6v Geschichte der Kunst.
kan verglichen werde»/ rühret die Schwierigkeit einerallgemeinen und deutlichen Erklärung derselben.
§.22. Die höchste Schönheit ist in Gott!und der Begrif der menschlichen Schönheit wirdvollkommen/ je gemäßer und übereinstimmender der-selbe mit dem höchsten Wesen kaii gedacht wer-den/ welches uns der Begrif der Einheit und derUnteilbarkeit von der Materie unterscheidet. DieserBegrif der Schönheit ist wie ein aus der Materiedurch'S Feuer gezogener Geist/ welcher sich suchet einGeschöpf zu zeugen nach dem Ebenbilds der in demVerstände der Gottheit entworfenen ersten vernünf-tigen Creatnr. Die Formen eines solchen Bildesstud einfach nnd ununterbrochen/ und in dieser Ein-heit mannigfaltig/ eben dadurch aber sind sie har-monisch; so wie ein süßer und angenehmer Tondurch Körper hervorgebracht wird/ deren Theile gleich-förmig sind. Durch die Einheit nnd Einfaltwird alle Schönheit erhaben/ so wie es durch die-selbe alles wird/ was wir wirken und reden: den wasin sich groß ist/ wird/ mit Einfalt ausgeführetund vorgebracht/ erhaben. ES wird nicht engereingeschränket/ oder verlieret von seiner Größe/ wenes unser Geist wie mit ei nein Blike übersehen undmessen/ und in einem einzigen Begriffe einschlie-ßen und fassen kan: sondern eben durch diese Be-greiflichkeit stellet eS uns sich in seiner völligen Größevor/ und unser Geist wird durch die Fassung desselbenerweitert und zugleich mit erhoben. Den alleS/was wir getheilet betrachten müßen/ oder dnrchdie Menge der zusammengesezeten Theile nicht miteinmal übersehen können/ verlieret dadurch vonseiner Größe/ so wie uns ein langer Weg kurz wirddurch mancherlei Vorwürfe/ welche sich uns auf dem-selben darbiete»/ oder durch viele Herberge»/ in