^ Baukunst der Alts».
damit er sich selbst in seinem völligen Glänzezeige. <)
K. 6. Die Zierlichkeit war an den ältesten Ge-bäuden so selten/ als an den ältesten Statuen / undman siehet an jenen weder Hohlkehlen noch rundlicheBünde/ so wenig als an den ältesten Altären/ son-dern die Glieder/ an welche diese Zierlichkeit nach-her angebracht wurde/ gehen entweder gerade aus,oder sie sind wenig gesenket und erhoben. Nichtlange vor Augustu6 Zeiten wurde unter dem Con-sulate des Dolabella/ auf dem Berge Cölio inRom /an der cl a n di sche n Wasserleitung ein Bogengebauet/ über welchen der hervorspringende Balkenoder Cornische von Travertino, über der Inschriftschräg aber in gerader Linie gehet/ welches in fol-genden Zeiten nicht so einfältig gemachet wäre.
§. ^l. Nachdem aber die M a n ni g fa l tig ke it inder Baukunst gesuchet wurde / welche durch Senkungenund Erhobenheiten/ oder durch Hohl- und Bogen-linien entstehet/ unterbrach man die geraden Glie-der und Theile/ und dadurch vervielfältigten sichdieselben. Die Mannigfaltigkeit aber/ welche sich ei-ner jeden Ordnung in der Baukunst verschiedentlicheigen machete/ wurde eigentlich als keine Zierlichkeitangesehen/ welche in der That so wenig von den
t) Lucian, welcher bis in sein dreißigstes Jahr einBildhauer gewesen/ vergleicht (<le vom» 8 7.) ein Ge-bäude, das mit schiklichen, maßig angebrachten Ziera-ten versehen ist, einer bescheiden und mäßig geschniiik-ken Jungsran/ welche ihrer natürlichen Schönheit Raumläßt, sich zu zeigen; hingegen ein mit Verzierungenüberladenes Gebäude vergleicht er einer Buhleri», wel-che ihre Mängel und Häßlichkeiten unter dem Schmukczu verbergen sucht. Fea.
2) Li-Ut«.'!-. Inscr. t, »> x. 176. n, 2, ZVIomksuc. oiar. ItsI'c> iv. p. 143.