Druckschrift 
4 (1825)
Entstehung
Seite
302
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z»2 Geschichte der Kunst.

Suche nicht die Mängel und Unvoklkommen-heiten in Werken der Kni»? zn entdekeii/ bevordu das Schöne erkennen und finden gelernet. >)Diese Erinnerung gründet sich auf eine tägliche Er-fahrung/ und dcnMehrcste»/ die die Gestalt sehenkönnen/ aber das Wesen von andern hören müßen/weil sie den Censor machen wollen/ eheste Schü-ler zu werden angefangen/ ist das Schöne nner-kant geblieben: den sie machen es wie die Schul-knaben/ die alle Wiz genug haben/ die Schwächedes Lehrmeisters zu entdeken. Unsere Eitelkeit woll-te nicht gerne mit mäßiger Anschauung vorbeigehen/und unsere eigene Genugthuung will geschmeicheltsein; daher suchen wir ein Urtheil zu fällen. Sowie aber ein verneinender Saz eher als ein be-jahender gefunden wird: eben so ist das Unvoll-kommene viel leichter als das Vollkommenezu bemerken und zu finde»/ und eS tostet wenigerMühe/ andere zu beurtheilen/ als selbst zu lehre».Man wird insgemein/ wen man sich einer schönenStatue nähert/ die Schönheit derselben in allge-meinen Ausdrüken rühmen/ weil dieses nichts ko-stet/ und wen das Auge ungewiß und flatternd aufderselben herumgeirret/ und das Gute in den Thei-le»/ mit dessen Gründe»/ nicht entdeket hat/ blei-bet es an dem Fehlerhaften hängen. Am Apollobemerket es das einwärts gerükete Knie/ welchesmehr ei» Fehler des zusammengesezcten Bruchs/ alsdes Meisters ist; am vermeinetcn AntinouS imBelvedere die auswärts gebogenen Beine; am far-nesischen Herkules den Kops/ von welchemman gelesen hat/ daß er ziemlich klein sei. Die

j) Eine Anwendung Von dieser Stelle macht FriderickRichter in seiner Vorschule der Ästhetik, ZAl'th, S.595. Meyer.