5 Buch/ 5 Kap. 251
wo man neue jugendliche mänliche Köpfe auf alteStatuen gefezet siehet/ unterscheidet sich die man-gelhafte neuere Jdea in den Haaren/ welche aus-schweifend auf der Stirne herumlaufen. Ich habesogar bemerket/ daß einige unserer Künstler so we-nig Betrachtung über diese Schönheit gemachet ha-be»/ daß sie in Abbildungen junger Personen vonbeiderlei Geschlechte/ die ich kenne/ und an welchendie Stirn kurz ist/ dieselbe erhöhet und den Haar-wachs hcraufgcriikct/ um/ wie man etwa geglaubet/eine offene Stirn zu machen. Zu diesem Haufengehörete Vernini; er hat hier/ wie in vielen an-deren Stükcn das Gegentheil für schön gefunden;und Baldinncei/ dessen Lobredner, glaubet etwasBesonderes von dem feinen Geschmake dieses Künst-lers anzubringen/ wen er berichtet/ eS habe derselbe/da er Ludwigs XIV. Bildniß in dessen Jugend/nach dem Leben selbst modelliret/ diesem jungenKönige die Haare von der Stirne weggestrichen;dieser schwazhafte Florentiner verräth hier/ wie invielen anderen Dinge»/ feine wenige Kentniß.
§. io. Diese Form der Stirn/ sonderlich dievorwärts gebogenen kurzen Haare/ sind offenbar anallen schönen Köpfen des Herkules/ sowohl im ju°
i) vu, p. 47.
Der Autor scheint liier dem Valdinucci eini-ges unrecht zn thun. Die Worte von diesen, lau-ten : „ Da der Konig eines Tages sich zum Sizen be>„ quemt hatte, um nach der Natur gezeichnet zu werden,„ »ahie sich Bernini, schob ihm die Haarloken über den„ Augenbranncn etwas bei Seite, so daß die Stirn srei-„ er ward und sagte: Euer Majestät sind ein König,>, der aller Welt die Srirn »eigen kan. Und es war ar>„ tig zu sehen, wie vwzli'ch der ganze Hos die Haare,, ebenso trug: man naiite daher diese Tracht der Haare>, die Frisur » la Lcrnini." Lea.