44 Geschichte der Kunst.
worden, zu deren Genuß man nicht zu gelangenverboffen kaii, und die deßwegen in einigen die Ein-bildung leichthin erwärmen, aber nicht bis zur See-le dringen: und die Altertümer haben nur Anlaßgegeben, Belesenheit auszuschütten/ der Vernunftaber wenige Nahrung s verschaff oder gar keine.Auf der andern Seite hingegen, da die Weltweisheitgrößtentheils geübet und gelehret worden von denen,die durch Lesung ihrer düstern Vorgänger in der-selben, der Empfindung wenig Raum lassen kön-nen, und dieselbe gleichsam mit einer harten Hautüberziehen lassen: hat man uns durch ein Labyrinthmetaphysischer Svizfindigkeiten und Umschweife ge-führet, die am Ende vornehmlich gedienet haben,ungeheure Bücher auszuheke», und den Verstanddurch Ekel zu ermüden.
§. 6. Aus diese» Gründen ist die Kunst von phi-losophischen Betrachtungen ausgeschlossen geblieben,und die großen allgemeinen Wahrheiten, die aufRosen zur Untersuchung der Schönheit und von die-sen näher zu der Duelle derselben führen, da dieselbennicht auf das einzelne Schöne angewendet und gedeu-tet worden , haben sich in leere Betrachtungen verlo-ren. Wie kan ich anders urtheilen auch von denSchriften, die den höchsten Vorwurf nach der Go tt-heit, ich meine die Schön hei t zum Endzweke ge-wählet haben? Lange, aber zu spät, habe ich der-selben nachgedacht, und in dem schönsten und reifenFeuer der Jahre ist mir ihr Wesen dunkel geblieben,daher ich nur unkräftig und ohne Geist von derselbenreden kaii; meine Bemühung kan indessen Andernder Antrieb zu gründlichern und von der Gratiebegeisterten Lehren werden.
ß. 7. Dieser zweite Abschnitt enthält zweenTheile; der erste handelt von der Zeichnungdes Nakenden, welcher auch die Thiere mitbe-