird der ThetiS/ wen sie dieselbe nach der ersten Brautnacht besuchet/ den Hals nicht mehr mit „dem Faden umgeben können." l) Man sehe die Ausleger über diese Stelle/ ob sie dieselbe in ihr »ölligeS Licht gesezet haben. ES ist diese Gewohnheit noch izo in Italien nicht unbekant / und kan hier zur Erläuterung dienen. Man misset einem Knaben oder einem Mädchen/ welche die reifen Jahre zum Genusse des Vergnügens habe«/ den Hals mit einem Faden oder Bande: diese Maß wird alSden dopelt genommen/ und die beiden Enden des Bandes hält man zusammen/ und die Hälfte derselben wird mit den Zähnen gehalten. Wen dieses Band ungehindert von dem Munde ab über den Kopf gezogen werden kan/ soll es ein Zeichen der Jungfrau- <) IV!, ol 6i>Z v, Z76. illani iiutiix oi-ienti luee revisens collum clrcuQidarL L!o. Fest. Geschichte der Kunst. schast der Person geben; kan es aber nicht über den Kovf gezogen werden/ wird daraus das Gegentheil geschlossen. Ich habe diese Probe an einigen jungen Personen gemachet/ wo es mir geschienen/ daß eS eingetroffen. §. 7. ES ist glaublich / daß die griechischen Künstler/ nach Art der ägyptischen/ so wie die größeren Verhältnisse/ also auch die kleineren durch genan bestickte Regeln festgesezet haben / und daß in jedem Alter und Stande die Maße der Längen sowohl als der Breiteil/ wie die Umkreise/ genau bestickt gewesen / welches alles in den Schriften der alten Künstler/ die von der Symmetrie handelten/ wird ge- lehret worden sein. Diese genaue Bestimmung ist zugleich der Grund von dem ähnlichen Systema ^ der Kunst/ welches sich auch in den mittelmäßigen Figuren der Alten findet. Den ohngeachtet der Verschiedenheit in der Art der Ausarbeitung / welche ! auch die Alten bereits in den Werten des Myroi?/ i des PolykletuS und des LysippuS bemerket ' haben/ scheinen die alten Werke dennoch wie von einer Schule gearbeitet zu sein. Und so wie in verschiedenen Violinspielern/die unter einem Meister gelernet haben/ dieser in jedem von jenen durch Kunstverständige würde erkant werden: eben so siehet > man in der Zeichnung der alten Bildhauer/ von . 1) Es scheint, daß hier das Gegemhcil muße verstanden werden, weil aus dem Znsamnicnhanae des Ganzen hervorgeht, daß durch den Genuß der Liebe der Hals aufschwelle. Das dovelte Maß iiiußre also den Faden vertan gern, und, wen die Milte desselben in den Mund genommen, beide Ende» ans dem Kopse knav zu- samniciireichcn: so hält man solches fnr ein Zeichen be< w ahrrer Keuschheit; weii sie länger sind, snr das ! Gegentheil. Meyer. 2) I'!u!o5lr. luii. xroccm. Icon. p. J62. 5 Buch, 4 Kap. 23 s dem Größten bis auf die Geringeren/ eben dieselben allgemeinen Grundsäze. Finden sich aber zuweilen Abweichungen in dem Verhältnisse/ wie an einem kleinen schönen Torso einer nakten weiblichen Figur bei dem Bildhauer Cavaeeppi in Rom / an welcher der Leib vom Nabel bis an die Cchaam ungewöhnlich lang ist: so ist zu vermuthen/ daß diese Figur nach der Natur gearbeitet worden/ wo dieser Theil also beschaffen gewesen sein wird. Ich will aber auf diese Art die wirklichen Vergeltungen nicht bemcinreln! den wen das Ohr nicht mit der Nase gleich stehet / wie es sein sollte/ sondern ist wie an dem Brustbilde eines indischen BakchnS des Herrn CardinalS Alexander Albani: so ist dieses ein Fehler/ welcher nicht zu entschuldigen ist. ß. 8. Man muß gestehen/ daß die alten Künstler zuweilen in der Proportion gefehlet haben/ wie mir izo als ein Beispiel eine schöne erhobene Arbeit in der Villa Borghese einfällt, l) Hier ist der eine Arm zu lang an der weiblichen Figur/ welcher Auge den jungen TelephuS in Windeln reichet. ES ist in der Proportion sogar an schönen Kövfen gefehlet, wie der eine Kopf der lächelnden Leuko- thea im Campidoglio zeiget/ an welchem die Obren/ die mit der Nase parallel stehen müßen/ unter dieselbe heruntergehen. Die Unrichtigkeit der O sDeukmale, Nnmero 7t.) 2) Der Autor meint hiev vermuthlich den im 5 B, t K. 24 §. angeführten Kopf, und nent ihn Leukothea, weil er glaubte berechtigt zu sein, allen bakcliifchen mit der Stirn binde gezierten Kövfen, wen sie einigermaßen u n ter sch i ed en e Züge haben, diesen Namen beizulegen; seine Gründe sind aber unzureichend befunden, Noch müßen wir erinnern, daß der augesiihrte Kovf im Mufeo Cavitvlino nicht gerade einer von !cn zweideutigen ist, und von jeher für eiucn Bakchus gegolten bat. Meyer. 10 ^ 23-j Geschichte der Kunst. Zeichnung siehet man auch an einem sonst schönen Kopfe der Venus' in der Villa Albani, welcher den erdenklichsten schönen Cvntur und den lieblichsten Mund hat; das eine Auge aber stehet schief. ^ In dem ganzen Verhältnisse stnd ein paar weibliche Figuren in zwo herculanischen Gemälden offenbar fehlerliaft und viel zu lang. Wen aber der znruk- weich ende Fuß größer als der ruhende ist/ wie ! ich dieses in der Geschichte der Kunst von einer ägyptischen Statne und von dem Apollo im Bel- vedere erinnert habe: so bin ich izo noch mehr als ! vorher überzeuget/ daß der Zusaz an jenem Fuße dasjenige ersezeu solle»/ was der Fuß im Zurük- weichen zu verlieren scheinen könte. Am Laokoon habe ich eben diese Ungleichheit der Füße bemerket/ ja/ am Apollo ist auch das linke und zurükweicheii- de Bein selbst ein paar Zoll länger als das rechte Bein, i) Ich könte dieses noch mit mehreren Bei- j spielen behaupten. Z. S. Die Regeln der Proportion / so wie sie in der Kunst von dem Verhältnisse des menschlichen Körpers genommen worden/ sind wahrscheinlich von den Bildhauern zuerst bestimmet/ und nachher auch Regeln in der Baukunst geworden. 2) Der Fuß war bei den Alten die Regel in allen großen Ausmessungen/ und die Bildhauer sezeten nach der Länge desselben das Maß ihrer Statuen / und gaben denselben sechs Längen des FußeS/ wie VitruvinS j) lMan vergleiche 2 U, 2K. »§. Note.? 2) Nach diese» Worten folgt im Terte der wiener Aus« gäbe die Parenthelis: „ daher das Wort Fuß in der „römischen Sprache auch von dem Maße flüssiger >, Sachen gebrauchet wird. I. >S> c. Zi. sccr. 74,)" Da sie den Zusammenhang stört/ haben wir sie in die Noten versejt. Meyer. 6 Buch/ -i Kap. bezeuget; i) den der Fuß hat ein bestimteres Maß/ als der Kopf oder das Gesicht/ wonach die neue- ren Maler und Bildhauer insgemein rechnen. Py- thagoras gab daher die Länge des Herkules an nach dem Maße des FußeS/ mit welchem er daS olympische Stadium zu EliS auSgemessen. 2) Hieraus aber ist mit dem Lomazzi auf keine Weise zu schließe»/ daß der Fuß desselben das siebente Theil seiner Länge gehalten; und was eben dieser Scri- bent gleichsam als ein Augenzeuge versichert von den bestimten Proportionen der alten Künstler an verschiedenen Gottheiten/ wie zehen Gesichter für eine VenuS/ neun Gesichter für eine Junv/ acht Gesichter für einen NeptunuS, und sieben für einen HerkuleS/ ist mit Zuversicht auf guten Glauben der Leser hingeschrieben/ und ist erdichtet und falsch, -t) §. 10. Dieses Verhältniß des Fußes zu dem Körper/ welches einem Gelehrten seltsam und unbegreiflich scheinet/5) und vom P errault platterdings verworfen wird/6) gründet sich auf die Erfahrung in der Natn.r/ auch in geschlanken Gewächsen/ und dieses Verhältniß findet sich nicht allein an ägyptischen Figuren/ nach genauer Ausmessung derselben/ sondern auch an den griechischen/ wie sich an den meh- >) I^. Z. c. i. 2) ^ul. <^cll> l, i> c> >. Z) della ?itt. t. >. c. ><>> 4) I. 6. c. Z. 5) in kluelian. Fea sagt, daii er, ansgenonimen im <2Z Kapitel, nich ts hierher Veziialiches liabe auffinden können. Meyer. fMan vergleiche die Briefe an Bianconi, §. 2S> Not e.^s (!) .^<1 Vitrilv. I. Z> c i> » Schüler bemerken/ daß die alten Bildhauer/ sonder- ^ lich in göttlichen Figuren/ das Theil des Leibes von der Herzgrube bis an den Nabel/ welches gewöhnlich nur eine Gesichtslänge/ wie sie sagen/ hält/ um einen halben Theil des Gesichts länger gehalten/ als es sich in der Natur findet. Dieses ist aber ebenfalls irrig: den wer die Natur an schönen geschlanken Menschen zu sehen Gelegenheit hat, wird besagetes Theil wie an den Statuen finden. K. 12. Eine umständliche Anzeige der Verhältnisse des menschlichen Körpers würde das Leichteste in dieser Abhandlung von der griechischen Zeichnung des Nakenden gewesen fein; aber es würde diese bloße Theorie ohne praktische Anführung hier eben so wenig unterrichtend werde»/ als in anderen Schriften / wo man sich weitläuftig/ auch ohne Figuren beizufügen/ hineingelassen hat. Es ist auch aus den Versuchen, die Verhältnisse des Körpers unter die 5 Buch/4 Kap. LZ? Regel» der allgemeinen Harmonie »nd der Musik zu bringen/ wenig Erleuchtung zu hoffen für Zeichner und für diejenigen/ welche die Kentniß des Schönen suchen: die arithmetische Untersuchung wurde hier weniger/ als die Schule des FechtbodenS in einer Fcldfchlacht / helfen. K. Um aber dieses Stiik von der Proportion fiir Anfänger im Zeichnen nicht ohne praktischen Unterricht zu lassen/ will ich wenigstens die Verhältnisse des Gesichts von den schönsten Köpfen der Alten/ und zugleich von der schönen Natur genommen/ anzeigen/ als eine untrügliche Regel im Prüfen und im Arbeiten, Dieses ist die Regel/ welche mein Freund/ Herr AntonNaphael MengS/ der größte Lehrex i» seiner Kunst/ richtiger und genauer/ als bisher geschehen/ bestimmet hat/ und er ist vermuthlich auf die wahre Spur der Alten gekommen. Man ziehet eine senkrechte Linie/ welche in fünf Abschnitte getheilt wird: das fünfte Theil bleibet für die Haare; das übrige von der Linie wird wiederum in drei gleiche Stüke getheilet. Durch die erste Abtheilung von diesen dreien wird eine Horizontallinie gezogen/ welche mit der senkrechten Linie ein Kreuz machet; jene muß zwei Theile/ von den drei Theilen der Länge des Gesichts/ in der Breite haben. Von den äussersten Punkten dieser Linie werden bis zum äussersten Punkt des obigen fünften Theils krumme Linien gezogen, welche von der eiförmigen Gestalt des Gesichts' das spizige Ende desselben bilden. EineS von den drei Theilen der Länge des Gesichts wird in zwölf Theile getheilet: drei von diesen Theilen/ oder das vierte Theil deS Drittheils des GesichtS/ wird auf beide Seiten des Punkts getragen, wo sich beide Linien durchschneiden/ und beide Theile zeigen den Raum zwischen beiden Augen an. Eben dieses Theil wird auf beide äussere Enden dieser Ho- 2-i3 Geschichte der Kunst, rizontallinie getragen/ und alSden bleiben zwei von diesen Theilen zwischen dem Theile auf dem äusseren Ende der Linie/ und zwischen dem Theile auf dem Punkte des Durchschnitts der Linie»/ und diese zwei Theile geben die Länge eines AugcS an; wiederum ein Theil ist für die Höbe der Augen. Eben das Maß ist von der Spize der Nase bis zu dem Schnitt des Mundes/ und von diesem bis an den Einbug des Kiiis/ und von da bis an die Spize deSKinS; die Breite der Nase bis an die Lapen der Nüstern hält eben ein solches Theil; die Länge des Mundes aber zwei Theile/ und diese ist also gleich der Länge der Angeii/ und der Hohe des KinS bis zur Ösnung des MundeS. Nimt man die Hälfte des Gesichts bis zu den Haaren/ so findet sich die Lä/ige von dem Kinne an bis zu der Halsgrnbe. Dieser Weg zu zeichnen kan/ glaube ich/ ohne Figur deutlich sein/ und wer ihm folget/ kan in der wahren und schonen Proportion des Gesichts nicht fehlen. j) Die hier beschriebene Cintlieilung des Gesichts nach den Beobachtungen des Malers Mengs kömt allerdings mit den schönsten antiken Kövsen in so fern überein, alS ein Kanon mit den übrigen Werke» der Kunst übereinkommen kan und soll, d. h. diese müßen/ so wie sie zu Charakterbildern werden, in den rrsodeeliche» Theilen vom Kanon abweichen. In dein aber, was soigt, ist einiges nicht hinreichend deutlich, Anstatt „ und Von „da (nämlich vom Einbug des Kiüs) bis an die Svize „des Kiiis," sollte man lesen: nnd vom Einbuge des Kiiis bis an die Svize desselben sind iwei Theile, d, h. dem Kinne, vom Einbuge bis an die Spize abwärts, wird eben so viel Raum ge» geben, al§ Raum ist aufwärts vom Einbnge bis unter die Nase, oder ein Sechstheil der ganze» Gesichtslänge. „ Die Breite der Nase bis an die Laven „der Nüstern hält eben ein solches Theil," muk ver- fianden werden: die Nase sei eben so breit als ei» 5 Buch, -4 Kap. ' 239 z. t-j. Ich hange an diese Anmerkungen über die Proportion dasjenige an, was von der Zusam- Auge lang ist/ oder ihre Breite enthalte eben das Maß, als Länge dem Kinne zugemessen worden, unrich, tig scheint uns' ferner gesagt: „ die Länge des Mundes i, sei der Länge der Augen gleich; " sie ist Vielmehr »och die Hälste so laug / wie auch des Autors eigene Meinung war, indem er nachsezt : „ und der Hohe des Kins „ bis znr ösnung des Mundes/ " welches wirklich eine und eine halbe Augenlänge beträgt. Wir wollen de» Versuch wagen / die Provortionslehre vom Kopse und hauptsächlich vom Gesichte nach gleicher Regel so faßlich als möglich vorzutragen. Das Gesicht theile man seiner Höhe nach in d.rei Theile oder Nasenlängen; ein solches Theil bleibt sür die Stirne und Nasenwurzel, und/ voraus, gesezt, das Gesicht soll völlig von vorne dargestellt werden , so wird am untern Ende dieses ersten Theils, auf die des Gesichts Mitte bezeichnende Pervrndieularliuie, eine sie winkelrecht durchschneidende Horizoutallinie aufgetragen, welche über die geöfneten Angen wegzugehen hat. Das zweite Theil gibt die Länge der Nase an. Das dritte Theil bleibt für die untern Theile des Gesichts, falls der Mund geschlossen darzustellen ist; soll aber derselbe gcos» et erscheinen, so muß man eben fo viel, als die üinuug beträgt, der Länge dieses untern Drittheils hinzusezen/ welches nun in vier Theile getheilt wird ; ein solcher Viertheil des Dritt Heils geht auf den Raum von der Nafe bis zum Schnitt des Mundes, der andere reicht vom Schnitt des Muudes bis an das Kiii, für welches alfo noch zwei solcher V i er th eile, oder die Hälfte einer Nasenlänge iibrig bleiben. Für die Höhe des Schädels über der Stirne vom Haarwuchs an mag man etwa eine halbe Nasenlänge nehmen, wen die Haare nicht in Anschlag kommen. Der Autor gibt in dem Kanon nach Mengs diesen« Theile ei» Fnnftheil der ganze» Gesichtslänge, und al: oder zwei und eine halbe Nasenlänge in der Breite. Das Auge erhält die Hälste feiner Länge zur Höhe, nnd so viel beträgt auch der Raum vom obern A n g e n l i cd , man könte fagen , von dem S ch » ir t des Auges i-is zum Schnitt der Au g e n b r a u n e u, oder dem Ra»d des S t i r n k» o che n s. Da sich aus dem Vorige» zu ergebe» scheint, das! die Eintheilung des Gesichts »ach Nasenlängc» u»d besonders nach Länge» der Augen, als der Hälste von jenen, bequem ist und wenig Bruche veranlaßt, so darf man wenigstens die Frage auswerfen, ob es nicht wohlgethan wäre, sich der A u g e n oder l> a l b e n N a s c lä ng e n zur Berechnung der V erha ltn i sfe des ganzcn menschliche» Körpers zu bedienen? Me>>er. 6 Buch, 4 Kap. 2 4 t und zweitens die Ruhe in ihrer Handlung. In Absicht auf die erstere erscheinet aus sehr vielen ihrer Werke/ daß das Gesez der Schauspiele: nicht mehr als drei Personen zugleich auftreten zu lassend) welches Sophokles zuerst eingefubret hat/^) auch in der Kunst angenommen und beobachtet worden; ja, wir finden/ daß die alten Künstler sich bemuhetcN/ viel und eine ganze Handlung in einer einzigen Figur auSzudrükeN/ wie der Maler Th eon zeigete/ in der Figur eines Kriegers/ der die Feinde 1) Horst, cplst. ack ?!s, V. 192. 2) Bristol, poet. e. 4. p. 5. Z> Diese Bemerkung des Autors über die Sparsamkeit der Alten in den Figuren/ mochte/ wen sie richtig sein soll/ wohl einige Einschränkung erleide» müßen. Zuerst kan sie nur von der Zeit der höchsten Blüthe der griechischen Kunst gelten/ da wir aus den Zeugnissen der Alten wissen, daß die Kunstler aus den frühern Zeiten sich häusig an große und aus vielen Figuren bestellende Compositionen wagten. Ferner ist jene Bemerkung des Autors mehr auf die Werke der Plastik als die der Malerei zn beziehen. Den aus viele» Stellen der Alten geht hervor/ daß ihre Maler in den frühern wie in den fpätcrn Zeiten häufig große/ verwikelte Com- posttionen in ihren Werken vorgestellt, wie z. B. Mikon die Schlacht der Amazonen gegen die Atheil ienser (l'au8!>n. >. I. c. >7.); Pol»gnot die Zerstörung von Troja (pausan. I. 1. c. lS.); Panä- nus die Scklacht von Marathon (Pau5->n. I. 1. c. 18. I. 5. c. It.); Euvhranor die Schlacht bei Mantinea (?au5an. I. I. c. >5.) und Aristides die Schlacht der Griechen gegen die Perser. — Aber miläugbar ist es, daß in den g e pr i e se n st e n Werken der alten Maler die höchste Einfachheit i» der Comvosttio» und die strengste Ökonomie in der Anzahl der Figuren beobachtet war. M e» e r. Winckelman. 4. tl Geschichte der Kunst. zurükhalten wollte/ ohne dessen Gegner vorzustellen. >) ES waren auch die alten Künstler/ da sie alle aus eben derselben Quelle/ dem HomeruS/ schöpfeten, an eine bestimte Zahl von Figuren gebunden/ weil dort sehr viel Handlungen zwischen zwo oder drei Personen vorgehen/ wie E. die berühmte und vor Alters vielmals gebildete Vertauschung der Waffen des GlaukuS und des DiomedeS ist; ferner die Unternehmung des Ulysses und des Diome- es auf das trojanische Lager/ nebst der Ermor- oung deS Dolons/ und uuzcihlige ehemals ausgeführete Abbildungen. ?) Eben so verlMt es sich mit der heroischen Geschichte vor dem trojanischen Kriege/ wie ein jeder weiß: so dasi die mehresten Handlungen in drei Figuren völlig begriffen und geen- diget waren. tz. 15. In Absicht auf die Nnhe in der Compo- sition der alten Künstler erscheinet niemals in ihren Werken/ wie in den mehresten neuerer Zeiten/ eine Gesellschaft/ in welcher sich ein jeder zugleich mit den andern will hören lassen/ oder ein Haufen Volk/ >) ^Ilan, vor. Iilst. I. 2. c. 44. Theo», würde» wir sagen, stellte nicht eine» Krieger vor, welcher die Feinde zuriik halten will, sondern seine Figur war ein Symbol des Krieges. Me >> e r. Älianus (I. c.) sagt von diesem Gemälde: und die ganze Ekvhrasis des Gemäldes zeigt, daß die Figur kein bloßes S» mb 0 l des Krieges war. Siebelis» 2) ?. Vl. zZ5. X. X. 241 et 3?g.^I Wen soll zugegeben werden, daß die alten Künstler alle aus Home r schovften, so muß man wenigstens die Sache nicht streng und buchstäblich genau nehmen. A>! e y e r. Man sehe Lcssings Laokoo»^ 6 Buch/ 4 Kap. wie in einem plözlichen Zulaufe/ wo einer auf den andern zu steigen scheinet: sondern ihre Bilder gleichen Versamlungen von Personen/ die Achtung bezeugen und erfordern. Sie verstanden sehr wohl das/ was wir grnpiren nennen; aber man muß dergleichen Zusammensezung nicht in den häufigsten erhobenen Arbeiten suchen/ die alle von Begräbniß- urnen genommen find/ wo die schmale Länge der Form dieses nicht allemal erlaubete; und dennoch finden sich einige von diesen/ wo die Composition reich und haufenweis gestellet ist/ wie unter andern der Tod des MeleagerS zeiget/ welches Stük in meinen alte» Denkmalen bekant gemachet ist. 2) Erlaubete aber der Raum die Mannigfaltigkeit in Stellung der Figuren/ können sie auch hier unsere Muster sein/ welches aus den alten Gemälden in meinen Denkmalen des Altertums^) und aus sehr vielen unter den herculanischen offenbar ist. §. 16. Ich will nicht von dem reden/ was unsere Künstler den Contrapost nennen; den ein jeder wird erkennen/ daß derselbe ihren Meistern im Altertume sowohl als jenen bekant war/ und nicht weniger als den Dichtern und Rednern die Gegensä- ze (An tith e seS)/ welche bei diesen dasjenige sind, was jenes Wort in der Kunst bedeuten soll; folglich soll der Contrapost/ so wie die Gegensäze im Schreiben/ ungezwungen sein/ und so wenig dort als hier für einen hohen Theil des Wissens geachtet werden/ wie bei den neueren Künstlern geschiehet/ bei welchen der Contrapost alles gilt und entschuldiget: mit dem- i> tSarkophagcn.Z 2) lNumcro SS.Z Z) Mumero 1S7 und tSS.Z 4) !°ilturc <1' Lrcolanv, l. i. t?v. 6. 6. »i, t. 2. tav. l2. 69. 60. Fea. 244 Geschichte der Kunst. selben tritt Chambray hervor/ um den Naphael zu rechtfertigen/in dessen von Marco Antonio gestochenen Zeichnung des Ki n de rm o rd eS/ >vo die weiblichen Figuren schwer/ die Mörder hingegen ausgezehret sind. „ Dieses (saget jener Scribent) „ ist in Absicht des ContrapostS geschehen/ um die „ Mörder dadurch noch abscheulicher vorzustellen.') l) läse lle la xelat. x. 46. Fünftes Kapitel. §. ä. Was endlich die Schönheit einzelner Theile des menschlichen Körpers betrift/ so ist hier die Natur der beste Lehrer: den im Einzelnen ist dieselbe »der die Kunst / so wie diese im Ganzen sich über jene erheben kan. Dieses gehet vermuthlich auf die Bildhauerei/ welche unfähig ist, das Leben zu erreichen in denjenigen Theilen/ wo die Malerei im Stande ist/ demselben sehr nahe zu kommen. Da aber einige vollkommen gebildete Theile/ als ein sanftes Profil, in den größten Städten kaum einigemal gefunden werden, so müßen wir auch aus dieser Ursache (von dem Nakenden nicht zu reden) einige Theile an den Bildnissen der Alten betrachten. Die Beschreibung des Einzelnen aber ist in allen Dingen, also auch hier schwer^ ß. 2. Ich bin in Betrachtung der Schönheit analytisch gegangen, das ist: von dem Ganzen auf die Theile; man könte aber eben so nüzlich synthetisch lehren, und nach Untersuchung der Theile das Ganze nehmen. Im mündlichen Unterrichte, welcher durch Fragen geschiehet, scheinet der lezte Weg brauchbarer: den man suchet die Kent- niß des Schönen bei jungen Leuten zu prüfen durch die verlangete Anzeige der Form des Einzelnen, und bierin bestehet die Probe der Rechnung. Da man aber die Keiitniß allgemeiner Säze vor einzelnen Bemerkungen, obgleich aus diesen jene erwachsen sind, in aller Methode voranssezen muß, so bin ich auch hier derselben gefolget. 24b Geschichte der Kunst. §. 3. Die Betrachtung des Einzelnen in der Schönheit muß vornehmlich auf die äussersten Theile der menschlichen Figur gerichtet sein/ weil nicht allein in denselben Leben, Bewegung/ AuSdruk und Handlung bestehet/ sondern weil ihre Form die schwereste ist/ und vornehmlich den eigentlichen Unterschied des Schönen vom Häßlichen und der neuen Arbeit von der alten bestimmet. Kopf/ Hände und Füße sind im Zeichnen das erste/ und müßen es auch im Lehren sein. §. 4. In der Bildung des Gesichts ist das so- .qenante griechische Profil die vornehmste Eigenschaft einer hohen Schönheit. Dieses Prosil ist eine fast gerade oder sanft gefenkete Linie/ welche die Stirn mit der Nase an jugendlichen/ sonderlich weiblichen Köpfen beschreibet. Die Natur bildet dasselbe weniger unter einem rauhen als sanften Himmel; aber wo es sich findet/ kan die Form des Gesichts schön sein: den durch das Gerade und Völlige wird die Großheit gebildet/ und durch sanft gefenkete Formen das Zärtliche, i) Daß in diesem Profile eine Ursache der Schönheit liege/ beweiset dessen Gegentheil: den je stärker der Einbug der Nase ist/ je mehr weichet jenes ab von der schönen Form; und wen sich an einem Gesichte/ welches man von der Seite siehet/ ein schlechtes Profil zeiget: kan man ersparen/ sich nach demselben/ etwas Schönes zu finden/ umzusehen. Daß es aber in Werken der Kunst keine Form ist/ welche ohne Grund aus den geraden Linien deS ältesten StylS geblieben ist/ beweiset die stark gesenkete Nase an ägyptischen Figuren/ bei allen t) Dieses sogenaüte griechische Profil wird nach den Zeugnissen der Reisenden auch »och jezo in der Natur gefunden und besonders in den mittäglichen Landern Europas. Meyer. 6 Buch/ 6 Kap. 2/^7 geraden Umrissen derselben. Das/ was die alte» Scribenten eine vierekichte Nase nennend) ist vermuthlich nicht dasjenige/ was Zunius von einer völligen Nase ausleget/?) als welches keinen Begrif gibt; sondern es wird dieses Wort von be- sagetem wenig gesenketem Profile zu verstehen sein. Man könte eine andere Auslegung des Wortes vie reki cht geben/ und eine Nase verstehen/ deren Fläche breit und mit scharfen Eken gearbeitet ist/wie die gi ust i n ianisch e Pallas/ und die sogenante Vestale in eben diesem Palaste haben; aber diese Form findet sich nur an Statuen deS ältesten Styls/ wie diese sind/ und an diesen allein/') §. 6. Nach Anzeigung der Schönheit des ProfilS/ das ist : der schönen Form des ganzen Gesichts / um oben an dem Haupte anzufangen / lieget in der Beschaffenheit der Stirne eine der vornehmsten Eigenschaften schöner Bildung; und diese bestehet zum ersten darin/ daß dieselbe kurz sei/ welches nn§ theils 1) ?I>iloslrat. Ilci-olc. c. 2. Z> 2, c. i v. Z. g. 2) Oe xictuiü vetcrum, I. Z. c. 9. Z. iZ. Z) Man vergleiche SB. 2 K. 2 §. Note. Vorläus. Abbau dl. 4 K. S4 §.1 Es will sagen: vrovorti0nirte Nase«/ deren Breite mit der Länge im gehörigen Verhältnisse stehr. So nent Lucianus (Iniagin. n. 6.) Siebelis. 4) Gewii; wollte der Autor an dieser Stelle nicht behaupten, die g in sti n i a ni scki e Pallas und die sogenante Bestalln ((^ollcria (^iustinisn. i. I. Z seien Werke desselben alten Styls; den die Bestalin ist viel älter und von einem noch ungebildeten Geschmake. lZ B. 2 K, §. Note.Z Die Minerva aber gebort zu den herlichstcn Bildern dieser Göttin und mag ein ächtes Werk des hohen Styls der griechischen Kunst sei». Meyer. Lis Geschichte der Kunst. die eigene Anschauung, theils die Bemerkung der alten Seribenten lehret; dergestalt/ daß das Gegentheil/ das ist: eine hohe Stirn von den Alten als häßlich angegeben wird. Und gleichwohl ist eine > freie Stirn nicht so häßlich/ sondern vielmehr das Gegentheil. Die Erklärung dieses scheinbaren Widerspruchs ist leicht zu geben: kurz soll sie sein an der Jugend. Den da in der Blüthe der Jahre die Stirn insgemein kurz zu sein pfleget/ ehe der Haar- wachS auf der Stirn ausgehet und dieselbe bloß lässet: so hat die Natur selbst dem Alter der Schönheit diese Eigenschaft verliehen/ welche also ohne Nachtheil der schönen Form nicht mangeln kan. ES würde also wider die Eigenschaft der Jugend sein, ihr eine freie hohe Stirn zu gebe»/ welche aber dem män li chen Alter eigen ist. Um sich hiervon zu überzeuge»/ darf man nur an Personen/ die eine niedrige Stirn haben/ die vorderen Haare mit einem Finger bedekcn/ und sich die Stirn um so viel höher vorstellen/ so wird/ wen ich so reden darf/ der Übelklang der Proportion merklich werden/ und wie eine hohe Stirn der Schönheit nachtheilig sein kaii, wird deutlich in das Auge fallen. Selbst die Cir- cassierinen wissen dieseS/ und um die Stirn noch niedriger scheinen zu machen/ kämmen sie die abge- stuzeten Haare auf der Stirne von oben über dieselbe herunter/ so daß sie fast bis an die Augen- braunen reichen. Aus dem ArnobiuS kan man schließen/ daß diejenigen Weiber/ welche eine hohe Stirne hatten/ über dieselbe ein Band legeten/ um dieses Theil des Gesichts dadurch niedriger scheinen zu machen. ») I.uc!an. amor. n.40. 2) 16. 6!al. incretr. 1. i. 3. x. 200. e6it. Z) ^,6v. x. 72^ 5 Buch/ 6 Kap. K. 6. Daß Horatius, wen er insigvem t«. I>m krönte I.^corionts tenuis et KZtulicla krons i»etuIsllN!» <1c>Iis>^ue meretriciis. Franz I u- «ins hat hier das Wort tenuis ebenfalls nicht verstanden: den er erkläret tcouen, krontcm durch «'^«Xon ^055«^? desBathylluS beim Ilnakreon. krons tcnuis ist krovs drevis beim Marti alis, welche er an einem schönen Knaben verlanget. §. 7. Je niedriger aber die Stirn ist/ desto kürzer sind die Haare auf derselben/ und es pflegen sich die Spizen der niedrigsten und kürzesten Haare vorwärts überzubeugen. Dieses ist offenbar an allen schönen Köpfen des Herkules/ sowohl im jugendlichen als im mänlichen Alter / und solche vorwärts gebogene Haare sind gleichsam Kenzeichen dieser Köpfe/ die nicht selten einen neuen Kopf des Herkules in geschnittenen Steinen entdeken. Eben solche Haare gibt Petronius seiner Circe: 5) diese Schönheit aber haben weder die Abschreiber noch die Ausleger dieses Scribenten verstanden. Den wo man lieset: kl'ons minims et huie rsclices ca^illorum rctioklexerst, MUß Mall ohne Zweifel/ anstatt des Worts raäiccs, sezen »1-ices, die Spizen/ ») i. carm. 33. v. 5. 2) Oe xictur« vetei-urn, 1.3. c. 9. x. 22I. 3) Oäe 29. t. 1. x. 96» 4) 4. epixr. 42. 5) Zai^ric. c. 126. p. 602 —- 26o Geschichte der Kunst. nämlich der Haare/ oder ein ähnliches Wort/ da »per dieSpize eines jeden Dinges bedeutet. Wie können sich die Wurzeln der Haare vorwärts beugen? Der französische ttbcrsezer des PetroniuS hat hier in seinen Anmerkungen einen Pu; von ' fremden aufgesezeten Haaren finden wolle»/ unter welchen man die Wurzeln der eigenen und natürlichen Haare entdeket habe: was kan ungereimter sein! ES kan auch ki-ons minim» beim PetroniuS/ in Beschreibung der Gestalt der Circe/ mit dem französischen Übersezer nicht kroot pelit gegeben werden: den die Stirn kan breit sein / und zu gleicher Zeit niedrig. §. d. An dem Hauvte ist eine kurze Stirn den Begriffen der alten Künstler von der Schönheit dergestalt eigen/ daß dieselbe ein Kenzeichen ist/ vielmals eine neue Arbeit von der alten zu unterscheiden. Durch eine hohe Stirn allein habe ich an manchem Kopfe/ den ich nicht in der Nähe betrachten können/ erkant/ daß derselbe neu ist/ oder es hat mir dergleichen Stirn den ersten Zweifel wider dessen Alter erweket/ welchen ich hernach bei mehrerer Untersuchung gegründet gefunden habe. §. S. Zu Vollendung der Schönheit einer jugendlichen Stirn wird erfordert/ daß der Haar- wachs um die Stirn herum rundlich bis über die Schläfe gehe/ um dem Gesichte die eiförmige Gestalt zu gebe»/ und eine solche Stirn findet sich an allen schönen weiblichen Personen. Diese Form der Stirn ist allen idealischen und anderen jugendlichen Köpfe» der Alten dergestalt eigen/ daß man an keinen Figuren auch im mänlichen Alter die tiefen nnbewach- fenen Winkel über den Schläfen siehet/ welche in zunehmenden Jahren/ wen die Stirn hoch/ sich immer mehr zu vertiefen pflegen. Diese Bemerknng ist von wenigen neueren Bildhauern gemachet/ und 5 Buch/ 5 Kap. 251 wo man neue jugendliche mänliche Köpfe auf alte Statuen gefezet siehet/ unterscheidet sich die mangelhafte neuere Jdea in den Haaren/ welche ausschweifend auf der Stirne herumlaufen. Ich habe sogar bemerket/ daß einige unserer Künstler so wenig Betrachtung über diese Schönheit gemachet habe»/ daß sie in Abbildungen junger Personen von beiderlei Geschlechte/ die ich kenne/ und an welchen die Stirn kurz ist/ dieselbe erhöhet und den Haar- wachs hcraufgcriikct/ um/ wie man etwa geglaubet/ eine offene Stirn zu machen. Zu diesem Haufen gehörete Vernini; er hat hier/ wie in vielen anderen Stükcn das Gegentheil für schön gefunden; und Baldinncei/ dessen Lobredner, glaubet etwas Besonderes von dem feinen Geschmake dieses Künstlers anzubringen/ wen er berichtet/ eS habe derselbe/ da er Ludwigs XIV. Bildniß in dessen Jugend/ nach dem Leben selbst modelliret/ diesem jungen Könige die Haare von der Stirne weggestrichen; dieser schwazhafte Florentiner verräth hier/ wie in vielen anderen Dinge»/ feine wenige Kentniß. §. io. Diese Form der Stirn/ sonderlich die vorwärts gebogenen kurzen Haare/ sind offenbar an allen schönen Köpfen des Herkules/ sowohl im ju° i) vu, p. 47. Der Autor scheint liier dem Valdinucci einiges unrecht zn thun. Die Worte von diesen, lauten : „ Da der Konig eines Tages sich zum Sizen be> „ quemt hatte, um nach der Natur gezeichnet zu werden, „ »ahie sich Bernini, schob ihm die Haarloken über den „ Augenbranncn etwas bei Seite, so daß die Stirn srei- „ er ward und sagte: Euer Majestät sind ein König, >, der aller Welt die Srirn »eigen kan. Und es war ar> „ tig zu sehen, wie vwzli'ch der ganze Hos die Haare ,, ebenso trug: man naiite daher diese Tracht der Haare >, die Frisur » la Lcrnini." Lea. 232 Geschichte der Kunst. gendlichen als im mttiilichen Alter/ und sind nebst der Dike des Halses/ wie ich oben angezeiget habe/>Z zugleich ein symbolisches Zeichen seiner Stärke und scheinen auf die kurzen Haare zwischen den Hörnern der Stiere zu deuten. ES sind also besa- gete Haare ein Kenzeichen des Herkules/ so daß man durch dieselben das Bild dieses Helden von den Köpfen seiner geliebeten Jole/ die ebenfalls mit einer Löwenhaut bedeket sind/ unterscheidet/ weil deren Haare lokenweis auf der Stirne liegen/ wie man unter anderen in dem königlichen farnesischen Museo zu Neapel an einem hoch geschnittenen Kopse dieser Schönheit sehen kan. Eben dieses Ken- j) 15 B. t K. 20 § Z 2) Eine» wenig bekanten Kopf der Jole, oder walirfcheiw licher der Omphale, glauben wir im Museo Capi, tolino bemerkt zu haben. Er sieht im großen Saale auf der Fensterseite in der Höhe, und ist der sechste von der Linken an gezahlt. Am Hinterhaupte »eigen sich »och die Spuren der Löwenhaut, welche dasselbe bedekte. Die Rast ist nen; die befchädigte» Liven sind mit Stucco ausgebessert; an den Haaren ist von den« Erganzer viel nachgeholfen, selbst das Gesicht scheint von seinem Eisen nicht unberührt geblieben z» sei». Nichts desto weniger erkent »la» im Ganzen noch hinreichend die vortrefliche Arbeit, den großen St»l und ein würdiges Product der griechischen Kunst. Die Ohren sind durchbohrt, um Ohrringe einzuhängen. Ein anderer weiblicher, mit der Löwciihaut bedekter Kopf ist aus der Villa Alba tt i. (Alonuiu. anti(^ues clu ZVIu?<-o?>-vIeon, t>2. xl. Zg.) An eben diestn Keilzeiche» unterscheidet man eine schöne Figur der Jole, niit den Attributen des Herkules, die der Grav Firinian zu Mailand besaß. Sie ist aus Marmor und fast 4 pariser Fuß hoch. Moderne Ergänzungen gewahrt man an einigen Theilen. Eine Abbildung dieses seltenen Denkmals befindet sich in der Mailänder Ausgabe der Geschichte der Kunst. (1'. >, >6.) Mi «er. 5 Buch, 5 Kap. zeichen war einer von den Gründen/ der mich bewog, einem schönen tief geschnittenen Kopfe des Herkules in dem ehemaligen stoschischen Muse o, da derselbe unter dem Namen einer Jole ging/ seine wahre Benennung zu gebend) Eben diese Kenzeichen entdeken sich in einem jugendlichen Kopfe mit Lorbeern bekränzet, von Allion, einem griechischen Künstler, auf einem Carniole geschnitten, welcher sich in der großberzoglichen Galerie zu Florenz befindet: eS wäre also hier ebenfalls ein Herkules vorgestellet, und kein Apollo, wofür man ihn ausgegeben hat. Ein anderer Herkules in eben diesem Museo, vom OnesaS geschnitten, ist wie jener mit Lorbeern bekränzet; da aber der obere Theil des Kopfes mangelt, ist die Stirn in den Kupfern desselben von Leuten ergänzet, die rbige Bemerkung nicht gemachet haben. Hätten die Münzverständigen diese Beobachtung gemachet, würde man auf vielen Münzen, sonderlich Alexanders des Großen, die einen jugendlichen Kopf mit ei-» «er Löwenhaut bedeket vorstellen, hier das Bildniß des Herkules erkant haben, wo man den Alexander oder einen anderen König zu sehen vermeinet hat. §. 11. An den Köpfen Alexanders des Großen sind ebenfalls die Haare auf der Stirne ein beständiges und untrügliches Kenzeichen desselben; diese Haare aber sind in der Ähnlichkeit der Haare des Jupiters, für dessen Sohn er angesehen sein l) Weschreib, d. ge schnitt. Steine, 2 Kl. tüAbth .I ») Ltosck , pierves ßravees, pl> ö. Bracci (IVIcmoire Qnl'icli! Indsoi-'i, vol. I. p. 67.) beschuldigt den Autor eines Irrtums und will behaupten, der angesnhrte mit Lorbeer bekränzte Kopf sei kein junger Herkules, sonder» ein Apollo. Meyer. SL-i Geschichte der Kunst. wollte/ von der Stirne hinaufgestrichen/ und fallen seitwärts bogenweiS in verschiedenen Abtheilungen wiederum herunter. Diese Art hinaufgestrichencr Haare nennet PlutarchuS «v«?--).!,,' da wo er in dem Leben des Pompejus saget/ daß dieser die Haare wie Alexander getragen habe/') worüber ich im zweiten Theile dieser Geschichte meine Bemerkung mittheilen werde. §. t2. Die Bemerkung der kurzen und vorwärts gekrümmeten Haare auf der Stirne des HerkuleS/ um den ferneren Nuzen derselben zu zeigen/ kan insbesondere angewendet werden bei einem jugendlichen Kopfe nebst der Schulter/ welcher in einem Steine des Musei des Königs von Frankreich geschnitten ist. 2) Dieser Kovf zeiget eine Figur die mit einem dünnen durchsichtigen Gewände bekleidet ist/ welches von der Schulter bis oben auf den Kovf hinaufgezogen/ und auch über den Lorbeerkranz/ der das Haupt umgibt; und zu gleicher Zeit verhüllet dasselbe den unteren Theil des Gesichts bis über die Spize der Nase / dergestalt, daß die Züge dieses Theils unter solchem Schleier deutlich ausgedrüket und kentlich sind. §. 13. Es ist über diesen Stein eine besondere Abhandlung geschrieben/ 5) in welcher vorgegeben wird/ c§ sei hier abgebildet PtolemäuS, König 1) In poinxeio, x. 6o3. 2.) 2) U l V. i K. 21 §.1 3) Nariette, ?!erre8 gravees , t. 1. p. 379. 4) Dieser Amethyst war im Kabinet des Herzogs von Orleans. (Oescription <^kiriet 6u> Oue Orlo siis, vol. 2. xl. »i. x. 3i.) Jansen. 5) Lsudeiot Osirval , Oissert. 8UI' uiie Pierre ßravee 6ll La^üiet äe Alaäame. ?aris, »696. L. 5 Buch, 5 Kap. 255 ! in Ägypten und Vater der berühmten Kleopatra, mit dem Beinamen Aulete6/ das ist: der Flötenspieler/ weil er liebete die Flöte zu blasen; i) und daß das Tuch, welches das untere Gesicht ver-- ^ hüllet/ (den um die übrige Verhüllung des Kopfi? ^ und der Schulter ist man unbekümmert gewesen) I die Binde/ H-f/Zc--- und genant, sei/ die die Flötenspieler sich über den Mund banden/ durch deren Öfnung sie die Flöten bis zum Munde füh- reien. Dieses Vorgeben könte einen Schein gewinne»/ wen wir von dieser Binde keinen deutlichen Begrif hatten; wir sehen dieselbe aber auf einem dreiseitigen Altare im Campidoglio/ wo ein Faun/ indem er zwo Flöten bläset/ diese Binde über den Mund geleget hat/ dessen Kopf in verschiedenen Büchern gestochen ist/ und also dem Verfasser jener Abhandlung betaut sein muß. Wir sehen auch >) I. 17, p. 1146. 2) Das dreiseitige Werk steht im Palaste t>er Conservat», ren im Campidoglio zu Rom und ist von treslicher Ar- Veit. Aus einer Seite ist der Faun, welcher zwei Flöten bläst, vorgestellt; er hat eine Binde iiber den Mund. Aus der zweiten gewahrt man wieder einen Faun, und aus der dritten eine Bakchantin. Die Zieraten unter diesem Basrelief, welche aus Schnörkeln und Chimären bestehen und als Füße dienen, scheinen eine Nachahmung des ältern griechischen Geschmus. Meyer. Dieser Autor (I. 2. c, 6. p. 67 ), wieder abgedrukt mit Polenus in den Supplementen zum IKesaur» ->nü- Huiwtuiu (t> Z. p, 55Z.), gibt nur zwei Figuren, eine zur Seite der anderen, welche die Flöte blasen, ohne eine Binde auf dem Munde zu haben, an. Winckel- mau wollte vielleicht den Bartholiuns (6« likiiz vetcr) ansuhren, wo der von ihm gedachte Kopf abgebildet ist. (1'sb. 2. x> ?oi>) Fea. 256 Geschichte der Kunst. einem Flötenspieler auf einem herculanischen Gemälde den Mund also verbunden; und eS zeiget sich an beiden, daß eine schmale Binde war, die über den Mund und über die Obren gezogen und hinterwärts am Haupte gebunden war, so daß dieselbe mit der Verhüllung des Kopfs/ von welchem die Rede ist/ nichts zu schaffen hat. ß. i-i. ES verdienet unterdessen dieser Kopf/ da er der einzige in seiner Art ist/ eine weitere Untersuchung/ um durch Muthmaßungen näher zu der eigentlichen Bedeutung desselben zu gelangen; und in dieser Absicht vergleiche man dieses Bild mit dcii Köpfen eines jungen HerkuleS/ so wird sich eine vollkommene Ähnlichkeit entdeken. Die Stirn erhebet sich an demselben mit der gewöhnlichen Rundung und Großheit; die vorderen Haare der Stirn sind, wie ich vorher gemeldet habe, beschaffen / und ein Theil der Wangen fängt an sich zu bekleiden bis an das Ohr: herunter >5 ^ ?--> L?. Lui ^irims Ham Iiunc verriant IsiniAive m»Ise; welches nach einer alten Bemerkung den Bart anmeldet. 3) Ja/ das Ohr scheinet dem Pa nkratiasten- ohre des Herkules ähnlich. §. 15. Wohin aber werde ich das Tuch deuten, welches unseren Kopf verhüllet/ und was für ein Verhältniß kan dasselbe mit dem Herkules haben? l) , t. 4. tav. 42. , Den Mundriemen der Flötenspieler sieht man auib lin einer jugendlichen lang bekleideten Figur/ auf einem bemalten Gksäke in Hamiltons erster, von d'H an> «arville herausgegebenen Samlung/ (t. 1, xl, 124,> und an einem kleinen Faun von Bronze/ dessen Kopf unter Numero 5t der Abbildungen steht. Meyer. «) pliiloztfst, I. I. Icon. >0. p. 77g, Z) XI. Z>g. Virg. VIII. lkv>) ^nulccia, t. 2. 11. 21. x. l 14. 5 Buch/ 5 Kap. 257 Ich bilde mir ein/ der Künstler habe hier den Herkules abbilden wollen, wie er der ömphale, Königin in Lydieii/ dienete; und diese Muthmaßung gibt mir ein Kopf des Paris in der Villa Negroni/ welcher bis an den Rand der unteren Lipe auf eben diese Weise verhüllet ist/ so daß dieses eine Tracht scheinet, die bei den Phrygiern und LydierN/ als mit einander gränzenden Völker»/ gemein gewesen, da diese beiden Völker von den tragischen Dichtern/ nach dem Zeugnisse deSStrabo, mit einander vermenget wurde«/ sonderlich da sie zugleich vom TantaluS beberschet wurden. ?) Ferner belehret uns Philostratus/3) daß die Lydier das Gegentheil von den Griechen thaten/ und die Tkeile deS KörperS/ die diese unbekleidet zeigeten / mit einem dünnen Gewände zu verhüllen pffegeten/ so daß in Erwägung dieser beiden Anzeigen meine Muthmaßung nicht ungründlich scheinen sollte. K. 16. Diese Bemerkung von der Tracht der Lydier kan PhilostratuS selbst nicht gemachet haben: den dieses Volk war nicht mehr zu dessen Zeit/ so wenig als die Phrygier; und die Sitten der Einwohner dieser Länder in Kleinasien hatten damals eine ganz andere Gestalt angenommen; es mußte also ein älterer Scribent die gewöhnliche Verhüllung der Lydier anzeige»/ welcher aber nicht be- kaiit ist. -i) Unterdessen redet Eurip ides von einer 1) I.. x.ggi. xr!nc. 2) Stilen. !. 1^. c. ü. 21.^ 3) I. 1. Icon. Z3. 4) Daß die Lydier und überhauvt die Barbaren es snr eine Schande hielten, wen der nakte Körper ron einem andern war gesehen worden, erzählt schon Hero dot. (1^. >. c. 10 ) Vielleicht ist dieser von Philostratns beriik- sichtiizt. Aiever. 258 Geschichte der Kunst. ähnlichen Verhüllung der Phrygier/ wo dieser Dich- ter in seiner He kub a den Agamemnon aufführet/ welcher jene Königin von Troja/ da er den entleibe- ten Körper des PolydoruS/ ihres SohnS, vor ihrem Gezelte liegen sah/ fragete/ wer der todte Trojaner sei; „ den ein Grieche kan eS nicht sein/ „(sagete er) weil dessen Körper verhüllet ist:" den hier ist nicht die Rede von dem Tuche/ in welches die Todten eingehüllet wurden/ sondern von einer besondern Tracht der Phrygier/ die von der griechischen Kleidung verschieden war. Will man aber diese Stelle überhaupt von der phrygischen Kleidung verstehen/ so übergehe man meine Anmerkung als müßig. K. 17. Dieses sage ich nicht aus Mißtrauen gegen meine vorgebrachte Muthmaßung über die bei den Lydiern gewöhnliche Verhüllung des Gesichts, sondern ich glaube meiner Erklärung des Steins, von welchem wir handeln/ das völlige Gewicht zu geben durch ein Gemälde eines Gefäßes von gebrauter Erde/ welches in der großen hamilto Nischen Samlung in Kupfer gestochen zu finden ist. ?) Ich merke hier an/ daß dieses Gefäß aus Alexandrien in Ägypten gekommen/ wohin eS vermuthlich in neueren Zeiten aus dem Königreiche Neapel gebracht worden. K. 18. ES ist daselbst ohne Zweifel Herkules vorgestellet/ wie er gedachter Omphale verkaufet 1) Hecub. v. 7Z2. 2) r. >, pi. 71. Nach dieser Abbildung verkleinert bei Fea. (?> i. x> 207,) Meyer. 5Buch/ 5 Kap. 269 wird/ die hier in Gesellschaft drei anderer weiblicher Figuren sizet. Diese Königin hat über ihr Unterkleid sich in ein dünnes durchscheinendes Gewand eingewikclt/ welches nicht allein ihre linke Hand völlig einhüllet/ sondern auch über das Untertheil des Gesichts bis über die Nase herausgezogen ist/ auf eben die Art/ wie wir den Kopf des in Stein geschnittenen Herkules seken. Wen also der Künstler dieses Steins die ganze Figur des Herkules hätte zeigen wolle«/ würde er dieselbe auf ähnliche Art gekleidet haben: den auch die Männer in Lydien trugen ein Gewand/ welches ihnen bis auf die Füße ging und hieß. Man nennete eS auch überhaupt mit dem Beisaze das dünne/ wie AthenäuS wider des CasaubonuS Muthmaßung muß gelesen werde»/ und also zugleich ans dem obigen erläutert wird. -) Herkules/ welcher zu ihr kömt/ lässet die rechte Hand auf seiner Keule ruhen / und mit der linken berühret er die Kniee der Omphale/ wie diejenigen thaten/ die etwas von anderen erbitten wollten. Zwischen diesen beiden Figuren schwebet eine kleine mänliche Figur/ die ein Genius scheinet/ vielleicht aber MercuriuS sein könte/ welcher den Herkules der lydischen Königin verkaufet«!: ^) es würde jedoch dieses der einzige MercuriuS mit langen Flügeln auf dem Rükcii sein/ der sich in alten Denkmalen . findet. Oder es kan dieses geflügelte/ völlig weisse Kind die Seele deS vom Herkules erschlagenen Jphitus vorstellen/ anzuzeigen/ daß die Aussöhnung dieses Todtschlags die Ursache war/ warum HerkuleS/ nach dem Orakel des Apollo/ der 1) pollux, I. 7. c. i3. 60. 2) I.. 6. c. 16. 7V.^ Z) 1'raclün. v. 270. ^xollvä. !. 2. c. 6. Z. 2. Omphale verkaufet wurde/ i) wo es nicht die Liebe ist/ welche die Omphale von ihrer Unterredung abrufet/ um den jungen Held/ der vor sie tritt/ zu empfange»/ als ihre» künftigen Liebsten. ^ Die vor der Omphale sizende weibliche Figur hat die Haare nach mänlicher Art hinterwärts kurz geschnitten/ welches/ da es ganz und gar ungewöhnlich ist/ nicht ohne besondere Andeutung geschehen sein wird; und ich weiß nicht/ ob ich mich mit einer Muthmaßung hierüber wagen darf. Sollte diese Person nicht etwa ein Mädchen vorstellen/ die verschnitten war/ da die Lydier die ersten waren/ die an die weibliche Natur auf diese Art die Hand legeten; und diese Erfindung wird dem lydischen Könige AdramyteS/ welcher der vierte König dieses Landes vor der Omphale war/ zugeschrieben/ um sich solcher weiblichen Geschöpfe anstatt der mänlichen Verschnittenen zu bedienen. 2) Durch was für ein Zeichen aber war eine solche weibliche Person an ihrem Leibe selbst anzudeuten/ als allein an den Haaren/ die kurz sind/ wie junge Leute mänlichen Geschlechts zu tragen pflegen/ um dadurch gleichsam eine verwandelte weibliche Natur anzudeuten. So wie auch verschnittene junge Leute dieselben werden getragen haben; und der gelehrte Maler dieses Gefäßes hatte durch eine solche Person die Vorstellung seines BildeS/ und das Land sowohl/ wo dieses vorgegangen/ als die Person einer Köm- , gin der Lydier deutlicher bestimmet/ ohne mich in Erforschung anderer Ursache«/ die er vielleicht gehabt haben kan/ einzulassen; wie ich den mit Stillschwci» gen übergehe/ was mir hier von den Tribade» 6 Buch/ 5 Kap. 26t eingefallen ist/ in Betrachtung der ausgelassenen Geilheit der lydischen Weiber. §. tS. Ich befürchte nunmehro beinahe/ daß die Untersuchung eines so merkwürdigen Steins dem Leser eine Ausschweifung scheinen könte/ und ich sollte also billig meinen Faden wieder suche»/ nämlich die Anzeige der Schönheit an den übrigen Theilen des Gesichts'; ich kan aber nicht umhin/ bei dieser Gelegenheit zween einander völlig ähnliche Köpfe eines jungen Helden von schöner idealischer Bildung bekant zu machen / die in den Haaren auf der Stirne dem Herkules gleichen/ und mit einem Diadema umgeben sind. Das Besondere an beiden sind Löcher oben auf beiden Seiten über den Schläfen/ in welche man bequem den Daum steken kaii/ die also scheinen gedienet zu habe»/ Hörner in denselbigen zu befestigen; an dem einen dieser Köpfe waren diese Löcher von einem neueren Bildhauer vollgefüllet. Die Bildung sowohl als die Haare erlauben nicht/ auf Bokshörner und auf junge Faune zu schließen/ eS haben also hier vermuthlich kleine Ochsenhörner gestanden. Diese waren den Köpfen des ersten Seleukus/ Königs in Syrien/ gegeben^) dessen Bildnissen unsere Köpfe aber nicht ähnlich sind. Hch bin folglich der Meinung/ daß hier Hylas/ der Sohn des Herkules/ vorgestellet worden/ dessen Bilder/ nach dem Pto lein aus Hephästiv/?) >) I.idan. vrat. I I. in ^ntloc». p. ?4g. Dieser Autor redet nur von einer dem 'Seleukus in Antiochia errichteten Statue von Bronze mit Hörnern. Von allen Statuen dieses Königes überhaupt scheint es der Nerfasser der üicerxta >1« ^nti^uiisiikus I. 6. p. 127. xrinc. zu behaupten. Fea. ») ?>>vt. Ki1i!!ot!>ec. c»-I. go. p 475. 262 Geschichte der Kunst. ein Horn auf der linken Seite des Haupts hatten / und das andere wird ihm der Bildhauer gegeben haben. Den einen Kopf besize ich; der andere ist in dem Museo des Herrn Bartholomä Cava- , ccppi. §. 20. Noch mehr als die Stirn sind die Augen ein wesentliches Theil der Schönheit, und in der Kunst mehr nach ihrer Form als nach der Farbe zu betrachten/ weil nicht in dieser/ sondern in jener die schöne Bildung derselben bestehet/ in welcher die verschiedene Farbe der Iris nichts ändert. Was die Form der Augen überhaupt bctrift/ ist überflüssig zu sagen / daß eine von den Schönheiten der Augen die Größe ist/ so wie ein großes Licht schöner als ein kleines ist. Die Größe aber ist dem Augcnknochen oder dessen Kasten gemäß/ und äusscrt sich in dem Schnitte/ und in der Ofnuug der Au- genlieder/ von denen das obere gegen den inneren Winkel einen runderen Bogen/ als das untere/ an schönen Augen beschreibet: doch sind nicht alle großen Augen schön/ und niemals die hervorliegendcn. An Löwen/ wenigstens an den ägyptischen von Basalt in Noni/ beschreibet die Öfnung des obern Augen- liedcs einen völligen halben Cirkel. Die Augen formen an Köpfen im Profil gestellet/ auf erhobenen Arbeiten/ sonderlich auf den schönsten Münzen, einen Winkel/ dessen Öfnung gegen die Nase stehet: in solcher Richtung der Kövfe fällt der Winkel der Augen gegen die Nase tief/ und der Contur de- Allges endiget sich auf der Höbe feines Bogens oder Wölbung, das ist: der Augapfel selbst stehet im Profile. Diese gleichsam abgeschnittene Öfnung der Augen gibt den Köpfen eine Großheit/ und einen offenen und erhabenen Blik/ dessen Licht zugleich » auf Münzen durch einen erhabenen Punkt auf dem Augapfel sichtbar gcmachct ist. 5 Buch/ 5'Kap. 263 Ich wiederhole auch nicht/ was andere bereits angemerket haben/ daß das Wort 6°^?, womit besonders HomernS die Schönheit der Augen bezeichnet/ nicht auf Ochsenaug en zu deuten sei/ sondern daß S-, als ein > wie die Sprach« lehret reden/ so wie hier also in vielen anderen Worten/ die mit diesem Vorsaze zusammengcsezet sind/ eine Vergrößerung bedeute; daher der Scholiast des Homerus übersezet mit schwarzen Augen/ und schön von Gestalt. Man kan auch sehen/ was der gelehrte Martorelli in seineir neapolitanischen Altertümern hierüber saget. 2) §. 21. Die Augen liegen an idealischen Köpfen allezeit tiefer/ als insgemein in der Natur/ und der Aiigcnknochen scheinet dadurch erhabener. Tief liegende Augen sind zwar keine Eigenschaft der Schönheit/ und machen keine sehr offene Mine; aber hier konte die Kunst der Natur nicht allezeit folgen/ sondern sie blieb bei den Begriffen der Großheit des hohen Styls. Den an großen Figuren/ welche mehr als die kleineren entfernet von dem Gesichte standen/ würden das Auge und die Augenbraunen in der Ferne wenig scheinbar gewesen sein / da der Augapfel nicht wie in der Malerei bezeichnet/ sondern mehrentheils ganz glatt ist/ wen derselbe/ wie in der Natur/ erhaben gelegen/ und wen der Augenknochen eben dadurch nicht erhaben gewesen. Die Kunst ging also hier von der Natur ab/ und brachte auf diesem Wege durch die Tiefe und durch die Er- 1) Lcliol, 7k. IV. v. 5o. I. v. 55 2) IV.ipol. vol. 2. ilcgli Lukoici, 107, 264 Geschichte der Kunst. hobenheit an diesem Theile des Gesichts mehr Licht und Schatten hervor/ wodurch das Auge/ welches sonst wie ohne Bedeutung und gleichsam erstorbcil gewesen wäre/ lebhafter und wirksamer gemachet wurde. Dieses würde auch die Königin Elisabeth von Engeland/ welche durchaus ohne Schatten ge- malet sein wollte/ zugestanden haben. Die Kunst/ welche sich hier mit Grunde über die Natur erhob/ inachete aus dieser Form des Auges nachher eine fast allgemeine Regel/ auch an kleinen Figuren: den man siehet an Köpfen auf Münzen aus den besten Zeiten die Augen eben so tief liegen/ und der Augenknochen ist auf denselben erhabener/ als in spätern Zeiten; man betrachte die Münzen Alexanders des Großen nnd seiner Nachfolger. Zn Metall deutete man gewisse Dinge an/ welche in dem Flore der Kunst in Marmor Übergängen wurden; das Licht z. E. wie es die Künstler nennen/ oder der Stern/ findet sich schon vor den Zeiten des PhidiaS auf Münzen/ an den Köpfen des Gelo und des Hier»/ der Könige von Syrakus, durch einen erhabenen Punkt auf dem Sterne des AugeS angezeiget. Dieses Licht aber wurde in Marmor/ so viel wir wissen/ allererst den Köpfen in dem ersten Jahrhunderte der Kaiser gegeben/ und es sind nur wenige/ welche dasselbe haben: einer von denselben ist der Kopf des MarcelluS/ Enkels des Augustus/ im Camp-doglio. Aus obigem Grunde und in eben der Absicht scheinet man eingesezett Augen gemachet zu habe»/ welches bereits in den ältesten Zeiten bei den ägyptischen Bildhauern üblich war; viele Köpfe in Erzt haben ausgehöhlete/ n»d von anderer Materie eingefezete Augen: die Pallas des PhidiaS/ deren Kopf von Elfenbein war/ >) ^V-Ixole's Latal, ostlio nvd!e ^ullwrs, x> >2?. 6 Buch/ 5 Kap. hatte den Stern im Auge von Stein. Von diesen Augen wird unten besonders gehandelt werden. §. 22. So war allgemein die Schönheit der Augen bestimt: und ohne von dieser Form abzugehen / wurden dieselben dennoch an Köpfen der Gottheiten und an idealischen Köpfen verschieden gebildet/ dergestalt, daß das Auge selbst ein Kenzei- chen von ihnen ist. Jupiter/ Ap ollo und Juno haben den Schnitt derselben groß und rundlich gewölbet/ und enger als gewöhnlich in der Länge/ um den Bogen derselben desto erhabener zu halten. Pallas hat ebenfalls große Auge»/ aber das obere Augenlied ist mehr als an icnen Gottheiten gesenkt/ um ihr einen jungfräulichen züchtigen Vlik zu geben. Venus aber hat die Augen kleiner/ und das untere Augenlied/ welches in die Höbe gezogen ist/ bildet das Liebreizende und das Schmachtende/ welches die Griechen nennen. 2) Ei„ solches Auge unterscheidet die himlische Venus (Urania) von der Juno/ und jene/ weil ste ein Dia- dema wie diese hat/ ist daher von denen / die diese Betrachtung nicht gemachet haben/ für eine Juno gehalten. Viele der neueren Künstler scheinen hier die alten übertreffen zu wollen / und haben das / was HomeruS Ochsenaugen/ oder große Augen nennet/ wie ich erwähnet habe/ in Her- vorliegenden Augäpfeln/ die aus ihrer Einfassung hervorquelle»/ zu bilden vermeinet. Solche Augen hat der neue Kopf der irrig vermeincten 2) Nicht gerade kleinere Augeii bat die Venus/ nach Verhältniß der übrigen Theile des Gesichts/ sondern ilire Augen stehen nur weniger o ff e n, um den freundlichen Vlik ;u erhalten. M e»e r. Winckclmaii. 12 266 Geschichte der Kunst. Kleopatra in der Villa MediciS,<) wie die Augen an gehängeten Menschen sein würden/ und eben dergleichen Augen hat ein junger Bildhauer gegenwärtiger Zeit zu Rom einer ihm aufgetragen Statue einer h. Jungfrau, in der Kirche von S. Carlo al Corso, gegeben. ß. 23. Den Alten ist in Bemerkung der Schönheit nichts unentdeket geblieben, bis auf den Zug der Augenlieder: den das Wort beim He- siodus scheinet auf eine besondere Form derselben zu deuten. Der Haufen späterer griechischer Sprachlehrer erkläret dieses Wort sehr unbestimt und weitläuftig mit mit schönen Augenliedcrn. Der Scholiast des Hesiodus hingegen scheinet zum inneren und geheimen Verstände zu dringen, und will/ daß Augen bezeichne, deren Lieder einen geschlängelten Zug machen, welcher mit den Wendungen der junge» Schlingen der Weinreben (-'x-xe?) verglichen worden. 4) Diese in ihrer Maße gedeutete Vergleichung könte statt finden, wen man den gezogenen Schwung des NadeS schöner Augenlieder betrachtet, welcher sich hier an den vorzüglichsten idealischen Köpfen, wie am Apollo, an den Köpfen der Niobe, und sonderlich an der Venus deutlich zeiget; an den kolossalischen Köpfen, wie an der Juno in der Villa Ludovisi, ist dieser Schwung noch deutlicher ge- 1) Ist nach Floren; gebracht, übrigens hat Visconti (Nus. Z?iu-CIem. t. 2. p. 90.) dargetlian, daß solche liegende Statuen die Ariadne vorstellen. Meyer. 2) Die Judith des Bildhauers Le Vrun. Fea. z) IllLOßv!!. V. 16. F e a. Des Scholiasien Worte sind: Siebelis. 6 Buch/ 5 Kap. 26? zogen und empfindlicher angegeben. An den Köpfen von Erzt in dem hereulanischen Museo sind an dem Runde der Angenlieder Svnren/ daß die Härchen derselben mit kleinen eingesezeten Spizen angedeutet gewesen. §. 2^. Die Schönheit der Augen selbst wird durch die Augenbraunen erhoben und gleichsam ge- krönet/ die desto schöner sind / in je dünneren Faden von Härchen dieselben gezogen erscheine» / t) welches in der Kunst an den schönsten Köpfen die schneidende Schärfe des Knochens über den Augen andeutet. 2) Bei den Griechen hießen dieselben Au gen braunen der Gratien.^) Wen fie aber sehr gewölbet waren, wurden sie mit einem gespa mieten Bogen/ oder mit Schlicken verglichen / ^) und stnd niemals für schön gehalten worden. 5) Jenes ist welches LuciannS an den Köpfen des Praxiteles besonders schön fand. 6) t) Nach dem Worte Härchen fugt der Autor in der ersten Ausgabe S. l7S. noch hinzu: „wie sich die- „ selbe in der schönste» Natur also findet. (Su-uz-s, vo),. „«>2. p> ?5.)" welches im Texte keinen beauemen Plaz finden ka». Me»er. 2) VirA. I. g. v. 63. Z) IVvinc». Inscript. 126. dass, I. k'udrcttl Inscript. c. 4. 622. n. 4^3. S) In Toscana werden Personen mit solchen Augenbraunen stuxvri genant. Winckelman. Er spricht blos von der knidischen Venus. Fea. Er kaii die s ch n ei d e n d e Sck> ärfe des Knochens über dem Auge an den Köpfen des Prari» teles nicht genieint haben/ weil derselbe die Augen« knochen nicht mehr scharf angedeutet hat. Es wärc 268 Geschichte der Kunst. In Anzeigung der Eigenschaft der Schönheit der Augenbrannen/ die Perron in s in folgenden Worten gibt! 8»^viciIiÄ USI^UL !>cl nialsrum seri^lurnui curreuiik, et misus eon^nio lurninurn ^ei^e ^ermixta, glaube ich/ man könne/ anstatt scriptui-am, welches nichts bedeutet/ das Wort stiicturam sczen,^) ohn- geachtet ich weiß/ daß in dem Verstände/ wo -tn» t»ra bei den Scribenten vorköiiit/ dasselbe hier nicht anzubringen ist. Wen man aber demselben die Bedeutung des Worts wovon jenes hergeleitet ist/ gibt/ würde Perronins haben sagen wol- j len: „ bis' an die Gränzen der Baken über den j „ Wangen; " den -trinx«-,-« Heisset auch so viel als rsclere, das ist: genau und dicht vorbei- strei ch en. §. 26. Die Andeutung der Augenbrannen/ d>,S ist: ihrer Härchen/ weil dieselben kein wesentliches Theil sind/ kau an Köpfen bestimter Personen sowohl als idealischer Figuren von dem Maler wie von dem Bildhauer »vergangen werden / wie dieses vom Raphael und vom Annibal ClN'acci geschehen ist. An den schönsten Köpfen in Marmor sind wenigstens die Augenbrannen nicht angegeben in abgesonderten Härchen. Augenbrannen/ die zusammenlaufen/ sind bereits erwähnet; ich habe mich gegen dieselben erkläret und mich hier olso, was mich dem Worte am angemessenste» scheint, die Stelle von dem schütten Schwung oder der Wölbung/ welche Praxiteles dem Nand des Augenknochens, wo sonst die Angenbrauuen stehe», gegeben hat, zu Verstehe». M e»er, >) 8,it)ric, c. i2 p, 6oZ. Fea. 2) Nur die Ausgabe von Burman hat scrixturar», all! ^ andern Ztriclursm. Fea. Z) r-t B. 2 K. ZZ §,Z 5 Buch? 5 Küp. billig gewundert/ wie Tbeokritus/ der Dichter der Zärtlichkeit/Augenbraunen/ die zusammen laufe«/ schön finden können; und daß ihm andere Scribenten hierin gefolget sind/ unter welchen Jsak Porphyrogenetes ist/der solche Augenbraunen dem Ulysses gibt imglei- chen auch der vermeinete Phrygier DareS/ welcher die Schönheit der BriseiS auch durch zusammengewachsene Augenbrauen bezeichnen will. Vayle sand dieses/ auch ohne Kentniß der Kunst/ fremde gedacht an einer Schönheit/ und meinet/ daß solche Augenbraunen der Briseis zu unserer Zeit für keine Eigenschaft der Schönheit würden gehalten werden. Man kan aber mit demselben versichert sei»/ daß Kenner der Schönheit anch vor Alter? eben so gedacht haben / unter welchen AristänetuS ist/ der die abgesonderten Augenbraunen an einer schönen Person lobet. Es sind zwar die Augenbraunen an dem Kopfe der Julia des Kaisers Ti- tus in der Villa MediciS/5) und an einem an- 1) ichn, vnr, v.72. 2) variar. lect. I. 5. c. 20. s,. 5i i. Er spricht hier blos als Historiker, und ist dahev eben so wenig zu tadeln, als Suetonins im Folgenden. Fea. 3) Oictionn. /j) 1. I. 1. p. 5. !) Vekantlich sind die Antiken au§ der Villa Me^diei nach Florenz gebracht worden, und daselbst finden sich in der Galerie zwei Brustbilder, denen man den Namen der Julia des Titus beigelegt. Das eine Verdient nicht viel Aufmerksamkeit ; das andere aber ist von vortresli- cher Arbeit, an Haaren und Gewand besonders fieis- fig ausgeführt und wird wahrscheinlich eben dasjenige sein, dessen der Autor hier gedenkt. Dieses Monument ist wohl erhalten, und hat nur die Spize der Nase er« 270 Geschichte der Kunst. deren weiblichen Kovse in dem Paläste Ginstini- ani mit einander vereiniget; man glaube aber nicht/ daß dieses geschehen sei/ die Schönheit dieser Personen zu erhebe»/ sondern ein ähnliches Bild z» machen. Unterdessen/ obgleich Suetonius die zusammengewachsenen Augenbraunen des Augustus bemerket/1) finden sich dieselben an keinem einzigen seiner Köpfe also vorgestellet. Augenbraunen/ die gänzt, nebst Stüke» an den Slire». über den Umstand, daß die Augenbraunen z n sa »> m e» la u sen, können wir keine Auskunft geben, weil unsere B>obachtunge» nicht daraus gerichtet waren; es gibt aber ebenfalls in der florentinischen Galerie in einem Nebenzimmer, wo An- tiken stellen, ei» Brustbild einer unbekanten römischen Frau, deren etwas starke Augenbraunen über der Nase zusammenlauien, und noch obendrein gekräuselt stnd. Das vorgestellte Individuum mag etwa zu Trojans Zeiten gelebt haben, »ach Maßgabe des St»ls der Ar- Veit und des Haarxuzes, welcher leztere aus sehr vielen l um den Kops gewundenen Flechten besteht; von der Stirne zuruk, längs den Schläfen, geht ein ordentliches Nez von kleinen Lökchen bis nach hinten über den Knoten der Haarflechten, und eben diese ^ökchen bilden über der Stirn eine Art von Schläuse. Das Gestcht hat keine schönen Züge, etwas ausgeworsene Lipen, und ein sehr zurükgeworsenes Kin; es ist aber überhaupt so aus« serordentlich natürlich, daß man das auf den Liven schwebende Wort zu hören erwartet. Sowohl die Fleisch- parrhien als die Haare sind mit großem Fleiß und Kunst gearbeitet, die Nase ist neu, desgleichen das Hintere Theil' der Shrffügel, auch stnd die Schultern angesezt; aber die wirkliche Brust hat sich erhalten. Mever. t) I» ^ugusto, c, 7g. 2) Zusa mm en la usend e Augenbraunen, wie dem Suetonius zufolge Augustus gehabt, steht man wirklich an einem vorzüglich gearbeiteten Kovf desselben von weissem Marmor, im Muse» Pio - Clementi- no (t. 6. tllli. welches auch zugleich das einzig« 6 Buch, 5 Kap. 271 sich zusammenziehe»/ sind/ wie eine griechische Eilschrift anzeiget/ ein Zeichen des Stolzes und der Bitterkeit: K. 26. Nebst den Augen ist der Mund der schönste Theil des Gesichts; die Schönheit dessen Form aber ist allen bekant und hat keiner schriftlichen Anzeige von Nöthen. Die Lipen sollen nöthig sein/ um mehr schöne Rothe zu zeigen/ und die untere Lipe völliger als die obere/ wodurch zugleich unter derselben und über dem Kinne die gesenkcte Tiefe/ eine Bildung der Mannigfaltigkeit/ entstehet/ die dem Kinne eine völligere Rundung gibt. An einer von den zwo schönen Statuen der Pallas in der Villa Albani lieget die Unterlipe unmerklich hervor / zu mehrcrem Äusdruke der Ernst- kaftigkcit. An Figuren des Attesten Styls pflegen die Lipen geschlossen zu sein; nicht völlig geschlossen bekante Bild sein soll, das diesen Fürsten bejahrt vorstellt. Fea. 1) lirunclvü I. Ü2. n.A5. Es scheint hier von einer willkürliche» Zusam- menziehung der AugcnbrauneN/ und nicht von einer natürlichen die Rede zu sein; >vie Aristophanes (!>>ul, v. 754.) von den Verdamten im Erebus sagt. Derselbe lehrt sl^sislr. v. S — g,), daß eine Frau/ welche in ihrer Traurigkeit die Augenbraunen zusammenziehe/ ihre Schönheit verunstalte. Sophokles in der Antigone sagt das Nämliche. (V. Ssg.) Fea. 2) In der ersten Ausgabe S. tSj steht Folgendes: „Das „Maß des Mundes ist/ wie angezeiget worden, gleich „ der Ssnung der Nase; ist der Schnitt desselben län- >, ger, so würde es wider das Verhältniß des Ovals >, sein, worin die in demselben enthaltenen Theile in 1, eben der Abweichung gegen das Kin zu gehen müßen/ 11 in welcher das OVal selbst sich zuschließet. " Meyer. 272 Geschichte der Kunst. aber sind dieselben an allen göttliche»/ sowohl weiblichen als mänlichen Figuren aus' den folgenden Zeiten der Kunst/ und sonderlich an der Venus/ das Schmachtende der Sehnsucht und der Liebe in ihr auszudrüken; und eben dieses kan auch von heroischen Figuren gemerket werden. Auf die Öf- nung des Mundes einer Statue des Apollo/ in dem Tempel desselben auf dem Palatins zu Rom, deuter auch PropertiuS mit dem Worte liiare: Nie e^uidenn ?I>c«I)c> visns milii siulcrior ijiso Hliiimorcus iaLi'l» csiiueli /»a^e Ivi.i^ 2) In ähnlichen Bildern bestickter Personen pfleget das Gegentheil zu sein; und die Köpfe der Kaiser überhaupt haben ohne Ausnahme geschlossene Lipen. Der Rand der Lipen an Köpfen des älteren StylS ist an einigen mit einer eingeschnittenen Linie bezeichnet/ an anderen aber ist dieser Rand ganz > unmerklich erhoben und wie gekniffen; welches ver- I muthlich geschehen/ um an Figuren/ die in einer gewissen Entfernung standen/ den Zug desselben ' deutlicher zu bezeichnen. Sehr wenige Figuren/ die im Lachen/ so wie es einige Satyrs oder Faunen sind/ vorgestellet worden/ haben die Zähne sichtbar; und von Figuren der Gottheiten mit einem solchen Munde ist mir nur bekaiit eine Statue des Apollo des älteren Styls, in dem Palaste Conti. 4) t) So war die knidische Venus des Praxiteles, (I^llcian, II. iZ.) F e a. 2) 1^. 2. 2Z. V. 5. 3) Die Lipen sind etwas geöfnet a» ciniaen Köpfen des älteste» St»ls/ welche berühmte griechische Personen vor, stellen und im Bestze des Cavaliere Don Nicola d'Aia- ra sind. Fea. Ä Wahrscheinlich der A p oll»/ dessen schon unter den Denk- 5 Buch, 6 Kap. 273 §. 27. Das Kin wurde von den griechischen Künstlern in Bildern hoher Schönheiten nicht durch ein Grübchen unterbrochen: den dessen Schönheit bestehet in der rundlichen Völligkeit seiner gewöl- beten Form, welche durch die Unterlipe, wen dieselbe kurz ist/ desto mehr Großheit erhält/ und um diese Form dem Kinne zu geben/ haben die alten Künstler/ nach Anweisung der schönsten Natur / die unteren Kinladen größer und tiefer heruntergezogen/ als gewöhnlich ist/ gehalten. Und da das Grübchen im Kinne/ welches bei den Griechen hieß/>) nur einzeln in der Natur und etwas Zufälliges ist: so ist es von griechischen Künstlern nickt/ wie von neueren Scribenten / ^) als eine Eigenschaft der allgemeinen und reinen Schönheit geachtet worden. Daher findet sich das Grübchen nicht an de? Niobe und an ihren Töchtern/ noch an der albanischen Pallas/ noch an der CereS/ auf Münzen von Metapont/ so wenig als an der Pro-^ scrpina auf Münzen von SyrakuS/ den Bildern der höchsten weiblichen Schönheit. Von den schönsten mänlichen Statuen hat weder Apo llv/ noch der Melager im Belvedere/^) noch Bak- »lalen der Hetrurier gedacht ist; tZ B. Z K. §.Z und der zu den seltnen Figuren des alten St»ls gehört, weil diese sonst die Lipen meistens geschlossen haben. Meyer. 1) pollux, I. 2. c. 4. go. 2) i'Vanco, Dinl. «loll.i 1. P. 27. Auch Paul Anton Nvlli (lii»«-, x. >z.) in folgen den Verse» : Winckelmaü. Z) Der sogenante AntinouS/ den Visconti sur einen M e rcu ri ns hält. (IVluz. ?io -Llem. t. >. tav. 7.) Fea. Geschichte der Kunst. chus in der Villa Medici S/ so wenig aks was sonst von schönen idcalischen Figuren übrig ist/ dieses' Grübchen; mir der Kopf eines Apollo von Erzt/ in Lebensgröße/ in dem Museo des Collegii Romani/ und die Venus zu Florenz/') haben dieses Grübchen/ als einen besonderen Liebreiz/ nicht als etwas zur schönen Form Gehöriges; es war auch an dem Kopfe der Statue des Bathyllus/ die in dem Tempel der Juno zu Samos stand/ wie Apulejus berichtet;^) und es beweiset nicht das Gegentheil von dem, was ich sage/ wenVarro dieses Grübchen einen Eiudruk des Fingers der Liebe nennet. §> 28. Da also die völlige Großbeit des Kiiis eine Eigenschaft von dessen Schönheit ist/ die allgemein bekant war/ und an allen Figuren würdiger Werke des Altertums beobachtet worden: so kaii man sicher schließe»/ wen in Zeichnungen derselben das Kin unterwärts wie cingekniffen ist/ daß dieser Einbug eine Unwissenheit des Zeichners sei; und wo sich ein solches Kin an alten idealischen Köpfen finden sollte/ kan man billig muthmaßen/ daß eine t> In der Vorläufige» Abhandlung (4K. 6Z§.) fi igt der Autor hinzu: „Weil die oben genante Venus »dieses Grübchen hat/ wie es auch an der Statue des »Bathyllus zu Samos f^pul, I>'lvriil> >5.) zu se< „ hen war: so bin ich auf die Vermuthung gekommen, »daß jene Venus vielleicht die Porträtstatue einer » schönen Frau sein köiite, bei welcher sich die Künstler „ in Hinsicht dieses Theils von der wahren, ihnen vor- » schwebenden Jdea des Schönen entfernen mußten. " Fea. fMan vergleiche 4 B> 2 K. 26 §,Z 2) ?Iori6, c. lü. Z) ZVonium, c. 2. n. 614. Ligills !n mento im^rss- sa vcsliglo ileiuons^raut molliluiUncm. Meve r. 6 Buch/ 5 Kap. »nie unwissende Hand hier habe künsteln wollen. Ich zweifele daher/ ob der schöne M er c u rius von Erzt in dem herculanischen Mnseo ursprünglich ein solches Kin gehabt habe; sonderlich da versichert wird/ daß der Kovs desselben in viele Stüke zertrümmert gesunden worden. Wenig neuere Maler l»id Bildhauer sind in dem Kinne ihrer Köpfe ohne Tadel/ und die mehresten haben dasselbe zu klein/ zu spizig/ und zuweilen wie umher gekniffen gehalten/ und Pietro von Cortona ist allezeit an dem kleinlichen Kinne kentlich. Bet dem Kinne der m edieeischen Venus habe ich eine andere Unvollkommenheit zu bemerken vergessen / nämlich die platte Spize desselben/ in deren Mitte das Grübchen ist/ und dieses Kin ist dergestalt platt gcdrükct/ daß sich solche Fläche weder in der Natur/ noch an irgend einem alten Kopse findet.^) Unterdessen/ da diese Statue noch beständig von unseren Bildhauern in Marmor nachgearbeitet wird/ ahmen sie die ungewöhnliche Fläche/ als eine Schönheit/ in der größten Strenge nach/ uud sie können nicht überzeuget werden/ daß ein breit gedrüketeS Kin nicht schön sei. §. 29. Kein Theil des Haupts alter Köpfe pfleget mit mehreren! Fleisse/ als die Ohren/ ausgearbeitet zu sein / und die Schönheit/ sonderlich die Ausarbeitung ist hier eines von den untrüglichste» Kenzeichen, das Alte von dem Zusaze und von t) Gipsabgüsse mögen den Autor zu dieser Stelle Wider das Km der m ed i eei scl> e» Venus verleitet habeni den hätte er zur Zeit/ da solches geschrieben wurde, den Marmor selbst vor Augen gehabt / so wäre es seiner Neobachtung schwerlich entgangen, das, die rechte Seite des Kins beschädigt, und mit Stueco ausgebessert, vielleicht das ganze Kin ein wenig über- und abgearbeitet ist, vornehmlich untznher. Meyer. 276 Geschichte der Kunst. der Ergänzung zu untersch»iden; dergestalt/ dass wen man über da» Alter geschnittener Steine zweifelhaft ist/ und man siehet, daß das Ohr nur wie angeleget/ und nicht mit aller Sorgfalt ausgearbeitet ist/ man die Arbeit ohne Zweifel für neu erklären kan. i) An Figuren bestickter Personen kan man zuweilen/ wen das Gesicht verunstaltet und unkentlich geworden ist/ aus der Form des Ohrs die Person selbst/ wen dieselbe bekaiit ist/ errathe»/ wie aus einem Ohre mit einer ungewöhnlichen großen inneren Öfming auf einen Niareus Aure- lius zu schließen ist. In solchen Figuren sind die alten Künstler so aufmerksam auf die Ohren gewesen/ daß sie auch das Unförmliche angedeutet/ wie dieses unter anderen an einem schönen Brustbilde deS Marchese Rondinini/ und an einem anderen Kopfe in der Villa Altieri zu sehen ist. K. >50. Nebst den unendlich verschiedenen Formen der Ohren an Köpfen/ die nach dem Leben selbst gebildet worden/ oder Copien derselben sind/ bemerket man ein ganz besonderes Obr an idealischen Figuren sowohl als auch an einigen / die bestickte Personen vorstellen; und dessen Eigenschaft bestehet darin/ daß es platt geschlagen und an den knorpelich- ten Flügeln geschwollen erscheinet/ wodurch der innere Gang derselben enger/ und das ganze äussere Obr selbst zusammengezogen und kleiner geworden ist. Ein solches Ohr wurde ich zuerst an einigen Köpfen t) Diese Bemerkung bestätigt sich im den Köpfen von vor, züglicher Schönheit und besonders an den Büste»/ welche man in der Nähe betrachten muß, wie z, B> an der des jungen Com modus im Museo Cavitolino, und an ander»/ wo auch die übrigen Tbeile nicht sorglos gearbeitet sind; aber vernachläßigt sind die Ohren oft a» Köpfen und besonders an Statuen. Fea. 5 Buch, 5 Kap. 27 i' des Herkules gewahr/ und ich muthmaKete/ daß hierin eine verborgene Bedeutung liegen mäße/ die ich mir vermittelst des Bildes/ welches UNS Philo« stratus vom Hektor gibt/ gefunden zu haben glaube. §. 31. Dieser Scribentführet den Prot esilaus redend ein/^) und lässet ihn die Statur und die Eigenschaften der griechischen und phrygischen Helden im trojanischen Kriege beschreiben/ wo er insbesondere die Ohren gedachten HeldenS von Troja anzeiget, nnd saget/ daß derselbe das ist: daß er die Ohren zerbrochen und zerschlagen gehabt habe. Diese Obren waren ihm so geworden/ nicht im Ringen/ wie sich Philostratus aus- drüklich erkläret/ weil dergleichen Übungen unter den asiatischen Völkern noch nicht eingeführet waren/ sondern im Gefechte mit den Ochsen. Was hier heißet/ erkläret ebenderselbe mit der Redensart: 5» kl-«, das ist: durchgearbeitete Ohren auf dem Kamp fplaze, wie er ste dem Nestor gibt. Ich verstehe indessen nicht/ auf was Art vom Hektor könne gefaget werde»/ daß er solche Ohren im Kampfe mir Ochsen bekommen habe; und eben dieser Zweifel ist dem Vigenere in der französischen Übersezung des Philostratus entstanden/') daher glanbe ich/ daß der lezte Übersezer/ in der leipziger Ausgabe dieses Scribenten/ nm aller l) tlvroic. c. 12. x> 722. Ä Die wiener Herausgeber wahrscheinlich habe» hier Protesilaus in Palamedes verwandelt; den Protesilaus wird vom P hi lo stratus als Lobredner de? Hektors ausgeführt. Meyer. Z) Itcroic. c>Z. I Z. 4) l'. 79S- Geschichte der Kunst. Schwierigkeit auszuweichen, sich mit einem allgemeinen Ausdruke zu helfen gesuchet habe, indem er gegeben hat: alklelico erat k»biru.^) §.32. PhilostratuS redet hier vermuthlich wie aus dem Munde des Plato , ?) wo dieser den SokrateS folgende Frage an den KallikleS thun lässet: »Sage mir/ ob die Athenienscr vom Pe- » rikleS besser gemachet worden sind / oder vielmehr „ geschwäzig und lasterhaft?" worauf KallikleS also antwortet: „Wer wird dieses sagen/ als nur .«diejenigen/ welche die Ohren zerschlagen ha- „ ben: " das ist: Leute/ die nichts anderes wissen/ als auf dem Kampfplaze zu schlagen. Dieses zielet vermuthlich auf die Spartaner/ als welche weniger als andere den Künsten zugethan wäre», die Pe rikleS in Athen emporgebracht hatte/ und mehr die Übungen deS Leibes schäzctcu/ ob eS gleich Serranus ganz entfernet von meiner Meinung also nbersezet hat : IiWe »uclis sl> iis, ^»i kractas ol>- tusasi^lie isris rurriori^us »ures Iialzcnrz daS ist : ,, die- „ seS körest du von denen sagen/ die von solchem „ Geschwaze die Ohren voll haben. " Den meine Muthmaßung/ in Absicht auf die Spartaner/ gründet sich auf eine andere Stelle des Plato in dessen P ro tagoraS/2) wo unter den Eigenschafren/ welche die Spartaner von den übrigen Grie- t) Hier ist dem Slearius/ so viel dessen Ausgabe dr» Philostratus auch zu wünschen übrig UM, olme Zwei- sel Unrecht geschehen, da dieser sast dasselbe sagt, wai der Autor im Paragravhe 32. Me>>er. Ncillilorlli, p. ^zg. Meyer. Z) ^ Z42. F e a. 5 Blich/ 5Kap. ?79 chen unterschieden/ von jenen gesaget wird: -- : die die Ohren zerschla» gen haben. Aber auch diese Redensart ist irrig ausgeleget worden, indem MeursiuS annimt/^) daß die Spartaner sich die Obren selbst zerschnitten haben (aures sibi conei6uat); und daher hat eben derselbe auch die folgenden Worte: , nicht besser verstanden, in der Meinung/ die Spartaner hätten sich die Ohren/ nachdem sie dieselben zerschnitten/ mit Riemen umwunden. Ein jeder aber verstehet leicht/ daß hier von Schlagriemen die Rede ist/ die um die Hände gewikelt wurden/ wie es ein anderer Gelehrter vor mir eingesehen hat. §. 33. Ein Ringer mit solchen Ohren Heisset beim Lucianus und mit einem gleichbedeutende« Worte beim Äaertius «?/') da wo dieser Scribent von demPhilosophenLy- >) I.acvn. I. >. c. >7. Fca. Fea führt dieses Buch als dasjenige an, was der Anror zu nennen vergessen hat/ und sagt, daß es nichts zur Erklärung des streitige» Gegenstandes enthalte. Er tadelt die Erklärung der Worte Platos: , und glaubt/ das; dieses müße ans die Ohren bezogen werde»/ welche sich die Athleten der Alten gegen die Angriffe der Gegner zur Sicherheit zu umwinden pflegten, (pliilostrat. Icon. I. 2. c. 21. ?lu- larck. lle oudil. inil.) Allein wen auf das Umwickeln der Ohre» gehe» sollte/ wurde Plato nicht sondern vielmehr himugeseit haben. Meyer. Z) 9.^ Fea. I.. 5. scgui. 67. Fea. 2so Geschichte der Kunst. ko» redet/ welcher ein berühmter Ringer war. Dieses lezte Wort wird vom HesychiuS und vom SuidaS erkläret: , einer mit zerquetscheten Ohren/ und kaii mit dem Daniel HeinsinS nicht von verstümmelten Ohren verstanden werden. SalmasiuS/ der diese Stelle des LaertiuS anführet/ hält sich lange auf bei dem Worte übergehet aber mit Stillschweigen das schwerere Wort Z. 3^. Solche Ohren hat zum ersten Herku- leS/ weil er in den Spielen/ die er selbst dem PclopS/ desTantaluS Sohne/ zu Ehren bei Elis verordnete/ den Preis als Pankratiast davontrug Z) wie nicht weniger in den Spielen/ die A käst uS/ der Sohn des PeleuS zu ArgoS feierte. ! Ferner ist Pollux mit solchen Ohren gebildet/ weil er den Sieg als Pankratiast erhielt in den ersten pythischen Spielen zu DelphoS/und diese Form des OhrS an einem jungen Helden auf einem großen erhobenen Werke der Villa Zllbani ist der Grund gewesen/ dasselbe auf den Pollux zu deuten/ wie ich in meine» Denkmalen des Altertums dargethan habe. 5) Man bemerket eben solche Ohren an der Statue des Pollux auf dem Cam- pidoglio und an einer kleinen Figur desselben in der Farnesina. ES ist aber zu merken/ daß nicht an allen Bildnissen des Herkules solche Ohren erscheinen: diejenigen/ die ihn als einen P ankrati- asten und folglich mit jenem Zeichen vorstellen, ») I^ot. in llvrat. I. t. v. Zo. Fea» 2) ^.6 l'ertull. x. 223. F e a. Z) I. 6. v. 6. lud. 27Z. !. 5. c. 9. Fea. 4) 51)'ßirtU8 !. c. Fea. 5) l.Numero 62.^i 5 Buch/ 5 Kap. sind/ von Statuen, die des Herkules von Erzt im Campidogliv/ und sechs andere von Marmor: die eine im Belvedere/ die andere in der Villa Medicis/ die dritte im Palaste Mattei/ die vierte in der Villa Borghese, die fünfte in der Mlla Lndovisi, und die sechste in dem Garten des Palastes Borghese. Unter den Köpfen des Herkules mit solchen Ohren kan ich folgende anzeigen: im Campidoglio/ im Palaste Barberini/ in der Villa Albani/ der schönste aber von allen ist eine Herme des Graven Fede, die in der Villa Kaisers Hadrian uS zu Tivoli gefunden ist. Die Jezo im Museo P io-Cl e menti» o. Fea. 2) Jezo im M u se o P i o- C le m e»t i» o / in dem Zimmer, worin die Musen sind. Fea. Visconti (t. 6. p. 20. t->v. >>.) hat dieselbe beschrieben und abbilden lassen. Er legt ihr das größte Lob bei/ und nent sie eines der wundervollsten Denkmale/ die aus dem Altertume aus uns gekommen sind.— Die Arbeit/ meint er/ wäre so vortreslich, daß man be> sugt sein würde / sie aus dem goldenen Zeitalter der Kunst in Griechenland zu halten/ wen nicht einige ganz »nläugbar unter Hadrians Regirung verfertigte plastische Denkmale vollkommen genug waren/ um alle Bemühungen derer zu Schanden zu mache»/ die getrachtet hätte»/ über die Zeit der Entstehung alter Kunstdenk- male zu urtheilen. In der Note zu dieser Stelle sucht er seine Meinung noch bestimter auszudrüken. Er wolle hiermit nicht behaupten/ daß gar keine Kenzeiche» vorhanden seien/ wodurch sich in den Bildwerken der Alte» gewisse Epoche» erkennen ließen; doch einzig aus der Nortreslichkeit der Arbeit werde der Unterschied zwischen Epoche und Epoche/ an Werke»/ welche nach dem völlige» Aufblühen der Kunst unter Phidias und vor ihrem schnelle» Versalle im Z Jahrhundert entstanden/ selten nachzuweisen sein. Es wäre sehr überflüssig/ sagen zu wolle»/ daß wir über den gedachten Hauptpunkt mit Visconti 12 » 282 Geschichte der Kunst. Bemerkung solcher Öhren an zwei Brustbildern eines' jugendlichen Herkules/ von Lebensgröße und von Erzte in dem herculanischen Musev/ hätte in denselben, da diese ausserdem durch ihre Bildung und Haare kentlich sein konten/ die wahre Vorstellung bestätigen können. Da aber weder dieses noch jenes.-bcobachtet worden/ hat man den jüngeren Kopf für einen Mar celluS/ des Augustus Enkel/und den alteren für einen Ptolemäus Philadelphus angegeben.^) Die Form solcher Ohren an einer kleinen mänlichen unbekleideten Figur von Erzt/ im Hause Massimi/ welche ich für ein neues Werk gehalten hatte/ ehe ich auf die Ohren Achtung gegeben/ machete nachher mein Urtheil über diese Figur richtig. Da ich mich mm versichert halte/ daß vor mir niemand/ sonderlich kein Künstler/ diese Ohren bemerket hat: so waren mir dieselben ein Beweis des Altertums des Kopfs der Figur / und ich fand in demselben bei genauerer Betrachtung eine Ähnlichkeit mit den Köpfen des nicht einerlei Meinung sind; aber wen wir mit ihm im mehrern Srten in Widerspruch gerathen, so konte eine Stelle durchaus nicht Übergängen werden, die schon bei Manchen gegen Winckelmans Lehre und Ansicht der antiken Kunstwerke Zweifel erregt; auch mag sie uns zugleich zur Entschuldigung dienen, falls wir Viscontis Ur- theilen, in wiefern dieselben das Kunstverdienst antiker Denkmale betreffen, kein entscheidendes Gewicht zugestehen. Die Herkulesherme halten wir zwar für vortreflich gearbeitet, auch im Betref der Formen und des Charakters für sehr schäzbar; doch scheint ste uns übrigens gerade eines von den Monumenten zu sein, deren Abkunft aus Hadrians Zeit eben nicht besonders schwer zu errathen ist. Meyer. >) Lroll?'» il'15rcnl. tav. 4g—Lo. z) Ibiil. — 62. 5 Auch/ 6 Kap. - 283 Herkules. Der Schlauch/ den diese Figur auf der linken Achsel trägt/ scheinet einen HerkuleS/ mit dem Beinamen der Säufer/ abzubilden. Ich glaube als»/ wen Plinius die Statue des Dio« xippus anführet/5) welcher im Pankratio gleichsam ohne Mühe oder Widerstand Sieger geworden/ daß die Ohren an derselben nicht Ringern ähnlich gebildet gewesen/ und daß diese Figur sich dadurch von den Statuen anderer Pankratiasten unterschieden habe. §. 36. Durch eben solche Ohren werden einige der schönsten Statuen des Altertums/ die Pankratiasten vorstelleten/ und Werke des Myron, des Pytl>agoraS und des Leochares waren/ »nd der schöne Antolykus bezeichnet gewesen sein; 2) e§ ist auch das rechte Ohr des irrig sogenanten Fechters in der Villa Borghese also gestaltet/ H welches man noch nicht bemerket hatte/ da das linke mangelhafte Ohr ergänzet wurde. Beide so ge- sormete Ohren siehet man an einer jungen heroischen Statue in der Villa Albani/ und an einer ähnlichen Statue/ die ehemals im Palaste Verospi stand/ und sich izo in dem Mnseo Herrn H ein rich Hennings zu London befindet. Durch solche Ohren glaube ich in einer Herme eines Philosophen/ in der Villa Albani/ den Philosophen Lykon/ den Nachfolger des Strato, in der peripatetifchen ») k.. 35. c. I I. sect. Z6. n. 32. Oivxi^um, c^ui pancra» >io Olympia citia pulvci'is taclum (ljuod vocant axc- vicit. 2) ?Iill> I. Z4. c. g. sect. Ig. II. 17. Melier. Z) Dir Vemerkung über das eine antike Pankratiasten- vhr am borg he sisch en Fechter ist richtig; aber nicht das linke Ohr ist ergänzt/ sondern das rechte, SZ! e»e r. 28i - Geschichte der Kunst. Secte/ zu erkennen! den es war derselbe in seiner Jugend ein berühmter Pankratiaste gewesen, und er ist/ so viel ich mich erinnere/ der einzige , unter den Philosophen/ von welchem dieses berichtet wird. Da nun derselbe nach dem LaertiuS zerquetschete Ohren hattet) und noch nachher/ da er diesen Leibesübungen entsaget hatte/ die völlige Gestalt eines Ringers zeigete: -r-c wird meine Benennung dieser H e r m e dadurch sehr wahrscheinlich. 2) Ich schließe ferner aus so geforincten Ohren des schönen Brustbildes eines Jünglings von Erzt in dem herculanischen Muse»/ welches die Gestalt der Hermen hat/ und mit dem Namen des Künstlers/ des Apollonins eines Sohns des Archias aus Athen/ bezeichnet ist/^) daß hier das Bild eines jungen NingerS/ und nicht der Kaiser Augu stu S in seiner Jugend/ dem es ausserdem nicht ahnlich ist/ vorgestellet sei. Zu- lezt merke ich an/ daß eine Statue in dem Mu- ^ seo Cavitolino/4) die man einen Pankratia- sten nennet/ keine solche Person sein könne/ weil dieselbe die beschriebene Form der Ohren nicht hat. i) l. Z> scgm. 67. Fea. Z) Bisconti sagt (Mu5. ?io-ciem. t. 6. P,2I. not, nian lese auf der diesem Kovfe spärer angefügten Herme den Namen Xenokrates. I» Hinsicht der Ohren habe sich der Autor geirrt, und sie wären eigentlich nicht a th> le tisch geformt/ oder wie an Pankratiaste», sondern nur inorvelig und runzlig (r-Agrin- wie es dem Kofe eines alten hagern Mannes zukomme. Me»er. z) Lr»n/>i (I'lZi-colonu, luv. 46 — IMan Vergleiche den Versuch einer Alleg 0 rie, §. 7 — 15. Ein Ohr der Paukratiasten ist in den Denkmalen unter NU' mero ) Von den Haaren über der Stirne habe ich bereits vorher geredet/ wo zugleich angezeiget worden/ wie diese Haare lind deren besonderer Wurf einen Jupiter und Herkules von andern Göttern kcntlich machen. 2) Z. 37. Die Arbeit der Haare war verschieden nach der Eigenschaft des Steins/ so daß dieselben in der harten Art wie kurz geschnittene und hernach sein gekämmete Haare vorgestellet sind / welches ich ^ unten an seinem Orte wiederhole/ weil dieser Stein spröde und zu hart ist/ frei hängende und krause Haare herauszubringen. In Marmor hingegen und zwar an mänlichen Figuren von guter Zeit der Kunst sind die Haare lokicht gehalten/ ausgenommen wo !) Zur Beurtheilung der Verschiedenheiten des St»l§ und Bestimmung der Zeiten/ aus denen die Monumente herrühren/ ist die Arbeit an den Haare» eines der ersten Merkmale; den da die Haare durch den Plastischen Künstler nie scheinbar natürlich/ sondern immer Nnr aus eine c on ve n tio nell e Weise können vorgestellt werden / so drükt sich der eben gangbare Geschmak einer jeden Zeit darin aus; selbst svätere Nachahmer werden aus dergleichen Nebenwerke minder genau geachtet habe»/ also/ daß auch die Eigentümlichkeit im Geschmake ihrer Zeit sich in den Haaren am deutlichsten offenbart. Me»er. 2) Man vergleiche SB. 1 K. Zt §. SB. SK. !0§.Z 286 Geschichte der Kunst. man in Abbildung von Personen/ die kurze oder gerade Haare hatte»/ diese nachahmen müßen. An weiblichen Köpfen aber/ sonderlich von jungfräulichem Alter/ wo die Haare hinaufgestrichen und an dem Hintertheile des Haupts zusaminengewunden/ folglich ohne Lokcn sind/ siehet man dieselben schlan- genweis und mit nachdrüklichen Vertiefungen gezogen/ um ihnen Mannigfaltigkeit nebst Licht und Schatten zu geben; und also sind die Haare aller Amazonen gearbeitet/ die unsern Künstlern ein Muster an Statuen geheiligter Jungfrauen sein köiiten.5) §. 38. Die Haare sind an allen Figuren aus guter Zeit lokicht/ groß/ und mit dem crsiillich« ?) sMan vergleiche oben S. lLZ eine Note.Z 2Z In den Haare» hat der alte St»l der griechischen Kunst etwas Steifes: doch wie die Monumente desselben sich der Zeit des Phidias nähern, so erhält sich zwar / noch die dratl,artige Manier, aber es zeigt sich immcr ! mehr ein schöner Schwung »ud diejenige edle Einsalt, die ^ dem Großen uud Erhabenen zur Seite geht. Nach dieser Epoche der Kunst bekommen die Haare mehr Bewegung und Weichheit; sie erscheinen nun besonders an der Ve> »ns/ am Apollo und Bakchus sehr zierlich iu Lo> ken gelegt, wie trokne gelbe oder braune Haare, die eine natürliche Krause haben. Von Aleranders Zeit herab, bis da die Römer sich der Herschast über die da> malige eultivirte Welt bemächtigten, erhielt sich der gute Charakter der Haare; aber gleich nach den ersten römi> schen Kaisern sehen wir ein künstliches Gekräusel eintw ten uud eine Bemühung der Künstler, solche mit bvr> l iüglichem Fleiss- auszuarbeiten. Zu Hadriaus Zeit scheint es, habe man dse Haare gleichsam von Salben triesend vorstellen wollen. Dan erscheint unter M»r> cus Nurelius und Lucius Verus die Manier von fast unendlichem Fleiß und Mühe, wo iu unzähligen , Lökchen auf dem Haupte wie am Barte'jedes einzelne Här> chen angegeben ist. So ging es fort bis kurz nach der Zeit des Scptimius Se verus und des Caracas 5 Buch/ 5 Kap. 287 sicn Fleisse ausgearbeitet/ anstatt daß die Neueren ihre Haare kaum angedeutet haben/ wie sonderlich an weiblichen Köpfen zu tadeln ist. ES fehlet daher in diesem Theile Licht und Schatten/ welches durch niedrige Furchen nicht entstehen kaii/ und obgleich die neueren Haare/ wen sie angestrichene oder gebundene Haare anzeigen sollen / der Wahrheit näher kommen/ welches eine von den Ursachen der wenigen Ausarbeitung scheinen könte: so erfordert hingegen die Kunst auch solche Haare in tiefen Krümmungen zu ziehen/ uud hier können die Köpfe der Amazonen/ an welchen keine Loken find/ daS Muster fein. Ferner ist ein gewisser Schlag von Haare«/ der den Satyrs oder den Faunen eigen ist/ wie ich hernach anzeigen werde/ fast allgemein unter den neueren Künstlern an mänlichen Köpfen Mode geworden; vermuthlich weil diese Haare ihnen wenigere Mühe kosten/ und dieser Styl scheinet sonderlich durch den Algardi eingeführet zu fein. §.39. Die Haare der Faune oder der jungen Satyre sind straubicht und krümmen sich wenig an ihren Spizen (solches Haar hieß bei den Griechen und beim S u e t o n i u 6 cspillus leuiter ill- tlexus, l) weil man au ihnen gleichsam eine Art Ziegenhaare vorstellen wollen/ indem man den alten Satyrs oder den Figuren der Pane Zie- la, wo mit der Kunst auch der Fleiß in der Ausarbeitung erlosch. Nun wird alles nachläßiger und roher, bis man endlich an den Bildnissen und andern Werken, welche wahrend Constantins Negirung, wie auch kur; vor und nachher, verfertigt lind, anstatt charakteristischer Darstellung der Haare nur unregelmäßig eingebohrte Löcher gewalzx wird, die, als Masse betrachtet, Wespennestern ähnlich sehe». M e >> e r. ») In ^.uguzt, c> 7g. 288 Geschichte der Kunst. genfüße gegeben hat: es wird daher dem Pan das Beiwort straubhaar, beigeleget.^) Wen aber im Hohenliede die Haare der Braut mit Ziegenhaaren verglichen werden, ?) jst dieses etwa > von den orientalischen Ziegen zu verstehen, deren lange Haare geschoren werden.H §. Haare, die auf beiden Achseln herunterhängen, sind dem Apollo 4) und dem Bakchus gemein,^) und unter allen Gottheiten nur an diesen beiden; welches wohl zu merken ist, weil dieselben hieraus an ihren zerstümmeltcn Figuren erkant werden. 6) §. ät. Lange Haare trugen Kinder bis zu den Jahren der Jünglingschaft, wie man unter anderen erstehet aus der Nachricht des Suetonius i) t. I. p. 1^7. n. Z. 2Z 4 K. t V. »Dein Haar ist wie die Ziege »Heer de, < „ die beschoren sind, auf dem Berge Gilead. " Me»er. ' Z) Lociiart. t. I. 1 .2. c. 5i. et V. 8-iIinas. il» 8olin. p. Z47/I Die Ziegen aus Angura, dem alten Ancura in Kleinasien. Amor et ri. Von den Ziegen in Liicien bezeugt Älianus (6e n.1t. »niiilsl. I. >6. c. Zo ), daß sie sehr lange und krause Haare hatten, aus welchen man Seile und auch Milzen verfertigte. Fea. Apollo im Museo Cavitolino (t. Z. wv. i'j.) hän< gen die Haare in zwei langen Loken zwischen dem Hals und den Schultern herunter. Fea. 6) üurip. in Laccl>. V. 455. 8enec. Ilixpol. V. 7Z1. v. 417. Fea. Durch diese Bemerkung über die Haare ward auch Visconti angeleitet, den Bakchus in den» Sturz einer Statue im Museo P i 0-Cle m e n ti n 0 zu erkennen, 5 Fea. (Man sehe 5 B. t K. 2t §.Z 6 Buch/ 5 Kap. 289 von fünf tausend neapolitanischen Kindern mit langen Haaren/ die Nero daselbst versammelte; ^) die Jünglinge aber pflegeten die Haare kürzer geschnitten zu tragen/ sonderlich hinterwärts'/ ausgenommen die Einwohner der Insel Euböa/ welche Ho- merus daher nennet. ^) Z. 42. Ich kau auch hier die Farbe der Haare nicht übergehen/ sonderlich da über dieselbe in manchen Stellen alter Scribenten ein Mißverstand erwachsen ist. Die blonde Farbe/ ist allezeit für die schönste gehalten worden/ und solche Haare sind nicht weniger den schönsten Götter«/ wie dem Apollo^) und dem BakchuS,^) als' den Helden gegeben;5) und selbst Alexander hatte blonde Haare. 6) Diesem zufolge habe ich anderwärts die Auslegung einer Stelle des Athenäns verbessert/ die man bisher auf schwarze Haare des Apollo gedeutet hat/-') so wie dieser Scribent auch vom Franz JuniuS verstanden worden.«) Durch ein Fragezeichen bekomt diese Stelle einen gegenseitigen Verstand: xö" s Ti-o«?,?-!,; cpü, 1) In c. 20. 2) L. II. v. 642. Fea» 3) I ^ui'i^. Ion. V. 367. OvitZ. meiam. I. 12. V. 166. Fea» 4) Lurip. kaocli. v. 235. 467. (^clop. v. 76. Lenec. v. 421. Fea. 5) Dein Theseus (Ov !6. ep'i8t. 4. V. 72. Lenec. Hixpol^t. v. 649.), dem Ödipus (I^urip. ?1ia.>rn88. v. 32.). Eben so ward auch Jason gemalt. (?InIo8tr. Icon. 7. 87 2. ^linc.) Fea. 6) A>1ian. var. In8t. I. 12. c. 14. 7) I.. i3. c.s. 61. Denkmale, i Th. 17 K. 1 §.) L) Oe pictura vetei'uin, I. 3. c. 9. p. 2L2. Winckelmass. 13 290 Geschichte der Kunst. 5) diese Farbe der Haare wird auch tUk. genennet;^) und wen es beim LucretiuS Heisset: vigra cst, wird dadurch das Obige bestätiget: den der Dichter führet als eine von den erlogenen Schmeicheleien gegen das' weibliche Geschlecht auch diese an/ wen man ein Mädchen mit schwarzen Haaren genennct/ um ihr, was sie nicht hatte/ beizulegen. So wie Si- monid eS^) vorher ausgeleget worden/ würde derselbe zugleich dem Vater der Dichter widersprechen/ als welcher niemals Haare von schwarzer Farbe nennet. t> Weder der Autor, noch Fea scheinen die Stelle deS Athenäus richtig verstanden in haben. Sophokles, welcher vom Athen aus redend eingeführt wird, wollte zeigen, daß die bildenden Künstler nicht gleiche Freiheit mit den Dichtern haben; daß jedes Kunstgebiet in bestimte Gränzen eingeschlossen sei, welche man nicht, ohne aus Abwege zu gerathen, über- ^ schreiten dürfe, und daß die Wirkung, welche die Dichter durch ihre Worte in dem Gemüthe Anderer hervorbringen, gänzlich verschieden fei von dem Eindruke, den die bildenden Kunstler durch die ihnen zu Gebot stehenden Mittel verursachen. Der Autor unternahm also etwas Mißliches, wen er gerade aus dieser Stelle beweisen wollte, daß die alren Künstler den Apollo gemalt. Me»er. 2) plülostr. I. I. Icon. 4. I>. 768. 3) 1^. .5. v. > >56. 4) sUnter in der angeführten Stelle des Athenäus i st weder Simonides noch H 0 in er, sondern P i n dar gemeint. VI. v. 71. VII. v> 63 ^ Sechstes Kapitel. ! §. t. Die Schönheit der Form der übrigen Theile war in den Werken der alten Künstler eben so gleichförmig bestimmet; die äussersten Theile, Hände und Füße sowohl als die Flächen. ES scheinet Plutarchus, wie überhaupt/ also auch hier/ sich wenig auf die Kunst verstanden zu haben, wen er vorgibt/ daß die alten Meister nur auf das Gesicht aufmerksam gewesen/ die übrigen Theile der Figur aber nicht mit gleichem Fleisse gearbeitet. Die äussersten Theile sind nicht schwerer in der Moral, wo die äusserste Tugend mit dem Laster gränzet/ als in der Kunst/ wo sich in denselben des Künstlers Verständniß im Schönen zeiget. Aber die Zeit und die Wuth der Menschen hat uns von schönen Füßen wenige/ von schönen Händen noch wenigere übrig gelassen. Diese sind an der medi- ceischen Venus völlig neu,?) woraus das unge« lehrete Urtheil derjenigen erhellet/ die in den Händen, welche sie für alt angesehen, Fehler gefün- 1) I» ^lexsnllia, sc, > /! p, 66?. xrlnc. Plutarchus verdient wenigstens hier den harten Tadel nicht, da er nur Vergleichungsweise und besonder? von den Porträtmalern spricht. F e a. 2) An ihr stnd die modernen Hände wie die übrigen Ergänzungen nur in Nergleichung mit der vortreflichen antiken Arbeit weniger gut zu nennen, da sie an sich keineswegs häßlich oder verzeichnet sind. Ürigens ist der rechte Arm von der Schulter an neu, und der linke vom Ellenbogen an. Meyer. 292 Geschichte der Kunst. den. Eben diese Beschaffenheit hat es mit den Armen unter dem Ellenbogen des Apollo im Bel- ve d e re. §. 2. Die Schönheit einer jugendlichen Hand bestehet in einer gemäßigten Völligkcit, mit kanm merklich gesenketen Spuren/ nach Art sanfter Beschattungen, über die Knöchel der Finger, wo auf völligen Händen Grübchen sind. Die Finger sind mit einer lieblichen Verjüngung/ wie wohlgestaltete Säulen gezogen, und in der Kunst ohne Anzeige der Gelenke der Glieder; das äusserste Glied ist nicht, wie bei den neueren Bildhauern, vorne über- gebogen, noch sind die Nägel wie bei diesen, sehr lang. Schöne Hände werden von den Dichtern Hände der PallaS, >) auch Hände des' P o ly- kletuS genennet,^) weil dieserKünstler dieselben vor anderen schön wird gebildet haben. Von schönen Händen haben sich erhalten, erstlich von jugendlich mänlichen Figuren, eine Hand an dem Sohne der Niobe, welcher auf der Erde gestreket lieget, und eine andere an einem Mereurius, der die Herse umfasset, in dem Garten hinter dem far- ne fischen Palaste.^) Von schönen weiblichen 1) IZruaclii! l. 2. x, Zg6. n. 24. v. >. 2) IIniI t. 2. x. ZgZ> n. >Z. v. i> sEs sind nicht Hände, die Polhklet verfertigt, so»! der» dieses Künstlers eigne kunstfertige Hände gemeint. Man sehe 8 V. 2 K> 7 5. Not e.Z Z) Schöne gntike Hände stnd freilich selten, doch nicht so selten, daß man nicht ohne viel Mühe das Register mehr oder weniger wohl erhaltener Hände an antiken Statue» noch ansehnlich sollte vermehre» können; so stnd z. B. a» der bewundernswürdige» Venus im Musco Capitolino beide Hände und mehrere Finger derselben wirklich alt. Eine Leda ebendaselbst/ etwa halb lebcns« Sro» von Marmor, hat das rechte niedliche Händchen 5 Buch/ 6 Kap. 29z Handen, eine an dem Hermaphroditen, in der Villa Borghese, und alle beide Hände, welches sehr selten, ja einzig ist, an gedachter Figur der Herse. Ich rede hier von Statuen und von Figuren in Lebensgröße, nicht von erhobenen Werken. K. Z. Die schönsten jugendlichen Kniee und Beine unseres Geschlechts hat unstreitig, wie ich eS einsehe, derApoll 0 Sau rokton 0 S in der Villa Borghese; ein Apollo mit einem Schwane zu dessen Füßen, und VakchuS, beide in der Villa MediciS, ungleichen ein ähnlicher Apollo in dem Palaste Farnese; die schönsten Beine aller weiblichen Figuren in Rom hat die schöne Th e-- tiS^) in der Villa Albani, welche ich im zweiten Theile beschreiben werdet) Die Kniee sind an Vollkommen erhalten; deßgleichen im Museo Pio- Clemeutiuo eine Muse, und so wurden sich aus jeder ansehnlichen Nutikensamlung erhaltene antike Hände angeben lassen. Me»er. t) Im Museo Pio-Clcmcntino sind Hände und Füfje antik an einem jungen, das Parazonium haltende» Cäsar, und a» dem sizenden Kinde mit der Gans. In demselben Museo befindet sich unter den Vruchstüken der rechte wohlerhaltene ?l rm und die Hand einer Pallas; eben so haben die berühmtesten Statuen antike Füsie. Zwei weibliche Hände Von natürlicher Größe aus »arischem Marmor, die schönsten, welche man sehen kaii, wurden vor einigen Jahren gefunden , und sind im Bestie des Fürsten Borghese. Die rechte Hand hält einen Schmetterling, und die linke eine Flöte. In der Nähe von dem Srte, wo die Hände ausgegraben worden, fand sich eine kleine Fakel, auf welcher vielleicht der Schmetterling gesessen hatte, um die Liebe anzudeuten, welche die Seele erwärmt. F ea. 2) Nach Hirt ist es eine Venus Euvlöa. Siebelis. Z) U2 V. 2 K. 4 §.1 Zu den allerschöusten Beinen jugendlicher Figuren ist billig auch das rechte am ältern Sohne des Laokoon Geschichre der Kunst. jugendlichen Figuren nach der Wahrheit dcr schönen Natur gebildet / welche dieselben nicht mit sichtbaren Knorpeln zergliedert/ sondern sanft und einfach gewölbet/ und ohne Negnng dcr Muskeln zeiget/ so baß das Knie von dem Schenkel zum Beine eine sanfte aber vereinigte und nicht durch Tiefen und Hügel unterbrochene Anhöbe machet. Über die Füße will man aus Fnßstapfe»/ die sich im Sande sonderlich am Ufer der See/ welcher feste ist/ eindrii- ken/ bemerket haben/ daß weibliche Füße hohler sind in der Fußsohle/ inänliche Füße aber hohler in den Seiren. K. Damit aber diese unvollkommene Anzeige der Gestalt eines jugendlichen Kniees nicht überflüssig scheine/ kan man hier den Leser auf neuerer Künstler Figuren dieses Alters verweisen / von welchen sich wenige/ ich will nicht sagen gar keine/ finden/ wo in diesem Theile die schöne Natur beobachtet und gebildet worden. Ich rede hier vornehmlich von » Figuren unseres Geschlechts: den so selten schöne Jünglingskniee in dcr Natur sind/ so sind sie dennoch allezeit weit seltener in der Kunst/ sowohl in Gemälden als Statuen/ so daß ich hier keine Figur des Raphaels als ein Muster anführen kaii/ noch viel weniger von den Caraeci und deren Nachfolgern. Der schöne Apollo des Herrn Mengs in dcr Villa Albani kan hier unsere Maler belehren. §. 6. Ein schöner Fuß war sowohl als die zu zählen, da die Form desselben bewundernswürdig, unvergleichlich rein und elegant ist. An mänlichen bejahrten Figuren werden die Beine des Laokoon und jene des b o rgh esi sch en Silenus, welcher den jungen Vakchus in den Armen halt, den ersten Nattg verdie- ' nen. Nach der gewöhnlichen Meinung sollen sogar die ^ Beine der lezt gedachten Statue unbedingt die schönste» aus dem Altertume sein. Meyer, 5 Buch, K Kap. 2S5 Kniee bei den Alten mehr sichtbar als bei uns, unö je weniger derselbe gepresset war/ desto wohlgebilde- ter war dessen Form, welche bei den alteit genau beobachtet wurde, wie aus den besonderen Bemerkungen der alten Weisen über die Füße, und aus ihren vermeineten Schlüsselt auf die Gemüthsncignng erhellet. Es werden daher in Beschreibungen schöner Personen, als der Polyxena,^) und der Aspasn',2) auch ihre schönen Füße angeführet/ und die schlechten Füße Kaisers DomitiannS sind auch in der Geschichte bemerket.^) Die Nägel sind an den Füßen der Alten platter, als an neuern Statuen. H. 6. Nach Betrachtung der Schönheit der Äusseren Theile des Körpers ist dieselbe auch in den Flächen, nämlich der Brust und dem tt n« terleibe zu berühren. Eine prächtig gcwölbete Erhobenheit der Brust wurde an manlichen Figuren >) ^ristül. äe c. 3. Z, 6. p. c. 6. x. 2) Kares I?« e^ciäio iZz. Z) ^.lian. var. Iilst. i. 12. c. «. 4) Luet. in Ovmit. e. i3. Von schöllen Füßen sind »och sehr Viele übrig geblieben. Indessen dienen den Künstlern gewöhnlich für zarte weibliche Füße die Abgüsse von den Füßen der medicei sch en Nenus zum Muster. Das Vordertlieil eines weiblichen Fußes, über Lebensgröße, mit hoher Sohle, welches sonst unter den sarnesischcn Altertümern sich befand, und vermuthlich einer Figur angehört haben mag, deren Gewand von anderm Stoffe war, wird ebenfalls sehr hoch geschäzt; nicht weniger auch zwei dergleichen kolossalifche Vordersüße im Mu seo Cävito- lino. Unter den Füßen mäiilicher Figuren stehen die des b elv ed eri sch e n Apollo, des c a p i t 0 li n i sch e >t Antinous, des borghesischen Silenns, desLao- koon und des sarnesischen Herkules in vorzüglicher Achtung. Meyer. Geschichte der Kunst. für eine allgemein»: Eigenschaft der Schönheit gehalten/ und mit solcher Brust bildet sich der Vater der Dichter den Neptun u§/^) und nach demselben den A g a m e m non ; 2) so wünschete A n a- kreon dieselbe an dem Bilde dessen/ den er liebele, zu sehen. §. 7. Die Brust oder der Busen weiblicher Figuren ist niemals überflüssig begäbet: und Ballier ist übel berichtet, wen er in Beschreibung der Figur der Ceres saget/ daß dieselbe mit großen Brüsten vorgestellet worden;^) eS muß derselbe eine neue Ceres für eine alte angesehen haben. Die Form der Brüste ist an göttlichen Figuren um so mehr jungfräulich/ da überhaupt die Schönheit derselben in dem mäßigen WachStumc gesezet wurde/ und man gebrauchte einen Stein aus der Insel Naxus/ welcher fein geschabet und aufgeleget die aufschwellende Größe derselben verhindern sollte. 5) Eine jungfräuliche Brust wird von Dichtern mit unreifen Trauben verglichen; 6) und die mäßige Erho- benheit derselben an Nymphen bedeutet Vale- rius FlaccuS durch das Wort okscur», ?) wen er saget: 1) Die Brust war dem NcptunuS gewidmet, und wir finde» die Kvvfe desselben auf alten geschnittenen Steineil bis unter die Brust, welches bei andern Gottheiten Nicht so gewöhnlich ist. Winckelnia ». lBe schreib. d. geschnitt. Steine, 2K. ? Abth.I 2) ix. L. II. v. 479. Meyer. Z) (Iszzauli, aniiiiZllverz. in I. c. >0. in iine. 4) t. 2. I. 4. c. 11. x. 47 >. 6) Oioscvri63, p. zgg. k) Hx-ocr. I6M. XI. v. 21. O!onz-s. l. i. v. 71. 7) sFca will odicursiu Nlsmmlllu lieber Vom bedckten Busen verstehend 5 Buch/ 6 Kap. 297 <ür!iiis s eiu^uls An einigen Figuren der Venus unter Lebensgröße sind die Brüste gedrungen und Hügeln ähnlich/ die sich zumzen, welches für die schönste Form derselben scheinet gehalten worden zu sein. Von dieser Anmerkung und von den Figuren der Göttinen schließe ich aus die einzige ephesinische Diana/ an welcher die Brüste nicht allein groß und voll/ sondern auch vervielfältiget sind; diese Form aber ist hier symbolisch/^) und hat nicht die Schönheit zur Absicht. Unter den idea- lischen Figuren habe» die Amazonen allein die Brüste groß und ausgebreitet/ auch die Warze sichtbar/ weil dieselben nicht Jungfrauen/ sondern Weiber vorstellen. t. 7. col. 53g. Fea. Z) Oben (SB. 1 K. 2§.) hat der Autor gesagt: „die » Brüste der Amaz o»e» seien, gleich denen der Götti- „ neu, wie an junge» Mädchen, welchen Lucina den Gürtel noch nicht aufgelöset hat, und welche die Frucht „ der Liebe »och nicht empfange» bade»- " Hier aber scheint er gerade das Gegentheil andeuten zu wollen. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Die Künstler des Altertums wollten in den Amazonen rüstige, die Arbeiten des Kriegs zu ertrage» sähige Heldinen vorstellen, welche die Liebe weder suchen noch verschmähe». Ei» solcher Charakter ersodert vollkomme» ausgebildete Gestalten ohne weitere Rüksicht. Dem zusolge erscheine» die besten Amazone» nicht als kaum aufblühende Mädchen mit Brüsten, die eben zu schwellen begin»en, sonder» in voller ausgebildeter Jugendkraft, und ihr Busen ist deßwegen weder üvigvoll, wie a» Weibern, die mehrere Kinder geboren, noch flach und gleichsam unrcis, wie an Figuren der Pallas, der Diana und guderii, wo ein jungfräulicher, Liebe vermeidender Charakter angedeutet werde» sollte, Meyer. 2!)8 Geschichte der Kunst. §. 8. An einer jungfräulichen Brust sowohl als an Göttinen ist/ wenigstens in Marmor, die Warze nicht sichtbar gemacher, und würde auch in Gemälden nicht erhoben sein können, so wie es die Form der Brüste in der reinen Unschuld der Jahre ist. Da nun die Warze völlig sichtbar ist an der vermeineten Venus in Lebensgröße, auf einem alten Gemälde in dem Palaste Barberini, schließe ich daraus, daß diese Figur keine Göttin vorstellen könne. Hierin sind einige der größten neuern Künstler tadelhaft: und unter andern hat der berühmte D o m en i ch i n o, an einer in Freseo genialsten Deke eines' Zimmers im Hanse Costaguti zu Rom, die Wahrheit, welche sich der Zeit zu entreissen suchet, mit Warzen auf den Brüsten genialer, die eine Frau, nachdem sie viele Kinder gestillet, nicht erhobener/ sviziger und größer haben könte. 2) Niemand unter den Malern hat die jung- t) Diese Venus ist größtentheils modern, und wie mair gewöhnlich glaubt (Du kns, 5!>r I» poes, pari, l, sc>ct. Zg. p- z ?7') von Carlo Maratta, wahrscheinlicher jedoch von Pietro da Covtona ausge- bessert. Fea> 2) Nicht die Wahrheit suchet sich der Zeit zu entreissen; vielmehr ist ihr der Zeitgott behülslich, hebt und trägt sie dem Sonnenwagen, oder dem Licht entgegen. Der allegorische Sin hievon kan kein anderer sein, als dak die Wahrheit von der Zeit geos- senbaret werde. Die zu groß gerathenen Warzen an den Brüsten tadelt der Autor nicht ohne Grund; übrigens aber ist sie im Ganzen vortreflich gezeichnet und schön colorirt. Das edle, reine, schuldlose Gesicht wird vom gelungenen rührenden Ausdrnke des Verlangens, des Hin- ausstrebens beseelt. Von den gesamten Malereien an dieser Deke, welche unter die geschäztesten Arbeiten des Domenichino gehört, und wo besonders einige der schwebenden Kinder mit der preiswürdigsten Kunst aus- 5 Buch/ 6 Kap. 299 frauliche Form der Brüste besser gezeiget, als Andrea del Sarto/ und unter andern in einer halben Figur, die mit Blumen bekränzet ist/ und einige andere in der Hand hält/ in dem Mufeo des Bildhauers Herrn Bartholomä Cavaeeppi. §. 9. Ich begreife nicht/ wie dem großen Künstler des irrig sogenanten Antinous im Belve- dere eingefallen ist/ um die Warze der rechten Brust einen eingeschnittenen kleinen Zirkel zu machen/ so daß eS scheinet/ als wen die Warze bis an den Zirkel eingesezet sei, welches vielleicht geschehen / um den drüfichten Umfang der Warze zu bezeichnen. Dieses findet fich an keiner anderen griechischen Figur/ und auch niemand wird eS schön finden können. ß. 10. Der Unterleib ist auch an mänlichen Figuren/ wie derselbe an einem Menscheil nach einem süßen Schlaft/ und nach einer gefunden Verdauung fein würde, das ist: ohne Bauch/ und so wie ihn die Naturkündiger zum Zeichen eines langen Lebens sezen. Der Nabel ist nachdrüklich vertiefet/sonderlich an weiblichen Figureii/2) an welchen er in einem Bogen, und zuweilen in einem halben Zirkel gezogen ist/ der theils niederwärts/ theils aufwärts gehet/ und eS findet fich dieses. Theil an einigen Figuren schöner als an der medi- ceischen VenuS gearbeitet/ die den Nabel ungewöhnlich tief und groß hat. genilirt sind, hat D. Cnnego einige gut gestochene Blätter geliefert. Meyer. 1) Laeo 6e Verulani. Iiist. vlt-e et Ni^rtls, si-tic. longN. vitas et Izrevitas vitio, i>. p. 624. 2)-^ciiil. I'al. m. t. ?. I. >6. scct. 4. §.9^ p. 4S2) glaubt, daß es daher komme/ weil das rechte Auge mehr angestrengt werde in Begleitung mit der rechten Hand/ welche gewöhnlich auch mehr gebraucht werde. Doch auch hier gibt es Ausnahmen/ wie wir beim Augustus finden/ welcher i» seinem Alter (Suct. c. 79.) besser mit dem rechte» Auge sah. Fea. 5 Buch/ 6 Kap. 301 ret wurde/ hatte in diesem die Verstümmelung befa- geten Theils ebendieselbe Bedeutung. >) Dem Leser und dem Untersuchcr der Schönheit überlasse ich/ die Münze umzukehren/ und besondere Betrachtungen zu machen über die Theile, welche der Maler dem Anakreon an seinem Geliebten nicht vorstellen konte.^) Z. l2. Der In b egrif aller beschriebenenSchön- heiten in den Figuren der Alten/ findet sich in den unsterblichen Werken Herrn Anton Raphael Mengs/ ersten Hofmalers der Könige von Spanien und von Polen/ des größten Künstlers seiner und vielleicht auch der folgenden Zeit. Er ist als ein Phönix gleichsam aus der Asche des ersten Rapha- elS erwekct worden/ um der Welt in der Kunst die Schönheit zu lehren/ und den höchsten Flug menschlicher Kräfte in derselben zu erreichen. Nachdem die deutsche Nation stolz sein koüte über einen Mail/ der zu unserer Väter Zeiten die Weisen erleuchtet/ und Samen von allgemeiner Wissenschaft unter allen Völkern ausgestreuet:^) so sehlete noch an dem Ruhme der Deutschen/ einen Wiederherstelle der Kunst ans ihrem Mittel aufzuzeigen/ und den deutschen Raphael in Rom selbst, dem Size der Künste/ dafür erkaut und bewundert zu sehen. §. <13. Ich füge dieser Betrachtung über die Schönheit einige Erinnerungen bei/ welche jungen Anfängern und Reisenden zu Lehren in Betrachtung griechischer Figuren dienen können. Die erste ist: 1) IliiiZ, I. l. c. g. x, 27. 2) Der Autor scheint liier auf ei» dem Anakreon bei' gelegtes Gedicht i» der griechischen Anthologie anzu< svielen. , t. !. x. g6. 11 .2g. v. ZL — Z9.) Me» e r. Z) lLcibnii,) z»2 Geschichte der Kunst. Suche nicht die Mängel und Unvoklkommen- heiten in Werken der Kni»? zn entdekeii/ bevor du das Schöne erkennen und finden gelernet. >) Diese Erinnerung gründet sich auf eine tägliche Erfahrung/ und dcnMehrcste»/ die die Gestalt sehen können/ aber das Wesen von andern hören müßen/ weil sie den Censor machen wollen/ eheste Schüler zu werden angefangen/ ist das Schöne nner- kant geblieben: den sie machen es wie die Schul- knaben/ die alle Wiz genug haben/ die Schwäche des Lehrmeisters zu entdeken. Unsere Eitelkeit wollte nicht gerne mit mäßiger Anschauung vorbeigehen/ und unsere eigene Genugthuung will geschmeichelt sein; daher suchen wir ein Urtheil zu fällen. So wie aber ein verneinender Saz eher als ein bejahender gefunden wird: eben so ist das Unvollkommene viel leichter als das Vollkommene zu bemerken und zu finde»/ und eS tostet weniger Mühe/ andere zu beurtheilen/ als selbst zu lehre». Man wird insgemein/ wen man sich einer schönen Statue nähert/ die Schönheit derselben in allgemeinen Ausdrüken rühmen/ weil dieses nichts kostet/ und wen das Auge ungewiß und flatternd auf derselben herumgeirret/ und das Gute in den Theile»/ mit dessen Gründe»/ nicht entdeket hat/ bleibet es an dem Fehlerhaften hängen. Am Apollo bemerket es das einwärts gerükete Knie/ welches mehr ei» Fehler des zusammengesezcten Bruchs/ als des Meisters ist; am vermeinetcn AntinouS im Belvedere die auswärts gebogenen Beine; am far- nesischen Herkules den Kops/ von welchem man gelesen hat/ daß er ziemlich klein sei. Die j) Eine Anwendung Von dieser Stelle macht Friderick Richter in seiner Vorschule der Ästhetik, Z Al'th, S.595. Meyer. 6 Buch / 6 Kap. noch mehr wissen wolle»/ erzählen hierbei/ daß der Kopf eine Meile weit von öer Statue in einem Brunnen / und die Beine zehen Meilen weit von der Statue gefunden worden/ welche Fabel auf guten Klauben in mehr als einem Buche vorgebracht ist: daher geschiehet es alsderi/ daß man nur die neuen Zusäze bemerket. Von dieser Art sind die Anmerkungen/ welche die blinden Führer der Reisenden i» Rom, und die Reisebeschreiber von Italien machen. Einige irren/ wie jene, aus unzeitiger Vorsicht/ wen sie in Betrachtung der Werke der Alten alle Vorurtheile zum Vortheile derselben bei Seite sezen wollen/ und sich vorgenommen zu haben scheinen/ nichts zu bewundern/ weil sie glauben/ es verrathe dieses Bezeigen die Unwissenheit/ da gleichwohl/ nach dem Platv/ die Bewunderung eine Empfindung einer philosophischen Seele ist/ und der Anfang zur Philosophie: «xx» »«V7-»' Diese sollen aber vielmehr vorher eingenommen sich den Werken der griechischen Kunst nähern: den in der Versicherung/ viel Schönes zu finden/ werden sie dasselbe suchen, und einiges wird sich ihnen entdeken. Man kehre so oft zurük/ bis man es gefunden hat; den es ist vorhanden. §. Die zwote Erinnerung ist: nicht der HandwerkSentscheidung nachzusprechen/ welche meh- rcntheils daö Schwere dem Schönen vorziehet; und diese Warnung ist nicht weniger nüzlich als die vorhergehende/ weil der Schlag gemeiner Künstler insgemein also urtheilet/ die nicht das Wissen/ sondern nur die Arbeit schäzen. Durch dieses irrige Vornrtheil ist der Kunst selbst ein großer Nach- r) l'keMtet. p. »65. zoi Geschichte der Kunst. theil erwachsen, und es ist auch daher in neueren Zeiten das' Schöne aus der Kunst gleichsam verwiesen worden. Den durch solche pedantische Künstler ohne Empfindung / da diese theils durch das Schöne nicht gerühret worden/ theils dasselbe zu bilden unfähig gewesen/ sind die gehäuseteu und übertriebenen Verkürzungen in den Gemälden an Deken und Gewölberu eingeführet/ und diesen Pläzen dergestalt eigen geworden/ daß man aus einem daselbst ausgeführeten Gemälde/ wen nicht alle Figuren wie von unten erbliket erscheinen/ auf die Ungeschiklichkeit des Künstlers schließet. Nach diesem verderbten Ge- schmake werden insgemein die zweiOvalstüke an der Deke der Galerie in der Villa Albani dem mittlern Hauptgemälde von eben dem großen Künstler vorgezogen/ wie dieser in der Arbeit selbst voraussah/ t) und auch in Verkürzungen und im Wurfe der Gewänder/ nach Art des neuen und des Kirchen- stylS/ dem gröberen Sinne Nahrung und Waide ? liat gebe» wollen. Eben so wird der Liebhaber der Künste urtheilen/ wen derselbe Bedenken hat/ für einen Sonderling gehalten zu fein/ oder sich dem Widersprüche auszusezen/ und der Künstler/ welcher den Beifall des größten Haufens suchet/ gehet auf diesem Wege/ und glaubet vielleicht mehr Geschik zu zeigen/ ein Nez in Stein durchzubohren/ als eine rein gezeichnete Figur hervorzubringen. §. 16. Zum dritten mache man / wie die alten Künstler augenscheinlich gethan haben / einen Unterschied zwischen dem Wesentlichen in der Zeichnung und unter Nebendinge«/ theils damit unser Urtheil nicht unrichtig werde/ dasjenige zu tadeln/ was der Untersuchung nicht würdig ist/ theils auch damit unsere Aufmerksamkeit allein auf den l) lM engs.Z 5 Buch/ 6 Kap. 305 wahren Endzwek der Zeichnung gerichtet bleibe. Die wenige Achtung alter Künstler auf Dinge/ die gleichsam ausser ihrer Wissenschaft waren/ zeiget sich z. E. i» den gemaleten Gefäßen / wo der Stuhl einer sizen- den Figur durch einen bloßen horizontal gelegeten Stab angedeutet worden/ ohne sich zu bekümmern/ wie man sich dieselbe sizend vorstellen wolle; in der Figur selbst aber ist der ganze Meister zu erkennen. Dieser Erinnerung aber will ich mich nicht bedienen bis zur Bemäntelung desjenigen / was wirklich in den Werken der Alten mittelmäßig oder schlecht ist; wen aber an einem und ebendemselben Werke die Hauptfigur vorzüglich schön ist/ und der Zusaz oder das derselben beigelegete Zeichen und Attribut weit unter > jener stehen muß: so glaube ich/ man könne daraus schließen/ es sei alsden das Schlechtere in der Form und Arbeit als ein Nebending oder Parergon/ ^ wie es auch die Künstler nenneten / von ihnen angesehen worden. Den diese Parerga sind nicht wie die Episoden eines Gedichts oder die Reden in einer Geschichte anzusehen/ worin hier der Scri- bent und dort der Dichter alle ihre Kunst gezeiget haben. §. 16. Dieses glimpfliche Urtheil erfordert also der Schwan zu den Füßen der oben gedachten schönen Figur des Apollo in der Villa Medieis/^) indem jener mehr einer Gans als einem Schwane gleichet. Hch will indessen hieraus keine Regel auf alle Parerga machen/ weil dieses wider die ausdrük- liche Nachricht der Scribenteii/ und zugleich wider den Augenschein sein würde. Den an vielen geharnischten Statuen sind an dem Schnrze die Windun- , 1) 1.36. c. in. sect. 36. n. 20. pi'inc. F e N. 2) Eine von den Figuren des Nvollo, welcke gegemvär- lig zu Florenz stehen. L5 B, t K- 22 §.Z Meyer. 13 * 306 Geschichte der Kunst. gen der kleinsten Schnüre angedeutet/ ja/ es finden sich Füße, wo das Gestepete zwischen der oberen und der unteren Sohle nach Art der kleinsten Perlen ausgearbeitet worden; und von den ehemaligen Statuen wissen wir/ daß die mindesten Kleinigkeiten an dem Jupiter des Phidias auf das äusserste beendiget worden/ und wie viel Fleiß ProtogeneS auf das Rebhuhn seines Jalysus verwendet/ um unzählige andere Werke nicht zu berühren. K. 17. Zum vierten hüten sich diejenigen/ die die Werke des Altertums selbst nicht haben betrachten können/ wen in den Zeichnungen und Kupfern derselben offenbar ungestaltete Theile an den Figuren erscheinen/ ihren Tadel auf die alten Künstler zu richten; sondern man sei versichert/ daß das Ungestaltete entweder dem Zeichner oder dem Bildhauer/ der solche Stüke ergänzet hat/ beiznmessen sei. Zuweilen lieget die Schuld sowohl an dem einen als ^ an dem andern; und dieses erinnere ich über die Kupfer der giustinianifch e n Galerie/ in welcher alle Statuen von den ungeschiklesten Arbeitern ergänzet worden/ und in dem/ was wirklich alt ist, von Personen gezeichnet sind/ für die das Altertum keine Speise war. Dieser Erfahrung zufolge urtheile ich über die schlechten Beine einer schönen Statue des B a kch u s/ welcher sich auf einen jungen Satyr gelehnet hat/ die in der Bibliothek von S. Marco tu Venedig stehet: 2) den ob ich gleich dieselbe/ da ich dieses schreibe/ noch nicht gesehen/ halte ich mich 1) ?Iin. I. Z!>. c. i o> sccl. Z6. n. 10 et 20. splularcli. m Dcnietrio, c. 22.) Meyer. lNicht in dem Jal» sus/ sonder» in einem andern Ge- 1 mälde des Protogenes befand sich das Nebbnhii/ wie Lessing bemerkt hat. Man sehe dessen Note im i Bandc/ S. 7l — 7^,Z 2) ZiiacUi, Statue 61 pari. 2. tsv. 26. 5 Buch/ 6 Kap. 307 dennoch überzeuget/ daß das Schlechteste ein neuer Zusaz sei. §. 18. In diesem zweiten Abschnitte von dem Wesentlichen der griechischen Kunst/ ist/ nach der Zeichnung der menschlichen Figuren/ mit wenigem die Abbildung der Thiere/ so wie im zweiten Kapitel geschehe»/ zu berühre». Die Untersuchung und Kentniß der Natur der Thiere ist nicht weniger cin Vorwurf der Künstler der alten Griechen/ als ihrei? Weisen/ gewesen/ und verschiedene Künstler haben sich vornehmlich in Thieren zu zeigen gesuchet; Kalamis in Pferden/^) undNicias i» Hunden;^) ja/ die Kuh des Myron ist berühmter/ als seine andern Werke/ und ist durch viele Dichter besungen/ deren Inschriften stch erhalte» haben; auch ein Hund dieses Künstlers war >) PIIn. I> Z4. c. L, secl. Ig> n> II. F e a. 2) lil. I, Z?. c> i i> sect, ^o> u, 2g> Auch die Hunde des Lysippus werden gelobt. (II>. c.g. 19. U.K.); und cin Vom Protogenes gemalter. (I.. Z5>. c. >0. 8ect. Z6. n. 20.) Vor allen aber preiset Plinins (I.Z4. c. 7. 8cct. 17. in line.) einen Hund aus Bronze, welcher sich seine Wunde aus- lckte und einst in: Tempel der Juno auf dem Capiio< lio stand; er verbrante mit dem Capitoliuni/ l'ei dein Ansruhr der Virellianer. Man schäzte diesen Hund so hoch/ daß man durch ein öffentliches Decret Wächter sür denselben bestellte/ welche mit ihrem Kopse sur ihn hasten mußten. F e a. I) iz»'ui>clll?ct!> , I. I. I>, 16?. n. 10. p. 497. n. »3. >.2. p. 21. n. !>4 — 63. x. 66. n, 1 > x, 226. 11. 49. 272. n. 25. I>. 2go, N. 6. ^1. ^ig6. II- 14 — 22. soll, cpi^i . Ü3—66. cliil. L. 194. V. Z71. ?>in. I. Z4. c. 3 scct. 19. n z. Propertins l>. 2. 2Z, v. 7 — g ) sagt, daß um den Altar des Apollo Palatinus vier Kiihe des Muron standen/ welche Leben zu athmen scheinen. Fea. 308 Geschichte der Kunst. berühmt/5) so wie ein Kalb des Mena'chmu s. 2) Wir finden/ daß die alten Künstler wilde Thiere nach dem Leben gearbeitet/ und PasiteleS hatte einen lebendigen Löwen in Abbildung desselben vor Augen. H K. 19. Von Löwen und von Pferden haben sich ungemein schöne Stüke/ theils freistehende/ theils erhobene/ und auf Münzen und geschnittenen Steinen erhalten. Der über die Natur große sizende Löwe in weissem Marmor/ welcher an dem piräei- ! sehen Hafen zu Athen stand/ und izo vor dem Eingänge des Arsenals zu Venedig stehet/ ist billig un- ^ ter die vorzüglichen Werke der Kunst zu zählend) und der stehende Löwe im Palaste Barberini/ 1) ?Iin. I. Z4. c> K. sect. ig> n. 3. Fea. 2) IdicI. c. ö. secl. ig> n, ig. Z) I<1. I> 36, c> 5. sect. 4. a. 12. in ilne, 4) Vor dem Eingänge des Arsenals zu Venedig sind zwei kolossale Löwen (Zuncui, 2. wv, 4g— 49 ), welche beide aus dem piräei sehen Hasen hergebracht sein solle». Der eine sizt, der andere mit noch beträchtlich großen» Proportionen/ und welchen wir dem sizenden vorziehen möchten, ist liegend porgestellt. Beide sind portreflich, pom edelsten, mächtigsten Style. Sie haben aber so sehr gelitten, daß von den besondern Schönheiten des Details in der ursprünglichen Anssüh- rung nur noch Spuren bemerkt werden. Der Löwe im Palaste Barberini zu Rom ist eigentlich ein auf der Haupttrepe des gedachten Palastes eingemauertes Hohrelies. Er hat einen mächtigen, großen Charakter, und ist ohne Zweisel von ächter griechischer Kunst, wen er gleich von einem bei Tivoli gestandenen Grabmale abgenommen sein soll. Ergänzt sind an demselben das rechte Hintere und vordere Bein, der Schweif, die Schnauze und das Untcrniaul oder das Kin; diese Ergänzungen scheinen in Vcrglcichuiig mit den antiken Theilen nicht sonderlich wohl gerathen. M cyer. 5IBuch, 6 Kap. 3S9 ebenfalls über Lebensgröße / welcher von einem Grabmale weggenommen ist/ zeiget diesen König der Thiere in seiner fürchterlichen Großheit, i) Wie schön sind die Löwen auf Münzen der Stadt Velia gezeichnet und gepräget! ES versichern aber auch diejenigen/ die mehr als einen Löwen in der Natur genau betrachtet haben/ daß in den alten Figuren dieser Thiere etwas ZdealischeS sei/ worin sie also von lebendigen Löwen verschieden wären. 2) K. 20. In Pferden sind die alten Künstler von den Neueren vielleicht nicht übertroffen/ wie Du Bos behauptet/ weil er annimt/ daß die Pferde in Griechenland und Italien nicht so schön/ als die englischen sind. ES ist nicht zu läugnen/ daß im Königreiche Neapel und in Engeland die dasigen Stntten/ von spanischen Hengsten begangen/ eine t edlere Art durch diese Begattung geworfen haben/ wodurch die Pferdezucht in diesen Ländern verbessert worden. Dieses gilt auch von andern Ländern: in einigen aber ist das Gegentheil geschehen; die deutschen Pferde/ welche Cäsar sehr schlecht gesunde»/ "i) sind izo sehr gut/ und die Pferde in t) Sehenswerth ist ein sehr schöner kleiner Löwe aus Vrec- cia gialla von nnaesähe zwei Palm/ mir einer Zunge aus rothem Marmor; Zähne und Klanen von natürlicher Farbe. Er ward bei einer, im Garten der Mendicanti in der Nähe des Colossenms/ veranstalteten Ausarabung gesunde»/ und steht gegenwärtig im Museo Pio> kleine ntino. Fea. 2) lüber die Bildung der Löwen und Pferde sehe man 5B. 2K. 24§.Z 4) O« Iiello <^!iNico , I. 4. c> 2. 1'acit, Oci'iusnii,, c> 6. Meyer, 510 Geschichte der Kunst. Gallien/ welche zu dessen Zeiten geschähet waren, sind die schlechtesten in ganz Europa. Die Alten kanten den schönen Schlag der dänischen Pferde nickt/ auch die englischen sind ihnen nicht bekant gewesen; aber sie hatten capadocische und epirische; die edelsten Arten unter allen: die persischen/ die achäischen und thessal-schen, die sieilianischen und tyrrdenischen/ und die celtischen oder spanischen Pferde. HippiaS saget beim Plato: „Es fällt „ die schönste Art Pferde bei uns. " >) ES ist auch ein sehr überhin flatterndes Urtheil jenes Scri- benten/ wen er sein obiges Vorgeben aus einigen Mängeln des PferdeS des Marcus AureliuS zu behaupten suchet: diese Statue hat natürlicher Weift gelitten/ wo dieselbe umgeworfen und verschüttet gelegen; an den Pferden auf Monte Cavallo muß man ihm geradezu widersvrechen/ und es ist das/ waS alt ist/ nicht fehlerhaft. §. 2t. Wen wir auch keine andere Pferde in der Kunst hätten / so kan man voraussezen/ da vor Alters tausend Statuen auf und mit Pferden gegen eine einzige in neuern Zeiten gemachct worden / daß die Künstler des Alterrums die Eigenschaften eines schönen Pferdes'/ so wie ihre Sm- benten und Dichter, gekant haben/ nnd daß Kala- mis eben so viel Einsicht/ als HoratiuS und Virgilius/ gehabt/ die uns alle Tugenden nnd Schönheiten eines'Pferdes anzeigen.^) Mich däuchet, die gedachten zwei Pferde auf dem O.uirinale zu Rom / die vier alten Pferde von Erzt über dem Portale der St. Marcuskirche zu Venedig sind was man in dieser Art Schönes finden mag; dcr Kopf des Pferdes' Kaisers MarcuS Aurelius ») liipj?. maj. 233. 2) ?lucl)Ovidius. (Lxponwzex!5l. !. ^.33.) Meyer, Z Buch/ 6 Kap. an kan in der Natur nicht wohlgebildeter und geistreicher sein. Die vier Pferde von Erzt an dem Wagen, welcher auf dem hereulanischen Theater stand/ waren schön, aber von leichtem Schlage, wie die Pferde aus der Barbarei sind: aus diesen Pferden ist ein ganzes zusammengesezet auf dem Hofe des königlichen Mnsei zu Portici zu sehen. >) Zwei andere kleine Pferde von Erzt in eben diesem Mn- seo sind unter die seltensten Stüke desselben zu zählen. Das erste mit dessen Reiter wurde im Mai 176t im Herculano gefunden , aber es mangelten an demselben alle vier Beine, wie auch an der Figur, nebst dem rechten Arme: die Base desselben aber ist vorhanden, und mit Silber ausgeleget. ^) Das Pferd ist zween neapelsche Palmen lang, im Galop vorgestellet, ruhet auf einem Steuerruder, und eS hat die Angen, wie auch eine Rose an den Zügeln auf der Stirne, und einen Kopf der Medusa auf dem Brustriemen, von Silber; die Zügel selbst sind von Kupfer. Die zu Pferde sizende Figur, die Alexander dem Großen ähnlich ist, hat ebenfalls die Augen von Silber, und der Mantel ist mit einem silbernen Hefte auf der rechten Schulter zusammengehänget. Hn der linken Hand halt die- j) In der wiener Ausgabe steht S. ZS7, vermuthlich durch eine» Drukfehler, anstatt vier Pferde, sechs Pferde, welches aber unrichtig zu fein scheint. Im Mufeo (lZronüi, t. 2. 66 ) findet sich das angeführte aus uberbleibfeln znfammengefezte Pferd abgebildet. sMa» Vergleiche das Send sch reiben a n B r n hl. §. Z? — 4l.) Dorr fezt der Autor noch hinzu: „ Einige be> i, hauvten, daß es drei Bigä gewefeü, olÄ' drei „ Wagen, jeder mit zwei Pferden. " Meyer. Hier ist gemeldet, das; man eS am 22 Oktober in den Ausgrabungen zu Portici gesunde». F e a. Zi2 Geschichte der Kunst. selbe die Degenscheide/ daß also in der mangelnden rechten Hand der Degen muß gewesen sein. Die Bildung ist einem Alexander in allem sehr ähnlich/ und um die Haare ist ein Diadema geleget. Diese Figur ist/ von dem Fußgcstclle an/ einen römischen Palm und zehen Zolle hoch. Das andere Pferd wurde ebenfalls verstümmelt/ und ohne Figur gefunden; aber alle beide sind von der schönsten Form/ und auf das feinste ausgearbeitet. Nach dieser Zeit aber ist daselbst ein Pferd von gleicher Größe nebst einer reitenden A mazo n e entdeket/ so daß die Brust des springenden Pferdes auf einer Herme ruhete. 4) Schön gezeichnet sind die Pferde auf einigen svrakusischen und andern Münze»/ und der Künstler/ welcher die drei ersten Buchstaben seines Namens unter einem Pferdekopfe auf einem Carniole des stoschischcn Musei gefezet/ war feines' Verständnisses und des Beifalls der Kenner gewiß. 5) §. <.'2. ES ist hier bei Gelegenheit zu merkeil/ wie ich an einem andern Orte angezeiget/ 6) daß die allen Künstler über die Bewegung der Pferde/ das ist! über die Art und Folge der Beine im Aufheben/ nicht einig waren/ eben so wenig/ wie es einige neuere Scribenten sind/ welche diesen Punkt In der linke» Hand hält sie den Zügel, die Degenscheide hängt unter dem linken Arm an einem über die rechte Schulter lausenden Wehrgeliänge. Meyer. 2) Wie auch gegenwärtig ist- Fea. 3) Lrvn2> (i^rcvluno, t. 2. tav, 65. Fea. tav. 6Z — 64. S) lBe schreib, d, ge schnitt. Steine/ 7 Kl. j Nnm. Denkmale, unter den Vignetten Numero 6> tBe schreib, d. geschnitt, Steine/ 2 Kl. tZ?tt'tl>, Num,Z 6 Buch^ 6 Kap. 3^ ! berühret haben. Einige behaupten/ daß die Pferdc die Beine an jeder Seite zugleich aufhebe»/l) und so ist der Gang der vier alten Pferde zu Venedig/ der Pferde des Kastor und des Pollux auf dem Campidogliv/ und der Pferde des NoniuS BalbuS und seine» Sohns zu Portici vorgestellet. Andere halten sich überzeuget/ daß die Pferde sich diagonalisch oder im Kreuz bewege»/^) das ist: sie heben nach dem rechten Vorderfuße den linken Hinterfuß auf; und dieses ist auf die Erfahrung/ und auf die Gefeze der Mechanik gegründet. Also heben die Füße das Pferd des MarcuS Au- relius/ die vier Pferde an dessen Wagen in erhobener Arbeit, und die an dem Bogen deSTituS stehen. 4) >) korell. d. s. Eben so bewegt sich das Pferd von Bronze im Hofe des königlichen Museizn Porrici, dessen kurz vorher gedacht worden / und eben tiefe Verschiedenheit der Bewegung , welche der Autor in den anae- fuhrteu Pferden ündet, kau man an unzähligen andern bemerken, die auf Nasreliefs, Gemmen und Münzen vorkommen. Fea. Den erwähnten Pfrrden Von guter antiker Arbeit, kan man »och das wringende Pferd beifügen, welches man foust irrig als der Familie der Niobe angehö- rig betrachtet. Jezo steht es mit gutem Bedacht von der Familie der Niobe abgesondert. Der Kopf ist geistreich und die Bewegnng überhaupt lebhaft; um die Nase her ist es ergänzt; auch sind alle vier Beine samt dem Schweife neu. Ein noch schöneres Denkmal ähnlicher Winckelman. 4- Geschichte der Kunsr. Z. 2Z. ES finden sich auch verschiedene andere Thiere griechischer Künstler von harren Steinen und von Marmor in Rom. In der Villa Ncgroni stehet ein schöner Tiger von Basalt/ auf welchem eines der schönsten Kinder in Marmor reitet; >) und ein großer schöner sizender Hund von Marmor ist vor einigen Jahren nach Engelaut» gegangen. Viel- ?lrt ist das Hobrelief in der Billa Borghefe mit dem stürzenden Pferde (üisn^a >. n. >S.), worauf Bernini? oder einer feiner Jünger, einen modernen Curtius «lefezr hat. Vermuthlich lind auch des Pferdes Kopf und Beine neue Ergänzungen. Der antike Sturz desselben ist hingegen ganz Vortreflich. Me»er. lSehr schöne Pferde in Basreliefs befinden sich nun im britifche» Mufeo unter den Marmorn vom Par> thenon zu Athen.) 1) Er ist von fch w ärzlichem M a r m or morato) und zum Theil ergänzt. Zwei aus Granit, welche nicht völlig natürliche Größe baben, stehen in» Mufeo Pi«> Clementino. Fea. 2) Der fizende Hund ist nach Dallawa» Vor nicht vielen Jahren von Jennings an Duneombe in der Gravfchaft Uork, für llZvo Pfund Sterling ver> kauft worden. Zwei dergleichen Hnnde befinden fich im Mufeo Pio - Clementino; einer im Palastc Chigi und zwei in der Galerie zu Florenz. Mi find gut gearbeitet. Indessen mag wohl der nach England gekommene der vorzüglichste fein. CaVacevpi hat ihn ergänzt und (kaccolta «I'.inticke Statue, vol. l. t!>v. 6>) abbilden lassen, übrigens aber, ungefchikt genug, für eine Arbeit des Phidias halten wollen. Ein vortrcf, lichesGruvo von zwei mit einander spielenden Wi»d> liunden, welche die Alten spartanische Hunde »anten (^riülsenet. IZpist. I. >. ig. p. >2^.), wovon die Wiederholung in das Museum des Herrn Toww le» zu London gekommen, befindet fich auch im Mnfco Pio - Clementino. Beide Grupen wurden, nebst meh- rern andern Figuren Von Hunden, in der Gegend der 6 Buch/ 6 Kap. leicht ist der Meister desselben LeukoN/ der in Hunden berühmt war. An dem bekanten Bore in dem Palaste Ginstiniant ist der Kopf/ als der vornehmste Theil/ neu. -) alten Stadt Lanuvium auf einem Hügel gefunden/ welcher jezo i>lo»te caznuolo heißt. M e»e r. Ein ebenfalls fchr wohlgearbeiteter Hund steht unter den gabinischen Mviiunicnren in der Villa Bor. Die Sturze zweier Windspiele, die "eben im Sprung begriffen scheinen, und von sehr guter Kunst sind, werden im Palaste Lancellotti angetroffen. Fea u. M e»e r. >) kruiirlvii ^.nülccta, t. Z> p. 11L. n. 27. 2) Neu ist nicht allein der Kovf, sondern die sämtlichen ausser» Theile. Er hat mehr als natürliche Groß« und die antike Arbeit ist vortreflich, von wahrhaft großem Charakter. Ein sizender wilder Eber von Marmor, über Lebe nsgroße , in der f l 0 re n t i n i sch en Galerie und eines derHauptstüke unter den noch vorhandenen antiken Thierfiguren, koüte dem Autor nicht unbekaüt seiu, in> dessen bat er ihn zufallig Übergängen. Mächtiger, edler St»l herfcht in den Formen dieses bewunderungswürdigen Thiers; der Ausdruk ist im hoben Grade naturlich und lebhaft, die Behandlung kühn, sorgfältig und eines großen Meisters würdig; der starre, rauhe Charakter der Borsten unverbesserlich. Bei Gori findet man (ZIus. plo-vnl. 1. Z. lüli, 6g.) eine leidlich gelungene Abbildung. Die Billa Borghese (stan-a 7. n. L) bestzt eine etwas kleinere, in »larmo Wohl gearbeitete antike Wiederholung, Im Hose des Palastes der Conscrvatoren auf dem Ca- vitolio zu Roni findet sich das Grupo eines vom Löwe» niederge w 0 r fenenPferdes. Diefes muß ursprünglich ei» trcfliches Kunstwerk gewesen sein; den die Anordnung ist lobenSwerrh, die Bewegung der beiden Figuren üngemein lebhaft; ihre Form im Allgemeinen sehr 316 Geschichte der Kunst. 8. 24. Diese Abhandlung von der Zeichnung des Nakenden griechischer Künstler/ ist hier nicht erschöpft/ wie ich sehr wohl einsehe; aber ich glaube/ es' sei der Faden gegeben/ den man fassen / und dem man richtig nachgehen kan. Rom ist der Ort/ wo diese Betrachtungen reichlicher als anderswo geprüfet und angewendet werden können; das richtige Urtheil aber über dieselben/ und der völlige Nuzen, ist nicht im Durchlaufen zu machen/ noch zu schöpfenden was anfänglich dem Sinne des Verfassers nicht gemäss scheinen möchte/ wird demselben durch öftere Betrachtung ähnlicher werden/ und wird die vieladrige Erfahrung desselben/ und die reife Überlegung dieser Abhandlung bestätigen. edel und zierlich. Die guten Eigenschaften des A»?! drnks und der geistreichen Behandlung lassen sich nur noch an einigen einzelneu Stelle» mehr ahne», als besinnt wahrnehmen/ weil das Ganze sehr beschädigt ist. An dem Pferde sind Kopf/ Hals, die Beine, wie auch der Schweif neu; a>» Löwen die Hinterbeine und der Schweif. Mever. In der reiche» Samlung Von Thieren im Muse» P i o . C lem e n ti o ist eine fehr schöne Ziege Amal> thea, an deren Bart sich noch die Hand des KindcZ erhalten hat; ein Damhirsch aus orientalischem Abu baster, von natürlicher Größe und Farbe; eine Sau/ ans weissem Marmor, mit zwölf Ferkeln unter ihr; ein Adler und ein Storch von ausgezeichnete Arbeit; der Kovf eines Rhinoceros, unter natur< licher Größe; ein Krokodil, aus Probirsiei», MM fähr vier Palmen lang. Gut gearbeitet ist auch ei» Kre° kodil aus p arischem Marmor vo» natürlicher Greic im Musro Cavitvlino. 3, p, 162.) j'ibri>mi§ ist zu bemerken, daß im Ganzen genommen die antikl» Thierfigure» Seltenheiten sind, und daß daher in nw crn Zeiten ma»che Betrüger eine große Menge vc» Thieren aller Art verfertigt und für alte Arbeit verkauft haben. Fea^ Geschichte d e r Kunst des Altertums. Sechstes Buch. Von der Bekleidung. Erstes Kapitel. §. A>on diesem ersten Theile des zweiten Abschnitts dieses Kapitels/ das ist: von Betrachtung der Zeichnung des Nakenden in der griechischen Kunst gehe ich zu dem zweiten Theile/ welcher von der Zeichnung bekleideter Figuren handelt. Die Untersuchung dieses Theils der Kunst ist in einer Lehrgcschichte derselben um so viel nöthiger/ da die bisherigen Abbandlungen von der Kleidung der Alten mehr gelehrt/ als unterrichtend und bestimt sind/ und ein Künstler würde/ wen er dieselben gelesen hätte/ vielmals unwissender sein als vorher: den dergleichen Schriften sind von Leuten zusammengetragen/ die nur wußten aus Büchern/ nicht aus anschaulicher Kentniß der Werke der Kunst. Unterdessen muß ich bekennen/ daß eS schwer ist/ alles genau zu bestimmen/ und mein Vorsaz ist auch nicht/ eine umständliche Untersuchung über die Bekleidung der Alten zu geben. Hch habe geglaubet, das Nöthigste zu sage»/ ich bin aber dennoch mangelhaft geblieben/ und es wird nicht atteS/ was der Künstler zu wissen verlangen möchte/ erschöpfet werden, sonderlich da ohne Abzeichnung die Anzeige von vielen Stüken unvollkommen bleibet. Alles aber in Kupfer zu bringen/ würde nicht eines Menschen Werk sein. K. 2. Weil die mehresten mänlichen Figuren griechischer Kunst/ auch nach den Zeugnissen der Alten, unbekleidet sind/ und eS nach dem PliniuS reg «8t, m/uV »>> oonirk /iomonci »v Z2n Geschichte der Kunst. mili'tnris, a,welches auch N0th IjS der Augenschein lehret an den Statuen griechischer Helden: so ist in einer Abhandlung der griechische» I Kunst in dieser Absicht vornehmlich von der Kleidung des weiblichen Geschlechts zu reden/ mit welcher ich anfange. Was von der mänlichen griechi- ! schen Bekleidung besonders anzumerken ist/ wird im ! Folgenden bei der römischen Tracht mit anzubringen sein/ wo ich von der mänlichen Kleidung bandele, so wie die weibliche Kleidung unter den Römern zugleich bei der griechischen berühret wird. §. 3. ES ist erstlich von dem Zeuge/ zwei- ^ tenS von den verschiedenen Stiiken, Arten, und von der Form der weiblichen Kleidung, und zum dritten von dem Schmuke und der Zierlichkeit sowohl der Kleidung selbst als des übrigen weiblichen AnzugS zu reden. §. 4. Die mänliche sowohl als weibliche Kleidung bestehet aus dem Unterkleide und dem oberen Gewände und in Absicht des ersten Punkts wird jeneö wenigstens im Sommer von Leinewand gewesen sein, da Leinenzeug eine gemeine Tracht war, und Per- ranlt urtheilet ohne Grund, wen er glaubet, An- gustuS habe in aller seiner Herlichkeit kein Hemde gehabt. Die weibliche Kleidung war theils von Leinewand, oder von anderm leichten Zeuge und sonderlich unter den Römern in spätern Zeiten von Seide, theils auch von Tuche; eS waren auch von Gold gewürkete Kleider bekaiit. Die Leinewand ist in Werken der Bildhauerei sowohl, als iu Gemälden, an der Durchsichtigkeit und an den flachen kleinen Fältchen kcntlich, und diese Art der Bekleidung ist den Figuren gegeben, nicht sowohl weil die Künstler die nasse Leinewand, mit welcher sie ihr Modell i) 1^. Z.4. c. 6. scct 1 c». 6 Buch, 1 Kap. 321 bekleidete«/ nachgemachet: sondern weil die ältesten Einwohner von Athen, wie Thncydides schreibet/') und auch andere Griechen/ sich in Leinewand kleideten/^) welches nach dem Herodotus nur von dem Unterkleide der Weiber zu verstehen wäre. ^) Leinewand war noch die Tracht der Weiber zu Athen nicht lange vor den Zeiten besageter Scribenteii/^) und Thueydides zeiget in seiner Beschreibung der Pest zu Athen Hemden von sehr seiner Leinewand an. 5) Will jemand an weiblichen Figuren das/ was Leinewand scheinen könte/ für leichtes Zeug halten, so ändert sich dadurch die Sache nicht: unterdessen muß die Leinewand eine häufige Tracht unter den Griechen geblieben sein / da in der Gegend um Elis der 1) 1^. >. c. 6. 2) Zept. contra l'Ilelz. V. 1047. I'hcocr. Icl^I!. II. V.7Z. Z) I.. !>. c. 87. Nicht aller griechischen Weiber/ sondern nur der a t h e n i en si sch e n und ionischen. Alle Weiber dorischen Stammes waren in den ältesten Zeiten X«/ Meyer u. Sieb elis. 4) IZin-Ip, IZzct'Ii. v. gig. Aus dieser Stelle folgt nichts für des Autors Behauptung; den der Schauvlaz der Bakchantinen ist im thebanischen Lande, und Peutheus, deni der Bote räth, Frauenkleidung von Leinwand anzulcgen, gehört zum mythischcn Zeitalter. Nur in so seru würde die Stelle anwendbar sein, als man mit Grunde annehmen könte, Euripides habe eine Tracht der Weiber zu seiner Zeit auf die der Weiber zu des Pentheui Zeit übertragen; wie sich den dieser Dichter oft Anachronismen der Art erlaubt. Me»er. Fea bedeutet sowohl feine Leinwand und Musselin, als auch ei» Hemd aus solchen« Zeuge. (Lonk. poUnx, VII. 72.) Meyer. 322 Geschichte der Kunst. schönste und feinste Flachs gebauet und gearbeitet wnr- ! de. Mau kau also sicher glaube« / da sogar die Sam- niter in ihren Feldziigen Leinewand trugen/^) und die Jberier in dem Heere des Hannibals in purpurfarbenen leinenen Westen gingen/ daß in Rom das Leinenzeug nicht so selten gewesen/ wie einige Scribenten aus einer übel verstandenen Stelle des Plinius schließen. 4) Daß das' Unterkleid der Weiber gewöhnlich von Leinen gewesen/ kau man schließen aus der Nachricht des PliniuS von dem römischen Hause Serana/ in welchem sich die Weiber von andern dadurch unterschieden/ daß sie kein Leinen getragen: 5) folglich trugen es andere römische Frauen/ und Arbutnoth hat aus dieser Anzeige deck Plinius einen irrigen Schluß gemachet/ wen er vorgibt/ daß das Leinenzeug bei den Römern ! nicht im Gebrauche gewesen. s. 6. Das leicht Zeug war vornehmlich Baum- ! wolle/ welche in der Insel Kos gebauet und gewürkct wurde / 6) und es war sowohl unter den Grieche» als unter den Römern eine Kleidung des weiblichen Geschlechts; wer sich aber von Männern in Baumwolle kleidete, war wegen der Weichlichkeit be- 4) pausan. I. 6. c.Ü. I. 19. c. 1. sect. 4. 2) Man vergleiche 3 V. 4K. 3 H.1 3) !. 3. p. 264. !.!v. I. 22. c-. 26. n. 46. Nach beiden Stellen trugen die Hisvanier keine pur> p n rf a r b n e n Tuniken von Leinwand, sondern mit P u r- p u r v e r b ramte: ^ur^zuia tunicis. Fea. 4) 19. c. 1. sect. 2. 11. 1. 5) I. c. 6) Läliuas. fixere, in Lvliu. c. 7. x>. isi—? »02. 6 Buch/ 1 Kap. Z2Z schrieen, Dieses' Zeug war zuweilen gestreift/ 2) wie es Chärea/ der sich als ein Verschnittener verkleidet hatte/ in dem vaticanischen Terentius trügt; und vielmals mit allertiand Blumen durch- würket. ES wurden auch leichte Zeuge für das weibliche Geschlecht aus der Wolle gewebet/ welche an gewissen Muscheln wächset/^) aus welcher noch ,zo/ sonderlich zu Tarantv/ sehr feine Handschuhe und Strümpfe für den Winter gearbeitet werden. Man hatte dermaßen durchsichtige Zeuge/ daß man sie daher einen Nebel nennece/5) und Euripi- öeS beschreibet den Mantel/ welchen Hphigenia 1) plin. I, i>. c. 23. seet. 27. 2) I^uden. ro vest. I. >. c. 2. 3) plat. llo repulil. I. 6. p. 537. Die Blumen wurde» dem Zeuge einge- woben, wie noch heut zu Tage, I. 1. cxist. 27. p. 177. princ. epist. il. p-7?) Feg. Eines Kleides mit eiiigcwobeue» Bildern erwähnt auch Phil 0 stratus (Icon. I. 2. c. 5. p. öl6.) in der Beschreib bung der Nhvdogune, Meuer. LMan vergleiche eine Note zum §. 6.Z Lalruaz. not. in ?ertull. ) lpliigen, !» v. Z72. über die Baumwolle und ihre Benennung bei den Alten vergleiche man Böttigers Bemerkungen in der a ld 0 b r a n d ini sch e II Hochzeit (S. tZ7.) nnd N 0 s> sens Commentar zu N irgi ls Landbau. (2B. t20V.) Me»e r. 2) L-iz-srili, Lutzl. P. 47. n. 244. z>> 117. n. 5gZ. pitture t. 2. tgv. 5. ^.27. 3) Dieses besireitet Leus ou egsai sur lez liakillem, I. 2. cli. 1/ p> ??.), weil das Ziegenhaar, die Baumwolle und die seine Leinwand, weil sie ei» wenig Glanz haben, auch die schillernde Farbe (colure canZi- ->ntc) hervorbringen, wen gleich nicht so lebhaft und stark als die Seide. Feg. 6 Buch/ 1 Kap. 52,5 I Farbe gewesen/ sondern daß sich die Farbe desselben nach den verschiedenen Augenpunkten geändert habe.^) Daß das griechische Frauenzimmer in den besten Zeiten von Griechenland seidene Kleider getragen/ ist au§ Schriften nicht bekant; aber wir sehen eS in den Werken ihrer Künstler/ unter welchen vier zulezt im Herculano entdekete Gemälde/ welche unten beschrieben sind/ vor der Kaiser Zeiten gemalet sei» können; man könte sage»/ eS hätten die Maler ein seidenes Gewand gehabt/ ihre Modelle damit zu bekleiden. In Rom wußte man bis unter den Kaisern nichts von dieser Tracht; da aber die Pracht einriß/ ließ man seidene Zeuge aus Indien kommen/ und eS kleideten sich auch Männer in Seide/ worüber unter dem Tiberins ein Verbot gema- chet wurde. Eine besondere sich ändernde Farbe siehet man auf vielen Gewändern alter Gemälde/ nämlich Roth und Violet/ oder Himmelblau zugleich/ oder Roth in den Tiefen/ und Grün auf den Höhen; oder Violet in den Tiefen / und Gelb auf den Höhen; welches ebenfalls seidene Zeuge andeutet/ aber solche/ an welchen der Faden des Einschlags >md deS Aufschlags/ jeder besonders/ eine von beiden Farben muß gehabt haben, welche an geworfenen Gewändern/ nach der verschiedenen Richtung der Falten / eine vor der andern erleuchtet worden. Der Purpur war insgemein Tuch; man wird aber vermuthlich auch der Seide diese Farbe gegeben haben. Da nun der Purpur von zweifacher Art Derselben Worte bedient sich Ar i stä n et n s (l. >. cpi,i. i i. 1,-76.), so daß er jene» scheint abgeschrieben z» haben. Me«er. Z) Dies liegt ansser allem Zweifel, wie Amati in seinen» Z26 Geschichte der Kunst. war/ nämlich Violet oder Violcnfarbc: welche Art Farbe die Griechen durch ein Wort andeuten/ welches eigentlich Meerfarbe heisset/^) von welcher Art der Purpur von Taranto war; und der andere nnd kostbare Purpur/ nämlich der tyrischc/^) welcher unserm Lake ähnlich war: 2) Buche r!?tututione purpur-irum, theils durch die Zeug! Nisse airer Autoren, im Zl Kavitel, theils im 2S Kav>> tel durch ein also gefärbtes seidenes Kleid beweiset/ das in einem alten Grabmale zu Rom gefunden worden, zugleich mit einem auch in Purpur gefärbten Kleide von sehr feiner Wolle. F e a. Was Bruchstük ist aus Plinins. (I-,. g. Zg üect, 6Z. dttns. Lttlumn. «I«? z,. 6. plin. I. 21. c. 6. secl. 14.) Plinins nent so gesärbte Kleider vestes von welches entweder ohne Beiwort, oder mit Hinzusu- gung des Beiworts das gemeine schwarzblauc Veilchen bedeutet. Die wiener Herausgeber haben ans /«.Z--»? ein neugriechisches Wort gemacht, und die mailändischen lesen „'««»Z-ic, welches eben so falsch ist. Die Hiiaeinthsarbe wgr dunkler und stärker als iene Neilchenfarbe. Me>>er. vcr.°!. 1.2. c. 2. kocliurt. Iüeiv2. l. ji. 7Z0. Z) liorat. 1.2. cpist 1. v. 207. Der t»rische Purvur, welcher aus dem in einer weissen Schlundader enthaltenen Saste verschiedener Meerschne- ken bereitet wurde, verdrängte kurz vor Augustus in Rom den violsarbenen und rothen Purpur von Tarent. Er glänzte, zweimal gefärbt (diloplios), am schönsten in der Farbe des geronnenen Blutes, dunkelnd im Ansehen, aber im Aussehen schimmernd. Me»er. 5) Das, der tnrische Purvur diese Farbe gehabt, stehet man ans einem hereulanjschen Gemälde, wo ei» Feldherr, welches Titns scheinet, nebst einer Victoria, bei einem Siegeszeichen vorgestellet ist. Der Mantel des Heerführers des beilegten Volks an dem Siegeszeichen 6 Buch/ 1 Kap. 327 so scheinet cS,, daß man seidene Zeuge ans' diesen > zwo Arten von Purpurfarbe gewebet habe, l) K. 7. Das Gewand von Tuch unterscheidet sich an , Figuren augenscheinlich von der Leinewand/ und von andern leichten Zeugen; und ein französischer Künstler/ welcher keine andern als sehr feine und ! durchsichtige Zeuge in Marmor bemerket/ hat nur ! an die farne fische Flora gedacht/ und an Fi- ! guren, welche auf ähnliche Art gekleidet sind. Man kan hingegen behaupten/ daß sich in weiblichen Statuen wenigstens eben so viel Gewänder/ welche ! Tuch/ als welche feine Zeuge vorstellen, erhalten i haben. Tuch ist kentlich an großen Falten/ auch ! an den Bruchcn/ in welche das Tuch im Zusam- i menlegen geschlagen wurde; von diesen Brüchen wird unten geredet. K. 8. Ich fuge zu den verschiedenen Zeugen i weiblicher Kleidung auch die von Gold gcwürkcten l Stüke hinzu, obgleich dirse eigentlich nicht hierher ^ gehören: den eS ist keine Figur also gemalet; son- j dem um alle Arten zu bemerken. Die reichen Zeuge der Alten bestanden nicht/ wie bei unS/ aus dünne ^ gezogenem und vergoldetem Metalle oder Silber/ welches über seidene Faden gesponnen ist/ sondern es war gediegenes gewürketeS Gold, wie PliniuS anzeiget/ da er von einem solchen Paludamento reist vonceauroth, der Mantel des Feldherrn aber lakroth. Der Purvur war die Tracht der Kaiser, und den Purvur, oder das Kaisertuch nehme», sind gleichbedeutende Redensarten. Winckelman. >) iv. 2. cliap. 2. »rt. i. F e a. s) i'lk'X. SUI la üculpt. s>. 4g. Oliscrvstionü 5ur Iz cle Narc. ^uivle. Muvi. US. 237. Hier sucht sich Falco n et gegen den Vorwurf zu rechtfertigen. Fc a> 328 Geschichte der Kunst. det/ womit die jüngere Agrippina, des Claudius Gemahlin / bekleidet einem Schauspiele eines Schifgefechts zusah: Aos villimus ^,ßri^>in»in ciau. ! riiici^is, eclevte eo i>»valis proelii s^eetaculum, jnclntain au/x> a/sa /»ale/^ia. Ja, eben dieser Scribent führet an/ daß bereits T a r- quinius Prise US einen goldenen Rok getragen: ! tllNica«l 2) In Rom und zu meiner Zeit haben sich in zwo Begrabnißurnen solche aus lauterem ^ Golde verfertigte Kleider gefunden / die unverzüglich von den Eigentümern verschmolzen wurden; und die Patres des Collegii Clementini, in deren Weinberge sich die lezte Urne von grünlichem Basalte fand/ gestanden zu/ daß sie aus ihrem Kleide vier Pfund Gold gezogen; es ist aber zu glauben/ daß sie den Werth nicht getreulich angegeben. Von dieser Art Zeuge können uns einige Stüke goldener Gallonen in dem herculanifchen Museo einen Begrif geben; den es sind dieselben ebenfalls aus lauterem Golde gewebet. >) 7^ 33. c. 3. sect. Ig. Oio. L»3S. I, Lo> c. 33. Fea. 2) 7.. c. Z) Dieser Sarkophage, der eine Von grünlichem Basalte/ der andere von eisenfarbigein (color-' tei-ii^no) ist schon im 2V. -i K. to §. in einer Note gedacht worden. Sie sind beide nnter der Regirvng Pins VI. in das Museum Pi 0 -Cl eine ntinu »1 gebracht worden. M e >> e r. 4) Lampridius erzählt in dem Leben des Helioga- ^ balus sc. 23.), daß dieser Kaiser eine aus bloßen Gold- j säden gewobene Tnnica getragen. Die Sorgfalt, mit welcher die Autoren diesen umstand hervorheben, liißt schließen, daß solche Kleider selten und Vielleicht nur den Kaisern oder andern Personen vom höchsten Stan-e eigen waren. Man wob die Goldsaden vermischt mit wol- ! lencn Faden oder auch ohne diese, wie Plinius (I. c.) 6 Blich/ 1 Kap. 32«) Z.9. Auch ist mitWenigem etwas von der Far b e der Kleidung zu berühren/ sonderlich da dieselbe in den Schriften von der Kleidung der Alten nicht angezeiget ist. Von göttlichen Figuren anzufangen, findet sich Jupiter bis an den Unterleib unterwärts mit einem weissen Mantel bedeket in dem Gemälde/ wo er den GanymedeS küssen will: ein alter Scribent der spätern Zeit gibt ihm ein rothes Gewand. NeptunuS aber würde ein meergrünes Gewand haben müßen/ so wie die Nereiden pfle- gcten gemalet zu werden; wie den selbst die Thiere/ die den Meergöttern geopfert wurden/ meergrüne Bänder trngen. 4) ZluS eben dem Grunde geben die Dichter den Flüssen Haare von eben der Farbe. 5) ES wurden auch überhaupt die Nymphen/ weil ihr Name vom Wasser genommen ist: in alten Gemälden also gekleidet. 6) Wo Apollo einen Man- t el hat/ ist derselbe blau/ oder violet: ?) und Bak- ch nS/ welcher ein purpurrothes Gewand haben könte/ sagt. Gold mit ander» Stoffen zu verwebe» / erfand zu- erst Attalus. I. 3. c. 48. 8^.74.) Avulejus (metamorpk. I. 4. x. 109.) redet von seidenen Kleidern mit eingewobenem Golde. Capitolinus/ im Leben des Pertina r (c. 3.), erwähnt eines Kleides des C 0 m> modus mit seidenem Auszüge und goldenem Einschla» ge. Fea. I) 57 V. 3 K. 23 — 29 §.) 3) 0^6. arte am. I. 3. v. 173. I'lieocr. 16^11. XXVIII. v. 11. laueret. 1. 4. v. 1 120. 4) Valer. k'Iacc. I. 1. v. i3g. 5) 0v!6. u5t. I. 6. c. 6. Valcr. Aax. I. 2. c 6. ». 2. 7) kilwre. 6'Lrcol. t. 4. t»v. Z. I. IX. v. Zäz ^ 6 Buch, 1 Kap. 3Z1 canifchen Zeichnung ein feines Unterkleid von Etahl- farbe / wie V i r g i l i u S die Figur der Tiber kleidet: I^UIN tcnui^j gluuco volllbat »Ivictu Laikasus, l) ! Ihr Gewand aber ist grün, wie es die Flüsse bei anderen Dichtern habend) und die eine sowohl als die andere Farbe komt symbolisch dem Wasser zu; die grüne deutet vornehmlich auf die bewachsenen Ufer. K. 10. ES wird auch nicht überflüssig sei»/ für Künstler eine Anzeige der Gewänder von Helden und Königen zu geben. Nestor warf ein rothes' Gewand um sich.Z) Das Gewand und die ganze Bekleidung zweier gefangenen Könige in der Villa Mcdicis, und zween anderer in der Villa Borghese / scheinet in dem Porphyr, woraus dieselben gearbeitet sind, ein Purpur- gewand anzudeuten, und auf die königliche Würde dieser Gefangenen zu zielen.^) Achilles hatte in >) i.a. v. zz, 2) Ltatii l'Iikl). I. g. v. Z?^> Z) k> X. v. iZZ. Der Autor citirr Philost'rati zweites Buch von de» Bildern , aber welche Stelle er im Sinne gehabt/ wa> gen wir nicht zu bestimmen, indem daselbst keines Bildnisses vom Nestor gedacht wird, wohl aber anderswo (lleroic. c, z. n, I —4), doch ohne die Erwähnung eines rothen Gewandes. Me»er. 4) Die Figuren aus der Nilla Medici werden »ach Floren; gekonimcn sei». Von den in der Villa Borghesc zeichnet sich der eine besonders durch ante Arbeit aus, und bleibt in Hinsicht auf St»l und Geschmak im Ganzen nur wenig hinter den beiden gescliäzte» Gefangene» Vo» duukelgraucm Marmor zuritt, welche im Hofe des Palasts der Conservatorcn ans dem Camvidoglio stehen. Das Gewand bat vortreslich gelegte Falte» und es smd dara» eben so, wie an den Gewändern jener cavito- linifchen Figuren, die nach dem Waschen durch das Pressen entstehende» Brüche angedeutet. Meyer. 3^2 Geschichte der Kunst. einem alten Gemälde ein meergrünes Kleid/ in Anspielung auf die ThetiS/ deren Sohn er war/>) welches auch Balthasar Peruzzi beobachtet hat an der Figur dieses Helden an der Deke eines Saals in der Farnesina. SextuS Poinpejus nahm nach dem über den AngustuS erhaltenen Siege zur See ein Kleid von ähnlicher Farbe/ weil er sich/ wie Dio saget/ einbildete/ ein Sohn des NeptunuS zu sein; und AugustuS bcschenkete den MarcuS Agrippa/ nach der Seeschlacht mit dem Pomve- juS, mit einer meergrünen Fahne. Die Priester waren bei allen Völkern weiß gekleidet. 4) ß. it. In der Trauer gingen in den alten Zeiten bei den Römern sowohl als bei den Griechen/ die Weiber schwarz gekleidet/ 5) wie eS bereits zu HomeruS Zeiten war/ wo ThetiS den Tod des Patroklu S zu betrauern das schwärzeste Tuch nahm. <>) Unter den römischen Kaisern aber änderte Kein m eerg r ünes Gewand, sondern von Meervu r> pur/ glänzend und in's Vivlcnsarl'ne spielend. Mever. 2) ^,.43. c. 3. Es würde uns iu weit snhren, wen wir zeigen woll« ten, wie viele Ausnahmen diese allgemeine Behauptung in Hinsicht der Priesterkleidung l>ei allen Völkern leide. Schon bei den Griechen war nach Verschiedenheit der Götter, denen die Priester dienten und opferten, auch ihre Kleidung verschieden; gewöhnlich hatten die Priester der Himmelsgötter p urpu r sarl> n e, die der unterirdischen Götter schwarze, und die der Ceres weisse Kleider. Meyer. L) Ilulic. I. 6. «7. Zg. j. 6. V. 233 et 563. 6) !>.. Q. XXIV. v. Z4. 6 Buch/ 1 Kap. 33Z sich dieser Gebrauch/ und die Weiber trauerten in Weiß;^) wen also Plutarchus dieses allgemein und ohne Bestimmung der Zeit anmerket/ ist dieser Gebrauch von dessen Zeit zu verstehen. Von der ! Trauer in weisser Kleidung meldet HerodianuS in dem Berichte von dem Leichenbegängnisse Kaisers Septimius Severus/ wo er anzeiget/ daß auch bei dem Bilde von Wachse/ welches dessen Körper vorgestellet/ die Weiber in weisser Kleidung gesessen, und ihn betrauret/ zur Linken aber der ganz römische Rath in schwarzer Trauer. Die Männer bei den Römern gingen beständig in schwarzer Trauer/ wie wir unter andern vom Hadrianus wissen/ welcher über TrajanS verstorbene Gemahlin Plotin a neun Tage schwarze Kleider trug. 1) Ocnolaxli. pisiin. liizs. Z. c> I. 2) N»m, p. 270. lt. 7. I>-g2. eclit. Z) Ii. 4. c> 2. n. Z. 4) Xixlul, i» u-xir. p. 261. tJ» der wiener Ausgabe S.^l7. heißt es : „wie wir unter andern vom Traja- >, uns wisse»/ welcher i>ber seine verstorbene Gemahlin >, P lo tina neun Tage schwarze Kleider trug"— welches der geschichtliche» Wahrheit entgegen ist, und dieser gemäß im Terte verbessert wordene Diese Meinung über die weisse Farbe siir die Krauen haben unter andern Livsius (c^curs. ,16 ^.nnal. I. 2.), Noris (> c.) und Kirchman (60 suoer. kam. 1.2. c. 17.) unterstüzt. ?lber Meursius (äe suncre c. ^7.^ behauptet, daß die weiss?» Kleider in der Trauer nur bei vornehme» Frauen gebräuchlich gewesen. Noris (I. c.), bei einer Stelle des Lactantius (llo moi't. pcrsecul. c. ZZ>), be»ierkt, daß Valeria Augusta beim Tode Marimiuians schwarze Kleider getragen, und glaubt, daß die Frauen seit dieser Zeit ih> re weisse» Kleider in schwarze verwandelt. Aus den alten Rechtsgelehrtrn ersteht man, daß die weisse Kleidung sür die Trauer weder den Männern noch Frauen erlaubt war; den der Nechtsgelehrte Paulus (recvxt. Geschichte der Kunst. Z. 12. Was den zweiten Punkt der weiblichen Kleidung/ nämlich ibre verschiedenen Stüke, Arten/ und die Form derselben betrift/ so sind zuerst drei Stüke: das U n t e rkl e i d/ der Rok und der Mantel zu merken/ deren Form die allcrnatürlichste ist/ die sich gedenken lässet. In den ältesten Zeiten war die weibliche Tracht unter allen Griechen ebendieselbe/ das ist: die dorische; in den folgenden Zeiten unterschieden sich die Zonier von den übrigen; die Künstler aber scheinen sich in göttlichen und heroischen Figuren an die älteste Tracht vornehmlich gehalten zu haben. Z. 13. Das Unterkleid/ welches statt unsers Hemdes war/ siehet man an entkleideten oder schlafenden Figuren/ wie an der faruesischen Flora/ an den Statuen der Amazonen im Camvidoglio und in der Villa Mattei; an der fälschlich soge- nanten Kleopatra in der Villa Medicis; an einem schönen Hermaphroditen im PalasteFar- nese. Auch die jüngste Tochter der Niobe/ die sich in den Schooß der Mutter wirft/ hat nur das Unterkleid;^ und dieses hieß bei den Griechen sein. I. >, lit. 21. Z. Z.) sagt/ daß jeder in der Trauer sich unter ander» Dingen auch der wrissen Kleider enthalten/ und besonders die Witwen schwarze Trauerklei- der sür ihre Männer anlegen müßten. (I. Qenei-o. g. ss, cle lüs, Hui not. ins. Iteinr5.Z. raliter z^. lk.; 6e iiijur.) Fea, ») Heroiiot, ü. 2) Die Flora nnd der Hermaphrodit sind aus dem Palaste Farn esc nach Neapel gebracht; die Amazone ist die berulimte aus der Villa Mattei/ und die soge- naiite Kleopatra (eigentlich Aria d n e) kam aus der Villa Medici »ach Florenz. Me»er. LMan vergleiche 5 B. 5 K. 22 §. Not e>) 2) Sie ist nicht blos mit dem ttnterkleide versehen; ei» 6 Buch/ 1 Kap. 7A »z i) und die allein im Unterkleide Ware»/ mit welchem dic Wcibcr bekleidet schliefen/hießen auch -) ES war/ wie an angeführeten Figuren erscheinet/ von Leinewand/ oder von sehr leichtem Zeuge/ ohne Ärmel/ so daß es auf den Achseln vermittelst eines Knopfes zusammenhing/ und bedekete die ganze Brust/ wen eS nicht von der Achsel abgelöset war; ein solches leichtes Kleid trugen die spartanischen Mädchen/ und dieses ohne Gürtel. 2) Oben am Halse scheinet zuweilen ein gekräuselter Streifen von feinerem Zeuge angenähet gewesen zu sei»/ welches aus LykophronS Beschreibung des MänncrhemdeS/ worin Klytämne- stra den Agamcmnon vcrwikclt/ um so viel mehr auf Unterkleider der Weiber kan geschlossen werdein ES behauptet jemand/ daß die römischen Weiber/ nicht die Männer/ Hemden (vielleicht hat derselbe Unterkleider sagen wollen) mit Ärmeln tragen dürfen: ich wünschete den Beweis davon zu sehen. 5) Mantel windet sich zierlich um ihre Schenkel/ bedekc dieselben nebst dem linken Beine bis an die Knöchel des Fußes, und fällt noch in einem Hause» Von Kalten zur Seite auf die Erde. Meyer. ») ile Lliloxk. el I^cucipp. amor, I. i. z>, g. ellit. Lslmas. 2) Dui !p, ll^cuk, v. gZ3. plularcl». in L^II, p. 467. 25^1 z) 8ckol. I»I IZurip. l^lecub. I. c. /,) LassilllZr. V. 1100. L !as5aubvll. svimixlverz. !n Luelon, x, 2V. Was der Autor im zunächst Folgende« über die Männer kl eidung gesagt/ schien uns eine bequemere Stelle im 4 §. ZK. dieses sechsten Vuchs zu finden. Meyer, 336 Geschichte der Kunst. §. Die Mädchens scheinen über ihr Unterkleid sich unter der Brust mit einer Binde fest gc- schnüret zu haben/ um ihr Gewächs geschlank zu machen/ zu erhalten / und sichtbarer zu zeigen/ und diese Art von Schnürbrust hieß bei den Griechen , und bei den Römern «asiul». i) Man findet auch/ daß das griechische Frauenzimmer/ die Fehler des Gewächses zu verbergen/ den Leib mit dünnen Bretterchen von Lindenholz gepresset habe.^) Der Gebrauch/ sich zu schnüren/ muß auch bei den Hetruriern gewesen sein/ wie sich auf einer alten Paste an einer Scylla zeiget/ deren Leib gegen die Hüften wie eineSchnurbrust enger zuläuft.^) An entkleideten Personen bis auf das Unterkleid/ ist dieses mit einem Gürtel gebunden/ welches im völligen Anzüge/ wie es scheinet/ nicht geschah. §. 16. Der weibliche Rok war gewölmlich nichts anderes/ als zwei lange Stüke Tuch/ ohne Schnitt und ohne andere Form/ welche nur in der Länge zusammengenähet waren/ und auf den Achseln durch einen oder mehr Knöpfe zusammenhingen/ so wie ZosephuS die gewöhnlichen Nöke beschreibet.^) Zuweilen war anstatt des Kopfes ein fpiziger Häft/ und die Weiber zu ArgoS und Agina trugen dergleichen Häfte größer/ als zu Athen. 5) Dieses war der sogenaute vierekichte Rok / welcher auf keine Weise rund geschnitten sein kaü/ wie Salmasius glaubet/ (er gibt die Form des Mantels dem Roke/ ,) Zkllmas. not. in Trot. 5^Z. Non. HI»r- cell. c. 16. n. 6. 2) OüZaiik. not. In Lxai'ticm. x. 55. Tniscell. I. 5. c. 9. p. 174. 3) beschreib, d. ge schnitt. Steine/ 2 Kl. 9 Abth.? 4) ^ntic^. I. 3. 0. L. Z. 4. 5) Heroclot. I. 5. c. 63. 6 Buch/i Kap. ZZ7 und des Roks dem Mantels) und es ist die gemeinste Tracht göttlicher Figuren/ oder aus der Hel- denzeit. Dieser Nok wurde über den Kopf geworfen. Die Röke der spartanischen Jungfrauen waren unten auf den Seiten offen/ und flogen frei von einander/ wie man es an Figuren von Tänzeri- nen siehet. 2) §. 16. Andere Röke sind mit engen genäheteir Ärmeln/ welche bis an die Knöchel der Hand reichen/ und die daher von der Knöchel/ genennet wurden.-^) So ist die jüngere von den zwo schönsten Töchtern der Niobe geklei« det/^) und die vermeinete Dido unter den hercula- liischen Gemälden 5)/ wie auch die mehresten weib- lMan vergleiche die Ge dank, über die Nachahm. §. t7.Z Z) Lslinaz, in ?ortull. lle pall. p. 44. i) Zwei Töchter der Niobe baden Unterkleider mit langen bis an die Knöchel der Hände reichenden/ knav an« liegenden Ärmeln: nämlich die älteste Iironi iii,se» t32ione sulle slla lli t»v. 11,), welche aber theils einen modernen mittelmäßigen Kovf hat, theils auch im Ganzen weniger wohl erhalten ist, als die vierte (?ülironi, iav. 12.), die gleichfalls ein Untergewand mit solchen langen Ärmeln hat und zu den herlichsten Figuren dieser berühmten Gesellschast von Statuen gekört. Der Autor wollte vermuthlich von der leztern svrechen,'und wir haben daher die ältere Verwandelt in die lungere. Meyer. LMan vergleiche eine Note im §. 5) ?. >. luv. iZ. Man kaii diese Figur Vielmehr für die tragische Muse halte», deren Geschäft es ist, ti-isu» I«-Ua zu besingen; hiesiir scheint das Schwert in der Scheide, welches sie mit beiden Händen hält, ihr kriegerischer Blik Winckelman. 4. 16 Geschichte der Kunst. lichcir Figuren der Meilen erhobenen Arbeiten haben eben dergleichen Ärmel; auf gemaleten Gefäßen siehet man noch mehrere. Vielmals gehen die Ärmel nur über das Obertheil des Arms, welche Kleidung daher genant wird, t) Sie haben Knöpfe von der Achsel herunter/ und am inänlichen Unterkleide waren sie noch kürzer. Wen die Ärmcl sehr weit sind, wie an zwo schönen Statuen der Pallas in der Villa Albani/ sind es nicht die Ärmel des RokS/ sondern des Unterkleides, auch nicht besonders geschnitten/ sondern aus dem vier- ckichtcn Noke/ welcher von der Achsel auf den Arm heruntergefallen/ vermittelst des Gürtels in Gestalt ! der Ärmel gezogen und geleget; und wen ein solcher Rok sehr weit/ auf der Achsel nicht zusammengenähet/ sondern durch Knöpfe zusammengehänget ist/ ! so fallen alsden die Knöpfe auf den Arm herunter- l solche weitläuftige Nöke pflegete daS weibliche Gc- > schlecht an feierlichen Tagen anzulegen. Im ganzen Altertume aber findet man keine weite und nach heutiger Art an Hemden aufgerollete Ärmel/ wie Vernini der h. Veronika^) in der Kirche von und der Stolz in ihrem Antlize zu sprechen. Ein sol> ches Kleid sieht man auch an der komischen Muse/ Thalia. (1. 2, tsv. Z>) Fea. 1) LcüÜF. poet. I. I. c> >3. 2) I.iv. I. 27. c. ulf. 3) Der Autor irrt, weil er die h. Veronika (eine der Vier Kolossalstatuen an den Pfeilern unter der Kuvol« in der Peterskirche zu Rom) dem Nernini zuschreibt, weil sie gan; zuverläßia von Francesco Mocllii, einem l580 gebornen florentinische» Bildhauer, gearbri> tet ist, dessen Geschmak sich von dem des Berniiii deutlich genug unterscheidet; den die Formen der gc> dachten Statue sind mehr streng als weichlich; dai Gewand liegt den Gliedern zu nahe an und hat Mri« 6 Buch/ 1 Kap. 3^9 St. Peter, und andere neuere Bildhauer ihren weiblichen Figuren gegeben haben. §. 17. Der Nok findet sich niemals weder unten herum/ noch sonst mit Fransten besezet, welches ich erinnere zur Erklärung desjenigen/ was Kalli- machus an dem Rokc der Diana nen» net/ ^) und von alten sowohl als neueren Auslegern auf Trödeln oder Fransten gedeutet wird, ausser dem Svanheiiii/ welcher es von Streifen erkläret/ die in der Länge herunter eingewürket find. Kallimachus führet diese Göttin redend ein/ mit Bitre an den Iupiter/ il>r unter anderen Dingen zu verstatten/ ihren Rok bis an die Kniee anfgeschür- zet zu tragen: man siehet aber den Nok der Diana eben so wenig auf alten Gemälden als in Statuen weder mit Fransten/ noch mit Streifen/ die von oben heruntergehen; an dem Saume desselben hingegen pfleget eine breite cingewürkete Befezung angedeutet zu sei«/ welches am deutlichsten an der Statue derselben in dem her- culanischen Museo zu sehen ist/ die im vorigen Kapitel beschrieben worden. ^) Z. 18. Ich bin daher der Meinung/ daß das gezogene kleine Falten. Vonanni (Ilistor. templl Vsllo. c. 2Ü.) gibt eine Abbildung dieser Statue; man Vergleiche auch Sidonc und Martinetti. (Oelia sacr. Lasil. 1.2. c. 5 Z. >3.) Fea u. Meyer. 1) LFea will das Gegentheil behauptend 2) IIv»>n. in vi-in. v. li — >2. Sxavliemii vbZDi'vzt p. I7Z. Der Scholiast erklärt für -rs «x,«? ist aber vra, niargo. Siebelis. Z) U B. 2 K. 14 §.1 34o Geschichte der Kunst. Wort x°>vki7-°v den besezeten oder sonst verziereten Saum des RokS anzeige. Den die Nöke sowohl als die Mäntel hatten insgemein an ihrem Saume umher eine Besezung/ welche auch gewürket oder ge- stiket sein konte, von einem oder mehr Streifen: ! dieses siehet man am deutlichsten auf alten Gemälden; es ist aber auch in Marmor angezeiget. Dieser Zierat hieß bei den Römern limkus, und bei den Griechen xvxXsx und und das Gewöhnlichste war eine Besezung von Purpur, welche auch die mänliche Kleidung bei den Hetruriern und Römern hatte/ wie bekant ist; die weibliche Klei- > dung aber war unten mit einem oder mehreren Streifen von verschiedener Farbe gezieret.') Einen Strei- - fen hatten die gemaleten Figuren in der Pyramide des CestiuS zu Rom; zween gelbe Streifen siehet man auf dem Roke der Harfenschlägerin der so- genantm aldobrandini schen Hochzeit:^) drei j) Die Griechen nennen diese Besezung auch wohl »L-t--«-!. / , die Römer gewöhnlich insliis, und wir Falbel. (Lonk. pollux. l. >3. segni. 5l> 62 — 6Z>> I Me»e r. 2) Kzlmaü. in x>97g— göo. Luonarr> sä Oemxzt, Z. Z3. p. 60. Z) f'elcvnieri, Oisc. intorn. all» piram.
  • > guren seine Richtigkeit; nur in Betres der angeführten Harfenspielerin (eigentlich L e» er sv i e l er in> hat sich der Autor durch unrichtige Kupferstiche zu ei> nein Irrtum verleiten lassen: in diesem antiken Gemälde hat überhaupt keine Figur eine Besezung des G» wandes. Gelbe Punkte und einige kleine Streu l! sen/ von eben der Farbe wie gemustertes Zeug, bemerkt man zwar aus dem weissen Gewände der Le» erspiele« ! r i»/ nicht aber zwei breite Streifen unten uuiher, > welche blos auf den Kupferstichen von diesem Monument! 6 Buch, 1 Kap. s4t rothe Streifen/ mit weissem Blumenwerk auf denselben, hat der Rok der Noma im Palaste Barbe- riiii/i) und vier Streifen sind an einer Figur auf einem von denjenigen herculanifchen Gemälden/ welche mit einer Farbe auf Marmor gezeichnet sind. 2) Solche Streifen sind auch gemalet an einer oben er- wähneten Statue der Diana vom ältesten Styl in dem herculanifchen Museo.^) §. 19. Die Jungfrauen sowohl als Weiber banden den Nok nahe unter den Brüstend) wie noch izo an einigen Orten in Griechenland geschiehet/5) und wie die jüdischen Hohenpriester denselben trugen: 6) dieses hieß hochau sg e schürz e t/ welches ein gemeines Beiwort der griechischen Weiber beim HomeruS und bei andern Dichtern ist. ?) Dieses Band oder Gürtel/ bei den Griechen erscheinen. Inder von Nikolaus Poussin mit Ölfarbe gemachten und im Palaste Doria zu Rom befindlichen Covie dieses Gemäldes hat die Leyerspielerin einen gelben Streifen oder breiten Saum unten um das Gewand. Allein dieses ist eine von den vielen willkürlichen Abweichungen vom Originale, die sich Pous, sin in seiner Nachahmung erlaubt hat. Meyer. 1) Die Abbildung in Siklcrs und Neinharts Almanach aus Rom, vom Jahre tSlv. Meyer. 2) pitture cl'!. i. tav. 4. Z) lt B. 2 K. §.1 4) ?Iacc. Argonaut. I. 7. v. Z55. ^rlslsenel. I cxisl. -5. x. 164. I. 2. ep>5t. >Z. x. 246. ^ . x>. 2vö. ß) I^<-I-.n6. --Nil,. 5-cr. 2. c. I. g. 1'ke-. ->kli? sner. I/Avliu. t. 2. col. 626. ?) !>.. I. IX. v. 5g». 0^-,. I-. III. v. ,54. vl V. IX. , . 2. ü-i-Z-v^v--? hat Varnes in der ersten Stelle gegeben: xrufuiKlc zuccincws, und "> der zweiten: 2 u Geschichte der Kunst. 55-H--V, auch genant,^) ist an den mehresten Figuren sichtbar / und von den beiden Enden desselben auf der Brust hängen drei Schnüre mit einem Knoten herunter/ an einer kleinen Pal- «Zomiisas 20NSS Iiakentcs, welches beides irrig ist. Die griechischen Sckoliasten haben dieses Beiwort eben so wenig verstanden, und wen im Lt^moloßico Nugn» gesaget wird, es sei dasselbe ein Beiname barbarischer Weiber: so zielet dieses vermuthlich aus eine Stelle des Äsch»lus (per?. V, >55,), wo dieser Dichter die ver- sischcn Weiber also nennet. Stanlevhat den rechten Sin dieses Worts getroffen; den er nbersezet es: sltL cinctaru»,, der h v cha usg e sch iir zet e n. Der Scho- liast deS Statius tl^utai. !. >o. v. 644.) gibt ei» schlechtes Kenzeichen von der Abbildung der Tugend, wen er saget, daß sie h 0 ch a n sg e sch ürz et vorgestellet worden. Win ckelma n. ») ^nscr. vs>. 20. V. iZ. pollux. I 7. e. 14. sexni. 65. Lept. eontra v. 877. LsluII. cai-ni. 64. pelez et lallet, v. 63. Hier könte süglicher, anstatt gesezet werden /uctanle,:. Winckelman. 2) ?sonn. Oion^siuc. I. ». v. Z07. ^Vlusrel kleroa. et I^e->n6r. »mor. V. 272. ^pollou. ^r^anant. l. I. V. 233. Die Scholien zum Avollonius erklären durch Aiiv«. Siebelis. Der Autor hat, was er in seinen Denkmalen ll Th. t2 K.1 sorgfältig treiit, hier nicht genau unter" schieden, nämlich die Busenbinde von dem Gürtel. Dieser, Aov« genaüt, ward über das Untergewand zusammengeschlagen; jene, von den Römern stroxliiun» sLatuII. epitlial. 65.) oder m-iniiUsre sM-irtial. I rpigr. voV... Vü,t>ec»en ?--/»« voer ?«/«<»/!>? genant, ward nnterhalb der Brüste um den Körper gebunden, theils um den zu vollen Bmen einzuschnüren, theils um den zu flachen möglichst zu heben. Eine sehr charakteristische Abbildung dieses Busenbandes findet man in Bvttigers Sabina. it B. 17^ S.) Mever. 6 Buch, 1 Kap. las von Erzt in der Villa Albani^)/ so wie an den weiblichen Figuren des schönsten Gefäßes der h a mj lt o ni sch en Samlnng. ES ist dieses Band unter der Brust in eine einfache, auch dopelte Schlaufe gebunden / welche man an den zwo schönsten Töchtern der Niobe nicht stehet: der jüngsten von diesen gehet das Band über beide Achseln und über den Nüken um den Leib , wie es die vier Karyatiden in Lebensgröße haben/ welche im Monate April bei Monte Portio, ohnw/ Fraseati/ gefunden worden /2) und ein syk,'- Band hieß insbesondere/ wenigstens in spätexuren teN/ succinctorilim oder brscile An de^/ daß des vatiean ischen Terentius scb^Sebun>>" der Rok auf diese Art mit zwei Ba^t wurde/ die oben ans der Achsel "lgen ">gur^ sein müßen; den sie hängen aufgelöset/ auf beide Seiten -<,"der über den ' gebunden wurden/ hielten !>c in die Hohe. seln das Band unter der .ctcl/ vorsteuen/ lang muß man stch de^ scct. 2. t. I. tad- ^6. i) !.!> ci.-us-e, ekaür aemacheteu Inschrift des In einer noch ^ ^ vaticanischen B.bl.vthek: v ' ' ^/^-^inct im folgenden Verse: dieses Wort diejenig Binde zu bedeuten, die unter die Briiste angeleget von welcher ich oben ge> redet habe. Winckel Dieses dem HediUos .jg^egte Evigram findet fich in Liuncl.ü ^ualeclis, t. I. ^gz. n. I> ü- Me»er. 2) sZ Band, ?7 S-^I Sie befin^, sich nach Fea in der Villa A lba u i, C a vace v p .gibt eine Abbildung davon. (?', Z. wv> 2S>) Meyer. Geschichte der Kunst. mit welchem, beim Longus/ Chloe ihren Daph- nis aus der Wolfsgrube/ in Ermangelung eines StrikS, ziehen lässet; und es kan keine Hauptbiy- de sein, wie eS in dein Kupfer vorgestellet ist. i) An einigen Figuren ist dieses Band oder Gürtel so breit als ein Gurt/ wie an einer fast kolossalischen Muse in der Cancellaria/an der Aurora an dem Bogen des C o nsta ntin us; ') und an einer Bakchante in der Villa Madama ausser Rom. Die tragische Muse hat insgemein einen breiten Gürtel und an einer großen Begräbnißurne/ in der Villa Mattei/ ist derselbe gestiket vorgestellet;^) auch Urania hat zuweilen einen solchen breiten Gürtel. 6) Aus einem Fragmente des DichtarS T u r- >) I^. i. c, i?. D->s Kuvfci- findet sich in der französischen übersezung von A iny o». <.^b. Meuer. 2) Die über tz rasche Palm hohe Muse wurde in das Mu»-um P,o gebracht. Visconti (Aus. ^ l-.v. 26.) erklärt dieses Denkmal «nd g.bt davon e.ue ^ Abbildung. Er hält es für ^ Maske, welche sie in der Hand halt, ist neu. M Z) Bartoli . Alwilduna des runden Basreliefs, ^ ^ nnttelmänig gearbeitet, ine« Werks aus Zeit Empfehlung, ^ »er'breNe G^el da!' «'sein schmales Band suti-i. c!pli>z. t. 1. xar ^ ^ ^ ^„n S) Wie unter andern im Palaste ^^ar.^^ ^ welcher im 5 B 2 « ^ ^ ,, x>,,s Stiik von mero 52 der ?>l.bi dünge n sieh der Brust mit «e-and und der bckanttn cax toli» l,cl,e>G glatten breiten sen hat sowoh .'M °lP°men° e.nen sun.e 6 Buch, t Ka? piliuS/ wo ein junges Mädchen saget: „Ich „ Unglükliche! die ich einen Brief verloren habe/ „welcher mir aus dem Busen herausgeschossen ist:" ine rnisersni, ioler vil>s c^iislola exi -iclit milii, inter tuniculsni et slro^Iiiuin collocala, jemand schließen/ daß man dieser Binde/ oder dem Gürtel/ mit der Zeit eine besondere Form gegeben habe. 2) Dieses folget hieraus im geringsten nicht; das bekümmerte Mädchen redet von einem Briefe/ welchen sie zwischen dem Unterkleide und dem Noke unter den Gürtel selbst gesteket hatte. ß. 2». Die Amazonen allein haben das Band nicht nahe unter der Brust/ sondern/ wie dasselbe an Männern ist/ um die Hüften liegen/ und es die- nete nicht sowohl/ ihren Rok fest oder in die Höbe zu binde» / als v.elmehr/ sich zu gürten/ ihre kriegerische Natur anzudeuten; (Gürten heißt beim Ho- merus: sich zur Schlacht rüsten^) daher dieses Band an ihnen eigentlich ein Gürtel zu nennen ist. Eine einzige Amazone unter Lebensgroß-/ im Palaste Farnese/ welche verwundet vom Pferde sinket/ hat das Band nahe unter den Brüsten gebunden. Gürtel, als auch noch zwei andere Figuren/ welche man für die Euterve und Kalliope hält. Die Fi> Melpomene, welche noch wegen des Ko< '"L->en engen Ärmel merkwürdig ist, tet pe, auf einem Nasrei.-, s,bild » ngen. Eu. gliefe, hat ebenfalls einen breiten Gurin-,-»« nor- chem Zieraten von Srikerei angedeutet sind. Gunter de» Abbildungen Numero 54.) Meyer. 1) V. ,ZZ. IVonnius, c. 14. u. L. 2) IV-xlal, sur Niakill. mes Romain, »les in?cript. t. 4. IVIeni, p. 262. Z) I/,. XI. v. >2. 'x. XXIll. v. >Zo. 346 Geschichte der Kunst. Z. 2j. Es erkläret sich also aus dem Obige»/ wie Pbilostratuv zu verstehen ist, wen er saget, daß in dem Gemälde des Komus derselbe von Weibern und Männern umgeben gewesen, und daß diese mit Weiberschuben und wider die Gewohnheit geschürzet oder gebunden gebildet gewesen: ----- das ist: die Männer hatten wie die Weiber den Gürtel unter der Brust liegend) Mit Weiberschuhen aber pflegeten auch die Flötenspieler auf der Scena zu erscheinen, und Batta- luS aus EphesuS war der erste/ der steh also zeiget-. §. 22. Die völlig bekleidete Venus ist in Statuen allezeit mit zween Gürteln vorgestellet, von welchen der andere unter dem ttnterleibe lieget, so wie denselben die Venus mit einem Porträtkopfe, neben dem Mars im Campidoglio, und die schöne bekleidete VenuS hat, welche ehemals in dem Palaste Spada stand, und izo im Belize des Lord Egremont in Engeland ist.^) Dieser untere Gürtel ist nur dieser Göttin eigen, lind ist derjenige, welcher bei den Dichtern insbesondere der Gürtel der VenuS beisset: dieses ist noch von niemand bemerket worden.^) Huno bat sich denselben aus, 1) i. Icon. 2. p. 566. 2) vita Dcmostl,. princ. " ^0te.? Z) Au«. c->i>ilul. t, Z. der Göttin diesen zweiten, Gürtel auch alsdail noch, wen sie sie ohne alle Bekleidung, ganz nakend, vorstellten; wie aus einem Epigramme der Anthologie (Linncl>i, ^n.ilcct. t. 2 p. 460. princ.) erhellet. Aber ans eben diesem Evigram erhellet zugleich, daß, wie W i u- ckelman will, dieser Gürtel nicht allezeit den Unterleib umgürtet; den an der darin beschriebenen Statue 6 Buch/ i Kap. 347 da sie dem Jupiter eine heftige Begierde gegen sich erweken wollte/ und sie legete denselben/ wie Homerns saget/ in nren Schooß,^) das ist: um und unter den Unterleib/ wo dieser Gürtel an besageten Figuren lieget; die Syrer gaben ver« hing kr von dem Halse über die Brust herab. Lessing. >) Ik. T. XIV. V. 219 et 22?. IVonn. lZionz-s. I. Zi. V. Zi, 2) Man sehe gegen diese Erklärung an, was Andere (KI- ßault, not. in Oi>v53nZri Llr^I.ig. 2?. not. zll.Aürm. ^runilcil. p, 24. Lmzrn. . si. 2Z.), wen er diesen Gürtel nennet, sezet hinzu, was und wie auch derselbe sei: cc»>-c 6 x-51! Herr Marto» r e l l i, Professor der griechischen Sprache zu Neapel, mer- i S3.) sehr wohl an, daß dieses Wort kein Substantivum, sondern ein Adjectivum sei, welches im ersten Falle von späteren griechischen Dichtern gebrauchet worden. ES scheinet auch der Dichter einer griechischen Siiischrifc aus die Venus (krunckii ^nalvcla, t. 2. >>, 467. Gürtel sei/'da er'deii gewöhnlichen unter Brust'- dafür a»gc»o»>»,x,^ Dui'F> g e Erk lärung der Gürtel der Venus wird'zugleich eine Anzeige des Pli'ius (I> Z6. c. 5. ücct. 4. n. k.) deutlich, die derselbe von der Statue eines Sat»rs gibt, welcher die Figur eines Bakchus hielt: /,a//a valawni die, wie ich es versiehe, nach Arr einer beklei z^s Geschichte der Kunst. imtthlich auch daher den Statuen der Juno diesen Gürtel. Gor« glaubet/ daß zwo von den drei deten Venus gegürtet ist. Diesr Stelle ist bis jezo dunkel geblieben, und daher haben einige, anstart lesen wollen als wen der Satyr den Bak- chus der VenuS darbrächte. Pli» in § redet von kei- ner Gruve. Winckelman. Heyne ) und nach ihm viele Erklärer Homers, eben so wie der Autor verstanden. Den -lA'o exc/o-ÄT-b, heißt nicht wie He»n e will: sie löste den Gürtel von der Brust, fondern vom Bufen, und dieser besondere Theil deS Körpers bezeichnet bei Homer häufig den ganzen Leib. (Ik. ?> III. v. ZZ2. x. X. v. 21. IV. v. 420. X. XXII. v. Z2. I. IX. v. 486. XI. v. >c>n.) Das Wort -ukn'i.c bedeutet häufig nicht nur bei Homer, sondern auch bei andern Dichtern, eben so Viel als Sckiooß, Unterleib, (pincl. OI^niz?. VI. v 5i. s'vllux, I. 2. c. 4. 222.) Henne hat in feiner Ausgabe der Jli a s (1.4. p. S71 <>t 620.) zwar Manches an der srü- liern Erklärung berickirigt und genauer bestimt; aber im Ganzen bleibt er bei seiner alten Meinung, sowohl in Nüksicht dieser Stelle, als auch des Gürtels der Venus. Fea u. Me»er. Der Autor wollte hier zeigen, daß dieser zweite vin den Unterleib der Ä"e^uü s"1,e!>k-, Mfer Göttin sei. Aber er war hiemit nicht in Abre> de, wie irrig mit He»ne auch Lens (I.« costump, I. 2. », i. p Z2) geglaubr hat, dast sich keine anderen Göttinen und Frauen eines doveiten Giirtels bedient, und daß man sie mit diesen, zweiten Gürtel nicht in alten Kunstwerken sehe; den in den Denkmalen (l 6Buch, i Kap. s-v Gratien an einer Begräbnißnrne diesen Gürtel in der Hand halten, welches nicht zu beweisen ist. §^2Z. Einige Figuren im bloßen Unterkleide/ welches von der einen Achsel abgelöset niederfällt, Th. jZ K>), wo er weitläufiger von dem Gürtel der Ncnus handelt, sagt er deutlich das Gegentheil: „daß „dieser zweite Gürtel, welcher zum ?lufschürzen „der?uniea cdes Unterkleides) diente, nicht licht- „ bar sei an den Figuren anderer Göttinen und Frau« „ en, sondern bedekt bleibe von der zusammengefalteten „ Tunica, welche »ach unten zu falle, " wie es sich den auch deutlich zeigt in den von Lens angeführten Figuren; in der Figur der Pallas uud vielen anderen sast unzähligen weiblichen^ Figuren. fv-irloli säiuir. tsv. 21. Denkmale, Numero > Aber von der a nder» Seite kaii man nicht läge», daß an allen den Figuren, welche allein den zweite» Gürtel haben, derselbe bedekt sei; zum Theil sieht mau ih» ossen> Har ander sogenanten Flora Far»ese; a» einer Statue, welche, wen sie nicht blos durch Ergänzung, «ine Siegesgöttin vorstellt, im großherzoglichen Museo zu Florenz steht. (Kon, Aus. ?Ioi'xnt, List, tab. 70. ) Winckelman itt seinen Denkmalen (I. c.) nent diesen Gürtel -,nni>, und zeigt dadurch, daß er ihn nicht mit dem stroplüu,« verwechselt, wie Lent .4. sezzni. 67. ) Zum Beweise, daß xs?--- der Ncnus eigentümlich sei, kaii Aristä» »etos dienen (l. >. epist. 10. p, 53.), wo er schreibt, daß die Göttin mit allen ihren Reizungen die Cydipve geschmükt, und nur den zauberischen Gürtel zu- rükbehalten; dieser allein blieb ihr Vorzug vor dem Mädchen. Fea. t) Nuz. Ltru^c. t >. t,id. gs. p 217. Es ist eine kleine runde Platte Von Metall, und keine Vegräbnißurne. Fe«. Z5I. v. Die Editoren halten diese Figuren entweder siir Fraueu, welche dem Bakchus die Erstlinge der Feigen, als einer diesem Gotte geweihten Frucht, darbringen, oder siir Dienerinen bei der Mahlzeit, oder sür Tänze rinen. Ich halte die erste Erklärung für die wahrscheinlichere, wegen ihres Zusammenhangs mit den übrigen begleitenden Figuren in den vorhergehenden und solgenden Kuvserraseln, und wegen ihrer Ähnlichkeit mit zwei andern weiblichen Figuren t" i. 2. t->v. 22 — 2 .1. > welche ebenfalls Feigen aus einer Schüssel tragen, um sie dem Bakchus an einem seiner Feste darzubringen. Winckelmans Erklärung scheint nicht zu passen; den die genauere Erklärung, welche Harpokration in seinem Leriko von dem Worte gibt, läßt sich weder mit dem Blike, der Kleidung,' den Zieraten und der Haltung der genaüten Figuren vereinigen, noch mit ihren Begleiterin«!, und am wenigsten scheinen die andern Gemälde, welche sich in demselben Zimmer befinden, aus den Tempel der Pallas Beziehung zu haben, da sie aus sechs Arabeskenstreisen mit einem Cupidom Z6S Geschichte der Kunst. nichts, wen sie nicht vorstelle»/ was ich gesaget habe. >) Ferner sind ohne Gürtel vorgestellet Weiber in großer Betrübniß/ sonderlich über den Tod ihrer Eltern und Anverwandten, so wie Seneca die Trojanerinen über den erblasseten Hektor klagend einführet: /-e?»-5-a,Z) und Andro mache nebst anderen Weibern empfängt also mit einem un- gegürteten und schlependen Kleide den Körper dieses ihres Gemahls an dem Thore der Stadt Troja/ auf einem erhobenen Werke in der Villa Borg he se.^ Auch bei den Römern war dieser Gebrauch in solchen Fallen; und selbst die römischen Nitter beglei- der Mitte und siebe» auf dem Seile tanzenden Figuren bestehen. Die drei Feige», welche ein Mädchen trägt, werden wohl nicht für eine Mahlzeit bestiiiit sein. Zu den Figuren ohne Gürtel gehören die Neben Sveiseträge einen auf den in der Nähe des Hosritals von St. Johan zum Lateran gefundenen Gemälde», von welchen ferner im ^7 B. ZK. t2 §,Z gehandelt wird. Fea. t) Gleich nach diesem-Worte liest man in der wiener Ausgabe S. 4l>6. folgende aus den A nmerkungen übel aufgenommene Stelle: „ es fand sich indessen vor Alter? „ eine Statue einer Tänzerin ohne Gürtel. " — Wir habe» diese Stelle kaum vorhin dem Terte einverleibt, ai'er nach der wahren Lesart: mit einem Gürtel, wie aus dem angeführten griechischen Singedichte deutlich hervorgeht. Fea hat also ganz falsch: ciugolo. Ja »sc» u. Meyer. 2) Jni Gegeiisazc mit den Äghptier», bei welchen Männer und Frauen in Trauerfällen gegürtet gingen, wie Herodot bemerkt. (1.. 2. c. S5.) Fea. 3) l'rond. v. 66. /») sDenkmale, Numero!Z5.Z Sculture äel P->I»2Z>> viUa Lorgliese, xirt. l> «an-. 1. n. >5. Meyer. 6 Buch, i Kap, 363 teten den Körper des August»6/ bis in dessen Grabmal/ mit ungeschiirzeten Kleidern. s. 24. Das dritte Stük der weiblichen Kleidung/ der Mantel/ bei den Griechen genant/ welches Wort insbesondere dem Mantel der Pallas eigen ist/ und hernach auch von dem Mantel anderer Götter und Männer gebrauchet wird/^) war nicht vierekicht/ wie sich SalmasiuS eingebildet Hat/H sondern ein völlig rund geschnittenes Tuch / so wie auch unsere Mäntel zugeschnitten sind; und eben die Form muß auch der Mantel der Männer gehabt haben. Dieses ist zwar der Meinung derjenigen/ welche über die Kleidung der Alten geschrieben haben/ zuwider: aber diese haben mehrentheils nur aus Büchern und nach schlecht gezeichneten Kupfern geurtheilet/ und ich kan mich auf den Augenschein/ und auf eine vieljährige Betrachtung berufen. In i Auslegung alter Scribeuten/ und in Vereinigung oder Widerlegung ihrer Ertlärer kan ich mich nicht >) 8uet. in August, c. ioc>, in Lne. 2) ^IVonn. OivN)'5. I. 2. V. 671. V. 199. 463. zoZ5. Lupliycl. V 6»56. 1645. Ion. V. Z26. liercnl. für. ZZZ. Man kau nicht mit Sicherheit sagen/ daß und xalliun, dasselbe sei, da die Alten hierüber sich aus eine zu unbestimte Weise geaussert haben. ((!unk. ?ollux, I. 7. c. iZ. üo. pitisci It'xic. «uti^. li^oni. V. I^lN5^ le co.. Z6. Visconti, ülus. ?io-(!Iein. t»v »6. P. 3i. not. c.) F e a. In wie,er» der griechische und die Palla der Römerinen li ir einander übereinkamen, lehrt Ferrari (>>>.'r<> v«,'5t. part. >. >. Z. ig. p :>Z>.) und Böttiger in der Sabina. t2TH. t4l und tSZ S.) Mever. 3) In l'crtull. 6e xullio. x. iio — in. e6!t. I_.ug656, 55 " 364 Geschichte der Kunst. einlassen/ und ich begnüge mich/ jene der von mir angegebenen fform gemäß zu verstehen. Die mehresten Stellen der Alten reden überhaupt von vierekichten Mäntel»/ welches aber keine Schwierigkeit veranlasset/ wen nicht Eken/ das' ist: ein in vier rechte Winkel geschnittenes Tuch/ sondern ein Mantel von vier Zipfeln verstanden wird / welche sich nach eben so viel angenäheten kleinen O.uästchen im Zusammennehmen oder im Anlegen warfen. Z) Unbedingt zu behaupte,«/ daß die Alten sich niemals des Mantels in Quadrat form bedient, »lochten wohl Appianus <>.5. (Ie K^II. civ. p. 677.)/ Athenäus (I. Ä, c. 14. n 49-)' Petronius p 4go.)/ Tertullianns (.'p!>II. c. 1.) und andere alte Autoren, welche in bestimten Ausdrüken von vierekichten Mänteln rede»/ nicht verstatten. Die gegebene Erklärung aber, um die Stellen der Alten ihr anzupassen/ ist ungenügend und verträgt sich mit dem Sprachgebrauch« nicht. Vielleicht hatten die Alten nach den verschiedenen Zeiten und Völkern runde und vierekichte Mäntel. In Italien bedienen sich noch beut zu Tage einige Landlente eines vierekichten Mantels/ welcher ans einem einzigen Stiike groben Tuchs besteht/ ohne alle Natb und nur mit zwei Schnüren versehen/ um ihn im Nothfälle zu schließen. Amor et ti. 1,ens, I.L c»5Mme, I. 2. cluip. l. p, Z4. z?. Zg, Fe a. Es fehlt nicht an Beispielen/ wo der Mantel augenscheinlich als ekicht vorgestellt ist: an der Statue des Mena » dr 0 s in der Villa Negr 0 » i / daii im Museo des Vaticans; am fvgenanten Ser tu s von Chäro- nea f^VIus. pio- (^IN. i. Z. t.iv. i5. »6.); an der fogenanten Pallas von Velletri tMuü, k>,inx. xar I^eronville, livruis. 2(>.) und an der erhöbet! gearbeiteten Figur der Iuuo auf dem eine» der ba r beri ni- schen Leuchte r. ''Mus. ?>o - LI^ni. t. 4. t>iv, Z. Z um dieses augenscheinlicher zu mache»/ ist uttter Numero 56 der Abbildungen Äskulapius von einem/ die Vorderseite des Palastes der Villa Norghefe 6 Buch, 1 Kap. 256 §. 25. An den mehresten Mäntel»/ an Etatuen sowohl als an Figuren auf geschnittenen Steinen, beiderlei Geschlechts, sind nur zwei Quästchen sichtbar, weil die anderen durch den Wurf des Mantels verdeket sind; oft zeigen sich deren drei, wie an einer ZsiS im hetrurischen Styl gearbeitet, an einem Äsknlapius, beide in Lebensgröße, und an dem Mercurius auf einem der zween schönen Leuchter von Marmor, alle drei im Palaste Bar- berini. Alle vier Ouästchen aber sind an eben so viel Zipfeln sichtbar an dem Mantel einer von zwo ähnlichen hetrurischen Figuren in Lebensgröße, im gedachten Palaste, an einer Statue mit dem Kopfe des Augustus im Palaste Conti, und an der tragischen Muse Melpomene, auf der angeführeten Begräbnißurne in der Villa Matlei. Diese Quästchen hängen offenbar an keinen Eken, und der Mantel tan keine Eken haben, weil, wen derselbe im Vierek geschnitten wäre, die geschlängelten Falten, weiche anfallen Seiten fallen, nicht tönten geworfen werden; eben solche Falten werfen die Mäntel hctrurischer Figuren, so daß dieselben folglich eben die Form müßen gedabt haben. verzierenden Hohreliess beigebracht, wo das weite Gewand der Figur offenbar eine ekichte Gestalt hat. M eye r. 1) Jezo im Museo Pio - Clementino> A! e»e r. LMan vergleiche 5 V. t K> IS 2) Dieser Stelle ist in der ersten Ausgabe S. 20<. noch beigefügt: „ ?s wird dieses deutlich durch das über die „ Vorrede gesezete Kuvser. " Die wiener Herausgeber haben diese Worte hier und noch anderwärts aufgenommen/ ohne daß ein Kupfer über der Norrede in ihrer Ausgabe steht. Mever. lEine bessere Abbildung des über der Vorrede zur ersten Ausgabe angebrachten Vasreliefs findet man unter Nume. ro?S bei Zoega, und deren Wiederholung unter Numero 50Z der Abbildungen zu dieser Ausgabe. Das Werk istnbrigcns nicht hetru risch, sondern altgriechisch.Z 256 Geschichte der Kunst. §. 26. Hiervon kan sich ein jeder überzeugen, an einem mit etlichen Stichen zusammengehefteten Mantel/ wen derselbe als ein rundes Tuch nach Art der Alten umgeworfen wird. ES zeiget auch die Form der heutigen Meßgewänder, welche vorne und hinten rundlich geschnitten sind/ daß dieselben ehemals völlig rund/ und ein Mantel gewesen/ eben so wie noch izo die Meßgewänder der Griechen sind. Diese wurden durch eine Öfnung über den Kopf geworfen/ und zu bequemerer Handhabung bei dem Sacramente der Messe über die Arme hinanfgeschla- gen/ so daß alSdan dieser Mantel vorne und hinten in einem Bogen herunterhing. Da nun mit der Zeit diese Meßgewänder von reichem Zeuge ge- machet wurden/ so gab man denselben theils zur Bequemlichkeit/ theils zur Ersparung der Kosten diejenige Form/ welche sie hatten/ wen sie über die Arme hinausgeworfen wurden/ das ist: sie bekamen ^ die heutige Form. K. 27. Unter den weiblichen Mänteln ist besonders das obere Gewand der Isis zu merken/ welches mehrentheils Franßen hat/ und allezeit über beide Achseln herübergenommen und an zween Zipfeln unter den Brüsten zusammengeknüpfet ist. Dergleichen Gewand hat bereits eine in dem Kapitel von der Kunst der Ägypter angeführete Figur/ aus dem zweiten Style dieser Nation/ in der Billa Albani, welche aus angegebener Bemerkung für eine JsiS zu halten ist.^) Ein auf solche Weise geknüpfeteS Gewand haben hernach alle Figuren dieser Göttin, die nach eingeführeter Verehrung derselben in Rom von griechischen Künstlern werden gearbeitet sein, 1) veter. mon. t. i. c. 26. p. 2Z9. 2) s2 V. 2 K. 18 §.) Z) lwitcr dcn Abbildungen Numevo 57.Z 6 Buch/ i Kap. 357 von der größten Statue derselben im Palaste Var- berini anzufangen bis herunter auf die kleinste Figur. Man kan also nicht leicht fehlen/ eine Figur mir einem Gewände/ welches angegebener Maßen zusammengebunden ist/ eine Isis zu benennen/ wen an derselben alle andere Kenzeichen verstümmelt oder abgebrochen sein sollten. Ein solches Gewand lehrete mich eine im zweiten Kapitel angeführete kleine verstümmelte Isis in der Villa Ludovisi erkennen, die mit dem rechten Fuße in ein Schif- chen tritt. Aus eben dem Grunde muß daS Ober- theil einer kolossalischen verstümmelten Figur/ die an dem Palaste der Republik Venedig zu Rom stehet/ für eine Isis gehalten werden; der Pöbel nennet dieselbe Donna Lucretia. §. 28. Ausserordentlich gekleidet ist eine beinahe kolossalische weibliche Figur/ im Hause Pagani- i ca:^) den ihr Hauvt ist oben bedeket mit dem Felle von dem Rachen eines LöwenS/ wie Herkules, und das übrige dieser Haut lieget vermittelst eines breiten Gürtels nahe am Leibe/ und dienet dieser Figur anstatt der Weste/ die ibr bis auf die Hälfte der Schenkel reichet, und diese Art von kurzem Ober- kleide findet sich an keiner anderen bekanten Statue. Man könte dieselbe für eine Juno halten, der Nachricht von einer Statue zufolge/ die zu ArgoS stand/ und zu den Füßen eine Löwenhaut geworfen hattet) Vielleicht ist unsere Statue diejenige, welche benennet wurde (ein Wort/ welches von niemand erkläret ist)/ wen man diese Benennung von t) c2V. 2K. I5§.) 2) Jezo im Museo des Vatikans. (Alu??. t. 2. tav. 2,.) Visconti erklärt sie für eine luno I^nuvins. Meye r. 3) lertull. coron. milit. 104. e<^t. Paris. 1676. Geschichte der Kunst, Leder, herleitet, das ist: die mit Leder oder mit einem ledernen Koller bekleidet ist, und in diesem Falle sollte e6 heissen oder Eine einzige Juno Sospita, die auf römischen Münzen nicht selten ist, befindet sich in Marmor, und zwar auf einem runden Werke in der Villa Panfili: es ist dieselbe, wie gewöhnlich, mit einer Nehhaut bedekct. ß. 29. Der runde Mantel der Alten wurde auf vielfältige Art geleget und geworfen ; ^) die gewöhnlichste war, ein Viertheil oder ein Drittheil überzuschlagen, welches, wen der Mantel umgeworfen wurde, dienen konte, den Kopf zu deken: so warf Scipio Nasica/ beim Appianus', den Saum seiner Toga, über den Kopf. Zuweilen wurde der Mantel dopelt zusamengenom- men, (welcher alöden größer als gewöhnlich wird gewesen sein, und sich auch an Statuen zeiget) und 1) N.ixn. et 8»!6ss in der Bedeutung von Leder möchte sich wohl durch kein Zeugniß eines alten Autors beweisen lassen. Der Autor wollte wahrscheinlich schreiben was auch ans seiner Verbesserung des Wortes /--->>>, in /-/»!>«. hervorzugehen scheint. Vielleicht ist wie man in den Anmerkungen nber die Geschichte derKu » st S> 72. liest, auch nur ein Drukfehler. Meyer. scheinet nicht das Beiwort der Juno zu sein, sondern die Tochter der Nhea zu bedeuten. Sie» belis. 2) Auch Daher der Unterschied, welche» die Alten machten zwischen Anzug: inchirnentum, nnd Überwurf: uri, »ll t'ciit vesl. 23. I>. L6. Lro«^.Itui5. l'iliuil. p. ,65.) Meyer» Z) Oe bello c>v. I. i. x. ZZc>. 6 Buch/ 1 Kap. 339 dieses findet sich von alten Skribenten angedeutet. >) Dopelt geleget ist unter anderen der Mantel der zwo schönen Statuen der PallaS in der Villa Albani-)/ aber nicht umgeworfen/ sondern unter dem linken Arme und von vorne und von hinten unter der ÄgiS auf der Brust hinaufgezogen/ und auf der rechten Achsel zusammengehänget. §. 30. Von einem dopelt zusammengelegeten Mantel ist das dopelte Tuch der Cyniker vermuthlich zu verstehe»/") ohnerachtet es sich an der Statue eines Philosoohen dieser Secte/ in Lebensgröße in gedachter Villa/ nicht dopelt genommen findet:^) den da die Cyniker kein Unterkleid trugen/ hatten sie nöthiger als Andere/ den Mantel dopelt zu nehmen / welches' begreiflicher ist/ als alleS/ was Salmasius und Andere über diesen Punkt vorgebracht haben. 5) Das Wort d 0 peltkan nicht von ») pohzen Llrstag. I. >4. c.4. pollux, iZ. 47. 2) Eine andere beinah ähnliche weibliche Figur ist abgebildet bei Montfaueon. cixl. Supxl. t. z. z-I. 11. o. Z.) Fea. 3) Horat. I. >. cpist. 17. v> 2Z. Der Autor neiit diesen Mantel der Cimiker in seinen Denkmalen Z Td. S K. und in dieser Geschichte/ im SB. ZK. 50 §. nicht dovelt lilnxpio), sonder» gefüttert (ko-lernt»), so daß es scheint, als sei er selbst in dieser Rüksicht uneins gewesen. Fea. 4) Diese Statue unterscheidet sich durch eine große Tasche, wie ein Jagdbeutel, welcher von der rechten Achsel herunter au> der linken Seite hänget, durch einen knotigen Stab, und durch Rollen Schriften zu den Füßen. Wi n- ck el in a ii. ?) L-iIinüs. not. !n l'ertull. 60 pall. p. Zg6. Der Mantel der Cnuiker war nicht einfach gelegt, sondern wurde wahrscheinlich wegen seiner Große dovelt zusammengenommen. Dieses ist des Autors Erklärung> s6o Geschichte der Kunst. der Art des Umwerfens/ wie jene wolle»/ verstanden werden; ') den an angezeigeter Statue ist der Mantel geworfen wie an den mehresten Figuren mit Mänteln. K. Die gewöhnlichste Art, den Mantel umzuwerfen/ ist unter dem rechten Arm/ über die linke Schulter. Zuweilen aber sind die Mäntel nicht umgeworfen/ sondern hängen oben auf den Achseln an zween Knöpfend) wie an der ausnehmend schönen und einzigen Statue der Leukothea in der Villa Albani/"') und an zwo andern Statuen mit Körben auf dem Kovfe/ das ist: Karyatide»/ in der Villa Negroni/ welche alle drei in Lebensgröße sino. An diesen Mänteln muß man wenigstens das Drittheil über- oder untergeschlagen annehmen/ so wie man es deutlich siehet an dem Mantel einer weiblichen Figur über Lebensgröße in dem Hofe des Palastes Farnefe/ dessen oberwärts untergeschlagenes Theil mit dem Gürtel gefasset und gebunden ist. Von einem solchen angehängeten Mantel ist der Schweif herausgenommen/ und nnter den Gürtel gesteket/ an einer Muse über Lebensgröße aber auf gleiche Weise versteht auch Salmasius (I. c. x. Zg?, i den dove Iren Mantel der Cmiiker. M ei>er. t) Diese Worte scheine» sich zu beziehen auf I^eus sur lo 2) Bei den Römern genant: Virg. IV. F e a. Z) Sie ist einzig schön; ihr Kovf hat eine wunder« saine Gemüthlichkeit des Ausdruks; der erhobene reckte Arm ist modern und vermuthlich eine Arbeit des Bar- tholoma Cavacevvi, welcher das Monument «Nac- Ein noch schönerer Kupferstich von demselben ist im Älus eek'r.inx, xür kobillax! pcrvuville, Ilvrius, ZZ> M euer. 6 Buch, i Kap. in dem Hofe der Cancellana,^) und ander Antiope in dem Grnpo deö sogenanten farnesischen Ochsen.-) Zuweilen war der Mantel auch unter den Brüsten iu einen Knoten gebunden, so wie Mäntel einiger ägyptischen Figuren, und der Isis insgemein/ zusammengebunden sind, welches im zweiten Kapitel angezeiget worden: und anstatt des' Knotens waren zwo Zipfel desselben unter der Brust vermittelst eines Heftes: zusammeugehänget, so daß vermuthlich der eine Zipfel über die Achsel heruntergezogen, und der andere unter dem Arme hervorgenommen war. Es ist etwas Besonderes, daß der Sturz einer weiblichen Statue in der Villa des Herrn Graven Fede, in der Villa Hadriani bei Tivoli, über ihren Mantel, welcher wie der Mantel der Isis auf der Brust gebunden ist, einen Überhang, wie ein Nez gestrikct, geworfen hat. 5) (Oben §. i? dieses Kavitels.Z 2) Hlallei, raccolla cli tav. 4g. Fett. 3) s2 B. ZK- 6 §. und in diesem Kapitel §. 27.Z 5) Über diesen Stur; gibt W. Uhden im Museum für Altertn m swi sse» sch a ft (2 N. 2 St. Z6Z — Z65S.) schäzbare Bemerkungen/ welche wir hier mitzutheilen für iwekmäßig halten. Dieses Monumeut kani unter Piu § VI. von Tivoli »ach Rom in den runden Porticus des vatikanischen Museums, uud ist der Sturz einer mäiilichen Statue/ wie die Form der Brust und der Husten deutlich zeigt; Kops/ Hals/ der linke Ar,» / beinahe von der Schulter an/ das rechte Bein bis zum Knie und der linke Untersusi fehlen; der rechte Fuß tritt ein wenig vor; der rechte Arm ist an die Huste gestemt; und aus den Svuren aus Naken und Schultern erhellet/ daß die Hanvthaare schlicht und ungelokt darüber hinabhingen. Die Bekleidung ist dreifach: eine Tunica sx»Il->) hängt bis über die Knöchel lang hinab/ uud ist um die Husten entweder mit einer nicht -sichtbaren Binde aufgeschiirzr Winckelman. -t. ^6 Z62 Geschichte der Kunst. Dieses Ne; ist vermuthlich derjenige Überhang/ wel-> cher hieß/ und eine Tracht war derer/ die die Orgia des B akchuö feierten/ wie auch der Figuren des TiresiaS und anderer Wahrsager.^) K. 32. Anstatt dieses großen Mantels war auch ein kleiner Mantel im Gebrauche/ welcher aus zwei Theilen bestand/ die unten zugenähet waren/ und yben auf der Achsel durch einen Knopf zusammenhingen/ so daß Öfnungen für den Arm blieben/ und dieser Mantel wurde von den Römern -icinium oder aufgenäht; über dieser hängt ein »ezförmiger Überwurf von sehr weiten Maschen, der aber nur bis an die Kniee reicht, und dort ringsum in kleinen Trödeln endigt, und nebst der Tunica mit einen« breiten Gürtel über den Hüften unlschnürt ist; endlich hängt hinten eine Chlanms hinab, wovon zwei obere Zivsel um die Schultern vorn auf der Brust in einen Knote» geschürzt sind, woran ein Büschel Franken gebildet ist. In diese Chlam»s ist der rechte Arm mit der Hand ganz einge- wikelt. Der nezsormige Überwurf ist kein Konope- un>, Mükeunez, wie Lessing vn seine» Anmerkungen zu des Autors Geschichte der Kunst des Altertums, Numero il.Z meinte, was schon altein durch die Weite der Masche» widerlegt wird, sondern vielmehr das auszeich»e»de Kleidimgstüi der Wahrsager, welches von Woll« nezformig gearbeitet, um den ganzen Körper hing, und hieß, (Lons, I'oUux, I> 4. c. ig. üezi». >>li. et Hing», v. Das Nez ist völlig wie die inkul»! auf alte» Monumente» gearbeitet, u»d die Wolle, fo viel sich im Marmor thu» ließ, ausgedrükt. Die »ezförmige» Überzüge der c»rw,-» auf so vielen alten Statuen, Reliefs, Münzen ic. sind vermuthlich eben solche als heilige Deken über den Siz der Wahrsager. Meyer nach Uh den. 1) V. 2) pvllux, I. 4. c. ,iS. seziA. 116. 6 Buch / 1 Kap. geneiinet: bisweilen reichet dieser Mantel kaum bis an die Hüften / ja/ es ist derselbe oft nicht langer als unsere Mantillen. Diese sind auf einigen herculauifchen Gemälden wirklich also gcmachet/ wie das Frauenzimmer dieselben zu unsern Zeiten tragt/ das ist: ein leichtes Mäntelchen/ welches auch über die Arme gebet/ und vermuthlich rund geschnitten war / so daß man eS über den Kopf werfen mußte; daher wahrscheinlich dieses dasjenige Stük der weiblichen Kleidung ist/ welches oder hieß / das ist: rundes Kleid/ vonauch und «/tTZ'cxbvisv genennet wurde. Als etwas Besonderes ist ein längerer Mantel ebenfalls aus zwei Stuken/ einem Vorder-und Hintertheile, an der Flora im Campidoglio zu merken;^) es ist derselbe an beiden Seiten von unten herauf zugenähet/ und oberwärtS geknopfet/ so daß eine Ofnung gelassen ist/ die Arme durchzustekcn/ wie der linke Arm thut; der rechte Arm aber hat das Gewand übergeworfen/ man siebet aver die Öfnung. §. 6ci. Wen das Gewand oder der Mantel bis oben auf das Haupt verschiedener Figuren und Statuen gezogen ist/ hat man dieses daher insgemein für Vestalen genommen/ da gleichwohl solche 1) v-irro llc ling. I.at. I. 4. c. 3l>. ^>011. Aarcell, c. 14. 11. ZZ. Bei Servius (»6 "VirZ. I. 2S2.) heißt cr Siebelis. 2) 8uil?, V. pvIIuF, 1.7. c, 22. segm. 96. LIcm. pxeliag. I. 2. c. >2. ^.lion. var. I. 7. c. 9. Auch die römischen Frauen bedienten sich dieses Mantels. (Lcrv. all. Virg, L^II. I. I. V. 282 ^rnpert, I. 4. 7. v. 36. Halmas, nvt. in scri^t, lüst. Xug. t. 2. p. 541.) Fea. P«I>U5, I.7. c. iZ. segni. 4g. s5B. 2 K. 17 §. Note.Z ^64 Geschichte der Kunst. Tracht allen Weibern gemein war. Sonderlich sind alle und jede einig, einen Kopf in der Farnesina/ der das Kin verhüllet hat/ eine Vestale zu nenne»/ ohne zu überlegen/ daß demselben das vornehmste Kenzeichen fehlet/ nämlich die Jnfula/ oder ein breites Band nm das Hanpt/ welches von demselben auf die Achsel herunterfiel. Also sind zween Köpfe gebildet/ die Fabrerti beibringet/ einer auf einem runden metallenen Bleche/ der andere in einem Onvx geschnitten. ?) Auf jenem stehet der Name der Person mit der Umschrift: «,-i.icie mo- und inwendig neben dem Brustbilde bedeutet nach gedachten Scribentens Auslegung v. v. vr5i^i.i5. Auf dem Steine stehet unter der Figur: «xvikv, welches ebenderselbe also ergänzet: vn>c<, vL5rx7>is, Eine Vestale würde auch kcntlich sein durch ein besonderes Tuch oder Schleier über das Haupt/ welches länglich vierekt war/ und snliikuium hieß. 2) Eine solche Jnfula hänget gedopelt auf der i Brust herunter an einer Figur unter Lebensgröße in dem Palaste Barbe rini/ der man einen neuen Kopf der Isis gegeben hat. §. 34. Bei den Mänteln der weiblichen sowohl I) ?rur !ent. contra 8vmm. I. 2. V. Iv36. Lerv. »6. VirA. I. in. v. üZä. Isiijor. oiigin. I. ig. c- in. Fca. Dieser Kops scheint das Bildmß irgend einer vornehmen Römerin zu sein. Sie hat liebliche Züge, mit vortreslicher Aussührung, und ist, wie sich ans der Arbeit schließen läßt, etwa um die Zeit der beiden Fax« stinen versertigt. Me»er. s) On coluil»»!» c. 6. z?. >67. B 0 uvnarr 0 ti (ossi'rvn^. istor. üvpr. !>lcuni n>c>Inj;I. tav. Z6. u. l — z.) gibt eine ausführlichere Erklärn»!, darüber. Fca. 3) k'eztus, v. Meyer. 6 Buch/ 1 Kap. 366 als mänliche» Figuren ist annoch nöthig zu erinnern/ daß dieselben nicht allezeit umgeworfen/ oder angethan sind/ wie die gewöhnliche Tracht war/ welches sich augenscheinlich begreifen lässet: sondern wie eS der Künstler bequem und dienlich fand; und dieses ist so wahr/ daß an einer sizenden kaiserlichen Statue, mit dem Kopfe des Claudius in der Villa Albani/ das Paludamentum: , welches ein kurzer Mantel war/ nachschlepeii wurde. Der Künstler derselben aber fand für gut/ einen Theil dieses Mantels über den einen Schenkel zu werfen/ um einen schönen Faltenschlag zu zeigen/ und nicht beide Beine zugleich unbedeket zu lasse«/ welches eine Monotonie verursachet hätte. Z. 35. Die Kleidung der Alten wurde zusammengeleget und gepresset/ welches sonderlich muß geschehen sei»/ wen dieselbe gewaschen wurde: den i mit den weissen Gewändern der ältesten Tracht des weiblichen Geschlechts mußte dieses öfter geschehen; daß die Kleider gepresset worden/ weiß man aus den Pressen derselben/ deren Meldung geschiehet/^) und man siehet es an den theils erhobenen/ theils ver- tieseten Reifen/ welche über die Gewänder hinlaufen/ und Bruche des zusammengelegeten Tuchs vorstellen. Diese haben die alten Bildhauer vielmals angedeutet; und ich bin der Meinung/ daß/ was die Rö- 1) Ix. 1°. III. V. 419. Ilesioci. oper. et (lies, V. Ig3. 2) lurnel). Jäverssi'. I. 23. c. 19. Die Kleidcrvressen : prela werden erst von den Autoren unter den ersten Kaisern erwähnt. (U-n-li-ll. I. 2. epigr. .46. 8t?ncc. aninü, «7. i. Böttigevs Sabina, 2 N. SS — Sl, ti>6 — 40S S.) Me»er. Z? lSben §. to dieses Kapitels.) s66 Geschichte der Kunst. mer an der Kleidung Runzeln: hieße»/1) dergleichen Brüche/ nicht geplättete Falten waren, wie Salmasius meinet, welcher von dem, was er nicht gesehen/ nicht Nechenschaft geben konte. ,) ?!in. I. 35. c. 8. sect. 84. 2) Lcrtull. c!e xail. x. Z69. Zweites Kapitel. Z. i. Nach den beigebrachten nöthigen Anmerkungen über die weibliche Bekleidung des Leibes insbesondere/ folget dasjenige/ was von der Bedekung und Bekleidung der übrigen Theile des Körpers anzuzeigen sein möchte; und hier ist zum ersten in Ab- sicht des Haupts zu merken / daß das weibliche Er- schlecht insgemein unbedeket ging, das Gewand ausgenommen/ wie ich gesaget habe/ welches sie theils bis auf das Haupt hinaufzogen/ theils mit demselben das Gesicht selbst verhülleten/ so wie Juno vorgestellet wird- — — illa seilei t/z /um/nci K. Z. ES finden sich aber auch besondere Schleier oder kleine vierekte Tücher zu diesem Gebrauche. Ein solches Tuch scheinet dasjenige zusei»/ welches tl-imincum und rica hieß/welche römische >) Vüler^ I^Iacc. .^i'Aonout. I. I. V. 1Z2. 2) Lc.iÜAi-r, Si! lüonjcct. in Vorr. Geling. I.atin. I. 4. p. 182, Über oder, wie Theo kr it XV. v. Kg.) es nent/ vergleiche man Po Nur. ll^. 7. c. >z. si'ßM. 49. V. Meyer. Wird gewöhnlich, wie von Valek e uaer (a<> 1 K^ocriti loc.cit.)/ sur ein zart gewobnes S 0 in in e rg cw an d erklärt. Siebelis. Der Schleier der g r i ech i sch eil Bräute war weiß/ wie es sich auf der ald 0 bra»d i ni sch en Hochzeit zeigt; das ll-nnmeum der rö »lisch eil Nräute I. 21. c. g. 5<-ct. 22.) war senersarben oder citro, nengelb/ welche Farbe, wie es scheint/ von den He> 36» Geschichte der Kunst. Benennungen besonders von dem Schleier der Jungfrauen gebrauchet wurden: das bekanteste Wort aber bei den Dichtern ist , l) und diese Tücher/ weil sie sehr dünne und durchsichtig waren/ wurden mit Spinneweben verglichen.^) Solche von der Kleidung abgesonderte Tucher/ das Haupt der Weiber zu bedeken/ werden zuweilen von den Scnbenten bemerket/ wie eS der weisse Schleier ist/ welchen Medea beiden, ApolloniuS über ihr Haupt hing: und derjenige/ dessen eine griechische Sinschrift gedenket; 4) ich weiß jedoch nicht/ ob Helena: trurier» als eine Zeiertagssarbe zu den Römern gekoni- mcn. (Boß zu Virgils Land bau, IV. 42 — 45. Lrisson tle ritu nupt. p. i>Z.) hieß iiberhauvt der Schleier der Nömerinen, ohne daß er, wie Fea wähnt, blos bei Trauer- fällen gebraucht worden wäre, (plant, Lpiä. Il, 2. Zo. ZVl^su,'. 8^bin. apud Oe!>. X. >5.) M e »e r. 1) ^clivl. öuppl. V. l2g. Lalalz. 1. 14. V. 4Z. Ganz unbezweifelt hat die Bedeutung des Schleiers bei Homer (1^. x. XXII v. 406.); in den svätern Zeiten aber hat es noch andere und mehr umfassende Bedeutunaen erhalten, z. B. die der Hauben und Haubenneze, wie Böttiger in seinen Anmerkungen zur aldobrandi« Nischen Hochzeit, S. 150. bemerkt. Me»er. Sie wäre/ von dem feinsten und durch«ichtigstcn Stoffe, wie unser Nesseltuch und Musselin von Baumwolle: b)'s- sus, oder unser Kammertuch: «>»> e r. Z) Argonaut, I, Z. v, gZ,j. 4) IZiunL^ii t. Z. s>, k>, >1. Z4. 6 Buch/ 2 Kap. : mit weissen Tüchern b e- deket/^) oder/ mit einem weissen Tuche/sich mit vorgedachtcn Schleiern verhüllet habe. Den selbst die Griechen der späteren Zeiten verstanden nicht die wahre Bedeutung des Worts c'«v°5 und Ti-e-rx-!?, die sich beim HomeruSund andern alten Dichtern finde»/ wie klarlich aus dem Pollnx erhellet. Der einzige Schleier/ von wel- >) 5. III. v. 141. Fea. I» dieser Stelle bedeutet nichts anderes als Schlei- e r, wie aus dem Zusammenhange und aus der Sitte der griechischen Frauen, an öffentlichen Örtern verschleiert zu erscheinen/ deutlich hervorgeht. Voß nbersezt daher: „Schnell in den Schleier gehüllt von silberfarbener Leinwand. " In andern Stellen Homers T. XVIII. v. S9S.) bezeichnet das Unterkleid. M e»e r. 2) I/^. r. III. V 41Y. Fea. Auch hier verstehen die neueste» Erklärer unter ---v» den Schleier. Meyer. Daß i°»iv ost so viel als Schleier bedeute, sagt da! l^nioloßicuni Hl. V. k-lilv. In eben diese»! Lerico wird welcher bei Honier häufig den Schleier bezeichnet, also bestimt, daß er eben das i» der weibliche» Kleidung sei, was in der mänlichen. Aber uni solche und ähnliche Wörter i» de» Auroren richtig zu verstehe», muß ina» die verschiedene» Zeiten genau unterscheiden. I» der honierische» Svraclie ist alles viel zu wenig bestimt, als daß die Bedeutung eines Worts, welche gerade aus diese oder jene Stelle anwendbar ist, auch aus alle übrigen paßte. Me»er. Clemens Alerandrinns (p?o. z. c. >0. p. -Zg. >» l!uo.) redet von einer zu seiner Zeii allgemeine» Mode, einen purpurnen Schleier zu tragen, und roth ist der Schleier einer Frau auf einen, herculani, scheu Gemälde, dessen der Autor sogleich im Folgende» gedenkt. Vielleicht pflegten blos die sittsame» Frauen S70 Geschichte der Kunst. chem wir reden, der sich auf alten Denkmalen zu Rom befindet/ ist auf einem schönen Mufaico, welches bei Atina im Königreiche Neapel entdeket wurde, und izo die Villa des Herrn Cardinals Alexander Albani zieret, woHesione, des trojanische» Königs Laomedon Tochter, einem Mecruugeheuer auSge- sezet vorgestellet ist, die vom Herkules befreiet und dem Telamon zur Ehe gegeben wird. Hier hat Hesione ein weisses Tuch, welches kein Theil ihres Gewandes ist, auf ihr Haupt geworfen, und ich schließe aus einer Stelle deSKracinuS beim Athe- näuS, daß eine Hanptdeke von Leinen bei Weibern nicht ungewöhnlich gewesen sein muß, -) und dieft Deke, welche die asiatischen Weiber zu tragen pflege- ten, scheinet, weil dieselbe an Größe, Form und Farbe einem Handcuche ähnlich war, ein Handtuch benennet zu sein, wie eben dieser Scribent aus der Gappho und aus dem Herodo- tuS anführet. Es hänget an zwo weiblichen Figu- den Schleier über das Gelickt herabgezogen zit tragen, wie man schließe» kan aus Aristättet. 2. cxist. >u. x. 265.1 Fea. Viele Stellen der Alte» beweisen, daß sie schon die meisten Arten des Schleiers kante»; besonders merkwürdig ist die Stelle bei Taeitus I >.!. c 45.) vo» der Povväa, Neros buhlerischer Gemahlin. j) lD e n k m a l e, Numero 66.Z Daselbst fügt der Autor noch hinzu: „ übrigens „ f inden sich in den herculanischen Geniälden sl. 2. „ tav^ 2Z.) weibliche Figuren mit einem ähnlichen Slblei- er, und eben so scheint der Schleier der Juno zu sein „ aus einer Münze der Julia Sal 0 nina bei Venut >. „ tKumni. niocluli, tat). 36. n. Z.) Z e a. 2) I.. 9. c. ig. ln- 79-Z 31 I.. 0. 6 Buch, 2 Kap. ren auf hcrculanischen Gemälden eine besondere Deke des Hauptes von demselben hinterwärts herunter. §. 3. Den betageten Weibern ist eine Art von Haube eigen / von welcher man sich aus derienigen Statue in dem Museo Capitolino, die unter dem »«gegründeten Namen einer Präfiea gehet/ einen Begrif machen kan: ich glaube hingegen, es sei Hekuba, die ihr Haupt in die Höhe gerichtet hat, als wen sie ihren Enkel Astyanax von den Mauern von Troja stürzen sähe. ?) Der Grund von dieser Meinung ist auf der einen Seite/ weil auf allen Denkmalen der alten Fabelgeschichte nebst den Figuren der Ammen: wie die von der Phädra/ derAl- cestiS/ der Töchter der Niobe n. s. f. sind/^) Hekuba die einzige betagete Frau ist; auf der andern Seite/ weil dieselbe allezeit mit einer ähnlichen Haube bezeichnet ist. Eine ähnliche Haube siehet man jedoch auch der Figur einer jungen Bakchante auf einer großen runden Schale von Marmor gegeben/ die in dem dritten Bande meiner Denkmale erscheinen wird; ->) eS ist auch mit einem solchen Tuche bedeket eine junge und schöne tragische Larve in dem Palaste Albani/5) ungleichen eine andere solche Larve in dem Palaste Laneellvtti/ wie nicht weniger die N » m phe O n o n e/ des Paris erste Liebste/ auf einem erhobenen Werke der Villa Ludovisi. K. In der Sonne aber/ oder auf der Reise 21 !>Ius. d.ipitol, t, z, tak,k2. Z) pittui'e, »nücli. t.'ik. 6. 4) IDer dritte Band ist nickt erschienen. Man findet die Sckale bei Zoega lön^ii-ili-.'vi. l>>v> 71—72.) abaebil- dct/ die B akcka nti n allein unter Numero 5S der Abbildungen zu dieser Aussabe.Z 5) sunter den Abbildungen Numero 5?,Z 372 Geschichte der Kunst. trugen die Weiber einen thessalifche» Hut/ welcher den Strohhüten der Weiber in Tofcana/ die einen sehr niedrigen Kopf haben/ ähnlich ist; und insgemein waren die Hüle der Alten weiß/ wie sich auf verschiedenen geinalcten Gefäßen zeiget, l) Mit einem solchen Hute fnhrete Sophokles die jüngste Tochter des OdipuS/ Zsmene/ auf/ da sie aus Theben nach Athen ihrem Vater nachgereiset war:^) und eine Amazone zu Pferde im Streit mit zween Kriegern / auf einem irdenen Gefäße gemalet/ in der Samlung alter Gefäßer Herrn MengS/ hat diesen Hut / aber auf die Schulter herunter geworfen. Es trägt ihn die Figur der Stadt Hyrkania/ auf dem in dem Versuche der Allegorie erkläre- ten Basamente zuPozzuoli; >) ferner eine Figur/ die auf einem Felsen sizet, erhoben gearbeitet, in der Villa Negroni/ und eine stehende Figur unter den Arbeiten des HerknleS auf einer großen Schale von Marmor von funfzehen Palmen im Durchmesser/ 1) ?.trur. rc>A. tüli. Z2. Die Figur auf dem liier zum Beweise augcsiihrten Gefäne ist keine weibliche, sondern ei» junger nak- ter Held; wir hielten es deßwegen nicht für über! flüssig, sunter Numero 60 der Abbildungen) die Figur einer Amazone mit vom Hauvte auf den Rükcn gesunkenen Hute »ach Millin (l^inlurez ! Vases illlt. t. 1 pl. 6>.) beizubringen. ?Z!e»er. 2) Lulon. v. Zi^. In dem Fragmente des Kallimachus tt, 1. x. 4g>.) wird auch eines Huts gedacht, wo zugleich über die Stelle des Sophokles Mehreres beigebracht ist. M e»er. Z) N. 4 K. 2i, wo dieser Amazone, als im Streits mit einem Krieger, und dieses ohne Zweifel richtiger, gedacht wird.) 4) l§. 4Z.Z 6 Buch/ 2 Kap. in der Villa Alb ani. i) Diese scheinet aus ihrem Anzüge Pallas zu sein/ als welche diesem Helden allezeit beistand, und mit dem Hute könte es Pallas auf der Jagd/ oder die Jägerin sein/ weil sie sich, wie KallimachuS und AristideS bemerken, -) auch an der Jagd belustigte: den diese Figur stehet neben dem Herkules, wo er den Hirsch des Gebirges Taygete einholet. ES war ausserdem der Hut eine Tracht, die den Priesterinen der CereS eigen war. H Das, was uns ein Korb scheinet auf den Köpfen der Karyatiden in der Villa Negroni, kan vielleicht eine Tracht in gewissen Gegenden von Griechenland gewesen sein; den die Weiber in Ägypten tragen noch izo etwas jenem ähnliches auf dem Haupte. 4) Z. 6. Der Anzug weiblicher Füße sind theils t) tDenkmale, Numero 65.Z Die angeführte Figur mit dem Hute hält V i scv n t> (Aus. pio-LIem t p, gz. not.) für eine Diana; der Autor in den Denkmalen (t Tl>. 25 K.) für eine Pallas, die den Herkules bei seinen Arbeiten unterstüzt; und endlich Zoega (Lassirilievi, t. 2. p> gg.) für eine Nvmphe. Beiläufig ist zu erinnern, daß auf eben der grossen Schale eine mänliche, vom Herkules an der Hand geführte Figur das Haupt ebenfalls mit einem Hute bedekt hat. Der Autor (>><-'.) glaubt in ihr den Thefeus vorgestellt, der vom Herkules aus dein Hades befreit wurde, und Zvega stimt diefer Erklärung hei. Me»er. 2) ir> ?olla6. V. g>. Ltat. Iliekaick. I. z. v. 24Z, ^risticj, orat. min. t. 1. p. 14. 3) IV'i'tuII. clil.' c. 4. n. 3. Er sagt nur, daß die Weiber in Ägttpten einen Schleier auf dem Haupte tragen, welcher über das Gesicht falle. Fea, z?4 ^ Geschichte der Kunst. ganze Schuhe/ theils Sohlen. Jene siebet man an vielen Figuren auf herculanischcn Gemälden/ wo sie zuweilen gelb sind/ so wie sie Venus hatte auf einem Gemälde in den Bädern deS Tituö/H und wie dieselben die Perser trugen. ^ Auch an weiblichen Statuen in Marmor siehet man ganze Schuhe/ wie an der Niobe/ welche leztere nicht rund/ wie jene/ vorne zulaufen/ sondern breitlich sind. 5) Die untergebundenen Sohlen sind mehren- theilS einen Finger dik/ und bestehen aus mehr als einer Sohle; zuweilen waren deren fünf zusammengenähet/ wie durch eben so viel Einschnitte an den Sohlen der einen schönen Pallas in der Villa Al- t) Die Schuhe sind vorn geschlossen und hinten offen, nach Art unserer Pantoffel», wie man in den bereu la ni, scheu Gemälde» (t. i. wv. 2Z.) sieht. Ein solcher Schuh hieß bei den Griechen ««»n-ix, bei den Römer» crcplcia, wegen des Geräusches, das er beim Gehe» verursacht, übrigens unterscheidet der Autor hier ganz richtig die eigentlichen Schuhe, die den ganze» Fuß, oft auch die Knöchel bis an die Wade bedekten, und oder i/'n-c-khießen, Von den Sandale», den blos geschnürte» Bän d ersch u h en, üulese, die nur die Fußsohle» dekre», mit Rieme» und Bänder» oberhalb geschnürt wurde», und die Zehen und ober» Theile des Fußes frei ließen. I. >Z. c. 21. Lalniasii not!« l'ertull. lle pallio, ZL6. ^no, t. 4 tl>v. /,2. I>, Igg. Hierher gehört auch die Stelle des Eurivides in seiner Jphi- ge 11 ia in Aulis (v 1042.), wo man liefet von »lur einer hetrurischen Vase habe» di« ^ Furie» S6iuhe von vi 0 leter Farbe, (Lous. vcmx- swr. Ltruv. tali. L6.) Wi » ckelma >1. 3) bsi'tuli, pitturo tav. 6. I^rZ. v. L62. Z) lNumero der Abbildungen.Z 6 Buch / 2 Kap. 375 batti, angedeutet worden; und diese Sohle ist zween Finder dik. Die aus vier Sohlen bestanden, hießen en>. I. z. c. 2. p, 256. princ.) und aus AthenänS (I. lZ. c.Z. i>- 2ZZ, wo man zugleich erfahrt, daß die Frauen solche Sohlen trugen, um größer zu scheinen. Pli- ni us (> >6 c, ö. sect' >?.) erzählt, daß die Frauen im Winter Sohlen aus Korkholz zu tragen pflegten, wahrscheinlich um sich gegen die Nässe uud den Koth zu sichern. Bei Pollur (I. 7. c 22. segm .92.) lesen wir, daß die Tyrrhenier eine vier Finger dike hölzerne Sohle trugen, mit vergoldeten Ziiemen, »ach ?Irt der Sandalen, u»d daß Phidias also seine M i n e r v a beschuhte. Visconti glaubt (Mus. I^io-LI«.,«. t. >. p. 5i. ti>v. 26.) daß die Veschuhung einer Urania von dieser Gattung sein könne. Fea. Geschichte der Kunst. gestepeter Zieraten. Weil um die Füße ein einfaches Leder geleget ist/ welches oben auf dem Fuße zugeschnüret wurde, so wie die Landlente zwischen Nom und Neapel zu tragen pflegen / und wie wir an den zwo Statuen thracischer gefangener Könige von schwarzem Marmor im Cainpidoglio sehen/ heissen solche Art Schuhe aus einer einzigen Sohle und §. 6. Es trugen auch die Alte»/ sowohl manschen als weiblichen Geschlechts/ Sohlen aus Striken/ nach Art eines Nezes geflochten / wie sie an den Figuren der Gottheiten aus einem Altare in der Villa Albani sind;^) und dergleichen Schuhe scheinen genennet zu sein/ weil Pollux dieses Wort erkläret mit : ein vielfach geflochtener Schuh. 2) Eine andere Art Sohlen von Striken hat sich im Herculano gefunden/ an welchen die Strike in länglichen Kreisen um einander herumgelcget sind; eS war auch das Stük/ welches die Ferse bedeket/ aus Striken/ und an der Sohle befestiget; verschiedene solcher Sohle»/ auch von Personen vom zarten Alter/ haben sich im Herculano gefunden. Der Kothurn»6 war eine Sohle von verschiedener Dike und Höhe/ mehrencheils aber eine Hand breit lioch/ welcher insgemein der tragischen Muse auf erhobenen Werken gegebenist/^) und diese Muse stehet in Lebensgröße unerkant in der Villa Borg hese/ wo sich die eigentliche Form des Kothurn» S zeiget/ welcher fünf Zolle eines römi- ») not. in I'act. c. 3i. r. 2. p. 1776. p. 84. eüit. 1609. 2) lD enk m ale, Nuinevo 6.Ü Z) I.. 7. c. 22. 8e^in. 93. V. die. de k'in. 1. 3. c. 14. 5) lDett kmale, 4 Th. 9 K. 1 §.ü 6 Bnch/ 2 Kap. 377 schell Palms hoch ist. i) Diesem wahrhaften Augenschein gemäß müßen die Stellen der Alten/ die Wider alle Wahrscheinlichkeit von einer ungewöhnli- chen Erhöhung der Person auf dem Theater zu reden scheinen/ verstanden werden. ?) Von diesem tragischen Kothurns aber ist der Kothurnus der Jäger und Krieger zu unterscheiden; den dieser/ eine Art Halb- stiefeln/ welche eben so hieß/ ging bis auf die Hälfte der Wade/ und war bei Jägern/ wie noch izo in Italien / gebräuchlich. Diana und Bakchus pflegen dieselben zuweilen zu tragen; 4) von den mehre- sten Scribenten ist dieser KotliurnuS mit jenem vermenget. 5) Die Art des BindenS der Sohlen ist be- t) Diese Statue ist blos ihres hohe» Kothurns wegen merkwürdig; in Ansehung der Arbeit hat sie kein gro> ßes Verdienst. Me»er. 2) Statt aller hieher gehörigen Stellen diene die einzige aus dem Tertullian (6e zpecl.icnli», p. 2?,): „ Der „ Teusel erhob die Tragödicnsvieler aus Kothurnen; weil „niemand seiner Länge eine Elle zusezen „ kan: so will er Christum iui» Lügner machen. " ?Z! e»e r. Z) Die Jagdkothurne werden von Pollur (I. Z. c. 3. n. i g.), Von Servius -»-ilon. x. 535. VirA. <>clog. 7. V. Z2.) Der eigentlich griechische Name der Jagdschuhe ist -v^-/.> e r. Bei SVanheim sol, scrv.it. in Ii^mn. in vi-main, v. , 1.) ist aus einer Münze von Mitylene eine Abbildung dieses Jagdkothurns gegeben; sund unter Numero 63 der Abbildungen zu dieser Ausgabe) sind deren mehrere nach einer antiken bemalten Vase vorgestellt. M e» er. L) Scaiigcr. poet. I. >. c. ,3. I>itlur« «I^rcvl. t. I. l!>v. .j- u. 10. p. ig. tav. 35. n. 22. p, >36. 37« Geschichte der Kunst. kaut/ und an der mebrmal angeführeten hetrurischen Diana zu Portici sind die Riemen roth/ wie auch an einigen andern Figuren der alten Gemälde daselbst. ') Hier will ich nur den O.nerriem an dem Mittel der Sohle annierken/ unter welchem der Fuß konte hineingestcket werden/ und welcher auf der Mitten des Fußes lag. Dieser Niem findet sich selten an Figuren weiblicher Gottheiten; eS lieget auch derselbe/ wo er sichtbar ist/ unter dem Fuße, und zwar unter dem Bug der Zehe»/ und man siehet nur daö Ohr davon auf beiden Seiten des FußeS/ um nicht durch diesen Riem elwaS an der zierlichen Form desselben zu verbergen. Besonders aber ist eS/ daß PliniuS von den Sohlen der sizenden Statue der Cornelia/ der Mutter der beiden Gracchen/ anmerket/ daß dieselben ohne besageten Riem gewesen. 2) Ich kan auch nicht vorbeilassen/ hier anzuzeigen/ daß man an keinen Sohlen und Schuhen Absäze unter den Haken siehet/ ausser an den Schuhen einer weiblichen Figur auf einem herculanischen Gemälde/ welche roth sind, die Sohle aber und der Absaz gelb. Absäze der Schuhe hießen >) ?!tture 6'LrcoI. t. 2. tav. 17. Der vurpurrotben Riemen des Jagdkothurns/ welche zuweilen auf dem Marmor mit Farbe nachgeahmt wurden, gedenken auch die alten Autoren. (Virg. I. 1. v. ZZ7. vclog. 7. v. Z2. Meyer, 2) I.. Z4. c. 6 sect. 14. Z) pilluro dürcol. t. 4. I.iv. /jZ. Man findet hohe Absäze auf ander» Denkmale», besonders an de» Figuren der Zuno LanuVinä mit Schuhe», deren Svi-en auswärts gebogen sind, aus Münzen und unter andern aus einer Münze der Familie Procjlia. (IZi-ßv,'. l!>es. Ll'!>n. x. 5g».) Fea. 6 Buch/ 2 Kap. 379 ^«7-«, und waren aus kleinen Stüken Leder zusam- mengesezet. >) §. 7. Nach diesen Anzeigen der verschiedenen Stute der weiblichen Kleidung und ihrer Form/ ist ferner der S ch in u k und die Z ie rl ich kc i t derselben/ nebst dem übrigen Schmuke des weiblichen AnzugS zu berühren/ welches der zweite Punkt gegenwärtiger Betrachtung der Zeichnung bekleideter Figuren in sich begreifet. In Absicht der Kleidung unterscheide ich den Schmuk von der Zierlichkeit/ und bedeute durch dieses Wort die Art und Weise des AnzugeS und des Wurfs der Gewänder oder anderer leichten Zeuge / und ihrer Falten; jener aber/ welcher hier auch könte die Verzierung genennet werden/ ist der Kleidung eingewürket/ gestiket oder aufgesczet, 8. 8. Die Röke sowohl als die Mäntel waren insgemein an ihrem Saume umher mit aufgcsezcten Streifen von Purpur oder auch andern Farben verzieret, und also ist auf die leichteste und geschwindeste Weise der gewöhnlichste Schmuk des Saums weiblicher Kleidung angedeutet; es war jedoch dieselbe auch mit zierlichern und mühsamern Mustern geschmü« ket/ welche auf einigen Gefäßen von gebranter Erde/ die mit besonderem Fleisse gemalet worden/ ausgeführet sind. Der beliebteste Zierat scheinet hier der sogenante Mäander zu sein/-) dessen auch eine griechische Sinschrist gedenket/^) mit welchem auf dem mehrmal gedachten schönen Gefäße der hamil- 1) kclivl, ü^ult. v. Zi?. pollur, 1,7^ c>20. segm, Lo et 66. 2) Wird heut zu Tage die Vesezuug 5 la Zrec) Ausser dem unteren Saume dcr Kleidung siehet man auf eben dem Gefäße/ sowohl über der Brust als vorne berunter und an den Seiten, einen mit Zieraten geschmiiketen Streifen/ welcher theils auS kleinen Würfeln nach Art eines' Brettspiels zusammengesezet ist/ theils sind eS Schnörkel wie die Schlingen dcr Weinreben. Auf einem Gefäße des englischen Con- snlS ;n Neapel/ welches den TheseuS uud die Ariadne vorstellet/ gehet dieser auf der Brust cin dunkler Streif herunter/ welcher wie mit Knopflöcher» unterbrochen ist. -) Ferner war die weibliche Klei- j dung zuweilen mit Sternchen durchwürkct;') und so war auch die Kleidung des Helden SosipoliS auf einem alten Gemälde gezieret; ') sogar DemetriuS PoliorceteS trug ein solches Kleid. 5) §. 9. So wie sich die Schönheit zu dcr Gefälligkeit verhält / ebenso ist hier dcr Schmuk gegen die Zierlichkeit anzusehen; den diese/ welche bei den Alten vornebmlich den weiblichen Kleidern zukomt/ ist nicht in der Bekleidung selbst/ sondern wird derselben durch die kleidende Person in den Falten ge- 2Z sDenkmale, Numero SS.Z 3) sMan vergleiche oben t K. dieses Buchs 5 §. Not e.Z 4) 1.6. c. 26. N e r 0 ging bisweilen also gekleidet/ wie S «et 0 ni » s bezeugt. tl,i IVcr. c. 26.) Fen. L) l, 12> c. g. ^ n. F e a. 6Buch /2 Kap. Z.'u geben, und könte auch die Gratie des Anzugs ge- nennet werden; kan aber eigentlich nur von dem oberen Gewände oder dem Mantel gesaget werden, weil dieser nach Belieben geworfen wird, das Unterkleid hingegen durch jenes und durch den Gürtel ge- leget und gefaltet wurde. Es kan folglich diese Eigenschaft füglicher der Kleidung der Allen als der unsrigen beigeleget werden: den diese ist bei beiden Geschlechtern am Fleische gepresset, und keines freien Wurfs fähig. Da nun der Faltenschlag nach den ältesten und folgenden Zeiten der Kunst verschieden ist, so lieget in demselben und in der Zierlichkeit des AnzugS zugleich ein Theil der Keiitniß des Styls und der Zeiten. Die Falten geben an Figuren der ältesten Zeiten mehrentheilS gerade, oder in wenig gesenkcte Bogen gezogen, welches ein in diesen Sachen sehr unerfahrener Scribent von allein Faltenschlage der Alten saget, und nicht gewußt hat, daß die Falten derjenigen Figuren, die er selbst anführet, am Unterkleids sein, und senkrecht fallen müßen. >) In erleuchteten Zeiten der Kunst wurde in den Falten des obern Gewandes, oder des Mantels, die höchste Mannigfaltigkeit gesuchet, so wie die wirkliche Kleidung dieselbe bildete, die vermuthlich in den ältesten Zeiten eben so geworfen wurde; die Kunst aber konte damals die unendlich verschiedenen Brüche der Gewänder noch nicht erreichen. Da nun die hetrurischen Gewänder mehrentheilS in kleine Falten geleget sind, welche, wie im Vorigen angezeiget worden, fast parallel neben einander liegen, und da der älteste griechische Styl, welchem der hetrurische ähnlich war, es also auch in der Bekleidung gewesen ist, so kan man, auch ohne Überzeugung aus überbliebenen Denkmalen, schlie- t) parall. t. i. 8) 2) Solcke Fianrcn mit vlatten Falten aus Münze» ans der besten Zeit der Kunst/oder auch auf Münzen sväterer Zeiten, sind Nachahmungen von Kunstwerken des alten Styls. Meyer- 6 Buch/ 2 Kap. dcr Eintheilnng seien ; er muß dieNiobe selbst nicht betrachtet haben/ da das Gewand derselben unter die zierlichsten im ganzen Altertume kan gerechnet werden. War aber der Künstler Absicht/ die Schönheit des Nakenden zugleich sehen zu lasse»/ so seze- ten sie alsdan derselben die Pracht der Gewänder nach/ wie wir an den Töchtern dcr Niobe sehen : ihre Kleider liegen ganz nahe am Fleische und nur in den Höhlungen legen sich Falten/ auf den Höhen hingegen sind dieselben sehr leicht und niedrig/ wie blos zum Zeichen des Gewandes gezogen. Den ein Glied welches sich erhebet/ und von welchem ein freies Gewand von beide» Seiten hinunter« I) k'ülconet, zur Is sculpl. Wuvr. t. l> I>, 5i. Faleonet vertheidigt sich (olisc'rv. sur la Zwtue «?s . p. 2Z5.) gegen diese Kritik, indem er ansiihrt/ daß er von den Kindern der Niobe/ aber nicht von dcr Niobe selbst/ geredet. Lens sie costunie, I. 2. c. i. p, !>Z. hat geglaubt, das Gewand an dcr N i- ode, wie auch das an den andern Figuren dieses Gru- vo ausdrnklich mißbilligen zu müßen/ aus Furcht/ des Autors Urtheil an dieser Stelle könte vielleicht ei> ncn nachtbeiligen Begris von der Kunst der Alte» in Rüksicht der Gewänder erzeuge». Aber er scheint i» seinem Tadel zu weit gegangen zu sein; wie auch Fa< bronis Lob in seiner Dissertation über alle diese Statuen S. 12. überriebe» ist. Fea. Da dieses Denkmal dem hohen Style der griechischen Kunst angehört/ so sind die Falten des Gewandes zwar allerdings wohl geworse»/ aber es ist weder der äusser- stcn Zierlichkeit im einzelnen nachgestrebt/ noch zeigen sich künstlich angelegte/ gefällige Wirkung durch Licht und Schatten bezielende Masse»/ welche einer später» Zeit angehören Der Autor hat sich darum nicht ganz angemessen ausgedriikt/ wen er vom Gewände der Niobe sagt: „ es könne unter die zierlichste» im ganzen Alter, „ tume gerechnet werden." Me»er. Geschichte der Kunst. fällt/ ist allezeit wie in der Natur ohne Falten, die sich dahin senken/ wo eine Höhlung ist. Vielfältig verworrene Brüche/ die von den niehrestcn neueren Bildhauern/ und sonderlich Malern gesu- chet werden/ wurden bei den Alten für keine Schönheit gehalten; an hingeworfenen Gewändern aber/ wie das am Laokoon ist/ und ein anderes / über eine Vase geworfen/ welche mit dem Namen des Künstlers bezeichnet ist / und sich in der Villa Albani befindet/ siehet man/ wie zierlich in solchem Falle die Gewänder gebrochen sind. §. 10. Zu !>em weiblichen Anzüge gehöret nachher der übrige Schmuk: des KopfeS/ der Arme/ und der Anzug der Füße. Von dem Haarpuze der älteren griechischen Figuren ist kaum zu reden: den die Haare sind selten in Loken geleget/ wie an römischen Köpfen; und an griechischen weiblichen Köpfen sind die Haare allezeit noch einfältiger/ als an ihren mänlichen Köpfen. An den Figuren des höchsten Styls sind die Haare ganz platt über den Kopf ge- kämmet, mit Andeutung schlangenweis fein gezogener Furchen/ und bei Mädchen sind sie auf dem Wirbel zusammengebunden'^/oder um sich selbst in t? ^Beschreib, d. geschttitt. Steine, 2 Kl. 1Z Abth> 95S Num.1 Auf einer sehr seltenen silbernen Münze der Stadt Tarauto stzet Taras, der Sohn des Nextunus, wie auf den mehresten, zu Pserde; das Besondere aber lind die Haare desselben auf dem Wirbel in einem Schöpf, wie bei den Mädchen, gebunden, so dafi dadurch das Geschlecht zweideutig würde, wen der Künstler dieses nicht deutlich an seinem Orte sehen lassen, unter dem Pferde stehet man eine alte tragische Larv e. W i n- ckelma n. Der Autor wolttevielleicht sage», das, Tara s auf einem Delphine stze, wie man es auf allen Münzen steht, 6 Buch/2 Kap. 3«L einen Knauf, und zwar an dem Hintertheile des Haupts/vermittelst einer Nestnadel herumgeivikclt/l) die aber an ihren Figuren nicht sichtbar gemachet ist/ und mit einer solchen Einfalt des HaarpuzeS trat allezeit die erste und vornehmste weibliche Person in den griechischen Trauerspielen auf. Eine einzige römische Figur findet sich beim Montfau- con, an deren Kopfe man jene Nadel siehet; '') eS ist aber keine Nadel/ die Haare ordentlich in Loken zu legen : ac»s ^iscriminalis, wie dieser Gelehrte meinet. Bei Weibern lieget dieser Knauf gegen das Hintcrthcil des Kopfs zu. HeiMagna» lniiscell. NIINIM. t. I. t!>I>. Z3—42.) mit dem Name» um die Figur her, oder auch unter ihr. (Alntteo nie. (Ii 'I .i- runlo, j'. 12. i» reg. Ncrcul. mu5 Tn. tak. coi»n>. purt. >. c. 4. ^ocl. I>. p. 99.) Ein Mail ZU Pferde ist auf der Rnk feite der Miinze vorgestellt; allein weder in den Von Magnan, noch in den von Mazzocchi (I. c. p. >>Z.) beigebrachten Miinzen, noch in den von mir beobackiteten, stellt man die Haare auf dem Wirbel in einem Schovfe gebunden. Vielleicht war es ein Fehler der Zeichnung, wen sie auf irgend einer Münze alfo erschienen. Fea. 1) pauüQN. I. I. c. 22. 2) 8ca!iger poet. I. I. c. >4- 3) Lupi I. t. 3. la 4. Man steht auch eine solche Nadel an einem Kopse in der groizherzoglickien Galerie, der in Kupfer gestochen lst bei Guafco (ilellll l>rnc>lrici, n. >?. p. 4S.), wa zugleich mannigfaltige Formen dieser Nestnadeln tti> gebracht sind. Fea. Mehrere solche Nestnadeln aus dem Altertume, das auch in solche» Kleinigkeiten den Sin für Schönheit beurkundet/ haben stch bis aus unsere Zeiten erhalten. Vier besonders große und schöne neiit der Autor selbst im 2 Bande, S. tSS; »och anderer gedenken Caylus (N,<- Wimkeimaik. 4. .17 §. ii. Zuweilen sind die weiblichen Haare, wie an hetnrrischen Figuren beiderlei Geschlechts/ hinten lang gebunden/ und hängen hinter dem Bande in großen neben einander liegenden Abtheilungen herunter; also sind dieselben an der vielmals angeführeten Pallas in der Villa Albani, ferner an einer kleineren P a llas, die nach Engeland gegangen ist, und am gewöhnlichsten an Figuren dieser Göttin; an den Karyatiden in der Villa Ncgro ni/an der hetrurischen Diana zu Portiei, und an vielen anderen Figuren. Gori/ welcher so gebundene Haare für eine Eigenschaft hetrurischer Arbeit hält/ ist also zu widerlegen. Flechten um den Kopf geivikelt/ wie Michael Angelo den zwo weiblichen Statuen an dem Grabmale PabstS Julius II. gegeben/ finden sich an keiner alten Statue. Aussäze von fremden Haaren siehet man an Köpfen römischer Frauen/ und Lucilla, Gemahlin Kaisers Lucius VeruS/ im Campidoglio/ bat dieselben von schwarzem Marmor, so daß man dieses' Stük abnehmen kan. 2) cucil , t. 2. p!. 60. 6. 26^- t. 3. ^1.64. 3. t. 4. xl. Lc>. 8. t. 5, pl. gl>. 3 — 6.) und Guasco. (Delle oriialrici, n. isi. 9^.) Fea. >) Aus Ütru5c> t. I. iali. 3Z. p. 101. Gori/ da er die oben im §. S .angeführte l> etr n r Ische Figur erwähnt, welche die Haare losgebunden hat, und nicht aufgeknüpft, sondern in langen parallelen Büscheln aus die Schultern fallend, an, Ende beschnitten, und auf eine zierliche Weise geordnet, sagt: daß man keine griechischen Figuren also finde. Fea. 2) Nuz. Lnpitol. t> 3. tav, g. Puz von falschen Haaren , oder Perriiken in Marmor nachgebildet, zum Aufseien und Abnehmen, finden sich an mehrern weiblichen Brustbildern und Porträtstatuen aus der spätern Zeit. An dem angeführten Brustbilde der Lucilla, welches Fea mit einer Statue ver- Geschichte der Kunst. 6 Buch, 2 Kap. Z87 §. t2. Den Haaren gab man vielmals eine Hyacinthenfarbe; an vielen Statuen sind dieselben roth gefärbet/ wie zu sehen ist an der angeführeten Diana des herculanischen Mufti zu Portici. und ebendaselbst an einer kleinen VenuS von drei Palmen hochwelche sich ihre benezeten Haare mit beiden Händen auodrüket, wie auch an einer bekleideten weiblichen Statue mit einem idealischen Kopfe, in dem Hofe des Mufti daselbst. An der medi- wechfelt/ ist der bewegliche Haarpuz oder die Perruke aus schwarze»!/ das Gesicht und der Hals aber aus weis« sei» Marmor; das Gewand besteht aus streifigem Alabaster. Auch ein Brustbild der Julia Alammäa, wovon sich eine Abbildung im Muse» Pio-Clemen- tino tt. 6 t->v. 5?.) unter den Bnsten findet, hat einen solche» beweglichen Haarvu). In der Antikenfam- lung zu Potsdam befindet sich eine ähnliche kahle Wei- berbüste/ der man die marmorne Perrüke abuehnien konte. Visconti beschreibt Mus. pio - Llc»>. t. 2. p. gg — >vo.) eine weiß marmorue Statue der Julia Soeuiia, Mutter des Heliogabalus/ an welcher der Haarvu; ebenfalls willkürlich abgenommen und ausgesezt werden kau! zugleich gibt er beiläufig Nachricht über diese sonderbare Sitte des beweglichen Haarpuzes an Statuen und Büsten römischer Damen! zu dessen Bemerkungen Bdttiger in seiner Sabina (1 B. S. 120, 141/ I5S/ 161/ 165/ Z07.! manches Neue und Er- gözNcbe hinzugefügt hat. Me»er. l) Die Stelle/ worauf stch Winckelman beruft/ steht nicht in Piudars ne»irische» Ode»/ sondern in den isthinischcn iVlI.v.ZZ.): , wo andere lesen. Aber der Hha ei n thus der Akten ist eine li li e nä h n l i ck e / purpurfarbene Blume/ die nach der Fabel sowohl aus dem Blute des schönen Hyacinthus/ als des Selbstmörders Ajar erwuchs; und «v bedeutet stets eine Niole/ nie aber eine H»aei»the; jene Haare waren also Violen- farbig. Lessing. Ä Das Rotysärben And Vergolden der Haare a» Statuen zss Geschichte der Kunst. ceifchen VenuS waren dic Haare vergoldet/ so wie an dem Kopfe eines Apollo im Museo Ca- pitolino; am deutlichsten aber fand es sich an einer schönen Pallas in Lebensgröße, von Marmor, unter den hercnlanischen Statuen zu Portici, und das Gold war in so diken Blättern aufgeleget, daß dasselbe konte abgenommen werden; eS waren die abgelöseten Stükchen noch vor fünf Jahren aufgehoben. §. 13. Zuweilen ließen sich die Weiber die Haare abschneiden, wie die Mutter des Thes eus,^) und eine alte Frau auf einem Gemälde des Po- lygnotuS zu Delphos^) waren, welches vcrmnth- mag sehr selten Von den Künstlern selbst in der Meinung veranlaßt sein, dadurch das Kunstwerk zu verschönern, sondern diese Sitte rührt wahrscheinlich in den meisten Fällen von Frömlern her, welche sich aus solche Art die Gunst der Götter zu erwerben gedachten. So sieht man noch izo zuweilen in katholischen Kirchen an schön gemalten Madonnabildern seidene gestikte, oder ivohl gar aus Silberblech getriebene Kleidung ; auch fehlt es nicht an bunt angestrichenen und mit vergoldeten Zieraten versehenen Statuen. Diese Ansicht enträthselt auch vielleicht den seltsamen Umstand von den violet bemalten Augen, Auqenbrannen; Liren u. s. w. der Pallas von Nelletri, wovon bei Entdekung dersel« den 1797 noch deutliche Spuren sichtbar waren, über das Färben der Haare schrieb Johannes Arn- ze». (Oe caxilloi-um coloi'Idus ci tinctur».) Meyer. 1) pausan. I. io. c. 2?. Plutarchus (qua:5t> p. 267. lp. 82. «6!t. gibt als eine allgemeine Sitte, bei den Griechen an, daß die Frauen in Trauersällen die Haare abschnitten, die Männer aber sie wachsen ließen; und daß es bei den Römern gerade umgekehrt gewesen. Fea. 2) kausan. I. i c>. c. 26. Ruri^iil. klnxnlss. v. 3^5. 6 Buch/2 Kap. ZLs lich bei Witwen ihre beständige Trauer anzeigete, wie an der Klytämneftra und der Hekuba;>) auch Kinder schnitten sich die Haare ab über den Tod ihres Vaters/ wie wir von der Elektra und demOrefteS wissen,-) und an beiden Statuen in der Villa Ludovisi sehen, von welchen ich im Folgenden reden werde. Nicht weniger findet sich/ daß eifersüchtige Männer die Haare ihrer Frauen abschnitten, theils zur Strafe der geäusserten Lieb- äugelung gegen Andere, theils um sie dadurch zu nöthigen, zu Hause zu sizen. Auf Münzen und auf Gemälden finden sich weibliche, auch göttliche Köpfe mit einem Neze bedeket, welches noch izo die Tracht der Weiber in Italien im Hause ift; es hieß eine solche Art Hauben , und ich habe davon an einem anderen Orte geredet 5) Als etwas Besonderes ift eine Statue der Venus anzumerken/ deren Haare unter einem Neze gebunden gewesen 1) klui-Ipiil. lplng, in v. i/jZg. v. 27g. 47g. v. 109Z. 11Z4. 1240. 2) 16. LIeetr. V. >og. 14g. 241. 3Z3. üxigr. Lr. ox. 6'Or- ville, 412. Z) lt B. Z K. 2? Dieses Gruvv war sonst unkn' dem D?amen Pavirt- u§ und seine Mutter bekaiit; einige haben auch den Hivvolntus und die Phädrk darin erkennen wollen Me» e r S) tB e schr ei b. d. geschnitt. Steine, 4 Kl. 1 Abth, 47 Nun,.) Eine solche Nezhaulie, oder der südlichen Evroväcrinen, welche Wal r cheinlich mit der c!>- lunticii der alten Romerinen eines ist, steht man aus dem Kovse der Leneri'vielcrin in der al d0 l> ran dini- schen H 0 chzei t. (L»»s. n- V. puüux, I. 7. c. Z3. 1)2. Luirl. v. ??!ei'er Zv0 Geschichte der Kunst. scheinen/ welches andere weibliche Köpfe auf Gemälden und Münzen tragen. ß. 4-5. Ohrgehänge haben zwar etliche Statuen, als die Venus des Praxiteles, getragen, wie dieses auch die Löcher an den Ohren der Töchter der Niobe, der medic ei schen Venus, der Lenko- tbea, und ein schöner idealischer Kopf von grünlichem Basalte, beide in der Villa Albani, anzeigen; die Ohrgehänge sind angedeutet an einer Pallas in dem ältesten griechischen Style in erhobener Arbeit, bei dem Bildhauer Joseph Volle kenS in Rom. ES sind aber nur zwo Statuen in Marmor bekaiit, an denen die Ohrgehänge, welche rund sind, mit im Marmor gearbeitet worden, ohngefähr auf eben die Art, wie dieselben an einer ägyptischen Figur sind. >) Die eine ist eine von den zwo Karyatiden in der Villa Negroni, die andere ist eine Pallas, die in dem Eremo des CardinalS Passion ei bei den Calmaldulensern, über Frafcati, war, und vor einiger Zeit nach Engeland gegangen ist; diese ist halb Lebensgröße, und nach Art hetru- rischer Figuren gekleidet und gearbeitet. Anf dem Landhause des Graven von Fe de, in der Villa H a- driani, sind ein paar Brustbilder von gebranter Erde mit eben solchen Ohrgehängen. H Von Ohr- 1) ?ococlie, <1escnpt. of ll>e üast, t. i> p> 211. 2) Mit Ohrgehängen sind die drei weiblichen Figuren aus dem Basrelief des Kallimackus im Muse» Cavi- tolino gebildet; auch war eine kleine Bnste von Erzt, oder eigentlich ein schön gearbeitetes Gesäß, wie ein weibliches Brustbild gestaltet, im Palaste der Con- servatoren zu Nom, mit Ohrgehängen versehen, von denen sich aber nur noch eines erhalten hat. Der Maler der a Id 0 b r an d i n i sch en Hochzeit zierte ebenfalls einige seiner Figuren damit. Meyer. Man sieht auch Ohrgehänge von runder Form an der 6 Buch/ 2 Kap. 3S1 gehangen junger Leute unseres Geschlechts meldet Apulejus^) und auf einem Gefäße von gelnantcr Erde in der vatikanischen Bibliothek trägt Achilles dieselben;^) ja/ Plato gedenket in seinem Testamente goldener Ohrgehänge;^) unterdessen wirft Xenophon einem Apollonides vor/ daß dieser durchbohretc Ohren hatte./i) Z. 16. Bei geschehener Anzeige der Löcher in den Ohren und der Ohrgehänge habe ich nur Köpfe von Göttinen und idealische Schönheiten angeführet/ damit es aber nicht scheine/ ich pflichte dem gelehrten Buouarrotti bei/ welcher vorgibt/ daß nur allein die Bildnisse der Göttinen Ohrgehänge getragen haben/ oder sich nur an Köpfen von Göttinen durchgebohrete Ohren finden/ diese Gehunge anzuhängen; 5) führe ich von Köpfen bestimter Frauen an die Äntonia, des Drusus Gemahlin/ und ein Brustbild einer betageten nnbekanten Frau im Museo Capitolinv/ imgleichen eine Matidia marmorne» Statue einer gewissen Jucunda. jauc. 8uppl> t, Z, .iprös. Ia p>, 2.) Fea. Statuen dieser Art zu Cvnstantinovel find beschriebe» in ^nlkvl. P->I. >> 3g 49 Ei» kolossalifches Fragment köint i» Beckers Augusteuni vor; 4 Heft, Numcro 35. Siebelis> 1) v« et doctr. p. 676, 2) Wenkmale, Num. 3) Oiog, I^aert. I- 3. scgm>.j2. 4) I«I. I. 2. Die von Diogenes Laerrius benuzte Stelle des Xenopbon findet sich in dcr Anabasis (I 3> c. 1. Z. 21), wo aber nicht Xenovlion, sondern ?>gasias der St»mphalicr dem APollonides >znm Vorwurf macht, er sei durchaus «»griechisch, weil er, wie ein Lvdier, beide Obren durchbohrt habe. Mever. k) so^ra »Ic. jiüiiim, tol^. 2>. x. >5.i. Z,')2 Geschichte der Kunst. in der Villa Ludovisi, die ebenfalls Löcher in den Ohren haben. §. ^6. Ausser dem Schmuke der Hbren trugen die römischen Weiber vom Stande oben auf der Stirne etwas, was der fogenanten Feder unferer Damen, die aus Edelgesteinen bestehet, ähnlich ist, und dieses siehet man unter anderen an einem Porträtkopfe einer Venus, in dem Garten des far- mesischen Palastes, welcher eine Marciana, des Traianus Schwestertochter, vorstellet.^) In der Villa Panfili findet sich ein Brustbild ebenderselben Person, die über der Stirne an den Haaren einen halben Mond mit den Hörnern aufwärts stehen hat, welches zur Erläuterung deSStatius dienen kaii, woAlkmena, des Herkules Mutter, mit dreien Monden an ihren Haaren gezieret ist: Vermuthlich auf die dreimal lange Nacht zu deuten, in welcher Herk u l es gezeuget wurde. Die allenthalben eine verborgene Deutung suchen wollen, tönten hier den halben Mond vielleicht als ein Bild der Abwechselung menschlicher Umstände auslegen, welches PlutarchuS in dem halbe» Monde finden will, den die edlen Römer auf ihren Schuhen trugen. ^) Unterdessen hänget eben dieser Zierat auf der Brust einiger Pferde auf alten Werken, und auch das Pferd des ParthenopäuS beim Sta- tiuS trägt einen halben Mond am Halse. Göttliche Eine Art dieses Kovfschniiikes kaii man sehen bci Bo- rioni (Lollect. 66.) und bei G u a s c o. (Delle ornatric! x. 104.) F e a. 2) Nicht Marciana/ sondern Matidia, Tochter der Marciana, der Schwester Trajans. Fea. Z) l^ek. I. 6. v. 286. 4) HuRZt. K.OIUAN. x>. 262. 7. p. 187 — i33. eäit. Keisk..) 6 Buch, 2 Kap. 3S3 Figuren haben zuweilen ein dopelteS Band oder Dia- dema / wie die oft angeführte Leukothea in der Villa Albani, welche um die Haare ein rundes Seil geleget hat/ und dasselbe ist nicht gebunden, sondern hinten einigemal unter einander gestckct; das andere Band/ als das eigentliche Diadem»/ ist breit / und lieget über den Haarwachs auf der Stirne. Zuweilen waren die Hauptbinden mit Edelsteinen besezet. Z. 17. Um die Arme wurden als eine Zierde Armbänder geleget/ die insgemein die Gestalt einer Um das hohe Diadema der kolossalen ludovififchen Juno liegt eine Schnur großer Perlen, wie man unter Numero 4S. ->. der Abbildungen sieht, und windet «ich durch die hinter den Ohren herunter Hangenden langen Haarloken. Laja, auf einem schönen geschnittenen Steine, welchen derAutor im §, IS, dieses KavitelS ansübrt, und in den Denkmalen unter Numero S7 erklärt, hat eine Schnur Perlen unter dem Haarwuchse »in, die Stirn liegen, und auf eben die Weise mit einem, Edelsteine vorstellenden Stirnbande geschmükt sieht man in der Villa Albani die schön gearbeitete Maske des bärtigen oder indischen Bakchus. wv. 17-) Ein Kovs von Marmor über Lebensgröße in der florentinischen Galerie, der für das Bildniß des Constantinus Magnus'gehalten wird, hat eine Hauvtbinde, die eine Reihe großer Edelsteine, von zwei Reihen Perlen eingefaßt, vorstellt. An einem schönen Kovfe des Augnstus im Batican ist durch da? Schloß oder Heft des Lorbeerkranzes über der Stirn ei» Medaqlion oder eine Gemme vorgestellt, mit dem Prostlbildnisse des Julius Cäsar pio-LIem. t. 6. tav, 4<>,), und an einem kolossalen Brusthilde des Traianus im Museo Cavitolino ist der Eichenkran; ebenfalls über der Stirne mit einem Hest oder Medaglion geziert, worauf ein Adler gearbeitet ist. Me >> c r. 394 Geschichte der Kunst. Schlange Wen/ und einige sind ein rundes Band/ welches sich mit zween Schsangenköpfen schließet/ so wie auch der Gürtel der Krieger gestaltet war: Lslteus et Aemiili aeoiiLS. Von solchen Armbändern finden sich verschiedene von Golde und Erzt in dem herculanischen Museo und in dem Museo des Collegii Romani. Es lieget dieser Zierat theils um den Oberarm/ wie an den beiden schlafenden Nymphen im Vaticano und in der Villa Medicis/ welche daher für eine Kleopa- tra angenommen und beschrieben worden: und diese sind die eigentlichen Armbänder; theils liegen sie über den Knöcheln der Hand/ wo eine von den angeführeten K a r yati de n in der Villa Negroni dasselbe in vier Umkreisen hat/ und heissen von der K n ö ch e l; auch zum Unterschied der andere»/ die um den Arm geleget wurden / und ->Pk^ hießen. -) Anstatt dieser schlangenförmigen Armbänder sind den Bak- chanten zuweilen wirkliche Schlangen gegeben. ES finden sich auch Armbänder wie eine gedrehete Binde gemachet/ die s-xc-,-?---! hieße»/^) wie man es an einer Figur in der Villa Albani siehet. Besonders zu merken ist/ daß die römische» ConsnlS/ die i» Rom triumphirend einzogen/ auch Armbänder zu tragen pflegeten.5) Diesen Schmuk aber hat we- >) 1. 3. v. 19p. 2) ?vIIuX) I. 5. c. 16. 99. v. c.^e/5. In8ti-. exist. 40. x. 9)1. 2) ^Denkmale, 2 Th. 33 K. 6 §.? 4) Pollux, I. 5. c. 16. 98. Fea. '^ivkn. k^rl^olin. c!e ariuillis. AbMldUtt^ett Von Arnnpanaen qibtCttylus. (Il.ecuei1, t. 5. x>I. 9Z. u. 3. — 7.) Meyer. 5) 2!onar. I. 7. c. 21, 6 Buch / 2 Kap. 396 der Titus noch Marcus AureliuS/ die auf ihren Sicgeswagen vorgestellet sind, entweder weil unter den Kaiser» dieser Gebrauch abgekommen war, odeS weil man dergleichen Puz auf einem öffentlichen Denkmale der Majestät/ der Person und des OrtS nicht anständig hielt. t) Abbildungen bei Bavtoli. (L.Zm!r. allüy. kam. tak. L et Z4.) F e a. Auch Fingerringe trugen Männer und Frauen bei den Römern; ja die Verschwendung stieg zu einer solchen Höhe in dieser Hinsicht, daß inan nicht nur an jedem Finger, nur den mittlern an beiden Händen ausgenommen, sondern auch über jedem Knöchel eines Fingers einen Ring trug; daber Lucian (6e Oallo, c. 12.) in bitterer Laune von einem Römer mit sechzehn Ringen sprecht» konte. Für die Geschichte der Ringe bei den Römern liefert Plinius (I. Z3. c. >, sect6.) schäzbare Bemerkungen, welche mannigfaltig, aber oft ohne Kritik erweitert und benuzt sind von Kirchmail. (Oc annulis, c, 17. p. 107.) An den alten Kunstwerken findet man Fingerringe häufiger an weiblichen Figuren als an mäillicken. Eine schöne weibliche Hand von Bronze in natürlicher Größe mit zwei Ringen, einer am Zeigefinger und einer am Goldfinger, steht man in der zahlreichen Samlung antiker Bronzen bei der florentinischen Galerie. Aus ähnliche Weise geziert ist auch die linke, dem Manne aus der Schulter liegende Hand an der weiblichen von den beiden bernhmten Halbfiguren gewöhn- lich Cato und Portia genaüt, ehemals in der Villa Mattei, jezo im Mufe 0 Pi 0 - C l e m en t i n 0. lSIu?. ?io->.,». t. 7. luv. 2!») ^Die Hände allein steht man unter Numero 63 der Abbildungen^ Wirkliche Fingerringe aus verschiedeiien Metallen kommen häufig in den Samluugen vor; einige sehr zierlich in Gold gear, beitet dienten wegen ihres engen Reifs wahrscheinlich fnr Frauen. Seltner als Fingerringe find die Halsketten, mid wir erinnern uns nur zweier Beispiele, wo ste in Marmor nachgebildet find, nämlich aus einem erhobenen Werke in der Villa Albani, das eine Tänze, 396 Geschichte der Kunst. §. 58. Es hatten auch die Beine ihren Schmuk, welches ein Ring oder Band ist/ so über den Knöcheln lieget, und den Figuren der Bakchanten eigen war.') Dieser Ring hat weniger oder mehr Reifen. Man siehet diese sogenanten Per«seelides oder Bänder um dieBcine,^) an der weiblichen Figur auf dem Steine, welcher den TheseuS vorstellet, die erschlagene La ja im Arme haltend, und es finden sich dieselben zuweilen in fünf Reifen, wie um das rechte Bein an ein paar Victorien auf einem Gefäße von gebranter Erde, in dem Museo Herrn rin vorstellt Lassli'iüevi, tav. Ig.) und an ci> »er lebensgroßen weiblichen Statue, welche vor etwa zwanzig Jahren in Rom ergänzt, und später »ach England geführt worden. M e» er. Unter Numero 64 der Abbildungen findet man d ie Brust nebst der Halskette dieser Figur. Me»er. r) Linnc^ii ^aillccta, t. Z. p. 44. n. Z i. v. 2. Luiclas, V. Goldene oder mit Perlen besezte Fußsvangen oder Fußbänder/ welche um die Knöchel gelegt wurden, waren i» früheren Zeiten kein gewöhnlicher Sckmuk der römischen lind griechischen Matronen, sondern öftesten nur von Liberrinen und gegen die Männer gefälligen Frauen getragen zu werden, (plin >. Z3. c. z. scct r2.) Me»er. Zu den Zeiten des Clemens Alerandrinus scheint dieser Schmuk unter den Frauen gemein gewese n zu sein, (p-oilag. I. 2. c. I I. p. 244.) Fe a. v. 5 i. ?euon. L.ilvric. c. 67. p 3ZZ. Meyer. 3) sDenkmale, Numero S7.Z Eine der vortreslichsten vertieften Arbeiten, die ehemals im farnesi scheu Museo zu Neapel war, und iezo dem Graven Lambcrg in Wien gehöre» soll. Meuev. 6 Buch/ 2 Kap. 397 Meng6;>) dergleichen Ninge um die Beine tragen noch izo die Weiber in den Morgenländern -) K. 19. Ausserordentlich ist eine kleine Gloke/ welche die komische Muse auf einigen erhobenen Werken in dem Palaste Matt ei und in dem Museo des Collegii Nomani um den Hals auf der Brust hängen hat. Ich weiß nicht/ ob durch die Gloke die Feldmuse oder die Hirtenpoesie/ weil unter den Hirten die Komödie ihren Ursprung nahm, soll angedeutet werden/ in Absicht etwa auf die Gloken, die dem Viehe/ sonderlich in ZtalieN/ um den Hals gehänget werden. Hier kan der Gebrauch der Glokcn bei den Bakchanten berühret werden/ weil man auf zwo Begräbnißurnen / von denen die eine in dem Garten der Farnesina stelzet/ an mänli- chen bekleideten Bakch anten drei bis vier Reihen dergleichen Gloken auf der Brust hängen siehet/ und eben solche Gloken sind mit Klangbeken und mit ThyrsiS vorgestellet auf vier ähnlichen erhobenen Arbeiten in der Villa Negroni. 1) Ninge um die Veine bemerkt man auch an dem schlafende» Hermaphroditen/ der nebst andern bak- chi scheu Figuren auswendig auf einer schönen Schale Von Marmor in der Villa Albani erhoben gearbeitet ist, (Zoega, Laszirilievi, tav> 72,) Mei>er. 2) Hunt, Oissert, 011 tluz xrovcrl,. ok. Laloni. ^> »Z. Drittes Kapitel. §. i. Wen wir endlich zum zweiten von der Bekleidung weiblicher Figuren zu der Anzeige derselben in unserm Geschlechte gehen: betrift dieses weniger Figuren und Statue»/ weil die mchresten heroisch und also unbekleidet vorgestellet sind/ als vielmehr den Gebrauch im bürgerlichen Leben. Da nun die römische Männerkleidung von der griechischen nicht sehr verschieden ist/ werde ich das Nüzliche von jener hier zugleich mit anmerken. Dieser Abschnitt soll also kurze Anmerkungen enthalten über die Form der römischen Männerkleidung (den die Küüst hat vornehmlich Mit der Fo rm zu thun) und zwar so viel ohne Figuren kan verstanden werden. Unter der mänlichen Kleidung begreife ich zugleich die Bewafnung des Körpers, ohne mich in Untersuchung ihrer Waffen einzulassen. Zuerst ist hier von der Bekleidung des Leibes/ und hernach von der Bekleidung der äusseren Theile des Körpers, als des Haupts und der Füße sowohl als der Hände zu reden. §. 2. Von der mänlichen Kleidung ist überhaupt zu merken/ daß wen an stehenden oder sizenden Figuren mit einem umgeschlagenen Mantel die Brust bloß ist/ das ist: wen dieselben ohne Unterkleider sind/ Philosophen und keine SenatoreS vorgestellet worden; den die lezteren sind allemal ganz bekleidet. K. 3. Was die Bekleidung des Leibes betrift^ scheinet das Unterkleid eines der nöthigsten zu sein/ 6 Buch/ Z Kap. und dennoch wurde dasselbe von einigen Völkern der ältesten Zeiten als eine weibische Tracht angesehen,') und die ältesten Römer hatten nichts als ihre Toga auf den bloßen Leib geworfen; 2) und al« so waren die Statuen des RomuluS und des Ca- milluS auf dem Capitolio vorgestellet.^) Noch in spätern Zeiten gingen diejenigen/ die auf dem Cam- po Martio sich zu EhreNstelle» dem Volke anpriesen, ohne Unterkleid/ um ihre Wutiden auf der Brust, als Beweise ihrer Tapferkeit/ zu zeigen. ^) Überhaupt aber war nachher das Unterkleid - so wie den Griechen/ (die cpnischen Philosophen ausgenommen) also allen Römern gemein; und wir wissen vom Au- gustuS/ daß derselbe im Winter an vier Unterkleider auf einmal angeleget.5) An Statuen / Brustbildern und auf erhobenen Arbeiten ist das Unterkleid nur allein am Halse und auf der Brust sichtbar/ weil die Figuren mit einem Mantel oder mit der Toga vorgestellet sind/ und man siehet sehr selten Figuren blos im Unterkleide, so wie in den alten Gemälden des vaticanische n Tere li t l'uS und Vir-- giliuS. Eine Strafe der Soldaten in leichten Vergebungen war, in bloßem Unterkeide Handarbeit zu verrichten, und weil diese alsdan nicht gegürtet >) IIers>I»t. I> i. c, iZZ. plularcli. spoxktl». >7?. l!» 2) I. 7. c. ,2. ^ugudiln, <1e 6oclr. Okrlst. l. Z, c, i z> n, 20. Z) in t!ic. xro S'cauro, in Lne. ?tin. I. Z4. c. 6. secl. > 1. 4) l>lut!ircl>. c^u-rzt. Roni. p> 276. lt. 7. P. > 1 7 oilit kcisk.Z tJn ga»; spätern Zeiten des Freistaats geschah diese! eben nichts L) äuct. in August, c. 82. xnsc. 4oo Geschichte der Kunst. und gewafnet waren/ hießen sie beim Plutarchus Z. Eigentlich war das Unterkleid ein Rok mit Ärmel»/ welcher über den Kopf geworfen wurde, und wen derselbe nicht nnfgeschürzet war / bis an die Waden herunterging. Die Form eines Unterkleides oder der Weste stehet man am deutlichsten an oben gedachter Figur des Priesters der Cybele in dem Museo des Herrn Browne zu London; es bestehet dasselbe aus zwei lang vicrekichten Stüken Tuch/ die auf beiden Seiten zusammengenähet sind/ so daß sogar die Nath deutlich angezeiget worden. Den Arm durchzusteken/ ist eine Öfnnng gelassen/ und was von den Achseln herunterfällt bis an den halben Oberarm/ machet gleichsam einen abgestuzetenÄrmel. ES war jedoch auch eine Art von Unterkleide mit Ärmeln üblich/ die nicht weit von der Achsel herunter und nur bis auf die Hälfte des Oberarms reichen, wie man an der schönen senarorischen Statue in der Villa Negroni siehet;^) solche Kleider hießen daher gestumpsete Ärmel: x-x-L-«. Eben so kurze Ärmel hat auch eine weibliche Figur auf einem herculanischen Gemälde/ und andere Figuren dieses Geschlechts."!) An mänlichen griechischen oder römischen Figuren/ die theatralischen ausgenommen, kan ich mich nicht entsinnen Unterkleider mit engen Är- 1) lr> I.ucuII. p. ?o>. 2) Der Autor spricht liier von dem ehemals sogenanten Marius, der ie;o richtiger Menandros heißt, und im vaticanischen Museo ist. (Aus. ?io-LIen>. t, Z, ti»r. i5. x, ik— 19.) Me>>«r. Z) Lerv. gll Vii 'F. t. 9. V. 6»5. Lalmas. in l'er» tuU. - 6 Buch/ 3 Kap. äoi meln, die wie bei Weibern bis an die Knöchel der Hand gingen/ bemerket zu haben. Männerkleider mit vorgedachten langen und engen Ärmeln trugen, wie Lipsius will/ nur cinse-li und pueri meriw- rii: >) es hat derselbe aber vielleicht Nichtwissen können/ daß auch theatralische Figuren, die komische öder tragische Personen vorstellen/ also gekleidet waren/ welches sich unter andern zeiget an zwo kleinen komischen Statuen in der Villa Mattei/^) und an einer diesen ähnlichen in der Villa Albani/ ungleichen an einem Tragico aus einem herculanischen Gemälde. ) Noch deutlicher aber und an mehreren Figuren ist diese» zu sehen aus einer erhobenen Arbeit in der Villa Pansili/ die in meinen Denkmalen des Altertums erschienen ist. ) Die Knechte/ welche keinen Mantel trugen/ hatten ihr Unterkleid/ bis über die Kniee hinaufgezogen/ gebunden. Die Knechte in der Komödie haben über die Bekleidung mit langen engen Ärmeln ein oberes kurzes Camisol mir halben Ärmeln. H Hch habe auS- schliesiungsweise gesaget, daß sich die langen engen Ärmel nicht an griechischen und römischen maiili- chen Figuren/ die vom Theater ausgenommen/ finden; allen phrygischen Figuren aber sind diese Ärmel eigen / welches man an den schönen Statuen des Paris in den Palcisten AltempS^) und L an- 1) lect. I.^j, c, g. Er sagt nicht, daß sie die einzigen waren. Fea, 2) Uonum. M.lltllZ'i. !. I. 99. Nun im PioiClementino.(r.Z. isv.28.) Meyer. 3) t. 4. tÄV. 4!. 4) sNumcro tSS.Z 6) ! ! MV tav. ZZ. «) Dieser sizende und bekleidete Paris ziert nun das große 17 * Geschichte der Kunst. eellotti^), wie auch im anderen Figuren desselben auf erhobenen Arbeiten und auf geschnittenen Steinen siehet; wie auf zwei solchen Werken/ die dessen Entführung der Helena vorstellen/ von welchen das eine im Palaste Spada/ das andere in der Villa Ludovisi befindlich ist. Eben daher ist Cy- bele als eine phrygische Gottheit allezeit mit solchen Ärmeln gebildet/ wie fich am deutlichsten an der erhoben gearbeiteten Figur derselben 'im Campidoglio zeiget.^) Aus eben dem Grunde/ und um iu der ZsiS eine ausländische und fremde Göttin abzubilden/ ist dieselbe nebst derCybele die einzige unter allen Göttinen/ die enge und lange Ärmel hat. Nach Art der Phrygier pflegen auch die Figuren/ welche barbarische Völker anzeigen solle»/ die Arme mit engen Ärmeln bekleidet zu haben/ und wen Sueto- niuS von einer Qci-msnica redet/ scheinet er einen Nok mit Ärmeln verstanden zu haben. Gewiß ist/ daß das Unterkleid der Römer in älteren Zeiten keine Ärmel hatte, y Auf einer gereiften vaticanische Museum. (Aus. ?io - OIi'm. t. 2. tav, Z7.) Visconti meint diese Figur sei eine Nachahmung der im Altertume so berühmten Bronze des Euphranor- Me » e r- j) Dir'er bat kein Gewand mit Ärmeln, und hätte folglich hier nicht angesührt werde» sollen, übrigens stellt diese Statue wahrscheinlicher den Gau»medcs/ als Paris vor, wie oben sZ B. Z K. t0 §. N oreZ dem Viskonti zusolge erinnert worden. Meuer. 2) lDenkmale, 1 Tl>. 2 Abth> t K. 8 Num.Z Ist Fea zusolge ein ?l rchigalIus; V. 2 K. .^7 §.^I, und Zoega. (Ln^siriliovi, t. 1. ^.9).) nent ste eine Obervriesterin der Cvbele. Me»er. Z) Suetoll. in Ovruii. c. Wie haltbarste Lesart ist toFa 6 Buch/ 3 5iap. -ivZ Vase von Mrmor in dem Palaste Farne se/ welche einige tanzende weibliche Bakchantcn nnd den Si-lenus/ herlich gearbeitet/ vorstellet/ ist das Unterkleid an einem indischen und bärtigen Bak- ch us sichtbar/ und sonderlich zu merken/ weil es auf der Brust geschnüret ist: dieses findet sich nirgend anderswp.^) §. 6. Als Unterkleider sind auch die Hosen anzusehen / womit / ausser den Figuren ausländischer Völker/ komische Personen bekleidet zu sein pflege» / weil überhaupt die Hosen um des Wohlstandes willen auf dem Tbegter eingeführet waren / und ay den oben gedachten komischen Figuren von Marmor sind Hosen und Strümpfe/ wie bei barbarischen Völkern , aus e i n cm Stüke. Dieses veranlasset zu glauben/ daß jene Knechte der Komödie vorstelle»/ die aus Ländern waren/ welche die Grieche» und Römer barbarische nenneten/ nach deren Art sie gekleidet si»d. Ferner siehet man Beinkleider/ die bis über die Kniee reiche»/ wie Fabretti dieses insbesondere von der Figur des Trajanus anzeiget/^) und Herodia- nuS meldet/ daß Caracalla seine Hosen von den Schenkeln heruntergezogen habe/ da er seine Nothdurft verrichten wollen/ und vom Martialis, ermordet wurde. 4) Beinkleider waren bei den Römern und Griechen im Gebrauche/ wie man auf hcrculanifchen und andern Gemälden siehet; 5) eS werden also hierdurch einige Gelehrten / die das Gegentheil behauptet haben/ widerlegt. Die Ho? j) Nbcn §. dieses Kavitels.z 2) Abgebildet bei Piranesi. (Vasi e Lanäcladri. t, 2.) M e»c r. 3) vo cviumua l'i'njzn. c> 7. p. >79. 4) ^ 4 c. 1?. K. 5. '?) cl'ZIrcol. t. 1. 26^. io4 Geschichte der Kunst. sen des vermeineten Coriolanus/ auf dem Gemälde in den Bädern des TituS/ gehen der Figur bis auf die Knöchel der Füße/ so daß sie an den Beinen wie Strümpfe anliegen / und sind blau. Bei den Griechen trugen die Tänzerinen Hosen/ wie bei uns geschiebet. ) Der Gebrauch der Hosen aber war bei den Männern nicht gemein; keine Art von Beinkleidern war bei den Alten eine gewöhnliche und beständige Tracht/ und es sind dieselben nicht zur häuslichen Kleidung zu zählen/ sondern als eine Reise - oder Feldtracht anzusehen. Unterdessen ist zu merken/ daß bei einer heroischen Figur in Rüstung/ die blos symbolisch ist/ wie in einem von vier erhobenen neuen Werken in der Galerie des königlichen Schlosses zu Turin/ diese Art Beinkleider nicht sehr woyl angebracht scheinet; den man bildet daselbst einen Held allgemein ab/ nicht einen Krieger/ welcher zu Pferde steigen will. Es können auch die Hosen/ die wie jene zu weit und bis anf die Hälfte Wade heruntergehen an einem Soldaten auf einer bekanten erhobenen Arbeit der h. Agnese/ in der Kirche dieses Namens zu Rom/von Algardi, nicht entschuldiget werden.^) Anstatt der Beinkleider waren bei den Römern Binden im Gebrauche / womit die Schenkel umwunden wurden/ nnd diese Art habeich bemerket an der einzigen Statue eines Auri g a/ das ist: einer Person/ die im Wettlaufe zu Wagen in dem Circo zu Rom den Preis davon getragen hatte/ welche in der Villa Negroni stehet. >) ES ist nicht zu sagen/ ob''«esc ooer jene Art diejenige war/ die Ang ustuS im Winter zu tragen pflegete, welche Suetonius 1) I. >Z. c. 9. In. 36.^ 2) lMa» vernickle 5 B. ZK. 27 §. Note.) Z) N>m im Piv-CIcmentinp, ('I'.Z. wv.Zi.) Meyer. 6 Buch/ 3 Kap. jcmin-ai-, nennet. 1) Diese Binden geben ttur bis an die Hälfte des Schenkels/ und sind daselbst mit Schnüren festgebunden. Aber auch dieses wurde für eine Weichlichkeit gehalten: diese wirst Cicero deßhalb dem PompejuS vor, welcher dergleichen trug. Solche Binden/ um die Lenden geleget/ waren zu Trojans Zeiten unter dem gemeinen Volke noch nicht üblich: an den Bildnissen dieses Kaisers an dem constantini schen Bogen siehet man die Schenkel bis unter das Knie bekleidet. Die Hosen der barbarischen Völker sind mit den Strümpfen aus einem Stüke/ und unter die Knöchel des Fußes durch die Riemen der Sohlen gebunden. Die Strümpfe wurden nachher in spätern Zeiten von den Hosen abgeschnitten/ und hierin lieget der Grund des deutschen Wortes Strumpf/welches etwas Ab- gestuzteS bedeutet/ wie Eckhar t dieses in dem e b- nerischen Kle i no d i en kä stl e i n zeiget. Michael Angelo hat sich also wider die alte Kleidertracht an seinem MoseS vergangen/ da er demselben Strümpfe unter die Hosen gezogen gegeben/ so daß diese unter den Knieen gebunden sind. §. 6. Über das Unterkleid schlugen die Griechen einen Mantel und die Römer ihre Toga; von 1) In ^ugu>>t, c. g2. et Osüiiul-. ail I>. I. 2) Llc. ücl I. 2. fpist. Z. Der Vorwurf trift nicht sowohl die Sck> e» kelbind e, die er wegen eines Geschwürs trage» mnkte, als vielmehr die blendend weisse Farbe derselbe». übri< gens galten solche Binde»/ wen man sie ansser einem krankhaften Zustand trug, allerdings in Rom für ein Zeichen von Weichlichkeit. I. >i. c. Z> In. 144/I F e a. Z) Frifch, d e u tfch - l a t ein i fch e s W ört er b u ch, 1 Th. Z4S S. unter Str « m Pf. Mc >> e r. 4o6 Geschichte der Kunst. Mänteln aber waren zwo Arten / der kürzere/ welcher theils theile und bei den Nömern ^»Iuil!>menluin genennet wurde/ »nd der längere nnd gewöhnliche Mantel. §. 7. Die ChlamyS war nach dem Strabo mel>r oval als rund / und überhaupt eine Tracht derer/ die zu Felde dieneten; es bedeket dieselbe die linke Achsel/ und war auf der rechte» Achsel zu- sammengehänget/ und kurz/ um leichter zu gehen. Daß dieser Mantel oval oder rund geschnitten gewesen / siehet man deutlich an mehr als einer Statue/ am deutlichsten aber an einer Statue über Lebensgröße in dem päbstlichen Garten auf dem Q.>.lninalc. Es ist daher dieser Mantel den heroischen Figuren gegeben/und syflderllch dem Kastor und dem Pol« lux eigen/ doch so/ daß diese denselben über beide Achseln gezogen und auf der Brust zusammengeknü- vfet tragen / welche Weise aus dem Allanus beim Suidas als ein Abzeichen der Dioskuren angegeben wird: „UV so wie in meineli Denkmalen des' Altertums erkläret worden.^) In dieser Absicht sagete Plato zum Aristippus! „Dir ist gege- >) pvNux, I. 7. c. >3. sczzm. 46. I. 10. Ü<>KM> 62. iZg. iZg. >64. >>7. scgiu.47. 57. 61. 67. Meyer. ?.) 1^.2, p. >79— lüo. Strabo redet/ indem er den westliche» Theil Britanniens mit der Horm der Chlam»s vergleicht/ von der .gewöhnlichen Chlamns/ deren »ntcrer Theil die Ge- sialt eines Halbkreises mit zwei Eke»/ eine i'ür jede Seite/ haben mußte/ nnd welcher oben auf gleiche Weise in einem Halbkr^se geschnitten,war/ alier gerader. (Lvus, Nullen. >Ie rc v<>sl. I. 2. c. 7. k'ci'izr. 07 „ ben, die ChlamyS und^) Luyipen zu trage»/" dessen Gleichgültigkeit im Glüke und in der Niedrigkeit anzudeuten/') In Athen war die CblamyS auch eine Tacht jimger Leute, aber derjenigen, die vom achtzehen.ten bis zwanzigsten Jahre die Wachen in der Stadt versehen mußten, und sich also zum Kriege vorbereiteten.^) ES war dieser ihr Mantel in alten Zeiten schwarz, biF ihnen der reiche Redner Hero- des AttieuS zu HadrianusZeiteneine weisse ChlamyS gab.^) In den Gemälden des alten vatica Nischen Terentius ist indessen die ChlamyS fast allen Jünglingen von freier Geburt als eine allgemeine Tracht derselben gegeben worden. Die Mäntel der Krieger pffegeten inwendig zotticht und mir Fraußen zu sein: ^7-^5,, um warm zu halten» §. 8. Von der ChlamyS ist zu unterscheiden ein anderer kurzer Mantel, genant, welcher nicht auf der einen Schulter angeheftet, sondern unigele- get und abgenommen über die Achsel geworfen wurde, so wie in warmen Ländern der Pöbel das ausgezogene Camisol zu tragen pfleget. Diese Art von kurzem Mantel wird beim AristophaneS dem Orestes gegeben,?) und dieser junge Held trägt 4) tVesser hieße es: sowohl als.ü 2) VivA. I^ört. 1.2. Sl-A-N. 67. tortitncZ. zi. 33o. 7. x. 3o6. eäit. Tieislv.) lüslor, crit. I. 2. e. 3. Z. 3. p. 536. Fea. Z) n 44. An dieser Stelle wird richtiger fiir gelesen. Des Autors Behauvrung wird bestätigt durch P 0 llur. (^. 10. c. 36. 8ex;m. 164.) Fea u. Meyc r, Oneirocril. I. c. 56. 5) VIi>1o8trQt. vit. 8vs»!Ü8t. I. 2. c. 1. n. 5. 55o. 6) in p. 510. ^c. 28.) 7) ^v. v. 711. Es ist daselbst ein Kleiderdieb mit Namen O r est es. Siebelis. 408 Geschichte der Kunst. denselben, so wie ich angezeiget habe/ als ein Tuch zusammengenommen/ über die linke Achsel geleget/ so wie er auf einem silbernen Gefäße des Herrn Cardinal- Neri Casini/ vor dem Gerichte des Areo- pagus erscheinet/ seinen betrübeten und erniedrigten Zustand abzubilden/ als eine Tracht des niedrigen Standes. Diesen Mantel also zu tragen nennet PlaUtNs con^icere iu collurn Gallium: collecto jiallio, -) §. s. Im Felde trugen die Griechen keinen Mantel/ und die Römer keine Toga, sondern einen leichtern Überwurf/ welcher bei diesen iibenum oder ^-»luclüinenuim, bei jenen Chlamys hieß/ und ebenfalls rund war/^) und nur in der Größe von dem Mantel und von der Toga mnß verschieden gewesen sein. Was andere von verschiedenen Formen desselben vorgeben/ wird durch den Augenschein widerleget; den alle Statuen mit einem Panzer/ auch einige andere/ als ein nakender Augustus iu der Villa Albani/ MareuS Aurelius zu Pferde/ und zween gefangene Könige von schwarzem Marmor im Campidogliv/ auch die kaiserlichen Brustbilder/ baben diesen Mantel/ und man siehet deutlich/ daß derselbe nicht vierekicht / sondern rund gewesen sein muß/ welches auch blos die Falten zeige»/ die anders nicht/ wie sie sind/ hätten können geworfen t) ^Denkmale, Numero Ein solches Mäntelchen, aber über beide Schulter» geworfen, bat auch ein im Hofe des Palastes S> Crocc zu Rom stellendes Brustbild, welches unter Numero 65 der Abbildungen zu sehen ist. Me»er. 2) Lapliv. ->ct. 4. sc. »> v. 12. »ct. 2. sc. 2. V. l o> L^lpUv. act.-j. sc. 2. V. g. F e a. Z) in I t. Zg. Ltvmvlog. v. 6 Buch/ Z Kap. äoi) werden. 1) Dieser Mantel wurde durch einen großen Knopf/ insgemein auf der rechten Achsel/ zusammengeheftet/ und hing über die linke Achsel / welche er bedekete/ herunter/ so daß der rechte Arm frei blieb. Zuweilen aber sizet dieser Knopf auf der linken Achsel, wie an den Brustbildern des Drusus/ des Claudius, des Galba/ des Trajanns/ eines HadrianuS und eines MarcuS AureliuS/ im Campidoglio. Das Paludameutum war bei den Römern/ was bei den Griechen die Chlamys war/ und kein Panzer/ wie einige geglaubet habe»/ sondern ein mehr oval als rund geschnittenes Gewand von Purpurfarbe: vesunis e>^»estris, welches kleiner war als der gewöhnliche griechische Mantel. 2) Mich wundert/ wie ein Akademikus in Frankreich unentschieden gelassen/ ob Paludamentum ein Panzer oder ein Mantel gewesen. Dieses Gewand trugen die Jmperatores und die Kaiser vermöge der Würde/ die ihnen dieser Titel gab/ welchen jedoch weder Tiberius noch Claudius annehmen wollten; ihre Nachfolger waren weniger eigen hierin. Es ist bekant/ daß die Kaiser bis auf den Gallienus das Paludamentum in Rom selbst nicht trugen/ sondern in der Toga gingen. Die Ursache davon entdeket man in der Vorstellung/ die dem VitelliuS seine Freunde macheteN/ da er mit diesem Gewände anf der Achsel seinen Einzug in Rom halten wollte; dieser Aufzug/ fageten sie/ würde den Schein geben/ daß man der Hauptstadt des römischen Reichs als einer im Sturm eroberten Stadt begegnen wolle; auf diese Vorstellung t) lMan vergleiche SB. i K. 24 §. No te.Z 2) Xiplül. in p. 96. Z) De 1a Lletterie^ l'raite 1a nat. du ßvuv. rom. Xes- 6c.ni. des ivscript,. t. 21. Hlöm. 3o.j.— Feg. Winckelman. 4- Geschichte der Kunst. legete er die eonsularische Toga an. l) Eben dieses beobachtete Septimius SeveruS vor seinem prächtigen Einzüge in Rom; den da er als Imperator gekleidet zu Pferde bis an die Thore der Stadt gekommen war / stieg er vom Pferde/ nahm die Toga/ und machete den übrigen Weg zu Fuße. 2) §. 5». Der längere Mantel der Griechen ist aus vielen Figuren bekant/ und war theils gefüttert/ wie derjenige/ den Nestor wegen seines Alters trug/-5) dessen Futter durch das Wort bezeichnet wird/ so wie auch der Cyniker Mantel war: s>!>IUura, weil diese ohne Unterkleider gingen; theils aber war derselbe ungefüttert; und solche Mäntel nennet HomeruS x?.«",«;.4) Dieser Mantel war rund geschnitten. 5) Die Gallier und die asiatischen Völker trugen vierekichte Mäntel. Z. ii. Ich finde aber hier nöthig/ eine Anzeige 1) l'acit. Iilst. I. 2. «, öz. Feg. 2) Xipliil, in Severo. p. Zog. Z) Der Autor fährt fort: >, Einen solche« Mantel, von „Golde gewurkct, trug auch Agripvi»a, des Clau- >, dius Gemahlin, da sie ein Schifgesecht n.it ansah." Wir haben diese Worte ausgelassen, weil sie schon oben im 1 K. 8 §. Vorkommen. Meyer. 4) X. X. v. 184. Des Autors Erklärung scheint uns siir den Homer viel zu gesucht, und bedeutet gewiß nichts anderes als einen Mantel, der wegen seiner Weite käst zusammengelegt und dopelt um den Leib genommen werden; ivurden wir daher nicht ungefütterte, sondern einfache Mäntel nennen, welche ,ucht länger und weiter sind als der Korver dessen, der sie trägt, so dak sie nicht können zusamniengefalter werden. Zea u. Meiler. sMan vergleiche 6 B. 1 K. Z0 §>Z 5) I?.. XXIV > ?. 2Z0. Fea. 6 Buch/Z Kap. äli des Mißverständnisses einiger Übersezer alter Seri- beuten zu geben/ da wo jene geglaubet haben/ daß von einem Mantel die Rede sei. Ich wurde aufmerksam hierauf/ da ich sah/ daß CafaubonuS das Wort für den Mantel genommen, wen PolybiuS saget/ daßAratuS mit denen/ die ihm die Stadt Cynetha verrathen wollten/ ausgemachet habe/ daß einer von diesen zum Zeichen der Ausführung/ sich zeigen sollte auf einem Hügel vor der Stadt / und zwar welches jener gelehrete Ausleger mit gegeben/ da er/ wie ich glaube/ uinic-ltus hätte sagen sollen. Den es war vermuthlich ungewöhnlicher/ohne Mantel/ als mit demselben aus der Stadt gehen; dieses Zeichen aber erforderte etwas Ausserordentliches. Das Wort muß allezeit gleichbedeutend mit der lunica der Römer verstanden werden; und im Griechischen .) ?ol>l>, I. 9. p, 555. Der Autor irret hier ohne Zweifel. heißt oft so Viel als xislliuiu. (I_.ucian. in n. il. Oe conc, 1. ,g. z. g.) ungewöhnlicher war es mit dem Pallium aus dein Lande als in der Stadt zu gehen. Es ist daher wahrscheinlich/ daß der Mitverfchworne desAratus das Pallium trug, um von ferne keiitlicher zu sein und nicht mit irgend einem Hirten verwechselt zu werden, da die Hirten enge und kurze Kleider trugen. Polybius erzählt auck, daß diese Vorsichtsmaßregel nicht ausreichte, weil zufällig ein Bürger, Besizer einer Schafherde, welche da ivaidete, wo Aratus sich aufhielt, aus der Stadt dahin kam und vom Aratus sür den gehalten wurde, welcher das Zeichen geben sollte, weil er auch er gekleidet war. Und gewiß ist es glaublicher, daß dieser Bürger den städtischen Anzug trug, als die einfache Tuuica. Fea u. Meyer. Geschichte der Kunst. anzudeuten/ was Plinius von der Etatue des Nomulus und des Camillus anzeiget/ daß dieselben sin- «.niiic» gewesen/ hätte es mit übersezet werden müßen. Irrig ist ferner in einigen Scribenten das Wort verstanden/ welches nicht allein das U n terklcid bedeutet/ wie beim Diodorus/ wo dieser berichtet/ DionysiuS/ der Tyran zu SyrakuS/ habe beständig über sein Kleid einen eisernen Panzer getragen: sondern es Heisset auch zuweilen/ und im Homerus beständig/ ein Panzer/3) welches unter anderen das Beiwort der Griechen , gleichbedeutend mit beweisen kan. Diese Anmerkung gehet vorneh mlich aus die Nachricht des Diodorus vom Könige Gelo zu Syrakns/ wo er berichtet/ daß derselbe nach dem berühmten Siege über die Kartha- ginenser vor dem ganzen Volke erschienen sei/ Rechenschaft von seinen Handlungen zu geben/ und zwar nicht allein ohne Waffe»/ sondern auch -v : ohne Panzer im Unterkleide; dieses haben die M.ersezer nicht verstanden. 5) un« >) I^. Z4. c. k. sect. >>. Fea. 2) 1^. 14. Z, 2. Fea. 3) Man befreist kaum, wie der Autor bei seiner Belefenheit <0 etwas behaupten können. Statt der vielen Stellen des Homers, in welchen das Unterkleid bezeichnet, nennen wir nur: l/^. L. II. v. 42. r. III. v. Z5g. Zwar stellt auch für Panzer; aber bei weitem öfter hat es die erstere Bedeutung. Fea u. Meytr. /,i i>. I. v. z?>. L.il. v. 47. ^KZ.^Zzl. Mever. 5/ Oioil. 8ic. I. >1. A. 2t>. Des Autors Erklärung ist gan; unhaltbar, wie einem jede» einleuchten wird, welcher diefe Stelle im Zufam- menhange liest, und weiß, daß Diodor hänfia das Wo>-t (tuuica^ dem (xallio) entgegensezt j «X'" 6 Buch/ 3 Kap. 413 terdessen wird auch ein Krieger genennet/ der Waffen und Mantel zurüklässet/ und sich im bloßen Unterkleide rettet.') K. ^2. Von dem römischen Oberkleide oder der Toga ist so viel geschrieben/ daß die weitläufigen Untersuchungen selbst den Leser viel ungewisser machen; und am Ende hat niemand die wahre Form der Toga gezeiget/ welche allerdings schwer zu bedeuten ist. Die Toga war bei den Römern, wie der Mantel der Grieche»/ und wie unsere Mäntel/ zirkelrund geschnitten:^) der Leser wiederhole / was ich im Vorigen von dem Mantel der griechischen Weiber gesaget habe. Wen aber DionysiuS von Halikarnassus saget/ daß die Toga die Form eines halben Zirkels: , gemachet / so bin ich der Meinung / daß er nicht von der Form derselben im Zuschnitte rede/ sondern von der Form/ welche dieselbe im Umnehmen bekam. Den so wie 7WV «I- heißt hier: »Gelon trat „ ohne Unterkleid/ mit einem bloßen Mantel in der Ver- „ samlung auf; " daß er ohne Waffen vor einer bell» a kneten Versamlung erschiene», hatte Diodor schon früher gesagt, so daß es «»nöthig gewesen wäre, noch hinzuzufügen, wen dieses so viel als ohne Panzer bedeuten sollte. Aus eine ähnliche Weise erschien auch A g a- thokles blos mit dem Mantel vor feinen Mitbürger», um sich ihne» in der Kleidung gleich zu stellen. (Divll, Lic. I. ig. Z> 9.) F e a. 1) in ^mil. 26Z. 16.) 2) ()uinl!I I. l>. c. Z. ^,1. i26.) Isil 6. I>, >6i. Z) Lnxcr. Ilom. Z^. V. 2 K. §. Note.? 6 Buch/3 Kap. dessen Base/^) wurde für verloren gehalten/ und kam vor kurzer Zeit aus' der Kleiderkammer des far- ne fischen Palastes wiederum zum Vorschein; es ist dieselbe einige Zeit unter meinen Händen gewesen/ und also kan ich davon Rechenschaft geben. §. 13. Die Toga wurde/ wie der Mantel/ über die linke Schulter geworfen/ und der Haufe Falten/ welcher sich zufammenlegete/ hieß sinus,-) Gewöhnlich wurde die Toga nicht gegürtet/ wie auch Andere anmerken; in einigen Fällen aber kan es dennoch geschehen sei»/ wie aus angezeigeten Stellen des Appianus zu schließen ist.^) Für Künstler/ für welche ich vornehmlich schreibe/ ist genug zu wissen / daß dieses Kleid weiß war; den wen dieselben römische Figuren zu kleiden haben / können sie sich der Statuen bedienen/ und einen Senator durch die breite Besezung von Purpur an der Toga kentlich machen/ welche cl»vu8 hieß. Dieser kan nicht den unteren Saum dieses Roks besezet haben/ wie Nori^) und Andere meinen/ sondern es muß derselbe längst den Vordertheilen gewesen sein/ und erscheinet an einigen Statuen und Brustbildern in verschiedenen breiten Streifen/ in welche die Toga zusammengeleget ist/ von denen der obere Streifen die Besezung von Purpur/ oder l-,uis cla- -vu», zu sein scheinet. Diese auf solche Weise gelegere Toga gebet über der linken Achsel/ oder auch über diesen Oberarm/ quer über die Brust/ unter 1) k'ulv. Hl'Z. ImaZ. 2) lurneb. I. 2. c. 26. Z) LeII. civ. 1. 1. p. 17Z. 0/ i-cc. -7-s 1. 2. x. 260. 4) dLliotaxk. k'i-ZLN. x. 119, Geschichte der Kunst. den rechten Arm/i) wie eine Statue in der Villa Panfili/ und zwei Brustbilder im Campidoglio zeigen: das eine ist mit dem Kopfe des Maximi- z> US, auf dem anderen stehet der Kopf des jüngeren Philip pus. 2) Ahnliche Brustbilder finden sich in dem Palaste Barberini/ und in der Villa BorgHefe. NubenS irret sehr/ wen er behauptet/ daß sich dergleichen breite Binde nur an Figuren aus der Zeit des ConstantinuS und von späterer Arbeit finde/ daß diese Tracht folglich dasjenige sei/ was damals und nachher orsrium hieß/ und izo «cnI->, Z) Ich kan versichern/ daß Brustbilder/ die viel älter sind/ als die ich aus dem Museo Capitolino angeführet habe/ die Toga in angezeigete breite Falten zusammengeleget tragen / welches unter anderen aus angeführetem Brust- dilde in der Villa Borg Hefe deutlich erhellet. §. lH. Man merke hier zugleich den Wurf der römischen Toga/ welcher cincws ^akinus hieß/ als eine Form/ die der Toga bei heiligen Verrichtungen und sonderlich bei Opfern gegeben wurde. ES bestand dieselbe darin/ daß die Toga bis auf das Haupt hinauf gezogen wurde/ so daß der linke Zipfel die rechte Achsel frei ließ/ über die linke Achsel aber herunterfiel und unter der Brust quer herüber gezogen wurde/ wo der linke Zipfel mit dem Zipfel zur rechten Hand gewunden/ und in diesen hinein gesteket wurde/ doch so/ daß die Toga den- t) Mnter den rechte» Arm muß es heissen, und nicht, wie in den übrigen Ausgaben: unter den linke»,) 2) HIus. Oapitol. t. 2. tali. 65. 71. Z) kut>l!n!uü, , c. iZ, 4) I. 1. v. 696. ?rndent. ?!vnin. u!- 6 Buch/ 3 Kap. nöch bis auf die Füße hing. Dieses zeiget sich an der Figur des' MarcuS Aurelius auf einem erhobenen Werke von dessen Bogen / wo derselbe opfert/ und auf anderen Ahnlichen Werken. ?) Wen die Kaiser mit einem Theile der Toga auf das Haupt gezogen vorgestellet sind, deutet diese Tracht auf das hobepricsterliche Amt derselben. Unter den Göttern ist Sa tu rn u S insgemein mit bedeketem Haupte bis über den Scheitel gebildet/ und eS finden sich an göttliche» Figuren/ so viel mir bekant ist/ nur ein paar Ausnahmen von dieser Bemerkung.^) Die erste ist in einem Jupiter/ der Jäger genant/ auf einem Altar in der Villa Borghese/ welcher auf einem Centaur reitet/ und sein Haupt aus gedachte Weise bedeket hat. Jupiter in solcher Gestalt Heisset beim Arnobins rioivi»i ,us, 5) von dem Worte rioio»in 6) also genant/ welches dasjenige Theil des Mantels bedeutet / womit das Haupt bedeket wurde / und also stellet ihn auch Martia- nus vor. ?) Die zwote AuSnabme ist an einem Pluto unter den Gemälden des nasoni sehen Grabmal S. §. 45. Der Schurz/ welchen die entkleideten Prie- 1) 8erv, .16 /l?n. I. 7. v. 612. Fea. 2) ösrtvli, ^6nin'. »nü^uit. Koni. lolz. Z5. Man sieht den cinctuin gadinuni nicht. Marcus Aurelius ist mit der Toga bekleidet/ nnd hat dak Haupt aus die gewöhnliche Weise bedckt. Fea. 3) Weschreib. d. ge schnitt. Steine, 2 Kl. l Al'th, Z??um.Z 4) Wcnk m ale, Numero t j.Z 6) Bei S e rr i u s (sä Vil'Z. I. 2g2,)^!c!,ii». Siebelii. 7) Oe »upl. pliilol. I. >. x. 17. Fea. ü) ?av. g. Fea. -'N8 Geschichte dcr Kunst. ster beim Dpferschlachten (v>>iim->rii) über die Hüften banden/ limus genant/ würde nicht zu berühren gewesen sein/ weil derselbe aus vielen erhobenen Werken bekant ist/ wen nicht der französische Übcrsezer des Petronius einen solchen Schurz der Priesterin Enothea (incinct» ^u») Da die Priesterin dieses i>»lli»in umgürtet hatte, so scheinet es mir kein Mantel zu sein/ als welcher niemals gegürtet wurde. ß. t6. Die Zieraten und Verbrämungen der mänlichcn Kleidung/ welche auf Denkmalen nicht sichtbar sind/ gehören nicht für diese Abhandlung; da sich aber auf einem alten herculanischen Gemälde/ welches die Muse Thalia vorstellet/ ein vermeine- ter Clavus befindet/ so ist dieses wenigstens anzuzeigen. -) Auf dem Mantel dieser Figur ist da, wo derselbe den Schenkel bcdekct / ein länglicher vier- ekichter Streif von verschiedener Farbe hingesezet/ und die Verfasser der Beschreibung dcr herculanischen Gemälde suchen daselbst zu beweisen/ daß dieser Streif dcr ClavuS der Römer fei/ welches ein aufgenähetes oder eingewürketeS Stük Purpur war, und durch dessen verschiedene Breite die Würde und den Stand der Person anzeigete. So viel habe ich zu erinnern gehabt über die Bekleidung des Leibes. §. 17. Was endlich die Bekleidung und die Be- dekung der äusseren Theile des Körpers betrift/ um von dem Haupte anzufangen/ so war kein Dia- dema unter den Römern im Gebrauche/ wie bei den Griechen / bei welchen diese Hauptbinden zuweilen von Erzt gewesen sein müßen/ wie die Binde an dem Kopfe eines vermeineten Ptolcmäus von 1) c> >34, x. 6/jZ. 2) kltture t>?i-col> t> 2> t»v> 3. p> lg. n> 2. 6 Buch/ 3 Kap. Erzt in der Villa Albani zu zeigen scheinet: den in demselben sind umber längliche Einschnitte/ vermuthlich zum einhaken. >) Der Bart wurde zuweilen unter dem Kinne in einen Knoten geschiirzet/ wie man an einem Kopfe im Campidoglio / und an einem andern herculanischen zu Portici siehet. Die Spartaner durften keinen Knebelbart tragen.") §. 18. Der Hut war bereits in den Ältesten Zeiten im Gebrauche/ und unter den Atheniensern nicht allein ausser der Stadt/ sondern auch in derselben; in der Insel Ägina bedekete man sich das Haupt mit demselben auch im Theater/ schon zu des ältesten GesezgeberS Drako Zeiten. Es waren auch schon damals die Hüte von Filz gemachet/ so wie wir es' insbesondere von dem Hute oder dem Helme der Spartaner wissen/ welcher/ wie Thuendides anzeiget/ die Pfeile nicht abwehren konte. 4) ES gingen nicht allein erwachsene Personell/ sondern auch Knaben mit dem Hute bedekct/ und da der <) Man könte also das Wort > welches Eu> rivides vom Hekt or gebrauchet CI>os^I, v, 271.), voi« dieser Binde suglicher als von dem Panzer/ wie Barnes will/ verstellen. Winckelman. Die verdorbene Stelle des Athenäus ist am gliik> lickisten verbessert durch Casaubonus/ dem auch Schweig ll a u s e r beistimt. (^nim-lllvers. in l. 4. c. 22. t. 2. x.472 — Meyer. Z) LuicI.is, V. F e a. 4) Der Autor kaü nicht wohl eine andere Stelle gemeint haben, als die im vierten Buche tc, Z4>): «i-« ?<- x«,wo in de» Sckiolien «1 ^/x^/ von ei nigen durch Vru stha v ni sch e, von anieren 420 Geschichte der Kunst. Gebrauch/ den Hut in der Stadt zu trage«/ bei den Atheniensern abgekommen war,^) so war eSinNom nicht ungewöhnlich/ wenigstens in seinem Hause/ mit dem Hute zu gehen/ wie uns SuetoniuS vom AugustuS berichtet/ welcher zu Hause und in der Sonne nicht anders als mit dem Hute auf dem Haupte ging. 2) Das Haupt bedeketen sich die Reisenden/ und die im offenen Felde sich vorder Son- oder vor dem Regen zu verwahren hatte»/ mit einem Hute/ welcher wie der unsrige geforinet war/ aber insgemein nicht mit aufgeschlagenen Krempen/ und der Kopf war niedrig / wie ich bei dem Hute der Weiber im Vorigen angezeiget habe. Dieser Hut war mit Bändern / welche unter dem Halse kon- ten gebunden werden/ wie wir an der Figur des These uS auf einem Gefäße von gebranter Erde der vaticanischen Bibliothek sehen; und wen man mit unbcdekctem Haupte ging/ wurde der Hut durch Helme oder H ü t e, erklärt werdein heißt häufig so viel als H e l »> / oder der inwendig im Helme befestigte Filz. (15. X. X. V. 265. Kultus et Lt)-Ulolog. Al. v. -5-ttlx.) Me»er. 1) I.uc!an. lle sc. I 6,! pliilostrit. vit. Loxliislar. 1. 2. c. 6. Z. ?. Diese hier cingeflochtcnen Worte stehen in der ersten Ausgabe, S. .^07/ wie solgt: „ Einen solchen Hut trn> „ gen auch die Athcnicnfcr in den ältesten Zeiten, welches ,, aber nachhero abkam. " Meyer. 2) In ^.UAUlt. c. L2. Z) Vielleicht redet der Autor hier von der Vase, deren Abbildung in seinen D e nkm a l en unter Numero 9S gegeben ist. Auf dieser Vase steht man nicht die B ä n- d er an dem vom Theseus hinten auf die Schultern geworfenen Hute, sondern an dem Hute des Ptritt, 0 u s ist ein einziges Band, und dieses ist unter dem Kinne gebunden. Fea. lDamit übrigens die ganze Stelle von den Huten de- 6 Buch / Z Kap. hinterwärts' auf die Schulter geworfen/ und hing an seinen Bändern / die unter dem Kinne gebunden waren; das Band aber ist niemals sichtbar. Mit einem hinterwärts geworfenen Hute ist Meleager auf verschiedenen geschnittenen Steinen vorgestellet, und auf zwei einander ähnlichen erhobenen Werken, in der Villa Borg Hefe und Albani, welche den A m vhion und ZethuS mit ihrer Mutter Antiope vorstellen, hat ZethuS den Hut auf der Schulter hängen, um das Hirtenleben, welches er ergriffen, abzubilden. Dieses Werk habe ich auch anderwärts zuerst bekant gemachet. Der Hut war eine gemeine Tracht der Landleute und der Hirten, und Heisset daher der arkadische H ut,^) und eS ist derselbe an einigen Figuren des Apollo, auf Münzen, e>n Zeichen seines HirtenstandeS beim Zldmetus in Thessalien, und Meleager auf verschiedenen Steinen trägt den Hut als ein Jäger. ES findet sio deutlicher werde, so sieht man unter Numero 66/ 67 und 6S drei Figuren mir Huten nach alten Denkmale» abgebildet,? ,!) lDenkmale, Numero 85.Z Ei» drittes ähnliches Nasrelief/ sonst dem Duca Ca- rafsa Noja gehörig/ und nun im psl.1220 degli stnllj zu Neapel/ hat griechische Ausschristen / Vermöge welcher die Figuren den Mercu r/ die Eur » diee und den S r- pheus vorstellen. Zoega (vl>z,irUI«vi, t»v. 42.) will zweiseln / Haß die lateinischen Aufschristen über den Figuren des borghesischen Basreliefs aus dem Altertume herrühre»/ und weiß es sehr wahrscheinlich zu machen/ jene griechischen Name» aus dem neapolitanischen Marmor seien die ursprünglich richtige» ; »ur darin möchten wir ihm nicht beistimme»/ wen er aus einige» wahrlich sehr schwache» Gründen zu behaupten wagt/ die Arbeit an dem von ihm erklärte» Werke in der Villa Al.bani sei altgricchisch/ das heißt: noch aus den Zeiten vor dem P h id i a s. M cner. 2) vi'in. Lur^sosl,. orat. 35. x. 4A3. i22 Geschichte der Kunst. sich eine andere Art von Hüten mit aufgeschlagenen Krempen/ welche vorn eine lange Spize machen, und an der Seite eingeschnitten sind/ um dieselben vorne gerade hinaufzuschlagen/ auf die Weift/ wie einige Reisehüte sind/ die man in Deutschland auf der Jagd trägt. Diesen Hut hat ein sogenanter indischer Bakchus auf der angeführeten Vase von Marmor im Palaste Farnese: einen Hut mit weit angezogenen niedrigen Krempen/ nach der Art/ wie die Priesterhüte gestuzet sind/ trägt eine Figur auf der Jagd auf der beschriebenen walzenförmigen Vase von Erzt. Eine besondere Art von Hüten trugen die römischen Aurigatores/ oder diejenige»/ welche auf Wagen wetteliefen; es gehen dieselben oben ganz spizig zu/ und sind den sinesischen Hüten völlig ähnlich. Man siehet diese Hüte an solchen Personen auf ein paar Stüken von Mufaico/ die im Hause Massimi waren/ und sich izo zu Madrid befinde»/ imgleichen auf einen? nicht mehr vorhandenen Werke beim Montfaucon. Z. 49. Am gewöhnlichsten war/ sich das Haupt mit dem Gewände/ und bei den Römern/ mit der Toga zu bedeken/^) und sich das Haupt zu entblößen im Zlngesichte von Personen/ denen man eine besondere Ächtung bezeigen wollte.^) ES wurde daher für eine Unhöflichkeit angesehen/ das Gewand nicht von dem Haupte zu ziehen: -v?«» Z. 20. ES wäre hier auch mit ein paar Worte» der phrygischen Müzen zu gedenken/ welche sowohl Männern/ als Weibern gemein wäre»/ um ») Ilom. p. 964. Fea. 2) plutürcli. (jUN8t. Korn. 266. 79 — 80. eclit, Meyer. 3) in ?c>mxe!o. c. 40.^ 6 Buch/ 3 Kap. eine bisher nicht verstandene Stelle deSVirgiliuS zu erklären. Hn dem Hause der Villa Negroni befindet sich ein mänlich jugendlicher Kopf mit einer phrygischen Müze/ und hinten von derselben gehet wie ein Schleier herunter, welcher vorne den Hals verhüllet/ und das Kin bedeket bis an die Unterli« pe, auf eben die Art/ wie an einer Figur in Erzt der Schleier geleget ist/ nur mit dem Unterschiede/ daß hier auch der Mund verhüllet wird. Aus jenem Kovfe erkläret sich der P a r i S des Virg i li us: F/oeoma rnentum crinem^iiL 8ul>nixus — Über welchen Ort man die vernieineten Erklärungen und Verbesserungen desselben bei den angeführeten Scribenten finden kan.^) tz. 2l. Die Bekleidung der Füße ist in Schuhen und Sohlen / und deren Form und verschiedenen Art zu binden und zu schürzen/ so mancherlei/ daß wen jemand alles anzeigen wollte/ eine ziemliche Schrift daraus erwachsen würde. Z. 22. Ich begnüge mich hier zuerst von den Sohlen die lächerliche Meinung anzumerken/ die jemand über ein Kreuz hervorgebracht hat/ welches auf einem alten abgebrochenen Fuße in dem Muses der vaticanischen Bibliothek/ auf dem Riemen zwischen der großen und der nächsten Zehe hing/ wo sonst insgemein ein Heft wie ein Kleeblatt oder ein Herz gestaltet ist. Dieses Heft vereiniget zween Rieme/ die von beiden Seiten des Fußes oben zusammenlaufen/ an dem Nieme zwischen gedachten beiden Zehen. Aus diesem Kreuze, da der Fuß in 1) ^'leoi'on!, 22t. p. 20. 2) !. v. 216. .5) l'ui-neli. 1. 2A. c. 26. OLvznii elect. I. 1. c. 7. x». ,7. -wi Geschichte der Kunst. den Katakomben gefunden worden/ hat man geschlossen/ daß derselbe von der Statue eines Märtyrers sei/ welches in einer großen Inschrift dazu gesezet worden. Dieser Fuß aber ist augenscheinlich von der Statue einer jungen weiblichen Person/ und so schön/ daß zu der Zeit/ da den Märtyrern köiiten Statuen gemachet sein/ ein solcher Fuß für alles Gold nicht hätte können hervorgebracht werden.^ Man weiß im übrigen/ wie viel Stükc alter Kunst/ die nichts mit der christlichen Religion zu schaffen haben/ in den Katakomben gefunden worden. Nach der Zeit ist ein schöner mänlicher Fuß von einer Statue/ die weit über Lebensgröße gewesen/ zum Vorschein gekommen/ an welchem sich ein ähnlicher Kreuzheft und an eben der Stelle findet: dieser Fuß ist in dem Museo des Bildhauers Herrn Bart hol- mä Cavaeeppi. Eben dieser Riem der Sohlen, welcher zwischen der großen und der nächsten Zehe lieget/ ist an einer schönen Statue des BakchuS mit einem geflügelten EngelSkopfe gezieret. Z. 23. Von den mancherlei Arten von Schuheil der Alten ist von andern umständlich gehandelt. Die Schuhe der Römer waren von den griechischen verschieden/ wie Appianns angibt:-^) diesen Unterschied aber können wir nicht zeigen. Die vorneh- t) Dieser Fuß, welchen der Commendatore Vettori zugleich mit der Inschrift an die Bibliothek geschenkt harte, ist nach seinem Tode aus dem Kabinet entfernt worden. Fea. Z) Ein beinahe ähnliches Kreuz steht man an den Fiißeil der Juno/ die aus dem Palaste Barberini in das Pi 0 - C l e m e n t i n u m gekommen ist. (Mus. t. I. tav. 2.) Fea. Lüber diese Verzierung sehe man SB. t K. 2l §. '?! o t e.1 .1) lls Iiello Nitl>ri6i>t. x, 172. 6 Buch/ 3 Kap. 425 men Römer trugen Schuhe von rothem Leder/ welches aus Parthien kam, und etwa der heutige Cordn an sein wird; sie hießen mullei; cs waren dieselben zuweilen mit Golde oder Silber gestiket/ wie wir an einigen bekleideten Füßen sehen. Gewöhnlich aber waren die Schuhe von schwarzem Leder/ welche zuweilen bis mitten auf das' Schienbein reichsten/^) und als eine Art Halbstiefeln anzusehen waren/ wie sie an den Figuren des Kastor und Pollux sind. Halbstiefeln/ wie deSPollux und des ZlmykuS/ ziehet Moses aus vor dem feurigen Busche/ in einem Gemälde der sehr alten Handschrift des Kosmas in der vaticanischen Bibliothek. Schuhe/ die heroischen Figuren können gegeben werden/ siebet man an der irrig sogenanteN Statne des Ouintns Cineinnatns/ oder vielmehr des Jason/ zu Versailles: diese sind Sohlen mit einem Finger breit erhobenen Nande umher/ und hinten mit einem Fersenleder/ welche/ wo der Fuß oben offen lieget/ mit Riemen geschnnret/ und über die Knöchel herauf gebunden worden. 4) Auf Schuhe/ aus Striken geflochten/ die man in dem herculanischen Mnseo siehet/ und deren ich oben gedacht habe/ kaii vielleicht gedeutet werden/ was Plinins von den Affen saget: lacjiieis^ie e.ilce-,,! imitslione traclunt; 5) >»x^hes INsgemciN 1) Vales. not. in Narcell, I. 22. c. 4. 2) Horst I. I. Süt. 6. V. 27. ^ Z) Auf dem walzenförmigen Gefäße Von Bronze im Mu- seo des kl. Jgnatii, aueli il Lolle^ic» l^oniono genant; von welchem Gefäße der Autor im » B. 4 K. 7 §. au§- fiilzrlich handelt. Meyer. 4) Alus. I^r!»>9. par kol-illai-cl pcronvilli-, IIvi'.iI>. 5,, tDer bcschuhete Fuß allein ist unter Nuniero S? der Abbildung en.Z k) I.. L. c. 5.,. sect. 80. IS * 426 Geschichte der Kunst. von Schlingen verstanden wird/ worin diese Thiere gefangen werde»/ da dieser Scribent hingegen hat sagen wollen/ die Affen machen sich Schuhe von Striken/ wie die Jäger. Die edlen Athenienscr trugen einen halben Mond von Silber/ und einige von Elfenbein auf den Schuhen/ nnd dieses auf der Seite unter dem Knöchel/ wie es scheinet; so wie die edeln Römer einen Mond; dieses Kenzeichen aber bat bis izo sich noch an keiner einzige» römischen Statue gefunden. Ich finde weiter nichts anzumerken/ als die Statue des Hadrianus in der Villa Albani/ welche mit einem Panzer barfuß vorgestellet ist. Diese Statue ist von mir an einem andern Orte berühret/ und gezeiget/ daß dieser Kaiser öfters in feiner Rüstung zwanzig Meilen zu Fuß zu gehen pflegen/ und dieses barfuß.^) Diese Statue aber ist nicht mehr kentlich; den da man glaubte/ den Kopf derselben zu einer andern Statue nöthig zu haben/ so wurde derselbe mit einem Kopfe des Geptimins SevernS verwechselt/ wodurch die bloßen Füße ihre Bedeutung verloren haben. Z. 24. Handschuhe haben einige Figuren auf ! Begräbnißnrnen in den Händen; welches wider den CasaubonuS zu merken ist/ welcher vorgibt/ daß weder bei den Griechen noch Römern Handschuhe im Gebrauche gewesen.^) Dieses ist so irrig/ daß sie gar zu HomeruS Zeiten bekant waren! den dieser gibt dem LaerteS/ des Ulysses Vater/ Handschuhe. §. 2,;. Ich merke hier als eine Zugabe an/ daß Schnupftücher wenigstens unter den Griechen nicht 1) ) Es finden fich aber auch andere Panzer/ die augenscheinlich dergleichen Rüstung von Erzt vorstellen/ und einige find den Panzern unserer Cuirassiers völlig Ähnlich: so haben ihn unter andern ein schönes Brustbild des Titus/ und zween liegende Gefangene in der Villa Albani; die Panzer haben alle ihre Scharniere oder Angeln auf beiden Seiten.-) K. 28. Über die Helme der Alten merke ich/ nach dem / was bereits von Andern gesaget ist/ nur an/ daß fie nicht alle von Metall waren/ sondern es müßen einige auch von Leder/ oder von anderer geschmeidigen Materie/ gewesen sein: den der Helm unter dem Fuße der Statue eines Helden / in dem Palaste Farnese/ ist zusammengetreten/ welches nicht mit Erzte geschehen konte. §. 29. Beinrüstungen finden sich häufig auf erhobenen Werken/ und geschnittenen Steinen; von Statuen aber findet fich nur eine einzige/ welche diese hat/ und zwar in der Villa Borghese. Unter den Hetruriern und in Sardinien/ waren auch Bein- rüstungen im Gebrauche/ die/ anstatt des Schienbeins/ wie gewöhnlich/^) die Wade bedeketen/ und auf dem 2) Es gab auch leichte Rüstungen , welche bloß aus einigen eiserne» Schienen bestanden, um Hiebe abzuhalten, wie nian an dem Sturz einer Statue in der Villa Strozzi, bei den Bädern des Diocletianus zu Rom, sieht. Meyer. tUnter Numero 70 der Abbildungen.!! .1? ^Beschreib. d. g esch»itt. Stei ne, 2 Kl. Abth. 120Z Num.1 Die angeführte Statue in der Villa Borghese ist 6 Buch, Z Kap. Beine offen waren; von dieser Art/an einer uralten sardinischen Figur eines Soldaten von Erzt/ ist oben gehandelt worden. §. 30. Die kaiserlichen Statuen sind mit einem Degen unter der Achsel vorgestellet/ auch wen dieselben völlig nakcnd sind/ und alsden die Kaiser gleichsam in vergötterter Gestalt zeigen sollen. Ausser dem Kriege aber trugen die Kaiser so wenig als Andere einen Degen/ und Galba/ welcher mitten in Rom einen Degen über die Achsel hängete/ erwekete viel Murren wider sich. Die gewöhnliche Länge eines Degens/ welcher unter der linken Achsel hing/ war nicht viel über drei Palme/ wie man am deutlichsten an einem Degen siehet/ welcher in der Villa Mat- tei an einer übrig gebliebenen schön gearbeiteten Stiize von einer Statue hänget/ worauf ein Paluda- mcutum geworfen ist: die Scheide desselben ist zween Palme und drei Zolle lang. Das untere Ende der Scheide der mehresten alten Degen ist ein halb runder platter Knopf/ und hieß der Pilz; von dessen Form, -t) Wie ein Pilz pfleget auch inSgemein der Knopf des GrifS an den Degen gestaltet zu sei»/ welchen ich an zween Degen verschieden geformt bemerket habe. Der eine Degen/ welchen Agamem- non auf der irrig so genanten Bcgräbnifiurue deS Alexander SeveruS im Campidoglio hält/ hat anstatt des gewöhnlichen Knopfs einen Widderkopfz abgebildet i» Scultui-e llella Villa kiaciana, xarl. I. sla»2. Z. n. ii. Meyer. iunter Nunievo der Abbildu»üen>Z 2) lZ B. 4K. 45§.Z 3) Xipiüiin. in (-ulli. i>. 165. 4) Nerociot. I. Z. c. 64. 6Z0 Geschichte der Kunst. ein anderer Degen, auf dem angeführeten erhobenen Werke deSTelephus im Palaste Nuspoli/ hat den Knopf in Gestalt eines Adlerkopfs'. K. 31. Besonders wäre zu merken der Schild der Pallas auf einer Münze/ die in Lucanien gepräget ist / und auf einer anderen Münze der Stadt Philadel-- pbia/^) wen derselbe/ so wie in der Zeichnung dieser Münzen die Linien/ die sich an der innern Seite des Schildes kreuzweis durchschneiden/ ^anzudeuten scheinen^ inwendig gefüttert ist. Ich weiß nickt/ ob der Bildhauer Adam zu PariS/ welcher die Statue einer Pallas unter den übrig gebliebenen Trümmern der Samlung des CardinalS Polignac ergänzet/ und derselben einen solchen nach Art eines Polsters gefütterten Schild gegeben/ Nachricht von diesen Münzen gehabt hat. Gewiß ist/ daß die Bildhauer von vier oben angeführeten großen erhobenen Werken/ in einer Galerie des königlichen Schlosses zu Turin/ der Pallas aus eigenem Dünkel dergleichen Schild gegeben haben/ ohne andere Gründe anzuführen/ als weil es besser stehe. §. 32. ES können auch die römischen l »sces als Waffen betrachtet und angemerket werden/ daß das Beil an denselben mit einem Überzüge bekleidet ge- z) «!u t. I. pl. 6. n. Zo. t. 2. pl. Z4. n. 65. Ein Sckild, welche»' allenfalls gefüttert kaii gedacht Werden, wen anders die inwendige Vefezung nicht blos aus Bändern oder Binden bestellt, um nach jeder Richtung eingreifen zu können, ist unter Numero 7l der Abbildungen, und cbendafelbst ein anderer, an welchem das Futter noch deutlicher erfcheint. Beide Schilde befinden sich auf bemalte» antiken Vafen , dieWilbelin Tischbein bekaiit gemacht hat, eine in der <üo>Iec!ion> vk klngravingü lroni oacient Vases, t> 4, die andere in feinem Homer nach Antiken: Menelsus, tad. 5, x> 2S. Meyer. 6 Buch, 3 Kap. wcscil sein müße, so wie es die Feldbeile sind, welche die preußischen Grenadiers tragen, deren Stiel so wie das Eisen mit einem Futter von Leder bezogen ist. An jenen Beilen siehet man dieses an verschiedenen von solchen kasees im Campidoglio, in den Palästen Nospigliosi und Massiini. Mit der Zeit wurde das Eisen dieser Beile von Silber ge- machet, und man wird also desto mehr auf einen Überzug gedacht haben, l) Daß dasjenige, was mir ein Überzug der Beile scheinet, dieses in der That sein könne, machet zugleich der Überzug anderer Waffen wahrscheinlicher: den die Alten trugen sowohl Schilder als Helme bedeket, und mit Leder überzogen, und entblößeten dieselben nur, wen sie zur Schlacht gingen, oder in Musterungen eines Heers. -) Sie trugen den Helm in seinem Futter an dem Gürtel, so wie man die Helme hängen siehet auf der traja- nischen Säule, und hierin kamen die alten Krieger ebenfalls mit unseren Grenadiers überein, die ihre Müze, weil sie schwer ist, auf ihren Zügen angehänget tragen und mit dem Hute gehen. §. 3Z. An der Zeichnung bekleideter Figuren hat zwar der feine Sin und die Empstndung, sowohl im Bemerken und Lehren als im Nachahmen, weniger Antheil, als die aufmerksame Beobachtung und das Wissen; aber der Kenner hat in diesem Theile der Kunst nicht weniger zu erforschen, als der Künstler. Die Bekleidung ist hier gegen das Nakende, wie die Ausdrüke der Gedanken, das ist: wie die Einkleidung derselben gegen die Gedanken selbst; «H kostet oft weniger Mühe, diese als jene zu finden. Da nun in den ältesten Zeiten der griechischen Kunst mehr bekleidete, als nakte Figuren gemachet wurde«»/ 1) Lruncki» t. 2. p. 5o2. n. 39. 2) Oasauljon. aä Luctvn. lul. c. 67. 432 Geschichte der Kunst. und dieses in weiblichen Figuren auch in den schönsten Zeiten derselben blieb/ also daß man eine einzige nakte Figur gegen fünfzig bekleidete rechnen kaii: so ging auch der Künstler Suchen zu allen Zeiten nicht weniger auf die Zierlichkeit der Bekleidung/ als auf die Schönheit des Nakenden. Die Gratie wurde nicht allein in Gebärden und Handlungen, sondern auch in der Kleidung gesuchet/ (wie den die ältesten Gratien bekleidet waren) und wen zu unsern Zeiten die Schönheit der Zeichnung des Nakenden aus vier oder fünf der schönsten Statuen zu erlernen wäre, so muß der Künstler die Bekleidung in hundert derselben studiren. Den eS ist schwerlich eine der andern in der Bekleidung gleich; da sich hingegen viele nakte Statuen völlig ähnlich finden/ wie die meh- resten Venus sind; eben so scheinen verschiedene Statuen des Apollo nach eben demselben Modelle gearbeitet/ wie drei ähnliche in der Villa Me diei6/ und ein anderer im Campidoglio sind/ und dieses gilt auch von den mehresten jungen Satyrs. ?) Es ist also die Zeichnung bekleideter Figuren mit allem Rechte ein wesentlicher Theil der Kunst zu nennen. §. 34. In der Bekleidung sind wenig neue Künstler ohne Tadel/ und im vorigen Jahrhunderte/ den einzigen Poussin ausgenommen/ sind alle fehlerhaft. Bernini hat seiner h. Bibiana sogar den Mantel über die Kleider mit einem breiten Gurte gebunden/ welches nicht allein aller alten Bekleidung entgegen ist/ sondern auch der Natur j) tMan vergleiche 5B, t K. 22 §1 2) Der Autor drükt sich liier unbestiuit aus. Er will an die vielen antiken Nachahmungen des von Praxiteles erinnern/ deren im 5 B. t K. 6 u. L §. sedacht worden. Meyer. 6 Buch/3 Kap. des Mantels selbst widerspricht: den ein gegürteter Mantel höret gleichsam dadurch auf ein Mantel zu sein. Derjenige/ welcher die Zeichnungen zu den schön gestochenen Kupfern in des Chambray Begleichung alter und neuer Baukunst gemachet/ hat sogar den Kallimachus/ den Erfinder des korinthischen Kapitals/ weiblich gekleidet. Ich bin daher verwundert/ wiePascoliinder Vorrede zu seinen Lebensbeschreibungen der Maler behaupten können/ daß den Bildhauern des Altertums der edle und liebliche Geschmak in Gewändern gemangelt habe/ welches eines von den Theilen der Kunst sei/ worinen dieselben von den Neuern übertroffen worden. Da nun dieser Scribent/ wie aus gedachtem Buche und aus dem Zeugnisse derer/ die ihn persönlich gekant haben / erhellet/ wenige oder gar keine Kentniß von der Kunst gehabt hat/ sondern was er schreiben wollen/ stükweiS von Anderen erfragen müßen! so ist hieraus zu schließen/ daß seine irrige Meinung von den Gewändern der Alten ein ziemlich gemeines Urtheil unter Künstlern müße gewesen sein. Was kan man stch also von diesen Gutes versprechen / die von einem so wesentlichen Irrtume eingenommen wirken und arbeiten/ und blind sind gegen daS/ was schön ist auch an mittelmäßigen Figuren der Alten. Da man ausserdem von vielen Figuren nicht einmal sagen kan/ wie Corneille von dem Bajazet des Racine sagete: „daß unter einem „ türkischen Kleide ein französisch Herz sei/" nämlich daß unter einer griechischen Kleidung eine Modefigur steke: so würde/ wen die Zeichnung des Nakenden fehlerhaft ist/ durch eine wohlverstandene Bekleidung Vieles verfielet werden. NZinikelma». 4. Beilage i. zur Seite 89. Die alte Kunst bat uns Faune von verschiedenem Cha» r akter überliefert, oder, weil man will, sie hat das Ideal derselben auf verschiedene Weise in mehr und weniger edlen Formen dargestellt. Es ist vollkommen gegründet, was der Autor sagt, daß mehrere Statue» und Kopse junger Faune un- gemein schön, gleichsam göttlichen Geschlechts, und als Verwandte des Bakchus gedacht und vorgestellt erscheinen, z. E. die vielen, einander ähnlichen, an einen Baumstaum sich anlehnenden Faune, welche sür Copien des sogenanten von Prariteles gelte». Von eben so gefälliger, jedoch noch höher zum Edlen und Göttlichen gesteigerter Idee ist auch der schöne junge Faun/ welcher nebst noch drei antiken Wiederholungen im Museum zu Dresden steht. (Beckers Augustsuni, l B. 25 — 26 Taf. sDer Kopf allein, im Profil, unter Numero Z5 der Abbildungen. Z Eine fünfte, den gedachte» dresdner Statuen ähnliche Figur, woran befonders der Kopf höchst lieblich und wohl erhalten ist, befindet sich in der Villa Lu- dovifi zu Rom. — Bezaubernd anmuthig, wen auch über» Haupt von etwas minder edlen Gestalt, ist der ebenfalls in zahlreichen Wiederholungen vorhandene junge auf der Flöte blasende Faun. Zwei deraleicken Figuren befinden fich im Museo Capitolino, mehrere in der Villa Vorghese, worunter eine von ausgezeichneter Kunst. Unzulängliche Abbildungen der gedachten schönsten borghesi- fche n Figur haben Perrier (Statue, n, 4g.) und das Werk wo auch die Vermutbung geäussert ist, der berühmte vom Prologen es gemalte Faun mit dem Beinamen möchte das Original sür diese Monumente in Marmor gewesen sein. Zwar sezen es die vielen Wiederholungen, die Kunst und Weisheit, welche in der Anlage herschen, so wie die elegante Zartheit der Formen ausser Zweifel, daß ein im Altertume hoch berühmtes Werk zum Vorbild gedieuet! nur möchten wir, wen nicht ganz besondere umstände die Wahrscheinlichkeit begründen, aus kein gemaletes Original ' rathen. Einzelne gemalte Figuren dürsten zwar zuweilen Von den Bildhauern nachgeahmt, auch plastische Werke in Malereien übergetragen worden sein; doch daß dergleichen oft begegnet, ja daß man sich es zur Angelegenheit gemacht habe, berühmte Gemälde häufig in Marmor zu wiederholen, Beilage. wie es mit dem jungen auf der Flöte spielenden Faun (soll anders derselbe als Nachahmung des vom Protogenes betrachtet werden? der Fall wäre/ ist keineswegs glaubwürdig. Von der Kunst der Alten sollte man so gering nicht denken/ als hätten sie den wesentlichen Unterschied der Malerei und Plastik nicht eingesehen/ und die Maler/ zumal in der schönsten Zeit/ da Avelles und Pro- togenes blühelen/ blos st atu en ähnli ch e Figuren geliefert die Bildbauer eben damals gem äl d eäl>n liche Com- Positionen in Marmor und Bronze. Den edlen Figuren vom b akch isch e n Geschlechte ist noch beizuzählen der berühmte/ den jungen Bakchns aus den Armen tragende S il eN/ in der Villa Borg hese. ^5 B. j K. 7§.) Von einem andern niedrigern Ideal sind diejenigen Faune/ welche der Autor durch das Beiwort Siaü, das ist: S tum v sn a si g e/ eigentlich scheint bezeichnen zu wollen. Sie haben ein breiteres/ flacheres Gesicht/ nicht ties liegende Augen / meistens eine etwas hohle am Ende kolbige Nase; der Mund ist verhältnismäßig weit/ und die Mine gewöhnlich zum Lachen verzogen; vst sind ihnen unter denKin- taken am Halse die hängenden Warzen gegeben/ nach Art der Ziegen; ihre übrige Bildung ist zuweilen schlank/ immer rüstig und behende/ mit kräftig angegebenen Muskeln und Sehne»/ wie ihr Geschäft/ Felder und Wälder zu durchstreifen, es erfodert. Unter den Figuren von dieser Art und Charakter gehört wohl dem berühmten b a r b e r i n i sch e n schlafenden Faun die erste Stelle. Wie er ermüdet/ der Ruhe hingegeben liegt/ wie alle Sehnen der Glieder los- gestrikt sind/ ist unnachahmlich ausgedrükt. Man glaubt ihn tief athmen zu höre»/ zu sehen/ wie der Wein ihm die Adern schwellt/ die erregten Pulse schlagen. Die erträglichste Abbildung dieses Denkmals findet sich unter den von Pira- nesi herausgegebenen Statuen. fZBlK. 6§.Z Den zweiten Rang behauptet der das Scabillum tretende Faun in der Tribune zu Florenz. (Ru?, I?I<>. reat, t. z. tzb. Sö — 5g.) Vollkoninc Übereinstimmung der Theile/ höchst naive Einfalt in der Gebärde/ in der Haltung aller Theile nehmen nicht blos unsere Verwunderung in Anspruch/ leisten dem Verstände Genüge/ und lösen die Aufgabe befriedigend; sondern diese Figur ergözt auch selbst das Gemüth gleich dem gedachten b a r b e r in i sch e n schlafenden Faun als ein heiteres herliches Bild der sich selbst gelasse» »r» Natur, überdem ist sie eine der allergelehrtesten/ oder Beilage. >IM uns richtiger auszudriiken, eine von denen, wo die anatomischen Kentnisse, die tiefe Wissenschaft Von der Verrichtung der Muskeln, und wie der Wille dem Momente der That vorangehend auf dieselben wirkt, sich herlich offenbart. Der Fuß, welcher das Scabillum treten soll mit angebundener Sohle, hebt sich in die Höhe; die Sehnen, welche die Zehen regi- ren, sind in der gewaltigsten Anstrengung, aber er verlangt »en Laut zu hören, und darum schwellt auch die Wade schon, und die große Sehne an der Ferse spant sich zum Niedcr- drüken. Der Kopf dieser Figur ist modern, jedoch sehr gut, ausdruksvoll, und in Übereinstimmung zum Ganzen; von demselben modernen Meister (man behauptet, es sei Michel Angelo) sind auch beide Arme, ein beträchtliches Sink der linten Ferfe und alle fünf Zehen des rechten das Sca- billum tretenden Fußes. Man keiit noch zwei antike Wieder« liolungcn dieses Monuments; eine, als Narcissu s resiaurirt, steht in der Villa Vorghese (swn?-, »>, u. g.) und eine besser erhaltene soll zu Rom aus dem v im in al i sch en Hügel gefunden und nachher in die russisch kaiserliche Samluny gekommen sein. Dem Chararakter nach gehört eben dieser niedrigern Klasse des Faunenideals auch eine Vorzugliche im Museo Capitolino befindliche beinahe lebensgroße Figur an, welche in dem umhängenden Fell Friicbte trägt. fUnter den Abbildungen Numero Z6.Z Der Beschauer erfreut sich an dem naiven Ansdrnk von Fröhlichkeit, der dieses vortrefliche Kunstwerk gleichsam belebt; es gehört überdem noch unter die wohlerhaltensten; den selbst die rechte, einen Apfel hoch emporhaltende Hand ist, mit Ausnahme der Finger, alt, am Kopse nur die Nasenspize etwas beschädigt, an den Fußen aber ein Paar Zehen nebst andern kleinen Stükchen moderne Ergänzung. Zu eben solcher Art find auch die oft vorkommenden Figuren jüngerer Faune zu zählen, die bald mit, bald ohne Nebris und Pinien- ^ranz vorgestellt, auf die Zehen gehoben sich mit dem unten am Stamme sizenden Tiger zu schaffen machen. In Aonu- inens LMitjues 6u Hlusee IVapoleon, t. 2. n. 14— i5. Hlusee xsr perouvllle, Iivr»i5. 66 (Waller. Farnes, a pe- tro n. 16. und anderwärts steht man der Art von verschiedenem Alter, Stellung und Handlung, welche alle dasselbe niedriger gehaltene Ideal ausdrüken. Doch wollen wir nur noch zweier Torso solcher Faune gedenken, die sich durch eine ganz vorzügliche Arbeit auszeichne». Einer derselben befindet ssch in der sl 0 r e n tin i sch en Galerie und es ist nichts als der Leib übrig geblieben. Der andere im Beilage. Palaste Rondinini zu Rom, dessen auch schon der Autor im 2 Bande dieser Ausgabe, S> 27, mit großem Lob ge> dachte. An demselben hat sich nebst dem Leibe noch der rechte Schenkel bis zum Knie, und etwas oom linken erhallen. Die Restaurationen, welche diesen Torso wieder zur Statue machen , sollen von F i a m m i» go herrühren. Es wird nicht über- ilüssig sein zu bemerken, daß dieses niedrige Faunsideal die ältere Darstellung dieser Wesen ist, deil schon in dem Basrelies des Kallimachus im Musev Caxi- rolino bat der den weiblichen Figuren nachtretende Faun ganz denselben Charakter, da hingegen von der zuerst erwähnten edlen Art Faune keiner vorhanden ist, dessen Entstehung auf eine frühere Zeit als die des Prariteles deutet, und sonach würde vielleicht diesem großen Meister die Erfindung des veredelten Faunenideals zugeschrieben werden dürfen. An die zweite Klasse, oder zu den niedrigen Fauns» gestalten, schließen sich auch die kahlköpfigen, stumps- n a si g e n S i le n e an, mit starkem zuweilen gar behaar> tem Bauch und Schenkeln, auch etwas kurzen Proportionen. Gute stehende Figuren dieser Art findet man im Museo Pio- Clementino (t. >> t->v. 44-), am Eingange des Palasts Lanti, in der Galerie Giustiniani (t> t. t!>v. 1Z8,) und im Museum zu Dresden. (Beckers Augusteum, 2TH° 7t Tas. ) lDen Kopf dieser leztern sieht man unter Numero Z7 der A b b i lt> u ng e n.Z Ein wegen vorzüglich weicher Behandlung sehr geschäzter liegender Eilen über Lebensgröße, jedoch in viele Stiike zerbrochen, wird im Garten der Villa Lu d o vi si zu Rom gesehen (per- rier, Statue, 11. gg.) und ein anderer ebenfalls liegender, jedoch nur etwa halb lebensgroß, in der slorentini sch en Galerie; er ist zwar in einigen Theilen ergänzt aber aus>s glüklichste erdacht und hat ehemals zu einer Fontaine gedient; mit der linken Hand stüzt er sich, und preßt gleichsam eine Traube, unter welcher hervor sonst das Wasser geflossen. Ferner gehören hiehcr, wiewohl sie etwas edler gebildet und gleichsam das Mittel zwischen den genanten Figuren, und der oben berührten schönen, den junge» Bakchus in den Armen haltenden, borghesischen auszumachen scheinen, der sinkende von einem Faune unterstüzte Silen auf der großen borghefifchen Vase (Scult. «lellü Villa kiociana, »tan2!> s. n. 10.) und ein anderer, den man taumelnd nennen köklte, von zwei Faunen gehalten auf dem schönen Basrelief im Museo Pio Clementino (t. 4. «av. -S.) lDer Kopf dieses Silens unter Numero 37 der Ab bil- Beilage. dungen.Z Die dritte Art und die niedrigste von dergleichen Jdealbildungen ist die der lang gehörnten und boksfüßigen, denen man jezo den Namen Satyr aus- schließlich beizulegen pflegt, obfchon die Griechen »or Alters alle die genaüren Arten ohne Ausnahme darunter begriffen haben. Wen wir die Faunen von der zweiten Art fast jederzeit in fröhlicher, vom Weine bis zum Muthwillen, zur Ausgelassenheit, zum Sprung und Tanz aufgereizten Stimmung vorgestellt erbliken, und felbst die Strafe des Mar- svas, wie z. B. die Statue desselben in der florentinischen Galerie, und der noch berühmtere geschnittene Stein daselbst Mus. ?Iorcnt. t. 3. lab. »z> I. I. l»I>. 66. 9>) in keinem tragischen Sinne gedacht ist: so haben dennoch die alten Künstler stch der B ok sfüßler als der eigentlichen Zustigmacher bedient. Deßhalb erscheint auf geschnittenen Steinen, so wie auf einem herculanifchen Gemälde (IVIus. Lrc. t. 2. tav. 4?.) ein dergleichen Mittelding im Stoßkampfe niit einem wirklichen Ziegenbok. In der Villa Borg Hefe tstanaa 4- n, ,o) stzt ein anderer mit komischem Ernst bemüht, einem rüstigen Faun, der sich ganz ungebärdig anstellt, einen Dorn aus dem Fuße zu ziehen. Eine denselben Gegenstand vorstellende Grupe, deren Figuren jedoch anders angeordnet lind, befindet stch im Museo Pio- Llementino (t. i. tav. 4g.) und ebendaselbst die noch niedlichere und besser gearbeitete, wo der Satyr lechzend mit lüsterner Zudringlichkeit einer stch sträubenden Nymphe das Gewand rauben will. (?. > rav. 5o.) Von Wiederholungen dieses lezrern Werks trift man Fragmente und ganze einzelne Figuren in verschiedenen Samlungen an. Auch Iren die alte Kunst zu frechen Darstellungen ausfchweift, bedient sie stch nur zuweilen der niedrigen Arten von Faunen; aber am öftesten solcher Boks g est alt en. Man denke in Betref jener nur an die bewundernswürdige Grupe des Fauns und H e rm a v h ro di re n im Museo zu Dresden (Ui-rlires >Ze vrescke, pl. go>), von welcher ebenfalls Wiederholungen angetroffen werden. Im Betref der Satyrn erinnere man sich an die Grupe des fogenaiiten Pan und Apollo, welche noch dreimal: in der Villa Ludovifi und Albani zu Rom, auch in der Galerie zu Florenz, ganz vorhanden »st, nebst hier und da zerstreuten Fragmenten mehrerer Wiederholungen; endlich an die berüchtigte kleine Marmor- grupeim h ereu l a ni sch e n M u se 0, Band l 54 S.) wo der Satyr einer Ziege Gewalt anthut. Nie»er. Geschichte der Kunst des Altertums. Seite- Viertes Buch. ........ 5 — LS Erstes Kavitel: Von den Gründen und Ursachen des Aufnehmens und des Vorzugs der griechischen Kunst vor andern Völkern 7 Zweites Kapitel: Von dem Wesentlichen der Kunst ............ 42 Fünftes Buch: Fortseznng der Kunst unter den Griechen . 83— 316 Erstes Kapitel .......... 85 Zweites Kapitel ......... t-jL Drittes Kapitel . 191 Viertes Kapitel ......... 22S Fünftes Kapitel ......... 24s Sechstes Kapitel ......... 29! Sechstes Buch: Von der Bekleidung 317 — 433 Erstes Kapitel .......... 319 Zweites Kapitel ......... 367 Drittes Kapitel ......... 398 Beilage 434