6 Buch/ 5 Kap.
»nie unwissende Hand hier habe künsteln wollen.Ich zweifele daher/ ob der schöne M er c u rius vonErzt in dem herculanischen Mnseo ursprünglichein solches Kin gehabt habe; sonderlich da versichertwird/ daß der Kovs desselben in viele Stüke zer-trümmert gesunden worden. Wenig neuere Malerl»id Bildhauer sind in dem Kinne ihrer Köpfe ohneTadel/ und die mehresten haben dasselbe zu klein/zu spizig/ und zuweilen wie umher gekniffen gehal-ten/ und Pietro von Cortona ist allezeit andem kleinlichen Kinne kentlich. Bet dem Kinneder m edieeischen Venus habe ich eine andereUnvollkommenheit zu bemerken vergessen / nämlich dieplatte Spize desselben/ in deren Mitte das Grüb-chen ist/ und dieses Kin ist dergestalt platt gcdrükct/daß sich solche Fläche weder in der Natur/ noch anirgend einem alten Kopse findet.^) Unterdessen/ dadiese Statue noch beständig von unseren Bildhauernin Marmor nachgearbeitet wird/ ahmen sie die un-gewöhnliche Fläche/ als eine Schönheit/ in dergrößten Strenge nach/ uud sie können nicht über-zeuget werden/ daß ein breit gedrüketeS Kin nichtschön sei.
§. 29. Kein Theil des Haupts alter Köpfe pfle-get mit mehreren! Fleisse/ als die Ohren/ ausge-arbeitet zu sein / und die Schönheit/ sonderlich dieAusarbeitung ist hier eines von den untrüglichste»Kenzeichen, das Alte von dem Zusaze und von
t) Gipsabgüsse mögen den Autor zu dieser Stelle Widerdas Km der m ed i eei scl> e» Venus verleitet habeniden hätte er zur Zeit/ da solches geschrieben wurde,den Marmor selbst vor Augen gehabt / so wäre es seinerNeobachtung schwerlich entgangen, das, die rechte Seitedes Kins beschädigt, und mit Stueco ausgebessert, viel-leicht das ganze Kin ein wenig über- und abgearbeitetist, vornehmlich untznher. Meyer.