2lo Geschichte der Kunst.
Heldinen, entfernet von aller gekünstelten Artigkeitin Gebärden, Stande lind Handlungen: wir sehenin ihnen gleichsam die sittliche Weisheit / welche Pla-to für keinen Vorwurf der Sinne hält. So wiedie zwo berühmten Schulen der alten Weltweisenin einem der Natur gemäßen Leben, die Stoikerin dem Wohlstände, das höchste Gut sezeten: so warauch hier ihrer Künstler Beobachtung auf die Wir-kungen der sich selbst gelassenen Natur, und aufdie Wohlanständigkeit gerichtet.
§. 19. Die römischen Kaiser erscheinen allezeitauf ihren öffentlichen Denkmalen als die ersten un-ter ihren Bürgern, ohne monarchischen Stolz, wiemit gleich ausgetheileten Vorrechten begäbetden die umstehenden Figuren scheinen ihrem Herrngleich zu sein, als welchen man nur durch die vor-nehmste Handlung, die ihm gegeben ist, von ande-ren unterscheidet. Niemand, der dem Kaiser etwasüberreichet, verrichtet es fußfällig, die gefangenenKönige ausgenommen, und niemand redet sie an mitgebeugetem Leibe oder Haupte; und obgleich dieSchmeichelei sehr weit ging, wie wir vom Tibe-ri u S wissen, dem der römische Senat zu Füßen siel:')erhob dennoch die Kunst ihr Haupt, wie sie es gethanhatte, da dieselbe in Athen zu ihrer Höhe stiegt)
1) 8uet. !a l'ider. c. 24.
2) Daß die Alten, selbst die Von hohem Stande, sich aufdie Kniee warfen, besonders nm eine Gnade von einemandern zu erflehen, zeigt sich an mehreren erhaltenenDenkmalen. In dem Bruchstuke eines alte» Denk-mals, welches früher Bianchini besaß und daS jezo indas Museum von Verona gekommen (vloiilk>uc.^ntis,.cxpl.Luppl. t. 4. ZL. p. 64. k'oAAttü AIus. t. 4.tav. 66. il> sine, p. 356.), ist Chr»ses, was der darun-ter geschriebene Name anzeigt, vorgestellt, wie er vor demAgamemnon und den andern griechischen Anführern