Druckschrift 
4 (1825)
Entstehung
Seite
46
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Geschichte der Kunst.

ben zu gehen suchete/ schien mir die Schönheitzu winken/ vielleicht eben die Schönheit/ die dengroßen Künstlern erschien/ und sich fühlen/ begreifenund bilden ließ: den in ihren Werken habe ich die-selbe zu erkennen gesuchet und gewiinschet. Ich aberschlug mein Auge nieder vor dieser Einbildung/ wiediejenigen/ denen der Höchste gegenwärtig erschie-nen war/ weil ich diesen in jener zu erbliken glan-bete. Ich erröthete zugleich über meine Zuversicht/die mich »erdreistet hatte/ in die Geheimnisse dersel-ben hineinzuschauen/ und von dem höchsten Begriffeder Menschlichkeit zu reden / indem ich mir die Furchtzu Gemüthe führete/ die mir ehedem dieses Unter-nehmen verursachete. Aber die gütige Aufnahme/ diemeine Betrachtung gefunden/ machet mir Muth/ je-nem Winke zu folgen, und der Schönheit weiternachzudenken. Mit erwärmeter Einbildung von demVerlangen/ alle einzelne Schönheiten/ die ich bemer-ket/ in Eins und in einem Bilde zu vereinigen/suchete ich mir eine dichterische Schönheit zu erwe-ken/ und mir gegenwärtig hervorzubringen. Ichbin aber von neuem in diesem zweiten Versuche undAnstrengung meiner Kräfte überzeuget worden, daßdieses noch schwerer ist/ als in vermenschlichen Na-tur das vollkommene Schöne, wen es vorhan-den sein kaii/ zu finden. Den die Schönheit ist einesvon den grofien Geheimnissen der Natur/ derenWirkung wir seke»/ und alle empfinden/ von de-ren Wesen aber ein allgemeiner deutlicher Begrifunter die »«erfundenen Wahrheiten gehöret. Wäredieser Begrif geometrisch deutlich/ so würde dasUrtheil der Menschen über das Schöne nicht ver--schieden sein/ und es würde die vberzeugung vonder wahren Schönheit leicht werden; noch we-niger würde es Menschen entweder von so unglük-licher Empfindung oder von so widersprechendem TM'