286 Geschichte der Kunst.
man in Abbildung von Personen/ die kurze oder ge-rade Haare hatte»/ diese nachahmen müßen. Anweiblichen Köpfen aber/ sonderlich von jungfräuli-chem Alter/ wo die Haare hinaufgestrichen und andem Hintertheile des Haupts zusaminengewunden/folglich ohne Lokcn sind/ siehet man dieselben schlan-genweis und mit nachdrüklichen Vertiefungen gezo-gen/ um ihnen Mannigfaltigkeit nebst Licht undSchatten zu geben; und also sind die Haare allerAmazonen gearbeitet/ die unsern Künstlern einMuster an Statuen geheiligter Jungfrauensein köiiten.5)
§. 38. Die Haare sind an allen Figuren ausguter Zeit lokicht/ groß/ und mit dem crsiillich«
?) sMan vergleiche oben S. lLZ eine Note.Z2Z In den Haare» hat der alte St»l der griechischenKunst etwas Steifes: doch wie die Monumente desselbensich der Zeit des Phidias nähern, so erhält sich zwar /noch die dratl,artige Manier, aber es zeigt sich immcr !mehr ein schöner Schwung »ud diejenige edle Einsalt, die ^dem Großen uud Erhabenen zur Seite geht. Nach dieserEpoche der Kunst bekommen die Haare mehr Bewegungund Weichheit; sie erscheinen nun besonders an der Ve>»ns/ am Apollo und Bakchus sehr zierlich iu Lo>ken gelegt, wie trokne gelbe oder braune Haare, dieeine natürliche Krause haben. Von Aleranders Zeitherab, bis da die Römer sich der Herschast über die da>malige eultivirte Welt bemächtigten, erhielt sich der guteCharakter der Haare; aber gleich nach den ersten römi>schen Kaisern sehen wir ein künstliches Gekräusel eintwten uud eine Bemühung der Künstler, solche mit bvr> liüglichem Fleiss- auszuarbeiten. Zu Hadriaus Zeitscheint es, habe man dse Haare gleichsam von Salbentriesend vorstellen wollen. Dan erscheint unter M»r>cus Nurelius und Lucius Verus die Manier vonfast unendlichem Fleiß und Mühe, wo iu unzähligen ,Lökchen auf dem Haupte wie am Barte'jedes einzelne Här>chen angegeben ist. So ging es fort bis kurz nach derZeit des Scptimius Se verus und des Caracas