72 Geschichte der Kunst.
„erheben könne»/ und vergebens habe ich dieselbe„auf der Erde gesuchet," Gleichwohl ist seinErzengel weniger schön/ als einige Jünglinge/ dieich gekant habe und noch kenne. Wen aber Naphaelund Guido / jener im weiblichen und dieser imm änlichen Geschlechte keine Schönheiten fanden/die sie derGalathea und des Erzengels würdiggeachtet/ wie aus dieser Künstler eigenhändigenSchreiben erhellet: so scheue ich mich nicht / zu sagen/daß Beider Urtheil aus Mangel der Aufmerksamkeitauf das'/ was in der Natur Schönes ist/ herrühre/ja/ ich »erdreiste mich zu behaupte»/ daß ich Bildun-gen des' Gesichts gefunden/ die eben so vollkommensind/ als diejenige»/ die unseren Künstlern Musterder hohe» Schönheit sein müßen.
K. 36. Diese Aufmerksamkeit griechischer Künst-ler auf die Wahl der schönsten Theile unzählbarschöner Menschen blieb nicht auf die mänliche undweibliche Jugend allein eingeschränket/ sondern ihreBetrachtung war auch gerichtet auf das Gewächsder Verschnittenen/ zu welchen man wohlgebildeteKnaben wählete. Diese zweideutigen Schönheiten/in welchen die Mäiilichkcit/ durch Benehmung derEamengefäßc, sich der Weichlichkeit des weiblichenGeschlechts in zärtlichen Glieder»/ und in einemfleischiger» und rundlichern Gewächse näherte/ wur-den zuerst unter den asiatische» Völkern hervorge-bracht, um dadurch den schnellen Lanf der flüchtige»Jugend/ wie PetroniuS saget/ einzuhalten; ja/unter den Griechen in Kleinasien wurde» dergleichenKnaben und Jünglinge dem Dienste der Cvbeleund derDiana zu EphesnS gewidmet. Ja/ män-liche» Knaben suchete ma»/ auch unter den Römern/
0, i ig. x. L56.
2) I. 1^. j). ^50.