5 Buch/ 3 Kap. 225
ß. 29. Zur Ehre unserer Zeiten aber muß ichbekennen/ daß die Kentniß des Schönen sich nichtweniger als die Vernunft ausgebreitet hat/ unddieses ist vornehmlich von der Bildhauerei zu be-haupten. Unsere römischen Künstler werden ausBescheidenheit in der Wissenschaft sich nicht nebeneinen Buonarroti zu stellen getrauen; den diesesZiel ist schwer/ aber nicht unmöglich zu erreichen.Hingegen in schönen Bildungen/ Formen und Ideensind einige unter uns weit über alle ihre Vorgängerin neueren Zeiten. Die Ursache ist eine strengereBefolgung der alten Werke/ die seit wenigen Jah-ren das Augenmerk unserer Bildhauer geworden sind/nachdem ihnen die Deke vor den Augen weggefallen.Hierzu bat der gute Geschmak und die Kiebe zurKunst/ die in Engeland ein Trieb der Ehrbegierdcgeworden ist/ und auch in unserem Vaterlande sichauf den Thron erhebet/ das mehreste beigetragen.Den da von unseren Künstlern Copien alter Werkeverlanget worden/ sind dieselben dadurch auf dieNachahmung der Alten mehr eingeschränket worden>anstatt daß vor dieser Zeit die Kunst in Rom fastallein den Kirchen und den Mönchen gewidmet war,wo der alg ardische und der berni nische Stylihnen das Evangelium predigte.