Druckschrift 
4 (1825)
Entstehung
Seite
68
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63 Geschichte der Kunst.

benern Geiste/ und mit einer zärtlichern Seele be-gabt sein: Apollo hat das Erhabene/ welchesim Laokoon nicht statt fand. /

§. 33. Die Natur aber und das Gebäude derschönsten Körper ist selten ohne Mängel/ und hatFormen oder Theile/ die sich in andern Körpernvollkommener finden oder denken lassen; und dieserErfahrung gemäß verfuhren diese weisen Künstlerwie ein geschikter Gärtner/ welcher verschiedene Ab-senker von edlen Arten auf einen Stam pfropfet;und wie eine Biene aus vielen Blumen samlet:so blieben die Begriffe der Schönheit nicht auf dasindividuelle einzelne Schöne eingeschränket/ wie eSzuweilen die Begriffe der alten und neuern Dichter/und der nichresten heutigen Künstler find: sondernsie sucheten das Schöne ans vielen schönen Körpernzu vereinigen/^) wie auch die Unterredung desSo-krateS mit dem berühmten Maler Parrhasius >lehret.^) Sie reinigten ihre Bilder von aller per-sönlichen Neigung/ welche unsern Geist von dem

ster dieses leztern mußte darum nicht minder gründlicheKeiitnisse vom Bau des menschliche» Körpers bestzen,Deii darin ist eben die alte Kunst groß/ das, auch anden zartesten Bildungen jedesmal alle Theile angedeutet ,erscheinen in sast unmerklichen Nuancen von Erhöhungund Bertiesung/ also/ daß des Künstlers Wissen nur ei-nem forschenden Beobachter kund wird. Wäre an einer»arten ingendlichen Figur / wie der Apollo ist/ nichtmit vollkonmer/ obfchon halb verstekter Einsicht dieganze Structur des menschlichen Körpers wirklich richtig«mgegebe»/ so würden ihre Glieder wohl rund und voll,aber auch zugleich schlaf/ ohne Ausdruk und Mannigsaltigkeit erscheinen/ so daß das Ganze schwerlich gesal>len könte. Meuer. ,

<) Bristol, ziolit, I. Z. c, >>,

z) Xelloxii, I. Z. c- >o, n> 2.