Druckschrift 
4 (1825)
Entstehung
Seite
294
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Geschichre der Kunst.

jugendlichen Figuren nach der Wahrheit dcr schönenNatur gebildet / welche dieselben nicht mit sichtbarenKnorpeln zergliedert/ sondern sanft und einfach ge-wölbet/ und ohne Negnng dcr Muskeln zeiget/ sobaß das Knie von dem Schenkel zum Beine einesanfte aber vereinigte und nicht durch Tiefen undHügel unterbrochene Anhöbe machet. Über die Füßewill man aus Fnßstapfe»/ die sich im Sande son-derlich am Ufer der See/ welcher feste ist/ eindrii-ken/ bemerket haben/ daß weibliche Füße hohlersind in der Fußsohle/ inänliche Füße aber hoh-ler in den Seiren.

K. Damit aber diese unvollkommene Anzeigeder Gestalt eines jugendlichen Kniees nicht überflüs-sig scheine/ kan man hier den Leser auf neuererKünstler Figuren dieses Alters verweisen / von wel-chen sich wenige/ ich will nicht sagen gar keine/ finden/wo in diesem Theile die schöne Natur beobachtetund gebildet worden. Ich rede hier vornehmlich von »Figuren unseres Geschlechts: den so selten schöneJünglingskniee in dcr Natur sind/ so sind sie dennochallezeit weit seltener in der Kunst/ sowohl in Ge-mälden als Statuen/ so daß ich hier keine Figurdes Raphaels als ein Muster anführen kaii/ nochviel weniger von den Caraeci und deren Nachfol-gern. Der schöne Apollo des Herrn Mengs indcr Villa Albani kan hier unsere Maler belehren.§. 6. Ein schöner Fuß war sowohl als die

zu zählen, da die Form desselben bewundernswürdig, un-vergleichlich rein und elegant ist. An mänlichen bejahr-ten Figuren werden die Beine des Laokoon und jenedes b o rgh esi sch en Silenus, welcher den jungenVakchus in den Armen halt, den ersten Nattg verdie- 'nen. Nach der gewöhnlichen Meinung sollen sogar die ^Beine der lezt gedachten Statue unbedingt die schön-ste» aus dem Altertume sein. Meyer,